Dienstag, 29. Januar 2013

Microsoft, das verkannte Value-Investment

Früher, da war Microsoft das pure Böse, Windows beherrschte den Markt unangefochten, das Office-Paket war der Standard und der Internet Explorer hatte den dominierenden Webbrowser Netscape Navigator innerhalb weniger Monate vaporisiert. Dann kam Google und Microsoft hinkt seitdem bei der Onlinesuche und dem Onlinewerbegeschäft meilenweit hinterher und auch beim mobilen Betriebssystem für Handys und Smartphones wurde Microsoft von Googles Android, das auf Linux basiert, auf die Plätze verwiesen. Und dann kam Apple und Microsoft sah seine Felle noch weiter wegschwimmen, denn neben dem iPhone kam das Tablet iPad und seitdem kämpfen die PC- und Notebook-Hersteller, wie Dell, Acer, HP usw. mit Absatzproblemen. Doch während Windows auf PCs und Notebooks weiterhin Standards setzt, sind Tablets bisher kein Markt für Microsoft. Und dann hat Microsoft auch noch die Zahlung einer - recht üppigen - Quartalsdividende aufgenommen, was das Ende als innovativer High-Tech-Konzern einläutete und Microsoft zu einem verstaubten "Old-School-Dino" machte. Schnarch...

Ausgeschlafene Investoren auf der Suche nach interessanten unterbewerteten Unternehmen haben Mircosoft hingegen immer öfter auf dem Radar. Denn der Dino hat den letzten großen Aufschwung der Börsenkurse nicht wirklich mitgemacht und ist daher seitens des KGVs sehr attraktiv bewertet (für 2013 liegt das KGV des Dow-Jones-Schwergewichts bei niedrigen 8,5) und die Dividendenrendite beträgt stolze 3,5% und wird Quartalsweise zu jeweils 23 US-Cents ausgeschüttet.

Darüber hinaus ist die Kriegskasse von Microsoft prall gefüllt und es gibt einige Aspekte, die für ein Wiedererstarken des angeschlagenen Dinos sprechen. Zunächst ist da die Einführung von Windows 8, die man nur als erfolgreich bezeichnen kann. Zwar wird das Betriebssystem sehr preiswert in den Markt gedrückt mit Schnupperpreisen zur Markteinführung, aber Windows 7 ist so erfolgreich, so dass gerade in Unternehmen nicht damit zu rechnen ist, dass dort kurzfristig umgestiegen wird. Andererseits ist Windows 8 eine Mischung aus PC-Desktop-, Tablet- und Handy-Betriebssystem und bietet den Vorteil für den Kunden, dass er sich nur an ein System gewöhnen muss und dies auf all seinen Geräten läuft. Und das bietet natürlich Potenzial, denn wer ein Windows-8-Gerät benutzt und zufrieden ist, für den liegt es nahe, auch bei anderen Geräten zu solchen mit Windows 8 zu greifen. Das Potenzial ist also gewaltig, zumal Microsoft nicht nur eigene Systeme herstellt, wie das Surface, sondern eben auch PCs von Dell und anderen bestückt. Des Weiteren setzt Nokia voll auf Windows 8 für seine Handys und Smartphones und der Erfolg der Lumia-Geräte ist auch ein Erfolg für Microsoft.

Wo es noch hakt, ist die Onlinesuche via Bing. Da werden die Erwartungen nach wie vor nicht erfüllt und das mögliche Potenzial nicht wirklich gehoben. Hier wird sich Microsoft weiterhin verstärken wollen. Das Kartensystem hingegen läuft top und das ist nicht selbstverständlich, wie Apple mit seinem iPhone-5-Kartendisaster eindrucksvoll bewiesen hat.

Zuletzt war Microsoft unter Druck geraten, weil die Verkaufszahlen der Office-Serie enttäuschten. Allerdings taten sie das nur auf den ersten Blick, denn da ein neues Office kurz vor der Veröffentlichung steht, halten sich Käufer erwartungsgemäß zurück. Die Cash-Cow wird weiter Milch geben!

Und jetzt diese Meldung, die den Kurs von Microsoft bisher jedoch kaum tangiert: angeblich denkt China darüber nach, das im Jahr 2000 eingeführte Verbot für Spielekonsolen aufzuheben. Die japanischen Konsolenhersteller Nintendo und Sony machten gleich einen kleinen Freudensprung, obwohl aus China ein Dementi folgte. Das wird auch keine kurzfristige Entscheidung geben, immerhin müssen sieben Ministerien zu einem einstimmigen Votum kommen, aber der Markt wäre gigantisch. Und neben der Playstation wartet auch die X-Box-360 (oder ihr erwarteter Nachfolger) auf diesen Milliardenmarkt. Und von wem die X-Box kommt, können Sie sich vermutlich schon denken.

Zu guter Letzt fällt immer wieder der Name Microsoft, wenn es um potenzielle Übernahmen geht. Ob bei Yahoo!, Dell oder dem BlackBerry-Hersteller Research in Motion (RIM), die ich ja kürzlich als interessante Turnaroundspekulation vorgestellt habe.

Unter dem Strich treffen wir bei Microsoft also auf einen Dow-Jones-Wert mit niedrigem KGV, hoher Dividendenrendite, prall gefüllter Kriegskasse und einer Reihe von Problemen, für die aber jeweils interessante Perspektiven bereit stehen. Wer nicht auf schelle Kursanstiege spekuliert, sondern sich langfristig an einem soliden, innovativen und ertragsstarken Unternehmen beteiligen möchte, das wie ein Old-School-Unternehmen bewertet ist, aber Perspektiven eines Wachstumswertes bietet, der sollte mit Microsoft genau richtig liegen.

Microsoft befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.

Kommentare:

  1. Eine sehr schöne Zusammnfassung eines spannenden Unternehmens. Ich selbst halte Microsoft für ein gutes Investment und bin auch selber mit dabei. Ich sehe vor allem einen tiefen Burggraben bei den ganze Office-Anwendungen. Viele Großunternehmen und Behörden setzen im Moment auf die Office-Produkte von MSFT zum einen sind die Unternehmen viel zu riesig um da einen schnellen Wechsel durchzuführen, die möglichen Gefahren sind sehr viel höher als der Nutzen. Darüber hinaus gibt es momentan auch keine Alternative die so ausgereift und von den Anwendern derart akzeptiert wird um MS Office zu ersetzen.

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    1. Richtig, Jan. Es gab kürzlich eine Studie zum EInsatz von Open Office in öffentlichen Verwaltungen (z.B. hatte München auf die kostenlose Variante gesetzt) und die kam zu dem Schluss, dass man unter dem Strich mit Microsoft Office sogar Geld spart. Denn auch wenn das Open Office selbst nichts kostet, benötigt man hohe Beträge, um die Mitarbeiter auf den Produkten zu schulen. Dann sind die Kosten für Wartung auch nicht geringer und es treten, vor allem bei PowerPoint, immer wieder Inkompatibilitäten auf und der Austausch mit anderen Behörden, Bürgern und Unternehmen gestaltet sich arbeitsaufwändig und schwierig. Und das liegt natürlich genau an dem von Dir benannten Burggraben, dass nämlich Microsofts Office das Maß aller Dinge, also Standard ist. Jeder ist daran geschult und das Umlernen kostet (den Arbeitgeber) viel Zeit und Geld. Eine dauerhafte Cash-Cow eben...

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  2. Ich weiß leider nicht, ob das hier hin passt, aber mich würde mal interessieren, wie Deine Meinung zu der ENERPLUS-Aktie ist... ich finde eigentlich nichts wirklich negatives zu der Aktie.

    Und nachdem der Kurs in einem Jahr fast 50% gefallen ist, wäre das bei einer Dividende von ca. 8% auf den aktuellen Kurs ja echt ein Schnäppchen.

    Würde mich freuen, mal darüber etwas zu lesen :)

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    1. Zu dem Unternehmen habe ich keinerlei Informationen, ich kann da keine fundierte Meinung abgeben. Dass der Kurs so deutlich eingebrochen ist, sollte man aber genau analysieren - wenn nämlich die Geschäfte schlecht laufen oder signifikante Probleme auftreten, hat dies Auswirkungen auf die eigene Bewertung der Aktien. Und dann sind ggf. KGV und/oder Dividendenrendite falsche Ratgeber. Wenn nämlich die Analysten bisher ihre Prognosen nur noch nicht nach unten angepasst haben, ergeben diese Kennzahlen dann ein deutlich zu optimistisches Bild. Ich habe das in dem Artikel "Hohe Dividendenrenditen als Warnsignal?" näher ausgeführt.

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  3. Microsofts Bewertung wirkt aktuell wirklich interessant und diese Cash Cow wird sicherlich auch weiter Milch geben"".

    Viele Investoren sind jedoch enttäuscht, da Microsoft eben nicht wirklich viel Neues erschlossen hat. Noch immer bleibt das Betriebssyste und die Officesparte und es kam wenig neues dazu. Diese Dominanz wird aber wohl auch weiterhin erhalten bleiben. Derart viel Software ist auf Windows zugeschustert, dass ein Wechsel in der Tag für die meisten Nutzer keinerlei Sinn macht.

    Vielleicht sind die niedrigen Microsoft Kurse auch ein Spielebild des Tablet und Smartphoneerfolgs. Dennoch sehe ich hier die Gefahren nicht in dem Ausmaß. Tablets und Smartphones nutzen Inhalten, die wohl wieder auf konventionellen Computern und Laptops erstellt werden.

    Die XBox sehe ich für Microsoft langfristig als einen guten Schachzug. In den USA und Europa ist bereits eine gute Hardwarebasis installiert und ich denke die Spiele sind nur ein Steckenpferd um die Geräte in die Haushalte zu bringen. Inzwischen werden ja auch zahlreiche andere Dienste wie Video on Demand angeboten und es bieten sich dadurch zahlreiche weitere Verdienstmöglichkeiten.

    Sohnemann wünscht sich die XBox wegen einem bestimmten Spiel und Papa verfolgt dann darauf digital die Bundeslige...

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    1. Richtig, Ulrich. Microsoft verdient mit seinem "Brot-und-Butter-Geschäft" (Windows und Office) viel Geld und hat einen hohen Cash-Flow und ist dabei attraktiv bewertet mit einer interessanten Dividendenrendite. Also als Depot-Dino bestens geeignet. Dazu kommt, dass sie in mehreren Bereichen gute Ausgangschancen haben, ein weiteres einträgliches Geschäftsfeld zu eröffnen, das dann für den "Pepp" sorgen kann. Man könnte sagen, die Option auf interessante Wachstumsperspektiven ist nach unten gut abgesichert. Und die Wartezeit, ob Microsoft einen (oder mehrere?) Treffer landet, wird einem durch die Dividende versüßt.

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  4. Martin Mauelshagen28. Mai 2013 um 10:49

    Hallo,

    wie verändert denn der durchwachsene Start von Windows 8 Ihrer Ansicht nach die Bewertung von MicroSoft?

    MfG

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    1. Microsoft hat mehr als 100 Mio. Windows 8 Lizenzen verkauft, das Produkt wird also angenommen vom Markt. Dabei stehen die Businesskunden noch aus, denn die haben ja weitgehend auf Win7 aufgrüstet und werden das System die nächsten Jahre noch fahren.

      Der Marktanteil von Windows liegt weiterhin sehr hoch und Microsoft hat angekündigt, auf die Kundenkritik zu reagieren - vor allem haben sie eingesehen, dass es nicht nur Tablets gibt, sondern auch der - wenn auch schrumpfende - Desktop-Markt für den Erfolg von Windows 8 sehr wichtig ist. Der Vorteil von Windows 8 ist, dass es auf verschiedenen Geräten/Anwendungen, vom PC über Tablet, Handy und Spielekonsole läuft - wenn der Kunde sich einmal an das System gewöhnt hat, kann er auch die anderen Geräte ohne größere Schwierigkeiten oder Ungewöhung bedienen. Vor allem für Kunden jenseits der 30 ist das ein nicht ganz unerheblicher Punkt, denn die haben zunehmend weniger "Spaß" daran, immer die neusten Features auszuprobieren, sondern die wollen ein leistungsfähiges, aber auch bekanntes bzw. konstantes System haben. Der sich immer schneller drehende Innovationszyklus ist meines Erachtens kein Zukunftsmodell, jedenfalls kein massentaugliches.

      Ich denke daher, dass Microsoft weiterhin mit Windows gutes Geld verdienen wird und mit Office, X-Box und Windows inzwischen weniger als High-Tech-Software-Schmiede betrachtet werden sollte, sondern eher als Infrastrukturunternehmen. Es wird mittlerweile ja auch eine ganz ansehnliche Dividende gezahlt und die Bewertung ist trotz des deutlichen Kursanstiegs der letzten Wochen noch attraktiv. Wenn man allerdings (schnelle) Kursraketen sucht, ist man bei Microsoft wohl nicht an der richtigen Stelle. Ich halte sie neben Cisco für ein echtes Web-Basisinvestment, deren hohe Cash-flows belegen, dass es sich um für Langfristinvestoren geeignete Investments handelt.

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  5. Eine sehr schöne Zusammenfassung. Man darf auch jetzt noch sehr gespannt sein, wie sich das Ganze in den nächsten Jahren weiter entwickelt.

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