Mittwoch, 31. Januar 2018

Warren Buffett lehrt: Kursrückschläge sind kein Grund, Aktien zu verkaufen

Warren Buffett ist der erfolgreichste Investor aller Zeiten, er steht seit 50 Jahren an der Spitze seiner Investmentholding Berkshire Hathaway und hat bereits davor sehr erfolgreich Investment-Partnerships geleitet. Sein durchschnittlicher Vermögenszuwachs pro Jahr beträgt fast 20 Prozent. Und er ist einer drei reichsten Menschen der Welt.

Das kommt nicht von ungefähr, denn Buffett ist Value-Investor. Er sucht nicht nach Aktien, die schnell steigen, sondern nach Unternehmen, deren Aktien zu niedrigeren Kursen zu kaufen sind, als sie wert sind. Auch aus diesem Grund versucht er nicht, den Markt zu timen, die Börsenkurse vorherzusagen. Er schaut nicht einmal regelmäßig nach ihnen, sondern nutzt die Börse nur als Markt, an dem er Aktien kaufen und verkaufen kann. Nach ganz klar definierten Grundsätzen und nicht aufgrund makroökonomischer Überlegungen oder Börsenstimmungen.

»Wenn jemand gute Aktien hat, wäre er verrückt, wenn er nur wegen eines Kursrückschlags verkaufen würde. Ich suche Unternehmen, die ich verstehe und von deren Zukunftsaussichten ich überzeugt bin.«
(Warren Buffett)

Und so erklärt sich auch sein gutes Verhältnis zu Marktkorrekturen, denn während andere Anleger aus dem Markt heraus strömen, beginnt Buffett mit dem Kaufen. Er investiert in solide Unternehmen mit bewährtem Geschäftsmodell und gut prognostizierbaren Umsätzen und Gewinnen. Und vor allem Cashflows. Denn Buffett liebt Cashflows, aus denen speisen sich Dividenden und Aktienrückkäufe, die Buffett für eine entscheidende Komponente hält auf dem Weg des Anlegers zu Wohlstand.

Wenn nun also Aktienkurse stark einbrechen, hat Buffett kein Angst um sein Geld, das er in Aktien investiert hat. Er betrachtet stattdessen die Werte, die diese Aktien haben und entscheidet auf dieser Basis, welche Aktien er nun kauft. Denn in Kurskorrekturen kommt es regelmäßig zu panikartigen Ausverkäufen, wenn auf einmal alle Anleger gleichzeitig aus einer Aktie heraus wollen, aber nur geringe Nachfrage auf der Käuferseite vorherrscht. Der Kurs stürzt übermäßig ab und dann schlägt Buffetts Stunde: er kauft diese nun unterbewerteten Aktien. Und dabei freut er sich, dass er sie so günstig bekommt, denn er weiß, welchen Wert sie eigentlich haben und nur auf den konzentriert er sich. Nicht auf ihren Preis, ihren Kurs, nicht auf sein schon bestehendes Aktienportfolio, in dem die Kurse ja ebenfalls absinken und rechnerisch so sein Vermögen um Milliarden schmilzt. Buffett sieht nur den Wert seiner Aktien und daher kauft er, wenn andere ihm ihre Aktien geradezu aufdrängen.

»Sei gierig, wenn andere ängstlich sind, und sei ängstlich, wenn andere gierig sind.«
(Warren Buffett)

Dieses Verhalten nennt man konträr und die meisten Börsengurus, die mit Aktien Vermögen gemacht haben, erzielten diese durch konträres Verhalten. "Sei gierig, wenn andere ängstlich sind, und sei ängstlich, wenn andere gierig sind" ist ein weiterer Leitspruch Warren Buffetts und beschreibt exakt seinen Investmentstil. Dass diesem so wenige Anleger folgen, liegt in der Psyche der Menschen begründet. Wir sind Herdentiere und neigen dazu, mit dem Strom zu schwimmen. Und wir haben einen angeborenen Fluchtinstinkt, der uns ohne zu überlegen, fortlaufen lässt, wenn wir Gefahr wittern. Und erst hinterher überlegen wir, ob denn die Gefahr wirklich real war. Ein Kurseinbruch an der Börse löst diesen Fluchtinstinkt aus und nur wenige Menschen gelingt es, ihn dann zu kontrollieren und genau das Gegenteil zu tun: zu bleiben, näher ran zu gehen während sich der Bär austobt.

Wenn man nun schon nicht komplett anders handeln kann, als die Masse, dann kann man wenigstens versuchen, seinen Verstand zu gebrauchen und nicht nur seinen Instinkten zu folgen. Nur weil andere Anleger ihre Aktien auf den Markt schmeißen, hat sich ja der Wert des jeweiligen Unternehmens nicht geändert. Es produziert noch immer, es verdient noch immer und es gibt noch immer Menschen Arbeit. Und daher rät Buffett zu Gelassenheit in turbulenten Börsenphasen und dazu, sich vorher die richtigen Gedanken zu machen, bevor man überhaupt eine Aktie kauft. Denn hat man seine Hausarbeiten vor dem Kauf gewissenhaft erledigt, braucht man sich bei einem Absturz des Aktienkurses keine großen Sorgen zu machen. Im Gegenteil, man kann beherzt zugreifen und Aktien unterhalb ihres wahren Wertes einsammeln. Schnäppchenjagd im Schlaraffenland sozusagen...

Kommentare:

  1. Hallo Michael,
    Washtec (WKN 750750) ist heute massiv eingebrochen. Wäre diese Aktie jetzt eine bei der man gierig zugreifen sollte, weil andere ängstlich sind?

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    1. Danke für den Hinweis, hätte ich gar nicht so auf dem Schirm gehabt. Ich habe heute morgen ganz früh bei WashTec zugegriffen zu durchschnittlich 65,20 Euro. Werde dazu auch noch einen Artikel verfassen - oder im nächsten Investor-Update darauf eingehen. Der Abverkauf in dieser Dimension sollte deutlich übertrieben sein.

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    2. Denke ich auch. Solides Wachstumsunternehmen zu einem guten Preis.

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    3. Oh Mann, manchmal ist das Glück echt mit den Dummen... Als ich heute morgen meine WashTec-Kauforder aufgab, habe ich den Commerzbank-Direkthandel gewählt. Um die Orderprovision zu sparen. Aber die Order wurde nicht ausgeführt. Nach einigem Warten habe ich sie dann storniert und auf Tradegate neu eingestellt. Als ich vorhin nachschaute, waren dann beide Orders ausgeführt worden. Ups... nun hatte ich doppelt so viele WashTecs im Depot, wie geplant. Und, was soll ich sagen, ich habe die Hälfte wieder glattgestellt. Mit 5 Euro je Aktie Kursgewinn, also mehr als 8%. Ein echter Glücksfehlgriff. Aber das Ordersystem der Commerzbank ist immer wieder eine Herausforderung, alleine schon, weil der Wertpapierbestand nicht sofort, sondern einmalig über Nacht aktualisiert wird...

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    4. Michael,

      wie schaffst Du es mit 5% Cashquote jeden Tag Aktien nachzukaufen oder neue Aktien ins Depot zu legen :) Ich möchte mit meiner 5% Cashquote auch so nachkaufen und Bestände hin- und herschieben, klappt aber irgendwie nicht :) Außer ich trenne mich von der Buy and Hold Strategie und beginne mit Daytrading. Dann ist aber auch noch das Problem, dass ich die Transaktionsgebühren hochjage :) Würdest Du empfehlen Bestandsaktien zu verkaufen (z.B. MBB), um Schnäppchen wie Waschtec ins Depot zu legen? Oder kaufst mit Deiner 5%-Cashquote dann geringe Aktienvolumina ohne etwas zu verkaufen?

      Beste Grüße
      Florian

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    5. Hallo Michael,
      wie siehst Du aktuell die Immobilienaktien? Du hast ja auch einige in Deinem Depot. Ich bin doch etwas verunsichert, siehe Artikel https://www.godmode-trader.de/analyse/party-am-immobilienmarkt-vorbei-short-chance-des-jahres,5736235.
      Ich habe auch Corestate, Eyemaxx, Patrizia und Dic Asset im Depot.
      Danke für Deine Antwort und ein großes Lob für die Arbeit und die fundierten Informationen.
      Viele Grüße
      Wolfram

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    6. Die Analyse ist richtig, die Schlussfolgerung aber eher dürftig. Richtig ist, dass die niedrigen Zinssätze bei vielen Bewertungsansätzen zu höheren Bewertungen geführt haben, einfach weil man mit niedrigeren Zinssätzen abgezinst hat. Bei Immobilienaktien hat das oft dazu geführt, dass der Wert der Liegenschaften schnell in die Höhe geschrieben wurde - und wenn nicht nach dem konservativen HGB bilanziert wird, führte das schnell zu hohen Unternehmensgewinnen. So kauften Unternehmen einen Immobilienbestand und sofort haben sie den Wert hochgeschrieben und so Gewinne ausgewiesen. Ob sich diese beim Verkauf nachher wirklich realisieren lassen, bleibt abzuwarten.

      Jetzt steigen die Zinsen und die Behauptung ist, dass nun die Gewinne in sich zusammenbrechen. Naja... so rapide steigen die Zinsen nicht. Vermutlich werden die gewinne nur nicht mehr so schnell steigen.

      Des Weiteren kauft doch kaum jemand Immobilienaktien wegen des Abschlags auf den NAV oder des niedrigen KGVs. Man achte hier doch auf die FFO, die Funds from Operations. Es geht um die laufenden Erträge aus der Immobilienbewirtschaftung, also gerade OHNE die Zuschreibungen aus der Bewertung. Und die sind von höheren Zinsen erstmal nicht tangiert.

      Des Weiteren muss man sehen, dass Eyemaxx ein Bestandshalter ist und ggf. von den Hochschreibungen profitiert hat. DIC Asset auch zum Teil. Corestate und Patrizia hingegen haben keinen/wenig eigenen Immobilienbestand. Sie sind Asset Manager, legen also fremder Leute Geld in Immobilien an (DIC Asset entwickelt sich auch in diese Richtung). Die Asset Manager sind also gar nicht von dem beschriebenen Abdiskontierungs- und Aufwertungsphänomen betroffen.

      Richtig ist aber, dass steigende Zinsen sich natürlich negativ auf die Geschäfte auswirken. Dabei sind die Effekte aber begrenzt; moderat steigende Zinsen führen zu etwas geringeren Margen und ggf, etwas geringerer Nachfrage. Aber nicht zu deutlich spürbaren Auswirkungen. Diese werden wir haben, wenn das Zinsniveau sich oberhalb von 4% einpendelt, dann sind kaum mehr Preisanstiege möglich und Anleihen/Spareinlagen werden wieder interessant als echte Alternativen zu Immobilien und Aktien. Aber das Zinsniveau ist weit von 4% entfernt. Die 5-jährige Bundesanleihe hat gerade erst das Negativterrain bei den Zinsen verlassen.

      Immobilienaktien sind "die Short-Chance des Jahres"? Wohl kaum. Und schon gar nicht alle...

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