Donnerstag, 27. April 2017

Steico schafft sich gerade sein eigenes "Next Big Thing"...

Steico, der Hersteller von Holzfaserdämmstoffen, entwickelt sich vom unentdeckten Hidden Champion immer mehr zur Börsenperle. Nachdem man hervorragende Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2016 präsentieren konnte, legte man noch eine Schippe drauf. Denn Steico hatte vor einigen Jahren einen neuen Geschäftszweig initiiert und in eine Furnierschichtanlage investiert. Von dem Erfolg war man dann selbst überrascht worden, die die Anlage war nach kurzer zeit bereits voll ausgelastet. Und so plante Steico gleich eine neue Anlage hinterher, um die Kapazitäten zu verdoppeln. Und das mit gutem Grund, denn durch das neue Geschäftsfeld kann Steico die Fertigungstiefe erhöhen. Anders ausgerückt: anstatt wie bisher Vorprodukte teuer zuzukaufen, fertigt man diese nun selbst und steckt sich die Marge selbst ein. Hinzu kommt die Fertigung für Externe, was die Anlage zusätzlich auslastet.

Monsanto: Was treibt Buffett bloß in diese Aktie?

Warren Buffett ist nicht nur einer der reichsten Menschen auf unserem Erdball und als Value-Investor eine Legende, sondern er steht auch für einen zurückhaltenden, bescheidenen Charakter. An ihm ist wenig Auffälliges, abgesehen von seiner Unauffälligkeit. Vermutlich auch deshalb ist er ein gern gesehener Gast zum Thema Börse bei Fernsehstationen und Journalisten. Buffett versteht es, komplizierte Dinge in wenigen Worten unkompliziert darzustellen.

Auch ich bin ein großer Fan seiner viele Börsenzitate, die einen mal zum Schmunzeln und mal zum Nachdenken bringen. Oder beides. Und eine dieser vielen Weisheiten ist, man könne mit schlechten Leuten keine guten Geschäfte machen.

»Mit schlechten Leuten macht man keine guten Geschäfte.«
(Warren Buffett)

Dies ist ein wichtiger Grundsatz des Value Investings, denn man bindet sich ja langfristig an ein Unternehmen. Und wenn dieses von Menschen geführt wird, denen man nicht trauen kann, sollte man die Finger davon lassen.

Mittwoch, 26. April 2017

Publity: Strategieerweiterung bringt erste gewinntreibende Erfolge

Publity, ein Investor in und Asset-Manager von deutschen Büroimmobilien, hat kürzlich durch zwei neue Mandate seine bisherige Strategie deutlich erweitert und kann hier bereits erste Erfolge vermelden. Das erste Mandat bekam man von der Consus Commercial Property AG, die von Publity-CEO und Großaktionär Olek gegründet wurde. Publity wird für Consus Commerical Property am deutschen Markt attraktive Büroimmobilien identifizieren, den Ankaufsprozess begleiten und bei der anschließenden Wertentwicklung als Asset Manager fungieren. Die entsprechende vertragliche Vereinbarung wurde zu den bei Publity üblichen Konditionen geschlossen und Publity adressiert damit eine neue Größenklasse von Büroimmobilien mit einem Ankaufspreis zwischen 10 und 25 Mio. Euro. Der Investitionsschwerpunkt liegt auf etablierten Bürostandorten in deutschen Metropolregionen.

Bereits zum Auftakt der Zusammenarbeit wurde ein Bestandsportfolio von Gewerbeimmobilien im Marktwert von über 200 Mio. Euro im Einzelankauf erworben, so dass Publity bereits unmittelbar nach Vertragsabschluss erste Provisionen für sich generiert hat, denn "üblich" sind bei Publity bei Asset Management-Mandaten eine sog. Finders Fee von 1%, eine Asset Management Fee von 0,5% während der gesamten Laufzeit, in der die Immobilie betreut wird, und beim Verkauf eine Provision in Höhe von 10% als Beteiligung am Verkaufsgewinn.

Neben der Consus wurde ein Investor aus Südamerika gewonnen, dessen Mittel im unteren im unteren Milliarden-Euro-Bereich von Publity in den kommenden 30 Monaten zum Erwerb von Büroimmobilien in Deutschland verwendet werden sollen. Dieser Investor hat dabei ein niedrigeres Renditeziel als die bisherigen Publity-Kunden und dem entsprechend adressiert Publity hier als Zielsegment vorrangig den Core und Core+ Bereich. Also Immobilien, die man bei den bisherigen Mandanten nicht hätte unterbringen können.

Und heute kann man den ersten Ankauf für diese neuen Mandanten vermelden, ein Objekt in Zentrumslage von Bensheim, einer Stadt im Süden von Hessen im Regierungsbezirk Darmstadt, mit über 15.000 m² vermietbare Fläche auf einem 5.000 m² großen Grundstück. Es handelt sich um ein Value-Add-Objekt aus einer klassischen Undermanaged-Situation, die das Heben von deutlichen Wertschöpfungspotenzialen ermöglicht, denn der Vermietungsstand liegt nur bei 54% mit 19 verschiedenen Mietern, zu denen die Krankenkassen AOK und Barmer gehören.

Meine Einschätzung
Das Mandat der Consus ermöglicht es Publity, deutlich kleinere Objekte zu erwerben und zu betreuen, als es bisher der Fall war. Und das Südamerika-Mandat lässt zu, dass Publity hier qualitativ niedrigere und damit risikoreichere Standorte erwirbt, da die Renditeerwartungen bei diesem neuen Mandanten niedriger liegen, als bei den bisherigen Mandaten von internationalen Finanzinvestoren. Insbesondere bei dem Südamerika-Mandat geht Publity davon aus, dieses auf der bestehenden Asset Management Plattform ohne den Aufbau nennenswerter zusätzlicher Ressourcen umsetzen zu können. Was nichts anderes heißt, als dass man sein Geschäftsmodell skalieren kann, also ohne nennenswerte zusätzliche kosten mehr Umsatz und damit mehr Gewinn erzielen können wird. Und auch bei dem Consus-Mandat verdient Publity prächtig, denn Consus verfügt über keine eigene Bewertungs- und Ankaufserfahrung und nutzt vollständig das Publity-Know-How und Personal. Gegen entsprechendes Entgelt. Auch hier dürfte Publity überproportional dran verdienen.

 Publity (Quelle: finanzen.net
Unterm Strich zeigen die beiden neuen Mandate, dass es Olek und seiner Publity weiter gelingt, neue Mandate an Land zu ziehen, so dass die für Ende diesen Jahres anvisierten 5 Mrd. Euro 5,2 Mrd. Euro (s.u.) AuM (Assets under Management) schon heute in greifbarer Nähe liegen sein dürften. Die stetigen Provisions- und Gebühreneinnahmen dürften weiter deutlich zulegen, da mit jedem neuen Objektankauf der Zähler mitrattert.

Hierzu tragen natürlich auch die umfangreichen NPL-Mandate bei, die inzwischen 3,2 Mrd. Euro ausmachen und wo Publity nach der Verwertung 22% der Verkaufserlöse als Provision vereinnahmen kann. Hier fallen in der Zwischenzeit bis zum Verwertungserfolg erst einmal Kosten an, die Provision fließt erst beim Verkaufserfolg, also in den nächsten Jahren. Und natürlich kann man die 22% nicht an den Nominalwert des NPL-Portfolios berechnen, denn hier wird nur ein Bruchteil des ursprünglichen Nominalwerts noch beizutreiben sein.

Nachdem im Zuge der überraschenden Kapitalerhöhung unmittelbar nach der letzten Hauptversammlung der Aktienkurs mächtig unter Druck geraten war, scheint er sich nun anzuschicken, sich über der 40-Euro-Marke zu etablieren. Dazu beitragen dürfte auch die Aussicht auf die Rekorddividende von 2,80 Euro je Aktie, die nach der Hauptversammlung am 20. Juni 2017, die beim aktuellen Aktienkurs von 40 Euro immerhin stattliche 7% ausmacht.

Publity befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und als eine der größten Positionen in meinem Depot. Die Aktie ist kein "Must-Have", aber zumindest ein "Should-Have", denke ich.


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ERGÄNZUNG VOM 28.04.2017, 08:51

▸ Publity mit endgültigen Zahlen für 2016 und erhöhter AuM-Prognose

Publity hat seine endgültigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2016 veröffentlicht und diese reichen nicht ganz an die vorab gemeldeten vorläufigen Zahlen heran. Insbesondere beim Gewinn bleiben nun 23,1 Mio Euro anstelle von 24 Mio. Euro übrig. Das ist noch immer eine Beinaheverdopplung gegenüber dem 2015er Ergebnis von 12,5 Mio. Euro. Die übrigen Zahlen sind nicht minder beeindruckend: das Ergebnis je Aktie liegt bei 3,89 Euro und die Eigenkapitalquote stieg auf 63 Prozent nach 46 Prozent in 2015.

Für 2017 wird eine weitere Umsatz- und Ergebnissteigerung erwartet und die Prognose für die Assets under Management (AuM) per Ende Dezember 2017 wird auf 5,2 Mrd. Euro angehoben. Neu ist der Ausblick auf die AuM bis Ende 2018, die bei 7 Mrd. Euro erwartet werden.

Wenig(er) überraschend wurde erneut das Dividendenziel für Geschäftsjahr 2016 mit 2,80 Euro je Aktie bestätigt.

Dienstag, 25. April 2017

Aurelius zückt den Joker: Secop-Verkauf, Dividendenverdopplung, Aktienrückkauf

Der Münchner Finanzinvestor Aurelius Equity Opportunities ​SE & Co.​KGaA hat jahrelang erfolgreich Unternehmensbeteiligungen aus Sondersituationen und Restrukturierungsfälle übernommen, um diese wieder auf Kurs zu bringen und gewinnbringend zu verkaufen. Der Aktienkurs hatte sich seit meiner Erstempfehlung im Oktober 2012 von knapp 11 Euro auf in der Spitze gut 66 Euro versechsfacht bis vor einigen Wochen der Short-Seller "Gotham City" eine massive Short-Attacke gegen Aurelius startete unter Lancierung erheblicher Vorwürfe. Der Kurs brach daraufhin in der Spitze um fast die Hälfte ein auf unter 35 Euro. Heute nun erfolgt die lang erwartete Reaktion von Aurelius...

Da sich der Short-Seller nach der fiktiven Stadt Gotham benannt hat, in der Superheld Batman für Ordnung sorgt, bleibe ich mal in dem Wortspiel. Der mächtigste Gegenspieler Batmans war der Joker, ein fieser Bösewicht, und in den Augen der Short-Seller ist Aurelius ja der Bösewicht. Dieser Logik folgend, bringt Aurelius heute also den Joker ins Spiel, um Gothams selbsternanntem Saubermann die Leviten zu lesen.

Montag, 24. April 2017

Baruchs Börsenwissen: Die Bären machen Schlagzeilen, die Bullen machen Geld

Psychologie bestimmt die Aktienkurse mindestens genauso stark wie die Faktenlage. Und die menschliche Natur neigt dazu, Negatives deutlich stärker zu gewichten, als Positives. Das liegt in unseren Genen, die auf Überleben getrimmt sind - Gefahr lässt den Körper Adrenalin ausschütten und aktiviert unseren Fluchtreflex. Diese Reflexe sind es, die unserer Spezies das Überleben gesichert haben. Doch in unserer modernen Welt benötigen wir diese Überlebenstechniken immer seltener. Und in manchen Bereichen stehen sie unserem Erfolg sogar im Weg. So auch beim Investieren.

Wenn die Aktienkurse steigen, will jeder dabei sein und die Kursgewinne mitnehmen. Und wenn die Börse abwärts rauscht, will jeder aussteigen, möglichst schnell und zu jedem Preis. Was psychologisch nachvollziehbar ist ("Behavioral Finance"), ist dann allerdings auch der Grund, weshalb Anleger nicht besser, sondern überwiegend schlechter abschneiden als der Gesamtmarkt. Sie folgen der Herde und können daher nicht besser sein. In der Wahrnehmung konzentrieren sich immer mehr Anleger auf die gleichen Risiken und Themen und überhöhen somit ihre Bedeutung (sog. "Attention Bias") - mit entsprechend starken Auswirkungen auf die Aktienkurse. Dabei neigen wir Menschen dazu, Negatives deutlich intensiver wahrzunehmen, als positive Erlebnisse. Auch negative Nachrichten geben wird wesentlich häufiger weiter als positive. Dass wir also Verluste viel stärker empfinden als Gewinne, nennt man "Dispositionseffekt". Und diese Erkenntnis führt uns zurück zu den Bullen und Bären...

Börsenweisheit der Woche 17/2017

"Wenn die richtige Aktie gefunden ist, dann ist es nie zu früh und nie zu spät, sie zu kaufen".
(Peter Lynch)

Freitag, 21. April 2017

Wahre Stärke: Hypoport erzielt 17 Prozent Wachstum in stagnierendem Gesamtmarkt

Das FinTech-Unternehmen Hypoport hat heute Zahlen zum Transaktionsvolumen im ersten Quartal 2017 gemeldet und kann deutlich zweistellig zulegen. Das ist umso bemerkenswerter, als dass laut der Deutschen Bundesbank der Gesamtmarkt für Immobilienfinanzierungen im Januar und Februar 2017 in Summe auf Vorjahresniveau stagnierte.

Dabei erzielte die Sparte Europace über alle Produktbereiche hinweg im ersten Quartal 2017 ein Transaktionsvolumen von 12,2 Mrd. Euro und damit gegenüber dem ersten Quartal des Vorjahres ein Wachstum von 17% (Q1/2016: 10,4 Mrd. Euro).

Europace wird insbesondere von den vielen Sparkassen und Volksbanken immer stärker angenommen, die sich so gegen ihre hohen Kostenstrukturen aufgrund des noch immer ausgeprägten Filialnetzes stemmen. So weitete die Sparkassenorganisation ihr Transaktionsvolumen auf 1,2 Mrd. Euro (Q1/2016: 0,7 Mrd. Euro) und 61% aus und die genossenschaftlichen Finanzgruppe der Volks- und Raiffeisenbanken ihren Anteil um 27% auf 0,9 Mrd. Euro aus (Q1/2016: 0,7 Mrd. Euro).

Die digitalisierte Beratung in der privaten Immobilienfinanzierung durch die Ausstattung der eigenen Berater mit Europace-Technologie  bietet enorme Effizienzgewinne, die durchaus zu einer Verdoppelung des abgeschlossenen Kreditvolumens bei gleicher Berateranzahl führen kann.

 Hypoport (Quelle: finanzen.net
Meine Einschätzung
Der enorme Kostendruck für die Banken, insbesondere auch kleinere Institute, wird anhalten. Filialschließungen bleiben an der Tagesordnung, kommen bei den betroffenen Kunden natürlich nicht gut an. Vor allem die Älteren leiden darunter. Kostenmindernd wirken sich für die Kreditinstitute aber eben auch die von Hypoport angebotenen digitalen Immobilienfinanzierungen aus, so dass hier auch in den nächsten Jahren mit weiter deutlich steigenden Partnern und Transaktionsvolumina zu rechnen ist. Da die Zinsmarge der Banken immer weiter dahin schmilzt, ist dieser Trend kaum umkehrbar, sondern wird sich weiter beschleunigen und somit auch in einem stagnierendem Finanzierungsumfeld zu weiterem deutlichem Wachstum bei Hypoport führen.

Große Hoffnung verbindet sich mit Europace im Bereich der Versicherungen; hier könnte ein ähnlicher Verlauf bevorstehen, wie vor drei Jahren im Bankensektor. Und das dürfte den Aktienkurs von Hypoport noch einmal so richtig Feuer geben und deutlich in den dreistelligen Bereich hieven.

Hypoport ist und bleibt als wachstumsstarkes und profitables FinTech-Unternehmen einer der größten Profiteure der Digitalisierung im Finanzwesen und sollte daher in keinem langfristig ausgerichteten Depot fehlen. Hypoport befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und ebenfalls in meinem Depot.

Donnerstag, 20. April 2017

Berentzen: Knackiger Spaß gibt Gas

Der Spirituosenhersteller Berentzen war früher in aller Mund und das im wahrsten Sinne des Wortes. Zu den bekanntesten Marken im Sortiment gehören Pushkin, Bommerlunder, Doornkaat, Hansen, Springer Urvater, Echt Stonsdorfer. Von Linie Aquavit und Licor 43 hat man sich inzwischen getrennt. Doch die kleinen Liköre und die Kornverschnitte gerieten seit Ende der 1980er Jahre zunehmend ins Aus und der Absatz ging immer mehr zurück. Daher positionierte man sich mit zweitem Standbein als Lizenz-Abfüller für andere Hersteller, insbesondere Pepsi.

Zum unternehmerischen Niedergang gesellte sich dann noch eine zerstrittene Eigentümerfamilie hinzu, die jahrelang kein Umsteuern zuließ so dass das Traditionsunternehmen vor sich hin siechte. Bis dann 2008 schließlich der Finanzinvestor Aurelius die Anteile der Alteigentümer übernahm und für klare Verhältnisse sorgte. Es war Rettung in letzter Sekunde, könnte man sagen. 

Steiniger Sanierungsweg
Es folgte ein dornenreicher Weg für Berentzen, um sich gesund zu schrumpfen und mit neuer Strategie wieder erfolgreich und profitabel zu werden. Und nicht immer sah es danach aus, als wenn dieser Umschwung gelingen würde. Denn es gab zahlreiche Rückschläge in einem hart umkämpften Markt moderaten Wachstumsraten und -aussichten.

Montag, 17. April 2017

Börsenweisheit der Woche 16/2017

"Der Schlüssel zum erfolgreichen Investieren liegt nicht in der Frage, wie sehr eine Industrie die Gesellschaft beeinflusst oder ob sie wachsen wird, sondern darin, herauszufinden ob ein bestimmtes Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil hat, und wenn ja, wie lange dieser anhalten wird."
(Warren Buffett)

Samstag, 15. April 2017

Waste Management oder der Geruch des Geldes

Abfall, Müll, kaum jemand verbindet mit diesen Begriffen positive Assoziationen und vor allem im Sommer sind stinkende Mülltonnen keine Freude für empfindsame Nasen. Daher sind die meisten Menschen froh, wenn er endlich aus ihrem Blickfeld verschwindet und nicht weiter die Sinne belästigt. Und wenn man sich die Müllmänner so ansieht, kommt man auf den ersten Blick nicht drauf, dass hier viel Geld zu verdienen ist.

Geld stinkt nicht
Es gibt das geflügelte Wort „Pecunia non olet“, das auf Kaiser Vespasian zurückgeht. Im alten Rom wurden Unmengen an Urin für die Ledergerberei benötigt und so stellte man an belebten Straßen amphorenartige Latrinen zum Urinsammeln auf. Vespasian, nicht der erste Staatenlenker der sich mit leeren Kassen konfrontiert sah, führte auf diese Latrinen eine Steuer ein und von seinem pikierten Sohn darauf angesprochen, hielt er ihm ein Geldstück unter die Nase und fragte, ob es stinke. Was dieser verneinte – und ein schöner Sinnspruch erblickte das Licht der Welt.

Mit diesem Gedanken im Hinterkopf richten wir unseren Blick auf die Müllberge und das darin verborgene Geld. Denn die Abfallentsorger, wie sie früher hießen, verdienten schon immer prächtig. Jahrzehntelang betrieben sie Sammelhalden und Verbrennungsanlagen, um den Müll endgültig loszuwerden, doch irgendwann setzte ein Umdenken ein. Es ist nicht gerade umweltschonend, wenn man Löcher in den Boden gräbt und jede Art von Müll einfach hineinkippt und dann Erde drüber schaufelt. Die Stoffe gären, es entstehen giftige chemische Verbindungen, die keiner auf der Rechnung hatte, Regenwasser wird hiermit kontaminiert und diese giftige Brühe sickert dann ins Grundwasser. Und auch die Emissionen der Müllverbrennungsanlagen wurden kritischer hinterfragt und die zulässigen Grenzwerte immer weiter verschärft.

Donnerstag, 13. April 2017

Blue Cap übertrifft die Erwartungen und macht für 2017 Lust auf mehr. Viel mehr...

Die Beteiligungsgesellschaft Blue Cap investiert überwiegend in süddeutsche mittelständische Nischenunternehmen und konzentriert sich dabei auf operativ tätige technologiegetriebene Gesellschaften mit bestehendem profitablem Kerngeschäft, die sich in Umbruch- oder Sondersituationen befinden. Im Klartext investiert man in sanierungsbedürftige oder insolvente Unternehmen, Konzernausgliederungen und in Gesellschaften mit ungelöster Unternehmensnachfolge. Die Tochterunternehmen werden eigenständig und unternehmerisch geführt.

Nachdem man im vergangenen Jahr aus der Insolvenz heraus die Vermögensgegenstände der Neschen AG übernommen hat, hinterlassen die Einsparungen und Synergieeffekte nun deutliche Spuren in der Blue Cap-Bilanz, wie die heute präsentierten vorläufigen Zahlen für 2016 belegen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2016 erwirtschaftete die Unternehmensgruppe einen vorläufigen Umsatz nach Erlösschmälerungen von 96,6 Mio. Euro (Vorjahr 79,8 Mio. Euro ) und ein vorläufiges EBITDA von 6,9 Mio. Euro (Vorjahr 5,7 Mio. Euro). Das EBIT wird bei 4,2 Mio. Euro (Vorjahr 3,7 Mio. Euro) und der Konzernjahresüberschuss nach Steuern bei 1,4 Mio. Euro (Vorjahr 1,2 Mio. Euro) liegen. Dabei wurde das operative Ergebnis (EBITDA und EBIT) um neutrale Erträge und Aufwendungen bereits bereinigt. Die Bilanzsumme ist angewachsen von circa 63,7 Mio. Euro auf circa 88,8 Mio. Euro. Das Eigenkapital wird zum 31.12.2016 voraussichtlich 21,1 Mio. Euro betragen.

Maßgeblich für den Anstieg von Umsatz und Bilanzsumme war vor allem die Akquisition der Neschen Gruppe, die zum 01.12.2016 in den Konsolidierungskreis der Blue Cap AG aufgenommen wurde, was zu einer Neubewertung von Blue Cap führen wird.

 Blue Cap (Quelle: finanzen.net
Der Bereiche Klebstoff- und Beschichtungstechnik entwickelte sich dann auch erwartungsgemäß positiv und in der Sparte Medizintechnik ist es gelungen Produktentwicklungen umzusetzen und für den Vertrieb notwendige Zertifizierungen abzuschließen - hier hatte ja die Tochter WISAP einige Zeit schwer zu kämpfen. Der Bereich Produktionstechnik und der damit verbundene Sondermaschinenbau blieb hinter den Erwartungen zurück - die Tochter Gämmerler macht weiterhin Probleme und das in 2016 aufgelegte Restrukturierungsprogramm entfaltet noch nicht genügend Wirkung. Allerdings ist die Umsetzung auch noch für 2017 angedacht, so dass hier durchaus begründete Erfolgshoffnungen bestehen.

Da es sich bisher nur um vorläufige Zahlen für 2016 handelt, kann man nicht wirklich großartige Einschätzungen abgeben, auch wenn eine Steigerung des EPS um 16,66% bzw. von 1,2 Mio. auf 1,4 Mio. Euro schon eine ordentliche Hausnummer ist. Zumal ein Großteil der Kosten für die Integration/Neuausrichtung von Neschen bereits in 2016 geleistet und verbucht wurde, das Unternehmen jedoch erst seit Dezember 2016 in der Blue Cap-Bilanz voll konsolidiert wird.

Vergleich mit Studie von Warburg-Research
Im Januar hatte Warburg Research eine Analyse zu Blue Cap abgegeben und wenn man die nun vorgelegten Zahlen mit deren Annahmen vergleicht, so konnte Blue Cap sämtliche Einschätzungen übertreffen.

Warburg Erwartungen für 2016
Umsatz: 93,7 Mio. Euro
EBITDA: 5,8 Mio. Euro
EBIT: 3,9 Mio. Euro
E: 1,3 Mio. Euro
EPS: 0,327 Euro

Blue Cap vorl. Zahlen 2016
Umsatz: 96,6 Mio. Euro
EBITDA: 6,9 Mio. Euro
EBIT: 4,2 Mio. Euro
E: 1,4 Mio. Euro
EPS: 0,352 Euro

Die vorläufigen Zahlen von Blue Cap liegen also allesamt deutlich über den Annahmen von Warburg. Und Warburg gab aufgrund der Januar-Analyse ein Kursziel von 14,50 € aus. Insofern hat Blue Cap für 2016 geliefert.

Verheißungsvoller Ausblick auf 2017
Vorstand Dr. Hannspeter Schubert gibt sich optimistisch für das laufende Jahr: "Die einzelnen Gesellschaften zeigen unabhängig voneinander aufgrund der Investitionen der vergangenen Jahre ein positives Wachstumsszenario. Das erste Quartal 2017 untermauert die positiven Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr". So wird für das erste Quartal 2017 ein Umsatz- und Ergebnissprung gegenüber dem Vorjahresquartal erwartet mit Umsatzerlösen von 35 Mio. Euro und einem EBITDA von 2,5 Mio. Euro.

Meine Einschätzung
Die hohen Erwartungen an 2016 wurden von Blue Cap übertroffen und und der Ausblick auf 2017 auf Basis des Q1 dürfte noch einiges an Potenzial bieten, auch für den Kurs der inzwischen im neuen Qualitätsbörsensegment Scale gelisteten Aktie. Mit dem Warburg-Kursziel von 14,50 € kann ich mich daher sehr gut anfreunden. Mit einer immer mal wieder diskutierten Aufnahme von Dividendenzahlungen rechne ich allerdings noch nicht für das Geschäftsjahr 2016; Genaueres hierzu dürften wir spätestens mit der Einladung/Tagesordnung zur Hauptversammlung am 11. August erfahren.

Blue Cap ist einer meiner Jahresfavoriten 2017 auf befindet sich auf meiner Empfehlungsliste sowie als eine der größten Positionen in meinem Depot.

Mittwoch, 12. April 2017

KAP: Carlyles Trüffelschwein für den Deutschen Mittelstand

Die KAP Beteiligungs-AG ist ein relativ unbeachtetes deutsches Beteiligungsunternehmen, das aber in nächster Zeit aus seinem Dornröschenschlaf erwachen könnte. KAP hat jahrelang in nicht immer  gut laufende Mittelständler investiert und ab und zu schöne Verkaufserfolge erzielen können. Was zu üppigen Dividendenausschüttungen führte, allerdings nicht in  jedem Jahr. Dann erfolgte der Strategieschwenk und die vorhandenen Mittel wurden in Aktien großer, börsennotierte Unternehmen angelegt. Was KAP für mich (noch) uninteressanter machte. Doch der Wind hat sich gedreht, denn ein neuer Großinvestor ist an Bord und mit ihm wird eine neue Strategie verfolgt. Und hier wird es dann auch interessant...

Montag, 10. April 2017

Stella Jones: Alles andere als auf dem Holzweg

Konsumgüterhersteller sind gefragt an der Börse und das schon seit einigen Jahren. Die früher als unsexy und langweilig verschrienen defensiven Titel erfreuten sich in Zeiten sinkender Zinsen zunehmender Beliebtheit, da immer mehr Anleger auf stetige Geschäftsmodelle und sichere, hohe Dividendeneinnahmen setzten. „Dividenden sind der neue Zins“ ist so ein neuer geflügelter Euphemismus, der in diesem Zusammenhang gerne gebraucht wird. Und es sprechen ja auch starke Argumente für Konsumgüterhersteller.

Sie liefern solide Umsätze ab, da die Menschen selbst in Zeiten von Unsicherheit und Rezession Dinge des täglichen Bedarfs einkaufen. Gespart wird woanders. Wer also nicht ständig auf seinen Depotauszug schaut, um sich an Kursgewinnen zu erfreuen, sondern wer mehr Wert auf einen steigenden Zahlungszufluss aus Dividenden- und Zinseinnahmen setzt, ist mit Aktien von Konsumgüterherstellern gut bedient. Trotz ihrer inzwischen teilweise recht anspruchsvollen Bewertung.

Bei Konsumgütern denken wird an Windeln, Zahnpasta, Nahrungsmittel, Taschentücher. Schauen wir über den Tellerrand hinaus, finden sich Geschäftsmodelle und Branchen, die nach demselben Muster funktionieren, aber dennoch keine Konsumgüter herstellen. Einen solchen Wert möchte ich heute vorstellen: Stella Jones.

Börsenweisheit der Woche 15/2017

"Kapitalanlage besteht darin, die Erträge eines Vermögensgegenstands während seiner Laufzeit vorherzusagen. Spekulation besteht darin, die Psychologie des Marktes vorherzusagen".
(John Maynard Keynes)

Freitag, 7. April 2017

American Water Works lässt Gewinne fließen

Wasser ist das Elixier des Lebens und der menschliche Körper besteht zu mehr als der Hälfte aus ihm – je jünger man ist, desto höher ist der Wasseranteil. Wir benötigen Wasser aber nicht nur zum Trinken, sondern auch für eine Vielzahl anderer Aktivitäten und in den Industriestaaten möchte kaum noch jemand die morgendliche Dusche missen.

Was für ein Glück, dass unsere Erde zu 71 Prozent mit Wasser bedeckt ist, so dass unser Bedarf mehr als gedeckt ist. Oder sein sollte, denn das meiste dieses Wassers ist für uns nicht zu gebrauchen. Das liegt daran, dass von den Unmengen an Wasser auf unserem Planeten 97 Prozent Salzwasser ist, das weder Mensch, Tier noch Pflanze zu sich nehmen kann. Nur etwas weniger als 3 Prozent des Wassers ist Süßwasser, also mit einem äußerst geringen Salzgehalt. Auch diese Menge würde mehr als ausreichend sein für unsere Bedürfnisse, doch leider ist das meiste Süßwasser an den Erdpolen in Form von Packeis gebunden. Nur etwa ein Drittel ist frei verfügbar und das überwiegend als Grundwasser. Nur 0,01% fällt in Form von Niederschlägen, wie Regen oder Schnee, auf die Erde.

Wasser ist also nicht in großen Mengen verfügbar und schon gar nicht überall. Der Mensch hat es in Jahrhunderten geschafft, viele Landstriche zu verseuchen und das Grundwasser zu kontaminieren. Oder die Umwelt so zu belasten, dass der Grundwasserspiegel dramatisch abgesunken ist. Was dazu führt, dass sauberes Trinkwasser für viele Menschen keine Selbstverständlichkeit ist, nicht nur in Dürregebieten in Afrika, im Nahen Osten oder Australien. Selbst bei uns im regen- und grundwasserreichen Nordeuropa gibt es inzwischen Gebiete, wo nicht ausreichend Wasser verfügbar ist, wo es also von anderen Orten hingebracht werden muss.

Mittwoch, 5. April 2017

Zwei Übernahmen: Deutsche Beteiligung formt europäischen Marktführer für Fertiggerichte

Die im Nebenwerte-Index SDAX gelistete Deutsche Beteiligungs AG ist eine der ältesten deutschen Beteiligungsgesellschaften und mit knapp 20 Prozent ist die Drogeriefamilie Rossmann an Bord. Die DBAG ist als Asset Manager tätig und investiert das Geld ihrer Aktionäre und Investoren in Unternehmensbeteiligungen. Vor einem halben Jahr führte die DBAG eine Kapitalerhöhung durch, um frisches Geld für neue Investments zu haben und legte umgehend den neuen Buy-out-Fonds DBAG Fund VII im Gesamtvolumen von 1 Mrd. Euro auf. Dabei sind höhere Co-Investitionen an der Seite des Fonds vorgesehen und der Eigenanteil der DBAG wird knapp 200 Mio. Euro, also rund ein Fünftel des Fondsvolumens.

Und inzwischen ist die DBAG sehr aktiv auf Akquisitionssuche für den Milliarden-Fonds. Als erste Investition tätigte man den Kauf zweier Radiologiepraxen, die künftig als ein regional führender Anbieter radiologischer Untersuchungen und Behandlungen am Markt operieren werden. Der Fonds erwirbt dabei die Anteile von einer Gruppe aus 18 Ärzten, die die beiden Gemeinschaftspraxen in den vergangenen Jahren geführt und sehr erfolgreich weiterentwickelt haben. Alle bisherigen Gesellschafter werden sich mit etwa 44 Prozent rückbeteiligen, die übrigen Anteile wird der DBAG Fund VII halten. Die DBAG selbst wird für ihre Co-Investition zunächst rund 15 Mio. Euro aus ihrer Bilanz aufwenden und auf sie entfallen künftig rund elf Prozent der Anteile. Der Vollzug des Kaufvertrags wird für die Jahresmitte erwartet; er bedarf noch der Zustimmung der Kartellbehörden und anderer Institutionen.

Politische Börsen haben kurze Beine

Donald Trump wird ist der nächste Präsident der USA, ein Gedanke, an den man sich erst gewöhnen muss. Die politischen Auswirkungen sind kaum abzuschätzen, doch eines steht seit der Wahl fest: es wird unberechenbarer.

Im Vorfeld der Wahl wiesen die Aktienkurse eine hohe Korrelation auf mit den Meinungsumfragen. Lag Trump in Führung, rauschten die Börsen nach unten, zog Clinton an ihm vorbei, erholten sich die Kurse. Nicht etwa, weil Clinton so beliebt war, sondern weil die Märkte sie und ihre Positionen zu kennen glaubten. Denn wenn die Börse eines hasst, dann ist es Unsicherheit. Und mit Clinton schien man auf der sichereren, weil berechenbareren, Seite.

Und doch kam alles ganz anders. Erst gab es zum Wochenstart eine Erholungsrallye, weil die Umfragen Clinton zur Siegerin ausriefen, doch der eine oder andere fühlte sich an das Brexit-Votum aus dem Sommer erinnert, das nach demselben Muster ablief. Kurz vor der Entscheidung schien sich alles zum Guten zu wenden, die Börsen nahmen diesen Erfolg vorweg, um dann geschockt ins Tal der Tränen abzustürzen.

Und in einem solchen Tal fand sich der DAX am Mittwochmorgen wieder, nachdem Trump als Sieger feststand. Satte 5 Prozent rauschte er vorbörslich in die Tiefe und alle, die zu diesen Kursen Bottom-Fishing betrieben, wurden stattlich belohnt. Denn nach dem kurzen Schock berappelte sich der DAX zusehends, auch die Futures auf den S&P 500 und den Dow Jones Index verließen das tiefrote Terrain und reduzierten ihre Verluste beinahe im Minutentakt. Zum Handelsende standen DAX und Dow Jones sogar mit jeweils mehr als einem Prozent im Plus. Verkehrte Welt? Irre Welt! 

Dienstag, 4. April 2017

MBB setzt nach Aumann-Erfolg auf Sonderdividende und weitere Übernahmen

MBB bestätigt die bereits veröffentlichten vorläufigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2016 und konnte einen neuen Umsatzrekord in Höhe von 332,2 Mio. Euro (Vorjahr 252,8 Mio. Euro) erzielen, was Wachstum von 31,4% entspricht. Das EBITDA befindet sich mit 30,4 Mio. Euro (Vorjahr 24,8 Mio. Euro) auf einem neuen Höchststand und die EBITDA-Marge beträgt 9,1%. Das Konzernergebnis beträgt 14,3 Mio. Euro (Vorjahr 11,8 Mio. Euro), so dass ein Ergebnis je Aktie in Höhe von 2,16 Euro (1,79 Euro im Vorjahr) erzielt wurde. Damit übertreffen Umsatz und Ergebnis die Managementprognose von 310 Mio. Euro Umsatz und 2,10 Euro Ergebnis pro Aktie. Die Konzernliquidität ist per Ende 2016 deutlich auf 77,4 Mio. Euro (54,0 Mio. Euro per Ende 2015) gestiegen und die Nettoliquidität hat sich auf 22,2 Mio. Euro (8,1 Mio. Euro per Ende 2015) erhöht. Das Eigenkapital stieg zum Ende des Geschäftsjahres 2016 auf 98,4 Mio. Euro (Vorjahr 87,7 Mio. Euro), was einer Eigenkapitalquote von 36,9% (Vorjahr 39,4%) entspricht.

Am 24. März 2017 hat die MBB-Tochter Aumann einen sehr erfolgreichen Börsengang durchgeführt, in dessen Zuge die MBB SE ihren Anteil durch Kapitalerhöhung und Umplatzierung von 93,5% auf 53,6% reduziert hat. Der für die MBB Aktionäre realisierte Wertzuwachs aus dem Börsengang wird gem. IFRS im ersten Quartal 2017 erfolgsneutral über das Konzerneigenkapital erfasst. Hierdurch erhöht sich das den Aktionären der MBB SE zuzurechnende Eigenkapital nach vorläufigen Zahlen um mehr als 140 Mio. Euro oder mehr als 21,00 Euro pro Aktie. Die Konzernliquidität steigt durch den Börsengang per Ende März 2017 nach vorläufigen Zahlen auf über 260 Mio. Euro, die Nettoliquidität auf über 210 Mio. Euro. Davon entfällt nach vorläufigen Zahlen eine Nettoliquidität von über 170 Mio. Euro auf die Konzernmuttergesellschaft MBB SE.

 MBB SE (Quelle: finanzen.net
2017 rechnet MBB mit einem organischen Umsatzzuwachs von 18% auf 390 Mio. EUR. Trotz des Abgangs eines wesentlichen Teils der Beteiligung an der Aumann AG, plant das Management ein Ergebnis je Aktie auf dem Vorjahresniveau. Diese Entwicklung wird erwartet, da der Auftragseingang und die Kapazitätsauslastung zu Beginn des neuen Geschäftsjahres auf organisches Wachstum bei allen MBB Tochterunternehmen hinweisen.

Das Management der MBB betrachtet die Eigenkapital- und Liquiditätsausstattung als hervorragende Voraussetzung, um einerseits im aktuellen Marktumfeld organisch sowie durch die Zukäufe neuer Tochterunternehmen zu wachsen. Für das Geschäftsjahr 2016 wird der am 28. Juni 2017 stattfindenden Hauptversammlung eine auf 61 Euro-Cent/Aktie oder 4,0 Mio. Euro (im Vorjahr 59 Euro-Cent/Aktie oder 3,9 Mio. Euro) steigende Dividende vorschlagen. Aufgrund des erfolgreichen Börsenganges wird zudem in gleicher Höhe eine Sonderdividende vorgeschlagen, so dass insgesamt 8,0 Mio. Euro an die Aktionäre ausgeschüttet werden sollen.

Meine Einschätzung
MBB kann hervorragende Ergebnis vorweisen und zeigt, dass es bei Übernahmen auf die richtigen Unternehmen setzt. Ruhig und bedächtig geht man vor und daher freut mich die Aussage, man wolle "im aktuellen Marktumfeld organisch sowie durch die Zukäufe neuer Tochterunternehmen" wachsen. Das erklärt auch, dass die Gesamtdividende von 1,22 Euro je Aktie recht mager ausfällt, von der Basisdividende von 0,61 je Aktie ganz zu schweigen. Mir gefällt da sehr, denn der Track-Record von MBB zeigt, dass das Geld im Unternehmen am besten eingesetzt werden kann. Und ich vertraue auf das Erfolgs-Duo Nesemeier/Freimuth und ihr Gespür für außerordentliche Gelegenheiten. Wie bei der Übernahme der Claas Fertigungstechnik und beim Kauf der Aumann-Gruppe, aus denen MBB dann die Aumann AG formte.

MBB wird momentan mit rund 575 Mio. Euro bewertet und zieht man davon die Nettoliquidität von rund 170 Mio. Euro ab, bleiben knapp 405 Mio. Euro. Aumanns Börsenwert liegt bei 720 Mio. Euro (Aktienkurs von 51,50 Euro) und MBB hält jetzt 53,5%, macht 385 Mio. Euro. Die Differenz beträgt mal gerade 20 Mio. Euro und darunter fällt ja auch Delignit, deren Börsenbewertung bei 36,5 Mio. Euro liegt und MBBs Anteil von 76% steht alleine hier schon für 27,5 Mio. Euro. Was nichts anderes heißt, als dass beim aktuellen MBB-Börsenkurs von 86 Euro alle sonstigen MBB-Aktivitäten ohne Aumann und Delignit sogar mit einem Abschlag von 7,5 Mio. Euro bewertet werden. Würde heißen, der Markt geht davon aus, dass die übrigen Töchter Verluste einfahren und/oder Sanierungsfälle sind, die nur Geld verschlingen. Doch genau das Gegenteil ist der Fall!

Denn nach Aussage des MBB-Vorstands laufen alle Konzerntöchter hervorragend und weisen deutliches organisches Wachstum auf. Sie müssten also mit einem deutlichen eigenen Anteil in die Bewertung einfließen, nicht mit einem Abschlag. Man kann es nun so interpretieren, dass der MBB-Kurs aktuell mit einer Sicherheitsmarge versehen ist, oder dass es noch einige an Kurspotenzial bis zum fairen Wert gibt. Oder beides. Vermutlich wird der Kurs nach der starken Rallye erst einmal eine Zeit lang konsolidieren, aber spätestens wenn die nächste Übernahme eingetütet wird, dürfte er wieder anspringen und Kurs auf die 100-Euro-Marke nehmen. Oder wenn die Töchter, inkl. Aumann, weiter so stark und profitabel wachsen. Und die Aussage des Managements spricht auch dafür, dass die 76,08-Prozent-Tochter Delignit demnächst mit tollen Zahlen und Perspektiven aufwarten wird.

Sowohl MBB als auch Delignit befinden sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.


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ERGÄNZUNG VOM 15.05.2017, 18:43

▸ Hauck & Aufhäuser hebt Kursziel auf 120 Euro

Die Analysten von Hauck & Aufhäuser bestätigen die Kaufempfehlung für die Aktien von MBB und heben das Kursziel von bisher 86,00 auf 120,00 Euro an. Sie gehen von mindestens einem großen Zukauf in diesem Jahr aus und rechnen mit einem Gewinn je Aktie von 2,61 Euro, während MBB selbst 2,16 Euro prognostiziere. H&A sieht dies als sehr konservativ an und erwartet eine Prognoseanhebung mit Vorlage der Halbjahreszahlen im August.

DIC Asset, Publity, WCM: Was geht bei den Gewerbeimmobilien-Profis?

Im Gewerbeimmobilienbereich tut sich was und das nicht zu knapp. Käufe, Verkäufe und Übernahmespekulationen treffen auf ein Umfeld niedriger Zinsen und explodierender Mieten - und Preise.


DIC Asset
So verkauft DIC Asset ein Immobilienpaket im Volumen von 143 Mio. Euro bestehend aus zehn Liegenschaften in deutschen A- und B-Städten. Dabei handelt es sich vorwiegend um Single-Tenant-Büroobjekte in deutschen A- und B-Städten, wie unter anderem Hamburg, Köln, Mannheim und Erlangen mit einer Gesamtmietfläche von 100.000 Quadratmetern. Die erwirtschafteten annualisierten Mieteinnahmen der verkauften Liegenschaften liegen bei rund 11 Mio. Euro. DIC Asset will durch gezielte Verkäufe sein Commercial Portfolio optimieren und weiterentwickeln und mit dieser Transaktion hat DIC Asset bereits zwei Drittel des für 2017 kommunizierten Verkaufsziels erreicht.

Meine Einschätzung
Mit dem Verkauf kommt DIC Asset dem Ziel, zu einem Asset Manager für deutsche Gewerbe-Immobilien zu werden, einen großen Schritt näher. Der Eigenbestand wird reduziert und die ins Unternehmen fließenden 143 Mio. Euro können nun für weitere Co-Investments genutzt werden, um die AuM kräftig auszuweiten. Zudem dürften durch den Verkauf erhebliche stille Reserven aufgelöst worden sein und in Form von üppigen Gewinnen in die GuV einfließen. DIC Asset notiert weiterhin deutlich unterhalb des NAV, den das Unternehmen per 31.12.2016 mit 12,83 Euro ausweist, und bleibt eine interessante Depotbeimischung im Immobiliensektor, zumal die Neuausrichtung hin zum Asset Manager zusätzliches Potenzial bietet und gleichzeitig Risiken reduziert.

Geschäftsbericht der DIC Asset zum 31.12.2016


Publity
Publity kann ebenfalls einen Verkaufserfolg melden, nachdem man zuletzt verstärkt auf der Käuferseite zu finden war. Der geschlossene AIF "publity Performance Fonds Nr. 8", welcher Anfang 2016 in die Platzierung ging, verkauft das im Juli 2016 erworbene Bürogebäude in der Berner Straße in Frankfurt am Main, welches langfristig an zwei Tochterunternehmen aus dem Unternehmensverbund der WISAG voll vermietet ist, nachdem erst im Oktober das Asset Management Team von Publity über 1.600 m² an die WISAG Facility Management GmbH & Co. KG vermieten konnte. Publity sieht die schnelle Weiterveräußerung als Erfolg für seine "Manage-to-Core-Strategie", bei der Immobilien mit Wertsteigerungspotenzial erworben und wieder veräußert werden, nachdem sie wertsteigernd durch das Asset Management der Publity entwickelt wurden.

Und erst kürzlich hat Publity ein weiteres Asset Management Mandat eines institutionellen Investors erhalten, nämlich von der Consus Commercial Property AG, die von Publity-CEO und Großaktionär Olek gegründet wurde.

Publity wird für Consus Commerical Property am deutschen Markt attraktive Büroimmobilien identifizieren, den Ankaufsprozess begleiten und bei der anschließenden Wertentwicklung als Asset Manager fungieren. Die entsprechende vertragliche Vereinbarung wurde zu den bei Publity üblichen Konditionen geschlossen. Damit adressiert Publity eine neue Größenklasse von Büroimmobilien mit einem Ankaufspreis zwischen 10 und 25 Mio. Euro. Der Investitionsschwerpunkt liegt dabei auf etablierten Bürostandorten in deutschen Metropolregionen. Bereits zum Auftakt der Zusammenarbeit wurde ein Bestandsportfolio von Gewerbeimmobilien im Marktwert von über 200 Mio. Euro im Einzelankauf erworben.

Meine Einschätzung
Die Geschäfte scheinen reibungslos zu laufen und Publity vermeldet Ankaufs- und Vermietungserfolge in Serie. Der Consus-Deal birgt den Vorteil, dass Consus auf Publitys Research zurückgreifen und dafür bezahlen wird und Publity auf der anderen Seite kleinere Objekte in den Fokus nehmen kann, die man bisher nicht bedienen kann.

Publity bleibt ein Investment für Anleger mit robustem Magen, die auch stärkere Kursschwankungen aushalten, ohne gleich nervös zu werden.


WCM
WCM hat drei Einzelhandelszentren mit rd. 88.000 Quadratmetern vermietbarer Fläche gekauft und damit die am 1. Dezember 2016 vermeldete Transaktion des Mia-Portfolios erfolgreich abgeschlossen. Die annualisierten Mieteinnahmen betragen 7,6 Mio. Euro, die Funds from Operations (FFO I) rund 4,3 Mio. Euro und der Nettokaufpreis von 98,2 Mio. Euro wurde mit Eigenmitteln und einer deutschen Großbank zu attraktiven Konditionen finanziert. Mit der Transaktion liegt der Schuldzins für das Gesamtportfolio nunmehr knapp 2%.

Der Buchwert des WCM-Portfolios beträgt zum Stichtag 31. März 2017 rund 800 Mio. Euro. Die annualisierten Mieteinnahmen steigen auf insgesamt 47,5 Mio Euro und die vermietbare Gesamtfläche erhöht sich auf über 426.000 Quadratmeter. Die Leerstandsrate liegt bei 4,3% und die durchschnittliche Restlaufzeit der Mietverträge (WALT) bei aktuell 8,2 Jahren.

Meine Einschätzung
WCM hat keine Zukäufe mehr in Arbeit, alle gemeldeten Transaktionen sind "geclosed". Der Kauf von Einzelhandelszentren begeistert mich allerdings nicht wirklich denn auch der Lebensmitteleinzelhandel wird zunehmen durch Online-Handel bedroht, namentlich durch Amazon und seine Angebot Amazon Fresh und Amazon Dash. Ich hatte diese disruptive Entwicklung schon mal beschrieben in meinem Artikel "Enttäuschung? Nein! Bei Amazon kauft jeder ein. Auch ich...". Edeka, Rewe, Lidl & Co. haben nämlich eine entscheidende Schwachstelle: bei ihnen fehlt das Einkaufserlebnis. Niemand geht gerne im Supermarkt einkaufen, das ist eine lästige Pflichtaufgabe. Und diese wird zunehmend von den Einzelhändlern selbst ersetzt (Rewe Lieferservice) und eben auch von Amazon.

Bringt uns zurück zu den Immobilien. Denn für die Lieferungen benötigt man keine Supermärkte, man braucht Logistikstandorte, von denen aus die frischen Waren transportiert werden. Rewe dockt sein Lieferprogramm momentan noch bei den lokalen Supermärkten an, aber das ist nur eine Übergangslösung. Ich denke, die Supermärkte werden eine ähnliche Entwicklung nehmen wie die Banken. Auch da fing es langsam an und dann beschleunigte sich der Trend. Wer, wie Fair Value REIT, stark auf Immobilien mit Bankfilialen gesetzt hat, hatte ein echtes Problem vor der Brust. Und die Supermarkt-Immobilien werden folgen. Nicht heute, nicht morgen, aber in einigen Jahren wird das bereits losgehen und dann immer schneller um sich greifen. Daher halte ich wenig von langfristigen Investitionen in diese Immobilien, da die auch schwerlich für etwas anderes genutzt werden können. Jedenfalls nicht zu annähernd vergleichbaren Mietkonditionen. Und das hat durchaus starke Auswirkungen auf den Wert und die Rendite.

Bei WCM wird momentan auch eher die Übernahmekarte gespielt, weil Großaktionär DIC Asset seinen Anteil zuletzt über die Schwelle von 25% ausgebaut hatte und einige nun von einer Komplettübernahme von WCM ausgehen. Ich hatte dies bezüglich ja bereits im Januar auch schon Überlegungen angestellt, gehe aber nach wie vor davon aus, dass eine Übernahme frühestens zum Jahresende erfolgen würde. Wenn überhaupt. Denn "Mr. WCM" Karl Ehlerding wird hier auch ein Wörtchen mitreden wollen und DIC Asset kaum kampflos das Feld überlassen. Vermutlich wird es daher eher auf eine Kooperation oder einen Asset-Deal hinauslaufen. Aber das bleibt abzuwarten, es bleibt auf jeden Fall spannend.

DIC Asset, Publity und WCM befinden sich auf meiner Empfehlungsliste.

Montag, 3. April 2017

Börsenweisheit der Woche 14/2017

"Erfolgreiches Investieren benötigt Zeit, Disziplin und Geduld. Unabhängig davon, wie groß Dein Talent oder Deine Anstrengungen sind, einige Dinge brauchen einfach Zeit: Man kann kein Kind in einem Monat bekommen, indem man neun Frauen schwängert."
(Warren Buffett)