Donnerstag, 26. März 2020

Buffett warnt: Wegen eines Kurseinbruchs gute Aktien zu verkaufen, ist gar nicht clever!

Warren Buffett ist der erfolgreichste Investor aller Zeiten, er steht seit mehr als 50 Jahren an der Spitze seiner Investmentholding Berkshire Hathaway und hat bereits davor sehr erfolgreich Investment-Partnerships geleitet. Sein durchschnittlicher Vermögenszuwachs pro Jahr beträgt fast 20 Prozent. Und er ist einer drei reichsten Menschen der Welt.

Das kommt nicht von ungefähr, denn Buffett ist Value-Investor. Er sucht nicht nach Aktien, die schnell steigen, sondern nach Unternehmen, deren Aktien zu niedrigeren Kursen zu kaufen sind, als sie wert sind. Auch aus diesem Grund versucht er nicht, den Markt zu timen, die Börsenkurse vorherzusagen. Er schaut nicht einmal regelmäßig nach ihnen, sondern nutzt die Börse nur als Markt, an dem er Aktien kaufen und verkaufen kann. Nach ganz klar definierten Grundsätzen und nicht aufgrund makroökonomischer Überlegungen oder Börsenstimmungen.

»Wenn jemand gute Aktien hat, wäre er verrückt, wenn er nur wegen eines Kursrückschlags verkaufen würde. Ich suche Unternehmen, die ich verstehe und von deren Zukunftsaussichten ich überzeugt bin.«
(Warren Buffett)
Und so erklärt sich auch sein gutes Verhältnis zu Marktkorrekturen, denn während andere Anleger aus dem Markt heraus strömen, beginnt Buffett mit dem Kaufen. Er investiert in solide Unternehmen mit bewährtem Geschäftsmodell und gut prognostizierbaren Umsätzen und Gewinnen. Und vor allem Cashflows. Denn Buffett liebt Cashflows, aus denen speisen sich Dividenden und Aktienrückkäufe, die Buffett für eine entscheidende Komponente hält auf dem Weg des Anlegers zu Wohlstand und finanzieller Unabhängigkeit.

Wenn nun also die Aktienkurse stark einbrechen, hat Buffett kein Angst um sein Geld, da er nicht bloß Aktien gekauft, sondern damit in Unternehmen investiert hat. Er betrachtet statt des Aktienkurses den Wert, den diese Aktien haben und entscheidet auf dieser Basis, welche Aktien er nun kauft. Denn in Kurskorrekturen kommt es regelmäßig zu panikartigen Ausverkäufen, wenn auf einmal alle Anleger gleichzeitig aus einer Aktie heraus wollen, aber nur geringe Nachfrage auf der Käuferseite vorherrscht. Der Kurs stürzt übermäßig ab und dann schlägt Buffetts Stunde: er kauft diese nun unterbewerteten Aktien. Und dabei freut er sich, dass er sie so günstig bekommt, denn er weiß, welchen Wert sie eigentlich haben und nur auf den konzentriert er sich. Nicht auf ihren Preis, ihren Kurs, nicht auf sein schon bestehendes Aktienportfolio, in dem die Kurse ja ebenfalls absinken und rechnerisch so sein Vermögen um Milliarden schmilzt. Buffett sieht nur den Wert seiner Aktien und daher kauft er, wenn andere ihm ihre Aktien geradezu aufdrängen.
»Sei gierig, wenn andere ängstlich sind, und sei ängstlich, wenn andere gierig sind.«
(Warren Buffett)
Dieses Verhalten nennt man konträr und die meisten Börsengurus, die mit Aktien Vermögen gemacht haben, erzielten diese durch konträres Verhalten. "Sei gierig, wenn andere ängstlich sind, und sei ängstlich, wenn andere gierig sind" ist ein weiterer Leitspruch Warren Buffetts und beschreibt exakt seinen Investmentstil. Dass diesem so wenige Anleger folgen, liegt in der Psyche der Menschen begründet. Wir sind Herdentiere und neigen dazu, mit dem Strom zu schwimmen. Und wir haben einen angeborenen Fluchtinstinkt, der uns ohne zu überlegen, fortlaufen lässt, wenn wir Gefahr wittern. Und erst hinterher überlegen wir, ob denn die Gefahr wirklich real war. Ein Kurseinbruch an der Börse löst diesen Fluchtinstinkt aus und nur wenige Menschen gelingt es, ihn dann zu kontrollieren und genau das Gegenteil zu tun: zu bleiben, näher ran zu gehen während sich der Bär austobt.

Wenn man nun schon nicht komplett anders handeln kann, als die Masse, dann kann man wenigstens versuchen, seinen Verstand zu gebrauchen und nicht nur seinen Instinkten zu folgen. Nur weil andere Anleger ihre Aktien auf den Markt schmeißen, hat sich ja der Wert des jeweiligen Unternehmens nicht geändert. Es produziert noch immer, es verdient noch immer und es gibt noch immer Menschen Arbeit. Und daher rät Buffett zu Gelassenheit in turbulenten Börsenphasen und dazu, sich vorher die richtigen Gedanken zu machen, bevor man überhaupt eine Aktie kauft. Denn hat man seine Hausarbeiten vor dem Kauf gewissenhaft erledigt, braucht man sich bei einem Absturz des Aktienkurses keine großen Sorgen zu machen. Im Gegenteil, man kann beherzt zugreifen und Aktien unterhalb ihres wahren Wertes einsammeln. Schnäppchenjagd im Schlaraffenland sozusagen...


Meine Lese-Tipps
▶ "Buffett. Die Geschichte eines amerikanischen Kapitalisten" von Roger Lowenstein
▶ "Das Tao des Warren Buffett" von Mary Buffett und David Clark
▶ "Die Essays von Warren Buffett: Die wichtigsten Lektionen für Investoren" von Lawrence A. Cunningham
▶ "Investieren mit Warren Buffett. Sichere Gewinne mit der Fokus-Strategie" von Robert G. Hagstrom
▶ "So liest Warren Buffett Unternehmenszahlen" von Mary Buffett und David Clark
▶ "So macht es Warren Buffett: 24 einfache Anlagestrategien" von James Pardoe
▶ "Warren Buffett. Das Leben ist wie ein Schneeball" von Alice Schroeder
▶ "Warren Buffett – Der Jahrhundertkapitalist" von Gisela Baur
▶ "Warren Buffett: Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie." von Robert G. Hagstrom

Kommentare:

  1. Warum handelst Du denn dann immer wieder auch anders Michael? Teilweise verstehe ich das nicht, wie zuletzt bei Sixt oder auch mal bei Apple, Corning z.B. Da hast Du teilweise verkauft als es kritisch war, Angst aufkam, anstatt an den Werten festzuhalten oder nachzukaufen...Corona ändert ja nicht wirklich was an den Trends, die die Firmen verkörpern.

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    1. Stefan, ich verabschiede mich dann von Aktien, wenn sich aus meiner Sicht mein Investmentcase nicht mehr fliegt. Weil sich entweder die Rahmenbedingungen negativ verändert haben oder ich mich bzgl. des Unternehmens geirrt, z.B. Aspekte zu positiv eingestuft habe. Ich verkaufe niemals, nur weil der Kurs gefallen ist. Aber wenn beides zusammenkommt, gefallener Kurs und Leck geschlagener Investmentcase, dann sitze ich das nicht aus in der Hoffnung auf bessere Kurse, sondern ich trenne mich von den Aktien, auch wenn/obwohl der Aktienkurs gefallen ist. Bei Apple habe ich meine Entscheidung ausführlich begründet und auch bei Sixt. Das bedeutet aber nicht, dass meine Entscheidungen immer richtig sind. Sind sie nicht, weder beim kaufen noch beim Verkaufen. Selbst die besten Investoren der Welt liegen selten mehr als bei der Hälfte ihrer Investments richtig, die Quote ist bei mir bestimmt nicht deutlich besser. Etwas anderes anzunehmen, wäre ja größenwahnsinnig. Und da man nicht immer richtig liegen kann, kommt es doch darauf an, dass man seine Entscheidung fundiert trifft, dass man sich genau überlegt, was man tut, und sich damit gut fühlt. Man muss an den Investments festhalten, von denen man überzeugt ist und die "funktionieren". Davon braucht man auch nur eine Handvoll im Leben, die erzeugen dann auf lange Sicht die Überrendite.

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