Freitag, 27. Oktober 2017

Psychologie der Massen. Oder weshalb Lemminge keine guten Anleger sind...

Immer wieder erleben wir Korrekturen an den Finanzmärkten, teilweise heftige. Und auch wenn der DAX gerade neue Allzeithochs markiert, ist er doch in den letzten Jahren mehrfach kräftig eingebrochen, mal um 2.000 Punkte mal um mehr als 1.000. Und ganz schnell kippt in diesen Phasen dann die Stimmung und Panik macht sich breit, die Angst vor dem großen Crash.

Rückblickend scheint es immer einfach gewesen zu sein, an der Börse Geld zu verdienen. Jeder Kurvenbewegung kann ein Ereignis zugeordnet werden und man hat schnell eine Erklärung parat, warum der Index dies oder die Aktie das getan hat. Und man kann sich leicht zu dem Gedanken hinreißen lassen, "hätte ich da mal...". Irgendwie hat man bei den Hochs immer das Gefühl gehabt, verkaufen zu sollen, und bei den Tiefs, den richtigen Einstiegszeitpunkt erahnt zu haben. Nur entsprechend gehandelt hat man selten.

Denn nach vorne schauend, ist es nicht so leicht, an der Börse Geld zu verdienen. Der Durchschnittsanleger ist nämlich ein Herdentier, ein Lemming, und wer meint, dies sei eine ziemlich negative Charakterisierung, der hat recht. Denn die Masse der Anleger verliert Geld und das Gros der Fondsmanager performt schlechter als ihr Vergleichsindex. Doch woran liegt das bloß, halten Anleger sich doch bei Befragungen stets für "überdurchschnittlich" erfolgreich?


Die Antwort ist  so simpel wie einleuchtend: Psychologie. Wenn Aktien steigen, will jeder dabei sein und die Kursgewinne mitnehmen. Und wenn die Börse abwärts rauscht, will jeder aussteigen, möglichst schnell und zu jedem Preis. Was psychologisch nachvollziehbar ist ("Behavioral Finance"), ist dann auch der Grund, weshalb Anleger nicht besser, sondern überwiegend schlechter abschneiden als der Gesamtmarkt. Sie folgen der Herde und können daher nicht besser sein. In der Wahrnehmung konzentrieren sich immer mehr Anleger auf die gleichen Risiken und Themen und überhöhen somit ihre Bedeutung (sog. "Attention Bias") - mit entsprechend starken Auswirkungen auf die Aktienkurse.

»Sei ängstlich, wenn andere gierig sind. Sei gierig, wenn andere ängstlich sind.«
(Warren Buffett)

Allerdings gibt es leuchtende Beispiele, dass es auch anders geht. Solche, wie Warren Buffett, der seit 50 Jahren an der Börse agiert und eine durchschnittliche Performance von an die 20 Prozent aufzuweisen hat. Jahr für Jahr. Doch Buffett und andere folgen nicht dem Markt, sondern sie nutzen seine Mechanismen nur gnadenlos aus. Sie kaufen, wenn alle anderen verkaufen und sie verkaufen, wenn jeder Aktien haben will. Dazu braucht es Mut, ungeheuren Mut, denn sich gegen die vorherrschende Meinung zu stellen heißt, in den Augen der anderen närrisch zu sein. Solange, bis einem der Markt zustimmt.

Die erfolgreichen Anleger sind bereit diesen Preis zu zahlen. Der Durchschnittsbürger und Durchschnittsanleger nicht, er möchte mit der Herde laufen, aber natürlich besser als sie abschneiden. Was eben so gut wie unmöglich ist, das liegt in der Natur der Sache.

»Es ist unmöglich, überdurchschnittliche Renditen zu erreichen, wenn man nicht anders handelt als die Mehrheit.«
(Sir John Templeton)

Wer also nicht die Charakterfestigkeit aufbringt, eisern an einmal festgesetzten Prinzipien festzuhalten, und zwar genau dann, wenn es schwer ist, muss dennoch nicht gleich einen Bogen um die Börse machen. Denn in Anbetracht der quasi nicht vorhandenen Alternativen, sind Aktien aus einem erfolgreichen Depot zur Vermögensanlage nicht wegzudenken. Gerade wir Deutschen haben die fatale Neigung, uns lieber auf Sparbücher und die staatliche Rente zu verlassen - beides keine gute Idee. Denn das eine bringt kaum noch Zinsen, während das andere kaum noch eine auskömmliche Rentenhöhe verspricht. Und wer glaubt, im Alter mit der Hälfte seiner bisherigen Einkünfte auszukommen, sollte es einfach mal versuchen. Und zwar sofort. Er sollte einen Aktien-EFT-Sparplan anlegen und monatlich die Hälfte seines Nettoeinkommens als Sparrate dort einzahlen. Dann dürfte er im Alter kaum Probleme haben, seinen Lebensstandard zu halten. Nein, umgekehrt, da sich ja heute schon die Ausgaben um die Sparrate verringert würden, stünde beim Renteneintritt sogar mehr Einkommen zur Verfügung, nämlich das aus dem ETF.

Und wer meint, er müsse die aktuellen turbulente Marktphase erst einmal abwarten, bevor er Aktien kauft, dem möchte ich folgendes Zitat ans Herz legen:

»Der Aktienmarkt ist der einzige Markt, vor dem die Leute weglaufen, wenn dort ein Ausverkauf stattfindet.«
(Martin D. Sass)

Es wird immer Unsicherheiten im Leben geben und so auch an der Börse. Daher sollte man nicht auf windige Storys setzen, sondern auf solide Unternehmen mit etabliertem Geschäftsmodell, vertrauensvollem Management und stetigen, am besten steigenden, Cashflows und Gewinnen. Und wenn dieses Unternehmen dann auch noch eine nachhaltige Dividende ausschüttet, wird es statistisch gesehen sogar besser abschneiden als seine vergleichbaren börsennotierten Konkurrenten. Beherzigen Sie diese einfachen Grundregeln, dann folgen Sie dem Weg des Quality Investing, dem Anlagestil, den Value-Investor Warren Buffett geprägt hat. Und die besten und erfolgreichsten dieser Qualitätsaktien nennt man "Dividendenaristokraten". Noblesse oblige...

Kommentare:

  1. Hallo Michael,

    lesenwert geschrieben. Zwei Anmerkungen hätte ich.

    "Doch Buffett und andere folgen nicht dem Markt, sondern sie nutzen seine Mechanismen nur gnadenlos aus. Sie kaufen, wenn alle anderen verkaufen und sie verkaufen, wenn jeder Aktien haben will."

    Ohne ein Buffettbuch gelesen zu haben, behaupte ich mal, dass Buffett zunächst die Unternehmen analysiert. Und zwar so so analysiert, wie es (fast?) keiner von uns kann. Zugang zum Management inklusive. Wer Unternehmen so tiefgründig analysiert (und sich zusätzlich bereits bewiesen hat), für den scheint es ein leichtes, bei seinen Kaufkandidaten mutig zu sein, wenn die "Normalanleger" ängstlich werden.

    "Und die besten und erfolgreichsten dieser Qualitätsaktien nennt man "Dividendenaristokraten".

    Möchte ich nicht uneingeschränkt zustimmen. Schlumberger, Coca-Cola, Kellogg, Exxon, AT&T sowie über ein dutzend andere Unternehmen mögen Dividendenaristokraten sein. Wachstumsunternehmen mit konstanter Gewinnssteigerung sind es nicht (mehr). Christian Röhl hat von Dividendenaristokraten-Arthrose geschrieben. Der Begriff gefällt mir gut. Generell würde ich Unternehmen nicht an der Entwicklung der Dividende beurteilen, sondern der des Gewinns/Cash-Flows.

    Gruß!

    Torsten

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    1. Yepp, nur ist leider Buffet selbst nicht frei von verwirrendem Geschwätz. Er kauft im Wesentlichen fundamental nachhaltig profitable Wachstumsunternehmen, und das hat mit Markt oder antizyklisch oder Kanonendonner oder Dividende oder Lemming oder Herde (die rennt doch gerade bei Endor, nicht?) oder unterbewertet oder 50ct für 1$ gar nichts zu tun. Das ist nur Geblähe für die Galerie ...

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