Freitag, 15. April 2022

Weshalb sich solide Dividendenwerte für Anleger richtig auszahlen können

Am Sinn von Dividendenausschüttungen scheiden sich die (Anleger-) Geister. Während die einen Dividenden für elementar halten, vertreten andere die Auffassung, sie seien schlicht Geldverschwendung. Man solle lieber auf Unternehmen setzen, die ihre Gewinne thesaurieren, also komplett einbehalten, denn dadurch erhöhe sich der Wert des Unternehmens. Und folglich auch der Aktienkurs.

Auf die Dividendenrendite bin ich schon eingegangen, daher möchte ich jetzt andere wichtige Aspekte in den Fokus nehmen. Denn Dividenden polstern in Zeiten von Kursflauten das Konto erfreulich auf und stellen auf lange Sicht immerhin rund 40 % des Gesamtertrages eines Depots aus. Grund genug also, Dividenden ein wenig (mehr) Beachtung zu schenken!

Auf der anderen Seite wird gegen Dividendenausschüttungen gerne der Zinseszinseffekt ins Feld geführt: auf das einmal investierte Kapital werden Erträge erwirtschaftet und dann einbehalten, so dass sich im nächsten Jahr Erträge auf das Ursprungskapital zuzüglich des eingehaltenen Gewinns ergeben. Wer also seine Gewinne nicht abzieht, sondern reinvestiert, erzielt langfristig eine viel höhere Rendite. Das funktioniert allerdings nicht nur, wenn Unternehmen die Gewinne einbehalten, sondern auch, wenn die Gewinne in Form von Dividenden an die Aktionäre ausgeschüttet werden und diese sie dann wieder investieren. Der Zinseszinseffekt ist also kein Argument für oder gegen Dividenden, sondern ausschließlich für das Wiederanlegen der Erträge!

Als weiteres Argument gegen Dividendenzahlungen wirkt die steuerliche Belastung. Denn Dividendenausschüttungen i.d.R. müssen sofort versteuert werden, während auf Kursgewinne erst beim Verkauf der Aktien Steuern anfallen. Der Zinseszinseffekt wirkt also auch hier und zwar gegen die Dividenden. Was sich allerdings auf lange Sicht durchaus aufsummiert, so wirkt nun mal der Zinseszinseffekt.

Quelle: Bloomberg
Doch auch die Vorteile der Dividenden wiegen schwer: sie werden jährlich ausgeschüttet und der Anleger erhält so eine Rendite, ohne dass er hierzu Aktien veräußern muss. Gerade für Langfristanleger und/oder Anleger, die auf einen stetigen Dividendenstrom z.B. als zusätzliche Einkommensquelle setzen (sog. passives Einkommen), ist das ein nicht unwesentliches Argument. Des Weiteren kann man die gesammelten Dividendenerträge natürlich auch in andere Unternehmen investieren, als jene, von denen die Dividendenerträge stammen. Man hat also die Möglichkeit, zu diversifizieren. Verbleiben die Gewinne vollständig im Unternehmen, entfällt diese Option.

Welchen Unterschied Dividenden ausmachen, zeigt sich am DAX. Der in den Medien immer angeführte Index ist der sog. Performance-Index und der steht bei rund 14.000 Punkten. In diesem werden Dividenden immer herausgerechnet und damit so behandelt, als wären sie unmittelbar wieder investiert worden. Die meisten gebräuchlichen Indizes der Weltbörsen werden allerdings als Kurs-Index ermittelt, so dass dort Dividenden die Entwicklung bremsen, weil sie den Kurs belasten. Der DAX liegt auf dieser Basis bei nicht mal 6.000 Punkten - und damit auf dem Niveau des Jahres 2.000. Von Kursgewinnen also keine Spur!

Das wird leider immer ausgeblendet, wenn DAX und DOW verglichen werden (oder S&P 500). der DAX hinkt den amerikanischen Werten meilenweit hinterher und nur die Dividenden lassen ihn einigermaßen positiv aussehen.
»Eine Kuh für ihre Milch, eine Henne für ihre Eier, und eine Aktie, verdammt, für ihre Dividende.«
(Bill Miller)

Mein Fazit

Ob man auf die Dividendenstrategie setzt, hängt vor allem von der eigenen Situation ab. Zielt man mit seinen Aktieninvestments auf einen stetigen Einnahmestrom, kommt man um regelmäßige Dividendenausschüttungen kaum herum. Und auch für Anleger, die sich erst kurz mit Aktienanlagen beschäftigen oder nur wenig Zeit mit dem Studium von Geschäftsberichten und somit eigenem Research verbringen möchten, sind solide Dividendenwerte eine ausgezeichnete Wahl, um langfristig Vermögen aufzubauen und unterjährig einen schönen Einkommensstrom zu generieren.

»Die erste Regel beim Compounding ist, es nie unnötig zu unterbrechen.«
(Charlie Munger)

Anleger, die sich intensiver mit der Materie beschäftigen und die gezielt auf Stock-Picking gehen, auch bei Nebenwerten oder Turnaroundkandidaten, für die sind hohe Dividendenrenditen nicht der Schwerpunkt. Denn diese Unternehmen benötigen zumeist ihren gesamten erzielten Cashflow, um zu überleben und/oder ihr Geschäft auszubauen und können sich daher eine Dividende gar nicht leisten. Oder müssen diese Summen im Anschluss über Kapitalerhöhungen wieder hereinholen, was keine sehr sinnvolle Strategie ist, da nur unnötig Steuerlasten auf Seiten der Aktionäre und Kosten beim Unternehmen (für die Dividendenausschüttung und die Durchführung der Kapitalerhöhung) anfallen.

Anders als deutsche Unternehmen zahlen vor allem US-amerikanische Unternehmen oft ihre Dividenden quartalsweise aus, manche sogar monatlich. Dann erhält man mehrmals im Jahr Teilzahlungen, was ich persönlich als angenehm empfinde. Da Dividendenzahlungen sich im Aktienkurs als Abschlag auswirken, fällt dies bei Quartalsdividenden natürlich deutlich weniger ins Gewicht als bei Jahresdividenden. Andererseits muss man bei ausländischen Aktien immer auch das Wechselkursrisiko beachten sowie sich mit der möglicherweise anfallenden Quellensteuer auseinandersetzen. Beide Aspekte wirken sich je nach Herkunftsland des Unternehmens unterschiedlich aus und haben am Ende Einfluss auf die erzielte Gesamtrendite.

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Auswahl der Dividendenperlen
Bei der Auswahl dieser Aktien sollte man nicht einfach nur auf die Höhe der Dividendenrendite schauen. Denn eine zu hohe Dividendenrendite resultiert oftmals aus deutlich eingebrochenen Aktienkursen (wenn das Unternehmen Probleme hat; entsprechend werden dann auch die Gewinn- und Dividendenerwartungen in absehbarer zeit ebenso reduziert werden und die optisch hohe Dividendenrendite sinkt entsprechend) oder aus Einmaleffekten (z.B. wenn Tochterunternehmen verkauft und der Ertrag als Bonus an die Aktionäre ausgeschüttet wird). Dividendenrenditen sollten nicht zu hoch und nicht zu niedrig sein.

Dies sind die Grundsätze bei der Auswahl von Dividendenwerten:

  • Kein Substanzverzehr: Das Unternehmen sollte mehr Gewinn gemacht haben als Dividende ausgeschüttet werden soll.
  • Solide Ausschüttungsquote: Die Ausschüttungsquote sollte zwischen 25 % und 60 % des Gewinns liegen (Ausnahmen sind BDCs und REITS).
  • Kontinuität: Die Dividenden sollten in der Vergangenheit regelmäßig gezahlt und möglichst gesteigert worden sein.
  • Attraktive Rendite: Die Dividendenrendite sollte zwischen 1,5 % und 7,5 % liegen.

Für den Durchschnittsanleger sind solide Dividendenwerte für die Langfristanlage eine gute Wahl. Große, ertragstarke Unternehmen mit einem breiten ökonomischen Burggraben und gerne solider - möglichst stetig steigender - Dividendenzahlung sollten die Basis eines jeden Wertpapierdepots bilden! Doch auch bei den beigemischten Nebenwerten sollte man auf solide Gewinne und eine attraktive Dividendenrendite achten.

5 Kommentare:

  1. Daumen hoch für den Beitrag - ich selber habe mich genau wie du über die Jahre als Investor "transformiert", und so wie du übers Value-Investing zum "Quality-Investing" gekommen bist, bin ich momentan beim Investieren in/für passives Einkommen.
    Meine Idee dahinter war: Warum soll ich meine Investments anders betrachten als meinen Job - ich will dauerhafte, regelmäßige, verlässliche, und am besten noch steigende Cashflows. Ich will keine Buchgewinn-Coupons, welche ich im Alter am "Tag X" einlösen kann (oder MUSS!), im worst case wenn die Kurse grad am Tiefpunkt stehen, sondern cold, hard cash.
    Soviel zum Hintergedanken - zu deinen Grundsätzen die Anmerkung, dass es auch attraktive Rendite mit über 7,5% Rendite gibt, während die anderen Grundsätze dennoch erfüllt werden. Selten, aber es kommt vor. Manchmal sind das Aktien, welche grad nicht im Anlegerfokus stehen. Z.B. Aktien, die gegen den ESG-Trend laufen, Öl, Gas, Waffen, Drogen usw. Wobei ich die nicht alle gut heiße, nur als Beispiel dafür, dass ich deinen Grundsatz für schlicht falsch halte. Noch ein Beispiel zu dem punkt: Die Börse crasht mal wieder. Zack, gibt es kurzfristig z.B. eine DIC (ja, ich bin der DIC-Typ ;) ) mit Dividenrendite über 7,5%.

    Nächster Punkt, wo ich nicht zustimme: solide Ausschüttungsquote zw. 25-60% des Gewinns.
    Viel meines Geldes steckt in US-Reits (Stichworte Quellsteuer und Quartals/Monatsausschütter).
    Die MÜSSEN deutlich über 60% ihres Gewinns ausschütten, sonst kriegen die Probleme mit der Börsenaufsicht (und den Aktionären) ;)
    Dazu kommt, dass der Gewinn mMn oft gar nicht die passende Kennzahl ist, wenn man Ausschüttungsquoten sinnvoll berechnen und vergleichen will. Beispiel Immobilien, hier würde ich fast immer FFO heranziehen.

    Ich bin gespannt, ob meine Strategie sich langfristig "auszahlt", im Sinne von "besser als der breite Markt über ETF/Fonds oder individuelles Stockpicking wie du oder gar daytrading. Auf jeden Fall "schlafe" ich so besser und die Freude über die vielen kleinen extra-Einnahmen macht gute Laune. Der April ist übrigens der schönste Monat für mich. Ich hoffe, du hast auch einen schönes Börsenapril, alles Gute und viel Erfolg !

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    1. Eine zu hohe Dividendenrendite ist oft (fast immer) ein negatives Zeichen. Nimmt man eine Daimler (jetzt Mercedes), dann gab es da die meiste Zeit über eine fette Dividendenrendite abzugreifen. Aber der Kurs ist über 30 Jahre nicht von der Stelle gekommen. Trotz der hohen Dividendenrendite war die Daimler-Aktie ein ganz mieses Investment!

      Ein Börsencrash ist kein gutes Beispiel, weil da jede Aktie "billig" aussieht nach den Kennzahlen. Die Analysten haben ihre Prognosen noch nicht angepasst, also gesenkt, denn zumeist gibt es ja ein "verwerfendes Ereignis" für einen Crash, z.B. einen Wirtschaftseinbruch, eine Finanzkrise o.ä. So gab es auch im Coronacrash reihenweise Aktien mit hohen, oft zweistelligen Dividendenrenditen - doch viele mussten dann ihre Dividende kürzen oder ganz streichen. Daher meine Warnung: bei hohen Dividendenrenditen immer genauer hinsehen, ob die auch nachhaltig verdient werden und ob das Unternehmen noch andere Qualitäten zu bieten hat. Denn wenn nicht... die Zinsen steigen und wenn die Renditen von Anleihen wieder über 4 % notieren, dann sind Anleihen wieder die natürlichen Alternativen zu Aktien.

      Entscheidend ist am Ende die Gesamtrendite, also was an Zinsen, Dividenden und Kursgewinnen eingefahren werden konnte. Insbesondere jetzt, wo das Thema Inflation auch wieder eine Rolle zu spielen beginnt...

      Wo Du Recht hast, sind BDCs/REITs. Bei denen gehören Dividendenquoten von über 75 % ja zum Geschäftsmodell und dürfen daher kein K.O.-Kriterium sein. Ich habe das kurz ergänzt im Artikel bei den Kriterien und auch meinen Artikel zu BDCs verlinkt, in dem ich mich den Besonderheiten ausführlich gewidmet hatte; bei REITS und BDS, aber auch "normalen" Immobilienaktien sowie Beteiligungsgesellschaften ist der Jahresgewinn nicht die relevante Steuerungsgröße, sondern FFO, NII und/oder NAV.

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  2. Schöner Artikel zum Thema.
    Ja, in den Foren ist ein ewig dauernder "Streit": Lieber Dividende oder Wert schaffende Maßnahmen wie Investitionen und ARPs. Es ist eben wirklich Typ abhängig bzw. davon, wie man lebt.
    Wenn im Moment von einer möglichen Zeitenwende gesprochen wird, was die Folgen des Kriegs und auch die Zinswende betrifft, dann ist ja für niemanden bereits konkret absehbar, wie das alles werden wird.
    Ich gehe davon aus, dass das Thema Passives Einkommen und attraktive Dividendenzahlungen an Interesse gewinnen wird und ich selbst richte mein Depot auch entsprechend aus. Mehr Defensive, mehr Dividenden, weniger reine Wachstums und Techwerte, die zuvor so gehyped wurden.

    Kleine Anmerkung von mir noch: Petrobras anschauen !
    In Brasilien ist im Oktober Wahl, die Politik ist klar das größte Risiko bei der Aktie, aber ohne Risiko lässt sich eben auch kein Geld verdienen.
    Gründe für das Invest:
    Dividende,Ölpreis,Bedeutung des Themas Energie und Rohstoffe für die Zukunft,Emerging Markets haben einen gewissen Aufholbedarf gegenüber anderen Aktienmärkten,die Aktie ist zugleich ein Invest in den Dollar, also auch eine gewisse Währungsdiversifikation.

    Frohe Ostern.
    Cosha

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  3. Es performten in den letzten 20/30 Jahren die Laender mit gutem Rechtsystem und gutem Schutz des Eigentums am besten, nicht die mit dem hoechsten Wirtschaftswachstum.
    Hier ein sehr guter Artikel dazu mit Auflistung wie alle einzelnen Laender performten. Australien, Schweden, Suedafrika, Indien waren am besten. Aber China performte am schlechtesten.
    https://www.schroders.com/en/insights/economics/two-charts-that-show-why-you-should-ignore-chinas-index/

    Darum werde ich nun meine China Aktien verkaufen, und dafuer Deutsche Post und ExxonMobile kaufen.

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  4. Wenn man den Cashflow braucht, kann man doch auch Aktien verkaufen. Das ist steuerlich sogar günstiger, weil man ja nur die Gewinne versteuert und nicht den ganzen Verkaufserlös. Man muss ja auch nicht monatlich verkaufen, sondern 2mal im Jahr. Die Vorteile der Dividendenstrategie sind rein psychologisch und nicht rational ... genau wie so vieles im Aktienhandel ;-)

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