Mittwoch, 14. September 2016

Deutsche Beteiligungs AG tankt frisches Geld für neue Co-Investments

Die 1965 gegründete Deutsche Beteiligungs AG (DBAG) ist eine der ältesten deutschen Beteiligungsgesellschaften, bei der mit knapp 20 Prozent die Drogeriefamilie Rossmann mit an Bord ist. Das SDAX-Mitglied ist weniger auf Sanierung und Exit seiner Töchter aus, sondern mehr auf Bestandsauf- und ausbau. Daneben hat man vor einigen Jahren Beteiligungsfonds aufgelegt (ganz klassisch wie die US-Finanzinvestoren KKR oder Blackstone), in die Investoren Geld einbringen können, ohne sich direkt an der DBAG AG beteiligen zu müssen. Die DBAG übernimmt an diesen Fonds auch selbst Anteile bzw. tritt bei Investment des Fonds als Co-Investor auf und erhält von den Fonds Management-Gebühren. Über diese Konstruktion kann die DBAG mit dem gleichen Eigenkapitalanteil wesentlich mehr bewegen, da ja der Großteil der Gesamtinvestitionen von Investoren stammen. Der EK-Hebel bei einem erfolgreichen Verkauf der Beteiligung ist entsprechend geringer, aber über die Beteiligungsdauer fließen der DBAG stetige Erträge aus den Provisionen der Fonds zu. Sie hat also ihr Geschäftsmodell verstetigt, nachdem sie über die letzten 15 Jahre betrachtet 15,2% und über die letzten 10 Jahre immerhin noch 13% an durchschnittlich Erträgen für ihre Aktionäre erwirtschaftet hat.

Kapitalerhöhung für weitere Co-Investments
Soeben hat die DBAG verkündet, frisches Geld am Kapitalmarkt aufzunehmen. Und zwar soll das Grundkapital der Gesellschaft von €48.533.334,20 aus genehmigtem Kapital gegen Bareinlage um nominal bis zu €4.853.330,23 (entsprechend rund 10% des derzeitigen Grundkapitals) auf bis zu €53.386.664,43 erhöht werden durch Ausgabe von bis zu 1.367.635 neuen, auf den Namen lautenden Stückaktien der Gesellschaft. Das Bezugsrecht der bestehenden Aktionäre der Gesellschaft wird ausgeschlossen und die neuen Aktien sind für das laufende, am 30. September 2016 endende Geschäftsjahr 2015/2016 dividendenberechtigt.

 Deutsche Beteiligungs AG (Quelle: finanzen.net) 
Die DBAG ist in letzter Zeit eine ganze Reihe von Investments eingegangen für ihre diversen Fonds. Und immer ist sie auch als Co-Investor mit einem niedrigen Prozentanteil mit an Bord. Der jüngste Einstieg beim MedTech-Unternehmen Polytech kostet die DBAG bis zu €12 Mio. an Eigenmitteln für einen 18%-Anteil, rund 76% übernimmt der DBAG Fund VI und die übrigen Anteile wird das Management des Unternehmens erwerben. Der Vollzug des Kaufvertrags wird innerhalb der kommenden sechs Wochen erwartet. Polytech ist die zehnte Beteiligung des DBAG Fund VI, der nach dieser Transaktion zu mehr als 75 Prozent investiert ist. Somit bleibt noch Raum für eine weitere Akquisition, da die DBAG-Fonds grundsätzlich nicht mehr als 85% des Kapitals investieren, um noch trockenes Pulver zu haben für Add-on-Zukäufe für die Portfoliounternehmen.

Die DBAG ist also nicht etwa in Schwierigkeiten, sondern sie ist sehr erfolgreich am Markt unterwegs - und dafür benötigt sie frisches Geld. Während sie Investorengelder für die neuen Fonds akquiriert, ist sie auch auf Eigenkapital angewiesen, um selbst ihre Co-Investments leisten zu können. (Nur) so wird auch ein größtmöglicher Mehrwert für die Aktionäre geschaffen.

Mit dem neuen Buy-out-Fonds DBAG Fund VII im Gesamtvolumen von €1 Mrd., der zwischenzeitlich erfolgreich eingeworben wurde, vergrößert sich künftig die Basis für die Erträge aus der Fondsberatung. Zugleich sind höhere Co-Investitionen an der Seite des Fonds vorgesehen; der Eigenanteil der DBAG wird knapp €200 Mio. betragen und somit rund ein Fünftel des Fondsvolumens. Die frisch eingeworbenen Gelder aus der Kapitalerhöhung sind also bereits verplant und werden nicht lange auf dem Girokonto zinslos vor sich hin darben.

Deutlich besseres Quartalsergebnis erwartet
Das dritte Geschäftsquartal war mäßig verlaufen, jedenfalls was das Bewertungsergebnis betrifft, weil das Brexit-Votum die Börsenkurse abschmieren ließ und die DBAG aufgrund ihrer Bilanzierung nach IFRS entsprechend ihre Beteiligungen um satte €12 Mio. abgewertet hat. Inzwischen haben die Börsen den Brexit-Schock verdaut und neue Höchststände erklommen - sollte das jetzige Quartal auf diesem Börsenniveau abschließen, dürften also mindestens diese €12 Mio. an Zuschreibungen das Quartalsergebnis pushen - zuzüglich der ohnehin erfolgreichen operativen Ergebnisentwicklung. Und nachdem das Management kürzlich erst noch seine Jahresprognosen bestätigt hatte und schon einige lukrative Exits erfolgt sind, dürfte die DBAG auf ein weiteres äußerst erfolgreiches Jahr zusteuern.

Meine Einschätzung
Die Kapitalerhöhung verwässert zwar den Anteil der Altaktionäre, aber das frische Geld dient dem Ausbau des Geschäfts und der damit verbundenen Co-Investments. Es schafft also Mehrwert, auch für die Altaktionäre, und daher sollte der Kursdämpfer nur von kurzer Dauer sein. Ich habe ihn jedenfalls genutzt, um meinen DBAG-Bestand etwas auszubauen, denn ich halte die DBAG für eine echte Mittelstandsperle mit mittel- und langfristig hervorragendem Wertsteigerungspotenzial. Die Aktie notiert aktuell mit einem Aufschlag von rund 10% zu ihrem NAV, was aufgrund des hervorragenden Track-Records des Managements, der weiterhin positiven Aussichten und der attraktiven Dividendenrendite oberhalb von 3% mehr als verständlich ist und künftigen Kurssteigerungen nicht im Weg stehen sollte. Zumal seit einiger Zeit, insbesondere dank des Niedrigzinsumfelds, auch die Unternehmen aus der Peer-Group der DBAG an der Börse mit teilweise satten Aufschlägen auf den NAV bepreist werden.

Die DBAG befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.


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Ergänzung vom 15.09.2016
Die Deutsche Beteiligungs AG hat die am 14. September 2016 angekündigte Erhöhung des Grundkapitals um rund zehn Prozent erfolgreich abgeschlossen. Die 1.367.635 neu ausgegebenen Stückaktien wurden zu einem Preis von €28,25 pro Aktie bei deutschen und internationalen institutionellen Investoren platziert und damit in etwa auf dem Niveau von vor der Ankündigung der Kapitalerhöhung. Die Platzierung führt zu einem Bruttoerlös von rund €38,6 Mio.


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Ergänzung vom 16.09.2016
Nach der erfolgreichen Kapitalerhöhung hebt das Analysehaus Warburg Research sein Kursziel auf €35 (€32,50) an; die Empfehlung lautet weiterhin "buy". Bis die neuen Investments zu Ergebnisbeiträgen bei der DBAG führen, vergehe in der Regel ein Jahr. Die Kurszielanhebung erfolge daher auch, weil man nun den Fokus der Value-Indikatoren bereits auf die Erwartungen für 2018 richte und nicht mehr auf 2017.

Kommentare:

  1. Nicht, dass die Kapitalerhöhung so gut ankommt wie bei Pulity...

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    1. Das wollen wir nicht hoffen, Moritz. Allerdings hatte Publity sich auf der HV neues Kapital genehmigen lassen, um dann am Folgetag ex-Dividende gehandelt zu werden und gleichzeitig die Kapitalerhöhung zu verkünden. Das haben wohl viele Aktionäre als Schlag ins Gesicht empfunden, denn so konkret wurde hierzu auf der HV nichts gesagt. Im Gegenteil, CEO Olek hatte zuvor in der Presse verkündet, für 2016 komme man ohne Kapitalmaßnahme aus. Bei der DBAG sind die Voraussetzungen völlig andere...

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  2. Sehr interessante Aktie. Wie schätzen Sie hier das Management ein? Hat dieses "Skin in the Game". Rossmann hat keinen Einfluss auf das Tagesgeschäft?


    PS. Ich sehe da ein Muster in Ihren Aktien-Vorlieben (Fremd-EK-gehebelte Assett Manager). Könnte dies zu einer Klumpen-Risiko-Blidung von unerwarteter Seite führen (wenn z.B. Fondsgesetzte geändert werden?). Das gute an Beteiligungsgeselschaften ist ja, dass diese in sich diversiviziert sind.

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    1. Rossmann hält sich heraus, das operative Geschäft der DBAG liegt alleine beim Vorstand.

      Ich habe durchaus einige Schwerpunkte auf meiner Empfehlungsliste. Beteiligungsgesellschaften, Turnaroundwerte und Asset-Manager. Inkl. Überschneidungen. Diese Schwerpunkte setz(t)e ich, weil ich diese Branchen und diese Unternehmen für besonders aussichtsreich erachte. In meinem Depot achte ich allerdings schon darauf, durch die Gewichtung der Einzelwerte und in ihrer Summe keine allzu große Klumpenbildung vorzunehmen. Ganz gelingt das natürlich nicht, da sich die Aktien ja auch über die Zeit entwickeln und die Positionen bisweilen deutlich anschwellen (siehe Aurelius). Ab und zu passe ich die Positionsgrößen dann auch mal an. Wobei ich grundsätzlich nichts gegen eine bewusste Gewichtung einiger Kerninvestments habe, ich bevorzuge diese Investmentweise sogar. Wie Warren Buffett. Schaut man sich sein Portfolio an, so ist es doch sehr finanzlastig (Banken und Versicherungen). Erst in den letzten zwei, drei Jahren hat er hier ganz bewusst diversifiziert (Kraft, Heinz, Duracell, Phillips66, Precision Castparts).

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