Montag, 30. Mai 2016

Börsenweisheit der Woche 22/2016

"Wenn alle Spieler auf eine angeblich todsichere Sache spekulieren, geht es fast immer schief".
(André Kostolany)

Freitag, 27. Mai 2016

Blackstone, Carlyle, KKR: Fällt die Private Equity-Branche jetzt voll auf die Nase?

Die größtenteils amerikanischen Private Equity-Fonds, die auch freundlicher als Finanzinvestoren bezeichnet werden, haben ganz schön an Glanz verloren und ihre Aktienkurse befinden sich seit einem Jahr im Sinkflug. Die holprige Börsenverfassung macht ihnen einen Strich durch die Rechnung und die hohen Preise für Firmenbeteiligungen und -übernahmen ebenso. Dabei könnte das Umfeld eigentlich nicht besser sein, denn wegen des Niedrigstzinsniveaus werden die Finanzinvestoren mit Anlegergeldern geradezu überschüttet. Naja, wurden. Denn die Investoren verlieren zunehmend den Glauben in die Allmacht der Fondsmanager, auch bei schwierigen Börsenphasen attraktive Renditen einzufahren. Und so verzeichnen die PE-Fonds seit einiger Zeit Mittelabflüsse, was dazu führt, dass sie selbst weniger verdienen. Denn sie investieren ja nicht (nur) eigenes Geld in ihre Assets und Übernahmen, sondern vor allem Investorengelder. Und für das Verwalten und Investieren dieser Gelder beziehen die PE-Fonds Gebühren. Zumeist eine üppige Erfolgsprovision von rund 20% auf den erzielten Gewinn, aber auch um die 2% auf die Anlagesumme an Verwaltergebühren, unabhängig vom erzielten Ergebnis. Pro Jahr, wohlgemerkt! Und gerade dieses zweite Gebühr wird in Phasen, wo die Finanzinvestoren selbst keine attraktiven Erträge für ihre Kunden erwirtschaften, schnell zur Beutelschneiderei. Verglichen mit 0,1% auf dem Festgeldkonto sind 2% schon ziemlich üppig.

Während die Branche Mittelabflüsse zu verzeichnen hat, und zwar in zunehmendem Maße, schlägt sich Branchenprimus Blackstone vergleichsweise gut und legt sogar noch leicht zu. Allerdings erwartet Blackstone-Präsident Tony James einen branchenweiten Rückgang der AUM, der Assets under Management, von 25% in der nächsten Zeit. Und das wiederum reduziert nicht nur die Power, die die Finanzinvestoren dann für Käufe zur Verfügung haben, sondern auch empfindlich deren eigene Einnahmen aus Gebühren und Provisionen. Die Aussichten für Aktionäre der börsennotierten Finanzinvestoren, wie Blackstone Group L.P. oder KKR & Co. L.P. werden also trüber, der Gegenwind nimmt zu. Und zusätzlich dürften die hohen Verwaltergebühren nicht lange mehr zu rechtfertigen sein und das Vergütungsmodell der Finanzinvestoren stärker hin zu erfolgsabhängigen Provisionen ausgerichtet werden. Das wiederum wird einerseits die Gewinne der Finanzinvestoren und die für die Anleger erzielten ausschüttungsfähigen Gewinnen - und damit die Quartalsdividenden - heftiger schwanken lassen als bisher, und andererseits die PE-Fonds auch dazu veranlassen, öfter und schneller Gewinne bei Beteiligungen und Investments mitzunehmen, um eben diese Gewinne zu realisieren. Der eigentliche, smarte Ansatz von Blackstone und anderen ist aber gerade das antizyklische Agieren, dass sie sich besonders in den Branchen und Ländern umsehen, die total out sind und wo die preise am Boden liegen. Um nach Wiederentdecken dieser Assets durch den Markt dann Kasse zu machen und fette gewinne einzustreichen. Dieser Ansatz wird künftig schwerer durchzuhalten zu sein, denn er erfordert einen finanziell solide ausgestatteten Background und Geduld. Was in krassem Widerspruch steht zu dem Erfordernis, kurzfristig Gewinne erzielen zu müssen.

Es wird also (noch) schwieriger für die Private Equity-Branche und auch für ihre Anleger, insbesondere ihre Aktionäre. Der große Vorteil der Finanzinvestoren gegenüber den (über-)regulierten Banken und ihrem ausufernden Kostenapparat, schwindet. Ein möglicher stärkerer Börseneinbruch, z.B. aufgrund der traditionell schwächeren Sommer- und Herbstkurse und/oder eines möglichen Brexits, würde diesen Trend sogar noch verstärken. Die Börsenkurse der Finanzinvestoren würden dann überproportional betroffen sein, so dass es angeraten scheint, zunächst einmal das drohende Durchrütteln der Branche in den nächsten Monaten am Seitenrand abzuwarten, um dann anschließend günstiger die Aktien wieder einsammeln zu können. Antizyklisch eben...

IT-Dienstleister Softship: Von Cloud-Phantasien und Ozeanriesen

Die Hamburger Softship AG ist ein IT-Dienstleister, der Spezialsoftware für die Linienschifffahrt und die Luftfahrt entwickelt. Die unterschiedlichen Softwarelösungen tragen zur Vereinfachung von Arbeitsabläufen bei und dienen der Effektivitätssteigerung innerhalb verschiedener Arbeitsprozesse in der Transportkette. Zu den rund 120 Kunden von Softship gehören internationale Reedereien, Hafenbetreiber sowie Unternehmen aus der Luftfahrtindustrie.

Die Kunden von Softship stammen aus stark zyklischen Branchen und die letzten Jahre haben ihnen sehr zugesetzt. Entsprechend zurückhaltend waren viel auch bei Orders für ihre IT-Infrastruktur und das hat auch Softship schmerzlich zu spüren gekriegt. Im letzten Jahr ist nun der Turnaround gelungen und man schreibt wieder schwarze Zahlen: so erhöhte sich der Umsatz um 6,2% und das Vorsteuerergebnis stieg um rund €1 Mio. auf €0,58 Mio. an, während es 2014 noch bei minus €0,41 Mio. gelegen hatte. Softship will daher für das Geschäftsjahr 2015 die Dividendenzahlung wieder aufnehmen und €0,15 je Aktie an die Aktionäre auskehren, sofern die Hauptversammlung am 16. Juni diesem Vorschlag zustimmt. Das ist genau die Hälfte des Ergebnisses je Aktie von €0,30, das bei Softship für 2015 unterm Strich hängen blieb.

Turnaround ist keine Eintagsfliege
Auch wenn Softship sich von nicht-strategischen Beteiligungen trennt, wie dem 25-prozentigen Anteil an der Airpas Aviation AG, liegt die große Hoffnung doch eher in den neuen Produkten. So setzt man auf SAPAS, eine cloudbasierte Software-as-a-Service (SaaS)-Anwendung für Hafenagenten. Diese soll nicht über ein klassisches Lizenzmodell vertrieben werden, sondern aus der Anwendung heraus werden sog. Credits gekauft. Hierdurch verspricht sich Softship eine schnellere Durchdringung des Marktes, eine höhere Einstiegsakzeptanz und stetig steigende und wiederkehrende Erlöse, denn man adressiert hier weltweit mehr als 10.000 Hafenagenten mit Unternehmensgrößen von einigen wenigen bis zu mehreren hundert Mitarbeitern. Da es bisher keine durchgängige Softwarelösung in diesem Bereich, so dass das Potenzial für SAPAS enorm ist.


 Softship AG (Quelle: finanzen.net) 
Und dann auch noch ein Schuss Übernahmephantasie
Größter Aktionär von Softship ist der australische Logistiksoftwareanbieter WiseTech Global mit 19,9 Prozent. Bei ihrem Börsengang im April 2016 hatte WTG den Anteil an Softship in ihrem Emissionsprospekt (Seite 187) mit dem Zusatz „Strategisches Investment“ versehen, wie Gereon Kruse auf boersengefluester.de berichtet, und daher kommen verstärkt Übernahmegerüchte auf. Denn bisher war deren offiziell vermeldeter Anteil bei 18,07 Prozent, so dass die Australier wohl klammheimlich aufgestockt haben. Momentan kommt Softship auf eine Marktkapitalisierung von €11,7 Mio., während Wise Tech Global an die €700 Mio. auf die Waagschale bringt. Aufgrund des Mittelzuflusses aus dem Börsengang könnten die Australier die Übernahmeofferte locker aus der Portokasse bezahlen.

Meine Einschätzung
Ob Wise Tech Global in absehbarer Zeit weitere Aktien zukauft oder gar eine Übernahmeofferte abgibt und damit verbunden ein saftiges Aufgeld auf den aktuellen Softship-Aktienkurs zahlen würde, wage ich nicht zu prognostizieren. Die Wahrscheinlichkeit ist allerdings gar nicht mal so gering, denn die Branche kommt langsam aus dem Tal der Tränen und befindet sich im Konsolidierungsmodus. Softship dürfte daher ins Visier geraten und da man bereits aus eigener Kraft den Turnaround geschafft und wieder einen erfolgversprechenden Weg eingeschlagen hat, bietet sich Anlegern hier eine doppelt abgesicherte Konstellation aus Phantasie und solider operativer Entwicklung. Langfristig orientierte Anleger mit dem Bewusstsein der erhöhten Risiken bei marktengen Nebenwerten können hier aussichtsreich zugreifen.

Softship befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot. Nachdem ich kürzlich bei €5 eine erste Position eingegangen bin, habe ich nun zu knapp unter €6 weiter aufgestockt. Eine Turnaround-Spekulation mit erhöhtem Risiko bei gleichzeitig guten Chancen auf einen Erfolg.

Montag, 23. Mai 2016

Investor-Update: Coreo, Deutsche Rohstoff, MAX Automation, Muehlhan

Im Investor-Update notiere ich in unregelmäßigen Abständen aktuelle Einschätzungen zu Unternehmen meiner Empfehlungsliste und wie sich diese ggf. auf mein Investment-Portfolio ausgewirkt haben. Darüber hinaus auch zu Unternehmen, die ich noch nicht hier im Blog vorgestellt habe, die sich jedoch in meinem Depot befinden.

Unsicherheit hält an
Die US-Notenbank könnte demnächst die Zinsen anheben. Oder auch nicht. Im Prinzip ist man so unentschlossen wie bisher. Und auch die Indikatoren liefern immer wieder widersprüchliche Signale, wodurch die Märkte sich verunsichern lassen. Gegen Aktien spricht nach wie vor die Saisonalität und ein möglicher negativer Ausgang beim Brexit-Referendum Ende Juni. Ansonsten stellen Strafzinsen für Sparer und Investoren weiterhin ein starkes Argument für Sachanlagen, zu denen Aktien zählen, dar.

 Quelle: CNN Money - Fear and Greed Index 
Fear-and-Greed-Index stabil
Der Angst-und-Gier-Index bewegt sich kaum und ist im Wochenverlauf von 54 auf 56 marginal gestiegen. Auch hieran zeigt sich die Unentschlossenheit der Anleger bzw. die Unsicherheit über das, was zu erwarten ist. Gier und Angst halten sich die Waage, jedoch können emotional beeindruckende Ereignisse schnell heftige Reaktionen hervorrufen. In beide Richtungen.

Ich bleibe daher dabei, lieber auf ausgesuchte deutsche Nebenwerte zu setzen als auf Blue Chips. Auch die großen US-Werte sind vergleichsweise eher teuer im historischen Vergleich, zumal die Gewinnerwartungen eher nach unten angepasst werden mussten und so das aktuelle Kursniveau alleine deshalb schon teurer geworden ist. Ein wenig mehr Vorsicht dürfte hier also nicht schaden.


Coreo AG
Nanostart sattelt um auf Immobilien und plant eine massive Kapitalerhöhung. Der Aktienkurs geriet daraufhin erheblich unter Druck und notiert rund 35% unterhalb des Wertes des im Bestand befindlichen Aktienpakets an der Magforce AG. Ich habe mir daher ein paar Aktien ins Depot gelegt und setze auf einen Value-Play mit Turnaround-Spekulation.

+ Deutsche Rohstoff AG
Die Deutsche Rohstoff AG  profitiert vom steigenden Ölpreis und von steigenden Rohstoffpreisen insgesamt, da sie u.a. über die Tochter Almonty Industries im Bereich Wolfram aktiv ist und über die Tochter Hammer Metals bei Zinn und Kupfer. Die wahre Musik spielt aber im Bereich -Öl- und Gasförderung in den USA, wo sie im Wattenberg-Feld in Colorado erneut Bohrrechte erworben hat und inzwischen ihr Bohrprogramm forciert. Und über den Erwerb zusätzlicher Rechte und Flächen nachdenkt. Früheren Aussagen des Managements zufolge, verdient die DRAG auch bei Ölpreisen von unter $40 (WTI) Geld, und bei Preisen von annähernd $50 werden die Kassen wieder richtig klingeln.

Anleger hatten sich von den optisch schlechten Zahlen verschrecken lassen, denn 2015 stürzte der Konzernüberschuss von €54 Mio. Euro €0,5 Mio deutlich ab und der Umsatz sank im selben Zeitraum von €22,9 Mio. auf €1,9 Mio. Allerdings hatte die DRAG Anfang 2014 ihr US-Öl- und Gasgeschäft quasi zum Höchstpreis für einen dreistelligen Millionenbetrag verkauft, bevor der Ölpreis so rapide abzustürzen begann. Daher sind die Zahlen nicht verwunderlich und der Charme bei DRAG-Aktien liegt im hohen Cashbestand und im Neuaufbau des Öl- und Gasgeschäfts zu Tiefstpreisen. Da die DRAG langsam an die Produktion kommt und der Ölpreis sich von seinen Tief deutlich erholt hat, habe ich meinen DRAG-Bestand ein wenig aufgestockt.

+ MAX Automation AG
Auch bei der MAX Automation sorgten die vorgelegten Zahlen für Ernüchterung. Umsatz, Cashflow, Auftragseingang sind gesunken, das hat zu Kursabschlägen geführt. Allerdings hatte man Ende 2015 die Problemtochter altmayerBTD endlich verkaufen können, so dass die Rückgänge zu erwarten waren. Viel interessanter ist daher, dass sich CEO Fabian Spilker dahingehend äußerte, dass er im zweiten Quartal mehrere Aufträge erwarte im Volumen zwischen €5 Mio und €20 Mio. Das beim Auftragseingang schwach verlaufende erste Quartal sollte also eher stichtagsbezogen etwas schwächer verlaufen sein und der Kursrücksetzer stellte sich mir als Nachkaufgelegenheit dar, die ich gerne ergriffen habe. MAX Automation hat nun die gleiche Positionsgröße wie die Beteiligungsunternehmen Deutsche Beteiligung und MBB SE, die zur Peergroup gehören.

+ Muehlhan AG
Die Hamburger sind im Bereich Oberflächenbeschichtung aktiv und hier insbesondere in den Bereichen Schifffahrt, Pipelines, Bohrplattformen und (Offshore-)Windkraftanlagen. Alle Segmente standen und stehen unter Druck, weil die Kunden sich mit Investitionen zurückhalten und jeden Euro zweimal umdrehen. Allerdings zeichnen sich erste Silberstreifen am Horizont ab, denn wer keine Neuinvestitionen tätigt, muss den Altbestand besser im Schuss halten, um weiter am Markt bestehen zu können. Nachdem Muehlhan einige Jahre durch ein Tal der Tränen gehen musste, konnte man auch aufgrund von Rationalisierungen und Fokussierung auf margenstärkere Aufträge wieder in die Gewinnzone zurückkehren. Die absoluten Zahlen waren noch nicht nach dem Geschmack der Börsianer und lassen noch Spielraum nach oben; positiv überraschen konnte Muehlhan aber mit dem ersten Dividendenvorschlag seit 5 Jahren, der mit €0,04 je Aktie allerdings eher als symbolisches Ausrufezeichen zu verstehen ist, denn als Kaufargument für Dividendeninvestoren. Von den Jahrestiefstständen von rund €1,50 im Januar ist die Aktie inzwischen ein gutes Stück entfernt und ich setze mit meinem Kauf zu €1,84 auf den operativen Turnaround. Das Unternehmen hat die Kosten in den Griff bekommen und ist aussichtsreich positioniert, auch wenn der Konkurrenzdruck hoch ist. Eine Erholung im Bereich Schifffahrt oder Ölplattformen dürfte sich erheblich positiv auswirken und der weiter stark zunehmende Ausbau bei Off-Shore-Wind-Parks bietet schon heute erhebliches Potenzial für Anleger mit Geduld, die auf den Turnaround bei Muehlhan setzen wollen.


.: Cashquote
Durch die Käufe ist meine Cashquote wieder gesunken und hat sich auf unter 20% reduziert. Investments erfolgen ausschließlich nach konsequentem Stock-Picking, denn die Gesamtmarktsituation ist weiterhin eher labil. Um die Brexit-Entscheidung am 23, Juni herum könnte einige Schnäppchenkurse zum Einsteig locken und dafür will ich einen überdurchschnittlichen Anteil an Pulver trocken halten.

Börsenweisheit der Woche 21/2016

"Kurseinbrüche sind Kaufgelegenheiten, keine Verkaufsgelegenheiten. Denn bei Panik werden auch gute und solide Unternehmen ausverkauft".
(Warren Buffett)

Freitag, 20. Mai 2016

Coreo (Nanostart): Value-Play oder nur eine riskante Turnaround-Spekulation?

Die Coero AG (vormals Nanostart) war bisher als Beteiligungsgesellschaft für auf Nanotechnologie spezialisierte Unternehmen unterwegs - und ist vollumfänglich gescheitert. Der Aktienkurs ist ins Bodenlose gefallen und die letzte aktive Beteiligung, die ebenfalls börsennotierte ItN Nanovation musste kürzlich Insolvenz anmelden. An dem einstigen Hoffnungswert hält Nanostart per Ende 2015 noch 2.028.536 Stücke. Das Unternehmen selbst gehört zu 53,7% der BF Holding GmbH aus Kulmbach, die Bernd Förtsch zurechenbar ist, der auch bei der FinTech Group die Strippen zieht, das inzwischen insolvente Deutsche Anleger Fernsehen (DAF) herausbrachte und die Börsenzeitschrift "Der Aktionär" herausgibt. Bernd Förtsch ist eine Reizfigur und nicht jedermanns Sache.

Bevor das Ende der "alten" Nanostart abzusehen war, hatte Bernd Förtsch den Aktionären im letzten Jahr ein Übernahmeangebot zu €1,20 gemacht. Gegen Jahresende wurden dann Pläne bekannt, die Nanostart unter neuem Namen neu zu positionieren und zwar als Immobilienwert. Hierzu sollte via Sacheinlage ein umfangreiches Immobilienportfolio in das Unternehmen eingebracht werden. Im Vorfeld der Umsetzung dieses Deals zog die Aktie merklich an, in der Spitze auf knapp €2,80. Dann platzte der Deal, Erklärungen gab es keine. Stattdessen wurde zur einberufenen Hauptversammlung ein Tagesordnungspunkt nachgeschoben, der es in sich hat. Denn die HV soll "in einem ersten Schritt" eine Kapitalerhöhung von nicht weniger als 10 Mio. Stück genehmigen, mit Bezugsrecht der Altaktionäre. Klar ist, dass Bernd Förtsch also seine Aktienmehrheit nicht aus der Hand geben will und dass die KE angenommen wird - Förtsch hält ja die Mehrheit an Nanostart - bzw. Coreo, wie die Gesellschaft künftig heißen soll. Dabei sind 10 Mio. neue Aktien fast eine Verdreifachung der Stückzahl, denn bisher bringt es Nanostart auf 6,24 Mio. Aktien im Nennwert zu €1. Parallel hierzu gab es Veränderungen im Vorstand. Per 1. Juli scheidet Carl Neef aus und bereits zum 15. Mai wurde Marin N. Marinov in den Vorstand berufen, ein ausgewiesener Immobilienexperte. Der Aktienkurs nahm die neuen Nachrichten jedenfalls sehr schlecht auf und rauschte wieder in den Keller bis unter €1,30, die bevorstehende Kapitalerhöhung und die Unsicherheit über den künftigen Weg lasten schwer auf der Aktie. Was den Interessen Bernd Förtschs nicht gänzlich zuwiderlaufen dürfte, denn dieser will im Rahmen der Kapitalerhöhung bestimmt mitziehen und seinen Anteil noch weiter ausbauen - und dafür wird er nicht einen Cent mehr bezahlen wollen, als unbedingt nötig.

Schnäppchen oder Value-Trap?
Warum sollte man sich also auf eine solche Gemengelage einlasen, wo liegt der Reiz, sich eine solche Aktie ins Depot zu legen? Die Antwort ist Geld. Zumindest die Aussicht auf Geld, auf eine gute Gelegenheit, viel Geld zu machen, indem man heute den Euro für 60 Cents kauft und auf die Chancen von morgen setzt. Klingt wie Vertretergeschwätz, ich werde aber gerne etwas konkreter...

Eine der Begründungen für die "Mega-Kapitalerhöhung "ist, dass Nanostart zurzeit keine Vermögenswerte habe, die man verkaufen könne oder aber deren Verkauf nach Ansicht des Vorstands aktuell nicht sinnvoll sei. Und bzgl. der ItN Nanovation kommen da auch keine Zweifel auf, der Kurs dümpelt bei unter 20 Cents herum und die Abschreibung auf diese Beteiligung hatte das 2015er Ergebnis von Nanostart grottenschlecht ausfallen lassen: bei einem Jahresumsatz von  €2.188 fiel ein Verlust von €5.549.291 an.

 Nanostart (Quelle: comdirect.de) 
Möge die Magforce mit dir sein...
Es gibt da aber noch eine andere Beteiligung und diese Position hat es in sich. Denn zum Jahresende 2015 flossen der Nanostart AG aus einem alten Darlehensverkaufsvertrag Magforce-Aktien im Wert von €12 Mio. zu. Wer sich über die Hintergründe informieren möchte, kann das in diesem Artikel von Gereon Kruse tun. Zum Jahresende 2015 hielt Nanostart rund 10,7% der Magforce-Aktien, also bei zurzeit insgesamt 25.622.770 Anteile sind das rund 2,74 Mio. Aktien. Und diese notieren Stand heute bei €4,70, so dass die Nanostart-Position einen Wert von €12,88 Mio. aufweist. Schaut man auf die letzte Research-Studie von GBC, liegt deren Kursziel sogar bei €14,30 per Ende 2016, also mehr als dem Dreifachen bzw. knapp €27 Mio. mehr bezogen auf das Nanostart-Aktienpaket.

Und hier kommen wir zum interessanten Teil, wo wir die Kuh über den Eimer schieben... Nanostart hat keine Schulden, einen Anteil an einer fast wertlosen Beteiligung an der iTN Nanvation und einen Anteil an Magforce im Wert von €12,88 Mio. Beim gegenwärtigen Aktienkurs der Nanostart von €1,35 und 6,24 Mio. Aktien weist Nanostart eine Börsenkapitalisierung von €8,5 Mio. auf, also 34% weniger als alleine die Magforce-Beteiligung wert ist! Die aufgelaufenen Verlustvorträge in der Nanostart AG, die bei einem Neustart als Immobilienunternehmen ja vollumfänglich zur Verfügung stehen, lasse ich mal außen vor, auch wenn diese selbst natürlich ein Asset darstellen, da man eine ganze Zeit lang entstehende Gewinne nicht versteuern müsste.

Meine Einschätzung
Ich weiß nicht, wie sich der Aktienkurs der Nanostart AG in der nächsten Zeit entwickeln wird. Ich gehe allerdings davon aus, dass er bis zum Abschluss der HV unter Druck bleiben wird - alleine schon, weil dies dem Großaktionär Bernd Förtsch gelegen kommt, denn dieser will die KE voll mitgehen und seinen Anteil an Nanostart eher noch ausbauen. Man erinnere sich an sein Übernahmeangebot von vor einem Jahr zum Kurs von €1,20 - und da waren die Magforce-Anteile noch nicht im Bestand der Nanostart AG. Ich weiß aber, dass ich heute Nanostart-Aktien mit 34-prozentigem Abschlag auf ihren Wert kaufen kann und dass die Kapitalerhöhung daran nichts ändern wird. Ob diese zu €1,20 oder €1,00 erfolgt, ist letztlich egal, denn für die 10 Mio. neuen Aktien erhält das Unternehmen mindestens €10 Mio. an frischem Geld. Für heutige Käufer bzw. Altaktionäre ändert sich durch die Kapitalerhöhung dies bezüglich also nichts. Die Neuausrichtung hin zu Immobilien wird kommen und auch wenn der Immobilienboom bereits seit einigen Jahren andauert und die Bäume nicht (mehr) in den Himmel wachsen dürften, wird hier noch einiges an interessanten Möglichkeiten aufzutun sein. Mit der Berufung des Immobilienexperten Marin N. Marinov in den Vorstand dürfte gewährleistet sein, das Chancen und Risiken adäquat berücksichtigt werden bei der Neuausrichtung. Und daher sollte sich ein Investment in Nanostart-Aktien für geduldige Anleger, die die nächsten, für den Aktienkurs ruppigen, Wochen durchzustehen bereit sind, durchaus lohnend sein. Ich habe mir jedenfalls ein paar Nanostart-Aktien ins Depot gelegt, denn für mich stellt sich Nanostart als interessante Turnaround-Spekulation und aussichtsreicher Value-Play dar...

Mittwoch, 18. Mai 2016

Milliarden-Deal: Bei Publity wachsen die Bäume nicht in den Himmel. Aber fast...

Publity ist ein Investor in und Asset-Manager von deutschen Büroimmobilien und verfügt über langjährige Erfahrung im Bereich der Immobilienfinanzierung in Sondersituationen. Und hat nun einen weiteren Milliarden-Deal an Land gezogen, der Umsatz und Ergebnis jahrelang positiv beeinflussen wird.

Von einem internationalem Investor erhielt man einen 5-Jahres-Servicing Vertrag für ein NPL-Portfolio erhalten, das mehr als 1.100 notleidende Kredite mit einer durchschnittlicher Forderungshöhe von knapp €1 Mio. umfasst. Diese zusammen rund €1,1 Mrd. umfassenden Immobilien-Kredite stammen überwiegend von deutschen Großbanken.

Mit diesem Vertrag stärkt Publity seinen NPL-Bereich, der neben dem Kerngeschäft, Co-Investments bei Joint Ventures mit institutionellen Investoren, als zweites Standbein für ein beschleunigtes Unternehmenswachstum sorgen und zuverlässige Einnahmen und Gewinne generieren wird. Im Rahmen dieses Servicing-Vertrags übernimmt Publity die Abwicklung und Verwertung des übertragenen Portfolios und partizipiert anteilig am Verwertungserlös.

 Publity (Quelle: comdirect.de) 
Auch das Co-Investment-Kerngeschäft bei Joint Ventures mit institutionellen Investoren soll weiter ausgebaut werden, wie Thomas Olek, Vorstandsvorsitzender der Publity AG, erklärte: "Der NPL-Markt bietet erhebliches Potenzial, das wir auch künftig neben Co-Investments in deutsche Büroimmobilien nutzen werden. Dieses Geschäftsfeld soll in den kommenden Jahren weiterhin zur Steigerung unserer Erlöse beitragen und unser Wachstum noch verstärken. Wir planen, das Management weiterer NPL-Portfolien zu übernehmen und profitieren dabei von unserem langjährigen Know-how und dem starken Netzwerk in der Bank- und Immobilienbranche."

Meine Einschätzung
Publity ist hervorragend in einem dynamischen und wachsenden Markt positioniert und bietet ein fast einmaliges Geschäftsmodell an, das ich kürzlich in dem Artikel "Publity - noch so eine Immobilienfirma. Oder doch viel mehr?" dargestellt hatte. Für Anleger bietet sich hier die Chance, jetzt noch vergleichsweise günstig an dem absehbaren Boom teilhaben zu können, denn der Aktienkurs leidet noch unter der Irritation aufgrund der überraschenden Kapitalerhöhung am Tag nach der Hauptversammlung. Kurz danach hatte Publity sich weiteres frisches Geld besorgt und bei Pfandbriefbanken €400 Mio. eingesammelt. Wie CEO Thomas Olek in diesem Interview erklärte, ist dieser "neueste NPL-Deal noch gar nicht in den bisherigen Prognosen enthalten". Und Publity bekommt als Verwalter eine jährliche Managementgebühr von 0,5% der AUM, was bei einem Volumen von €1,1 Mrd. zu Erlösen von €5,5 Mio. führt, 5 Jahre lang, Jahr für Jahr. Die bisherige Prognose für das Geschäftsjahr 2016 ging von einem Nachsteuergewinn von €25 Mio. aus, um mal die enorme Auswirkung dieses Deals einschätzen zu können. Ich habe Publity auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot - und habe meinen Bestand heute weiter ausgebaut, wodurch Publity zur größten Depotposition wurde.

Dienstag, 17. Mai 2016

Und was tat sich in Warren Buffetts Depot im 1. Quartal 2016?

Value Investor Warren Buffett, das "Orakel von Omaha",musste für seine Investmentholding Berkshire Hathaway wieder das sog. Formular 13F bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) einreichen. In diesem vierteljährlich vorzulegenden Dokument müssen institutionelle Asset-Manager ab einem verwalteten Vermögen von $100 Mio. ihre Investments in US-amerikanischen börsennotierter Unternehmen stichtagsbezogen offenlegen.

Veränderungen im 1. Quartal 2016
Auch im ersten Quartal gab es einige Veränderungen an Buffetts Positionen, dessen börsennotierte Aktienpositionen von $131,86 Mrd. auf $128,57 Mrd. sanken. Allerdings ist hierfür nicht nur die allgemeine Börsenverfassung verantwortlich, sondern auch Einmaleffekte. Denn seine bisherige siebtgrößte Position Procter & Gamble, die Ende 2015 noch $4,2 Mrd. ausgemacht hatte, sucht man nun vergebens in Buffetts Portfolio. Was "einfach" daran liegt, dass im ersten Quartal nun endlich der lang erwartete Tausch seiner P&G-Aktien in Duracell erfolgt ist - und Berkshire Hathaway einen hohen Einmalertrag brachte. Andererseits ist Duracell nicht börsennotiert, so dass der Wert dieser Beteiligung nicht (mehr) in der Übersicht auftaucht.

Eine weitere Neuerung ist, dass Wells Fargo nicht mehr die Nummer 1 in Buffetts Depot ist - sie wurde von der vormals zweitgrößten Beteiligung The Kraft Heinz Co. überholt, die erst seit dem dritten Quartal 2015 "an Bord" ist, als Buffetts nicht (mehr) börsennotierte Heinz Ketchup den Nahrungsmittelgiganten Kraft Foods übernahm und beide als Gemeinschaftsunternehmen nun wieder an der Börse notieren. Käufe oder Verkäufe hat Buffett bei beiden Unternehmen nicht getätigt, der Tausch des Spitzenplatzes liegt alleine an der sehr unterschiedlichen Kursentwicklung der beiden Aktien.

Montag, 16. Mai 2016

Investor-Update: Blackstone, KKR, MPC Capital, Patrizia, Publity, Softship, Triangle Capital

Im Investor-Update notiere ich in unregelmäßigen Abständen aktuelle Einschätzungen zu Unternehmen meiner Empfehlungsliste und wie sich diese ggf. auf mein Investment-Portfolio ausgewirkt haben. Darüber hinaus auch zu Unternehmen, die ich noch nicht hier im Blog vorgestellt habe, die sich jedoch in meinem Depot befinden.

Sell in may? Echt jetzt?
Der Wonnemonat Mai ist zur Hälfte vorüber und die Nervosität an den Börsen nimmt wieder zu. Die alte Börsenweisheit "Sell in my and go away" wird in allen Börsengazetten bemüht und die Autoren schreiben, weshalb die Regel zu beachten sei - oder weshalb in diesem Jahr gerade nicht. Tatsache ist jedenfalls, dass statistisch gesehen von Mitte Oktober bis Mitte April das deutliche bessere Börsenhalbjahr ist und der Kalender sagt uns, dass wir dies bereits hinter uns haben. Schaut man allerdings auf die Börsenindizes kann von "gut" nicht die Rede sein. Was nicht heißt, dass das zweite Halbjahr nicht noch viel schlechter werden kann.

Für den DAX hört man jedenfalls Ziele von 3.000 Punkten oder von 15.000. Es ist für jeden was dabei. Da ich kein Wahrsager bin, setze ich nicht darauf, den Kursverlauf vorhersagen zu können. Und ich spekuliere auch nicht darauf. Ich investiere in Werte, in Unternehmen. Und diese Unternehmen stellen sich den Herausforderungen, den Währungsschwankungen, den Konjunktursorgen, den Änderungen der Konsumentenbedürfnisse. Dafür gibt es das Management und mich darum zu kümmern ist nicht mein Job als Anleger, als Mitinhaber an einem Unternehmen. Andererseits mahnt die Erfahrung auch zur Vorsicht und daher schaue ich diese Tage, welche Aktien in meinem Depot vielleicht etwas Staub angesetzt haben, welche eine bessere Zukunft versprechen als andere. In gewisser Weise unterziehe ich mein Depot einem verspäteten Frühjahrsputz. Denn eine höhere Cashquote hat im Sommer selten zu schlechten Ergebnissen geführt. Im Gegenteil, man kann so sich ggf. bietende Möglichkeiten wahrnehmen und sich mit ausgesuchten Aktien eindecken, sollten die Kurse taumeln.

 Quelle: CNN Money - Fear and Greed Index 
Fear-and-Greed-Index sinkt weiter
Der Angst-und-Gier-Index ist inzwischen in den neutralen Bereich gesunken und notiert aktuell bei 54 Punkten. Von Euphorie ist nichts (mehr) zu spüren und die verhaltene Kursentwicklung der großen amerikanischen Werte, wie Apple, Alphabet oder Microsoft fordert ihren Tribut. Die Umsätze und Gewinne wachsen nicht (mehr) in den Himmel und damit bleibt auch weniger Kursphantasie übrig.

Für die Nebenwerte gilt dass diese erhöhte Chancen, aber auch Risiken mit sich bringen. Während bei den Blue Chips kaum ins Gewicht fällt, wenn ein größeres Projekt sich um ein paar Wochen in ein anderes Quartal verschiebt, oder ein großer Kunde mal einige Zeit später seine Rechnung bezahlt, hat das für das Zahlenwerk kleiner Unternehmen teilweise erhebliche Auswirkungen. Dem entsprechend reagieren auch die Aktienkurse und nicht selten steigen oder fallen die Kurse am Berichtstag zweistellig. Hat man "auf das richtige Pferd gesetzt", kann man sich an den Kursgewinnen erfreuen und muss nur sehen, ob damit nicht bereits das mittelfristige Kurspotenzial ausgeschöpft ist. Bricht hingegen der Börsenkurs ein, können sich außergewöhnliche Chancen bieten. Denn wenn Umsatz und Gewinn deutlich unter Plan liegen und dies an einer verspäteten Abrechnung oder Zahlung liegt, die nun im nächsten Quartal geleistet wird, dann ist ein starker Kurseinbruch die Chance, sich hier günstig einzukaufen. Liegt hingegen ein dauerhaftes Problem im Unternehmen vor, sind niedrigere Kurse alleine kein Kaufgrund.

Kaufe billig, kaufe dreckig...
Dort, wo Euphorie und Zuversicht herrscht, findet man kaum günstige Bewertungen und damit niedrige Aktienkurse. Aussichtsreiche Investments tummeln sich dort, wo die Kurse am Boden sind, in den "hässlichen" Branchen, die von Anlegern gerade gemieden werden. Diese Chancen kann man wahrnehmen, wenn man gegen den Markt handelt - und die nötige Geduld mitbringt, darauf zu warten, dass der Markt sich erholt und die Unternehmen in diesem Bereich wieder höhere Gewinne einfahren. Und damit die Kurse anspringen. In der Presse wird vor allem über die deutschen Banken geschrieben, die Energieversorger. Hier sind es vor allem regulatorische Vorgaben und staatliche Restriktionen bzw. Entscheidungen, die den Unternehmen die Luft zum Atmen nehmen. Kein guter Nährboden für gute Geschäfte und Kurserholungen. Dank der niedrigen Zinsen haben Anleger weiterhin einen Anlagenotstand und daher flüchten sie in Immobilien und andere Sachwerte. Die Anbieter "alternativer Anlagen" verspüren daher rege Nachfrage - offene Immobilienfonds sind trotz der katastrophalen Erlebnisse der Anleger vor nur wenigen Jahren so sehr überlaufen, dass sie keine neuen Anleger mehr aufnehmen.

Ich habe zuletzt bereits in diesem Bereich zugeschlagen. Die Deutsche Beteiligungs AG kann man hierzu zählen, weil sie über ihre Fonds Anlegern die Möglichkeiten bietet, sich an Unternehmensübernahmen und Management-Buy-Outs zu beteiligen. Publity managt notleidende Immobilienkredite für internationale Finanzinvestoren und bietet ebenfalls Fonds für Privatanleger an, wo diese an diesem einzigartigen Geschäftsmodell partizipieren können. MPC Capital ist ein Anbieter von Fonds und Anlagen mit Schwerpunkt Schifffahrt, Immobilien und Infrastruktur - durch das Betreuen der selbst aufgelegten Publikumsfonds verdient man nicht nur direkt an den Co-Investments, sondern hat sich auch eine stetige Einnahmequelle durch Gebühren und Provisionen geschaffen. Alle drei Unternehmen agieren ähnlich und das in unterschiedlichen Bereichen: Unternehmen, Immobilien, Schifffahrt und Infrastruktur. Und alle drei sind inzwischen in meinem Depot überproportional gewichtete Positionen.

Insbesondere der Bereich Schifffahrt könnte noch größere Investmentchancen bieten, da hier viele Unternehmen seit Jahren stark gelitten haben und die Kurse ziemlich ausgebombt sind. So wie bei der Softship AG, einem IT-Dienstleister aus dem Bereich Schiff- und Luftfahrt, wo ich zu knapp €5 eine erste Position aufgebaut habe. Denn wenn diese Unternehmen (wieder) perspektivisch gut aufgestellt sind, kann man hier aus meiner Sicht durchaus das eine oder andere Schnäppchen finden, mit dem man auf eine Erholung der Weltkonjunktur und/oder der Frachtraten setzen kann. Doch bis es soweit ist, dürfen die Unternehmen kein Kapital (mehr) verbrennen, denn wie viel Geduld man ggf. mitbringen muss, bis der Investment-Case aufgeht, steht in den Sternen.

Blackstone Group L.P.
- KKR & Co. L.P.
Als sog. "Alternative Asset-Manager" hielt und halte ich auch Blackstone Group L.P. und KKR & Co L.P. für aussichtsreich. Dennoch habe ich beide Werte in meinem Depot glattgestellt und streiche sie auch von meiner Empfehlungsliste. Jedoch aus steuerlichen Gründen bzw. aufgrund bürokratischer Hemmnisse.

Beide Unternehmen sind Limited Partnerships nach US-Recht, was in Deutschland steuerlich zu nicht ganz einfachen Verhältnissen führt. Denn sie unterliegen beim Verkauf und auch bei den Ausschüttungen nicht der Abgeltungssteuer, sondern diese Erträge müssen im Rahmen der Einkommensteuererklärung selbstständig erklärt und versteuert werden. Das war mir natürlich bewusst, als ich diese beiden Investments getätigt habe und hat mich nicht abgehalten. Allerdings scheinen sich deutsche Steuerbehörden und/oder Depotbanken nicht klar zu sein, wie das zu handhaben ist. Und so habe ich für meine Bestände nicht nur bei jeder Quartalsdividende mehrere Ausschüttungsabrechnungen erhalten, je nachdem, aus welcher Quelle die Erträge stammten, sondern mir flattern für jede Abrechnung auch Storno- und Korrekturabrechnungen ins Haus und dazu gibt es die jeweiligen Buchungen auf meinem Konto. Der Hammer war nun, dass dies rückwirkend seit 2014 erfolgte und meine Kontoauszüge seitenweise mit (sinnentleerten) Buchungen vollgespamt sind - wohlgemerkt mit den exakt gleichen Beträgen und auch die Storno- und Korrekturbeleg zu den Buchungen sind identisch. Das erzeugt einen dermaßen hohen Verwaltungsaufwand, der für Privatleute nicht zu bewerkstelligen ist. Und ich habe mein Privatvermögen (das ist natürlich mein privates Problem, wie ich mich hier organisiert habe) in meiner eigenen Vermögensverwaltungs-GmbH - jede Buchung erzeugt also Buchungskosten beim Steuerberater und fließt in die Jahresabschlüsse der GmbH ein. Und da mir die depotführende Bank bis heute nicht erklären konnte, weshalb diese ganzen Buchung erforderlich waren und dass dies nicht wieder vorkommen wird, muss ich dies als Faktor in meine Investmententscheidung mit einbeziehen. Denn einer meiner Grundsätze lautet seit jeher: "don't mess around with the Finanzamt".

Ich kapituliere also hiermit offiziell vor dem deutschen (!) Steuerrecht bzw. -behörden und streiche die Segel. Alle Unternehmen die als MLPs oder L.P.s organisiert sind, sind fortan für mich tabu. Der Ärger, der Aufwand und die Kostenbelastung stehen in keinem Verhältnis zu den Erträgen und Chancen. Daher habe ich mich sowohl von Blackstone Group L.P. als auch KKR & Co. L.P. getrennt. Ich denke aber darüber nach, die sich hier bietenden Chancen andersartig zu nutzen. Denn es gibt durchaus entsprechende Fonds und ETFs, die sich auf Private Equity-Unternehmen spezialisiert haben und bei denen man als Anleger dann ggf. Ausschüttungen der ETFs auf dem Konto vorfindet, die steuerlich ganz normal behandelt werden. Den Ärger mit den US-Steuergesetzen und Finanzbehörden erledigen die Fachleute der Fonds-Gesellschaften im Hintergrund. Hier kann es also sehr gut sein, dass ich demnächst einen passenden ETF kaufe, auch wenn dann natürlich nicht nur die beiden von mir bevorzugten Werte darin enthalten sind, sondern auch andere.

Ich habe also nach 18 Monaten beide Positionen am 11. Mai glattgestellt und zwar Blackstone zu €24, was brutto ein Gesamtergebnis inkl. Dividenden von 13,1% ergab, und bei KKR erzielte ich €11,74 und damit ein Minus von exakt 15%. Da ich Blackstone deutlich stärker gewichtet hatte als KKR und auch zwischenzeitlich ja insbesondere bei Blackstone die teilweise heftigen Marktschwankungen erfolgreich für das eine oder andere "Position-Trading" genutzt habe, habe ich mit meinen beiden Private-Equity-Investments zusammen unter dem Strich gutes Geld verdient. Den ganzen Ärger hätte ich mir aber gerne erspart und verbuche diese negative Erfahrung unter Lehrgeld.

+ MPC Capital
Der Aktienkurs von MPC hat sich bisher kaum entwickelt und ich habe hier zu knapp unter €6 nochmals meine Position aufgestockt. Damit ist MPC nun meine drittgrößte Position im Depot, allerdings noch deutlich hinter Aurelius und Publity.

Patrizia Immobilien
Die Patrizia Immobilen AG hat sich von einem Immobilien-Bestandsunternehmen zu einem bankenunabhängigen Immobilien-Investmenthaus gewandelt. Dabei deckt man den gesamten Immobilien-Lebenszyklus ab und bietet den Kunden ein umfangreiches Angebot an Dienstleistungen rund um Wohnimmobilien. Das Geschäftsmodell ähnelt dem von Publity, die jedoch ausschließlich auf Gewerbe- und Büroimmobilien spezialisiert sind. Patrizia bietet Akquisition & Consulting, Asset Management, Wohnungsprivatisierung, Immobilienmanagement, Projektentwicklung, Bautechnik und Sales. Zu den Kunden gehören institutionelle Investoren, gewerbliche und private Anleger sowie Selbstnutzer.

Patrizia gehörte zu den Börsenlieblingen 2015 und seit Jahresbeginn rutschte der Kurs knapp 20 Prozent ab. Am letzten Montag wurden die Zahlen für das erste Quartal 2016 präsentiert und der Kurs reagierte mit weiteren Abgaben - aus meiner Sicht unverständlich, da die Zahlen außergewöhnlich gut waren. Das Ergebnis war zwar (positiv) von einem Sondereffekt beeinflusst, aber auch ohne diesen Effekt konnte man das operative Ergebnis im Vorjahresvergleich annähernd verdoppeln. Zum 31. März 2016 lag das betreute Immobilienvermögen mit €16,5 Mrd. Euro auf Vorjahresniveau, allerdings konnte Patrizia in 21 Transaktionen ihr Transaktionsvolumen auf €2,2 Mrd. mehr als verdreifachen - und auch an den Transaktionen verdient man kräftig mit, nicht nur an der Bestandsverwaltung und -bewirtschaftung. Und so hat Patrizia die Abgänge kompensiert und im Berichtszeitraum institutionellen und privaten Investoren €508,8 Mio. frisches Eigenkapital für die Investments bei eingeworben (nach €130 Mio. im 1. Quartal 2015. Ein Drittel der AUM (Assets under Management) liegt mittlerweile außerhalb Deutschlands und mittlerweile sind über 200 institutionelle Investoren, wie Sparkassen, Altersvorsorgeeinrichtungen, Staatsfonds oder Versicherungen über Patrizia in Immobilien investiert. Patrizia  hat aufgrund der erfolgreichen operativen Entwicklung im 1. Quartal die Jahresziele bekräftigt und will die AUM im Jahr 2016 netto um €2 Mrd. Euro anwachsen lassen und ein operatives Ergebnis von mindestens €250 Mio. Euro erzielen.

Ich habe die Gunst der Stunde genutzt, um mich am Montagmorgen zu €19,68 einzukaufen und an der weiteren positiven Entwicklung des Unternehmens teilzuhaben - wohl wissend, dass ich stets kritisch gegenüber Investments in Wohnimmobilien war und auch nach wie vor skeptisch bin, was die breite Masse angeht. Ich werde hier nur selektiv vorgehen und auch weiterhin nicht auf Bestandsunternehmen setzen, da mir hier das Risiko zu hoch ist im Verhältnis zu den noch vorhandenen Chancen.

+ Publity
Publity ist operativ sehr erfolgreich unterwegs und der jüngste Kurseinbruch hat mich dazu veranlasst, meinen Bestand weiter aufzustocken. Publity ist nun die zweitgrößte Position in meinem Depot, knapp hinter Aurelius, die beide jeweils mehr als 10% Gewichtung aufweisen.

-Triangle Capital
Der meiner Ansicht nach ungerechtfertigte 20-prozentige Kurseinbruch nach Vorlage der Quartalszahlen und der - wohl einmaligen - Dividendenkürzung hatten mich zum Aufbau einer größeren Position veranlasst. Und der Rebound ist durchaus beachtlich ausgefallen, wenn auch noch nicht der gesamte Rückstand aufgeholt wurde. Ich habe dennoch meine schnellen Spekulationsgewinne mitgenommen und deutlich über 10 Prozent Rendite eingefahren. TCAP ist für mich aktuell eine gute Halteposition; die Auswirkungen der zunehmenden Pleiten in der US-Öl- und Gasindustrie auf den Kredit- und Forderungsbestand und damit den NAV lassen die Aktie bei €17 angemessen bewertet erscheinen - und knapp darunter habe ich sie dem entsprechend nun wieder verkauft.Sollten sich die Dividendenhöhe wieder auf dem normalen Niveau einfinden ab dem nächsten Quartal, und davon gehe ich aus, ist TCAP ein gutes Investment für Anleger, die einen soliden Wert im Depot haben möchten und auf hohen Dividendenerträge aus sind. Mit seiner zweistelligen Dividendenrendite erfüllt TCAP hier die Anforderungen und ist eine der am besten geführten BDCs, weshalb man auch die meiste Zeit oberhalb des NAV notierte. Es ist davon auszugehen, dass sich diese Verhältnisse mit der Zeit auch wieder so einstellen werden. Meine Gewinnmitnahme resultiert auch daraus, dass ich meine Cashquote erhöhen und ja verstärkt auf deutsche Nebenwerte setzen möchte.


.: Cashquote
Der Verkauf einer ehemals zweitgrößten Position Blackstone Group sowie der deutlich kleineren von KKR und TCAP haben meine Cashquote stark anschwellen lassen. Trotz der Zukäufe liegt sie nun bei über 25%, allerdings habe ich gedanklich bereits einiges Geld für weitere Investments im Nebenwertebereich eingeplant und ggf. in einen Private Equity-ETF. Grundsätzlich werde ich jedoch über den Sommer eine höhere Cashquote fahren und insbesondere vor dem Brexit-Referendum am 23. Juni eher zurückhaltend agieren. Bei guten Gelegenheiten werde ich aber sicher auch kurzfristig zuschlagen, auch wenn saisonal betrachtet der Jahresanfang immer die beste Zeit für Nebenwerte ist. Aber gute Ideen und Gelegenheiten haben immer Konjunktur...

Börsenweisheit der Woche 20/2016

"Verliebe dich nie in eine Aktie. Bleibe immer aufgeschlossen".
(Peter Lynch)

Montag, 9. Mai 2016

Investor-Update: Clere, DBAG, Leifheit, Triangle Capital, Wells Fargo

Im Investor-Update notiere ich in unregelmäßigen Abständen aktuelle Einschätzungen zu Unternehmen meiner Empfehlungsliste und wie sich diese ggf. auf mein Investment-Portfolio ausgewirkt haben. Darüber hinaus auch zu Unternehmen, die ich noch nicht hier im Blog vorgestellt habe, die sich jedoch in meinem Depot befinden.

Unternehmensergebnisse geben weiter den Ton an
Die Unternehmensergebnisse sorgen weiterhin für starke Kursschwankungen und die Börsen wenden sich zunehmend dem Entscheid der Briten über den Verbleib in bzw. Austritt aus der EU zu ("Brexit"). Die Nervosität wird wieder spürbarer und da wir nun auch den Wonnemonat Mai eingeläutet haben, erinnert sich so mancher an die alte Börsenweisheit "Sell in may and go away". Da im Jahresverlauf bisher kaum Gewinne eingefahren wurden mit den großen Indizes, ist hier nicht viel in Sicherheit zu bringen. Dennoch dürften die nächsten Monate bis in den Herbst hinein zumindest keine ganz einfachen werden. Die Cashquote etwas hochzufahren, um bei guten Gelegenheiten zugreifen zu können, dürfte wohl keine ganz falsche Entscheidung sein.

 Quelle: CNN Money - Fear and Greed Index 
Fear-and-Greed-Index gibt weiter nach
Der Angst-und-Gier-Index sinkt weiter von 64 auf 61 Punkte und nähert sich zusehends dem neutralen Bereich. Von überschäumendem Optimismus kann jedenfalls keine Rede sein und das zeigt eine gesunde Einstellung der Börsenteilnehmer. Realitätssinn schadet auch an der Börse nicht und gerade die Blue Chips sind weiterhin eher ambitioniert bewertet, zumal die Unternehmensgewinne doch eher verhalten ausfallen und die Bäume nicht (mehr) in den Himmel wachsen.

Im Bereich der Nebenwerte finden sich jedoch durchaus Perlen, deren Potenzial noch nicht erkannt wurde oder noch nicht ausgeschöpft ist, also Werte, die unterhalb des Radars großer Investoren und des Börsen-Mainstreams liegen, und/oder die sich in Sondersituationen befinden. Wie beispielsweise in Turnaroundsituationen. Hier habe ich zuletzt wieder verstärkt investiert, auch wenn man um tiefer gehende Analysen und Bewertungen anhand der Geschäftsberichte nicht herumkommt und einen erhöhten Aufwand betreiben muss, da weniger Informationen "einfach so" im Netz verfügbar sind. Aber das Plus an Chancen rechtfertigt den Aufwand durchaus. Wenn man die richtigen Perlen erwischt...


+ Clere
Bei Clere habe ich die kurze Kursschwäche dazu genutzt, meinen Bestand aufzustocken. Im Spätherbst wird es eine Kapitalherabsetzung geben und die Aktionäre bekommen €9 je Aktie zurück - der Nettocashbestand des Unternehmens liegt etwa 30% über dem aktuellen Börsenkurs von €27. Das stellt sowohl eine starke Absicherung nach unten dar, und in gewisser Weise kann man die im Herbst zu erwartenden €9 je Aktie fast dem eigenen Cashbestand zurechnen, weil diese Summe ab Datum der Ausschüttung ja wieder für Investments zur Verfügung stehen wird.

+ Deutsche Beteiligungs AG
Die DBAG ist neben MBB eine der am meisten unterschätzten Beteiligungsgesellschaften auf dem deutschen Kurszettel. Nachdem ihr vor zwei Jahren ein Megadeal gelang mit dem Verkauf der HOMAG-Anteile, scheinen einige Marktteilnehmer diesen Sonderglücksfall als Mindestmaß für den Erfolg des Unternehmens anzusetzen. Und daher scheint man die Aktie links liegen zu lassen, solange sie nur "normale" Ergebnisse vorzuweisen hat. Doch gerade hierin liegt die Chance für clevere Anleger, die sich nicht vom Schein blenden lassen, sondern auf Substanz und langfristige Wertsteigerungen setzen. Denn die DBAG schwimmt in Geld, das sie seit einiger Zeit sukzessive für Zukäufe verwendet. Sie kauft aber nicht nur auf eigene Rechnung, sondern über ihr zweites Standbein, die Fondsbetreuung, investiert sie auch in von ihr aufgelegte Publikumsfonds. In dieser Sparte konnte die DBAG ihr Ergebnis aufgrund von Provisionen in den vergangenen 10 Jahren auf €20 Mio. p.a. vervierfachen.

Die durchschnittliche Haltedauer für Investments der DBAG im eigenen Portfolio liegt bei 5 Jahren und von den aktuell 24 Beteiligungen sind rund ein Viertel schon 4 und mehr Jahre dabei und somit reif für einen Exit. Bei denen die DBAG ihr eingesetztes Kapital durchschnittlich verdreifacht. Und im ersten Geschäftsquartal sind bereits zwei gewinntreibende Verkäufe erfolgt, so dass ein zweistelliger Millionengewinn eingefahren werden konnte. Dieser ist höher als der Gewinn des vorangegangenen Gesamtjahres und wird zu einer hohen Partizipationsdividende führen, da die DBAG regelmäßig neben der Basisdividende die Hälfte der im Jahr erzielten Verkaufsgewinne an die Aktionäre ausschüttet. Ich traue der DBAG noch viel zu und halte die Aktie bei €25 für deutlich unterbewertet. Dem entsprechend habe ich meinen Bestand verdoppelt auf eine mittelgroße Position.

- Leifheit
Bei €60 hatte der Aktienkurs sein Allzeithoch markiert, bevor der Großaktionär seinen Anteil an verschiedene institutionelle Investoren verkaufte und der Kurs in der Folgezeit auf €40 einbrach. Hier hatte ich zugegriffen und im Februar-Tief noch einmal zu €42. Die Geschäfte laufen hervorragend bei Leifheit und man wird Ende Mai sogar eine Sonderdividende ausschütten, insgesamt €2,75 je Aktie. Im Vorfeld der Hauptversammlung hat sich der Aktienkurs deutlich erholt und ich habe die Gelegenheit genutzt, meinen Bestand mit einem prozentual hohen zweistelligen Kursgewinn glattzustellen. Damit spare ich mir nicht nur die 25-prozentige Abgeltungssteuer, sondern bei vielen Dividendenwerten ziehen die Kurse im Vorfeld der Zahlen stärker an, um danach deutlich zurückzukommen. Einerseits ist die Bewertung der Leifheit-Aktien bei knapp €60 nicht mehr ganz billig, andererseits könnte der Kurs nach der HV für einen Wiedereinstieg interessant werden.

+ Triangle Capital
Vorgestern Abend nach Börsenschluss hat TCAP sehr enttäuschende Zahlen zum ersten Quartal präsentiert, insbesondere aufgrund der Abfindungszahlung an den Ex-CEO. Das Net Investment Income (NII) lag mit $0,29 je Aktie nur noch halb so hoch wie im Vorquartal ($0,58) und so rauscht der Aktienkurs fast 20% in die Tiefe. Für sich betrachtet ist die Halbierung des Nettogewinns ein herber Schlag, allerdings gibt es dafür auch handfeste Gründe. Denn insbesondere die Ruhestands-Abfindungszahlung an den Ex-CEO hat mächtig ins Konto geschlagen und ohne diese Sonderzahlung hätte das NII immerhin $0,45 je Aktie betragen. Das wäre jetzt auch kein berauschender Wert, aber einen Kursrutsch um ein Fünftel hätte dieser Rückgang nicht gerechtfertigt. Der Net Asset Value (NAV) sank dann auch nur moderat von $15,23 auf $15,02 je Aktie. Dividendenkürzung kommt nicht gut an Durch den deutlichen Kurseinbruch heute hat sich der Aufschlag zum NAV, der ein konstantes Markenzeichen von TCAP war, jedenfalls kurzfristig erst einmal vaporisiert und die Anleger schauen in die Röhre, auch weil die Dividende auf $0,45 je Aktie gesenkt wurde (von $0,54 bisher).

Ich hatte meinen Aktienbestand ja Mitte März glattgestellt, eben wegen der überhöhten Abfindungszahlung der möglichen negativen Auswirkungen auf die Q1-Ergebnisse, und habe in den Ausverkauf hinein zu durchschnittlich €14,49 wieder eine Position aufgebaut. Ich bin davon überzeugt, dass einerseits der Ausverkauf stark übertrieben und daher der Kurs nach unten sehr gut abgesichert ist, und dann auch, dass sich der Kurs in der nächsten Zeit von dem Schock wieder erholen wird, wenn die Anleger registrieren, dass der erste Blick auf die Zahlen ihre wahre Bedeutung und das Potenzial des Unternehmens nicht richtig wiedergegeben hat.

- Wells Fargo
Wells Fargo ist die größte Position in Warren Buffetts Portfolio und die wohl am besten positionierte US-Bank. Dennoch habe ich mich dazu entschlossen, den Wert zu verkaufen und von meiner Empfehlungsliste zu streichen. Denn die Fracking-Industrie in den USA steht vor dem Kollaps, immer mehr Firmen rutschen in die Pleite und beantragen Gläubigerschutz. Und die Hauptgläubiger dieser Unternehmen sind Junk-Bond-Inhaber, Private Equity-Firmen und US-Banken, vor allem die aus dem Süden der USA. Und so musste Wells Fargo seine Risikovorsorge aufgrund derartiger Zahlungsausfälle glatt verdoppeln im letzten Quartal - und das Firmensterben fängt gerade erst an. Die Risiken steigen stark an, die Chancen nehmen ab - eine Gemengelage, die nicht gerade nach einem Investment schreit.


.: Cashquote
Dank der Verkäufe meiner Aktien von Leifheit und Wells Fargo haben meine Käufe und Aufstockungen meine Liquidität nicht in Mitleidenschaft gezogen, sondern meine Cashquote sogar auf deutlich über 15% erhöht. Damit trage ich dem Umstand Rechnung, dass wir die saisonal bessere Jahreshälfte nun hinter uns haben und dass die Brexit-Entscheidung näher rückt. Bei guten Gelegenheiten werde ich aber sicher zuschlagen, insbesondere im Bereich der Nebenwerte, von denen ich noch einige auf der Watchlist habe.

Börsenweisheit der Woche 19/2016

"Deine Anlagestrategie darf nicht von übergeordneten Marktbewegungen abhängen. Konzentriere dich darauf, ein Portfolio mit soliden Unternehmen zusammenzustellen, die sich aller Voraussicht nach unabhängig vom Markt positiv entwickeln werden".
(Warren Buffett)

Donnerstag, 5. Mai 2016

Darum bricht Triangle Capital heute um 20 Prozent ein

Die Business Development Company (BDC) Triangle Capital Corp. (NYSE: TCAP) legte gestern Abend nachbörslich Zahlen für das abgelaufene erste Quartal vor - und hat die Anleger geschockt. Das Net Investment Income (NII) lag mit $0,29 je Aktie nur noch halb so hoch wie im Vorquartal ($0,58) und so rauscht der Aktienkurs fast 20% in die Tiefe.

Für sich betrachtet ist die Halbierung des Nettogewinns ein herber Schlag, allerdings gibt es dafür auch handfeste Gründe. Denn insbesondere die Ruhestands-Abfindungszahlung an den Ex-CEO hat mächtig ins Konto geschlagen und ohne diese Sonderzahlung hätte das NII immerhin $0,45 je Aktie betragen. Das wäre jetzt auch kein berauschender Wert, aber einen Kursrutsch um ein Fünftel hätte dieser Rückgang nicht gerechtfertigt. Der Net Asset Value (NAV) sank dann auch nur moderat von $15,23 auf $15,02 je Aktie.

Dividendenkürzung kommt nicht gut an
Durch den deutlichen Kurseinbruch heute hat sich der Aufschlag zum NAV, der ein konstantes Markenzeichen von TCAP war,  jedenfalls kurzfristig erst einmal vaporisiert und die Anleger schauen in die Röhre, auch weil die Dividende auf $0,45 je Aktie gesenkt wurde (von $0,54 bisher). Sie liegt somit auf Höhe des NII ohne die Sonderbelastung. Das Ex-Dividendendatum ist der 6. Juni und die Ausschüttung erfolgt am 22. Juni.

 Triangle Capital Corp. (Quelle: comdirect.de) 
Einschätzung
Man sollte bedenken, dass die Abfindungszahlung eine einmalige Belastung darstellt, der NAV nicht wirklich eingebrochen und das Exposure der Kredite im strauchelnden Öl- und Gasbereich überschaubar ist. Ich gehe daher davon aus, dass sich im nächsten Quartal wieder "normale" Ergebnisse einstellen werden und die Dividende wieder auf die bisherige Höhe hochgesetzt wird, denn das Management hat angekündigt, seine Kreditvergabebemühungen hochzufahren - was dann ja auch wieder zusätzliche Erträge bringt. Beim aktuellen Kurs von €14,5 ergäbe sich bei $0,45 eine annualisierte Dividendenrendite von 11%. Steigt die Dividende ab Q2 wieder auf $0,54, läge die Dividendenrendite schon bei 12,7% - ohne eine mögliche Wiederaufnahme der Bonusdividende von $0,05.

TCAP befindet sich auf meiner Empfehlungsliste, bisher als Halteposition. Auf diesem ausgebombten Kursniveau überwiegen jedoch die Chancen und der Kurs sollte sich wieder deutlich erholen.

Dienstag, 3. Mai 2016

Zahlen & Mehr: Berkshire Hathaway, Hypoport, Softing

:: Berkshire Hathaway
Warren Buffets Investmentholding veranstaltet nicht nur die größte Hauptversammlung der Welt, wo in diesem Jahr wieder 40.000 "Pilger" das "Orakel von Omaha" live erleben wollten, sondern man präsentierte auch Zahlen für das erste Quartal 2016. Hier stieg der Quartalsgewinn im Vergleich zum Vorjahresquartal um 8% auf $5,6 Mrd., und das obwohl Berkshire Hathaways Beteiligungen im Energiebereich, in der Versicherungssparte und auch im Eisenbahnsektor unter Druck stehen. So sank das operative Ergebnis dem entsprechend auch gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 12% auf $3,73 Mrd.

Ob bei American Express, Coca-Cola, Deere, Dow Chemical, IBM, Phillips 66, Walmart, überall "brennt" es in Buffets Imperium. Doch der Value Investor lässt sich nicht beirren und kauft hier munter zu, ist er doch überzeugt davon, dass "Corporate America" weiter gut funktionieren und trotz allem konjunkturellen Ungemachs auch über die nächsten Generationen hinweg überdurchschnittliche Renditen abwerfen wird.

Dass Buffett nicht nur an gut gemanagten Beteiligungen verdient, sondern auch selbst ein echtes Asset Berkshire Hathaways ist und bleibt, zeigt der Duracell-Deal, den er mit Procter & Gamble eingefädelt hat. Seine große P&G-Beteiligung stammt aus deren Übernahme von Gilette, wo Buffett frühzeitig eingestiegen war und viel Geld an den Einwegrasierern verdient hat. Da P&G sich von Randbereichen trennt, und im Zuge dessen auch die Batteriesparte Duracell abgeben wollte, fädelte Buffett einen "genialen Deal" ein: er übernimmt Duracell, das P&G mit einer Milliardensumme noch aufpeppte und gibt P&G dafür im Gegenzug alle seine gehaltenen P&G-Aktien als Kaufpreis. Durch dieses Manöver muss Buffett auf die beträchtlichen Kursgewinne seiner P&G-Aktien keine Steuern zahlen - was sich nun im ersten Quartal gewinnsteigernd in dem Zahlenwerk niedergeschlagen hat. Das soll Buffetts Leistung nicht schmälern, im Gegenteil. Man kann sich auch hier nur verneigen vor seinem Riecher für die richtige Idee zur richtigen Zeit. (>>> zur Meldung)

:: Hypoport
Der Finanzdienstleister Hypoprt konnte sein starkes Wachstum aus dem Vorjahr auch im ersten Quartal 2016 fortsetzen. Der Umsatz legte um 7% zu auf €35,7 Mio. und das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) kletterte um 42% auf €5,4 Mio, so dass das Ergebnis je Aktie von €0,50 auf €0,70 Cent je Aktie kletterte.

Diese Zahlen sind umso beeindruckender, als dass die neu eingeführte Wohnimmobilienkreditrichtline (WIKR) noch immer enorme Ressourcen bei Hypoport, Banken und Partnern gebunden und das Neugeschäft belastet hatte. Die WIKR hat den unschönen Begleiteffekt, dass deutlich weniger Kredite für Wohnimmobilien vergeben werden als bisher, da die Haftung der Banken für notleidende Kredite erheblich ausgeweitet wird. In dem Geschäftsbereich Finanzdienstleister betreibt Hypoport Marktplätze für Unternehmen aus der Finanzbranche. Dazu zählen der internetbasierte Finanzmarktplatz Europace, nach Angaben des Unternehmens "die größte deutsche Plattform für Immobilienfinanzierungen, Bausparprodukte und Ratenkrediten", der Marktplatz "Genopace" für den genossenschaftlichen Bankenbereich und "Finmas" für den Sparkassensektor.

Viel erfreulicher lief es im Sektor Privatkunden, wo man den Fokus auf Produktanbieter legte, die durch die WIKR nicht ausgebremst wurden, und somit das EBIT von €1,2 Mio. auf € 2,5 Mio. mehr als verdoppelt werden konnte. Für das Gesamtjahr rechnet das SDAX-Unternehmen mit einem prozentual leicht zweistelligen Umsatz-Ergebniswachstum. (>>> zur Meldung)

:: Softing
Das Unternehmen teilte Zahlen zum ersten Geschäftsquartal mit und die waren eher verhalten. Insbesondere in den USA verspürte man eine rückläufige Produktnachfrage, was dann auch Folgeauswirkungen auf die eigene Tochter in Singapur hatte, die hier Auftragsfertigungen übernimmt. Der Umsatz stieg im ersten Quartal zwar auf €17,9 Mio. (Vj. €17,3 Mio.), jedoch fiel das operative EBIT mit €0,8 Mio. (Vj. €1,4 Mio.) deutlich unter die Vorjahreswerte. Dies ist vor allem der Verlagerungen hin zu weniger margenstarkem Geschäft geschuldet, wodurch sich auch das operative EPS auf €0,12 (Vj. €0,21) verringerte. Die Eigenkapitalquote betrug zum 31. März 2016 54% (31. Dezember 2015 51%), während sich die liquiden Mittel auf €8,9 Mio. (31. Dezember 2015 €9,2 Mio. ) beliefen.

Der Auftragsbestand ist mit €9,7 Mio. (€Vj. 9,2 Mio.) unverändert gut. Auch bei Kundenprojekten sind derzeit alle Kapazitäten in der Gruppe voll ausgelastet und so rechnet Softing im Vorjahresvergleich für das Gesamtjahr 2016 in den europäischen Konzerngesellschaften bei Industrial und Automotive mit moderat steigenden Umsatzerlösen, die vom Verhalten einzelner Kunden und noch nicht konjunkturell motiviert sind. Bei den Konzerngesellschaften in den USA geht man ab dem dritten Quartal 2016 aufgrund neuer Produkteinführungen und Lieferzeiten von einer Trendwende aus und auch in Asien wird mit einer Verbesserung der Marktlage zum dritten Quartal 2016 gerechnet. Softing bestätigt daher seine die Prognosen aus dem Ausblick für das Geschäftsjahr 2016 mit einer moderaten Steigerung der Umsätze auf über €85 Mio. und einer Steigerung des operativen EBITs auf €7,5 Mio. (>>> zur Meldung)

Berkshire Hathaway, Hypoport und Softing befinden sich auf meiner Empfehlungsliste.

Montag, 2. Mai 2016

Börsenweisheit der Woche 18/2016

"Steigt die Börse, kommt das Publikum, fällt die Börse, geht das Publikum".
(André Kostolany)