Freitag, 3. Juli 2015

Gold: Die glanzlose Kapitalvernichtung

Gold gehört, wie auch andere Edelmetalle, zu den vermeintlich "sicheren Häfen", den Assetklassen, in die Leute investieren, wenn sie Zukunftssorgen haben oder Angst vor Geldentwertung. Dabei bringt Gold, das Warren Buffett als "unproduktive Wertanlage" bezeichnet, keinen Ertrag, keine Zinsen. Alleine Angebot und Nachfrage entscheiden darüber, ob sich der Kauf seinerzeit gelohnt hat, oder nicht. Und in den vergangenen vier Jahren hat er nicht.

"Gold ist faul und hat keine Berechtigung in einem Portfolio. Es ist eine unproduktive Wertanlage."
(Warren Buffett)

Dabei war der Glanz des Goldes schier unbeschreiblich, selbst die BILD-Zeitung riet Mitte 2011, und damit etwa beim Höchstkurs von 1.900 USD je Feinunze, mit einem Großaufmacher auf ihrer Titelseite zum Einstieg und spätestens da musste jedem klar sein, dass die Party vorbei war. Denn wenn alle Profis gekauft hatten, alle institutionellen Anleger, dann folgen als Letztes die Kleinanleger. Aber um danach noch steigende Kurse zu ermöglichen, müssen ja noch mehr Käufer dazukommen - aber wer sollte das sein, wenn schon alle in Gold investiert sind? Also wurden die "Gurus" nicht müde, die goldigen Aussichten des Goldes in alle Welt hinauszuposaunen: George Soros erklärte, weshalb er eine riesige Position in Gold halte und dass es quasi nur weiter steigen könne. Und auch Hedgefonds-Manager John Paulson riet allen, einen erheblichen Anteil ihres Geldes in Gold zu investieren. Wohlgemerkt, nachdem sie selbst schon große Positionen hielten!

Und der Kleinanleger zahlte wieder einmal die Zeche. Denn seit 2011 hat Gold dramatisch an Wert verloren und wer zu 1.900 USD eingestiegen ist, sitzt heute bei Kursen unter 1.200 USD auf erheblichen Verlusten. Und die Kurse stehen so tief, auch eben weil die Profis verkauft haben, die Soros, die Hedgefonds, die Reichen - und John Paulson. Selbst "der letzte Gold-Bulle" reduzierte dann seine Positionen deutlich um Milliarden von Dollars. Vermutlich hat er aufgrund seines niedrigen Einstiegskurses trotzdem noch einen großen Reibach gemacht, anders als die Kleinsparer, die jetzt auf dem Gold und den immensen Kursverlusten sitzen.

Und dennoch wird von vielen Börsenmedien immer wieder zum Einstieg in Gold geblasen, die "wahre Krisenwährung", die "einzige Sicherheit vor Inflation". Dabei befinden wir uns in einem absoluten Bärenmarkt für Gold, wie Thomas Grüner bereits vor einem halben Jahr  schlüssig darlegte. Die hohe steuerliche Belastung in Indien, dem wohl wichtigsten Goldschmuckmarkt der Welt, aber auch die wachsende Erkenntnis in den Industrienationen, im Ernstfall kaum mit Goldmünzen Waren des täglichen Bedarfs einkaufen zu können, weil die Münzen 500 EUR und mehr darstellen, führt zu immer geringerer Nachfrage. Und das, wo die Minenunternehmen in den letzten Jahren auf Teufel komm raus neue Abbaugebiete erschlossen haben und nun diese Minen entweder schließen oder aber billigst verscherbeln müssen, um ihre immense Verschuldung und die daraus resultierenden erdrückenden Zinslasten zu verringern. Daher sind selbst Gold-Dauer-Optimisten, wie Markus Bußler inzwischen reuig ins Lager der Bären gewechselt und raten zum Verkauf.

"Eine Goldmine ist ein Loch im Boden, auf dem ein Lügner sitzt."
(Mark Twain)

Privatanleger können hieraus nur eine Lehre ziehen: wenn die Großinvestoren ihnen erzählen, sie hätten etwas gekauft und die Kurse würden kein Halten mehr kennen, dann sind diese Profis längst mit ihrem Einkauf fertig und hoffen auf eine Vielzahl von Nachahmern, die einerseits die Kurse weiter steigen lassen (nur dann verdient der Profi Geld mit seiner Anlage) und andererseits eine genügend große Nachfrage generieren, damit er ggf. seine Position wieder loswerden kann. Denn ob Soros oder Paulson oder Icahn, sie alle kaufen in großem Stil und haben dann das Problem, dass sie sich selbst die Kurse verderben würden, wenn sie auf die Verkäuferseite wechseln. Also trommeln sie für die Assets, die sie (mit Gewinn!) loswerden wollen, um sich überhaupt den Exit zu ermöglichen.

Fazit
Diese Großanleger, diese "Börsengurus", sind keine Wohltäter für Kleinanleger, sondern knallharte Geschäftsleute. Und die tun nichts ohne Grund und Hintergedanken, insbesondere verteilen sie keine wertvollen Anlagetipps, ohne selbst daran verdienen zu können. Jeder Anleger, und insbesondere die Privatanleger, sollte sich bei der Geldanlage immer an den weisen Ratschlag Immanuel Kants halten: "Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen". Denn wer dies nicht tut und blind auf Tipps vertraut, bezahlt am Ende immer die Zeche. So oder so.




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Kommentare:

  1. Dann wäre jetzt eigentlich doch die Zeit gekommen Gold zu kaufen, wenn selbst die Bullen ins Bärenlager gewechselt haben.

    Ich sehe Gold eher weniger als Spekulationsobjekt, viel mehr als eine Versicherung für extrem schlechte Zeiten. Eine Versicherung bringt keinen Ertrag und das Geld ist am Ende des Jahres auch noch weg. Einen kleinen Teil in physischer Form zu halten, kann nicht so schlecht sein. Man weiß ja nie, ob die ganze Schuldenblase nicht doch irgendwann platzt. Alternativen zu unserer derzeitigen Papierwährung wie zB Bitcoins vertraue ich noch weniger. Einen gewissen Grundwert wird Gold immer behalten, aber Gold zu kaufen, um damit Gewinne zu machen, naja.

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    1. Die Antwort auf Inflation sind Sachwerte, schon richtig. Aber weshalb sollte man sich an eine Immobilie binden oder physisches Gold? Aktien sind ebenfalls Sachwerte, sie sind Anteile an Unternehmen. Diese Unternehmen besitzen Grundstücke, Immobilien, Maschinen und sie produzieren Waren, die sie verkaufen und/oder eintauschen können. Aktien sind daher ein hervorragender Inflationsschutz! Und wenn man meint, es würden so schlechte Zeiten anstehen, dass man mit Geld nicht mehr einkaufen kann, dann sollte man lieber zu Silbermünzen greifen, denn die sind vom Wert her in einem Bereich, mit dem sich auch wirklich praktisch etwas anfangen ließe als Tauschobjekt. Gold ist dafür zu teuer. Wie soll man mit einer 400-EUR-Münze irgendwo bezahlen können sollen? Es sei denn, man verzichtet auf den entsprechenden Gegenwert in Waren und "verschenkt" den Mehrwert des Goldes. Aber dann hätte man ja gleich auf Silber setzen können... ;-)

      Und dass die Profis aus dem Goldmarkt ausgestiegen sind, heißt nicht, dass er wieder steigen muss. Denn die Nachfrage sinkt beträchtlich und die vielen Privatleute, die auf Wertverlusten von 25 oder 30 Prozent sitzen, wären bei einem Anstieg des Kurses vielleicht sogar froh, ihr Gold wieder loszuwerden. Aber das ist alles reine Spekulation - und genau das ist ja das Dilemma beim Gold. Es liegt so herum, bringt keine Zinsen und kostet, weil man es sicher aufbewahren muss. Je länger der Goldpreis nicht steigt, desto höher sind meine Kosten, die ich "nebenbei" aufbringen muss. Kein gutes Geschäft...

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  2. Sowohl Gold als auch Aktien und andere Sachwerte bieten fast immer einen Inflationsschutz - allerdings nie punktgenau. Ein Krisenschutz ist Gold nicht wirklich, das ist nicht sauber belegbar und die prominenten Gegenbeispiele (Lehman 2008; Eurokrise (1.) Höhepunkt 2011) zeigen es deutlich.

    Mit Gold lässt sich indes sehr wohl und systematisch Geld verdienen: http://www.goldseiten.de/artikel/248935--Gold~-stagniert-und-stagniert-und-stagniert-...-doch~-man-kann-regelmaessig-damit-verdienen.html

    Das Kantische "sapere aude!" bedeutet aber auch: : Ignoriere die Meldungen und filtere nur die Prämissen und Argumente heraus. Und wie im Artikel oben genannt gibt es gute Gründe auch für ein Gold-Investment. Als einer von vielen Bausteinen - und im Idealfall mit einer Seitwärtsrendite.

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    1. In dem Artikel wird darauf abgestellt, dass der Autor bei einem Kursverlust des Golds über 18 einzelne Optionsgeschäfte in anderthalb Jahren unter dem Strich eine Gewinn erwirtschaftet hätte. Für "normale" Anleger wohl kaum ein gangbares Anlagemuster und sich über hoch riskante Optionsgeschäfte zusätzliche "Sicherheit" für sein Goldinvestment ins Depot zu holen, halte ich für mehr als fragwürdig.

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  3. Hallo Herr Kissing,

    danke für Ihr Feedback.

    Unsere Optionsgeschäfte sind allerdings stockkonservativ und gerade nicht hochriskant. Die Optionen, z.B. klassisch short put, sind so defensiv konzipiert, dass wir in 4/5 aller Fälle damit einen Gewinn erwirtschaften, wenn auch nie riesige. Eher Hamster-Taktik und wahrlich keine Spekulation.

    Hochriskant ist es, eine Anlageklasse zu kaufen und nicht zu beobachten - wir tun das Gegenteil. Gold ist mit 3,5% gewichtet (keine Anlageklasse übergewichten) und wir sind über sehr viele, in Teilen unkorrelierte Anlageklassen wie z.B. auch Mikrofinanz oder Cat-Bonds gestreut.

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    1. Moin Herr Feiten,

      meine Kritik richtet sich dahin, dass Optionsgeschäfte für den normalen Durchschnittsanleger nicht geeignet sind, sondern sich an Profis oder zumindest Semi-Profis richtet. Diejenigen, die ab und zu mal Geld in einen Investmentfonds oder eine Einzelaktie anlegen, oder mal eine Bundesanleihe kaufen, sind kaum die richtigen Adressaten - allerdings richte ich mich mit meinem Blog genau an diese Anlegerklasse.

      Die von Ihnen aufgeführten Optionsgeschäfte muss man ja nicht auf Gold abschließen - ganz klassisch können solche "Stillhaltergeschäfte" ja auch auf Aktien abgeschlossen werden (allerdings kenne ich dies lediglich bzgl. US-Aktien und dann auch in einem US-Dollardepot, jedenfalls für Privatanleger). Wer also dem Buy&Hold-Ansatz folgt und Aktien langfristig in seinem Depot liegen lässt, der kann diese ggf. eben verleihen (damit andere diese z.B. "gedeckt" leer verkaufen können) und so zusätzlich zu seinen Dividenden die Stillhalterprämie kassieren. Doch auch diese Art der Geschäfte gehört keinesfalls zu den klassischen Anlagegeschäften für den Otto-Normal-Anleger.

      Ob Sie mit ihrer Strategie letztlich erfolgreich sind und diese unter dem Strich eine vergleichsweise niedrige Risikobelastung aufweist, kann ich nicht überprüfen. Nicht nur eine Anlageklasse ins Depot zu nehmen, klingt jedenfalls schon mal sehr vernünftig. ;-) Und dass man sich zumindest ab und zu um seine Investments kümmern muss, steht für mich außer Frage. Allerdings sollten Privatanleger nicht auf Assets setzen, die sie quasi tagtäglich beobachten müssen. Denn das größte Risiko für Anleger sind die Anleger selbst, da sie sie häufig in die vielen psychologischen Fallen tappen, die die Börse so bietet. Selbst Profis passiert dies immer wieder, weshalb die meisten deutlich schlechter abschneiden als der jeweilige Vergleichsindex. Hier zeigt sich, dass weniger (kontrollieren und beobachten) oft die besseren Ergebnisse bringt.

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