Montag, 2. März 2020

Psychologie der Massen: Buffett erklärt, weshalb Lemminge keine guten Anleger sind

Immer wieder erleben wir Korrekturen an den Finanzmärkten, teilweise heftige. Nachdem S&P 500 DOW und DAX vor kurzem noch neue Allzeithochs markierten, sind sie in den letzten Tagen deutlich unter die Räder gekommen und die hochkochende Panik wegen des Corona-Virus und seiner (möglichen) Folgen auf die Wirtschaft und unser Leben zerrt an den Nerven. Momentan dominieren nicht die Fakten das Börsengeschehen, sondern die Emotionen. Und viele Anleger müssen eine der ältesten Lektionen des Börsengeschäfts neu lernen...

So schlimm sich der aktuelle Börseneinbruch auch anfühlt, gab er doch in den letzten Jahren mehrfach kräftige Rücksetzer; mal um 2.000 Punkte mal um mehr als 1.000. Und ganz schnell kippt in diesen Phasen dann die Stimmung und Panik macht sich breit, die Angst vor dem großen Crash. Immer mehr Anleger kapitulieren vor ihrer eigenen Angst und werfen ihre Papiere unlimitiert auf den Markt und verstärken den Abwärtstrend noch zusätzlich. So wie jetzt gerade oder auch Ende 2018;
der Dezember 2018 ging als zweitschlechtester Börsen-Dezember in die Geschichte ein - nach 1931, auf dem Hochpunkt der Weltwirtschaftskrise, als Massenarbeitslosigkeit, Hunger und Massenverelendung herrschten. Davon ist heute nichts zu spüren, trotz aller Probleme leben heute mehr Menschen in Wohlstand und weniger Menschen als jemals zuvor mussten ihr Dasein unterhalb der Armutsgrenzen fristen. Die heutigen Rahmenbedingungen unterscheiden sich grundlegend von 1931, obwohl das Virus zu - vorübergehenden - spürbaren Auswirkungen führen wird. Nicht aber die Börsenentwicklung.

Die Kurse schwanken also heftig, bis dann die "Zittrigen" alle ihre Papiere verramscht haben, während die "Hartgesottenen" sie dankend billig einsammeln konnten, wie André Kostolany die beiden vorherrschenden Börsentypen charakterisierte.
»Sei ängstlich, wenn andere gierig sind. Sei gierig, wenn andere ängstlich sind.«
(Warren Buffett)
Rückblickend scheint es dann immer einfach gewesen zu sein, an der Börse Geld zu verdienen. Jeder Kurvenbewegung kann ein Ereignis zugeordnet werden und man hat schnell eine Erklärung parat, warum der Index dies oder die Aktie das getan hat. Und man lässt sich leicht zu dem Gedanken hinreißen, "hätte ich da mal...". Irgendwie hat man bei den Hochs immer das Gefühl gehabt, verkaufen zu sollen, und bei den Tiefs, den richtigen Einstiegszeitpunkt erahnt zu haben. Nur entsprechend gehandelt hat man selten.

Was daran liegt, dass es nach vorne schauend nicht ganz so einfach ist, an der Börse Geld zu verdienen. Der Durchschnittsanleger ist nämlich ein Herdentier, ein Lemming, und wer meint, dies sei eine ziemlich negative Charakterisierung, der hat recht. Denn die Masse der Anleger verliert Geld und die große Mehrheit der Fondsmanager performt schlechter als ihr Vergleichsindex. Doch woran liegt das bloß, halten Anleger sich doch bei Befragungen stets für "überdurchschnittlich" erfolgreich?

Die Antwort ist so simpel wie einleuchtend: Psychologie. Wenn Aktien steigen, will jeder dabei sein und die Kursgewinne mitnehmen. Und wenn die Börse abwärts rauscht, will jeder aussteigen, möglichst schnell und zu jedem Preis. Was psychologisch nachvollziehbar ist ("Behavioral Finance"), ist dann auch der Grund, weshalb Anleger nicht besser, sondern überwiegend schlechter abschneiden als der Gesamtmarkt. Sie folgen der Herde und können daher nicht besser sein. In der Wahrnehmung konzentrieren sich immer mehr Anleger auf die gleichen Risiken und Themen und überhöhen somit ihre Bedeutung (sog. "Attention Bias") - mit entsprechend starken Auswirkungen auf die Aktienkurse.
»Die erste Regel im Geschäft ist: unterdrücke deine Emotionen. Sonst verlierst du den Kopf.«
(Gordon Gekko" in Oliver Stones Epos „Wall Street“)
Allerdings gibt es leuchtende Beispiele, dass es auch anders geht. Solche, wie Warren Buffett, der seit mehr als 50 Jahren an der Börse agiert und eine durchschnittliche Performance von an die 20 Prozent aufzuweisen hat. Jahr für Jahr. Doch Buffett und andere folgen nicht dem Markt, sondern sie nutzen seine Mechanismen nur gnadenlos aus. Sie kaufen, wenn alle anderen verkaufen und sie verkaufen, wenn jeder Aktien haben will. Dazu braucht es Mut, ungeheuren Mut, denn sich gegen die vorherrschende Meinung zu stellen heißt, in den Augen der anderen närrisch zu sein. Solange, bis einem der Markt zustimmt.

Die erfolgreichen Anleger sind bereit diesen Preis zu zahlen. Der Durchschnittsbürger und Durchschnittsanleger nicht, er möchte mit der Herde laufen, aber selbstverständlich besser als sie abschneiden. Was natürlich so gut wie unmöglich ist, das liegt eigentlich auf der Hand.
»Es ist unmöglich, überdurchschnittliche Renditen zu erreichen, wenn man nicht anders handelt als die Mehrheit.«
(Sir John Templeton)
Wer also nicht die Charakterfestigkeit aufbringt, eisern an einmal festgesetzten Prinzipien festzuhalten, und zwar genau dann, wenn es schwer ist, muss dennoch nicht gleich einen Bogen um die Börse machen. Denn in Anbetracht der quasi nicht vorhandenen Alternativen, sind Aktien aus einem erfolgreichen Depot zur Vermögensanlage nicht wegzudenken. Gerade wir Deutschen haben die fatale Neigung, uns lieber auf Sparbücher und die staatliche Rente zu verlassen - beides keine gute Idee. Denn das eine bringt kaum noch Zinsen, während das andere kaum noch eine auskömmliche Rentenhöhe verspricht. Und wer glaubt, im Alter mit der Hälfte seiner bisherigen Einkünfte auszukommen, sollte es einfach mal versuchen. Und zwar sofort. Er sollte einen Aktien-ETF-Sparplan anlegen und monatlich die Hälfte seines Nettoeinkommens als Sparrate dort einzahlen. Dann dürfte er im Alter kaum Probleme haben, seinen Lebensstandard zu halten. Nein, umgekehrt, da sich ja heute schon die Ausgaben um die Sparrate verringert würden, stünde beim Renteneintritt sogar mehr Einkommen zur Verfügung, nämlich das aus dem ETF. Aber ich wage zu behaupten, dass kaum jemand in der Lage ist, einfach mal so mit der Hälfte seines monatlichen Einkommens auszukommen. Nicht ohne erhebliche Einschränkungen und Änderung der Gewohnheiten.

Und wer meint, er müsse die aktuelle turbulente Marktphase erst einmal abwarten, bevor er Aktien kauft, dem möchte ich folgendes Zitat ans Herz legen:
»Der Aktienmarkt ist der einzige Markt, vor dem die Leute weglaufen, wenn dort ein Ausverkauf stattfindet.«
(Martin D. Sass)

Quality Investing ist der Weg!

Es wird immer Unsicherheiten im Leben geben und so auch an der Börse. Daher sollte man nicht auf windige Storys setzen, sondern auf solide Unternehmen mit etabliertem Geschäftsmodell, breitem ökonomischen Burggraben, vertrauensvollem Management und stetigen, am besten steigenden, Cashflows und Gewinnen. Mit solchen Unternehmen im Depot kann man auch beruhigt den Börsenturbulenzen zuschauen, denn derartige Unternehmen überstehen auch die stürmischen Phasen, passen sich an und haben die nötigen Rücklagen, um gestärkt aus Krisen hervorzugehen - und legen damit die Basis für die nächste Kursrallye in ihren Aktien.

Beherzigen Anleger diese einfachen Grundregeln, dann folgen sie dem Weg des Quality Investing, dem Anlagestil, den Value Investor Warren Buffett geprägt und der ihn zu einem der reichsten Menschen der Welt gemacht hat.
»Fehler auf herkömmliche Art zu machen, das ist der richtige Weg; als Gruppe haben Lemminge zwar ein mieses Image, aber kein einzelner Lemming hatte jemals eine schlechte Presse.«
(Warren Buffett)
Immanuel Kant riet uns, den Mut zu haben, uns unseres eigenen Verstandes zu bedienen. Das gilt nicht nur an der Börse und bei der Auswahl unserer Investments, dort aber in besonderem Maße. Wir sollten von einem Investment, einer Aktie zumindest so überzeugt sein, dass wir bereit sind, 10 Prozent unseres Vermögens in sie zu investieren, rät Warren Buffett. Kluge Anleger nehmen sich diese Worte zu Herzen und setzen dieses K.o.-Kriterium gezielt ein, bevor sie eine Aktie kaufen.

Dabei liegt auch Superinvestor Buffett nicht immer richtig und beweist jedes Jahr aufs Neue Demut. Denn zu Beginn seines Jahresberichts an die Aktionäre seiner Investmentholding Berkshire Hathaway beschreibt er jeweils den aus seiner Sicht größten Fehler, den er im vorangegangenen Jahr gemacht hat. Seine Erfolge sprechen für sich, auf seine Fehler muss ihn niemand hinweisen, die erkennt er selbst. Und benennt sie ganz offen. Denn Fehler zu machen, gehört zum Investieren dazu. Oder wie Buffett es ausdrückt: "Wer keine Fehler macht, hat es sich nur zu einfach gemacht".

Also wenn wir als Herdentiere schon anderen hinterher laufen, dann doch bitte den Erfolgreichen! Leuten wie Charlie Munger und Warren Buffett. Das ist ist wesentlich cleverer, als einfach nur stumpf der Masse nachzurennen. Selbst Lemminge kämen mit cleveren Anführern bestimmt auch viel besser über die Klippen... ähh die Runden. ツ


Wer mehr über "die Psychologie der Massen" erfahren will...


Die Psychologie der Massen beschäftigt uns nicht erst seit kurzer Zeit, sondern schon über die Jahrhunderte hinweg. Und das nicht nur an der Börse.

Noch recht neu am Büchermarkt ist das Werk "Gustave Le Bon an der Börse - Psychologie der Massen für Aktionäre" von Dr. Felix Johnson (▶ hier bestellen). Dabei handelt es sich um den übersetzten Originaltext von Gustave Le Bon aus dem Jahr 1865 mit Kommentierungen von Dr. Felix Johnson. Diese setzen Le Bons wissenschaftliche Abhandlung in den Kontext der Finanzmärkte und bieten hierdurch einen direkten Mehrwert für Aktionäre als praktisches Handbuch für die Aktienanlage und ausgezeichnete Grundlage für den Einstieg in die Welt der „Behavioral Finance“.

Dieses Buch hat allerdings für mich über das bloße Interesse als Anleger und Leser hinaus einen ganz persönlichen Touch, denn ich wurde gebeten, das Vorwort zu verfassen. Diese Anfrage empfand ich als große Ehre und bin dem Wunsch sehr gerne nachgekommen...


Meine Lese-Tipps
▶ "Buffett. Die Geschichte eines amerikanischen Kapitalisten" von Roger Lowenstein
▶ "Das Tao des Warren Buffett" von Mary Buffett und David Clark
▶ "Die Essays von Warren Buffett: Die wichtigsten Lektionen für Investoren" von Lawrence A. Cunningham
▶ "Investieren mit Warren Buffett. Sichere Gewinne mit der Fokus-Strategie" von Robert G. Hagstrom
▶ "So liest Warren Buffett Unternehmenszahlen" von Mary Buffett und David Clark
▶ "So macht es Warren Buffett: 24 einfache Anlagestrategien" von James Pardoe
▶ "Warren Buffett. Das Leben ist wie ein Schneeball" von Alice Schroeder
▶ "Warren Buffett – Der Jahrhundertkapitalist" von Gisela Baur
▶ "Warren Buffett: Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie." von Robert G. Hagstrom
▶ "Gustave Le Bon an der Börse - Psychologie der Massen für Aktionäre" von Dr. Felix Johnson

Kommentare:

  1. Sehr guter Artikel. Die aktuelle Lage, führt schnell zu einem unguten Gefühl. Ob es nun weiter nach unten geht oder nicht, kann keiner sagen. Ich selbst fahre am besten, mit der Dividendenstrategie. Vor allem natürlich aus dem psychologischen Vorteil, weiterhin die Dividende auf mein Konto zu bekommen. Das lindert die Panik und man merkt, das die Unternehmen weiterhin vorhanden sind und auch weiterhin Gewinne einfahren. Ich kann mir vorstellen, wer keinerlei Dividendenaktien hat, wird schneller ängstlich weil er über einen langen Zeitraum nur fallende Kurse und keinerlei "Lichtblicke" sieht.

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  2. Der Dow Jones stieg heute um 1.293,96 Punkte bzw. ~5,1%., dem prozentual stärksten Zuwachs seit 2009. Hammer!

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    1. Ja völlig verrückt! Fühlt sich für mich unwirklich an und ich glaube nicht, dass es das schon mit der Korrektur war. Klar, die Notenbank in den USA wird wohl die Zinsen senken. Trotzdem sind die Folgen des Coronavirus ja noch lange nicht absehbar, die Unsicherheit ist da und bleibt erstmal denke ich.

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    2. Beide Teile Deiner Aussage gehören nicht zwangsläufig zusammen. Der zweite Teil, dass die Auswirkungen des Corona-Virus noch monatelang zu spüren sein werden und dass die Unternehmen/Konjunktur darunter leiden werden in 2020 (und vielleicht 2021), stimmt. Dass es deshalb zwangsläufig zu weiteren Kursverlusten an den Börsen kommen muss, ist jedoch fraglich. Denn die Verluste der letzten Tage waren schon heftig und genau diese Ängste und Auswirkungen wurden ja eingepreist. Ob bereits genügend oder ob es dann bei den konkreten Negativmeldungen der Unternehmen zu weiteren Absackern kommt, bleibt abzuwarten. Schaut man allerdings auf VISA, die gestern Abend ihre Umsatzwarnung nachschoben, nachdem MasterCard und PayPal dies ja bereits letzte Woche taten, und dann sieht, dass der Kurs kaum mehr ins Trudeln kam, dann ist dies doch ein Anzeichen dafür, dass der Markt bereits viel Negatives eingepreist hat.

      Und... auch 2008/09 stiegen die Börsen bereits schon wieder deutlich an, bevor es die ersten positiven Meldungen aus der Wirtschaft un den Unternehmen gab. Weil "einfach" das Übermaß an Pessimismus, das zuvor den Ausverkauf/Crash befeuert hatte, abgebaut wurde.

      Ich denke, es bleibt weiterhin sehr volatil und die Emotionen der Anleger werden weiterhin dominieren. Sobald es abwärts geht mit den Kursen, zittern alle wieder, und wenn es rauf geht, haben sie Angst, etwas zu verpassen (FOMO). Die Nerven liegen blank. Was Risiken, aber eben auch Chancen bietet für die Hartgesottenen...

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    3. Das stimmt. Nur ich finde eben mit den minus 10 bis 13 Prozent in den Indizes ist eigentlich noch nicht soo viel passiert, wenn man sieht wie hoch die Börse vorher gelaufen ist. Und neben dem Coronavirus gibt es ja noch andere Faktoren, die Unsicherheit bringen. Aber klar, die Frage ist, ab wann ist alles eingepreist. Es ist einfach noch sehr schwer abzuschätzen. Die panische Zinsetzung der Fed hat zumindest nicht bewirkt, dass die Unsicherheit an den Märkten kleiner wird. Vielleicht löst sich das Coronavirus dank Klimawandel und schnell steigenden Temparaturen bald auch von selbst auf;)

      Wie machst Du es dann? Steigst Du teilweise schon wieder ein?

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    4. Ach und was mich noch interessieren würde. Warum hast Du denn Corning aus Deiner Liste gestrichen?

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  3. Ja ja super Artikel.... Aber: Wenn W. Buffet am 31.12.19 bei einem Kurs von 260$, 27 % Appelaktien im Depot hat und ungefähr. 200 Mrd $ verwaltet, worüber soll ich am 28.2.20 bei einem Appelkurs von knapp 240.-€ nachdenken? Soll ich behaupten das ich es besser weiss? Uschi

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  4. Tesla +7,91%
    Microsoft +6,65%
    Texas Instruments +4,23%
    Micron Technology +3,86%

    we love the techs..

    VG
    JB

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  5. Rudolf Rentier04.03.20, 12:01

    Manchmal muss man verkaufen. Zum Beispiel wenn die Margin drückt. Bei so einer Vola-Exlosion kann das schon vorkommen. Ich musste ne Menge verkaufen: 300 ZS, 300 NTNX, 20 OKTA, 100 LK, 200 ZUO, 200 PS, 100 CYBR, 100 DLR und noch mehr.
    Nachdem dann einige Optionen zurückgekauft waren und die Vola nicht weiter explodierte habe ich am Freitag auch schon wieder gesammelt und aufgestockt: AMZN, DHR, ECL, DIS. LK fand den Weg zurück, VEEVA ist jetzt neu dabei.
    Ich glaube (und hoffe), dass der Markt nervös bleibt. Ein paar Dinger will ich noch günstig zurückholen, bevor es wieder aufwärts geht.

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  6. @Rudolf Rentier
    Dein Broker freut sich sicher dich als Kunden zu haben!

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  7. Rudolf Rentier04.03.20, 19:38

    @ Dodep.
    KLar, wie ein Schneekönig. Aber solange die Börse gut für mich ist, hab ich kein Problem damit, gut für meinen Broker zu sein. Mein Broker hat Year-to-Date knapp 2k € Provisionen kassiert, mir verbleibt dabei ein Nettogewinn von 12k €. Könnte schlimmer sein.

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    1. Aber 2019 war ein Superjahr für Aktien, ein Ausnahmejahr, da mögen 14% Brokerspesen ja zu verschmerzen sein. Aber wenn man 2018 mal heranzieht, das Schlussquartal, dann kannste genauso gut €2.000 Spesen fabrizieren bei €12.000 zusätzlichem Verlust. Beim Traden bleibt nicht immer ein Gewinn übrig (meistens sogar nicht)...

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  8. @Michael
    Er hat geschrieben YTD. YTD war es kein gutes Jahr. Sollten die Zahlen also stimmen, kann man schon gratulieren!

    @Rudolf
    Ich weiß nicht wie ich es nett sagen soll deswegen bitte nicht böse verstehen.
    Ich lese so viel Unwissenheit und Naivität zwischen den Zeilen heraus. Klingt für mich fast bipolar.
    Wünsche dir alles gute und viel Erfolg mit deinen Geschäften.

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    1. Rudolf Rentier04.03.20, 20:48

      @ Dodep und Michael

      Schizophren aber wir sind trotzdem ganz nett. Nee, im Ernst, ich bin einfach eine rheinische Frohnatur mit Hang zu schwarzem Humor und ja, auch Galgenhumor.
      In der Tat, ich meine Year-to-Date.

      Und bevor ihr mich für völlig verrückt haltet:

      1. Es betrifft nur ein Depot, ich habe derer zwei, und es geht auch auch nur um die Cash-Bilanz.
      2. Meine Kerninvestments sind (betreffend die Aktienanzahl) nur noch angewachsen, gerade weil sie jetzt endlich mal ein bisschen tauchen gingen. Wie gesagt waren das am Freitag AMZN, DHR, ECL, DIS, ganz neu VEEV und, eben vergessen, TMO. Habe mir dann gestern auch noch wieder 100 PS und, inspiriert durch diesen Blog, 100 ADPT zu 25,5$ gegönnt.
      3. Ja, ich habe entschlossen an der Peripherie Kasse gemacht, um die Liquidität zu erhöhen, bevor es am Ende unfreiwillig passiert. Bewusst bevorzugt bei spekulativeren Verlustpositionen, das hat erstens steuerliche Gründe, und zweitens ist die Chance hier größer, noch einmal günstig, vielleicht sogar günstiger, reinzukommen, als bei den großen, doch eher soliden Kerninvestments.
      4. Ja, ich musste so einige Optionen mit deftigem Verlust zurückkaufen. Das gehört dazu und ist nicht schlimm.
      5. Verluste insgesamt eingecasht in der Krise: 17,5k.
      6. Zuvor Year-to Date durch Optionsprämien verdient: Knapp 30k.
      7. Mein NAV befindet sich aktuell 100k unter dem Hoch von vor zwei Wochen.
      8. Das ist kein Drama. Die Aktien stehen vergleichsweise tief, und die Optionspreise, die ja gegengerechnet werden, immer noch hoch (VIX über 30).
      9. In zwei Monaten ist das Schnee von gestern.
      10. Ja, auch wenn es weiter abwärts geht, nur bitte nicht so schnell.
      11. Wenn es aber so dramatisch weiter geht, dann tuts aber nochmal weh, das ist mir schon klar.
      12. Dann verlier ich die 30k komplett wieder. Oder vielleicht 50. Wäre ärgerlich, aber ändert langfristig nix.

      Ich bin ein Fomo-Typ, habe aber im Gegenzug keine große Angst vor Verlusten. Und vor Buchverlusten gleich gar nicht. Insofern sehe ich jetzt eher die strategischen Chancen. Ich nehme allgemeine Panik stets mit (schwarzem) Humor. Ende 2018 ging es ja ähnlich zur Sache, da gab es bei mir im Dezember auch Verluste. Und im Januar dann das Doppelte an Gewinnen.
      Meine Drawdowns sind immer groß. Ich investiere in volatile Werte, ich handle volatile Werte, ich verkaufe Optionen. Es liegt in der Natur der Sache. Aufwärts geht es auch schnell, das ist die schöne Kehrseite.

      Es darf nur eines nicht passieren, nämlich aus dem Rennen zu fliegen. Das tödliche Tail-Risiko, um mit Nassim Taleb zu sprechen. Und damit das nicht passiert, bin ich gern bereit, auch mal rechtzeitig ein paar Pillepalle-Verluste zu machen.

      Also keine Angst, ich bin nicht bipolar, nur ziemlich risikoaffin. Das ist mir bewusst.

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  9. Rudolf Rentier05.03.20, 00:10

    Ach noch was, lieber Dodep, ganz soo naiv bin ich auch wieder nicht. Ich habe meine ersten Schritte an der Börse im sog. Neuen Markt gemacht. Ich war 2007 dabei. Ich habe schon viel probiert und natürlich auch schon ungeheure Dummmheiten gemacht.

    Ich glaube auch gar nicht, dass Naivität das große Problem an der Börse ist. Ein bisschen naiv mauss man wohl sein, um Fantasie haben zu können.
    Nein, die großen Probleme sind Angst und Dummheit. Dumm ist, wer nicht rechnen kann. Angsthase (oder Gierschlund) ist, wer gegen seine Berechnungen handelt, weil ihm die Muffe geht (evtl. etwas zu verpassen).
    Ich weiß, dass ich der gierige Typ bin. Ich arbeite dran. Seit Jahren...

    Aber ich habe meine Regeln, meine Risiko- und Marginberechnungen, und ich halte mich dran. Das klappt ganz gut. Wenigstens kann ich mich psychologisch auf mich selbst verlassen.

    Ich verdiene langfristig gutes Geld mit Put-Optionsverkäufen. Ich weiß, wieviel Platz ich auf der Margin behalten will. Und natürlich weiß ich, dass es manchmal dicke Verluste gibt.
    In einem normalen Markt ist das völlig egal, ich nehme meist einfach die Aktie, und sitz das aus. Schließlich schreibe ich die Puts nicht ins Blaue hinein, sondern auf Werte, die mir gefallen, auch wenn ich sie zum gegenwärtigen Preis nicht unbedingt kaufen möchte.
    Gelegentlich kauf ich natürlich den Put auch zurück und cashe so den Verlust ein. Ist selten, und fällt nicht ins Gewicht.
    Ich bin tiefenentspannt, weil mein Depot groß genug wäre, auch mal z.B. 100 ILMN zu nehmen. Cash rutscht dann ein bissl ins Minus, was solls, bei deutlich über 100k überschüssiger Liquidität im Marginkonto?

    Es gibt nur genau eine echte Gefahr: Dass der Markt auf breiter Front einbricht, und das schnell und hart und die Vola explodiert. Genau das ist jetzt passiert.
    Die logische Konsequenz ist, dass ich in so einem Fall glattstellen muss, schon bevor es zu eng wird.
    Es wurde eng, ich stellte glatt. ;-)

    Also habe ich ein paar spekulativere Nebenpositionen abverkauft, die ich überhaupt erst aus Optionsgewinnen bezahlt habe. Dazu ein paar Verluste mit Optionen eingefahren.
    Und dann bei erster Gelegenheit die günstigen Kurse genutzt, wieder in meine Kerninvestments zu gehen und die Margin zu kitzeln.
    Heute entspannt sich die Lage schon weiter, weitere Optionen zurückgekauft, deren Zeit abläuft, mit Gewinn jetzt wieder. Und ein paar neue verkauft.

    Ich bleibe dabei, auch wenn es naiv klingt. Ein nervöser Markt für ein paar Wochen, gern auch nochmal 10% Kursrückgang über die Zeit, das wäre angenehm. Man wird doch wohl träumen dürfen!
    Ich nehme es aber, wie es eben kommt. Und bleibe locker.


    PS: Ich versteh es nicht böse und bin auch nicht beleidigt. Ist wie mit der Börse.
    Wenn du mir sagst, ich sei ein Schwachkopf, können wir doch trotzdem ein Bier trinken gehen.

    PSS: Guck dir mal die Depotaufstellung an:

    Top Positionen: AMZN, MA, TMO, BABA, GOOGL, DIS, ECL, DHR, Tencent, NVDA, AAPL.
    Newcomer: MDB, AYX, SQ, SPLK, TTD, SZ, ILMN, NTNX, VEEV, IRBT.
    Kleine Wetten: JD, PRISM, LK, GSX, PS, ADPT

    Zur Stunde (genau genommen vor drei Stunden) rote Zahlen zeigen nur NTNX (-30), IRBT (-20) und SZ (-15). Die neuen Positionen ILMN und VEEV schwengeln um den Einstand. 10% im Plus ist ADPT, danke übrigens Michael für den Tip.

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