Sonntag, 7. Juli 2019

Kissigs Klookschieterei: Die Börsenwoche 27/2019 im Rückspiegel mit Tomra Systems, UET United Electronic Technology, WashTec

Die letzte Börsenwoche verlief relativ entspannt, zumal am Donnerstag in den USA der "Independance Day" gefeiert wurde und dem entsprechend die Weltleitbörse pausierte. Die Welt konnte sich also um sich selbst kümmern, da US-Präsident Trump vor allem damit beschäftigt war, eine große Militärparade abzuhalten und damit den aussöhnlichen Charakter der 4. Juli-Feierlichkeiten ad absurdum zu führen. Als er damit fertig war und am Freitag wieder ins (Twitter-) Geschehen eingriff, sackten die Börsen auch prompt deutlich ab. Denn der Donaldissimo feuerte eine Breitseite gegen die Währungspolitik fast jeder Nation, auch die der US-Notenbank, und das wurde als Androhung eines globalen Währungskriegs verstanden. In meiner Kindheit war immer James Bond zur Stelle, wenn sich irgendwo wieder jemand zum Welt-Diktator aufschwingen wollte. Aber der gute als Bond steuert momentan auf seine nächste Rente zu, da hat er wohl leider anderes zu tun. Aber auch Besseres...?


Börsentheater, 1. Akt: Die Politik


Im Nahen Osten laufen die USA und Iran weiter auf einen "warmen" Krieg zu. Beide Seiten rasseln mit den Säbeln und die EU sitzt mal wieder zwischen allen Stühlen. Die Uneinigkeit in der EU ist dort das vorherrschende Thema, sei es der Brexit oder aber auch das Geschachere um die Besetzung der wichtigsten Spitzenposten innerhalb der EU nach der Europawahl. Die Staats- und Regierungschefs haben nun eine Lösung ausbaldovert, die nicht nur überraschend ist, sondern auch auf heftigen Widerstand stößt. Denn wie Kai aus der Kiste wird von ihnen auf einmal die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ins Rennen um die EU-Kommissionsspitze geschickt. Und aus Deutschland massiv torpediert. Die Spitze der EZB soll die Französin Christine Lagarde übernehmen, die seit acht Jahren Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF) ist und zuvor einige Jahre Wirtschafts- und Finanzministerin im sozialistischen Kabinett unter Präsident Francois Hollande. Während die Regierungslenker eine Einigung erzielt haben, manche würden es einen Minimalkonsens nennen und nicht gerade einen großen Wurf, muss am Ende das EU-Parlament diesen Nominierungen zustimmen. Und das dürfte nicht einfach werden.

Also lieber nochmal zurück in die USA. Denn dort fielen die Rekorde, nicht nur durch neue Börsenhöchststände, sondern auch bei den Wirtschaftsdaten. Es wurden nämlich die Arbeitsmarktdaten vorgelegt und zum einhundertundfünften Mal in Folge gab es eine Steigerung bei den US-Jobs. Das ist die längste Wachstumsperiode in der Geschichte der USA und zeigt, wie robust die US-Wirtschaft noch immer ist. Mit zwei unschönen Nebeneffekten: die Unternehmen finden kaum noch Leute für die offenen Stellen, auch und gerade bei den schlechter bezahlten Jobs, und die robuste US-Wirtschaft macht es für die FED nicht einfacher, die Zinsen zu senken. Was von Donald Trump aber vehement eingefordert wird. Und auch von seiner Kandidaten für einen der vakanten Führungspositionen bei der FED, die nicht nur den Goldstandard befürwortet, sondern sich auch vehement für Zinssenkungen einsetzt. Trumps Eröffnungszug im Währungskrieg? Und wenn ja, was wird dann noch folgen?


Börsentheater, 2. Akt: Die Unternehmen


So, nun aber zum Eingemachten und einigen interessanten Meldungen zu aktuellen oder ehemaligen Unternehmen auf meiner Beobachtungsliste.

Meine Beobachtungsliste ist um ein weiteres Unternehmen geschrumpft, nachdem es erneut enttäuscht hat. Dafür habe ich ein anderes Unternehmen auf die Liste genommen, das ich schon länger beobachte und auch schon einmal ausführlich im Aktien Magazin von Traderfox vorgestellt habe. Es erscheint leider irgendwie immer zu teuer bepreist zu sein, wie bei Qualitätsunternehmen mit starkem Burggraben üblich, aber nachdem sich die Perspektiven nochmals aufgehellt haben und es einen Kursrücksetzer gab, habe ich nun endlich zugeschlagen. Dazu später mehr...


Tomra Systems

Die Norweger sind in einem stark wachsenden Markt tätig, dem Sortieren. Klingt auf den ersten Blick nicht so spannend, ist es aber doch. Denn die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig und zuvorderst ist Tomra Systems bekannt durch seine vielen Flaschen-Rückgabe-Automaten, die wir alle aus Einzelhandelsmärkten kennen. Recyling oder "Urban Mining" ist ein Megatrend in den Industrieländern, das hatte ich am Beispiel des führenden US-Müllunternehmens Waste Management mal ausführlich dargelegt ("Waste Management oder der Geruch des Geldes"). Neuer ist der weltweite Kampf gegen den Plastikmüll und Mikroplastik, den die EU bereits vor einem Jahr aufgenommen hat und der inzwischen immer mehr in unserem Bewusstsein landet - nicht zuletzt deshalb, weil immer mehr Länder Asiens die dorthin verschifften Müll- und Plastikberge nicht mehr annehmen und einfach wieder in die Herkunftsländer zurückschicken: zu uns. Mit der Folge, dass wir uns selbst um unseren Müll kümmern müssen, um das Sortieren, das Trennen, das Recyceln und am Ende das Verbrennen.

Das kostet viel Geld und steigende Müllgebühren sind zu keinem Zeitpunkt ein Wahlkampfschlager für Politiker. Eine positive Folge hieraus ist, dass zusammen mit der wachsenden Umwelt- und Klimaschutzbewegung "Fridays for Future" die Initiative zum schonenderem Einsatz von Energie und Ressourcen und zur Müllvermeidung immer mehr Fahrt aufnimmt.

Man ahnt es schon: im Plastikmüll steckt viel Geld und auch wenn noch nicht klar ist, wie am Ende die gesetzlichen Regelungen konkret aussehen, ergibt sich doch ein klares Muster: es sollen mehr Wertstoffe wiederverwertet werden. Und dabei wird Tomra Systems einer der ganz großen Gewinner sein. Was nicht nur daran liegt, dass Tomra bereits Marktführer im Bereich der Pfandautomaten ist, sondern weil das Unternehmen die dahinterstehende Technologie längst auch in anderen Sparten einsetzt und in weitere Branchen expandiert.

Während in den Anfängen des Recylings noch auf Handarbeit gesetzt wurde, wird heutzutage das Sortieren überwiegend von Maschinen übernommen. Hierbei werden ausgeklügelte System eingesetzt, die vor allem über Sensoren und Kameras optische Erkennung ermöglichen. Nur so lassen sich die verschiedenen Materialien und Stoffe effektiv trennen. Und es liegt förmlich auf der Hand, dieses Systeme auch woanders einzusetzen, wo nach dem gleichen Prinzip vorgegangen werden kann.

Horizontales und vertikales Wachstum
Neben der Expansion in die Breite entwickelt Tomra Systems seine Anlagen aber auch ständig qualitativ weiter. So wurde letztes Jahr ein neuartiges Sortiersystem vorgestellt, dass zwischen ein- und mehrwandigen Kunststoffen unterscheiden kann. Damit können sowohl PET-Flaschen als auch Plastikbehälter für Obst und Gemüse im selben Arbeitsschritt getrennt werden. Das ist insofern ein großer Fortschritt, als dass die Verpackungen und Flaschen vor dem Sortieren ja zunächst zerkleinert werden, um sie überhaupt sortieren und trennen zu können. Und dass Tomra hier nun die Qualität seiner Linsen weiter optimieren konnte und damit die Erkennung von mehr und schwieriger zu erkennenden Merkmalen ermöglicht hat, wird nicht nur im Bereich der Kunststoffe einen großen Fortschritt bringen, sondern auch in anderen Einsatzgebieten.

Denn Tomra ist auch bei der Sortierung von Lebensmitteln groß im Geschäft, denn Tomras inzwischen größte Sparte ist die der Lebensmittel-Sortier-Anlagen. Konsumenten fragen zunehmend verpackte Lebensmittel nach und gleichzeitig steigt die Nachfrage nach gesunder Nahrung wie Nüssen oder getrockneten Früchten. Diese müssen nicht nur abgewogen, sondern auch nach Qualität und ggf. Farbe sortiert werden. Dafür benötigt man optische Sensoren und Systeme, die diese Auswahlprozesse voll automatisch übernehmen. Und ob nun unterschiedliche Nussarten oder Metall- von Plastikschnipseln separiert werden sollen, beiden Vorgängen liegt der gleiche Mechanismus zugrunde und das schafft für Tomra Systems weitere Potenziale.

Wachstumsschübe durch Übernahmen
Doch Tomra wächst nicht nur aus sich selbst heraus, sondern auch durch gezielte Übernahmen. So hat Tomra seine Expansion im Sektor globaler Lebensmittelsortierlösungen mit der Übernahme der BBC Technologies fortgesetzt. Hierdurch kommen die Präzisionssortiersysteme und innovativen Fülllösungen für Körbchen und Klappschalen für Blaubeeren und andere Kleinfrüchte zu Tomra Foods eigenem Angebot an Fruchtinspektions- und -sortiertechnologie hinzu.

Des Weiteren hat Tomra auch www.freshtracker.com übernommen, eine innovative Software, mit der Tomra seine anderen Entwicklungen bei Daten- und Analyselösungen ergänzen will. Freshtracker ermöglicht die Rückverfolgbarkeit der Ursprünge und Merkmale von einzelnen Produkten vom Erzeuger, der Verarbeitung und Verpackung bis hin zur Verkaufsstelle.

Und auch in meiner Heimatstadt wurde ein aufstrebendes Unternehmen aus dem Bereich der Sortierung von abgebauten Rohstoffen übernommen und auch wenn diese Übernahme schon einige Jahre zurückliegt, erinnert mich das Firmenschild bei jedem erneuten Dranvorbeifahren wieder daran, in welche Bereiche Tomra sein Business noch skalieren kann und welche Wachstumsmöglichkeiten sich diesem Unternehmen noch bieten.

Und dann auch noch E-Mobilität
Recycling und Wertstoffgewinnung sind an sich schon interessante, zukunftsweisende Themen, aber Tomra Systems ist vor einiger Zeit auch noch in einen besonders trendigen Markt eingestiegen: das Recycling von Elektrobatterien. Wer immer das Rennen um das beste Elektroauto auch machen wird, BMW, BYD oder Tesla, es wird nicht ohne Energiespeicher gehen. In den nächsten Jahren wird es eine Flut an neuen Modellen geben und die meisten werden als Elektroautos auf den Markt kommen. Und auch bei Lkws befeuern Daimler und Tesla diesen Trend hin zur Elektromobilität.

Trotz aller Qualitätsprobleme will Tesla in seiner Gigafactory neben Autobatterien Energiespeicher für die regenerative Energiegewinnung fertigen, die in Gebäuden zum Einsatz kommen sollen. Und natürlich nutzen wir alle Smartphones, Tablets oder auch Wearables. Alle diese Entwicklungen haben gemein, dass sie Strom verbrauchen und möglichst ohne Kabel auskommen müssen. Daher benötigen sie Energiespeicher bzw. Batterien. Die beste und gängigste Batterietechnik ist aktuell noch die der Lithium-Ionen-Batterien und je mehr Geräte diese Speicher nutzen, desto mehr werden auch verschlissen. Und landen auf dem Müll. Doch neben Lithium werden auch große Mengen anderer Rohstoffe und Edelmetalle benötigt, wie Kobalt, Kupfer, Wolfram und die sogenannten Seltenen Erden. Die sind nicht in unbegrenzten Mengen verfügbar, daher drängt es sich geradezu auf, die einmal in den Akkus verbauten Wertstoffe wiederzuverwerten. Vor allem in so rohstoffarmen Regionen wie Europa.

Meine Einschätzung
Tomra Systems ist führend beim Sortieren und beim Recyclen und man versteht es, die dahinterstehende Technik immer weiter zu verbessern und damit in angrenzende Branchen vorzudringen. Man bedient einen schnell und schneller wachsenden Markt und vergrößert diesen durch Expansion und Übernahmen ständig – das bringt überdurchschnittliches Wachstum. Und weil man nicht jedes Mal das Rad neu erfinden muss, sondern seine Ideen immer wieder woanders neu einsetzen kann, erzielt man Skaleneffekte und damit sich stetig verbessernde Margen.

Ich erwähne das, weil Tomra Systems Mitte Juni erstmals über 30 Euro notierte und mit einer 2020er KGVs jenseits der vierzig üppig bewertet erscheint. Andererseits erzielt man Wachstumsraten von fast 20 Prozent pro Jahr und das relativiert diese Betrachtung schon wieder. Auch gerade, weil weitere Wachstumsschübe vor der Tür stehen. Daher sollte Tomra Systems nicht nur ein Investment für diejenigen sein, die ein gutes (Umwelt-) Gewissen haben möchten, sondern die Aktie sollte sich auch für diejenigen lohnen, die auf einen der großen Megatrends der Zukunft setzen wollen: Wertstoff-Recycling.

Ich habe mir jedenfalls am Freitag zu durchschnittlich 28,324 Euro erstmals eine größere Position an Tomra Systems gegönnt als Ergänzung meines Engagements bei Waste Management. Und ich nehme in Kauf, dass bei einem Norwegischen Unternehmen die Behandlung der 25-prozentigen Quellensteuer mit einigen Aufwand verbunden ist - was für mich besonders unerfreulich ist, da meine Aktien ja in einer GmbH liegen und daher die 0815-Lösungen für Privatanleger leider nicht greifen. Angesichts der eher mauen Dividendenrendite werde ich mir also genau überlegen, ob hier der hohe Aufwand gerechtfertigt ist. Aber das ist eine andere Geschichte...


UET United Electronic Technologies

Das Unternehmen hat seinen Geschäftsbericht für 2018 vorgelegt und konnte damit eine wichtige Hürde beiseite räumen in seinem Turnaround-Verlauf: denn es ist nun gelungen, endlich wieder ein positives Eigenkapital auszuweisen. Das ist ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg, wieder ein "normales" Unternehmen zu werden, das sich nicht primär um seine Sanierung und Umstrukturierung kümmern muss, sondern sich wieder auf sein operatives Business konzentrieren kann.

2018 war noch geprägt von massiven strukturellen Veränderungen, über die ich hier im Blog ja schon öfter berichtet habe. Daher sollte man das erzielte Jahresergebnis von 0,29 Euro nicht überbewerten. Es ist vor allem Einmaleffekten geschuldet. Darüber hinaus werden künftig Eigenleistungen aktiviert werden in der Bilanz, wodurch sich ebenfalls ein positiver Effekt einstellt - das ist allerdings ein ganz übliches Bilanzierungsverfahren. Des Weiteren hat UET auf margenschwaches Geschäft verzichtet, um seine Margen auf Vordermann zu bringen und richtet sich stärker auf die Wachstumsbereiche Software und Energiemanagement aus. Und das nicht nur in der DACH-Region, sondern auch in Mexiko und bald auch in Brasilien.

Blickt man auf die 2018er Zahlen, so sind zwei Dinge maßgeblich: das zweite Halbjahr 2018 lief noch nicht so gut, wie erhofft und die Umstrukturierungen und Sanierungsanstrengungen waren nicht wie geplant bereits Ende 2017 abgeschlossen, sondern konnten erst Mitte 2018 vollzogen werden. Das erste ist meiner Meinung nach auch eine Folge des zweiten. Was nun bevorsteht, ist ein Hochfahren der 5G-Investitionen der Telekom-Anbieter. Hier sollten und dürften sich für UET als Kooperationspartner in der DACH-Region der südkoreanischen KT Corp. lukrative Geschäfte auftun.

Meine Einschätzung
UET hat den Sanierungsphase hinter sich und steht bilanziell wieder "sauber" da. Auch das Gesundschrumpfen durch das Aufgeben von Geschäftsbereichen, Verkauf von Spartentöchtern und Umswitchen hin zu margenstärkerem Geschäft nähert sich seinem Ende und wird künftig wieder zu Wachstum führen bei Umsatz und Gewinn. Damit meine ich nicht, dass der durch Einmaleffekte geprägte Jahresüberschuss 2018 übertroffen wird, sondern dass sich die Gewinnen nachhaltig verbessern werden. Der Blick auf den operativen Cashflow, der mit 3,7 Mio. Euro erfreulich positiv ausfällt, gibt einen starken Indikator, wie die Geschäfte ohne die ganzen Einmal- und Sonderfaktoren künftig laufen werden. Zu einer Verbesserung werden auch die weiteren angekündigten Maßnahmen führen. So werden einige Vorrats-Tochtergesellschaft abgewickelt, für die keine Verwendung mehr besteht, deren Vorhaltung aber Geld kostet (Erstellen von Jahresabschlüssen usw.). Zusätzlich wurde ja schon vor einigen Wochen eine Kapitalerhöhung angekündigt, u.a. durch Ziehen einer Wandlungsoption bei einem Darlehen, was das Eigenkapital erhöhen und die Fremdfinanzierung samt Zinsbelastung senken wird. Natürlich wird die Erhöhung des Eigenkapitals die Anteile der Altaktionäre verwässern. Aber der Fokus bei UET richtet sich wohl kaum zuvorderst auf das Ergebnis je Aktie, sondern eher darauf, dass künftig wieder verlässliche und steigende Gewinne erzielt werden. Und angesichts der anstehenden Investitionen in neue Produkte und das Wachstum in Südamerika (Mexiko könnte 2019 einer Verdopplung entgegensehen und der möglicherweise noch in diesem Jahr anstehende Roll-out in Brasilien kostet ebenfalls zunächst Geld) sind verbesserte Bilanzkennzahlen unabdingbar. UET wird nämlich auch künftig Fremdkapital benötigen, um starkes Wachstum in dieser entscheidenden Phase (5G) generieren zu können und eine saubere Bilanz mit starker EK-Position erhöhen nicht nur die Bereitschaft von Banken dem Unternehmen Kredite zu gewähren, sondern senken auch die aufgerufenen Zinssätze dank der neu gewonnen besseren Bonität.

Der UET-Zug nimmt also Fahrt auf und das Licht am Ende des Tunnels hat sich nicht als entgegenkommender Zug entpuppt, sondern als strahlender Sonnenschein. Für UET gilt es nun, sich nicht faul in die Sonne zu legen, sondern die Gunst der Stunde zu nutzen und sich seinen Platz an der Sonne dauerhaft zu verdienen. Die Anzeichen, dass dies gelingen kann und wird, mehren sich jedenfalls weiter und mein Investmentcase bekommt noch mehr Wind unter die Flügel.


WashTec

Die positiven Hoffnungen haben sich bei WashTec nicht erfüllt. Die 2018er Zahlen waren eine Katastrophe und der Chef wurde gefeuert. Damit einhergehend hatte das Unternehmen einen ziemlich optimistischen Ausblick auf 2019 gegeben und verkündet, die erheblichen Probleme im US-Geschäft wären nur von kurzer Dauer. Das ist gerade einmal drei Monate her und nun kam WashTec mit einer Umsatz- und Gewinnwarnung um die Ecke, weil die Probleme doch nicht in den Griff bekommen wurden. Die Zahlen des ersten Halbjahres zeigen einen leichten Umsatzrückgang gegenüber 2018 bei einem halbierten EBIT und zurückgehendem Auftragseingang. Und damit hat WashTec nicht nur die Vorschusslorbeeren verspielt, mit denen die Anleger das Unternehmen nach den vollmundigen Ankündigungen versehen hatten, sondern dürfte das Vertrauen in die Prognosekraft und das operative Geschäft für eine ganze Weile zerstört haben. Man fühlt sich beinahe an Leoni erinnert, die wie WashTec in einem Bereich tätig sind, in dem man eigentlich nichts viel falsch machen können sollte - der eine bei Waschanlagen für Autos ("gewaschen wird immer, ob nun Benziner, Diesel, Elektro- oder Wasserstoffauto) und der andere im Bereich Kabelstränge und Bordnetze, die bei jeder neuen Autogeneration ständig mehr werden.

Ein Trauerspiel, dass diese Unternehmen an sich selbst scheitern. Und damit für mich der Zeitpunkt gekommen ist, die Reißleine zu ziehen und erstmal abzuwarten, ob und wann die Unternehmen ihr Business wieder im Griff haben - um auf verlässlichen Zahlen und Prognosen eine Bewertung und einen Investmentcase aufbauen zu können.

Bei WashTec habe ich also meinen Bestand verkauft und streiche den Wert auch von meiner Beobachtungsliste. Nach 15 Monaten hat mir das Investment - dank zweier Dividendenzahlungen - einen moderaten Verlust von knapp 5% eingebracht.


Angst und Gier & Ups and Downs


Der Fear & Greed Index von CNN Money nahm in der letzten Woche seinen Aufwärtstrend wieder auf und legte 10 auf glatte 60 Punkte zu: Solides "Gier-Territorium". Die Zinspolitik der Notenbanken geben momentan die Richtung vor, denn Geld ist und bleibt die Triebfeder der Börse.

Mein "operativer Net Worth" hat sich in der letzten Woche um weitere 2% verbessert auf 33% (YTD). Ein weiteres All-Time-High. Mit dem Ergebnis und dem Wochenverlauf bin ich mehr als zufrieden. Mein langfristiges Ziel ist, durchschnittlich 15% pro Jahr an Rendite einzufahren und nach den annähernd 10% Minus im letzten Jahr bin ich dies bezüglich auf Sicht von 18 Monaten wieder "auf Spur" und liege in diesem Jahr deutlich mehr als doppelt so weit im Plus, als mich das letzte Jahr gekostet hat. Mein Investor-Update zum Quartalsende samt der Rangliste der TOP-Positionen in meinem Investmentdepot habe ich vor wenigen Tagen veröffentlicht.

Auf gut Börsengeschäfte. Es bleibt spannend...

Disclaimer
Hypoport, Tomra Systems, UET United Electronic Technologies, WashTec befinden sich auf meiner Beobachtungsliste und in meinem Depot.

Kommentare:

  1. Hallo Herr Kissig,

    Ein Hinweis von mir, bzgl der Annahme, dass seltene Erden nur begrenzt verfügbar wären und man mit Ihnen schonend umgehen sollte:
    Japan soll ein Feld gefunden haben, welches ein großes Vorkommen für seltene Erden aufzeigt. Gewiss ist der Abbau schwierig, aber ich denke, nicht unmöglich und auch nicht für immer unwirtschaftlich. - Ich denke dabei auch an Öl, wo immer wieder von Experten vorausgesagt wurde, dass bald alle Vorkommen erschöpft wären und wir uns umstellen müssten. Stand heute sieht es wohl so aus, dass es noch locker für die nächsten Jahrzehnte, wenn nicht sogar noch über 100 Jahre reicht. - Ich persönlich würde meinen Investmentcase nicht auf dem Recyclen von Batterien stützen wollen.
    Quelle: einfach mal bei Google nach "Japan seltene Erden" suchen

    Ansonsten teile ich Ihre Einschätzung, dass das Recyceln von Müll immer weiter herausfordernder für die Welt wird.

    Gruß
    Matthias

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    1. Vielen Dank für den interessanten Hinweis auf Japan. "Seltene" Erden ist eigentlich ein irreführender Begriff, da die meisten davon erfassten Rohstoffe nicht selten sind - sie sind nur nicht/kaum wirtschaftlich abbaubar. Ich hatte daher die Formulierung "nicht in unbegrenzten Mengen verfügbar" gewählt, der vielleicht auch missverstanden werden kann, zugegeben.

      Große Vorkommen an "Seltenen Erden" finden sich in den USA, die früher weltgrößter Produzent waren. Aber der Abbau rechnet sich dort hinten und vorne nicht, während die laxen Umweltbestimmungen in China einen großen Standortvorteil darstellen. Bzw. darstellten, denn auch China denkt hier ja kräftig um. Insofern muss sich auch bei den Quellen in Japan erst noch zeigen, ob und wie weit da eine realistische/wirtschaftliche Förderung möglich ist.

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  2. Wer sich für dieses Thema interessiert: Die Aktie von Umicore, dem Technologieführer im Bereich des Batterierecyclings, ist zuletzt aufgrund operativer Schwierigkeiten und eines Feuers auf dem Betriebsgelände deutlich zurückgekommen. Hier könnte sich bei tieferer Recherche eine gute Möglichkeit in einem ziemlich teuren Markt ergeben. Die Historie von Umicore spricht bisher für sich.

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    1. Bei Umicore habe ich mich vor einiger Zeit verabschiedet (hier klicken). Der hohe Verschuldungsgrad ist die Achillesferse, die keinen/wenig Platz für operative Schwierigkeiten lässt. Tomra Systems finde ich das deutlich besser aufgestellt, auch weil sie nicht so einen hohen Investitionsaufwand betreiben müssen...

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