Mittwoch, 26. Dezember 2018

Charlie Munger lehrt: "Jedes intelligente Investieren ist das Investieren in Werte - mehr bekommen als das, wofür Du bezahlst. Investieren ist, wenn Du einige großartige Unternehmen findest und dann auf Deinem Hintern sitzt."

"Kaufe niedrig, verkaufe nie" hat Warren Buffett mal gesagt und damit die sog. Buy & Hold-Strategie beschrieben. Er wird hiermit seitdem oft bewusst fehlinterpretiert und daher wird der so elementare Grundgedanke hinter seiner Aussage viel zu oft ignoriert. Leider. Dabei weiß der gute Kaufmann, dass der Gewinn im Einkauf liegt und je besser der Einkaufspreis, desto höher ist die Chance auf einen Gewinn. Und umso niedriger ist auch das Risiko, die Ware nicht zu einem guten Preis wieder loszuwerden, also einen Verlust realisieren zu müssen.

Manche Kritiker bezeichnen Buy & Hold als veraltet, antiquiert, unzeitgemäß und als Beleg verweisen sie auf Aktien wie die der Deutschen Telekom. Die hatten Anleger im Jahr 2000 zu Mondpreisen von über €100 gekauft und wer sie noch immer hat, sitzt auf massiven Verlusten von bis zu 85%. Und das nach 18 Jahren und trotz Steter Dividendenzahlungen.

Buy & Hold bedeutet nicht Buy & Forget

Doch "Kaufen & Halten" bedeutet eben nicht, zu jedem Kurs zu kaufen und starrsinnig daran festzuhalten, sondern es bedingt, zu niedrigen Kursen einzusteigen und die Aktien dann nicht (zu schnell) wieder aus den Händen zu geben. Warren Buffett hält einige Aktien in seinem Portfolio bereits seit über 40 Jahren und genau diese Aktien haben ihn zum Multimilliardär und einem der reichsten Menschen der Welt gemacht.

»Jedes intelligente Investieren ist das Investieren in Werte - mehr bekommen als das, wofür Du bezahlst. Investieren ist, wenn Du einige großartige Unternehmen findest und dann auf Deinem Hintern sitzt.«
(Charlie Munger)

Entscheidend ist also, niedrig zu kaufen. Und niedrig ist ein Aktienkurs nach Value-Gesichtspunkten immer dann, wenn der faire Wert des Unternehmens deutlich über dem aktuellen Börsenkurs liegt. In die Suche nach dem richtigen Unternehmen muss man die größte Sorgfalt und die meiste Zeit investieren. Das Analysieren der Aktien ist das A&O beim Investieren, nicht das Kaufen, nicht das Verkaufen...


Man muss die Geschäftsberichte studieren, die Bewertung des Unternehmens anhand von Kennzahlen vornehmen und so den fairen Wert des Unternehmens bestimmen. Erst dann vergleicht man diesen fairen Wert mit dem aktuellen Börsenkurs. Und kann man die Aktie deutlich unterhalb des fairen Wertes kaufen, also mit einer Sicherheitsmarge von gut 20%, dann und nur dann sollte man diese Aktien kaufen.

Dieses Verfahren führt dazu, dass man relativ sicher die richtigen Unternehmen findet und auf mittlere und lange Sicht auf die Gewinneraktien setzt. Doch es bedeutet auch, dass die meiste Arbeit zu dem (unerwünschten) Ergebnis führt, dass der richtige Zeitpunkt zum Einstieg in eine Aktie nicht vorliegt. Aber dann muss man sich nicht grämen, denn der faire Wert eines Unternehmens ändert sich wesentlich langsamer, als das sein Aktienkurs tut.

Focus Investing

Aber Munger kauft nicht jede halbwegs attraktive Aktie, er kauft nur die besten Werte: er setzt auf Focus Investing und konzentriert seine Investments.

»Opportunitätskosten sind ein effektiver Filter. Wenn Sie zwei aussichtsreiche Aspiranten begutachten und der eine ist viel besser als der andere, dann brauchen Sie nicht viel Zeit mit dem zweiten zu verschwenden. So filtern wir Kaufgelegenheiten.«
(Charlie Munger)

Munger hat drei Ablagekörbe für Investmentideen: "Ja", "Nein" und "Zu schwierig". Der Korb "Zu schwierig" ist am besten gefüllt, denn in ihn wandern alle Ideen, die nicht in seinen Kompetenzbereich fallen und damit von vornherein ausscheiden. Dann folgt "Nein", in dem die meisten der übrigen Ideen landen, weil sie einen oder mehrere Haken haben und daher nicht gut genug sind für ein Qualitätsinvestment mit ausreichender Sicherheitsmarge. Und nur ganz wenige Ideen schaffen es in den "Ja"-Korb - und teilweise bleiben sie auch hier längere Zeit liegen, weil der Preis (noch) nicht günstig genug ist. Auf diese Analysen greift Munger dann bei Kurseinbrüchen zurück und beginnt, die Aktien dann einzusammeln, wenn sie gerade im Ausverkauf zu bekommen sind.

»Es gibt so viele Unternehmen, die Charlie Munger und ich gar nicht erst begreifen. Das hält uns aber nachts nicht wach. Wir machen dann einfach mit dem nächsten weiter, und das sollte der einzelne Investor auch machen.«
(Warren Buffett)

Gute Analysen kann man jährlich fortschreiben und wenn dann der Markt eine seiner regelmäßig wiederkehrenden Übertreibungsphasen nach unten hat, kann man die Aktie günstig kaufen. Und dann wartet man ab, man übt sich in Geduld, dieser wohl wichtigsten Eigenschaft eines Value-Investors.

»Geduld ist die oberste Tugend des Investors.«
(Benjamin Graham)

Denn die Börse wird mit Sicherheit die Übertreibung nach unten (Panik) wieder abbauen und erst zur Normalität übergehen und sich irgendwann wieder in eine Übertreibung nach oben hineinsteigern (Euphorie). Wenn dann der Aktienkurs deutlich über dem fairen Wert des Unternehmens notiert, (erst) dann sollte man sich entscheiden, ob man die Aktie verkauft und die Gewinne mitnimmt, oder ob man weiterhin von dem Unternehmen und seinen Aussichten überzeugt ist - und dann sollte man konsequent die Aktien halten, auch wenn der Kurs absehbar eine Zeit lang konsolidieren dürfte.

Kaufe niedrig, verkaufe nie

Charlie Munger ist jedoch kein Freund des Verkaufens von Qualitätsaktien und hat hier seine ganz eigene Maxime entwickelt - die sehr nah an Buffetts Gedanken des "Kaufe niedrig, verkaufe nie" herankommt.

»Wir sind daran interessiert, große Beträge dort zu investieren, wo wir keine weiteren Entscheidungen treffen müssen. Wenn man etwas kauft weil es unterbewertet ist, muss man darüber nachdenken es zu verkaufen, wenn es sich seinem inneren Wert nähert. Das ist schwierig. Aber wenn man ein paar großartige Unternehmen kauft, kann man auf seinem Hintern sitzen bleiben. Das ist gut.«
(Charlie Munger)

Meine Lese-Tipps
▶ "Charlie Munger: Ich habe dem nichts mehr hinzuzufügen" von Tren Griffin
▶ "Das Tao des Charlie Munger" von David Clark

Kommentare:

  1. Guten Tag Michi,

    ich schätzte deine Beiträge sehr und möchte dennoch, trotzt der Andeutungen fragen, ob Du davon ausgehst, dass auch diese Panik verfällt?

    Dow Jones unter 22.000, Dax unter 11.000 Punkten.
    Die Stimmung ist am Boden und was die Fed oder Trump macht ist auch nicht wirklich abschätzbar.
    Erkennst Du eine Abkühlung im Markt, der die Börsen dauerhaft negativ beeinflussen könnte?

    Freue mich auf deine Rückmeldung :)
    DD

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    1. Es herrscht Angst im Markt und das ist nicht etwa an den gefallenen Börsenkursen allein abzulesen, sondern daran, wie Nachrichten aufgenommen werden: die FED erhöht die Zinsen, wie es seit langem angekündigt und von allen erwartet wurde. Und die Börse reagiert mit einem Abverkauf. Sie interpretiert diese "News" komplett negativ - obwohl die FED sogar meinte, sie werde in 2019 wohl keine drei, sondern nur zwei weitere Zinsanhebungen vornehmen. Was eigentlich ausschließlich positiv zu sehen ist. Egal was passiert, die Börse nimmt alles zum Anlass für einen weiteren Ausverkauf. Kostolanys "Zittrige" werden aus dem Markt gespült und halten sich bereit, viel tiefer wieder einzusteigen. Nur dass es selten dann noch viel tiefer geht, sondern eher eine Erholung einsetzt, bei der die Zittrigen dann ungläubig den Kursen hinterher starren und auf den nächsten Ausverkauf warten, um wieder einzusteigen. Der dann aber nicht mehr kommt, weil immer mehr Zittrige die Nerven (erneut) verlieren und dann in die steigenden Kurse hinein wieder kaufen. Es steht zu 100% fest, dass es auch dieses Mal wieder genau so laufen wird. Noch nicht ganz klar ist, ob wir jetzt bereits diesen Punkt der maximalen Kapitulation bereits erreicht haben. Das wissen wir in einigen Wochen...

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  2. Panik am Aktienmarkt kann ich nicht erkennen. Aber vielleicht kommt noch Panik auf, es würde mich freuen.

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    1. Panik kann ich genug erkennen. Es reicht auf wallstreet, finanzen.net und börse-online zu gehen. Jeder schreibt über den Kurssturz.
      Schlechtestes Börsenmonat seit 87 Jahren, glaube ich gelesen zu haben.
      Es herrscht Welteruntergangstimmung grad an der Börsen. Alleine die Aussage vom amerik. Finanzminister das Banken genug liquide Mittel aufweißen, beunruhigt die Märkte schon...

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