Dienstag, 14. April 2020

John Templeton rät: In der Zeit des größten Pessimismus in Aktien zu investieren, bringt langfristig die höchste Rendite!

In der Zeit des größten Pessimismus zu investieren, ist leichter gesagt, als getan. Denn es bedeutet, sich als einziger gegen den Markt zu stellen, gegen die Masse und zwar in einer Phase, in der man selbst emotional von Zweifeln und (Existenz-) Ängsten geplagt ist. Da muss man als Anleger schon charakterlich sehr gefestigt sein, um das aushalten zu können. Denn die Kurse steigen ja nicht sofort wieder an, nur weil man selbst gerade gekauft hat. Vielmehr fühlt sich jeder Kauf wie der berühmte Griff ins fallende Messer an. Und den sollte man doch unbedingt vermeiden, oder? Nun, das kommt drauf an...

Den großen Börsencrash von 1929 habe ich nicht miterlebt, aber viel schlimmer kann es kaum kommen. 1987 war mein erster "aktiver" Börsencrash, nachdem ich gerade meine ersten Aktien gekauft hatte. 2000 habe ich voll mitbekommen. Voll im Sinne von voll investiert und voll verksackt. Als dann am 11. September 2001 die Flugzeuge in die beiden Türme des World Trade Centers in New York flogen, machte sich Weltuntergangsstimmung breit. Das könnte man als "größter Pessimismus" wohl durchgehen lassen. Und dann natürlich die Finanzkrise von 2008/09, als die Weltwirtschaft in einen Abgrund blickte. Das waren Börsencrashs, das waren Paniken, das waren die besten Gelegenheiten für "contrarian investors", für antizyklisch agierende Anleger. Doch auch wenn es sich "nur" um Marktkorrekturen handelt, wenn die Kurse also schnell und heftig mal um 10% einbrechen, fühlt sich das wie Endzeitstimmung an. So wie Ende 2018. Und dann natürlich der Crash der letzten Wochen, den uns die Corona-Pandemie und der Lockdown der größten Volkswirtschaften einbrockte. Dabei sind solche recht häufigen Korrekturen keine Phasen "größten", aber doch schon großen Pessimismus. Und zumeist ebenfalls sehr lukrativ für Hartgesottene.

Zu jenen Hartgesottenen gehörte auch John Marks Templeton, der 1954 den Templeton Growth Fund gründete, einen der am Anlagevermögen gemessen weltweit größten Investmentfonds. Doch den Grundstein seines Vermögens legte er als junger Mann: sein Aufstieg zum "wohl größten globalen Stock-Picker des Jahrhunderts", so das US-Anlegermagazin Money 1999, begann in der Baisse des Jahres 1939 auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise zu Beginn des Zweiten Weltkriegs. Damals, als alle Anleger ihre Aktien zu jedem Preis auf den Markt warfen, lieh er sich 10.000 Dollar und kaufte querbeet Unternehmen, deren Aktienkurse unter 1 Dollar gesunken waren. Als er nach einigen Jahren diese Aktien verkaufte, war er ein reicher Mann, da beinahe alle diese Aktien erheblich im Kurs gestiegen waren. Die wenigen Pleiten fielen kaum ins Gewicht und waren ein von ihm klug einkalkuliertes Risiko.
»Investiere in der Zeit des größten Pessimismus.«
(Sir John Templeton)
Er lebte also seine eigene Maxime konsequent vor, in Zeiten des größten Pessimismus einzusteigen, diese unterbewerteten Aktien über einen längeren Zeitraum zu halten und dann teu(r)er wieder zu verkaufen. Templeton war überzeugt, dass man andere Aktien als alle anderen kaufen müsse, weil man ansonsten eben auch keine andere, bessere, Rendite vorweisen könne. Und sein Templeton Growth Fund bestätigte dies, denn zwischen dem Zeitpunkt der Auflage 1954 und dem Verkauf der Investmentgesellschaft an die Franklin Investment-Gruppe im Jahr 1992 für 440 Mio. Dollar erzielte der Fonds eine durchschnittliche jährliche Rendite von 14,5 Prozent.

Seine Anlagephilosophie bewährte sich auch kurz nach der Jahrtausendwende, als die Internetblase platzte und die Kurse weltweit abstürzten. Getreu seinem Motto des antizyklischen Investierens hatte er da bereits den größten Teil seiner Tech-Aktien verkauft und sein Fonds verlor zwischen 2000 und 2003 nur zwei Prozent, während der MSCI-World-Index um fast 40 Prozent in die Tiefe stürzte.

Templetons Strategie ist simpel, aber nicht einfach (umzusetzen). Wenn alle anderen verkaufen, sind die Preise niedrig, und man selbst sollte als Käufer auftreten. Dabei muss man seine eigene Psyche überlisten, die einem ja nötigt, herdentriebsähnlich zu verkaufen, aus dem Markt zu fliehen, wenn alle anderen dies auch tun. Der Fluchtinstinkt sicherte dem Menschen sein Überleben in der Wildnis, aber er ruiniert ihn an der Börse!

Hier kommt das Konzept des Value Investing ins Spiel, dem strikten Unterscheiden von Preis und Wert eines Vermögensgegenstands. An der Börse werden nicht die Werte gemacht, sondern nur die Preise, die ein Wertgegenstand in einem kurzen Augenblick gerade hat, weil sich sich ein Käufer und ein Verkäufer auf diesen Preis einigen. Also zwei Menschen, nicht "der Markt", nicht "die Masse", nicht "alle". Zwei. Die man selbst nicht kennt und die beide ebenso gut Insassen der geschlossenen Abteilung einer Psychiatrie sein könnten. Wobei inzwischen viel wahrscheinlicher ist, dass es sich um zwei emotions-, lebens- und hirnlose Computer handelt, die automatisiert Handelssignale in den Äther blasen.
»Ich kaufe Aktien, wenn die Preise niedrig sind und niemand sie haben will. Ich behalte sie, bis sie gestiegen sind und die Leute verrückt danach sind, sie zu kaufen.«(Hetty Green, die "Hexe der Wall Street)
Wie Warren Buffett schon sagte: "Die Börse ist nur der Marktplatz, die Wertschöpfung findet im Unternehmen statt". Und als Anleger sollte man auf die Wertentwicklung einer Aktie schauen, nicht auf ihren Preis. Wenn also die Kurse abstürzen in einer Panik, dann hat sich in diesem Moment, dieser Phase der Wert des Unternehmens ja nicht grundlegend verändert. Nur die Einstellung der Börsenakteure hierzu. Man kann also in der Panik Aktien zu Preisen kaufen, die weit unterhalb ihres Wertes liegen. Und wenn die emotionsgetriebene Panikstimmung wieder verfliegt, kehren die Aktienkurse wieder zu einer faire(re)n Bewertung zurück und spiegeln wieder mehr der Wert der jeweiligen Aktien, dieser Unternehmensanteile, wieder. Und hierin liegt dann der Gewinn der Mutigen.

Nun kann man nicht einfach jede Aktie kaufen, deren Kurs einbricht, so simpel ist es leider auch nicht. Man muss schon schauen, ob es sich um eine Marktpanik handelt, die alle Aktien in die tiefe reißt, oder um ein unternehmensspezifisches Problem. In diesem Fall muss man ergründen, ob dies ein vorübergehendes und lösbares Problem ist, dann sollte man die Aktien kaufen und abwarten, bis sich seine Zeiten bessern - und mit diesen sein Aktienkurs. Oder man kommt zu dem Schluss, dass das Unternehmen wohl an seinem Problem zugrunde gehen wird. Dann darf man die Aktien nicht kaufen.
»Die Märkte können länger irrational bleiben als du solvent.«
(John Maynard Keynes)
Auf jeden Fall braucht man "die oberste Tugend des Investors: Geduld", wie Benjamin Graham es auf den Punkt brachte. Denn Die Aktienmärkte können über einen längeren Zeitrum verrückt spielen und das muss man bei seinen Investments immer einkalkulieren. Manchmal benötigt es eben Zeit, bis einem der Markt zustimmt. Was in der Zwischenzeit aber eben nicht bedeutet, dass man falsch liegt. Man muss nur Geduld aufbringen, bis die eigene Investmentthese aufgeht. Und die Chance, dass dies gelingt, ist in panikartigen Ausverkäufen, in der Zeit des größten Pessimismus, am größten. Denn  an der Börse gleichen sich die Übertreibungsphasen früher oder später immer wieder aus. Für mutige Investoren sind sie daher die richtige, die beste Zeit zum Handeln!

Kommentare:

  1. Nochmal, ( wie so oft ) ein Kompliment für deine sehr fundierte und begründete Arbeit und deine Ausführungen.

    Die erste Firma, die du auch selber hälst, die mir in den Sinn dabei kam ist die 3U, risikoreich, grade auch Coronagebeutelt und trotzdem mit einer Art "Anlegervertrauen" ausgestattet, da sie grade ja wieder auf die 1,40 € kletterte.

    Gilt das aus deiner Sicht auch für 3U, dass man da noch nachgreifen sollte bei den Umtrieben und der Marktenge? und auch für die schon angesprochene Tochter weclap? im Bezug mal nehmend auf deinen Artikel aus dem Sommer 19 und deren Ankündigungen?

    Falls ja wäre es ja ähnlich wie vor 10 Jahren mit der Cancom?!

    Und eine allgemeine Frage, ich höre immer von den etablierten Leuten wie Kolja Baarghorn, C.W.Röhl und auch dir über die Value Strategien und habe mich damit bisher auch wirklich gut geschlagen bzw es langfristig für mich entdeckt. Aber dabei habe ich gerade für die Leute mit mittlerem Stand beim Vermögensaufbau (6 stellige Summen)eine Frage:

    Ausser durch Dividenden, woher kommt denn der Unterhalt (Essen, Miete,Reisen und anderes) etc, wenn man quasi von seinen Börsengeschäften lebt? Man soll ja die wachsenden Pflanzen getreu der alten value Größen der Branche nicht abschneiden und Gewinne mitnehmen.

    Also woher kommen die Ausschüttungen für den Lebenserhalt, wenn man nicht nebenher noch 500k in nem Dividendenportfolio hat?!
    Ich rede nicht von jemandem der nebenher noch nen regulären Job hat.

    Kannst du mir da Infos oder Ideen liefern? Beste Grüße und weiter so :)



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    1. Moin Dagobert,
      3U Holding wäre für mich bei einem erneuten deutlichen Rücksetzer kaufenswert. Bei €1,35 sind sie aus meiner Sicht angesichts der angespannten wirtschaftlichen Lage eher fair bewertet. Zu Cancom kann ich da keinen vergleich ziehen, da ich die Firma nie wirklich intensiver auf dem Schirm hatte.

      Buffett rät dazu, sich nie von einem einzigen Einkommen abhängig zu machen, also auch nicht alleine von seinen Investments. Hat man aber keinen festen Job oder andere Tätigkeiten bzw., die genügend Geld für den Lebensunterhalt einbringen, dann muss man ja zwangsweise auf Immobilienertäge (Mieten) und/oder Investmenterträge zurückgreifen - wenn man nicht fett geerbet hat und diese Kohle einfach nur verjubelt.

      Wenn die Dividendenerträge nicht hoch genug sind, bleibt bei Aktien dann nur, ab und zu Aktien zu verkaufen. Anders ist es kaum möglich.

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