Samstag, 25. Februar 2017

Kaufe niedrig, verkaufe nie

"Kaufe niedrig, verkaufe nie" ist ein bekanntes Mantra von Warren Buffett und beschreibt perfekt die sog. Buy & Hold-Strategie. Es wird oft missverstanden und fehlinterpretiert und daher viel zu selten beachtet. Leider. Dabei weiß der gute Kaufmann, dass der Gewinn im Einkauf liegt und je besser der Einkaufspreis, desto höher ist die Chance auf einen Gewinn. Und umso niedriger ist auch das Risiko, die Ware nicht zu einem guten Preis wieder loszuwerden, also einen Verlust realisieren zu müssen.

Es gibt Kritiker, die Buy & Hold als veraltet, antiquiert und unzeitgemäß bezeichnen und sie verweisen auf Aktien, wie die der Deutschen Telekom. Diese haben Anleger im Jahr 2000 zu Mondpreisen von über €100 gekauft und wer sie noch immer hat, sitzt auf massiven Verlusten von bis zu 85%. Und das nach 17 Jahren.

Doch "Kaufen & Halten" bedeutet eben nicht, zu jedem Kurs zu kaufen und starrsinnig daran festzuhalten, sondern es bedingt, zu niedrigen Kursen einzusteigen und die Aktien dann nicht (zu schnell) wieder aus den Händen zu geben. Warren Buffett hält einige Aktien in seinem Portfolio bereits seit über 40 Jahren und genau diese Aktien haben ihn zum Multimilliardär und drittreichsten Menschen der Welt gemacht.

Das Entscheidende ist also, niedrig zu kaufen. Und niedrig ist ein Aktienkurs nach Value-Gesichtspunkten immer dann, wenn der faire Wert des Unternehmens deutlich über dem aktuellen Börsenkurs liegt. In die Suche nach dem richtigen Unternehmen muss man die größte Sorgfalt und die meiste Zeit investieren. Die Auswahl der Aktien ist das A&O des Investierens, nicht das Kaufen, nicht das Verkaufen. Man muss die Geschäftsberichte studieren, die Bewertung des Unternehmens anhand von Kennzahlen vornehmen und so den fairen Wert des Unternehmens bestimmen. Erst dann vergleicht man diesen fairen Wert mit dem aktuellen Börsenkurs. Und kann man die Aktie deutlich unterhalb des fairen Wertes kaufen, also mit einer Sicherheitsmarge von gut 20%, dann und nur dann sollte man diese Aktien kaufen.

»Jedes intelligente Investieren ist das Investieren in Werte - mehr bekommen als das, wofür Du bezahlst. Investieren ist, wenn Du wenige großartige Unternehmen findest und dann auf Deinem Hintern sitzt.«
(Charlie Munger)

Dieses Verfahren führt dazu, dass man relativ sicher die richtigen Unternehmen findet und auf mittlere und lange Sicht auf die Gewinneraktien setzt. Aber es bedeutet auch, dass die meiste Arbeit zu dem (unerwünschten) Ergebnis führt, dass der richtige Zeitpunkt zum Einstieg in eine Aktie nicht vorliegt. Aber dann muss man sich nicht grämen, denn der faire Wert eines Unternehmens ändert sich wesentlich langsamer, als das sein Aktienkurs tut. Eine gute Analyse kann man jährlich fortschreiben und wenn der Markt eine seiner regelmäßig wiederkehrenden Übertreibungsphasen hat, kann man die Aktie günstig kaufen. Und dann wartet man ab, man übt sich in Geduld, dieser wohl wichtigsten Eigenschaft eines Value-Investors. Denn die Börse wird mit Sicherheit die Übertreibung nach unten (Panik) wieder abbauen und erst zur Normalität übergehen und sich irgendwann wieder in eine Übertreibung nach oben hineinsteigern (Euphorie). Wenn dann der Aktienkurs deutlich über dem fairen Wert des Unternehmens notiert, (erst) dann sollte man sich entscheiden, ob man die Aktie verkauft und die Gewinne mitnimmt, oder ob man weiterhin von dem Unternehmen und seinen Aussichten überzeugt ist - und dann sollte man konsequent die Aktien halten, auch wenn der Kurs absehbar eine Zeit lang konsolidieren dürfte.

»Geduld ist die oberste Tugend des Investors.«
(Benjamin Graham)

Solche Phasen übersteht man leicht(er), wenn die Aktien auch eine attraktive Dividende abwerfen. Und daher ist die Dividendenrendite ein nicht zu unterschätzendes Kriterium bei der Auswahl der richtigen Aktien für die Buy & Hold-Strategie. Doch die drei entscheidenden Kriterien für erfolgreiche Investments bleiben: Geduld, Geduld und Geduld.

Kommentare:

  1. > "Kaufe niedrig, verkaufe nie" ist ein bekanntes Mantra von Warren Buffett und beschreibt..."

    Nö! Warum sind Buffettianer immer buffettianerischer als Buffett? Er weißt ja sogar extra darauf hin (Seite 20 des aktuellen Briefes), dass so eine Behauptung nicht stimmt. Und hier werden doch auch immer jedes Quartal die Veränderungen (Verkäufe) von BRK aufgelistet.

    Buffett: "Sometimes the comments of shareholders or media imply that we will own certain stocks “forever.” It is true that we own some stocks that I have no intention of selling for as far as the eye can see (and we’re talking 20/20 vision). But we have made no commitment that Berkshire will hold any of its marketable securities forever."

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    1. Er hat sehr wohl eine derartige Aussage getätigt: "Our favorite holding period is forever". Ich kann mich noch erinnern, dass er das in etwa wie folgt in den Zusammenhang brachte: "Wenn wir Anteile an hervorragenden Unternehmen mit hervorragenden Managements haben, ist unsere favorisierte Haltedauer unendlich". Solange die Qualitäten eines Unternehmens bestehen bleiben, bleibt Buffett an Bord. Und neben den angesprochenen börsennotierten Unternehmen hat Buffett ja auch eine große Anzahl an Unternehmen im Bestand, die gar nicht in der Liste auftauchen. Und die teilweise schon seit 40 oder 50 Jahren im Portfolio sind.

      "Für immer" sollte man meines Erachtens auch nicht als Formulierung auf die Goldwaage legen, sondern als das verstehen, was es ist: ein Bekenntnis zu einer auf lange Sicht ausgelegten Investmentstrategie, die ohne Hektik und Aktionismus auskommt und sich nicht von den Börsenkursen beeinflussen lässt, sondern vom Unternehmenswert.

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  2. Toller Beitrag! Bin auch überzeugter Buy and Hold Investor und versuche ebenfalls gegen die Meinung, dass Buy and Hold verlatet sei, vorzugehen :)

    Wer mehr zum Thema wissen will, ist denke ich bei meinem Blogpost zum Buch "the intelligent investor" gut aufgehoben.

    Das Buch stammt vom Urvater aller Value Investoren ;)
    Einfach hier lang:https://danielbusinessblog.wordpress.com/2016/12/18/the-intelligent-investor/

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