Freitag, 15. Januar 2016

Psychologie der Massen - oder weshalb Lemminge keine guten Anleger sind

Die jüngste Korrektur an den Finanzmärkten und der starke Rückgang der Börsenindizes der Schwellenländer, insbesondere in China, zeigt, dass es nicht leicht ist, an der Börse Geld zu verdienen. Der Durchschnittsanleger ist nämlich ein Herdentier, ein Lemming, und wer meint, dies sei eine ziemlich negative Charakterisierung, der hat recht. Denn die Masse der Anleger verliert Geld und das Gros der Fondsmanager performt schlechter als ihr Vergleichsindex. Doch woran liegt das bloß, halten Anleger sich doch bei Befragungen stets für "überdurchschnittlich" erfolgreich?

Die Antwort ist  so simpel wie einleuchtend: Psychologie. Wenn Aktien steigen, will jeder dabei sein und die Kursgewinne mitnehmen. Und wenn die Börse abwärts rauscht, will jeder aussteigen, möglichst schnell und zu jedem Preis. Was psychologisch nachvollziehbar ist ("Behavioral Finance"), ist dann auch der Grund, weshalb Anleger nicht besser, sondern überwiegend schlechter abschneiden als der Gesamtmarkt. Sie folgen der Herde und können daher nicht besser sein. In der Wahrnehmung konzentrieren sich immer mehr Anleger auf die gleichen Risiken und Themen und überhöhen somit ihre Bedeutung (sog. "Attention Bias") - mit entsprechend starken Auswirkungen auf die Aktienkurse.


"Sei ängstlich, wenn andere gierig sind. Sei gierig, wenn andere ängstlich sind."
(Warren Buffett)


Allerdings gibt es leuchtende Beispiele, dass es auch anders geht. Solche, wie Warren Buffett, der seit 50 Jahren an der Börse agiert und eine durchschnittliche Performance von an die 20 Prozent aufzuweisen hat. Jahr für Jahr. Doch Buffett und andere folgen nicht dem Markt, sondern sie nutzen seine Mechanismen nur gnadenlos aus. Sie kaufen, wenn alle anderen verkaufen und sie verkaufen, wenn jeder Aktien haben will. Dazu braucht es Mut, ungeheuren Mut, denn sich gegen die vorherrschende Meinung zu stellen heißt, in den Augen der anderen närrisch zu sein. Solange, bis einem der Markt zustimmt.

Die erfolgreichen Anleger sind bereit diesen Preis zu zahlen. Der Durchschnittsbürger und Durchschnittsanleger nicht, er möchte mit der Herde laufen, aber natürlich besser als sie abschneiden. Was eben so gut wie unmöglich ist, das liegt in der Natur der Sache.


"Es ist unmöglich, überdurchschnittliche Renditen zu erreichen, wenn man nicht anders handelt als die Mehrheit."


Wer also nicht die Charakterfestigkeit aufbringt, eisern an einmal festgesetzten Prinzipien festzuhalten, und zwar genau dann, wenn es schwer ist, muss dennoch nicht gleich einen Bogen um die Börse machen. Denn in Anbetracht der quasi nicht vorhandenen Alternativen, sind Aktien aus einem erfolgreichen Depot zur Vermögensanlage nicht wegzudenken. Gerade wir Deutschen haben die fatale Neigung, uns lieber auf Sparbücher und die staatliche Rente zu verlassen - beides keine gute Idee. Denn das eine bringt kaum noch Zinsen, während das andere kaum noch eine auskömmliche Rentenhöhe verspricht. Und wer glaubt, im Alter mit der Hälfte seiner bisherigen Einkünfte auszukommen, sollte es einfach mal versuchen. Und zwar sofort. Er sollte einen Aktien-EFT-Sparplan anlegen und monatlich die Hälfte seines Nettoeinkommens als Sparrate dort einzahlen. Dann dürfte er im Alter kaum Probleme haben, seinen Lebensstandard zu halten. Nein, umgekehrt, da sich ja heute schon die Ausgaben um die Sparrate verringert würden, stünde beim Renteneintritt sogar mehr Geld bzw. Einkommen zur Verfügung, nämlich das aus dem ETF.

Und wer meint, er müsse die aktuellen turbulente Marktphase erst einmal abwarten, bevor er Aktien kauft, dem möchte ich folgendes Zitat ans Herz legen:


"Der Aktienmarkt ist der einzige Markt, vor dem die Leute weglaufen, wenn dort ein Ausverkauf stattfindet."


Es wird immer Unsicherheiten im Leben geben und so auch an der Börse. Daher sollte man nicht auf windige Storys setzen, sondern auf solide Unternehmen mit etabliertem Geschäftsmodell, vertrauensvollem Management und stetigen, am besten steigenden, Cashflows und Gewinnen. Und wenn dieses Unternehmen dann auch noch eine nachhaltige Dividende ausschüttet, wird es statistisch gesehen sogar besser abschneiden als seine vergleichbaren börsennotierten Konkurrenten. Beherzigen Sie diese einfachen Grundregeln, dann folgen Sie dem Weg des Quality Investing, dem Anlagestil, den Value-Investor Warren Buffett geprägt hat. Und die besten und erfolgreichsten dieser Qualitätsaktien nennt man "Dividendenaristokraten". Noblesse oblige...

Kommentare:

  1. Hallo Michael, volle Zustimmung! Mr. Market macht uns immer wieder mal Sonderangebote. Man muss sich immer wieder klarmachen, dass am Markt nicht Werte gehandelt werden, sondern Meinungen über Werte, und Meinungen werden umso stärker von Psychologie und Herdenverhalten beeinflusst, je stärker die Unsicherheit ist. Leider werde ich die aktuellen Sonderangebote nur eingeschränkt nutzen können, da meine Cash-Quote nur 10% beträgt :-( Spannend wäre mal, gute langfristige Strategien für die Cash-Quote zu diskutieren: sollte man immer viel Cash als "Option auf die Zukunft" halten? TA-Elemente verwenden? Nach Gewinnen teilweise verkaufen, damit die Cash-Quote bei steigenden Preisen steigt? Ich bin bezüglich des Management der Cash-Quote recht unsicher... Viele Grüße, Andreas

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    1. Wenn die Kurse einbrechen, möchte jeder lieber eine höhere Cashquote haben, weil man dann ja einerseits den Absturz nicht ganz so doll abbekommt und andererseits viel mehr Munition zum Nachkaufen hat. Da geht es Dir nicht anders als mir. Ich hätte auch gerne mehr nachgekauft auf dem Niveau, als es mir nun möglich war. Und alles Pulver darf man ja auch nicht verschießen, falls es doch noch weiter runter geht.

      Gerade bei den BDCs herrscht teilweise Panik, unglaublich. Ich habe meine Main Capital aufgestockt und bei Gladstone Capital zugegriffen, die sind um fast 50 Prozent abgeschmiert in wenigen Tagen. Weil sie im Öl- und Gassektor Kredite vergeben haben. Allerdings nur an drei Unternehmen und die Gesamtsumme dieser Darlehen macht gerade einmal 14% des NAV von GLAD aus. Also selbst wenn die komplett ausfallen sollten, hat der Kursabsturz das dreimal kompensiert. Dabei zahlt GLAD eine hohe monatliche Dividende aus, wie auch MAIN. Die Rendite ist bei GLAD nun aber rekordverdächtig hoch und für Jan, Feb und März sind die 0,07 USD bereits angekündigt.

      Und dann habe ich noch ein paar weitere Blackstone gekauft. Die liegen jetzt wieder auf meinem Einstiegsniveau von vor 15 Monaten. Und haben bisher noch nicht (!) in Öl- und Gaswerte investiert, dafür haben sie bisher "nur" Geld eingesammelt.

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  2. Die eigene Psyche in den Griff zu bekommen ist verdammt schwer. Ich habe dazu über 10 Jahre gebraucht. Aktuell ruhig zu bleiben fällt mir inzwischen relativ leicht, inzwischen freue ich mich sogar über fallende Kurse, da ich günstiger gute Unternehmen kaufen kann. Auch wenn mein Depot langsam eine rote Farbe annimmt.

    Mit der Cash-Quote halte ich es so, dass ich einfach regelmäßig kaufe und nicht auf einen bestimmten Zeitpunkt warte. Eine andere Lösung habe ich für mich nicht gefunden. Wenn das Geld für 12 Monate = 12 Käufe langt, dann kann ich das gut händeln.

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    1. Regelmäßig Aktien zu kaufen, ist eine gute Sache. Wie Sir John Templeton sagte: "Die beste Zeit für die Geldanlage ist dann, wenn man Geld hat. Die Geschichte deutet nämlich darauf hin, dass nicht der Zeitpunkt zählt, sondern die Zeit". Und damit hat er recht, langfristig betrachtet. Die meisten Menschen machen den Fehler, sich nach einem Kurssturz zu fühlen, als wären sie weniger vermögend. Aber das sind sie nicht. Ihre Aktien haben einen niedrigeren Preis. Mehr nicht. Das tangiert einen nur, wenn man sie gerade jetzt verkaufen will. Aber warum sollte man? Das Unternehmen ist ja nicht über Nacht weniger wert, nur weil viele Leute gleichzeitig die Aktien verkaufen wollten und es nicht entsprechend große Nachfrage gab. Daher ist der Kurs eingebrochen. Wenn Apple morgen seine iPhones für 100 USD verkaufen würde, würde ja auch niemand auf die Idee kommen, sein eigenes schnellstens auf dem Flohmarkt zu verramschen. Ne, man würde eher zugreifen und sich ein neues, günstiges kaufen. Und nicht denken, die müssen ja schlecht sein, wenn sie jetzt so billig angeboten werden. Man würde sich die Schnäppchen nicht entgehen lassen, weil man hier den niedrigen Preis als Chance sehen würde. Bei Aktien sieht man ihn als Risiko. Verrückte Börsenpsychologie...

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