Am 02.03.2009 veröffentlichte der US-amerikanische Versicherungskonzern American International Group (AIG) seine Zahlen für das vierte Quartal 2008 – und schockierte die Finanzwelt. Mit einem Quartalsverlust von 61,7 Milliarden Dollar meldete das Unternehmen den bis dahin größten Verlust in der Geschichte der US-Wirtschaft. Die Dimension der Schieflage zwang die US-Regierung, den Konzern mit insgesamt rund 180 Milliarden Dollar zu stabilisieren, um den Meltdown des globalen Finanzsystems abzuwenden.
Der Fall AIG wurde zu einem der zentralen Lehrstücke der globalen Finanzkrise und offenbarte die Risiken eines Versicherungsriesen, der sich weit über sein traditionelles Geschäftsmodell hinaus in den Schattenbankensektor vorgewagt hatte und durch seine Gier und Selbstüberschätzung nicht nur sich selbst, seine Aktionäre und Gläubiger, sondern ganze Staaten mit an den Rand des Abgrund brachte - und darüber hinaus...
Der Aufstieg der AIG zum globalen Versicherungsgiganten
Die AIG wurde 1919 von Cornelius Vander Starr gegründet, ursprünglich als Versicherungsagentur in Shanghai. Schon früh verfolgte das Unternehmen eine internationale Expansionsstrategie, die sich deutlich von vielen stärker national ausgerichteten US-Versicherern unterschied. Nach dem Zweiten Weltkrieg verlagerte sich der Schwerpunkt zunehmend in die Vereinigten Staaten, doch der globale Ansatz blieb ein zentrales Merkmal.
In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich AIG zu einem breit diversifizierten Versicherungskonzern mit Aktivitäten in:
Schaden- und Unfallversicherung, Lebensversicherung, Rückversicherung, Finanzdienstleistungen, Flugzeugleasing sowie strukturierten Finanzprodukten.
Besonders unter der langjährigen Führung von Maurice R. Greenberg, der AIG von 1968 bis 2005 leitete, expandierte das Unternehmen aggressiv und baute eine dominierende Stellung in zahlreichen Versicherungsmärkten auf. Greenberg setzte auf geografische Diversifikation, starke Kapitalbasis und ein hochgradig dezentrales Geschäftsmodell.
Marktstellung und Geschäftsmodell der AIG vor der Krise
Bis in die frühen 2000er Jahre galt AIG als eines der solidesten Finanzunternehmen der Welt. Der Konzern war in über 130 Ländern aktiv und betreute Millionen Kunden. Ratingagenturen bewerteten AIG lange mit Bestnoten, was dem Unternehmen besonders günstige Refinanzierungsbedingungen verschaffte.
Ein entscheidender Wettbewerbsvorteil lag in der Kombination aus globaler Präsenz, hoher Bonität, umfangreicher Produktpalette und starker Kapitalisierung. Doch hinter dieser stabil wirkenden Fassade wuchs ein Geschäftsbereich heran, der sich später als existenzbedrohend erweisen sollte: AIG Financial Products (AIGFP).
AIG Financial Products und der Einstieg in Kreditderivate
Die in London ansässige Einheit AIGFP entwickelte sich seit den 1990er Jahren zu einem hochprofitablen Geschäftsfeld. Sie spezialisierte sich auf komplexe Finanzderivate, insbesondere Credit Default Swaps (CDS).
Ein CDS funktioniert vereinfacht wie eine Versicherung gegen den Ausfall von Anleihen oder strukturierten Kreditprodukten. Der Verkäufer des CDS erhält Prämien und verpflichtet sich im Gegenzug, bei Ausfall des Referenzschuldners zu zahlen.
Zunächst konzentrierte sich AIGFP auf relativ sichere Engagements, etwa auf Unternehmensanleihen mit hoher Bonität. Mit dem Boom strukturierter Finanzprodukte in den 2000er Jahren verlagerte sich der Fokus jedoch zunehmend auf CDS-Absicherungen für strukturierte Hypothekenpapiere, insbesondere Collateralized Debt Obligations (CDOs) mit Bezug zu US-Subprime-Hypotheken. Und hier begann sich ein systemisches Risiko aufzubauen.
Die wachsenden Risiken vor der Finanzkrise
Zwischen etwa 2003 und 2007 verkaufte AIGFP in großem Umfang CDS-Schutz auf strukturierte Kreditprodukte. Mehrere Faktoren machten diese Strategie gefährlich:
Erstens verlangte AIG oft nur geringe Sicherheiten (Collateral), solange das Unternehmen selbst über ein hohes Kreditrating verfügte. Zweitens gingen viele Modelle davon aus, dass ein gleichzeitiger landesweiter Einbruch des US-Immobilienmarkts äußerst unwahrscheinlich sei. Drittens behandelte das Management die CDS-Positionen lange Zeit als nahezu risikofrei.
Diese Einschätzungen erwiesen sich als fatal.
Als der US-Immobilienmarkt 2006/07 zu schwächeln begann und strukturierte Hypothekenpapiere massiv an Wert verloren, forderten die CDS-Gegenparteien zunehmend Sicherheiten von AIG. Damit begann eine gefährliche Liquiditätsspirale.
Die Finanzkrise 2007–2008 und der Kollaps der CDS-Positionen
Mit der Eskalation der globalen Finanzkrise im Jahr 2008 verschärfte sich die Lage dramatisch. Die Marktpreise für strukturierte Kreditprodukte brachen ein, und die Gegenparteien – darunter zahlreiche Großbanken – verlangten immer höhere Nachschüsse.
AIG sah sich plötzlich mit massiven Margin Calls konfrontiert.
Gleichzeitig verschlechterten sich die Bewertungen der Ratingagenturen. Jede Herabstufung löste zusätzliche Sicherheitenforderungen aus – ein klassischer prozyklischer Effekt.
Der entscheidende Wendepunkt kam im September 2008, unmittelbar nach der Insolvenz von Lehman Brothers. Die Finanzmärkte gerieten in Panik, Liquidität trocknete aus, und die CDS-Verpflichtungen von AIG wurden akut existenzbedrohend.
Der Rekordverlust im vierten Quartal 2008
Als AIG am 2. März 2009 seine Zahlen für das vierte Quartal 2008 veröffentlichte, wurde das volle Ausmaß sichtbar. Der Quartalsverlust von 61,7 Milliarden Dollar resultierte vor allem aus:
- Abschreibungen auf CDS-Positionen,
- Wertverlusten strukturierter Kreditportfolios
- Abschreibungen im Wertpapierbestand
- Verlusten in der Lebensversicherungssparte
Der Verlust überstieg das Eigenkapital des Konzerns bei weitem und machte eine staatliche Rettung unausweichlich.
Die Rettungsmaßnahmen der US-Regierung
Bereits im September 2008 hatte die Federal Reserve in Abstimmung mit dem United States Department of the Treasury eine erste Notfallfazilität bereitgestellt. In den folgenden Monaten wurde das Rettungspaket mehrfach ausgeweitet und umstrukturiert.
Insgesamt summierten sich die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen auf rund 180 Milliarden Dollar.
Die wichtigsten Elemente waren, Notkreditlinien der Federal Reserve, Kapitalzuführungen über das TARP-Programm, Übernahme problematischer Vermögenswerte, Garantien für bestimmte Verpflichtungen.
Im Gegenzug erhielt der Staat eine Mehrheitsbeteiligung an AIG. Zeitweise hielt die US-Regierung rund 80 Prozent der Anteile.
Warum AIG als systemrelevant galt
Die Entscheidung zur Rettung war politisch hoch umstritten, insbesondere weil die US-Regierung kurz zuvor die Rettung von Lehman Brothers abgelehnt und deren Pleite zugelassen hatte. Die Behörden argumentierten bei der AIG jedoch, dass ein ungeordneter Zusammenbruch von AIG deutlich gravierendere Folgen gehabt hätte.
AIG war tief in das globale Finanzsystem vernetzt:
- CDS-Kontrakte mit zahlreichen Großbanken
- umfangreiche Wertpapierleihegeschäfte
- große Versicherungsbestände
- weltweit bedeutende Rolle im Commercial-Paper-Markt
Ein Zahlungsausfall hätte eine Kettenreaktion auslösen können. Viele Banken hätten plötzlich ungesicherte Kreditrisiken getragen. Die Regierung stufte AIG daher als "too interconnected to fail" ein.
Randbetrachtung: Die Globale Finanzkrise 2008/09 wurde ausgelöst durch überbordende Gier und zwar im US-Immobilienmarkt. "House-Flipping" war zum Einkommensgenerator für jedermann geworden, selbst Mittellose und/oder Arbeitslose erhielten von den Banken Kredit, um damit Häuser zu erwerben. Und zwar teilweise 130 Prozent der Finanzierungskosten. Finanziert mit Krediten ohne Zinsbindung und in der (vermeintlichen) Gewissheit, dass die Immobilienpreis immer weiter steigen würden und damit bei Nichtbedienung der Kreditzinsen der Kreditgeber einfach die Sicherheit (die Immobilie) verwerten kann und damit das Risiko quasi auf Null sinkt.Anschließend wurden diese Kredite gebündelt in "Asset Backed Securities" (ABS) und diese strukturierten Wertpapiere dann an gierige Investoren verkauft - nachdem sie zuvor von den Ratingagenturen mit besten Bonitätsnoten versehen worden waren. Dummerweise verdienten diese ABS ihr Rating nicht, denn es wurden solvente Schuldner mit notleidenden Krediten gemischt und anschließend und beamen nachher dennoch die Top-Bewertung."Wenn man Rosinen mit Scheiße mischt, hat man nachher immer noch Scheiße."(Charlie Munger)Irgendwann waren die Kreditausfälle nicht mehr ignorierbar und die Ausfälle tauchten auch in den Bilanzen der Banken auf, weil diese die ABS nicht mehr schnell genug an gutgläubige (oder blinde) Investoren verkaufen konnten und sie deshalb in ihrer eigenen Bilanz behalten mussten. In 2008 fielen die Dominosteine um und eine US-Bank nach der anderen geriet in Schieflage. Nachdem die US-Regierung mehrere gerettet hatte, rückte Lehman Brothers immer stärker in den Fokus. Und hier folgte der GAU. In den USA standen Präsidentschaftswahlen an und die regierenden Republikaner waren nicht zu Staatshilfen bereit. Ihnen standen die Demokraten unter ihrem Kandidaten Barack Obama gegenüber und beide Seiten waren (fast) nur um ihre Wahlaussichten bemüht, nicht um das globale Finanzsystem. Es wurden also keine Kompromisse gefunden und keine Lösungen verabschiedet. Am 28. September 2008 kollabierte dann Lehman Brothers - unter Jubel der Republikaner. Man hatte es "den Bonzen an der Wall Street" gezeigt und Rückgrat bewiesen. Weltweit wurde die Entscheidung von den Medien gefeiert - bis sich die AIG zu Wort meldete, denn alle Banken weltweit hatten Forderungen gegen Lehman Brothers und diese über CDS abgesichert. Und das Fatale daran: die AIG war hier der mit große Abstand weltweite Marktführer und somit waren alle Banken bei dem selben Versicherer versichert. Und der Brach unter der Last zusammen. Ein Detail, dass die Entscheider übersehen hatten, als sie die Rettung von Lehman Brothers ablehnten.Man kann also sagen, dass die bewusste Entscheidung der US-Regierung und des US-Kongresses, Lehman Brothers in die Insolvenz gehen zu lassen und nicht zu retten, die US-Immobilien- und Bankenkrise erst zur Globalen Finanzkrise gemacht haben. Denn in allen Ländern der Welt verbuchten die Banken und auch große Unternehmen enorme Wertverluste (in den USA Lehman Brothers, Washington Mutual, Bear Stearns, Fannie Mae, Freddie Mac, Merill Lynch, dann Fortis (Benelux-Staaten), die Hypo Real Estate (Deutschland), die Anglo Irish Bank & Irish Nationwide Building Society (Irland), Northern Rock (Großbritannien), aber auch General Electric und viele weitere.Am 4. November 2008 gewann Barack Obama von den Demokraten die US-Präsidentschaftswahl.
Die Sanierung und Restrukturierung der AIG
Nach der Stabilisierung begann ein mehrjähriger Sanierungsprozess. Ziel war es, den Konzern zu verkleinern, Risiken abzubauen und staatliche Mittel zurückzuführen.
Zu den wichtigsten Maßnahmen gehörten der Verkauf zahlreicher Tochtergesellschaften, der Rückzug aus dem CDS-Neugeschäft, eine drastische Bilanzverkürzung, die Fokussierung auf das Kerngeschäft Versicherung sowie die Stärkung des Risikomanagements.
Besonders bedeutend waren Verkäufe von AIA (asiatisches Lebensversicherungsgeschäft), ALICO (internationale Lebensversicherung) sowie der Flugzeugleasing-Einheit ILFC.
Diese Transaktionen generierten Milliarden zur Rückzahlung staatlicher Hilfen.
Konsequenzen für Aktionäre und Gläubiger
Die Rettung hatte tiefgreifende Auswirkungen auf Investoren. Die bestehenden Aktionäre wurden massiv verwässert; sie verloren durch die staatliche Mehrheitsübernahme den Großteil ihres wirtschaftlichen Einflusses und erlitten erhebliche Wertverluste, nachdem der Aktienkurs bereits während der Finanzkrise dramatisch eingebrochen war.
Auf der anderen Seite kamen die Gläubiger und unter ihnen viel amerikanische und internationale Banken mit einem blauen Auge davon, denn viele CDS-Gegenparteien wurden faktisch vollständig bedient — ein politisch besonders umstrittener Punkt. Kritiker argumentierten, dass die Rettung indirekt große Banken stützte. Befürworter hielten dagegen, dass ein Zahlungsausfall systemische Risiken ausgelöst hätte.
Rückzahlung der Staatshilfen
In den Jahren nach der Krise gelang es AIG schrittweise, die staatlichen Mittel zurückzuführen. Durch Vermögensverkäufe, operative Gewinne und Kapitalmaßnahmen reduzierte der Konzern seine Verbindlichkeiten gegenüber dem Staat.
Bis 2012 hatte die US-Regierung ihre Beteiligung vollständig verkauft. Insgesamt erzielte der Staat nach offiziellen Berechnungen sogar einen moderaten Nettogewinn aus der Rettungsaktion – ein bemerkenswertes Ergebnis angesichts der ursprünglichen Risiken und ein viel Besseres, als Deutschland erzielte (wo auf Eigenkapitalanteile an den geretteten Banken weitgehend verzichtet und die Banken derart "derisked" wurden dass sie kein solides Geschäftsmodell mehr aufzuweisen hatten).
Regulatorische und strukturelle Lehren
Der Fall AIG hatte tiefgreifende Auswirkungen auf Finanzregulierung und Risikomanagement weltweit:
- Stärkere Derivateaufsicht: Ein zentrales Problem war der weitgehend unregulierte OTC-CDS-Markt. In der Folge wurden, zentrale Clearingstellen gefördert, Meldepflichten ausgeweitet, Kapitalanforderungen erhöht und Transparenzvorschriften verschärft.
- Fokus auf systemische Risiken: Die Krise zeigte, dass auch Versicherer systemrelevant sein können. AIG wurde später als "Systemically Important Financial Institution" (SIFI) eingestuft, was strengere Aufsicht bedeutete.
- Verbesserungen im Risikomanagement: Finanzinstitute verstärkten Stresstests, Liquiditätsplanung, Modellvalidierung, Governance-Strukturen.
Der Begriff des "wrong-way risk" – wenn Sicherheitenanforderungen gerade in Stressphasen explodieren – rückte stärker ins Bewusstsein.
Historische Einordnung
Der Beinahe-Zusammenbruch von AIG markiert einen Wendepunkt im Verständnis moderner Finanzkonglomerate. Anders als klassische Banken geriet hier ein Versicherer durch Kapitalmarktgeschäfte in existenzielle Schwierigkeiten.
Der Fall zeigte, dass Versicherungsmodelle durch den Einsatz von Finanzderivaten massiv verändert werden und dass hohe Ratings falsche Sicherheit vermitteln können.
"Derivate sind gefährlich. Sie haben die Hebelwirkung und Risiken in unserem Finanzsystem dramatisch erhöht. Sie haben es Anlegern fast unmöglich gemacht, unsere größten Geschäftsbanken und Investmentbanken zu verstehen und zu analysieren."(Warren Buffett, Berkshire-Aktionärsbrief 2002)
Des Weiteren können Liquiditätsrisiken sogar Solvenzrisiken überholen und komplexe Finanzprodukte erhöhen die systemische Vernetzung massiv, auch international. Die AIG wurde damit zu einem der prägnantesten Beispiele der Finanzkrise.
Und während sich in den USA die Lage bald wieder zu entspannen begann, nachdem die US-Banken wieder Gewinne einfuhren und die Staatshilfen zurückzuzahlen begannen, spitze sich in Europa die sog. "Staatsschuldenkrise" zu. Hier standen die Banken im Feuer und mussten mit enormen Staatshilfen gestützt werden. Doch genau diese Banken waren (und sind) es, die einen erheblichen Teil der Staatsdefizite europäischer Länder finanzierten, indem sie ihre Staatsanleihen kauften - was sie angesichts ihrer eigenen existenzbedrohlichen Schieflagen nicht mehr tun konnten. Der kreditfinanzierten Staatsrettung ging schnell die Puste aus, weil den Staaten die Kredite ausgingen. Und Massenproteste in den am stärksten gebeutelten "PIGS-Ländern" (Portugal, Irland, Griechenland, Spanien) brachten auch die Eurozone und mit ihr den Euro an den Rand des Auseinanderbrechens. Spätestens ab 2010 geriet Europa stark ins Hintertreffen gegenüber der Wiedererstarkenden USA und der damalige EZB-Präsident Mario Draghi wurde berühmt durch seine Worte "whatever it takes", vom 26. Juli 2012.
Am Ende wurde auch diese Krise überwunden, doch der Preis war extrem hoch. Und wir Europäer bezahlen ihn noch heute. Fast ein Treppenwitz der Geschichte ist, dass die damaligen Problemländer, vor allem Griechenland, inzwischen finanzielle Musterschüler sind, während Deutschland als einer der härtesten Sanierungsbefeuerer finanziell voll in den Seilen hängt. Nachvollziehbar, denn in Griechenland wurden marktwirtschaftliche Reformen eingeleitet, während Deutschland auf soziale Umverteilung setzt und unter einer ideologisch motivierten selbstverschuldeten Energiekrise leidet und damit sein Wirtschaftswundererfolgsmodell voll gegen die Wand gefahren hat. Aber das ist eine andere Geschichte...
Mein Fazit
Der Rekordverlust der AIG im vierten Quartal 2008 war das Ergebnis eines langen strategischen Driftprozesses. Ein traditionell konservativer Versicherungskonzern hatte sich schrittweise in hochkomplexe Kreditderivatemärkte vorgewagt, ohne die damit verbundenen systemischen Risiken vollständig zu beherrschen.
Die staatliche Rettung verhinderte vermutlich eine weitere Eskalation der globalen Finanzkrise, war jedoch politisch hoch umstritten und führte zu massiven Verwässerungen für Aktionäre.
Gleichzeitig löste der Fall tiefgreifende Reformen in Regulierung, Risikomanagement und Derivateaufsicht aus.
Rückblickend steht AIG exemplarisch für eine zentrale Lektion der Finanzkrise: Größe, Reputation und historische Stabilität bieten keinen Schutz, wenn sich Geschäftsmodelle schneller verändern als die Risikokontrollen.
Die Geschichte des Konzerns bleibt daher ein dauerhaftes Mahnbeispiel für die Gefahren unzureichend verstandener Finanzinnovation in einem hochvernetzten globalen Finanzsystem.

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