Samstag, 1. April 2017

Buffetts Bonmots: Kursrückschläge sind kein Grund, Aktien zu verkaufen

Warren Buffett ist der erfolgreichste Investor aller Zeiten, er steht seit 50 Jahren an der Spitze seiner Investmentholding Berkshire Hathaway und hat bereits davor sehr erfolgreich Investment-Partnerships geleitet. Sein durchschnittlicher Vermögenszuwachs pro Jahr beträgt fast 20 Prozent. Und er ist einer drei reichsten Menschen der Welt.

Das kommt nicht von ungefähr, denn Buffett ist Value-Investor. Er sucht nicht nach Aktien, die schnell steigen, sondern nach Unternehmen, deren Aktien zu niedrigeren Kursen zu kaufen sind, als sie wert sind. Auch aus diesem Grund versucht er nicht, den Markt zu timen, die Börsenkurse vorherzusagen. Er schaut nicht einmal regelmäßig nach ihnen, sondern nutzt die Börse nur als Markt, an dem er Aktien kaufen und verkaufen kann. Nach ganz klar definierten Grundsätzen und nicht aufgrund makroökonomischer Überlegungen oder Börsenstimmungen.

»Wenn jemand gute Aktien hat, wäre er verrückt, wenn er nur wegen eines Kursrückschlags verkaufen würde. Ich suche Unternehmen, die ich verstehe und von deren Zukunftsaussichten ich überzeugt bin.«
(Warren Buffett)

Und so erklärt sich auch sein gutes Verhältnis zu Marktkorrekturen, denn während andere Anleger aus dem Markt heraus strömen, beginnt Buffett mit dem Kaufen. Er investiert in solide Unternehmen mit bewährtem Geschäftsmodell und gut prognostizierbaren Umsätzen und Gewinnen. Und vor allem Cashflows. Denn Buffett liebt Cashflows, aus denen speisen sich Dividenden und Aktienrückkäufe, die Buffett für eine entscheidende Komponente hält auf dem Weg des Anlegers zu Wohlstand.

Wenn nun also Aktienkurse stark einbrechen, hat Buffett kein Angst um sein Geld, das er in Aktien investiert hat. Er betrachtet stattdessen die Werte, die diese Aktien haben und entscheidet auf dieser Basis, welche Aktien er nun kauft. Denn in Kurskorrekturen kommt es regelmäßig zu panikartigen Ausverkäufen, wenn auf einmal alle Anleger gleichzeitig aus einer Aktie heraus wollen, aber nur geringe Nachfrage auf der Käuferseite vorherrscht. Der Kurs stürzt übermäßig ab und dann schlägt Buffetts Stunde: er kauft diese nun unterbewerteten Aktien. Und dabei freut er sich, dass er sie so günstig bekommt, denn er weiß, welchen Wert sie eigentlich haben und nur auf den konzentriert er sich. Nicht auf ihren Preis, ihren Kurs, nicht auf sein schon bestehendes Aktienportfolio, in dem die Kurse ja ebenfalls absinken und rechnerisch so sein Vermögen um Milliarden schmilzt. Buffett sieht nur den Wert seiner Aktien und daher kauft er, wenn andere ihm ihre Aktien geradezu aufdrängen.

»Sei gierig, wenn andere ängstlich sind, und sei ängstlich, wenn andere gierig sind.«
(Warren Buffett)

Dieses Verhalten nennt man konträr und die meisten Börsengurus, die mit Aktien Vermögen gemacht haben, erzielten diese durch konträres Verhalten. "Sei gierig, wenn andere ängstlich sind, und sei ängstlich, wenn andere gierig sind" ist ein weiterer Leitspruch Warren Buffetts und beschreibt exakt seinen Investmentstil. Dass diesem so wenige Anleger folgen, liegt in der Psyche der Menschen begründet. Wir sind Herdentiere und neigen dazu, mit dem Strom zu schwimmen. Und wir haben einen angeborenen Fluchtinstinkt, der uns ohne zu überlegen, fortlaufen lässt, wenn wir Gefahr wittern. Und erst hinterher überlegen wir, ob denn die Gefahr wirklich real war. Ein Kurseinbruch an der Börse löst diesen Fluchtinstinkt aus und nur wenige Menschen gelingt es, ihn dann zu kontrollieren und genau das Gegenteil zu tun: zu bleiben, näher ran zu gehen während sich der Bär austobt.

Wenn man nun schon nicht komplett anders handeln kann, als die Masse, dann kann man wenigstens versuchen, seinen Verstand zu gebrauchen und nicht nur seinen Instinkten zu folgen. Nur weil andere Anleger ihre Aktien auf den Markt schmeißen, hat sich ja der Wert des jeweiligen Unternehmens nicht geändert. Es produziert noch immer, es verdient noch immer und es gibt noch immer Menschen Arbeit. Und daher rät Buffett zu Gelassenheit in turbulenten Börsenphasen und dazu, sich vorher die richtigen Gedanken zu machen, bevor man überhaupt eine Aktie kauft. Denn hat man seine Hausarbeiten vor dem Kauf gewissenhaft erledigt, braucht man sich bei einem Absturz des Aktienkurses keine großen Sorgen zu machen. Im Gegenteil, man kann beherzt zugreifen und Aktien unterhalb ihres wahren Wertes einsammeln. Schnäppchenjagd im Schlaraffenland sozusagen...

Kommentare:

  1. Wie konkret berechnet er denn den Wert einer Aktie? Man hat ja zum einen die Zahlen für die vergangenen Jahre: Umsatz, Gewinn, Cashflow usw... Und zum anderen die Aussichten, die das Management veröffentlicht, wobei diese auch nur für die nahe Zukunft gilt. Also wenn ich das alles habe: Wie bestimmte ich zuverlässig den fairen Wert einer Aktie präzise, sodass ich weiß, diese Aktie für den aktuellen Kurs von 9,81 EUR ist eigentlich 11,02 EUR wert. Ist das möglich? Sorry wenn die Frage dumm ist, ich bin nur ein Anfänger und das was ich mir bisher angelesen habe (von KGV über Dividendenrendite, Graham, Lynch etc.) gibt mir nur Richtwerte und aber nicht das sichere Gefühl einen Preis berechnet zu haben, auf den ich mich bei gleich bleibenden Umständen verlassen kann.

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    1. Genau, zur Bestimmung des fairen Werts einer Aktie gibt es keinen heiligen Gral, keine einfache Formel. Jeder hat dazu verschiedene Ansätze. Das liegt daran, dass man ja die Zukunft bewerten muss und die kennt niemand. Also muss man Vermutungen anstellen und Prognosen treffen. Wie wird sich die Konjunktur entwickeln, wie die Branche, wie die Inflation, wie das Unternehmen und seine Märkte und Produkte selbst. Und wenn man das in eine Discounted-Cash-Flow-Modell gießt, dann führen diese ganzen Annahmen zu einem Wert in der Zukunft (z.B. 10 Jahre) und der wird dann rückwärts auf heute abgezinst (diskontiert). So erhält man den intrinsischen bzw. fairen Wert, den man dann mit dem aktuellen Börsenkurs vergleicht.

      Wie gesagt, das Problem besteht darin, dass man Annahmen für die Zukunft treffen muss. Buffett selbst sagt, dass er seine Berechnungen nie öffentlich machen würde, weil selbst wenn zwei Personen von den völlig gleichen Voraussetzungen und Annahmen ausgingen, würden sie am Ende nicht zum exakt gleichen fairen Wert kommen. Es sei daher wenig sinnvoll, sich darüber auszulassen. Man solle also lieber schauen, dass man zusätzliche Informationen bekommt, die die eigenen Annahmen untermauern oder aber eine Korrektur nötig machen.

      Er gibt Privatanlegern trotzdem einen sehr klugen Rat, um dieses Dilemma zu zu kompensieren: "Ihr Ziel als Investor sollte es einfach sein, zu einem vernünftigen Preis einen Teil eines leicht verständlichen Geschäfts zu kaufen, dessen Gewinne in fünf, zehn und zwanzig Jahren nahezu sicher erheblich höher ausfallen werden, als heute". Im Grund der gleiche Rat, den auch Lynch gibt. Kaufe etwas, das du verstehst und von dem du in etwa einschätzen kannst, ob die Menschen die Produkte künftig mehr benötigen oder weniger. (Auch) aus diesem Grund landen so viele Anleger bei Konsumgüteraktien. Buffett und Lynch haben beide sehr frühzeitig in Gilette investiert, als die den ersten "Wegwerfrasierer" auf den Markt brachten als Konkurrenz zu Elektrorasierern und den bis dahin gängigen Rasiermessern. Beide erkannten, dass es einen großen Markt für diese Rasierer geben würde und das Unternehmen über eine lange Zeit seine Umsätze und Gewinne steigern können würde. Deshalb kauften sie Gilette. Ob Buffett und Lynch eine wirkliche DCF-Analyse angestellt haben, oder ob sie hier eher "Pi mal Daumen" auf das neuartige Geschäftsmodell/Produkt setzten, weiß ich nicht. Man kann dazu aber jeweils Abschnitte in ihren gängigen Büchern finden (Buffett: "Das Leben ist wie ein Schneeball" und Lynch: "Der Börse einen Schritt voraus").

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  2. Hallo Michael

    Die letzten Tage haben mir (insbesondere nach dem Kurssturz bei Aurelius) deutlich zwei Dinge aufgezeigt: Einerseits, dass Anleger noch grössere Herdentiere/Lemminge sind als ich gedachte hatte und andererseits, dass ich wahrlich kein Timing-Experte bin. :) Ich weiss zwar, dass auch du dich nicht als Timing-Experte bezeichnest, doch hätte ich dazu dennoch ein paar Fragen an dich...

    Mir ist aufgefallen, dass du bei grösseren Kursrückgängen, bei denen du Zukäufe getätigt hast, meistens den niedrigsten Kurs (oder zumindest fast den niedrigsten Kurs) erwischt hast und sich die Aktie dann (zumindest vorübergehend) wieder ein wenig erholt hat. Daher die Frage: Wie gehst du in solchen Situationen genau vor? Ist dieses „Timing“ purer Zufall oder steckt dennoch eine Art Strategie dahinter? Des Weiteren würde mich auch interessieren, in welchen Mengen (im Verhältnis zum ursprünglichen Investment) du nachkaufst? Grundsätzlich braucht es den Value-Investor zwar nicht zu interessieren, ob der Kurs noch weiter zurück geht, da er sich auch schon so über das Schnäppchen freut und theoretisch kann er ja zu jedem Zeitpunkt wieder und wieder nachkaufen. In der Praxis gestaltet sich dies aber ein wenig schwieriger, da die Cash-Reserve irgendwann aufgebraucht ist.

    Könntest du allenfalls beschreiben, wie du als erfahrener Investor in solchen Situationen vorgehst? Um eine kurze Stellungnahme wäre ich dir sehr dankbar.

    Beste Grüsse
    David

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    1. Ich habe in den fallenden Kurs gekauft und am Ende des 29.03. ganz gut dagestanden (recht nahe am Tief gekauft, der Kurs erholte sich). Etwa 4% Verlust unterm Strich. Allerdings habe ich meine Position am nächsten Tag dann nochmals ausgebaut und bin am Nachmittag von dem rasanten Kursverfall kalt erwischt worden. Ich war in einem Meeting und bei meiner Rückkehr lag ich massiv hinten. Ich habe dann einen Teil der zuvor gekauften Aktien glattgestellt. Mit deutlichem Verlust.

      Im Grunde habe ich alles falsch gemacht. Zunächst ohne Informationen in einen fallende Kurs nachgekauft. Und als ich am Ende des ersten Tages mit einem blauen Auge davon gekommen war, habe ich auf eine weitere Kurserholung gesetzt - weil ich dachte, die Veröffentlichung der Zahlen zum GJ 2016 und die Telefonkonferenz würden zu einer deutlichen Gegenbewegung führen. Hier habe ich also spekuliert, gezockt. Und mich total verspekuliert und verzockt.

      Was mir recht geschieht, denn als Investor hätte ich mich nicht so verhalten sollen. Meine Position ist (bezogen auf die Stückzahl) jetzt etwas größer als direkt vor der Short-Attacke (zwischenzeitlich war sie erheblich größer aufgrund meiner Nachkäufe), nur eben deutlich weniger Wert. Und ich habe unterm Strich rund 5% eingebüßt - auf mein Gesamtdepot betrachtet, so dass meine Jahresperformance nun leicht ins Negative gerutscht ist. Mein Vorgehen ist also keine Blaupause für Erfolg, sondern dürfte in etwa genauso dilettantisch gewesen sein wie das von Vielen anderen.

      Erkenntnis: Hätte ich gar nichts getan, dann wäre der Kursverlust meiner großen Position geringer als der, den ich nun durch meinen Aktionsmus verursacht habe.

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    2. Nun ja, Aurelius habe ich lediglich aufgrund der Aktualität verwendet und meine Frage war eher allgemeiner Natur (bspw. hast du beim grösseren Kursrücksetzer bei der DRAG ebenfalls Zukäufe getätigt - mit einem hervorragenden Timing - auch wenn der Kurs die darauffolgenden Tage dann noch tiefer getaucht ist). Verstehe ich es also richtig, dass deine Zukäufe (selbst wenn der Kurs stark fällt) grundsätzlich lediglich einen kleineren Teil des gesamten Investments ausmachen? Dass dein Vorgehen kein Garant für Erfolg ist, dass weiss ich natürlich, denn wie Peter Lynch bereits einmal gesagt hatte: "... In der von Forbes veröffentlichten Hitparade der Reichen der Welt war noch nie ein Börsentiming-Experte vertreten." :)

      PS: Sei nicht zu streng zu dir! Im Nachhinein sind wir schliesslich alle immer schlauer... ;-)

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  3. Wollte eigentlich dazu nichts schreiben, aber ich fühle irgendwie einen inneren Druck.

    "Sei gierig wenn andere ängstlich sind" - viele hier sollten diesen Rat zur Herzen nehmen und mal schauen für wie viel Euros sie ihre Aktien (Aurelius) hergeben. Es herrscht momentan eine Panik, unglaublich. Mancher, so scheint es mir, glaubt gar nicht mehr an das Unternehmen und schreibt es völlig ab. Andere, scheinen sehr viele zu sein, wussten schon immer davon und warnen jetzt vor Aurelius.

    Die Angst der Anderen ist die Gier der Anderen!

    DD

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  4. Das ist eine sehr gute Frage, würde mich auch brennend interessieren.
    Habe jetzt zweimal Aktien von Aurelius gekauft. Jedesmal für ca. 2.000 €, einmal am 28.03. zu 52,88 €/St und am 30.03. zu ca. 41 €/St. Damit hätte es jedesmal deutlich bessere kaufzeitpunkte gegeben....

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