Donnerstag, 9. November 2017

Templetons Tipps: Investiere in der Zeit des größten Pessimismus

John Marks Templeton gründete 1954 den Templeton Growth Fund, Inc., einen der am Anlagevermögen gemessen weltweit größten Investmentfonds und er weiß, wovon er spricht. Denn er hat Zeit seines Börsenlebens nach festen Kriterien gehandelt und hat enorme Erfolge vorzuweisen.

Templetons Aufstieg zum "wohl größten globalen Stock-Picker des Jahrhunderts", so das US-Anlegermagazin Money 1999, begann in der Baisse des Jahres 1939 auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise zu Beginn des Zweiten Weltkriegs. Damals, als alle Anleger ihre Aktien zu jedem Preis auf den Markt warfen, lieh er sich 10.000 Dollar und kaufte querbeet Unternehmen, deren Aktienkurse unter 1 Dollar gesunken waren. Als er nach einigen Jahren diese Aktien verkaufte, war er ein reicher Mann, da beinahe alle diese Aktien erheblich im Kurs gestiegen waren.

»Investiere in der Zeit des größten Pessimismus.«
(Sir John Templeton)

Er lebte also seine eigene Maxime konsequent vor, in Zeiten des größten Pessimismus einzusteigen, diese unterbewerteten Aktien über einen längeren Zeitraum zu halten und dann teu(r)er wieder zu verkaufen. Templeton war überzeugt, dass man andere Aktien als alle anderen kaufen müsse, weil man ansonsten eben auch keine andere, bessere, Rendite vorweisen könne. Und sein Templeton Growth Fund bestätigte dies, denn zwischen dem Zeitpunkt der Auflage 1954 und dem Verkauf der Investmentgesellschaft an die Franklin Investment-Gruppe im Jahr 1992 für 440 Mio. Dollar erzielte der Fonds eine durchschnittliche jährliche Rendite von 14,5 Prozent.


Seine Anlagephilosophie bewährte sich auch kurz nach der Jahrtausendwende, als die Internetblase platzte und die Kurse weltweit abstürzten. Getreu seinem Motto des antizyklischen Investierens hatte er da bereits den größten Teil seiner Tech-Aktien verkauft und sein Fonds verlor zwischen 2000 und 2003 nur 2 Prozent, während der MSCI-World-Index um fast 40 Prozent in die Tiefe stürzte.

Templetons Strategie ist simpel, aber nicht einfach (umzusetzen). Wenn alle anderen verkaufen, sind die Preise niedrig, und man selbst sollte als Käufer auftreten. Dabei muss man seine eigene Psyche überlisten, die einem ja nötigt, herdentriebsähnlich zu verkaufen, aus dem Markt zu fliehen, wenn alle anderen dies auch tun. Der Fluchtinstinkt sicherte dem Menschen sein Überleben in der Wildnis, aber er ruiniert ihn an der Börse!

Hier kommt das Konzept des Value Investing ins Spiel, dem strikten Unterscheiden von Preis und Wert eines Vermögensgegenstands. An der Börse werden nicht die Werte gemacht, sondern nur die Preise, die ein Wertgegenstand in einem kurzen Augenblick gerade hat, weil sich sich ein Käufer und ein Verkäufer auf diesen Preis einigen. Also zwei Menschen, nicht "der Markt", nicht "die Masse", nicht "alle". Zwei. Die man selbst nicht kennt und die beide ebenso gut Insassen der geschlossenen Abteilung einer Psychiatrie sein könnten. Wobei inzwischen viel wahrscheinlicher ist, dass es sich um zwei emotions-, lebens- und hirnlose Computer handelt, die automatisiert Handelssignale in den Äther blasen.

Wie Warren Buffett schon sagte: "Die Börse ist nur der Marktplatz, die Wertschöpfung findet im Unternehmen statt". Und als Anleger sollte man auf die Wertentwicklung einer Aktie schauen, nicht auf ihren Preis. Wenn also die Kurse abstürzen in einer Panik, dann hat sich in diesem Moment, dieser Phase der Wert des Unternehmens ja nicht grundlegend verändert. Nur die Einstellung der Börsenakteure hierzu. Man kann also in der Panik Aktien zu Preisen kaufen, die weit unterhalb ihres Wertes liegen. Und wenn die emotionsgetriebene Panikstimmung wieder verfliegt, kehren die Aktienkurse wieder zu einer faire(re)n Bewertung zurück und spiegeln wieder mehr der Wert der jeweiligen Aktien, dieser Unternehmensanteile, wieder. Und hierin liegt dann der Gewinn der Mutigen.

Nun kann man nicht einfach jede Aktie kaufen, deren Kurs einbricht, so simpel ist es leider auch nicht. Man muss schon schauen, ob es sich um eine Marktpanik handelt, die alle Aktien in die tiefe reißt, oder um ein unternehmensspezifisches Problem. In diesem Fall muss man ergründen, ob dies ein vorübergehendes und lösbares Problem ist, dann sollte man die Aktien kaufen und abwarten, bis sich seine Zeiten bessern - und mit diesen sein Aktienkurs. Oder man kommt zu dem Schluss, dass das Unternehmen wohl an seinem Problem zugrunde gehen wird. Dann darf man die Aktien nicht kaufen.

Auf jeden Fall braucht man "die oberste Tugend des Investors: Geduld", wie Benjamin Graham es auf den Punkt brachte. Denn Die Aktienmärkte können über einen längeren Zeitrum verrückt spielen und das muss man bei seinen Investments immer einkalkulieren. Manchmal benötigt es eben Zeit, bis einem der Markt zustimmt. Was in der Zwischenzeit aber eben nicht bedeutet, dass man falsch liegt. Man muss nur Geduld aufbringen, bis die eigene Investmentthese aufgeht. Und die Chance, dass dies gelingt, ist in panikartigen Ausverkäufen, in der Zeit des größten Pessimismus, am größten. Denn  an der Börse gleichen sich die Übertreibungsphasen früher oder später immer wieder aus. Für mutige Investoren sind sie daher die richtige, die beste Zeit zum Handeln!

Kommentare:

  1. Hallo Michael,

    basierend auf dem obigen Post würde mich mal interessieren wie Du dich in Korrekturen bzw. fallenden Märkten verhältst?

    Ein Bsp.: deine Cashquote ist aktuell ja relativ gering und bei einem geringen Rücksetzer wie gestern hast du bereits wieder zugekauft. Sprich wenn es jetzt oder später zu stärkeren Korrekturen/Crashs kommt (aktuell sind die Märkte ja historisch nahe All Time High) hast du doch kaum mehr Cash zum Nachkaufen bzw. "Verbilligen".
    Vielleicht verstehe ich ja was falsch, aber mir ist unter den Umständen ein Rätsel wie du in richtigen Pessismismuszeiten antizyklich, billig kaufen willst...?

    Danke für Deine Antwort und den super Blog hier.

    Viele Grüße,
    Basti

    AntwortenLöschen
  2. Hallo Michael,

    ich verfolge sehr interessiert deinen Blog und kann mich dieser Frage bezüglich Kauf in Krisenzeiten nur anschießen.
    Wie ist dein Plan für solche Zeiten?
    Du bist sehr hoch investiert, dein Portfolio ist sehr konzentriert auf das Segment "Small Cap" bzw. Beteiligungsunternehmen, das bei einem richtigen Ausverkauf (die Wahrscheinlichkeit steigt auch wenn es noch ein paar Jahre weiter gehen kann) sofort aus dem "Zittrigen-Depot" geworfen wird.
    Dann gibt es die Schnäppchen aber dafür fehlt dir dann das Geld.

    Vielen Dank vorab und VG

    Fabian

    AntwortenLöschen
  3. Also auch wenn ich nicht Michael bin gebe ich gerne eine Antwort;)
    Bei mir ist es so das ich neben meinem Portfolio-Geld womit ich Aktien kaufe und dies eher über monatliches sparen mache ich es so das ich ja immer noch eine Reserve, nicht die eiserne halte um in solchen Fällen nachzukaufen!
    Grundsätzlich sehe ich diese Reserve aber nich als Portfolio-Geld und würde diese dann wieder über meine sparrate aufbauen!

    Grüße aus der Eifel

    AntwortenLöschen
  4. Wer nicht investiert ist, hat nichts von steigenden Aktienkursen. Wer kein Cash hat, kann bei Kurseinbrüchen nicht nachkaufen/einsteigen. Da man aber im Voraus nicht weiß, wann man günstige Einstiegsgelegenheiten präsentiert bekommt, steht man vor einem Dilemma. Ausführlich habe ich meine Position dazu mal hier dargelegt: "Liquidität bringt langfristig die Rendite!".

    Eine Patentlösung gibt es nicht. Ich habe zuletzt die fallenden Kurse fürs Aufstocken genutzt. Wenn die Kurse jetzt wieder steigen, freue ich mich. Fallen sie weiter, dann habe ich weniger Cash, um die noch tieferen Kurse ausnutzen zu können. Ist klar. Aber den Tiefpunkt erwischt man nie, daher sollte man auch nicht darauf setzen. Allerdings steht mir nicht nur das Cash zur Verfügung, sondern auch eine Kreditlinie (Wertpapierkredit). Diese nutze ich nicht dauerhaft, um mein Depot zu hebeln, sondern genau für solche Fälle. Dass meine Cashquote zu niedrig ist und es zu weiteren tollen Gelegenheiten kommt aufgrund eines Markteinbruchs. Auch das ist keine perfekte Lösung und mit Risiken behaftet.

    Und dann habe auch ich die Option, ggf. Umschichtungen im Depot vorzunehmen. Natürlich ist es im Nachhinein schlauer, vor dem Kurseinbruch das Depot auszumisten und für Liquidität zu sorgen. Aber, wie gesagt, man weiß ja nicht im Voraus, wann der Markt einbricht. Also ist eine weitere Möglichkeit, bei einem Einbruch seine Depotpositionen zu hinterfragen und auszusortieren. Und dabei meine ich nicht, das zu verkaufen, was noch stabil ist, um die Werte zu kaufen, die sehr stark abstürzen. Das geht selten gut, man verkauft ggf. Qualität, um billig Ramsch zu kaufen. Ich meine, dass man sein Depot nach Qualitätsmerkmalen durchgeht und überlegt, den einen oder anderen Wert auszusortieren, der am wenigsten den eigenen Ansprüchen genügt. Auch so bekommt man ja Mittel frei, mit denen man seine eigenen Top-Werte aufstocken kann. Und ja, mir ist klar, dass dies auch bedeutet, zunächst in einem fallenden Markt Aktien zu verkaufen und so selbst am Kurseinbruch beteiligt zu sein.

    Wie gesagt, es gibt keine perfekte Lösung, weil die Kursentwicklung nicht vorhersagbar ist. Jedenfalls nicht zuverlässig. Deswegen sind alle Lösungsansätze auch nur Theorie und haben ihre Stärken und Schwächen. Wie und ob sie funktionieren, wird erst der nächste Praxistest zeigen...

    AntwortenLöschen