Dienstag, 13. Dezember 2022

Kissigs Nebenwerte-Analyse zu MBB: Deutschlands erfolgreiche „Baby-Berkshire“

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Artikel aus "Der Nebenwerte Investor" Ausgabe 16/2022 vom 27.11.2022

MBB: Deutschlands erfolgreiche "Baby-Berkshire"

Starinvestor Warren Buffett bietet Unternehmen unter dem Dach seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway ein neues Zuhause. Dabei bewahren die Unternehmen trotz des Eigentümerwechsels ihre Eigenständigkeit und Buffett mischt sich kaum in die Unternehmensführung ein. Das Konzept ist seit 55 Jahren ein wesentlicher Erfolgsfaktor für Berkshire und die Berliner MBB SE folgt dem Großen Vorbild seit ihrem Start im Jahr 1995. Die beiden Gründer Gert-Maria Freimuth und Christof Nesemeier halten auch heute noch die Mehrheit an der mittelständischen, familiengeführten Unternehmensgruppe.

Gründerzeit Bis 1996 firmierte das Unternehmen unter dem Namen "Nesemeier & Freimuth GmbH", erlangte aber bereits 1997 einen höheren Bekanntheitsgrad durch den Kauf der "MBB Gelma Industrieelektronik GmbH" von der Daimler-Benz Aerospace AG (heute Airbus). Die "MBB Gelma Industrieelektronik GmbH" war eine frühere Tochter des Messerschmitt-Bölkow-Blohm-Konzerns. Am 9. Mai 2006 ging das inzwischen in MBB umbenannte Unternehmen an die Frankfurter Börse.

MBB kauft florierende Unternehmen und lässt diesen ihre unternehmerische und operative Freiheit. Die ehemaligen Gründer und/oder Vorstände führen meistens die Geschäfte auch nach dem Eigentümerwechsel fort und bleiben manchmal auch als Minderheitseigentümer an Bord, zumindest für eine Weile. Die MBB als Holding bietet ihrerseits Unterstützung an, sowohl bei Managementaufgaben, Finanzierungsfragen und auch mit Kapital, wenn es um den Ausbau von Kapazitäten oder eigene Firmenzukäufe durch die Töchter geht. Diese „Add-on-Käufe“ folgen der Plattformstrategie.

Plattformstrategie

MBB ist nicht auf bestimmte Branchen festgelegt, doch bereits beim Kauf richtet sich der Fokus auch auf den Ausbau des bestehenden Geschäftsbetriebs. Dabei stehen weniger kurzfristige Margenoptimierungen im Vordergrund, sondern das mittel- und langfristige Wachstum der Tochterunternehmen. Neben organischem Wachstum erfolgen auch regelmäßig Zukäufe, die entweder in bestehende Tochterunternehmen integriert, oder aber als neues Plattformunternehmen etabliert werden.

Beteiligungen

MBB beschäftigt konzernweit inzwischen mehr als 3.500 Mitarbeiter in seinen sechs Tochterunternehmen. Mit der Aumann AG, der Delignit AG und der Friedrich Vorwerk Group SE sind drei von diesen selbst an der Börse gelistet.

Einen großen Entwicklungsschub machte MBB, als man Anfang 2012 die Claas Fertigungstechnik GmbH übernahm, den Automobilzulieferbereich des Landmaschinenherstellers Claas. Durch die in MBB Fertigungstechnik umbenannte Tochter konnte der MBB-Konzern seinen Umsatz auf einen Schlag auf über 200 Mio. Euro mehr als verdoppeln und das bei einer deutlichen Margenverbesserung.

Zu diesem Zeitpunkt hatte MBB bereits einige interessante Töchter, die auch heute zum Konzern gehören. DTS ist einer der führenden deutschen Anbieter von Cyber-Security-Lösungen für IT-Infrastruktur, on premise, hybrid oder aus der Cloud, an dem MBB 80 % der Anteile hält. Delignit ist der führende deutsche Anbieter von ökologischen, laubholzbasierten Werkstoffen und Systemlösungen für die Automobil-, Schienenverkehrs- und Sicherheitsindustrie. Hanke Tissue ist ein Tissue-Produzent in Polen, dessen Wertschöpfung die Herstellung von Tissue-Mutterrollen auf eigenen Papiermaschinen, die Konvertierung zu Endprodukten wie Servietten, Taschentüchern oder Küchenrollen, die Logistik sowie Design, Marketing und Vertrieb dieser Produkte umfasst. Marktführend ist das Unternehmen bei bedruckten Servietten. Die Produkte werden überwiegend in Europa abgesetzt. CT Formpolster ist ein führender Anbieter von Matratzen für Online-Händler. Als One-stop-shop reicht das Angebot des Unternehmens von der eigenen Entwicklung und Schaumherstellung über die Konfektion bis zur Verpackung und dem Drop-Shipping der Produkte zum Endkunden. OBO-Werke ist ein Anbieter von Chemieprodukten für technologisch anspruchsvolle Nischenmärkte. Das Unternehmen bietet Platten-, Block-, Pasten- und Flüssigwerkstoffe auf PU- und Epoxidharzbasis für den Modell-, Werkzeug- und Formenbau.

OBO-Verkauf

Am 24. November meldete MBB, man habe die Mehrheit an der OBO-Werke GmbH an Accursia Capital verkauft, die eine nachhaltige Entwicklung der OBO als neue Beteiligungsplattform plane. OBO erwirtschafte in 2022 voraussichtlich einen Umsatz von rund 24 Mio. Euro bei einem positiven EBITDA. Angaben zum Kaufpreis wurden nicht gemacht. MBBs Minderheitsanteil wird künftig bei 10,10 % liegen.

Aumann-Schachzug

Ende 2016 griff MBB dann bei Aumann zu, einem auf Anlagen zur Spulenwicklung für Elektromotoren spezialisierten Unternehmen, das bereits eng mit der MBB Fertigungstechnik zusammengearbeitet hatte. Der damalige MBB-Chef Nesemeier stellt diese Übernahme "als vermutlich bester Zukauf" der MBB-Geschichte heraus.

MBB fusionierte bald die MBB Fertigungstechnik mit Aumann, so dass der klassische auf Verbrennungsmotoren fokussierte Automobilzulieferer um die Zukunftstechnologie Elektromobilität ergänzt wurde. Das unter Aumann AG firmierende Unternehmen wurde im Frühjahr 2017 an die Börse gebracht und dank des damals gerade vorherrschenden Hypes in Bezug auf E-Mobilität konnte MBB seinen ursprünglichen Kapitaleinsatz vervielfachen. Für die MBB Fertigungstechnik hatte MBB 31 Millionen Euro gezahlt bei einem Kassenbestand von 29 Mio. Euro, und für den 75-prozentigen Anteil an Aumann rund 19 Mio.

MBB reduzierte beim IPO seinen Anteil am Aumann-Konzern auf 53,6 % und strich dabei ordentlich Geld ein. Aus den ursprünglich aufgewendeten 16 bis 17 Mio. Euro wurden bei Aufnahme der Aumann-Börsennotiz rund 543 Mio. an MBB zuzurechnendem Börsenwert und Emissionserlös. Eine Rendite von 3.000 %.

Für Aumann-Aktionäre hat sich der Börsengang bisher allerdings nicht ausgezahlt. Der Dieselskandal und der Coronaeinbruch im Automobilsektor haben dem Unternehmen viel abverlangt und eine Umstrukturierung nötig gemacht und der Aktienkurs hat entsprechend gelitten. Darüber hinaus war der damalige E-Mobility-Hype für drei Jahren komplett von der Agenda der Anleger gefegt worden, was sich nun erst wieder zu drehen beginnt.

MBB nützte den Kurseinbruch bei Aumann übrigens, um antizyklisch sein Aktienpaket wieder auf 44,74 % zu erhöhen. In der MBB-Konzernbilanz wird Aumann weiterhin als beherrschtes Unternehmen voll konsolidiert, so dass seine Umsätze und Ergebnisse dort voll auftauchen. Der 60-prozentige Gewinnanteil, der den anderen Aktionären zuzurechnen ist, wird am Ende als „Minderheiten“ in Abzug gebracht.

Übernahme der Friedrich Vorwerk KG

2019 landete MBB einen weiterer "Game-Changer" in Form einer Doppel-Übernahme. Im Juni übernahm MBB 60% der Friedrich Vorwerk KG aus Tostedt. Vorwerk zählt sich zu den "leistungsfähigsten deutschen Unternehmen im Rohrleitungs- und Anlagenbau für Industrie, Kommunen und Energieversorger". Und Anfang November meldete MBB, dass die Tochter Friedrich Vorwerk KG die Bohlen & Doyen Bau GmbH sowie die Bohlen & Doyen Service & Anlagentechnik GmbH jeweils zu 100 % vom französischen SPIE Konzern erworben hat.

Das kombinierte Unternehmen erzielte mit mehr als 1.200 Mitarbeitern einen annualisierten Umsatz von über 200 Mio. Euro und stand damit sofort für gut ein Drittel des MBB-Konzern-Umsatzes.

Börsengang von Friedrich Vorwerk

Quelle: wallstreet-online.de
Im Zuge des Klimanwandel- und Energiewendediskussionen geriet auch Friedrich Vorwerk stärker ins Visier. Das MBB-Management ergriff die Gunst der Stunde und bald schon gab es Gerüchte über einen Börsengang der Friedrich Vorwerk AG; dieser erfolgte dann im März 2021. MBB hatte für seinen Anteil an Vorwerk 17,67 Mio. Euro bezahlt und der anschließende Kauf von Bohlen & Doyen kostete weiter 5,6 Mio. Euro. Allerdings wurde dieser über Vorwerk abgewickelt und belastete damit nicht die MBB-Kasse.

Zum IPO floss Friedrich Vorwerk frisches Kapital zu, aber auch MBB trennte sich von einem größeren Teil seiner Aktien und hält nun noch 36 %. Der Emissionspreis war auf 45 Euro festgelegt worden und damit im unteren Drittel der zuvor verkündeten Angebotsspanne. Dennoch konnte MBB für seine abgegebenen Aktien mehr als 200 Euro erzielen und wiederholte damit seinen Erfolg bei Aumann.

Denn der Emissionserlös brachte viel mehr ein als das ursprünglich investierte Kapital und MBB behielt eine beherrschende Anteilsposition von 36 %. Damit wird Friedrich Vorwerk ebenfalls voll in der MBB-Konzernbilanz konsolidiert und die Kriegskasse von MBB schwoll weiter kräftig an.

Add-on-Übernahme KORUPP GmbH

Unmittelbar vor dem Börsengang, wurde noch die KORUPP GmbH übernommen, die seit fast 70 Jahren auf die Projektierung, Installation und den Service von Systemen für den Kathodischen Korrosionsschutz spezialisiert ist. Mit der Übernahme der sehr profitablen KORUPP sicherte sich Friedrich Vorwerk die technologische Kompetenz und personellen Kapazitäten, um unterirdische Transportleitungen und Speichersysteme nachhaltig vor Korrosion zu schützen.

Add-on-Übernahme der GOTTFRIED PUHLMANN Gruppe

Mitte November 2021 erwarb der Vorwerk Konzern dann 75 % der Anteile an der GOTTFRIED PUHLMANN Gruppe, bestehend aus der Gottfried Puhlmann GmbH und der Gottfried Puhlmann GmbH Havelländische Bauunternehmung. Die Familiengesellschafter bleiben am Unternehmen beteiligt und wollen gemeinsam mit FRIEDRICH VORWERK den Wachstumskurs der Gruppe fortsetzen.

GOTTFRIED PUHLMANN ist als traditionsreiches Familienunternehmen ein namhafter Anbieter von Energieinfrastruktur mit Schwerpunkten auf Kabelbau und Fernwärme. Das Unternehmen erwirtschaftete 2020 einen Umsatz von mehr als 30 Mio. Euro und beschäftigt an seinen Standorten in Berlin, Hamburg, Marne und Husum 260 Mitarbeiter. Vorwerk erschließt durch die Akquisition von GOTTFRIED PUHLMANN neue regionale Märkte sowie zusätzliche Wachstumspotenziale im Strom- und Fernwärmemarkt. Der milliardenschwere Investitionsbedarf in die deutsche Energieinfrastruktur trifft auf insgesamt begrenzte Kapazitäten der Anbieter, insbesondere im Bereich der Hochspannungsinfrastruktur.

Energiewende nimmt Fahrt auf

Neben den Schwerpunktfeldern Erdgas- und Strominfrastruktur dringt Friedrich Vorwerk auch verstärkt in das Segment Wasserstoff vor, insbesondere im Bereich der Elektrolyse- und Wasserstoffpipelineprojekte. Dabei wird die gesamte Kompetenz von der Elektrolyse, Wasserstoffspeicherung, Kompressorstationen und Pipelines abgedeckt.

Im Bereich Strom realisiert der Konzern Hochspannungsübertragungsnetze, Umspann- und Konverterstationen, Power-to-Heat-Anlagen, mit denen elektrische Energie in Wärme umgewandelt wird, sowie die Verlegung von Untergrundkabeln.

Bei Erdgas deckt Friedrich Vorwerk den Rohrleitungsbau, Bau von Hochdruck-Übertragungsnetzen, erdgasbezogene Anlagen, Anlagenkomponenten wie Gasdruckregel- und Messanlagen, Gasfilter sowie Staub-Flüssigkeits-Abscheider ab, aber auch bei LNG-Terminals und Speichern ist man positioniert. Im Bereich Erdgasnetze wird es künftig weniger Aufträge geben; allenfalls bei der Instandhaltung und der Umwandlung in Wasserstoffnetze.

LNG-Infrastruktur

Ende Juni punktete man mit einem Großauftrag zur Verlegung der Anschlussleitung für das LNG-Terminal in Wilhelmshaven. Um das LNG-Terminal möglichst zügig in Betrieb zu nehmen, ist die Fertigstellung der Anschlussleitung bereits für Ende 2022 geplant. Dazu wurde jüngst ein neues LNG-Beschleunigungsgesetz verabschiedet, welches das laufende Planfeststellungsverfahren deutlich verkürzt.

Mitte Juli folgte ein weiterer LNG-Großauftrag für die Realisierung der Anschlussleitungen für das LNG-Terminal in Brunsbüttel. Die Beauftragung umfasst ein Gesamtvolumen von mehr als 120 Mio. Euro und wird von einer gleichberechtigten Arbeitsgemeinschaft umgesetzt, die aus der Friedrich Vorwerk Group (Friedrich Vorwerk und Bohlen & Doyen) sowie der österreichischen HABAU Group (PPS Pipeline Systems und HABAU) besteht. Bereits bis zum Jahresende soll das erste schwimmende LNG-Terminal in Betrieb genommen werden.

Um eine zügige Einspeisung des importierten Flüssiggases in das Gasnetz zu ermöglichen, soll im Auftrag der Gasunie Deutschland zunächst ein neuer, etwa 3 km langer Leitungsabschnitt vom Hafengebiet Brunsbüttel zur vorhandenen Gasleitung von SH Netz realisiert werden.

Ab Anfang 2023 realisiert der Fernleitungsnetzbetreiber eine zusätzliche etwa 55 km lange Transportleitung von Brunsbüttel nach Hetlingen, über die perspektivisch dann auch deutlich größere Mengen von regasifiziertem Flüssiggas in das bestehende Erdgasnetz eingespeist werden können.

Weitere LNG-Aufträge winken

Nach der Wilhelmshavener Anschlussleitung konnte sich die Friedrich Vorwerk Group auch das zweite Großprojekt im Zusammenhang mit den geplanten LNG-Terminals sichern und leistet somit einen elementaren Beitrag zu einer unabhängigen und sicheren Gasversorgung in Deutschland.

LNG soll russisches Erdgas schnell und dauerhaft ersetzen, grüner Wasserstoff langfristig Gas insgesamt - und dazu sind gewaltige Investitionen in Infrastruktur nötig. Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass die Friedrich Vorwerk Gruppe auch bei diesen und noch folgenden Projekten zumindest für Teilbereiche den Zuschlag erhalten wird, denn sie ist einer der wenigen Anbieter in Europa, die die nötige Größe, finanzielle Stärke, Kapazitäten und Knowhow haben, um derartige Projekte realisieren zu können.

Bewertung

Die drei börsennotierten Unternehmen sind anhand ihrer Börsenkurse leicht zu bewerten. MBBs 36-prozentiger Anteil an Friedrich Vorwerk ist bei einem Kurs von 24,50 Euro gut 176 Mio. Euro wert, der Anteil von 44,74 % an Aumann bei einem Kurs von 11,80 Euro entsprechend 80,50 Mio.. Delignit steht bei 5,75 Euro und MBBs 76-prozentiger Anteil ist damit rund 36 Mio. Euro wert. In Summe kommen diese drei Beteiligungen also auf rund 292,5 Mio. Euro.

Die Nettoliquidität im MBB-Konzern liegt Ende September bei 360 Mio. Euro, wovon 340 Mio. auf die Holding MBB SE entfallen, wo sie für Aktienrückkäufe, Dividenden, aber vor allem für weitere Akquisitionen zur Verfügung stehen.

Addiert man 292,50 und 340 Millionen, ergibt sich ein Wert von 632,50 Millionen Euro an Cash und börsennotierten Beteiligungsanteilen. Beim aktuellen Kurs von 95 Euro wird MBB von der Börse mit 575 Millionen Euro bewertet, also deutlich niedriger.

Dabei ist natürlich zu berücksichtigen, dass MBB noch Eigentümer von DTS, Hanke Tissue, CT Formpolster und OB-Werke ist und die sind keinesfalls wertlos, sondern dürften mit 100 bis 150 Mio. Euro anzusetzen sein. Der Wert von MBB liegt also aktuell zwischen rund 725 und 775 Mio. Euro und bei 5,8 Mio. ausstehenden Aktien errechnet sich ein fairer Werte je Aktie von 125 bis 135 Euro. Das rechnerische Aufwärtspotenzial des Kurses beträgt also mindestens 30 %, eher mehr. Denn das Management und sein überragender Trackrecord in Bezug auf Akquisitionen und Kapitalallokation stellen ebenfalls ein werthaltiges Asset dar und sollten eigentlich für einen markanten Aufschlag auf den Aktienkurs gut sein.

Starke Zahlen

MBB präsentierte Mitte November seine Geschäftszahlen. In den ersten neun Monaten 2022 steigerte MBB seinen Umsatz um 27,3 % auf 638,8 Mio. Das bereinigte EBITDA erreichte im gleichen Zeitraum 70,6 Mio. Euro, womit die EBITDA-Marge 11,1 % betrug.

Im 3. Quartal wuchs der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr sogar um 48,8 % auf 260,5 Mio. Euro. Das bereinigte EBITDA stieg im selben Zeitraum um 79,7 % auf 32,5 Mio. Euro und die EBITDA-Marge erreichte 12,6 %.

Das Segment Service & Infrastructure konnte in den ersten 9 Monaten den Umsatz um 27,2 % auf 340,2 Mio. Euro steigern bei einer bereinigten EBITDA-Marge von 16,5 %. Im 3. Quartal wuchs das Segment um 52,6 % auf einen Umsatz von 146,5 Mio. Euro. Die auf Energieinfrastruktur spezialisierte Friedrich Vorwerk konnte in den ersten neun Monaten 317,8 Mio. Euro Auftragseingang erzielen, was einem Anstieg von 72,5 % entspricht. Der Umsatz des Unternehmens wuchs im selben Zeitraum um 23,8 %, wobei das bereinigte EBITDA mit 43,0 Mio. Euro nahezu auf Vorjahresniveau blieb. Der IT-Security Anbieter DTS konnte in den ersten neun Monaten um 39,5 % auf 81,5 Mio. Euro Umsatz wachsen und steuert damit auf 100,0 Mio. Jahresumsatz zu. Das EBITDA der DTS wuchs sogar um 50,8 % auf 13,2 Mio. Euro, was einer Marge von 16,2 % entspricht.

Das Segment Technological Applications steigerte seinen Umsatz in den ersten 9 Monaten um 23,0 % auf 222,1 Mio. Euro bei einer EBITDA-Marge von 4,2 %. Im 3. Quartal lag das Umsatzwachstum sogar bei 37,1 % mit einer EBITDA-Marge von 4,8 %. Größter Wachstumstreiber des Segments war die auf E-Mobility spezialisierte Aumann, die in den ersten 9 Monaten um 31,8 % auf 150,4 Mio. Euro Umsatz wuchs. Der Auftragseingang von Aumann stieg im Jahresvergleich um 26,8 % auf 223,1 Mio. Euro. Delignit konnte im selben Zeitraum sowohl Umsatz als auch EBITDA-Marge nahezu konstant halten.

Im Segment Consumer Goods stieg der Umsatz in den ersten 9 Monaten um 41,9 % auf 76,9 Mio. Euro. Die EBITDA-Marge des Segments lag mit 6,4 % zwar unter Vorjahr, im 3. Quartal übertraf sie jedoch mit 8,5 % den Vorjahreswert.

MBB sieht sich mit einer Eigenkapitalquote von 68,5 % sowohl für weiteres Wachstum als auch für makroökonomische Herausforderungen bestens gerüstet. Die Konzernliquidität betrug Ende September 443,0 Mio. € und die Nettoliquidität 359,9 Mio. €, wovon 340,1 Mio. € auf die Holding MBB SE entfielen. Der Rückgang der Liquidität seit Jahresbeginn ist in einem zum großen Teil temporären Aufbau des Working Capital begründet, welches sich zum Jahresende wieder normalisieren sollte.

Der Rückgang der Liquidität auf Ebene der Holding MBB SE geht auf einen umfangreichen Aktienrückkauf, die Anteilserhöhung bei Aumann, die Entwicklung der Wertpapiere und die gezahlte Dividende zurück.

Anhebung der Jahresprognose

Aufgrund der erfreulichen Geschäftsentwicklung in den ersten 9 Monaten und einem positiven Ausblick auf das 4. Quartal erhöht MBB seine Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr von mehr als 740 Mio. auf mehr als 800 Mio. Euro und bestätigt die prognostizierte EBITDA-Marge von mindestens 10 %. MBB wird somit im Geschäftsjahr 2022 ein entsprechend höheres bereinigtes EBITDA erzielen.

Mein Fazit

Die Erfolge des MBB-Managements sprechen eine deutliche Sprache und auch die Kursentwicklung lässt kaum Wünsche übrig. Jedenfalls für langfristig orientierte Anleger, die auch die Phasen der Konsolidierung oder des Abbröckelns durchhalten und dann nicht entnervt aufgeben.

Die MBB-Lenker agieren in allen Wirtschaftslagen umsichtig und besonnen und daher können Anleger ihnen ihr Geld auch in herausfordernden Phasen anvertrauen und sich beruhigt zurücklehnen.

Charlie Munger, Warren Buffetts jahrzehntelanger Partner bei Berkshire Hathaway, greift nur ganz selten bei Unternehmen zu und er verkauft noch seltener. Teilweise liegen viele Jahre zwischen seinen einzelnen Transaktionen. Und er kauft nur, wenn sich außergewöhnliche Chancen bieten. Daher würde er sich bei MBB sehr wohl fühlen, denn hier wird sein Investmentstil perfekt gelebt.

Die MBB-Insider kaufen jedenfalls immer mal wieder beherzt zu. Im Juli und im September, als es jeweils deutlichere Kursrücksetzer gab, kaufte die MBB Capital Management GmbH, hinter der die beiden MBB-Gründer Dr. Christof Nesemeier und Gert-Maria Freimuth stehen, für mehrere hunderttausend Euro Aktien, obwohl ihnen bereits 67 % des Unternehmens gehören. Ein großer Vertrauensbeweis in das eigene Unternehmen, der Buffett und Munger ebenfalls sehr gefallen würde. Und es spricht einiges dafür, dass Anleger auf lange Sicht eine überdurchschnittliche Rendite mit MBB-Aktien einfahren dürften, wie es seit dem Börsengang vor 17 Jahren der Fall war. Zwischenzeitlich war die Aktie bereits ein Tenbagger, hatte sich also verzehnfacht. Die Unterbewertung und das große Potenzial der Tochterunternehmen bieten Anlegern eine neue Chance.

Die 4 wichtigsten Dinge, die man über MBB wissen muss

  1. MBB greift selten bei Firmenkäufen zu, aber beweist dann immer ein glückliches Händchen und schafft schnell großen Mehrwert für seine Aktionäre.
  2. Durch Börsengänge der Konzerntöchter holt sich MBB sein eingesetztes Kapital zurück, während man einen bestimmenden Anteil an der Tochter behält und so weiter an ihrem Erfolg teilhat, während gleichzeitig Geld für weitere Zukäufe generiert wird.
  3. Der Aktienkurs notiert mit deutlichem Abschlag auf den fairen Wert der Aktie, die sich aus der Sum-of-the-Parts-Ermittlung ergibt. Dies sichert der Kurs nach unten ab und bietet Kurspotenzial nach oben.
  4. Mögliche Kurstreiber zur Auflösung der mehrmonatigen Konsolidierungsphase sind die Energiewende als Megatrend und Friedrich Vorwerk als führendem Infrastrukturanbieter in diesem Segment sowie mögliche bevorstehende weitere Firmenzukäufe.
Disclaimer: Habe Berkshire Hathaway, Delignit, Friedrich Vorwerk, MBB auf meiner Beobachtungsliste und/oder in meinem Depot/Wiki.

6 Kommentare:

  1. ...dass die 340 Mio bares 10% an Wert p.a. verlieren, stört Dich nicht?

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    1. Mir wäre es lieber, wenn MBB eine sinnvolle und lukrative Verwendung für seine liquiden Mittel finden würde, aber ich schätze es auch sehr, dass sie bei Zukäufen sehr behutsam vorgehen und nur bei ausgezeichneten Gelegenheiten zugreifen. Auch das ist ganz im Buffett'schen Sinne...

      "Es ist schmerzlich auf so viel Geld zu sitzen. Aber noch schmerzlicher ist es, etwas Dummes damit anzustellen."
      (Warren Buffett)

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    2. Dass die "340 Mio bares 10% an Wert p.a. verlieren" ist so pauschal nicht richtig: sie verlieren es im Vergleich zu einem Durchschnittsverbraucher-Warenkorb. Das sind aber ja nicht die Waren, die MBB kaufen möchte. MBB möchte Unternehmen kaufen, und im Vergleich dazu haben die 340 Mio € 2022 enorm an Wert gewonnen, denn die Kaufpreise für Unternehmen sind ja deutlich gesunken. Ich bin daher sehr zufrieden damit, dass MBB weiterhin auf diesem hohen Cashbestand sitzt und jetzt günstig zugreifen kann.

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    3. Volle Punktzahl für Herrn Lionfolio.

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    4. Konstantin18.12.22, 18:18

      @LionFolio: "die Kaufpreise für Unternehmen sind ja deutlich gesunken". Woher kommt diese Info bzw kannst Du diese Aussage belegen?

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    5. @Konstantin: eine erste logische Indikation könnte die Korrektur an den Märkten sein. Dass ein gestiegenes Zinsumfeld Übernahmen tendenziell eher weniger teuer macht ist rational betrachtet auch nachvollziehbar.

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