Montag, 16. Oktober 2017

Gold ist und bleibt eine glanzlose Kapitalvernichtung

Gold gehört, wie auch andere Edelmetalle, zu den vermeintlich "sicheren Häfen", zu den Assetklassen, in die Leute investieren, wenn sie Zukunftssorgen haben oder Angst vor Geldentwertung. Dabei bringt Gold, das Warren Buffett als "unproduktive Wertanlage" bezeichnet, keinen Ertrag, keine Zinsen. Alleine Angebot und Nachfrage entscheiden darüber, ob sich der Kauf seinerzeit gelohnt hat, oder nicht. Und in den vergangenen vier Jahren hat er nicht.

»Gold ist faul und hat keine Berechtigung in einem Portfolio. Es ist eine unproduktive Wertanlage.«
(Warren Buffett)

Dabei war der Glanz des Goldes schier unbeschreiblich, selbst die BILD-Zeitung riet Mitte 2011, und damit etwa beim Höchstkurs von $1.900 je Feinunze, mit einem Großaufmacher auf ihrer Titelseite zum Einstieg und spätestens da musste jedem klar sein, dass die Party vorbei war. Denn wenn alle Profis gekauft hatten, alle institutionellen Anleger, dann folgen als Letztes die Kleinanleger. Aber um danach noch steigende Kurse zu ermöglichen, müssen ja noch mehr Käufer dazukommen - aber wer sollte das sein, wenn schon alle in Gold investiert sind? Also wurden die "Gurus" nicht müde, die goldigen Aussichten des Goldes in alle Welt hinauszuposaunen: George Soros erklärte, weshalb er eine riesige Position in Gold halte und dass es quasi nur weiter steigen könne. Und auch Hedgefonds-Manager John Paulson riet allen, einen erheblichen Anteil ihres Geldes in Gold zu investieren. Wohlgemerkt, nachdem sie selbst schon große Positionen hielten! Und der Kleinanleger zahlte wieder einmal die Zeche...


Denn seit 2011 hat Gold dramatisch an Wert verloren und wer zu $1.900 eingestiegen ist, sitzt heute bei Kursen bei knapp $1.300 auf erheblichen Verlusten. Allen immer wieder herbeigeredeten Kursaufschwüngen und realen Erholungsversuchen zum Trotz. Und die Kurse stehen so tief, auch eben weil die Profis verkauft haben, die Soros, die Hedgefonds, die Reichen - und John Paulson. Selbst "der letzte Gold-Bulle" reduzierte dann seine Positionen deutlich um Milliarden von Dollars. Vermutlich hat er aufgrund seines niedrigen Einstiegskurses trotzdem noch einen großen Reibach gemacht, anders als die Kleinsparer, die jetzt auf dem Gold und den immensen Kursverlusten sitzen. Und in der Zwischenzeit hätte man an der Aktienbörse hohe Renditen einfahren können. Setzt man diese Opportunitätskosten gegen die mickrige Rendite, die Gold in den letzten zwei, drei Jahren abgeworfen hat, ist der Lack endgültig ab.

Allen Misserfolgen zum Trotz wird von vielen Börsenmedien immer wieder zum Einstieg in Gold geblasen, die "wahre Krisenwährung", die "einzige Sicherheit vor Inflation". Die hohe steuerliche Belastung in Indien, dem wohl wichtigsten Goldschmuckmarkt der Welt, aber auch die wachsende Erkenntnis in den Industrienationen, im Ernstfall kaum mit Goldmünzen Waren des täglichen Bedarfs einkaufen zu können, weil die Münzen €500 und mehr darstellen, führt zu immer geringerer Nachfrage. Und das, wo die Minenunternehmen in den letzten Jahren auf Teufel komm raus neue Abbaugebiete erschlossen haben und im Anschluss diese Minen entweder schließen oder aber billigst verscherbeln mussten, um ihre immense Verschuldung und die daraus resultierenden erdrückenden Zinslasten zu verringern. Inzwischen haben die meisten Minenbetreiber zumindest ihre Kosten so weit reduziert, dass sie nicht mehr unmittelbar vor der Pleite stehen.

»Eine Goldmine ist ein Loch im Boden, auf dem ein Lügner sitzt.«
(Mark Twain)

Privatanleger können hieraus nur eine Lehre ziehen: wenn die Großinvestoren ihnen erzählen, sie hätten etwas gekauft und die Kurse würden kein Halten mehr kennen, dann sind diese Profis längst mit ihrem Einkauf fertig und hoffen auf eine Vielzahl von Nachahmern, die einerseits die Kurse weiter steigen lassen (nur dann verdient der Profi Geld mit seiner Anlage) und andererseits eine genügend große Nachfrage generieren, damit er ggf. seine Position wieder loswerden kann. Denn ob Soros oder Paulson oder Icahn, sie alle kaufen in großem Stil und haben dann das Problem, dass sie sich selbst die Kurse verderben würden, wenn sie auf die Verkäuferseite wechseln. Also trommeln sie für die Assets, die sie (mit Gewinn!) loswerden wollen, um sich überhaupt den Exit zu ermöglichen.

Fazit
Diese Großanleger, diese "Börsengurus", sind keine Wohltäter für Kleinanleger, sondern knallharte Geschäftsleute. Und die tun nichts ohne Grund und Hintergedanken, insbesondere verteilen sie keine wertvollen Anlagetipps, ohne selbst daran verdienen zu können. Jeder Anleger, und insbesondere die Privatanleger, sollte sich bei der Geldanlage immer an den weisen Ratschlag Immanuel Kants halten: "Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen". Denn wer dies nicht tut und blind auf Tipps vertraut, bezahlt am Ende immer die Zeche. So oder so.




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Kommentare:

  1. Ein sehr informativer Beitrag, den meisten ist diese Erkenntnis wahrscheinlich gar nicht bewusst. Bin auf die nächsten Beiträge gespannt.

    Gruß
    Michael

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  2. Mit dem Aufkommen der Krypto-Assets verliert Gold noch weiter Martkanteile. Sollte sch Kryptowährungen zumindest als Anlage_asset durchsetzen, dann wird der Preissturz von Gold noch dramatischer ausfallen. Im Prinzip ist Gold ein wertloses, durch nichts gedecktes Stück Metall, welches genauso wie jede andere Währung auch auf Vertrauen basiert. Leider lässt sich jedoch mit einem Goldbarren schlecht bezahlen. Unternehmen wie GoldMoney bieten nun eine Mastercard an, welche mit Fiat- und Kryptowährungen aufgeladen werden und im Alltag genutzt werden kann. Das könnte ein gangbarer Weg für Gold sein als quasi inflationslose Währung einen Nutzen außerhalb der Schmuckindustrie zu erlangen.

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  3. Gold ist und war niemals eine Investition - immer nur eine Absicherung gegen absolute Katastrophen. Ich habe ein paar Tscherwonez im Garten vergraben, wenn die Russen kommen ;-)

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  4. "Und die tun nichts ohne Grund und Hintergedanken, insbesondere verteilen sie keine wertvollen Anlagetipps, ohne selbst daran verdienen zu können."

    Und wie soll man es nennen, wenn du hier Tipps zu Aktien verteilst, nachdem du sie selbst gekauft hast?

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    1. Herr Kissig betont doch immer wieder, wie wichtig es ist, selbst die Recherchearbeit an der Aktie zu machen. Natürlich hat auch er ein Interesse, aber das verhehlt er auch gar nicht, ist doch selbstverständlich, dass jemand, der sich als Investor bezeichnet, für steigende Kurse arbeitet. Aber seine Arbeit ist mehr als Gold wert, auch wenn man als Kleinanleger bisweilen zu spät dazu kommt.

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    2. Der Unterschied dürfte klar auf der Hand liegen, oder? Ich schreibe nicht nur über Aktien, die ich selbst im Depot habe und meine Äußerungen bewegen keine Kurse. Und meine paar Aktienkäufe schon gar nicht. Im Gegensatz zu Soros, Paulson, Icahn bin ich nicht milliardenschwer und auf meine Äußerungen hört auch nicht die breite Öffentlichkeit.

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  5. Ich habe mich vor 5 Jahren nicht irre machen lassen von all den Verheißungen, welche Gold zugesprochen wurden und liege heute wie erwartet goldrichtig. Wer immer mit dem Strom fließt dem ergeht es halt wie damals den Telekom-Anlegern oder eben heute den Käufern von Gold. Von daher, dieser Artikel hat den Nagel auf den Kopf getroffen.


    Gruß Bernd

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  6. Ich sehe Gold nicht ganz so kritisch. Wert 2011 einstige sitzt heute natürlich auf großen Verlusten. Auch wer damals Goldminenaktien kaufte, sitzt auf horrenden Verlusten. Wer umgekehrt Anfang 2016 in Minenaktien einstige, hat erhebliche gewinne erzielt. Es kommt also hier auch aufs Timing an. Und langfristig weist Gold einen interessanten Wertzuwachs auf. Und wer z.B. 1923 oder 1948 Gold besaß, überstand die dramatischen Verluste unbeschadet. Mein Fazit: Gold ist keine Alternative zu normalen Aktien. Aber es gibt Zeiten, in denen Goldbesitz und Goldaktien durchaus sinnvoll sind. Und deshalöb habe ich in meinem Portfolio Gold und Goldaktien als Beimischung.

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  7. Interessant könnte Gold auch aus einem anderen Aspekt sein: Gerade vor dem Hintergrund harter Korrekturen steigt der Preis des Goldes idR an. Vor allem dann, wenn die Qualität des allg. Zahlungsmittel in Frage steht (Stichwort: Quantitative Easing...) könnte Gold als etwas gesehn werden, das diese etwaige Lücke dann füllt => Preise steigen. Innerhalb des Portfolios könnte dies wie ein Hedge wirken, da die Preise der Aktien korrigieren, der des Goldes aber steigt, was die Stabilität des Gesamtportfolios steigern würde...
    Wir Value-Anleger könnten dann (theoretisch) diese Kursgewinne nutzen, Gold teilweise verkaufen, und in unterbewertete Aktien investieren (Nervengerüst mal ausgeklammert ;) )
    LG

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  8. Das ist ein Irrglaube, welchem viele Anleger unterliegen. Wenn die Aktienmärkte runtergehen, dann geht auch der Goldpreis runter. Gold hängt genauso vom Geld-Faktor ab, wie andere Assets auch. Der Goldpreis hält sich auf diesem hohem Niveau, weil FED, EZB und Co. auf Niedrigzinsen und Gelddrucken setzen.

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