Freitag, 19. Oktober 2018

Templetons Tipps: Investiere in der Zeit des größten Pessimismus!

In der Zeit des größten Pessimismus zu investieren, ist leichter gesagt, als getan. Denn es bedeutet, sich alleine gegen den Markt zu stellen, gegen die allseits anerkannte Meinung und zwar in einer Phase, in der man selbst emotional von Zweifeln und (Existenz-) Ängsten geplagt ist. Aber nehmen wir mal an, wir sind als Anleger charakterlich gefestigt genug, das auszuhalten. Dann bleibt noch bzgl. des Rates von Templeton die Frage nach der Definition von "Größter". Oder ist das letztlich eher egal?

Den großen Börsencrash von 1929 habe ich nicht miterlebt, aber viel schlimmer kann es kaum kommen. 1987 war mein erster "aktiver" Börsencrash, nachdem ich gerade meine ersten Aktien gekauft hatte. 2000 habe ich voll mitbekommen. Voll im Sinne von voll investiert und voll verksackt. Als dann am 11. September 2001 die Flugzeuge in die beiden Türme des World Trade Centers in New York flogen, machte sich Weltuntergangsstimmung breit. Das könnte man als "größter Pessimismus" wohl durchgehen lassen. Und dann natürlich die Finanzkrise von 2008/09, als die Weltwirtschaft in einen Abgrund blickte. Das waren Börsencrashs, das waren Paniken, das waren die besten Gelegenheiten für "contrarian investors", für antizyklisch agierende Anleger. Doch auch wenn es sich "nur" um Marktkorrekturen handelt, wenn die Kurse also schnell und heftig mal um 10% einbrechen, fühlt sich das wie Endzeitstimmung an. So wie letzte Woche. Dabei sind solche recht häufigen Korrekturen keine Phasen "größten", aber doch schon großen Pessimismus. Und zumeist ebenfalls sehr lukrativ für Hartgesottene.


Zu jenen gehörte auch John Marks Templeton, der 1954 den Templeton Growth Fund gründete, einen der am Anlagevermögen gemessen weltweit größten Investmentfonds. Doch den Grundstein seines Vermögens legte er als junger Mann: sein Aufstieg zum "wohl größten globalen Stock-Picker des Jahrhunderts", so das US-Anlegermagazin Money 1999, begann in der Baisse des Jahres 1939 auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise zu Beginn des Zweiten Weltkriegs. Damals, als alle Anleger ihre Aktien zu jedem Preis auf den Markt warfen, lieh er sich 10.000 Dollar und kaufte querbeet Unternehmen, deren Aktienkurse unter 1 Dollar gesunken waren. Als er nach einigen Jahren diese Aktien verkaufte, war er ein reicher Mann, da beinahe alle diese Aktien erheblich im Kurs gestiegen waren. Die wenigen Pleiten fielen kaum ins Gewicht und waren ein von ihm klug einkalkuliertes Risiko.

»Investiere in der Zeit des größten Pessimismus.«
(Sir John Templeton)

Er lebte also seine eigene Maxime konsequent vor, in Zeiten des größten Pessimismus einzusteigen, diese unterbewerteten Aktien über einen längeren Zeitraum zu halten und dann teu(r)er wieder zu verkaufen. Templeton war überzeugt, dass man andere Aktien als alle anderen kaufen müsse, weil man ansonsten eben auch keine andere, bessere, Rendite vorweisen könne. Und sein Templeton Growth Fund bestätigte dies, denn zwischen dem Zeitpunkt der Auflage 1954 und dem Verkauf der Investmentgesellschaft an die Franklin Investment-Gruppe im Jahr 1992 für 440 Mio. Dollar erzielte der Fonds eine durchschnittliche jährliche Rendite von 14,5 Prozent.

Seine Anlagephilosophie bewährte sich auch kurz nach der Jahrtausendwende, als die Internetblase platzte und die Kurse weltweit abstürzten. Getreu seinem Motto des antizyklischen Investierens hatte er da bereits den größten Teil seiner Tech-Aktien verkauft und sein Fonds verlor zwischen 2000 und 2003 nur 2 Prozent, während der MSCI-World-Index um fast 40 Prozent in die Tiefe stürzte.

Templetons Strategie ist simpel, aber nicht einfach (umzusetzen). Wenn alle anderen verkaufen, sind die Preise niedrig, und man selbst sollte als Käufer auftreten. Dabei muss man seine eigene Psyche überlisten, die einem ja nötigt, herdentriebsähnlich zu verkaufen, aus dem Markt zu fliehen, wenn alle anderen dies auch tun. Der Fluchtinstinkt sicherte dem Menschen sein Überleben in der Wildnis, aber er ruiniert ihn an der Börse!

Hier kommt das Konzept des Value Investing ins Spiel, dem strikten Unterscheiden von Preis und Wert eines Vermögensgegenstands. An der Börse werden nicht die Werte gemacht, sondern nur die Preise, die ein Wertgegenstand in einem kurzen Augenblick gerade hat, weil sich sich ein Käufer und ein Verkäufer auf diesen Preis einigen. Also zwei Menschen, nicht "der Markt", nicht "die Masse", nicht "alle". Zwei. Die man selbst nicht kennt und die beide ebenso gut Insassen der geschlossenen Abteilung einer Psychiatrie sein könnten. Wobei inzwischen viel wahrscheinlicher ist, dass es sich um zwei emotions-, lebens- und hirnlose Computer handelt, die automatisiert Handelssignale in den Äther blasen.

Wie Warren Buffett schon sagte: "Die Börse ist nur der Marktplatz, die Wertschöpfung findet im Unternehmen statt". Und als Anleger sollte man auf die Wertentwicklung einer Aktie schauen, nicht auf ihren Preis. Wenn also die Kurse abstürzen in einer Panik, dann hat sich in diesem Moment, dieser Phase der Wert des Unternehmens ja nicht grundlegend verändert. Nur die Einstellung der Börsenakteure hierzu. Man kann also in der Panik Aktien zu Preisen kaufen, die weit unterhalb ihres Wertes liegen. Und wenn die emotionsgetriebene Panikstimmung wieder verfliegt, kehren die Aktienkurse wieder zu einer faire(re)n Bewertung zurück und spiegeln wieder mehr der Wert der jeweiligen Aktien, dieser Unternehmensanteile, wieder. Und hierin liegt dann der Gewinn der Mutigen.

Nun kann man nicht einfach jede Aktie kaufen, deren Kurs einbricht, so simpel ist es leider auch nicht. Man muss schon schauen, ob es sich um eine Marktpanik handelt, die alle Aktien in die tiefe reißt, oder um ein unternehmensspezifisches Problem. In diesem Fall muss man ergründen, ob dies ein vorübergehendes und lösbares Problem ist, dann sollte man die Aktien kaufen und abwarten, bis sich seine Zeiten bessern - und mit diesen sein Aktienkurs. Oder man kommt zu dem Schluss, dass das Unternehmen wohl an seinem Problem zugrunde gehen wird. Dann darf man die Aktien nicht kaufen.

Auf jeden Fall braucht man "die oberste Tugend des Investors: Geduld", wie Benjamin Graham es auf den Punkt brachte. Denn Die Aktienmärkte können über einen längeren Zeitrum verrückt spielen und das muss man bei seinen Investments immer einkalkulieren. Manchmal benötigt es eben Zeit, bis einem der Markt zustimmt. Was in der Zwischenzeit aber eben nicht bedeutet, dass man falsch liegt. Man muss nur Geduld aufbringen, bis die eigene Investmentthese aufgeht. Und die Chance, dass dies gelingt, ist in panikartigen Ausverkäufen, in der Zeit des größten Pessimismus, am größten. Denn  an der Börse gleichen sich die Übertreibungsphasen früher oder später immer wieder aus. Für mutige Investoren sind sie daher die richtige, die beste Zeit zum Handeln!

Kommentare:

  1. Gar nicht so einfach. Bin zu 90% investiert und fühle mich gelähmt und machtlos. Die Gewinne der letzten Monate sind fast vollständig weg, die Hoffnungsträger im Depot sind schon in der Verlustzone und wenn ich mich umschaue, sehe ich:

    Brexit, Italien, Türkei, China, Trump, Zölle, Cum-Ex, starker Dollar mit erhöhten Zinsen gegen hoch verschuldete Emerging Markets, angeschlagene Auto- und Lieferantenbranche, hohe Bewertungen bei Tech-Unternehmen, die von Gesetzgebern immer mehr Grenzen aufgezeigt bekommen, fehlende Wachstumsfantasien bei soliden Unternehmen und gefühlt alle Investoren denken sich "nur noch diese Jahresendrallye nehme ich mit und trete danach etwas kürzer".

    Wenn ich all das sehe, bin ich extrem pessimistisch und möchte gerade jetzt gar nicht investiert sein.
    Aber FOMO und YOLO! :)

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    1. Natürlich gibt es in der Baisse Gründe für die Baisse.
      Aber nach der Baisse kommt die Hausse.

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    2. Wenn du jetzt schon im Minus bist beschleicht mich ein bisschen das Gefühl dass du nicht im größten Pessimismus sondern im größten Optimismus investiert hast?!
      Hoffen wir mal dass es noch mal eine Euphoriephase in diesem langen Bullenmarkt gibt...

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    3. nach der Baisse kommt die hausse. gefällt mir

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    4. Die letzten zwei Jahre habe ich alle Unternehmen, die ich klasse finde mir aber zu teuer waren, in eine Watchlist gepackt und mit einem Einstiegspreis versehen. Verpasste Gewinne schmerzen, so konnte ich manchmal nicht widerstehen doch zu kaufen. Jetzt aber sehe ich wie sich Aktienkurs und mein Einstiegspreis immer weiter annähern. Teilweise Spitzenfirmen, bei denen ich dachte:" Da kommst du nie rein. Deine Preisvorstellung ist lächerlich." So langsam habe ich Sorge, dass meine Reserven nicht ausreichen. (Da sind sie wieder die verpassten Gewinne)

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  2. Immer dann, wenn man nix lieber tut, als sich an den hohen grünen Werten im eigenen Depot zu erfreuen sollte man eigentlich alles verkaufen.
    Und immer dann, wenn man beim Anblick der roten Werte anfängt zu verzweifeln und sich für dumm und dämlich hält und am liebsten alles verkaufen will - um sein Geld zu "retten" - dann muss man Eier haben und kaufen.

    Nichts ist dümmer, als in einer Baisse zu verkaufen oder sein Depot neu zu strukturieren zu wollen.
    Statt dessen sollte man die bereits erhaltenen Dividenden addieren und den Betrag zum nachkaufen verwenden.

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  3. Solange Sie nicht von der These überzeugt sind:"Wenn ich 25% im Minus liege,bin ich Käufer"und den fatalen Gedanken:"Wenn ich 25% im Minus liege,bin ich Verkäufer", für immer aus ihrem Denken verbannen,werden Sie mit Aktien nie einen anständigen Gewinn machen!
    (Peter Lynch)

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  4. Wie berechnent man in diesem Fall richtig Wert eines Unternehmens?

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  5. Interessanter Kommentar, spiegelt er doch nur das Schafsdenken wider.

    Er kann sich nicht entscheiden und müßte sich Verluste eingestehen. Dieses Gefühl kennt er noch nicht und er wird weiter investiert bleiben.

    Es werden verschiedene Abwärtsphasen kommen. Da hängt er dann drin zwischen Hoffen und Bangen. Die Masse verkauft meist nicht in diesen Abwärtsphasen. Im Schmerz ertragen sind Sie unwahrscheinlich und erstaunlich leidensfähig.

    Wie gesagt, alles eine Frage der Entscheidung, Verluste zu realisieren und anzuerkennen. Er müßte anerkennen, daß er etwas ändern muß, was er im ersten Absatz geschrieben hat.

    Das ist auch hohe Psychologie. Abwärtsphasen kennt dieser Anleger nicht, sonst könnte er sie beschreiben. Er hat scheinbar auch keine (Chart-)Systeme, mit denen er diese Phasen erkennen kann. Jetzt steht er sich selbst im Wege, denn er selbst muß anerkennen, daß er falsch gelegen hat. Das ist gar nicht so einfach wie wir selbst alle wissen. Realisierte Verluste drohen.

    Er würde auch kaum einen Rat von außerhalb beherzigen. Auch da müßte er anerkennen, daß er falsch gelegen hat. Um es nicht gar so schmerzhaft zu machen, könnte er mit einem Optionsschein "short" gehen, aber ein Optionsschein wird in seinem Anlageuniversum nicht vorkommen. Noch dazu short gehen, also mit fallenden Kursen Geld "machen". Das verlangt Erkenntnis und Disziplin.

    Aber es sind gerade diese Anleger/Zocker, die den Markt liquide halten und mit Geld versorgen. Aus dem Kommentar erkennt man, daß der Schreiber ziemlich spät und bei hohen Kursen eingestiegen ist. Der Witz ist, daß er auch erkennt, durch was die fallenden Kurse zustande kommen. Trotzdem bleibt er investiert. Er weiß scheinbar nicht, daß auch diese Fakten in einem Bullenmarkt den Bullenmarkt nichts anhaben könnten. "Hoffen und Harren hält viele zum Narren" heißt es.

    Die Templeton-Strategie ist schon richtig. Kaufe, wenn es billig ist. Nur muß man nicht in ein fallendes Messer investieren. Außerdem bleiben nach einem Crash nur die Unternehmen übrig, die langfristig ein Chance am Markt haben. Es ist daher vollkommen widersprüchlich, am Anfang eines Bärenmarktes vermeintlich "günstig" einzukaufen. Der cleverne Investor wartet ab, und investiert dann in Firmen, die nach einem starken Kursrückgang übrig geblieben sind. Die "Zeiten" (also die Phasen) des größten Pessimismus können aber viele Monate, wenn nicht gar Jahre dauern.

    Im Prinzip sind für jemanden der lange genug an der Börse investiert hat nichts Neues. Denn all das kennt dieser Investor. Die professionellen Investoren brauchen sogar diese Art Anleger um ihre Aktien bei hohen Kursen noch verkaufen zu können.

    Und weil ich das alles zur genüge seit drei Jahrzennten kenne, würde ich niemals jemanden empfehlen, was er zu tun hat. Weil es nämlich immer das gleiche ist. Dieses Verhalten ändert sich nie.

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    1. Falls sich Ihr Kommentar auf meinen bezieht, verkennen Sie aber einiges! Selbstverständlich habe ich eine Strategie und weiß, wann ich Gewinne und wann auch schmerzhafte Verluste realisieren muss, um Risiken zu vermeiden. Auch schaue ich mir Charts und Gleitende Durchschnitte an. So Vieles von dem, was Sie behaupten, ist einfach nur (schlecht) geraten, auch wenn Sie sich selbst für besonders schlau halten und glauben, präzise in die psychischen Abgründe fremder anonymer Kommentatoren schauen zu können.

      Sie kennen weder mein Depot, noch meine Investitionsziele, die Einstiegszeitpunkte oder gar meine bisherige Rendite. Und doch erlauben Sie sich ein derart überhebliches Urteil. Und zur Krönung tun Sie auch noch so als hätten Sie Rat und Weisheit zwar parat, möchten sie aber für sich behalten. Denn Ihr Rat wäre ja nutzlos. Immerhin, hierin liegen Sie richtig. Ihren Rat können Sie sich schenken. Ich lerne lieber von ehrlichen Leuten wie dem Betreiber dieses Blogs. Sie hingegen beneide ich lediglich um Ihr Selbstbewusstsein. Und weil Sie mit drei Jahrzehnten Börsenerfahrung prahlen und sich für dermaßen reif halten, habe ich hier mal eine Lebensweisheit für Sie:

      "Wer noch grün ist, kann wachsen.
      Wer sich bereits reif wähnt, fängt schon an zu faulen!"

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  6. Endlich mal ein gescheiter Kommentar.
    Wenn ein Unternehmen mit einem PE von 200 un 15% gefallen ist, ist es immer noch um 90% zu teuer, wenn dieses mal doch nicht alles anders sein sollte. Ich bin auch sehr gespannt, wo die hier empohlenen Tech-Werte in einem Jahr stehen...

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