Sonntag, 15. Januar 2017

Anleger sollten auf solide Dividendenwerte setzen!

An der Sinnhaftigkeit von Dividendenausschüttungen scheiden sich die (Anleger-) Geister. Während die einen meinen, Dividenden seien wichtig, vertreten andere die Auffassung, sie seien schlicht Geldverschwendung. Man solle lieber auf Unternehmen setzen, die ihre Gewinne thesaurieren, also vollständig einbehalten - denn dadurch würde sich der Wert des Unternehmens und somit auch der Aktienkurs erhöhen.

Einen ausführlichen Artikel zu Dividenden und Dividendenrendite habe ich hier verfasst, daher möchte ich jetzt auf zusätzliche Aspekte eingehen. Denn neben der Absicherung, die Dividenden für den Anleger darstellen (wenn es mit den Kurssteigerungen mal nicht so läuft, erhält man immerhin die Dividende), machen Dividendenausschüttungen auf langfristige Sicht rund 40% des Gesamtertrages eines Depots aus.

Auf der anderen Seite wird gegen Dividendenausschüttungen gerne der Zinseszinseffekt ins Feld geführt: auf das einmal investierte Kapital werden Erträge erwirtschaftet und dann einbehalten, so dass sich im nächsten Jahr Erträge auf das Ursprungskapital zuzüglich des eingehaltenen Gewinns ergeben. Wer also seine Gewinne nicht abzieht, sondern reinvestiert, erzielt langfristig eine viel höhere Rendite. Das funktioniert allerdings nicht nur, wenn Unternehmen die Gewinne einbehalten, sondern auch, wenn die Gewinne in Form von Dividenden an die Aktionäre ausgeschüttet werden und diese sie dann wieder investieren. Der Zinseszinseffekt ist also kein Argument für oder gegen Dividenden, sondern ausschließlich ein Argument für das Wiederanlegen der Erträge!

Als weiteres Argument gegen Dividendenzahlungen greift die Abgeltungssteuer. Denn in Deutschland muss man seine Dividendenerträge ja versteuern, sofern sie oberhalb des Sparer-Pauschbetrages liegen (801/1.602 EUR p.a.). Andererseits müssen inzwischen auf Kursgewinne auf Aktien voll versteuert werden, denn seit 2009 gehören auch sie - wie die Zins- und Dividendenerträge - zu den Einkünften aus Kapitalvermögen. Ob der Anleger Einkünfte durch Kursgewinne oder Dividenden erzielt, ist dem Finanzamt also egal; beides wird gleich hoch im Jahr der Einkünfteerzielung versteuert. Und hier liegt ein Nachteil der Dividenden, denn diese muss man jährlich versteuern, während die Kursgewinne erst in dem Jahr anfallen, in dem die Aktien verkauft werden. Der Zinseszinseffekt wirkt auch hier und zwar leicht gegen die Dividenden. Was sich allerdings auf lange Sicht durchaus aufsummiert, so wirkt nun mal der Zinseszinseffekt.

Auf der anderen Seite wiegen die Vorteile der Dividenden schwer: sie werden jährlich ausgeschüttet und der Anleger erhält so eine Rendite, ohne dass er hierzu Aktien veräußern muss. Gerade für Langfristanleger ist das ein nicht unwesentliches Argument. Des Weiteren kann man die gesammelten Dividendenerträge natürlich auch in andere Unternehmen investieren, als jene, von denen die Dividendenerträge stammen. Man hat also die Möglichkeit, zu diversifizieren. Verbleiben die Gewinne vollständig im Unternehmen, entfällt diese Option.

Mein Fazit
Ob man auf die Dividendenstrategie setzt, hängt vor allem von der eigenen Situation ab. Zielt man mit seinen Aktieninvestments auf einen stetigen Einnahmestrom, kommt man um regelmäßige Dividendenausschüttungen kaum herum. Und auch für Anleger, die sich erst kurz mit Aktienanlagen beschäftigen oder nur wenig Zeit mit dem Studium von Geschäftsberichten und somit eigenem Research verbringen möchten, sind solide Dividendenwerte eine ausgezeichnete Wahl, um langfristig Vermögen aufzubauen und unterjährig einen schönen Einkommensstrom zu generieren.

Anleger, die sich intensiver mit der Materie beschäftigen und die gezielt auf Stock-Picking gehen, auch bei Nebenwerten oder Turnaroundkandidaten, für die sind hohe Dividendenrenditen nicht der Schwerpunkt. Denn diese Unternehmen benötigen zumeist ihren gesamten erzielten Cashflow, um zu überleben und/oder ihr Geschäft auszubauen und können sich daher eine Dividende gar nicht leisten. Oder müssen diese Summen im Anschluss über Kapitalerhöhungen wieder hereinholen, was keine sehr sinnvolle Strategie ist, da nur unnötig Steuerlasten auf Seiten der Aktionäre und Kosten beim Unternehmen (für die Dividendenausschüttung und die Durchführung der Kapitalerhöhung) anfallen.

Ich investiere in letzter Zeit wieder verstärkt in Unternehmen, die keine oder nur geringe Dividenden ausschütten, da ich meinen Fokus wieder verstärkt auf Nebenwerte und auch Turnaroundaktien gelegt habe.

Für den Durchschnittsanleger sind aber solide Dividendenwerte für die Langfristanlege erste Wahl. Große, ertragsstarke Unternehmen mit solider - möglichst stetig steigender - Dividendenzahlung sollten die Basis eines jeden Wertpapierdepots bilden! Doch auch bei den beigemischten Nebenwerten sollte man auf solide Gewinne und eine attraktive Dividendenrendite achten.

Auswahl der Dividendenperlen
Bei der Auswahl dieser Aktien sollte man nicht einfach nur auf die Höhe der Dividendenrendite schauen. Denn eine zu hohe Dividendenrendite resultiert oftmals aus deutlich eingebrochenen Aktienkursen (wenn das Unternehmen Probleme hat; entsprechend werden dann auch die Gewinn- und Dividendenerwartungen in absehbarer zeit ebenso reduziert werden und die optisch hohe Dividendenrendite sinkt entsprechend) oder aus Einmaleffekten (z.B. wenn Tochterunternehmen verkauft und der Ertrag als Bonus an die Aktionäre ausgeschüttet wird). Dividendenrenditen sollten nicht zu hoch und nicht zu niedrig sein.

Dies sind die Grundsätze bei der Auswahl von Dividendenwerten:

  • das Unternehmen sollte mehr Gewinn gemacht haben als Dividende ausgeschüttet werden soll (also kein Substanzverzehr)
  • die Ausschüttungsquote sollte zwischen 40% und 60% des Gewinns liegen,
  • die Dividendenrendite sollte zwischen 2% und 6% liegen,
  • die Dividenden sollten in der Vergangenheit regelmäßig gezahlt und möglichst gesteigert worden sein.

Anders als deutsche Unternehmen zahlen gerade US-amerikanische Unternehmen oftmals ihre Dividenden quartalsweise aus, manche sogar monatlich. Dann erhält man mehrmals im Jahr Teilzahlungen, was ich persönlich als angenehm empfinde. Da Dividendenzahlungen sich im Aktienkurs als Abschlag auswirken, fällt dies bei Quartalsdividenden natürlich deutlich weniger ins Gewicht als bei Jahresdividenden. Andererseits muss man bei ausländischen Aktien immer auch das Wechselkursrisiko beachten sowie sich mit der möglicherweise anfallenden Quellensteuer auseinandersetzen. Beide Aspekte wirken sich je nach Herkunftstland des Unternehmens unterschiedlich aus.

Kommentare:

  1. Unternehmen, die ihre Gewinne auf lange Zeit vollständig einbehalten (man stelle sich auch vor, für immer), sind m.E. folgendes Wert: Nichts. Ein Unternehmen hat keinen Selbstzweck. Der Sinn von Investitionen liegt doch darin, Gewinne zu erzielen, und zwar in Form von Geld (allgemein anerkanntes Tausch und Zahlungsmittel). Wenn ich eine Wohnung vermiete, erwarte ich einen Mietzins, und nicht jedes Jahr eine um z.B. einen Quadratmeter grössere Wohnung, davon habe ich nichts. Aus diesem Grunde kaufe ich auch nur noch ausschüttende Fonds und keine thesaurierende.

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    1. Wenn ein Unternehmen seine erzielten Gewinne vollständig einbehält, erhöht sich sein Eigenkapital - es ist mehr wert. Dein "nichts" ist also objektiv gesehen falsch, denn die Werterhöhung ergibt sich nicht durch die Ausschüttung. Im Umkehrschluss würde nämlich Deine Argumentation bedeuten, dass ein Unternehmen, dass Verluste macht, aber Ausschüttungen vornimmt, wertvoller würde. Was de facto eben nicht so ist, denn es betriebe Substanzverzehr. Und wenn alles ausgeschüttet, aber nichts davon zurück verdient wurde, dann wäre am Ende alles verbraucht. Dann wäre der Wert "nichts".

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    2. @M.K.
      Warum sollte ich in ein Unternehmen investieren, das seine Gewinne vollständig und "für immer" einbehält? Thesauriende Fonds funktionieren m.E. nur, weil es auch ausschüttende und natürlich Direktanlagen in Aktien mit sein Dividenden gibt. (Verlustmachende Unternehmen sind kein Vergleich, weil es mit den Ausschüttungen ja mal zu Ende geht.)
      Wachstumsaktien sind höher bewertet, weil sie in Zukunft hohe Ausschüttungen zumindest versprechen. Aber das sollte dann auch mal geschehen, ansonsten implodieren deren Kurse.
      Der Titel lautet "Anleger sollten auf solide Dividendenwerte setzen!" Sehe ich auch so.
      Ich las: "Die börsennotierte Beteiligungsgesellschaft von Warren Buffett, verzichtet seit jeher auf Dividenden. Aber Buffett hat immer den Standpunkt vertreten, dass das Kapital im jeweiligen Unternehmen mehr Rendite erwirtschaftet, als auf dem Konto der Aktionäre." Komische Argumentation, der Anleger soll zahlen, kriegt aber nichts, Unternehmen als Selbstzweck. Der kriegt von mir keinen Cent. Ebensowenig wie Google.

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    3. Buffett hat doch vollkommen Recht! Die Ausschüttung kostet zunächst einmal Steuern und ist deshalb sofort weniger wert. Und dann hat Buffett über 50 Jahre lang eine weit überdurchschnittliche Rendite eingefahren, was kaum jemandem sonst gelingt - Privatanlegern schon mal gar nicht. Das Geld ist also bei Berkshire viel besser angelegt, als wenn es auf dem Sparbuch oder in einem Aktienfonds oder unterm Kopfkissen des Aktionärs landet. Das ist nicht wegzudiskutieren, ob man nun Dividenden toll findet, oder nicht. Und das hat auch nichts mit einem Unternehmen als Selbstzweck zu tun, sondern einfach mit einer höheren Gesamtrendite.

      Und was an Deiner Betrachtung völlig unter den Tisch fällt ist die einfache Tatsache, dass man auch Einkommen erzielen kann, wenn man Aktien (mit Kursgewinnen) verkauft. Wer Amazon gekauft hat, hat noch nie eine Dividenden erhalten. Wer Berkshire gekauft hat, ebenso wenig. Wer aber ab und zu eine von deren Aktien verkauft hat, hat eine viel höhere Rendite eingefahren, obwohl er seinen Aktienbestand verringert hat.

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  2. Der Ansicht nach wäre Berkshire Hathaway für dich nichts wert?

    Solltest du zufälligerweise ein paar im Depot haben, nehme ich dir das "wertlose"
    Zeug gerne ohne weitere Kosten für dich oder mich ab ;-)

    Gruß
    Valueer

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  3. @Valueer
    Ja warum ist Berkshire Hathaway überhaupt etwas wert? Ein Felsklotz wirft genausoviel Dividende ab. Was ist z.B. eine Geldanlage wert, die keinen Zins bringt? Ich lege Geld doch dort an, wo es am meisten Zinsen gibt, ggf. investiere ich Aktien mit Dividenden.
    Geld ist anerkanntes Tauschmittel, der Euro ist gesetztliches Zahlungsmittel, Steuern muss ich in Euro bezahlen, das geht nicht mit Berkshire Hathaway-Anteilen.
    Ich weiss nicht, warum das mit den dividendenlosen Aktien und thesaurierenden Fonds funktioniert, vielleicht nur deshalb, weil sehr viele mitspielen?
    (Der neue Wertefonds DE000A2AQ952 schüttet übrigens aus, finde ich interessant.)

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    1. Also dieser Vergleich hinkt nun wirklich bedenklich. Ein Unternehmen, das Gewinne erzielt, diese aber nicht ausschüttet, ist nicht gleichzusetzen mit einer Anlage, die kein Geld bringt. Das liegt doch auf der Hand! Das Zweite ist totes Fremdkapital, das erhält man irgendwann ohne Zinsen und durch Inflation abgewertet zurück. Das Erste erfährt eine Wertsteigerung, weil die Gewinne ja nicht einfach so verschwinden, sondern im Unternehmen bleiben und damit das Eigenkapital erhöhen. Wenn man dann irgendwann seinen Anteil verkauft, verkauft man auch diesen Gewinnanteil mit - und dann hat man seine "Verzinsung", seine Rendite.

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    2. So wie ich das sehe glaubst du deine Sicht der Dinge wäre für alle gültig. Ich gestehe dir durchaus zu nur in Dividendenwerte zu investieren, das ist die persönliche Sichtweise jedes einzelnen und vollkommen in Ordnung. Nur ist das für andere nicht das Ziel, und auch das ist vollkommen ok.

      Aber machen wir mal den Vergleich: Sofern wir beide vor 40 Jahren bereits gelebt hätten, hättest du in deinen Felsblock 10.000$ investiert (kein Land, sondern einen losen Felsbrocken) und ich die selbe Summe in Berkshire Hathaway.
      Wer von uns beiden wäre nun vermögender, wenn er sein Investment verkaufen und in Zahlungsmittel umtauschen würde?

      Grüsse
      Valueer

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    3. @Valueer
      Nein, das glaube ich nicht (wo behaupte ich das?), ich weiss bloss nicht, warum das funktioniert.
      Mir ist klar, dass Berkshire Hathaway höher gehandelt wird wie ein Felsblock, es erschliesst sich mir aber nicht ganz. Wieso zahlen Leute für Unternehmensabteile, für die es keine Dividenden gibt? Als Beispiel nannte ich eingangs eine Mietwohnung. (Und wer weiss, vielleicht wird die Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway niediger gehandelt als sie nach Summierung ihrer Einzelteile wert wäre.)
      Wikipedia: "Finanzanlagen entstehen durch dauerhafte Kapitalüberlassung, die in verschiedenen Formen möglich ist. Aus ihr sollen Zinserträge oder Gewinnbeteiligungen erzielt werden."

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    4. Da hast Du Dir doch Deine Antwort selbst gegeben: Gewinnbeteiligung. Eine Aktie ist Anteil an einem Unternehmen und damit ein Anteil am Gewinn. Ob dieser ausgeschüttet wird, oder ob er im Unternehmen verbleibt, die Gewinnbeteiligung der Aktie bleibt bestehen und wird von Gewinnjahr zu Gewinnjahr größer. Beim Verkauf der Aktie verkauft man die aufsummierten Unternehmensgewinne mit - und diese haben sich im höheren Aktienkurs widergespiegelt. Ist wie bei einer Anleihe oder einem Banksparplan, wo es keine jährliche Zinszahlung gibt, sondern eine einmalige Ausschüttung am Ende der Laufzeit bei Rückzahlung der Anleihe. Nennt sich Endfälligkeit.

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  4. @Anonym: Vielleicht noch ein zusätzlicher Punkt zum Verständnis. Eine Dividendenausschüttung verringert den Wert der Aktie im Moment der Ausschüttung genau um den Betrag der Dividende.
    Nimm an, du kaufst eine Aktie eines Unternehmen für 100 €. Das Unternehmen erwirtschaftet eine EK-Rendite von 10%, macht als pro Aktie 10 € Gewinn. Dein Unternehmensanteil ist nun 110 € Wert. Den Gewinn (bzw. Cashflow) kann das Unternehmen nun entweder ausschütten oder selber re-investieren. Im ersten Fall bekommst du 10 € Dividende und dein Anteil fällt wieder auf seinen Ursprungswert von 100 €. Mit den 10 € kannst du nun machen, was du möchtest. Im zweiten Fall bleibt dein Anteilswert bei 110 € und das Unternehmen setzt den einbehaltenen Gewinn ein. Im besten Fall schafft es wieder eine EK-Rendite von 10% was im Folgejahr schon einem Gewinn/Aktie von 11 € entspricht. Dein Unternehmenswert beträgt dann schon 121 €.

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