Donnerstag, 27. April 2017

Steico schafft sich gerade sein eigenes "Next Big Thing"...

Steico, der Hersteller von Holzfaserdämmstoffen, entwickelt sich vom unentdeckten Hidden Champion immer mehr zur Börsenperle. Nachdem man hervorragende Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2016 präsentieren konnte, legte man noch eine Schippe drauf. Denn Steico hatte vor einigen Jahren einen neuen Geschäftszweig initiiert und in eine Furnierschichtanlage investiert. Von dem Erfolg war man dann selbst überrascht worden, die die Anlage war nach kurzer zeit bereits voll ausgelastet. Und so plante Steico gleich eine neue Anlage hinterher, um die Kapazitäten zu verdoppeln. Und das mit gutem Grund, denn durch das neue Geschäftsfeld kann Steico die Fertigungstiefe erhöhen. Anders ausgerückt: anstatt wie bisher Vorprodukte teuer zuzukaufen, fertigt man diese nun selbst und steckt sich die Marge selbst ein. Hinzu kommt die Fertigung für Externe, was die Anlage zusätzlich auslastet.

Monsanto: Was treibt Buffett bloß in diese Aktie?

▸ Kissigs Kolumne vom 07.03.2017, Aktien Magazin 06/2017 

Warren Buffett ist nicht nur einer der reichsten Menschen auf unserem Erdball und als Value-Investor eine Legende, sondern er steht auch für einen zurückhaltenden, bescheidenen Charakter. An ihm ist wenig Auffälliges, abgesehen von seiner Unauffälligkeit. Vermutlich auch deshalb ist er ein gern gesehener Gast zum Thema Börse bei Fernsehstationen und Journalisten. Buffett versteht es, komplizierte Dinge in wenigen Worten unkompliziert darzustellen.

Auch ich bin ein großer Fan seiner viele Börsenzitate, die einen mal zum Schmunzeln und mal zum Nachdenken bringen. Oder beides. Und eine dieser vielen Weisheiten ist, man könne mit schlechten Leuten keine guten Geschäfte machen.

»Mit schlechten Leuten macht man keine guten Geschäfte.«
(Warren Buffett)

Dies ist ein wichtiger Grundsatz des Value Investings, denn man bindet sich ja langfristig an ein Unternehmen. Und wenn dieses von Menschen geführt wird, denen man nicht trauen kann, sollte man die Finger davon lassen.

Eine Regel, die man gar nicht oft und laut genug betonen kann, denn an der Börse war es Jahrhunderte lang üblich, Investoren über den Tisch zu ziehen. Ob es mit "Orient-Compagnien", Eisenbahnen, Stromhändlern (wie bei Enron) oder mit beinahe jeder Neuer Markt-Klitsche war: es wurde immer erstunken und erlogen was das Zeug hielt. Da wurden Umsätze und Gewinne vom Vorstand frei erfunden (wie bei Comroad), oder es wurden Kurse vorsätzlich in ungeahnte Höhen manipuliert, weil die Initiatoren zuvor diese Penny-Stocks günstig eingesammelt hatten und dann diese Ramschaktien an gierige Privatanleger teuer verkauften. Am Ende war immer der Anleger, der diesen schlechten Leuten auf den Leim ging, der Dumme.

Good business, good management, good price
Deshalb legt Buffett bei seinen Beteiligungen so einen hohen Wert auf ein verlässliches, vertrauenswürdiges Management. Er weiß, dass er die vielen Firmen in seinem Portfolio nicht selbst führen kann, daher braucht er Manager, die dies für ihn tun. Und die Grundlage dieser Zusammenarbeit ist Vertrauen.

Das gilt bereits bei der Übernahme, wenn Buffett in ein Unternehmen neu einsteigt. Gerne möchte er dann das bestehende Management an Bord lassen, denn diese Leute sind einer der wichtigsten Gründe, weshalb Buffett überhaupt einsteigt. Der Kaufpreis spielt nur eine Nebenrolle, Qualität und Beständigkeit sind die entscheidenden Eckpfeiler von Buffetts Investmentstil.

Und aus dieser Charaktereigenschaft, die der mittlerweile 86-jährige mit seinem 94-jährigen Partner Charlie Munger teilt, folgt auch, dass Buffett nicht in Geschäfte investiert, die nicht „koscher“, die unmoralisch sind. Seine Integrität ist ihm extrem wichtig.

»Man braucht 20 Jahre, um sich einen guten Ruf aufzubauen, und nur fünf Minuten, um ihn zu verlieren. Wer das beherzigt, handelt bewusster.«
(Warren Buffett)

Und nun das…
Kürzlich musste Warren Buffett für seine Investmentholding Berkshire Hathaway wieder das sog. Formular 13F bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) einreichen. In diesem vierteljährlich vorzulegenden Dokument müssen institutionelle Asset-Manager ab einem verwalteten Vermögen von 100 Millionen Dollar ihre Investments in US-amerikanischen börsennotierter Unternehmen stichtagsbezogen offenlegen.

Vor allem bei US-Airlines hat Buffett zugegriffen und Millionen von Aktien der vier großen US-Fluglinien American Airlines, United, Delta Airlines und Southwest Airlines erworben. Daneben kaufte Berkshire Hathaway Aktien der Bank of New York Mellon, von Apple sowie Anteile am Satellitenradiobetreiber Sirius XM.

Und Buffett erwarb für rund 872 Millionen Dollar 8 Millionen Aktien des Saatgut-Spezialisten Monsanto, der gerade vom deutschen Pharmakonzern Bayer übernommen wird. Und insbesondere dieser letzte Kauf ist bemerkenswert, gleich in mehrerer Hinsicht.

Schreckgespenst Montanso
Denn Monsanto ist nicht irgendeine Firma, Monsanto ist eine der meist gehassten Unternehmen. Monsanto ist der weltweit führende Hersteller von gentechnisch verändertem Saatgut und die real und eingebildet hiervon ausgehenden Gefahren für Menschen, Tiere und Umwelt führen regelmäßig zu Proteststürmen gegen das Unternehmen. In Europa und Deutschland noch viel mehr als in den USA, wo eine Vielzahl von Farmern inzwischen völlig abhängig ist von Monsantos Saatgut.

Auch deshalb hat es großes Stirnrunzeln und Kopfschütteln ausgelöst, dass der deutsche Pharmariese Bayer ausgerechnet dieses Unternehmen mit diesem schlechten Image übernehmen will. Aber die Bayer-Offerte im Volumen von 66 Milliarden Dollar ist Realität und liegt bei gut 30 Kartell- und Prüfbehörden weltweit zur Genehmigung vor. Die Leverkusener hatten ihr Anfangsangebot nachbessern müssen, aber nun zu 128 Dollar je Monsanto-Aktie unterstützt auch dessen Management die Übernahmeofferte. Aber weshalb auch Buffett?

Nun könnte an sich darauf zurückziehen, dass es nicht Buffett selbst war, der die Anlageentscheidung getroffen hat. Denn seine beiden „Investment-Leutnants“ Ted Weschler und Todd Combs verwaltet inzwischen selbstständig Berkshire-Portfolios von mehreren Milliarden Dollar. Doch ich denke, es wäre zu kurz gesprungen zu behaupten, die beiden hätten einfach weniger Skrupel oder eine niedrigere moralische Hemmschwelle bei Investments. Zumal beide von Buffett persönlich ausgesucht und eingestellt wurden und sie sich stets mit Buffett über ihre Portfolios und Transaktionen austauschen.

Buffett geht’s (nur) ums Geld
Der Grund für den Monsanto-Kauf dürfte ein viel profanerer sein: Geld. Buffett kauft Monsanto nicht, weil er von dem Unternehmen so viel hält oder das Geschäftsmodell so überzeugend findet. Vielmehr erinnert der Einstieg an eine von Buffetts eher unbekannten Seiten: den Arbitragehandel. Denn zu früheren Zeiten hat Buffett gerne Arbitragegeschäfte gemacht und dabei Kursunterschiede zu seinem Vorteil genutzt. Er kauft gerne den Dollar für 50 Cents. Des Weiteren hat auch schon mal für einige Monate ExxonMobil-Aktien ins Depot genommen, weil er diese Aktien als bessere Geldanlage einstufte, als sein Tagesgeldkonto. Beileibe also kein Value-Investment, für das Buffett eigentlich steht.

Die Übernahme-Offerte
Und wenn wir uns nun die Konditionen des Bayer-Angebots für Monsanto anschauen, dann werden wir fündig. Bayer bietet 128 Dollar je Monsanto-Aktien und zwar in bar. Keine Bayer-Aktien, sondern Cash. Und die Monsanto-Aktien notieren zurzeit bei 111 Dollar, also gut 15 Prozent unter dem Angebot. Offenbar haben viele Marktteilnehmer Zweifel am Gelingen der Übernahme; allein die hohe Zahl an behördlichen Zustimmungen ist gewaltig. Es ist daher davon auszugehen, dass Bayer eine Reihe von Kompromissen eingehen wird müssen, um die Offerte zu einem erfolgreichen Ende bringen zu können. Wobei Bayer in den USA 12.000 Menschen beschäftigt und Monsanto weltweit 20.000. Insofern dürfte in den USA die Offerte am wenigsten Probleme bekommen, trotz der neuen America-First-Doktrin von Präsident Trump.

Doch welche Abstriche Bayer auch machen muss, sie ändert nichts am Übernahmepreis von 128 Dollar. Nur ein Scheitern bzw. Abbrechen der Übernahme würde sich negativ auf den Monsanto-Aktienkurs auswirken.

Und hier dürfte der Grund für Buffetts Einstieg bei Monsanto liegen: er glaubt an ein Gelingen der Übernahme. Und wenn man davon ausgeht, dass die behördlichen Genehmigungen etwa ein Jahr in Anspruch nehmen, dann würde er am Ende dieses Jahres eine Rendite von 15 Prozent erzielt haben. Bei vergleichsweise geringem Risiko. Und das ist genau die Art von Geschäft, für die Buffett bekannt ist: niedriges Risiko, attraktiver Rendite. Eine bessere Rendite als auf dem Tagesgeldkonto kann er mit seiner Investition fast sicher einstreichen. Und seine Cash-Position von knapp 80 Milliarden Dollar erlaubt ihm durchaus weitere Aktienkäufe, ohne dass er zwischenzeitlich auf das in Monsanto-Aktien „geparkte“ Geld, angewiesen wäre.

»Regel Nummer eins lautet: nie Geld verlieren. Regel Nummer zwei lautet: vergiss nie Regel Nummer eins«.
(Warren Buffett)

Wer wie Buffett an einen Erfolg der Übernahme durch Bayer glaubt, kann sich ebenfalls Monsanto-Aktien ins Depot legen. In der Vergangenheit hat es sich häufig als lukrativ erwiesen, Buffett bei seinen Investmententscheidungen zu folgen…

Mittwoch, 26. April 2017

Publity: Strategieerweiterung bringt erste gewinntreibende Erfolge

Publity, ein Investor in und Asset-Manager von deutschen Büroimmobilien, hat kürzlich durch zwei neue Mandate seine bisherige Strategie deutlich erweitert und kann hier bereits erste Erfolge vermelden. Das erste Mandat bekam man von der Consus Commercial Property AG, die von Publity-CEO und Großaktionär Olek gegründet wurde. Publity wird für Consus Commerical Property am deutschen Markt attraktive Büroimmobilien identifizieren, den Ankaufsprozess begleiten und bei der anschließenden Wertentwicklung als Asset Manager fungieren. Die entsprechende vertragliche Vereinbarung wurde zu den bei Publity üblichen Konditionen geschlossen und Publity adressiert damit eine neue Größenklasse von Büroimmobilien mit einem Ankaufspreis zwischen 10 und 25 Mio. Euro. Der Investitionsschwerpunkt liegt auf etablierten Bürostandorten in deutschen Metropolregionen.

Bereits zum Auftakt der Zusammenarbeit wurde ein Bestandsportfolio von Gewerbeimmobilien im Marktwert von über 200 Mio. Euro im Einzelankauf erworben, so dass Publity bereits unmittelbar nach Vertragsabschluss erste Provisionen für sich generiert hat, denn "üblich" sind bei Publity bei Asset Management-Mandaten eine sog. Finders Fee von 1%, eine Asset Management Fee von 0,5% während der gesamten Laufzeit, in der die Immobilie betreut wird, und beim Verkauf eine Provision in Höhe von 10% als Beteiligung am Verkaufsgewinn.

Neben der Consus wurde ein Investor aus Südamerika gewonnen, dessen Mittel im unteren im unteren Milliarden-Euro-Bereich von Publity in den kommenden 30 Monaten zum Erwerb von Büroimmobilien in Deutschland verwendet werden sollen. Dieser Investor hat dabei ein niedrigeres Renditeziel als die bisherigen Publity-Kunden und dem entsprechend adressiert Publity hier als Zielsegment vorrangig den Core und Core+ Bereich. Also Immobilien, die man bei den bisherigen Mandanten nicht hätte unterbringen können.

Und heute kann man den ersten Ankauf für diese neuen Mandanten vermelden, ein Objekt in Zentrumslage von Bensheim, einer Stadt im Süden von Hessen im Regierungsbezirk Darmstadt, mit über 15.000 m² vermietbare Fläche auf einem 5.000 m² großen Grundstück. Es handelt sich um ein Value-Add-Objekt aus einer klassischen Undermanaged-Situation, die das Heben von deutlichen Wertschöpfungspotenzialen ermöglicht, denn der Vermietungsstand liegt nur bei 54% mit 19 verschiedenen Mietern, zu denen die Krankenkassen AOK und Barmer gehören.

Meine Einschätzung
Das Mandat der Consus ermöglicht es Publity, deutlich kleinere Objekte zu erwerben und zu betreuen, als es bisher der Fall war. Und das Südamerika-Mandat lässt zu, dass Publity hier qualitativ niedrigere und damit risikoreichere Standorte erwirbt, da die Renditeerwartungen bei diesem neuen Mandanten niedriger liegen, als bei den bisherigen Mandaten von internationalen Finanzinvestoren. Insbesondere bei dem Südamerika-Mandat geht Publity davon aus, dieses auf der bestehenden Asset Management Plattform ohne den Aufbau nennenswerter zusätzlicher Ressourcen umsetzen zu können. Was nichts anderes heißt, als dass man sein Geschäftsmodell skalieren kann, also ohne nennenswerte zusätzliche kosten mehr Umsatz und damit mehr Gewinn erzielen können wird. Und auch bei dem Consus-Mandat verdient Publity prächtig, denn Consus verfügt über keine eigene Bewertungs- und Ankaufserfahrung und nutzt vollständig das Publity-Know-How und Personal. Gegen entsprechendes Entgelt. Auch hier dürfte Publity überproportional dran verdienen.

 Publity (Quelle: finanzen.net
Unterm Strich zeigen die beiden neuen Mandate, dass es Olek und seiner Publity weiter gelingt, neue Mandate an Land zu ziehen, so dass die für Ende diesen Jahres anvisierten 5 Mrd. Euro 5,2 Mrd. Euro (s.u.) AuM (Assets under Management) schon heute in greifbarer Nähe liegen sein dürften. Die stetigen Provisions- und Gebühreneinnahmen dürften weiter deutlich zulegen, da mit jedem neuen Objektankauf der Zähler mitrattert.

Hierzu tragen natürlich auch die umfangreichen NPL-Mandate bei, die inzwischen 3,2 Mrd. Euro ausmachen und wo Publity nach der Verwertung 22% der Verkaufserlöse als Provision vereinnahmen kann. Hier fallen in der Zwischenzeit bis zum Verwertungserfolg erst einmal Kosten an, die Provision fließt erst beim Verkaufserfolg, also in den nächsten Jahren. Und natürlich kann man die 22% nicht an den Nominalwert des NPL-Portfolios berechnen, denn hier wird nur ein Bruchteil des ursprünglichen Nominalwerts noch beizutreiben sein.

Nachdem im Zuge der überraschenden Kapitalerhöhung unmittelbar nach der letzten Hauptversammlung der Aktienkurs mächtig unter Druck geraten war, scheint er sich nun anzuschicken, sich über der 40-Euro-Marke zu etablieren. Dazu beitragen dürfte auch die Aussicht auf die Rekorddividende von 2,80 Euro je Aktie, die nach der Hauptversammlung am 20. Juni 2017, die beim aktuellen Aktienkurs von 40 Euro immerhin stattliche 7% ausmacht.

Publity befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und als eine der größten Positionen in meinem Depot. Die Aktie ist kein "Must-Have", aber zumindest ein "Should-Have", denke ich.


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ERGÄNZUNG VOM 28.04.2017, 08:51

▸ Publity mit endgültigen Zahlen für 2016 und erhöhter AuM-Prognose

Publity hat seine endgültigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2016 veröffentlicht und diese reichen nicht ganz an die vorab gemeldeten vorläufigen Zahlen heran. Insbesondere beim Gewinn bleiben nun 23,1 Mio Euro anstelle von 24 Mio. Euro übrig. Das ist noch immer eine Beinaheverdopplung gegenüber dem 2015er Ergebnis von 12,5 Mio. Euro. Die übrigen Zahlen sind nicht minder beeindruckend: das Ergebnis je Aktie liegt bei 3,89 Euro und die Eigenkapitalquote stieg auf 63 Prozent nach 46 Prozent in 2015.

Für 2017 wird eine weitere Umsatz- und Ergebnissteigerung erwartet und die Prognose für die Assets under Management (AuM) per Ende Dezember 2017 wird auf 5,2 Mrd. Euro angehoben. Neu ist der Ausblick auf die AuM bis Ende 2018, die bei 7 Mrd. Euro erwartet werden.

Wenig(er) überraschend wurde erneut das Dividendenziel für Geschäftsjahr 2016 mit 2,80 Euro je Aktie bestätigt.

Dienstag, 25. April 2017

Aurelius zückt den Joker: Secop-Verkauf, Dividendenverdopplung, Aktienrückkauf

Der Münchner Finanzinvestor Aurelius Equity Opportunities ​SE & Co.​KGaA hat jahrelang erfolgreich Unternehmensbeteiligungen aus Sondersituationen und Restrukturierungsfälle übernommen, um diese wieder auf Kurs zu bringen und gewinnbringend zu verkaufen. Der Aktienkurs hatte sich seit meiner Erstempfehlung im Oktober 2012 von knapp 11 Euro auf in der Spitze gut 66 Euro versechsfacht bis vor einigen Wochen der Short-Seller "Gotham City" eine massive Short-Attacke gegen Aurelius startete unter Lancierung erheblicher Vorwürfe. Der Kurs brach daraufhin in der Spitze um fast die Hälfte ein auf unter 35 Euro. Heute nun erfolgt die lang erwartete Reaktion von Aurelius...

Da sich der Short-Seller nach der fiktiven Stadt Gotham benannt hat, in der Superheld Batman für Ordnung sorgt, bleibe ich mal in dem Wortspiel. Der mächtigste Gegenspieler Batmans war der Joker, ein fieser Bösewicht, und in den Augen der Short-Seller ist Aurelius ja der Bösewicht. Dieser Logik folgend, bringt Aurelius heute also den Joker ins Spiel, um Gothams selbsternanntem Saubermann die Leviten zu lesen.

Montag, 24. April 2017

Baruchs Börsenwissen: Die Bären machen Schlagzeilen, die Bullen machen Geld

Psychologie bestimmt die Aktienkurse mindestens genauso stark wie die Faktenlage. Und die menschliche Natur neigt dazu, Negatives deutlich stärker zu gewichten, als Positives. Das liegt in unseren Genen, die auf Überleben getrimmt sind - Gefahr lässt den Körper Adrenalin ausschütten und aktiviert unseren Fluchtreflex. Diese Reflexe sind es, die unserer Spezies das Überleben gesichert haben. Doch in unserer modernen Welt benötigen wir diese Überlebenstechniken immer seltener. Und in manchen Bereichen stehen sie unserem Erfolg sogar im Weg. So auch beim Investieren.

Wenn die Aktienkurse steigen, will jeder dabei sein und die Kursgewinne mitnehmen. Und wenn die Börse abwärts rauscht, will jeder aussteigen, möglichst schnell und zu jedem Preis. Was psychologisch nachvollziehbar ist ("Behavioral Finance"), ist dann allerdings auch der Grund, weshalb Anleger nicht besser, sondern überwiegend schlechter abschneiden als der Gesamtmarkt. Sie folgen der Herde und können daher nicht besser sein. In der Wahrnehmung konzentrieren sich immer mehr Anleger auf die gleichen Risiken und Themen und überhöhen somit ihre Bedeutung (sog. "Attention Bias") - mit entsprechend starken Auswirkungen auf die Aktienkurse. Dabei neigen wir Menschen dazu, Negatives deutlich intensiver wahrzunehmen, als positive Erlebnisse. Auch negative Nachrichten geben wird wesentlich häufiger weiter als positive. Dass wir also Verluste viel stärker empfinden als Gewinne, nennt man "Dispositionseffekt".

Diese Erkenntnis führt uns zurück zu Bullen und Bären. Die Meldung "XYZ AG erfüllt die Prognosen" nehmen wir schnell als normal hin und daher zuckt der Aktienkurs eher wenig bis gar nicht, während die Schlagzeile "123 AG verfehlt die Prognosen" regelmäßig zu Kursabstürzen führt. "Gefahr" schreit unser Gehirn und unsere genetisch vorprogrammierte Handlungsweise ist Flucht. An der Börse wird der Fluchtinstinkt umgesetzt in sofortigen Verkaufsorders. Und natürlich wird nicht erst einmal die Nachricht analysiert und die daraus zu ziehenden Schlüsse gegeneinander abgewogen. Nein, es wird sofort gehandelt, sofort verkauft. Sofortige Flucht sichert das Überleben, nur der erste Verkäufer erzielt den beten Kurs, die anderen sollen/müssen dann mit dem Kursabsturz leben.

Und wenn man so zurückdenkt, scheint diese Handlungsweise sogar vernünftig, denn jeder von uns wird sich an spektakuläre Kurseinbrüche erinnern, bei denen es sinnvoll(er) war, sofort zu verkaufen. Die bleiben im Gehirn haften, während die vielen male, wo sich der Kurseinbruch schon nach kurzer Zeit relativiert hat und der Kurs im Anschluss wieder auf dem vorherigen Niveau oder sogar darüber notierte, gar nicht mehr in unserer Erinnerung verhaftet sind. Auch dieses Erinnerungsschema fußt auf Attention Bias und Dispositionseffekt.

Da dies so ist, schenken wir Crash-Propheten viel mehr Beachtung als jenen, die uns suggerieren, alles wäre gut oder würde sich positiv entwickeln. Die Untergangs-Apologeten nähren unsere Angst und daher überhöhen wir ihre Bedeutung. Wir nehmen ihre Warnungen viel ernster, als es angemessen und ratsam wäre. Gerade an der Börse. Und das hat zwei wesentliche Gründe. Zunächst sind Aktien keine Lottoscheine, auch wenn sie von vielen Anlegern als solche missbraucht werden. Aktien sind Anteile an Unternehmen und diese Unternehmen haben ein Management, das sich und das Unternehmen auf die Unbillen einstellt. Steigen die Zinsen, bricht der Ölpreis ein, gibt es einen Regierungswechsel, dann stellt das Management das Unternehmen auf die neue Situation ein. Nicht der Anleger muss dies tun, indem er die Aktien des Unternehmens verkauft und später wieder zurückkauft.

Und der zweite Grund liegt in der Geschichte und dem Wissen, das wir daraus ziehen können. Denn schaut man sich die langfristige Entwicklung der Aktienkurse an, ist es völlig egal, wann man gekauft hat. Und es ist auch unerheblich, welche kurzfristigen geopolitischen oder gesellschaftlichen Katastrophen passierten - die Aktienkurse sind langfristig einfach weiter gestiegen. Und zwar schon über Jahrhunderte. Hinzu kommt noch, dass die Phasen steigender Aktienkurse deutlich länger anhalten als die Phasen mit fallenden Kursen. Ein Bärenmarkt (Baisse) dauert an der Wall Street im Mittel knapp 16 Monate., während ein Bullenmarkt (Hausse) hingegen im breit angelegten Aktienindex S&P 500 im Schnitt 54 Monate anhält. Aktienkurse befinden sich also mehr als drei Mal länger im Hausse- statt im Baissemodus. Und während die durchschnittliche Hausse dem Anleger einen Gewinn von 180 Prozent einträgt, muss er in Baissen regelmäßig Verluste von etwa 35 Prozent verkraften.

Das bringt uns zu Börsenlegende Bernard Baruch und seiner weisen Erkenntnis zurück. Bullen können es sich leisten, negative Schlagzeilen zu ignorieren und einfach an ihren sorgfältig ausgewählten Aktieninvestments festhalten. Auf lange Sicht fahren sie damit keine Verluste, sondern satte Gewinne ein. Zumal sie auch in Kursabschwungphasen noch die Dividenden kassieren.

Bären hingegen müssen stets wachsam sein und versuchen abzupassen, wann der Bärenmarkt zu Ende ist. Da sie entweder auf fallende Kurse setzen, also mit Puts, oder aber ihr Geld auf dem Tagesgeldkonto - zinslos - vor sich hinschimmeln lassen, erzielen sie ansonsten keine Rendite oder fahren sogar Verluste ein.

»Die Bären machen Schlagzeilen, die Bullen machen Geld.«
(Bernard Baruch)

Wer also stets auf die Crash-Propheten hört, ist nur selten in den lang anhaltenden Kursaufschwungphasen investiert und verpasst die Rallye. Und war er nicht investiert, bleibt ihm bei den wenigen wirklichen Kurseinbrühen dann auch nur ein "ich hab's ja gewusst". Denn wir Menschen neigen eben auch dazu, bei Kurseinbrüchen eben keine Aktien zu kaufen, sondern  aus lauter Angst, es könne noch weiter abwärts gehen, die Kaufgelegenheiten verstreichen zu lassen. Also selbst wenn die Bären mal kurzfristig recht hatten, nutzen sie die sich ihnen daraus bietenden Chancen nicht oder kaum.

Daher sollte man nicht auf die Bären hören, sondern langfristig investieren und auf ausgesuchte Qualitätsaktien setzen. Die überstehen nämlich auch die Baisse. Und um die Kurseinbrüche dennoch nutzen zu können, behält der clevere Investor immer ein gut gefülltes Cash-Polster zurück, um dann zugreifen zu können, wenn sich die besten Gelegenheit bieten.

Börsenweisheit der Woche 17/2017

"Wenn die richtige Aktie gefunden ist, dann ist es nie zu früh und nie zu spät, sie zu kaufen".
(Peter Lynch)

Samstag, 22. April 2017

Warum ich mich öfter mal bremsen muss. Und wie...

Es gibt viele Börsenweisheiten und Bonmots berühmter Investoren und doch stelle ich leider viel zu häufig im Nachhinein fest, dass ich eine ganz entscheidende mal wieder nicht beherzigt habe: cool bleiben. Das ist ärgerlich und nicht selten kostet mich das Geld, weil ich entweder total auf's falsche Pferd gesetzt habe, oder mich mit einem Investment einfach nicht wohl fühle. Und es deshalb verkaufe, mit den entsprechenden Folgen wie Gebühren und Spesen und, im besseren Fall, mit Steuern auf den Gewinn.

Grundsätzlich sollte man langfristig investieren und nicht schnell kaufen und verkaufen. Denn dieses schnelle Hin- und Her ist einer der meist begangenen Anfängerfehler und einer, den man sich noch am einfachsten sparen kann. Man muss schlicht bei der Auswahl seiner Investments behutsamer vorgehen, sich selbst ein wenig bremsen. Mehr braucht es nicht.

»Hat man eine schlaflose Nacht wegen eines Börsenengagements, soll man es sofort auflösen.«
(André Kostolany)

Wenn ich eine Aktie analysiert habe, mir also die Geschäftsberichte der letzten Jahre angesehen und die Bewertung überprüft habe, dann steht am Ende der Mühen oft die Kaufentscheidung. Denn naheliegenderweise treffe ich bereits eine Vorauswahl und suche nach Unternehmen, die in einem Geschäftsfeld tätig sind, das ich verstehe und bei denen ein erster Blick auf die Kennzahlen, wie KGV, Cashflow oder Dividendenrendite eine tiefer gehende Analyse lohnenswert erscheinen lassen.

Natürlich ist es falsch, sich mit dem Kauf einer Aktie für die Mühen des Analysierens dieses Unternehmens zu belohnen. Selbstverständlich sollte man nur dann eine Aktie erwerben, wenn am Ende der Analyse auch objektiv alles für einen Kauf spricht. Und nicht nur ein bisschen oder eben subjektiv, weil man vielleicht schon von vornherein voreingenommen war. Immerhin hat man sich ja eine viel versprechende Aktie ausgesucht und dann viel Zeit und Mühe in die Analyse gesteckt.

Freitag, 21. April 2017

Wahre Stärke: Hypoport erzielt 17 Prozent Wachstum in stagnierendem Gesamtmarkt

Das FinTech-Unternehmen Hypoport hat heute Zahlen zum Transaktionsvolumen im ersten Quartal 2017 gemeldet und kann deutlich zweistellig zulegen. Das ist umso bemerkenswerter, als dass laut der Deutschen Bundesbank der Gesamtmarkt für Immobilienfinanzierungen im Januar und Februar 2017 in Summe auf Vorjahresniveau stagnierte.

Dabei erzielte die Sparte Europace über alle Produktbereiche hinweg im ersten Quartal 2017 ein Transaktionsvolumen von 12,2 Mrd. Euro und damit gegenüber dem ersten Quartal des Vorjahres ein Wachstum von 17% (Q1/2016: 10,4 Mrd. Euro).

Europace wird insbesondere von den vielen Sparkassen und Volksbanken immer stärker angenommen, die sich so gegen ihre hohen Kostenstrukturen aufgrund des noch immer ausgeprägten Filialnetzes stemmen. So weitete die Sparkassenorganisation ihr Transaktionsvolumen auf 1,2 Mrd. Euro (Q1/2016: 0,7 Mrd. Euro) und 61% aus und die genossenschaftlichen Finanzgruppe der Volks- und Raiffeisenbanken ihren Anteil um 27% auf 0,9 Mrd. Euro aus (Q1/2016: 0,7 Mrd. Euro).

Die digitalisierte Beratung in der privaten Immobilienfinanzierung durch die Ausstattung der eigenen Berater mit Europace-Technologie  bietet enorme Effizienzgewinne, die durchaus zu einer Verdoppelung des abgeschlossenen Kreditvolumens bei gleicher Berateranzahl führen kann.

 Hypoport (Quelle: finanzen.net
Meine Einschätzung
Der enorme Kostendruck für die Banken, insbesondere auch kleinere Institute, wird anhalten. Filialschließungen bleiben an der Tagesordnung, kommen bei den betroffenen Kunden natürlich nicht gut an. Vor allem die Älteren leiden darunter. Kostenmindernd wirken sich für die Kreditinstitute aber eben auch die von Hypoport angebotenen digitalen Immobilienfinanzierungen aus, so dass hier auch in den nächsten Jahren mit weiter deutlich steigenden Partnern und Transaktionsvolumina zu rechnen ist. Da die Zinsmarge der Banken immer weiter dahin schmilzt, ist dieser Trend kaum umkehrbar, sondern wird sich weiter beschleunigen und somit auch in einem stagnierendem Finanzierungsumfeld zu weiterem deutlichem Wachstum bei Hypoport führen.

Große Hoffnung verbindet sich mit Europace im Bereich der Versicherungen; hier könnte ein ähnlicher Verlauf bevorstehen, wie vor drei Jahren im Bankensektor. Und das dürfte den Aktienkurs von Hypoport noch einmal so richtig Feuer geben und deutlich in den dreistelligen Bereich hieven.

Hypoport ist und bleibt als wachstumsstarkes und profitables FinTech-Unternehmen einer der größten Profiteure der Digitalisierung im Finanzwesen und sollte daher in keinem langfristig ausgerichteten Depot fehlen. Hypoport befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und ebenfalls in meinem Depot.

Donnerstag, 20. April 2017

Berentzen: Knackiger Spaß gibt Gas

▸ Kissigs Kolumne vom 20.03.2017, Aktien Magazin 07/2017 

Der Spirituosenhersteller Berentzen war früher in aller Mund und das im wahrsten Sinne des Wortes. Zu den bekanntesten Marken im Sortiment gehören Pushkin, Bommerlunder, Doornkaat, Hansen, Springer Urvater, Echt Stonsdorfer. Von Linie Aquavit und Licor 43 hat man sich inzwischen getrennt. Doch die kleinen Liköre und die Kornverschnitte gerieten seit Ende der 1980er Jahre zunehmend ins Aus und der Absatz ging immer mehr zurück. Daher positionierte man sich mit zweitem Standbein als Lizenz-Abfüller für andere Hersteller, insbesondere Pepsi.

Zum unternehmerischen Niedergang gesellte sich dann noch eine zerstrittene Eigentümerfamilie hinzu, die jahrelang kein Umsteuern zuließ so dass das Traditionsunternehmen vor sich hin siechte. Bis dann 2008 schließlich der Finanzinvestor Aurelius die Anteile der Alteigentümer übernahm und für klare Verhältnisse sorgte. Es war Rettung in letzter Sekunde, könnte man sagen. 

Steiniger Sanierungsweg
Es folgte ein dornenreicher Weg für Berentzen, um sich gesund zu schrumpfen und mit neuer Strategie wieder erfolgreich und profitabel zu werden. Und nicht immer sah es danach aus, als wenn dieser Umschwung gelingen würde. Denn es gab zahlreiche Rückschläge in einem hart umkämpften Markt moderaten Wachstumsraten und -aussichten.

Dienstag, 18. April 2017

Warren Buffetts goldene Regeln des Value Investings

"Die Disziplin eines Value Investors liegt darin, ein hervorragendes Unternehmen mit einem fähigen Management und guten Perspektiven zu finden – und auf den richtigen Einstiegskurs warten zu können. Damit hat es Warren Buffett schon auf den Punkt gebracht. Mehr ist es im Grunde nicht.

Investiere langfristig
Der Anlagehorizont sollte mindestens fünf Jahre betragen. Das erfordert Disziplin und Geduld, die Benjamin Graham als die oberste Tugend eines Investors bezeichnet. Warren Buffetts bevorzugte Anlagedauer ist "für immer" und so hält er seine größten Positionen  American Express, Coca Cola oder Wells Fargo  schon seit Jahrzehnten, durch alle Börsenturbulenzen hindurch. Er meint, "wer nicht bereit ist, eine Aktie zehn Jahre zu halten, sollte sie keine zehn Minuten besitzen". Und  Charlie Munger, Buffetts Partner bei Berkshire Hathaway, bemerkt: "Du machst kein Geld, wenn du Aktien kaufst. Du machst kein Geld, wenn du Aktien verkaufst. Du verdienst Geld, wenn du abwartest. (...) Investieren ist, wenn du wenige großartige Unternehmen findest und dann auf deinem Hintern sitzt".

»Es ist möglich Geld - und zwar beträchtliche Summen - an der Börse zu verdienen. Aber nicht durch Käufe und Verkäufe, die man aufs Geratewohl startet. Die mächtigen Gewinne gehen dem intelligenten, sorgfältigen und geduldigen Investor zu. Kaufen Sie, wenn die Aktienpreise tief sind, und geben Sie die Papiere nicht aus der Hand. Eine große Schar von Menschen scheint diesen einfachen Grundsatz nicht zu erfassen. Sie fürchten sich vor Kaufgelegenheiten. Sie kaufen erst, wenn sie meinen, jedes Risiko vermieden zu haben. Meistens kaufen sie zu spät.«
(Jean Paul Getty)

Wähle gezielt aus
Investiere nur in hervorragende Unternehmen, die von einem herausragenden Management geführt werden. Buffett formuliert es so: "Es ist besser, ein hervorragendes Unternehmen zu einem guten Preis zu kaufen, als ein gutes Unternehmen zu einem hervorragenden Preis". Es geht also nicht darum, den günstigsten Einstiegskurs zu erwischen oder die Aktie mit dem höchsten Kurssteigerungspotenzial, sondern solide, stetig wachsende Unternehmen, die in einem gefestigten Markt tätig sind.

Montag, 17. April 2017

Börsenweisheit der Woche 16/2017

"Der Schlüssel zum erfolgreichen Investieren liegt nicht in der Frage, wie sehr eine Industrie die Gesellschaft beeinflusst oder ob sie wachsen wird, sondern darin, herauszufinden ob ein bestimmtes Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil hat, und wenn ja, wie lange dieser anhalten wird."
(Warren Buffett)

Samstag, 15. April 2017

Waste Management oder der Geruch des Geldes

▸ Kissigs Kolumne vom 19.12.2016, Aktien Magazin 34/2016 

Abfall, Müll, kaum jemand verbindet mit diesen Begriffen positive Assoziationen und vor allem im Sommer sind stinkende Mülltonnen keine Freude für empfindsame Nasen. Daher sind die meisten Menschen froh, wenn er endlich aus ihrem Blickfeld verschwindet und nicht weiter die Sinne belästigt. Und wenn man sich die Müllmänner so ansieht, kommt man auf den ersten Blick nicht drauf, dass hier viel Geld zu verdienen ist.

Geld stinkt nicht
Es gibt das geflügelte Wort „Pecunia non olet“, das auf Kaiser Vespasian zurückgeht. Im alten Rom wurden Unmengen an Urin für die Ledergerberei benötigt und so stellte man an belebten Straßen amphorenartige Latrinen zum Urinsammeln auf. Vespasian, nicht der erste Staatenlenker der sich mit leeren Kassen konfrontiert sah, führte auf diese Latrinen eine Steuer ein und von seinem pikierten Sohn darauf angesprochen, hielt er ihm ein Geldstück unter die Nase und fragte, ob es stinke. Was dieser verneinte – und ein schöner Sinnspruch erblickte das Licht der Welt.

Mit diesem Gedanken im Hinterkopf richten wir unseren Blick auf die Müllberge und das darin verborgene Geld. Denn die Abfallentsorger, wie sie früher hießen, verdienten schon immer prächtig. Jahrzehntelang betrieben sie Sammelhalden und Verbrennungsanlagen, um den Müll endgültig loszuwerden, doch irgendwann setzte ein Umdenken ein. Es ist nicht gerade umweltschonend, wenn man Löcher in den Boden gräbt und jede Art von Müll einfach hineinkippt und dann Erde drüber schaufelt. Die Stoffe gären, es entstehen giftige chemische Verbindungen, die keiner auf der Rechnung hatte, Regenwasser wird hiermit kontaminiert und diese giftige Brühe sickert dann ins Grundwasser. Und auch die Emissionen der Müllverbrennungsanlagen wurden kritischer hinterfragt und die zulässigen Grenzwerte immer weiter verschärft.

An diesem Punkt setzten dann zwei gegensteuernde Faktoren an. Zum einen setzt man inzwischen stärker auf Müllvermeidung als auf Müllentsorgung und daneben begann sich die Erkenntnis durchzusetzen, dass Müll nicht nur Abfall darstellt, sondern auch Wertstoffe enthält. Man begann, die hochwertigen Stoffe auszusortieren, um sie wiederzuverwerten. Und mit einer immer schneller voranschreitenden Technisierung, vor allem im Bereich der Optoelektronik, werden immer ausgefeiltere Sortiermaschinen möglich. Gerade in einem rohstoffarmen Land wie Deutschland ist die Mehrfachverwendung der Wertstoffe eine ausgezeichnete Idee.

Und man geht sogar noch weiter und beprobt Altdeponien und forscht dort nach Giftstoffen. Nicht nur mit dem Hintergedanken, etwas Gutes für die Umwelt zu tun, sondern auch mit der Aussicht, Edelmetalle und wichtige Rohstoffe aus den Abfällen der Nachkriegszeit zu holen, die völlig unbearbeitet einfach weggeschmissen wurden. Dem Recycling von Altmüllbeständen könnte eine große Zukunft bevorstehen.

Doch auch wenn unsere Recyclingrate inzwischen bei vorbildlichen 70 Prozent liegt, produzierte jeder Deutsche im Jahr 2014 immerhin 220 Kilogramm an gewerblichem und privatem Müll. Und damit sind wir leider Europameister. 1995 waren es noch 170 Kilogramm. Insbesondere das Onlineshopping und der Trend hin zu mehr Single-Haushalten lassen den Müllberg stetig anwachsen.

Der Blick über den Teich nach Texas
Während hierzulande die Müllentsorgung zumeist von den Kommunen organisiert wird, ist das Thema in den USA eines der Privatwirtschaft. Und einer der ganz Großen der Branche ist das Unternehmen Waste Management. Die Texaner betreiben 293 aktive Mülldeponien und damit mehr als jeder andere Wettbewerber, womit sie 22 Millionen Kunden bedienen. Diese Größe ist beeindruckend und sie ist nicht nur Zukäufen geschuldet, denn abgesehen von kleineren Übernahmen hat sich hier bei Waste Management in den letzten Jahren nicht viel getan. Ebenso wenig beim Umsatz, der seit Jahren eher konstant zwischen 13 und 14 Milliarden Dollar liegt. Wir können also festhalten, dass es sich bei Waste Management um ein ziemlich langweiliges Unternehmen handelt und keinesfalls um ein angesagtes Wachstumsunternehmen. Dennoch sprechen einige Gründe dafür, dass Waste Management durchaus ein interessantes Investment sein könnte.

Die Müllberge nehmen zu, auch wegen des stark wachsenden Onlinehandels, die Rohstoffpreise liegen zur Zeit noch danieder, aber sollte die globale Konjunktur wieder anziehen, werden sie in die Höhe schießen. Dann wird der Ruf nach Recyling, nach Wiederverwertung immer lauter. Und auch der Drang von immer mehr Menschen, in die Städte zu ziehen, bringt wachsende Müllmengen mit sich. Doch schon Mark Twain merkte süffisant an, Prognosen seien immer schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen, und so werfen wir lieber mal einen Blick auf die Geschäftszahlen des dritten Quartals. Und die bieten eine Kombination aus Preiserhöhungen, Volumenwachstum und Kosteneinsparungen, was alles zusammen in höheren Gewinnen mündete. Die Umsatzerlöse stiegen um 5,6% auf 3,55 Mrd. Dollar und Waste Management profitierte auch von höheren Rohstoffpreisen, wodurch die durchschnittlichen Recyclingpreise gegenüber dem dritten Quartal 2015 um 13,6% angestiegen sind. Zudem zeigte sich im dritten Quartal erneut die Preissetzungsmacht von Waste Management, denn die Preise im Kernsegment verbesserten sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,7%. Dazu gesellen sich Kostensenkungsinitiativen des Abfallmanagements, wodurch die Vertriebs-, Verwaltungs- und Gemeinkosten auf 9,3% des Gesamtumsatzes reduziert werden konnten, nachdem sie im Vorjahreszeitraum noch bei 9,8% lagen. Insgesamt erhöhte sich der Reingewinn um 11,6% auf 374 Mio. Dollar und das Ergebnis je Aktie sprang um 13,5% auf 0,84 Dollar. 

Aktienrückkäufe und Dividendenerhöhungen
Diese Zahlen klingen alles andere als langweilig und zeigen, dass sich das Unternehmen auf einem gesunden Pfad befindet. Den hieraus resultierenden hohen freien Cashflow von knapp unter 3 Dollar je Aktie verwendet das Management, um die Aktionäre glücklich zu machen. So werden quartalsweise attraktive Dividenden ausgeschüttet und diese stiegen von 0,365 Dollar im Jahr 2013 auf aktuell 0,41 Dollar an. Und wir können davon ausgehen, dass demnächst eine weitere Dividendenerhöhung vorgeschlagen wird und sich somit die aktuelle Dividendenrendite von 2,3 Prozent erhöhen dürfte. Darüber hinaus hat das Unternehmen in diesem Jahr bereits 600 Millionen Dollar in Aktienrückkäufe gesteckt und die hierdurch verminderte Anzahl an Aktien wirkt sich natürlich auch positiv auf den Gewinn je Aktie aus.

Nun hat sich der Aktienkurs dieses langweiligen Unternehmens seit 2013 glatt verdoppelt und Anleger stellen sich die Frage, wie es künftig weitergehen wird, denn günstig bewertet ist Waste Management mit einem erwarteten 2017er KGV von 22 nicht gerade. Andererseits ist man in einem Markt unterwegs, der kaum von Wettbewerbern bedroht wird. Denn strenge Regulierungsvorschriften verursachen hohe Kosten und Mülldeponien oder Müllverbrennungsanlagen bzw. -verwertungsanlagen zu bauen, ist sehr kapitalintensiv. Des Weiteren handelt es sich um ein wenig Konjunktur sensibles Geschäft, denn auch in Konjunkturabschwüngen sinken die Müllmengen nicht rapide ab. Aufgrund des mangelnden Wettbewerbs ergibt sich eine hohe Preissetzungsmacht und in Summe stellen diese Faktoren einen starken ökonomischen Burggraben für Waste Management dar. 

Vermutlich sind es diese Gründe, weshalb Microsoft-Gründer Bill Gates sich so stark bei Waste Management eingekauft hat. Über seine Beteiligungsgesellschaft Cascade Investment und die Bill und Melinda Gates Stiftung kontrolliert er zusammen mehr als 7% der Aktien des Unternehmens und ist damit der größte Aktionär - noch vor der Vanguard-Group und Blackrock. Und auch wenn der reichste Mensch der Welt sich immer stärker im Bereich des Umweltschutzes und der Nachhaltigkeit engagiert, treiben ihn bei seinen Aktieninvestments eher kaufmännische Impulse an: die Aussicht auf gute Gewinne.

Freitag, 14. April 2017

Was ist... Quality Investing?

Quality Investing ist eine Anlagestrategie, bei der die Qualität des Investitionsobjekts im Vordergrund steht, nicht so sehr der Preis oder die Wachstumsaussichten. Es stellt eigentlich eine Weiterentwicklung des klassischen Value Investings dar, denn es wendet viele von dessen Kriterien an. Value Investoren setzen anhand von Kennzahlen die Bewertung des Unternehmens ins Verhältnis zu seinem Aktienkurs und ermitteln so eine Unter- oder Überbewertung als Grundlage für ihre Investitionsentscheidung.

An diesem Punkt setzt das Quality Investing an und selektiert die Aktien, die darüber hinaus über besondere Qualitätsmerkmale verfügen. Nur in diese Unternehmen wird dann auch investiert. Denn schon der Urvater der Fundamentalanalyse, Warren Buffetts Lehrer Benjamin Graham, hatte die Qualitätsproblematik bereits in den 1930er Jahren erkannt und eine Unterscheidung zwischen Quality- und Low-Quality-Aktien vorgenommen. Besonders in den Fokus kam Quality Investing nach dem Blatzen der Börsenblase im Jahr 2000 und den darauf folgenden spektakulären Pleiten von WorldCom, Enron, Parmalat oder Comroad, wo Bilanzmanipulation und das Fälschen der Bücher zum normalen Tagesgeschäft zu gehören schien.

Neben der eigentlichen Bewertung anhand der Kennzahlen, wie Kurs-Gewinn-Verhältnis, Kurs-Buchwert-Verhältnis, Verschuldungsgrad, Eigenkapitalrendite oder Cashflow-Betrachtungen wird beim Quality Investing besonders auf die Stellung des Unternehmens im Markt geachtet, also ob es über einen Wettbewerbsvorteil gegenüber seinen Mitbewerbern verfügt. Ein dauerhafter Wettbewerbsvorteil stellt nämlich einen ökonomischen Burggraben dar, sog. "Moat", und Warren Buffett rät Anlegern dazu, nach solchen Festungen Ausschau zu halten. Denn eine starke Marke kann der Garant dafür sein, dass das Unternehmen eine Preissetzungsmacht hat, die es ihm ermöglicht, höhere Preise - und damit höhere Margen - zu erzielen als seine Wettbewerber. Und in der Folge auch Krisenzeiten besser durchzustehen.

»Es ist besser, ein hervorragendes Unternehmen zu einem guten Preis zu kaufen, als ein gutes Unternehmen zu einem hervorragenden Preis.«
(Warren Buffett)

Warren Buffett startete als Value Investor nach Benjamin Grahams Grundsätzen und nachdem er Charlie Munger traf und dieser ihm den Wert der Qualität in Bezug auf Investmententscheidungen beibrachte, wandelte sich Buffett immer mehr hin zu einem Quality Investor. Seine legendären Investments in See's Candies oder Coca Cola sind Ergebnisse diese Lernprozesses. Und für Anleger hat er einen weiteren wertvollen Tipp auf Lager:

»Ihr Ziel als Investor sollte es einfach sein, zu einem vernünftigen Preis einen Teil eines leicht verständlichen Geschäfts zu kaufen, dessen Gewinne in fünf, zehn und zwanzig Jahren nahezu sicher erheblich höher ausfallen werden als heute.«
(Warren Buffett)

Der Grundgedanke ist, dass vor allem Unternehmen von hoher Qualität und mit einem starken Moat "nahezu sicher" auch künftig deutlich steigende Gewinne erzielen werden können. Dabei hat Qualität natürlich ihren Preis, aber den ist Buffett bereit zu zahlen. Weil er langfristig mehr Sicherheit und bessere Ergebnisse bringt, als das Suchen nach dem günstigsten Schnäppchen. Oder frei nach Benjamin Graham: "Sicherheit geht vor Rendite".

Donnerstag, 13. April 2017

Blue Cap übertrifft die Erwartungen und macht für 2017 Lust auf mehr. Viel mehr...

Die Beteiligungsgesellschaft Blue Cap investiert überwiegend in süddeutsche mittelständische Nischenunternehmen und konzentriert sich dabei auf operativ tätige technologiegetriebene Gesellschaften mit bestehendem profitablem Kerngeschäft, die sich in Umbruch- oder Sondersituationen befinden. Im Klartext investiert man in sanierungsbedürftige oder insolvente Unternehmen, Konzernausgliederungen und in Gesellschaften mit ungelöster Unternehmensnachfolge. Die Tochterunternehmen werden eigenständig und unternehmerisch geführt.

Nachdem man im vergangenen Jahr aus der Insolvenz heraus die Vermögensgegenstände der Neschen AG übernommen hat, hinterlassen die Einsparungen und Synergieeffekte nun deutliche Spuren in der Blue Cap-Bilanz, wie die heute präsentierten vorläufigen Zahlen für 2016 belegen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2016 erwirtschaftete die Unternehmensgruppe einen vorläufigen Umsatz nach Erlösschmälerungen von 96,6 Mio. Euro (Vorjahr 79,8 Mio. Euro ) und ein vorläufiges EBITDA von 6,9 Mio. Euro (Vorjahr 5,7 Mio. Euro). Das EBIT wird bei 4,2 Mio. Euro (Vorjahr 3,7 Mio. Euro) und der Konzernjahresüberschuss nach Steuern bei 1,4 Mio. Euro (Vorjahr 1,2 Mio. Euro) liegen. Dabei wurde das operative Ergebnis (EBITDA und EBIT) um neutrale Erträge und Aufwendungen bereits bereinigt. Die Bilanzsumme ist angewachsen von circa 63,7 Mio. Euro auf circa 88,8 Mio. Euro. Das Eigenkapital wird zum 31.12.2016 voraussichtlich 21,1 Mio. Euro betragen.

Maßgeblich für den Anstieg von Umsatz und Bilanzsumme war vor allem die Akquisition der Neschen Gruppe, die zum 01.12.2016 in den Konsolidierungskreis der Blue Cap AG aufgenommen wurde, was zu einer Neubewertung von Blue Cap führen wird.

 Blue Cap (Quelle: finanzen.net
Der Bereiche Klebstoff- und Beschichtungstechnik entwickelte sich dann auch erwartungsgemäß positiv und in der Sparte Medizintechnik ist es gelungen Produktentwicklungen umzusetzen und für den Vertrieb notwendige Zertifizierungen abzuschließen - hier hatte ja die Tochter WISAP einige Zeit schwer zu kämpfen. Der Bereich Produktionstechnik und der damit verbundene Sondermaschinenbau blieb hinter den Erwartungen zurück - die Tochter Gämmerler macht weiterhin Probleme und das in 2016 aufgelegte Restrukturierungsprogramm entfaltet noch nicht genügend Wirkung. Allerdings ist die Umsetzung auch noch für 2017 angedacht, so dass hier durchaus begründete Erfolgshoffnungen bestehen.

Da es sich bisher nur um vorläufige Zahlen für 2016 handelt, kann man nicht wirklich großartige Einschätzungen abgeben, auch wenn eine Steigerung des EPS um 16,66% bzw. von 1,2 Mio. auf 1,4 Mio. Euro schon eine ordentliche Hausnummer ist. Zumal ein Großteil der Kosten für die Integration/Neuausrichtung von Neschen bereits in 2016 geleistet und verbucht wurde, das Unternehmen jedoch erst seit Dezember 2016 in der Blue Cap-Bilanz voll konsolidiert wird.

Vergleich mit Studie von Warburg-Research
Im Januar hatte Warburg Research eine Analyse zu Blue Cap abgegeben und wenn man die nun vorgelegten Zahlen mit deren Annahmen vergleicht, so konnte Blue Cap sämtliche Einschätzungen übertreffen.

Warburg Erwartungen für 2016
Umsatz: 93,7 Mio. Euro
EBITDA: 5,8 Mio. Euro
EBIT: 3,9 Mio. Euro
E: 1,3 Mio. Euro
EPS: 0,327 Euro

Blue Cap vorl. Zahlen 2016
Umsatz: 96,6 Mio. Euro
EBITDA: 6,9 Mio. Euro
EBIT: 4,2 Mio. Euro
E: 1,4 Mio. Euro
EPS: 0,352 Euro

Die vorläufigen Zahlen von Blue Cap liegen also allesamt deutlich über den Annahmen von Warburg. Und Warburg gab aufgrund der Januar-Analyse ein Kursziel von 14,50 € aus. Insofern hat Blue Cap für 2016 geliefert.

Verheißungsvoller Ausblick auf 2017
Vorstand Dr. Hannspeter Schubert gibt sich optimistisch für das laufende Jahr: "Die einzelnen Gesellschaften zeigen unabhängig voneinander aufgrund der Investitionen der vergangenen Jahre ein positives Wachstumsszenario. Das erste Quartal 2017 untermauert die positiven Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr". So wird für das erste Quartal 2017 ein Umsatz- und Ergebnissprung gegenüber dem Vorjahresquartal erwartet mit Umsatzerlösen von 35 Mio. Euro und einem EBITDA von 2,5 Mio. Euro.

Meine Einschätzung
Die hohen Erwartungen an 2016 wurden von Blue Cap übertroffen und und der Ausblick auf 2017 auf Basis des Q1 dürfte noch einiges an Potenzial bieten, auch für den Kurs der inzwischen im neuen Qualitätsbörsensegment Scale gelisteten Aktie. Mit dem Warburg-Kursziel von 14,50 € kann ich mich daher sehr gut anfreunden. Mit einer immer mal wieder diskutierten Aufnahme von Dividendenzahlungen rechne ich allerdings noch nicht für das Geschäftsjahr 2016; Genaueres hierzu dürften wir spätestens mit der Einladung/Tagesordnung zur Hauptversammlung am 11. August erfahren.

Blue Cap ist einer meiner Jahresfavoriten 2017 auf befindet sich auf meiner Empfehlungsliste sowie als eine der größten Positionen in meinem Depot.

Mittwoch, 12. April 2017

KAP Beteiligungs-AG: Carlyles Trüffelschwein für den Deutschen Mittelstand

Die KAP Beteiligungs-AG ist ein relativ unbeachtetes deutsches Beteiligungsunternehmen, das aber in nächster Zeit aus seinem Dornröschenschlaf erwachen könnte. KAP hat jahrelang in nicht immer  gut laufende Mittelständler investiert und ab und zu schöne Verkaufserfolge erzielen können. Was zu üppigen Dividendenausschüttungen führte, allerdings nicht in  jedem Jahr. Dann erfolgte der Strategieschwenk und die vorhandenen Mittel wurden in Aktien großer, börsennotierte Unternehmen angelegt. Was KAP für mich (noch) uninteressanter machte. Doch der Wind hat sich gedreht, denn ein neuer Großinvestor ist an Bord und mit ihm wird eine neue Strategie verfolgt. Und hier wird es dann auch interessant...

Montag, 10. April 2017

Stella Jones: Alles andere als auf dem Holzweg

▸ Kissigs Kolumne vom 28. Februar 2017, Aktien Magazin 05/2017 

Konsumgüterhersteller sind gefragt an der Börse und das schon seit einigen Jahren. Die früher als unsexy und langweilig verschrienen defensiven Titel erfreuten sich in Zeiten sinkender Zinsen zunehmender Beliebtheit, da immer mehr Anleger auf stetige Geschäftsmodelle und sichere, hohe Dividendeneinnahmen setzten. „Dividenden sind der neue Zins“ ist so ein neuer geflügelter Euphemismus, der in diesem Zusammenhang gerne gebraucht wird. Und es sprechen ja auch starke Argumente für Konsumgüterhersteller.

Sie liefern solide Umsätze ab, da die Menschen selbst in Zeiten von Unsicherheit und Rezession Dinge des täglichen Bedarfs einkaufen. Gespart wird woanders. Wer also nicht ständig auf seinen Depotauszug schaut, um sich an Kursgewinnen zu erfreuen, sondern wer mehr Wert auf einen steigenden Zahlungszufluss aus Dividenden- und Zinseinnahmen setzt, ist mit Aktien von Konsumgüterherstellern gut bedient. Trotz ihrer inzwischen teilweise recht anspruchsvollen Bewertung.

Bei Konsumgütern denken wird an Windeln, Zahnpasta, Nahrungsmittel, Taschentücher. Schauen wir über den Tellerrand hinaus, finden sich Geschäftsmodelle und Branchen, die nach demselben Muster funktionieren, aber dennoch keine Konsumgüter herstellen. Einen solchen Wert möchte ich heute mal vorstellen: Stella Jones.

Börsenweisheit der Woche 15/2017

"Kapitalanlage besteht darin, die Erträge eines Vermögensgegenstands während seiner Laufzeit vorherzusagen. Spekulation besteht darin, die Psychologie des Marktes vorherzusagen".
(John Maynard Keynes)

Samstag, 8. April 2017

Was ist... das Price-Earnings-Growth-Ratio?

Das PEG soll dem traditionellen KGV Dynamik einhauchen (es wird daher auch 'Dynamisches KGV' genannt). Es setzt das KGV ins Verhältnis zum Gewinnwachstum und macht es so zum Kurs-Gewinn-Wachstum-Verhältnis. Als fairer Wert gilt ein PEG von eins, denn dann ist das KGV genauso hoch wie das durchschnittliche Ertragswachstum des Unternehmens. Je kleiner also das PEG, desto günstiger ist der Aktienkurs.

Schnell wachsende Technologiefirmen weisen meist ein deutlich höheres KGV auf als Standardwerte; sie sind daher über das PEG besser zu bewerten.

Ähnlich wie das KGV greift auch das PEG auf den Gewinn je Aktie zurück. Allerdings nicht auf den eines bestimmten Jahres, sondern auf die Gewinn mehrerer Jahre. Meist gibt es genügend Vergangenheits- und Zukunftsdaten und je länger die gewählte Zahlenreihe ist, desto valider wird das Ergebnis - allerdings stehen die zukünftigen Ergebnisse nur als Schätzungen zur Verfügung, während die Angaben aus den vergangenen Jahren den Geschäftsberichten zu entnehmen sind. Je weiter also die geschätzten Ergebnisse in die Zukunft reichen, desto unsicherer wird die Prognose. Dennoch soll ja nicht die Vergangenheit bewertet werden, sondern die Zukunftsaussichten. Daher bietet es sich an, mindestens die Ergebnisse der nächsten drei bis 5 Jahre in die Berechnung mit einfließen zu lassen.


PEG = KGV / Gewinnwachstumsrate


Berechnungsbeispiel:

Gewinn je Aktie
2016 = 1,00 Euro
2017e = 1,10 Euro
2018e = 1,20 Euro
2019e = 1,30 Euro

Steigerungen
2016 auf 2017e = 10%
2017 auf 2018e = 9,09%
2018e auf 2019e = 8,33%

Die Ermittlung erfolgt über das geometrische Mittel, das allerdings nur bei positiven Zahlenwerten funktioniert.

Gewinnwachstumsrate = (1,30 - 1,00) ^ (1/3) - 1 = 9,14

Hier noch die Formel für Excel: =(((A2-A1)/(A1))+1)^(1/Anzahljahre)-1
Dabei ist A1 der Wert des Startjahres und A2 der des Endjahres.


Bei einem aktuellen Aktienkurs von 11,00 Euro betrüge also das

KGV (2019e) = 11 / 1,30 Euro = 8,46

und das

PEG = 8,46  / 9,14 = 0,93.

Mit einem Wert von unter eins deutet das PEG somit einen Aktienkurs unterhalb des fairen Wertes und folglich weiteres Kurspotenzial an.

Freitag, 7. April 2017

American Water Works lässt Gewinne fließen

▸ Kissigs Kolumne vom 6. Februar 2017, Anlegermagazin 01/2017 

Wasser ist das Elixier des Lebens und der menschliche Körper besteht zu mehr als der Hälfte aus ihm – je jünger man ist, desto höher ist der Wasseranteil. Wir benötigen Wasser aber nicht nur zum Trinken, sondern auch für eine Vielzahl anderer Aktivitäten und in den Industriestaaten möchte kaum noch jemand die morgendliche Dusche missen.

Was für ein Glück, dass unsere Erde zu 71 Prozent mit Wasser bedeckt ist, so dass unser Bedarf mehr als gedeckt ist. Oder sein sollte, denn das meiste dieses Wassers ist für uns nicht zu gebrauchen. Das liegt daran, dass von den Unmengen an Wasser auf unserem Planeten 97 Prozent Salzwasser ist, das weder Mensch, Tier noch Pflanze zu sich nehmen kann. Nur etwas weniger als 3 Prozent des Wassers ist Süßwasser, also mit einem äußerst geringen Salzgehalt. Auch diese Menge würde mehr als ausreichend sein für unsere Bedürfnisse, doch leider ist das meiste Süßwasser an den Erdpolen in Form von Packeis gebunden. Nur etwa ein Drittel ist frei verfügbar und das überwiegend als Grundwasser. Nur 0,01% fällt in Form von Niederschlägen, wie Regen oder Schnee, auf die Erde.

Wasser ist also nicht in großen Mengen verfügbar und schon gar nicht überall. Der Mensch hat es in Jahrhunderten geschafft, viele Landstriche zu verseuchen und das Grundwasser zu kontaminieren. Oder die Umwelt so zu belasten, dass der Grundwasserspiegel dramatisch abgesunken ist. Was dazu führt, dass sauberes Trinkwasser für viele Menschen keine Selbstverständlichkeit ist, nicht nur in Dürregebieten in Afrika, im Nahen Osten oder Australien. Selbst bei uns im regen- und grundwasserreichen Nordeuropa gibt es inzwischen Gebiete, wo nicht ausreichend Wasser verfügbar ist, wo es also von anderen Orten hingebracht werden muss.

Für uns ist es ziemlich selbstverständlich, den Wasserhahn aufzudrehen und das Leitungswasser sprudeln zu lassen oder den Gartenschlauch zum Rasensprengen einsetzen zu können. Leitungswasser ist angenehm, es unterliegt mit den genauesten Nahrungsmittelkontrollen und es schmeckt zumeist recht gut. Variierend ist zumeist nur der Kalkgehalt, also der Härtegrad des Wassers, mit entsprechenden Auswirkungen auf die Lebensdauer unserer Waschmaschine oder der Kaffeemaschine. Darüber hinaus haben wir uns angewöhnt, für ein Vielfaches abgefülltes Wasser zu trinken, nicht nur als Mineralwasser, sondern auch als Tafelwasser. Hierfür benötigt man dann keine Wasserleitungen, sondern Flaschen, die Menschen im Laden selbst einkaufen und nach Hause schleppen.

In den USA ist es noch viel üblicher als bei uns, Regenwasser in großen Tanks aufzufangen und zu nutzen. Insbesondere in Manhattan finden sich auf vielen Wolkenkratzern solche Tanks auf dem Dach und liefern das nötige Wasser zum Trinken, Kochen, Waschen. Das ist dem Platzmangel geschuldet und dann gibt es natürlich noch die weiten Ebenen im mittleren Westen, wo niemand wirtschaftlich Wasserleitungen verlegen und betreiben könnte.

Und da sind wir beim zentralen Thema, der Verteilung des Wassers. Und zwar nicht nur des Brauchwassers, sondern auch des Abwassers. Denn egal, aus welcher Quelle das Wasser auch stammt, die meisten Menschen benutzen eine Toilette, um es wieder loszuwerden. Und diese ist ganz überwiegend an ein Leitungssystem angeschlossen, das dieses Abwasser zu einer Kläranlage transportiert. Nimmt man diese Faktoren zusammen, sind Wasserunternehmen sowohl im Bereich der Konsumgüter als auch der Infrastruktur tätig. Und damit als defensive Investments geeignet und auch Hoffnungsträger für die Infrastrukturinitiative des neuen US-Präsidenten Donald Trump.

Der Blick aus Deutschland über den Teich, also den Atlantik, angefüllt mit einer Unmenge an Salzwasser, führt uns zum größten dortigen Anbieter American Water Works (NYSE: AWK). Seit dem Börsengang im Jahr 2008 fuhr die Aktie rund 350 Prozent an Kursgewinnen für ihre Anleger ein und damit etwa das Vierfache der 91 Prozent, die der S&P 500 seitdem zulegen konnte.

Das liegt natürlich daran, dass Wasser immer benötigt wird und solange die Zukunftstechnologien aus Star Trek, wie die Schalldusche und der Replikator, nicht als alltagstaugliche Produkte den Weg in unser Leben gebahnt haben, solange werden wir auf Wasserlieferanten angewiesen sein. Und selbst dann wird man das Schmutzwasser noch entsorgen müssen.

Ein weiterer Vorteil liegt in der Art des Geschäfts, denn wie die großen Eisenbahnen haben Wasserversorger fast keine Konkurrenz. Niemand baut parallel eine zweite Wasserleitung, das wäre unbezahlbar. Konkurrenz besteht durch Wasser, das in Form von Tanklastern angeliefert wird, durch aufgefangenes Regenwasser, durch eigene Brunnen und durch Wasser in Flaschen. Ein alternativer Leitungswasserlieferant hingegen tritt kaum auf den Plan. Und wer mal auf seine heimische Wasserrechnung schaut entdeckt, dass Wasser an sich kaum etwas kostet. Die Kosten für das Leitungsnetz und das Reinigen des Abwassers, also die Kläranlagen, die verursachen die Kosten. Eine Deregulierung wie beim Strom oder Gas wird also kaum Kostensenkungen für den Verbraucher mit sich bringen, daher dürfte auch von staatlicher Seite an den quasi monopolistischen Strukturen festgehalten werden.

American Water Works ist also in einem abgeschotteten Markt ohne wirkliche Konkurrenz tätig. Und gegenüber seinen Wettbewerbern hat AWK einen entscheidenden Vorteil: man ist in 47 US-Bundesstaaten tätig und einer kanadischen Provinz, während der nächstgrößte Wettbewerber lediglich acht der 50 US-Bundesstaaten bedient. In 16 dieser 47 Staaten ist man als „regulated utility“ tätig, also ein privates Unternehmen, das den staatlichen Versorgungsauftrag erfüllt anstelle der eigentlich zuständigen staatlichen Stellen. So wie in Deutschland das Krankenhauswesen, das Aufgabe der Landkreise ist, aber inzwischen überwiegend für diese von privaten Anbietern wie Asklepios, Helios oder Sana wahrgenommen wird.

Was das Geschäftsgebiet angeht, liegt AWKs Schwerpunkt ganz klar im Nordosten der USA und in Kalifornien. New Jersey macht zur Zeit 26 Prozent der „regulierten Umsätze“ aus.

Wachstum über Zukäufe ist der große Treiber
Viele Städte in den USA unterhalten eigene Wasserwerke und die Investitionen in deren Infrastruktur ist kostspielig. Gerade die öffentliche Hand leidet unter knappen Kassen und es ist selten genug Geld für alle Ausgaben vorhanden, so dass bei der Infrastruktur und Bauunterhaltung gespart wird. Naja, gestrichen wird, wäre wohl eher korrekt. Denn Einsparungen ergeben sich auf lange Sicht nicht, da die zunehmenden Schäden aufgrund unterlassener Instandhaltung viel teurer werden als zeitnahe und stetige Behebung auftretender Beschädigungen.

Im Gegensatz zur öffentlichen Hand verfügt American Water Works über das nötige Geld und daher kann man immer wieder relativ günstig bei Übernahmen öffentlicher Wasserversorger zum Zug kommen.

AWKs großer Vorteil besteht darin, dass man relativ einfach weiter expandieren kann. Wann immer sich ein Zukauf anbietet, können die neuen Leitungen an das bestehende Leitungsnetz angeknüpft werden. Im Gegensatz zu seinen anderen überregional tätigen Mitbewerbern hat AWK hier viel mehr Anknüpfungspunkte und daher die Möglichkeit, schneller und stärker zu wachsen. American Water Works ist der Platzhirsch und der große Hecht im Karpfenteich. Und hieraus ergeben sich dann Synergieeffekte, die andere Anbieter nicht vorweisen können. AWK kann sich deshalb ggf. sogar etwas höhere Übernahmepreise leisten, weil man diese höheren Kosten dann über die Jahre über Einsparungen wieder rein holt. Die Größe macht das Wachstum einfacher.

Auch für Dividendenjäger ist die Aktie interessant, denn das Unternehmen schüttet zwischen 50 und 60 Prozent seiner Gewinne an die Aktionäre aus. Einerseits wachsen die Gewinne seit Jahren und auf der anderen Seite wäre auch eine höhere Ausschüttungsquote denkbar, wenn denn einmal nicht mehr weitergewachsen wird. Dieses Potenzial dürfte aber absehbar eher nicht zum Tragen kommen, da der Fokus zunächst auf weiterem Wachstum liegt. Die aktuelle Dividendenrendite liegt mit knapp 2,1 Prozent eher am unteren Ende des Branchenvergleichs, die Steigerung des Aktienkurses hingegen am anderen Ende des Spektrums.

Die vielen Vorteile und das sichere Geschäftsmodell haben natürlich ihren Preis und der Aktienkurs zeigt zumindest keine Unterbewertung an. Andererseits bietet American Water Works eine verlässliche Perspektive und die Aussicht auf weiter wachsende Umsätze und Gewinne und damit steigende Dividenden und Aktienkurse. Ein klassisches Buy-and-hold-Investment zu einem entsprechenden Preis.

Mittwoch, 5. April 2017

Zwei Übernahmen: Deutsche Beteiligung formt europäischen Marktführer für Fertiggerichte

Die im Nebenwerte-Index SDAX gelistete Deutsche Beteiligungs AG ist eine der ältesten deutschen Beteiligungsgesellschaften und mit knapp 20 Prozent ist die Drogeriefamilie Rossmann an Bord. Die DBAG ist als Asset Manager tätig und investiert das Geld ihrer Aktionäre und Investoren in Unternehmensbeteiligungen. Vor einem halben Jahr führte die DBAG eine Kapitalerhöhung durch, um frisches Geld für neue Investments zu haben und legte umgehend den neuen Buy-out-Fonds DBAG Fund VII im Gesamtvolumen von 1 Mrd. Euro auf. Dabei sind höhere Co-Investitionen an der Seite des Fonds vorgesehen und der Eigenanteil der DBAG wird knapp 200 Mio. Euro, also rund ein Fünftel des Fondsvolumens.

Und inzwischen ist die DBAG sehr aktiv auf Akquisitionssuche für den Milliarden-Fonds. Als erste Investition tätigte man den Kauf zweier Radiologiepraxen, die künftig als ein regional führender Anbieter radiologischer Untersuchungen und Behandlungen am Markt operieren werden. Der Fonds erwirbt dabei die Anteile von einer Gruppe aus 18 Ärzten, die die beiden Gemeinschaftspraxen in den vergangenen Jahren geführt und sehr erfolgreich weiterentwickelt haben. Alle bisherigen Gesellschafter werden sich mit etwa 44 Prozent rückbeteiligen, die übrigen Anteile wird der DBAG Fund VII halten. Die DBAG selbst wird für ihre Co-Investition zunächst rund 15 Mio. Euro aus ihrer Bilanz aufwenden und auf sie entfallen künftig rund elf Prozent der Anteile. Der Vollzug des Kaufvertrags wird für die Jahresmitte erwartet; er bedarf noch der Zustimmung der Kartellbehörden und anderer Institutionen.

Politische Börsen haben kurze Beine

▸ Kissigs Kolumne vom 5. Dezember 2016, Aktien Magazin 32/2016 

Donald Trump wird ist der nächste Präsident der USA, ein Gedanke, an den man sich erst gewöhnen muss. Die politischen Auswirkungen sind kaum abzuschätzen, doch eines steht seit der Wahl fest: es wird unberechenbarer.

Im Vorfeld der Wahl wiesen die Aktienkurse eine hohe Korrelation auf mit den Meinungsumfragen. Lag Trump in Führung, rauschten die Börsen nach unten, zog Clinton an ihm vorbei, erholten sich die Kurse. Nicht etwa, weil Clinton so beliebt war, sondern weil die Märkte sie und ihre Positionen zu kennen glaubten. Denn wenn die Börse eines hasst, dann ist es Unsicherheit. Und mit Clinton schien man auf der sichereren, weil berechenbareren, Seite.

Und doch kam alles ganz anders. Erst gab es zum Wochenstart eine Erholungsrallye, weil die Umfragen Clinton zur Siegerin ausriefen, doch der eine oder andere fühlte sich an das Brexit-Votum aus dem Sommer erinnert, das nach demselben Muster ablief. Kurz vor der Entscheidung schien sich alles zum Guten zu wenden, die Börsen nahmen diesen Erfolg vorweg, um dann geschockt ins Tal der Tränen abzustürzen.

Und in einem solchen Tal fand sich der DAX am Mittwochmorgen wieder, nachdem Trump als Sieger feststand. Satte 5 Prozent rauschte er vorbörslich in die Tiefe und alle, die zu diesen Kursen Bottom-Fishing betrieben, wurden stattlich belohnt. Denn nach dem kurzen Schock berappelte sich der DAX zusehends, auch die Futures auf den S&P 500 und den Dow Jones Index verließen das tiefrote Terrain und reduzierten ihre Verluste beinahe im Minutentakt. Zum Handelsende standen DAX und Dow Jones sogar mit jeweils mehr als einem Prozent im Plus. Verkehrte Welt? Irre Welt! 

Doch wie kann das sein, ist Trump auf einmal ein guter Präsident? Nun, diese Antwort wird erst die Zeit zeigen und sie ist auch nicht der Grund, weshalb die Börsen sich schnell erholten von dem Schock. Die Gründe liegen woanders. Einerseits haben in den vergangenen Monaten viele professionelle Anleger Geld aus dem Markt abgezogen, das nun unverzinst auf ihren Konten herumlungert. Und dieses Geld stand bereit, in einem fallenden Markt auf Schnäppchenjagd zu gehen. Was den Kurssturz begrenzte, schon während der europäischen Handelszeiten. Und als die Amerikaner vor ihren PCs saßen und endlich an dem Geschehen teilnehmen konnten, da war die erste Panik längst vorbei und die Märkte notierten nur noch mit leichten Abschlägen. Und daher blieb die Panik amerikanischer Anleger aus. Getreu dem Motto, wenn die Börse nicht abstürzen, dann wird es so schlimm ja nicht sein.

Was folgt auf die Wahl?
Die erste Panik hat sich gelegt, nun wird man abwarten müssen, wie sich Trump als Präsident macht. Wahlkampf ist etwas anderes als zu regieren und so besteht die Hoffnung, dass er als Präsident diplomatischer wird, weniger aufbrausend, weniger polternd. Eben präsidialer. Und er wird die Zwänge kennenlernen, die auch den mächtigsten Mann der Welt bremsen: demokratische Prozesse. Zwar haben die Republikaner im Repräsentantenhaus und im Kongress die Mehrheit, so dass der republikanische Präsident Trump theoretisch freie Bahn hätte, aber er ist nun einmal kein wirklicher Republikaner, kein Parteigänger. Er hat sich so viele Feinde gemacht im Lager der Republikaner, so viele vor den Kopf gestoßen, dass sie ihm nicht bedingungslos folgen werden. Trump wird mehr zum Politiker werden müssen, will er seine Ziele erreichen.

Und davon hat er ja so einige im Wahlkampf verbreitet und nicht alle waren nur Wahlkampfgetöse. Trump will die USA abschotten, nicht nur eine Mauer zwischen den USA und Mexiko errichten, um illegale Einwanderung zu stoppen, sondern er will auch Handelsschranken aufbauen, um den amerikanischen Markt vor ausländischer Konkurrenz zu schützen. Zölle sind ein probates Mittel, um dies zu erreichen. Doch abgesehen davon, dass sie den meisten internationalen Abkommen widersprechen, sind sie auch ein zweischneidiges Schwert. Denn die Gegenseite lässt sich so etwas selten unkommentiert gefallen und erhebt dann ihrerseits Zölle auf amerikanische Produkte. Einen solchen Handelskrieg, der nur Verlierer kennt, den führt die EU seit einiger Zeit wegen der Krim-Annexion gegen Russland. Die Russen haben zurückgeschossen und ihrerseits Agrarprodukte aus der EU verboten, was hierzulande zu hohen Produktionsüberschüssen führt, die kaum andernorts verkäuflich sind. Die Folge ist ein Überangebt mit entsprechendem Preisrutsch. Die Debatten um die Milchbauern, die reihenweise pleitegehen, haben wir alle noch vor Augen.

Doch globale Handelshemmnisse belasten auch diejenigen, die vom Handel profitieren: die Transportunternehmen. Wird weniger gehandelt, wird weniger transportiert. Das gilt natürlich vor allem für international tätige Unternehmen wie FedEx oder UPS. Aber auch amerikanische Eisenbahngesellschaften könnten Probleme bekommen, denn Handelseinschränkunegn mit Mexiko träfen einige von ihnen massiv. So profitieren von diesem Warenstrom bisher vor allem Kansas City Southern oder auch Burlington Northern Santa Fe, die zu Warren Buffetts Imperium gehören.

Auch will Trump die Produktion nach Hause holen, das wird vor allem große Konzerne treffen, die billig im Ausland produzieren lassen. Dabei ist nicht zuerst an die Textilindustrie gedacht, sondern vor allem an High-Tech-Firmen wie Apple mit ihrer Fertigung in Asien. Andererseits möchte er auch einen vorübergehenden Steuererlass anbieten, damit die Unternehmen die im Ausland angehäuften Gewinne, die sie zumeist nur mit Minimalsteuersätzen besteuern lassen mussten, in die USA holen. Nach aktueller Rechtslage würden hierauf hohe Steuern anfallen, deshalb bleibt das Geld im Ausland. Firmen wie Apple oder Microsoft haben so immer mehr Geld im Ausland und müssen ihre riesigen Aktienrückkaufprogramme in den USA daher über Kredite finanzieren. Eine vorrübergehende Steuerherabsetzung für im Ausland herumliegendes Geld würde dem Staat also einiges an Steuern bringen und den Unternehmen viel frische Liquidität in Dollars. Natürlich würde es auch den Dollar befeuern, wenn hunderte von Milliarden Euros auf Schlag in Dollar gewandelt würden.

Des Weiteren hat Trump versprochen, die Förderung von Öl in den USA zu unterstützen und auch die Kohlekumpels wieder in Arbeit zu bringen. Die Leidtragenden dieser fossilen Renaissance werden die Anbieter regenerativer Energien sein, nicht amerikanische Anbieter sondern auch jene Unternehmen aus aller Welt, die Solar- und Windparks in den USA bauen.

Ein besonderer Dorn im Auge der Republikaner und auch von Donald Trump ist die gesetzliche Krankenversicherung, Obama-Care. Hier dürfte Trump mit Unterstützung von Kongress und Senat das Rad der Zeit wieder zurückdrehen, was Krankenhausbetreiber und Pharmariesen besonders treffen könnte. Und zusätzlich haben Trump und auch Clinton im Wahlkampf das Thema der exzessiven Preistreibereien bei Medikamenten aufgegriffen, so dass hier mit Einschnitten zu rechnen sein dürfte. Das könnte auch die Biotechbranche treffen.

Natürlich gibt es auch potenzielle Gewinner. Wie Waffen- und Rüstungsaktien oder Konsumwerte, amerikanische Autohersteller oder Restaurantketten. Ob Trump das Thema der verrotteten Infrastruktur wirklich angehen wird, steht noch auf einem anderen Blatt. Hier stünden derart hohe Ausgaben an, dass es kaum vorstellbar ist, wie er hierfür noch weitere Milliarden freischaufeln will. Immerhin winkt er ja den Reichen und den Unternehmen mit Steuersenkungen, die müssen ja auch noch irgendwie finanziert werden.

Und das führt uns zu neuen Schulden, höherer Inflation und höheren Zinsen. Und Trump könnte wirklich derjenige sein, der die Zinswende in den USA einläutet. Zweifelsohne ohne die amtierende Fed-Chefin Janet Yellen, die dürfte als eine der ersten ihren Hut nehmen müssen. Von steigenden Zinsen profitieren die Banken und die Versicherungen, die schon lange unter der Niedrigzinsphase leiden und hier kaum noch Überschüsse erwirtschaften.

Was wirklich kommen wird, wissen wir noch nicht. Trump hat jedoch vor allem bei den Unzufriedenen gepunktet und ihnen versprochen, vieles anderes zu machen. Und das dürfen wir annehmen, vieles wird anders werden. Die Frage für Anleger ist, wie sie mit diesen Veränderungen umgehen sollen. Von all den möglichen Veränderungen, die ich angesprochen habe, sind Unternehmen in den USA betroffen und auch in Europa. Sicherlich kann man im gewissen Maß eine Art Sektorrotation vornehmen und verstärkt auf die Branchen setzen, die vermutlich von Trump profitieren werden. Doch darüber hinaus sollte man sich aber daran erinnern, dass man als Anleger nicht Unternehmenslenker ist. Dazu beschäftigen die Unternehmen Vorstände und Manager, damit diese die Unternehmen auf neue Herausforderungen einstellen und die nötigen Anpassungen des Geschäftsmodells vornehmen. Anleger sollten daher nicht nur auf den Preis der Aktien schauen, in die sie investieren wollen, sondern vor allem auf gut geführte Qualitätsunternehmen setzen. Wer in der Vergangenheit gut mit Herausforderungen klar gekommen ist, dürfte auch jetzt zu denjenigen zählen, die diese Phase der Anpassung am besten überstehen. Und dabei kann man ja durchaus die am meisten riskobehafteten Branchen untergewichten.

Am Ende wird sich wieder zeigen, dass politische Börsen kurze Beine haben. Trump ist Präsident und er wird Einfluss nehmen und Akzente setzen. Die USA und die Welt werden lernen, damit umzugehen und sich darauf einstellen. Grund für überzogenen Pessimismus oder gar Panik gibt es nicht. Aktien sind und waren die langfristig rentierlichste Anlageform und das schon über Jahrhunderte. Sie werden es auch bleiben. Und die Börse hat schon mehr als einen Trump gesehen, sie wird auch diesen überstehen.

Dienstag, 4. April 2017

MBB setzt nach Aumann-Erfolg auf Sonderdividende und weitere Übernahmen

MBB bestätigt die bereits veröffentlichten vorläufigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2016 und konnte einen neuen Umsatzrekord in Höhe von 332,2 Mio. Euro (Vorjahr 252,8 Mio. Euro) erzielen, was Wachstum von 31,4% entspricht. Das EBITDA befindet sich mit 30,4 Mio. Euro (Vorjahr 24,8 Mio. Euro) auf einem neuen Höchststand und die EBITDA-Marge beträgt 9,1%. Das Konzernergebnis beträgt 14,3 Mio. Euro (Vorjahr 11,8 Mio. Euro), so dass ein Ergebnis je Aktie in Höhe von 2,16 Euro (1,79 Euro im Vorjahr) erzielt wurde. Damit übertreffen Umsatz und Ergebnis die Managementprognose von 310 Mio. Euro Umsatz und 2,10 Euro Ergebnis pro Aktie. Die Konzernliquidität ist per Ende 2016 deutlich auf 77,4 Mio. Euro (54,0 Mio. Euro per Ende 2015) gestiegen und die Nettoliquidität hat sich auf 22,2 Mio. Euro (8,1 Mio. Euro per Ende 2015) erhöht. Das Eigenkapital stieg zum Ende des Geschäftsjahres 2016 auf 98,4 Mio. Euro (Vorjahr 87,7 Mio. Euro), was einer Eigenkapitalquote von 36,9% (Vorjahr 39,4%) entspricht.

Am 24. März 2017 hat die MBB-Tochter Aumann einen sehr erfolgreichen Börsengang durchgeführt, in dessen Zuge die MBB SE ihren Anteil durch Kapitalerhöhung und Umplatzierung von 93,5% auf 53,6% reduziert hat. Der für die MBB Aktionäre realisierte Wertzuwachs aus dem Börsengang wird gem. IFRS im ersten Quartal 2017 erfolgsneutral über das Konzerneigenkapital erfasst. Hierdurch erhöht sich das den Aktionären der MBB SE zuzurechnende Eigenkapital nach vorläufigen Zahlen um mehr als 140 Mio. Euro oder mehr als 21,00 Euro pro Aktie. Die Konzernliquidität steigt durch den Börsengang per Ende März 2017 nach vorläufigen Zahlen auf über 260 Mio. Euro, die Nettoliquidität auf über 210 Mio. Euro. Davon entfällt nach vorläufigen Zahlen eine Nettoliquidität von über 170 Mio. Euro auf die Konzernmuttergesellschaft MBB SE.

 MBB SE (Quelle: finanzen.net
2017 rechnet MBB mit einem organischen Umsatzzuwachs von 18% auf 390 Mio. EUR. Trotz des Abgangs eines wesentlichen Teils der Beteiligung an der Aumann AG, plant das Management ein Ergebnis je Aktie auf dem Vorjahresniveau. Diese Entwicklung wird erwartet, da der Auftragseingang und die Kapazitätsauslastung zu Beginn des neuen Geschäftsjahres auf organisches Wachstum bei allen MBB Tochterunternehmen hinweisen.

Das Management der MBB betrachtet die Eigenkapital- und Liquiditätsausstattung als hervorragende Voraussetzung, um einerseits im aktuellen Marktumfeld organisch sowie durch die Zukäufe neuer Tochterunternehmen zu wachsen. Für das Geschäftsjahr 2016 wird der am 28. Juni 2017 stattfindenden Hauptversammlung eine auf 61 Euro-Cent/Aktie oder 4,0 Mio. Euro (im Vorjahr 59 Euro-Cent/Aktie oder 3,9 Mio. Euro) steigende Dividende vorschlagen. Aufgrund des erfolgreichen Börsenganges wird zudem in gleicher Höhe eine Sonderdividende vorgeschlagen, so dass insgesamt 8,0 Mio. Euro an die Aktionäre ausgeschüttet werden sollen.

Meine Einschätzung
MBB kann hervorragende Ergebnis vorweisen und zeigt, dass es bei Übernahmen auf die richtigen Unternehmen setzt. Ruhig und bedächtig geht man vor und daher freut mich die Aussage, man wolle "im aktuellen Marktumfeld organisch sowie durch die Zukäufe neuer Tochterunternehmen" wachsen. Das erklärt auch, dass die Gesamtdividende von 1,22 Euro je Aktie recht mager ausfällt, von der Basisdividende von 0,61 je Aktie ganz zu schweigen. Mir gefällt da sehr, denn der Track-Record von MBB zeigt, dass das Geld im Unternehmen am besten eingesetzt werden kann. Und ich vertraue auf das Erfolgs-Duo Nesemeier/Freimuth und ihr Gespür für außerordentliche Gelegenheiten. Wie bei der Übernahme der Claas Fertigungstechnik und beim Kauf der Aumann-Gruppe, aus denen MBB dann die Aumann AG formte.

MBB wird momentan mit rund 575 Mio. Euro bewertet und zieht man davon die Nettoliquidität von rund 170 Mio. Euro ab, bleiben knapp 405 Mio. Euro. Aumanns Börsenwert liegt bei 720 Mio. Euro (Aktienkurs von 51,50 Euro) und MBB hält jetzt 53,5%, macht 385 Mio. Euro. Die Differenz beträgt mal gerade 20 Mio. Euro und darunter fällt ja auch Delignit, deren Börsenbewertung bei 36,5 Mio. Euro liegt und MBBs Anteil von 76% steht alleine hier schon für 27,5 Mio. Euro. Was nichts anderes heißt, als dass beim aktuellen MBB-Börsenkurs von 86 Euro alle sonstigen MBB-Aktivitäten ohne Aumann und Delignit sogar mit einem Abschlag von 7,5 Mio. Euro bewertet werden. Würde heißen, der Markt geht davon aus, dass die übrigen Töchter Verluste einfahren und/oder Sanierungsfälle sind, die nur Geld verschlingen. Doch genau das Gegenteil ist der Fall!

Denn nach Aussage des MBB-Vorstands laufen alle Konzerntöchter hervorragend und weisen deutliches organisches Wachstum auf. Sie müssten also mit einem deutlichen eigenen Anteil in die Bewertung einfließen, nicht mit einem Abschlag. Man kann es nun so interpretieren, dass der MBB-Kurs aktuell mit einer Sicherheitsmarge versehen ist, oder dass es noch einige an Kurspotenzial bis zum fairen Wert gibt. Oder beides. Vermutlich wird der Kurs nach der starken Rallye erst einmal eine Zeit lang konsolidieren, aber spätestens wenn die nächste Übernahme eingetütet wird, dürfte er wieder anspringen und Kurs auf die 100-Euro-Marke nehmen. Oder wenn die Töchter, inkl. Aumann, weiter so stark und profitabel wachsen. Und die Aussage des Managements spricht auch dafür, dass die 76,08-Prozent-Tochter Delignit demnächst mit tollen Zahlen und Perspektiven aufwarten wird.

Sowohl MBB als auch Delignit befinden sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.


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ERGÄNZUNG VOM 15.05.2017, 18:43

▸ Hauck & Aufhäuser hebt Kursziel auf 120 Euro

Die Analysten von Hauck & Aufhäuser bestätigen die Kaufempfehlung für die Aktien von MBB und heben das Kursziel von bisher 86,00 auf 120,00 Euro an. Sie gehen von mindestens einem großen Zukauf in diesem Jahr aus und rechnen mit einem Gewinn je Aktie von 2,61 Euro, während MBB selbst 2,16 Euro prognostiziere. H&A sieht dies als sehr konservativ an und erwartet eine Prognoseanhebung mit Vorlage der Halbjahreszahlen im August.