Freitag, 31. August 2018

Gold: Sicherer Hafen oder doch nur glanzlose Kapitalvernichtung?

Gold gehört, wie auch andere Edelmetalle, zu den vermeintlich "sicheren Häfen", zu den Asset-Klassen, in die Leute investieren, wenn sie Zukunftssorgen haben oder Angst vor Geldentwertung. Dabei bringt Gold, das Warren Buffett als "unproduktive Wertanlage" bezeichnet, keinen Ertrag, keine Zinsen. Alleine Angebot und Nachfrage entscheiden darüber, ob sich der Kauf seinerzeit gelohnt hat, oder nicht. Und in den vergangenen vier Jahren hat er nicht.
»Gold ist faul und hat keine Berechtigung in einem Portfolio. Es ist eine unproduktive Wertanlage.«
(Warren Buffett)

Dabei war der Glanz des Goldes schier unbeschreiblich, selbst die BILD-Zeitung riet Mitte 2011, und damit etwa beim Höchstkurs von $1.900 je Feinunze, mit einem Großaufmacher auf ihrer Titelseite zum Einstieg und spätestens da musste jedem klar sein, dass die Party vorbei war. Denn wenn alle Profis gekauft hatten, alle institutionellen Anleger, dann folgen als Letztes die Kleinanleger. Aber um danach noch steigende Kurse zu ermöglichen, müssen ja noch mehr Käufer dazukommen - aber wer sollte das sein, wenn schon alle in Gold investiert sind? Also wurden die "Gurus" nicht müde, die goldigen Aussichten des Goldes in alle Welt hinauszuposaunen: George Soros erklärte, weshalb er eine riesige Position in Gold halte und dass es quasi nur weiter steigen könne. Und auch Hedgefonds-Manager John Paulson riet allen, einen erheblichen Anteil ihres Geldes in Gold zu investieren. Wohlgemerkt, nachdem sie selbst schon große Positionen hielten! Und der Kleinanleger zahlte wieder einmal die Zeche...


Denn seit 2011 hat Gold dramatisch an Wert verloren und wer zu $1.900 eingestiegen ist, sitzt heute bei Kursen bei knapp $1.200 auf erheblichen Verlusten. Allen immer wieder herbeigeredeten Kursaufschwüngen und realen Erholungsversuchen zum Trotz. Und die Kurse stehen so tief, auch eben weil die Profis verkauft haben, die Soros, die Hedgefonds, die Reichen - und John Paulson. Selbst "der letzte Gold-Bulle" reduzierte dann seine Positionen deutlich um Milliarden von Dollars. Vermutlich hat er aufgrund seines niedrigen Einstiegskurses trotzdem noch einen großen Reibach gemacht - anders als die Kleinsparer, die jetzt auf dem Gold und den immensen Kursverlusten sitzen. Und in der Zwischenzeit hätte man an der Aktienbörse hohe Renditen einfahren können. Setzt man diese Opportunitätskosten gegen die mickrige Rendite, die Gold in den letzten zwei, drei Jahren abgeworfen hat, ist der Lack endgültig ab.

Wer es noch deutlicher haben möchte, dem lege ich den Artikel "Gold ist langfristig eine schlechte Anlage" ans Herz, der die Entwicklung des Goldpreises für uns Deutsche mit anderen Anlageformen vergleicht und zwar seit 1950. Mit einem vernichtenden Fazit:

»Demnach war die reale Goldrendite in den Jahren seit dem zweiten Weltkrieg also noch niedriger als die reale Geldmarktrendite, also der Rendite der mit Abstand „schlechtesten“ Anlagekategorie.«
(Dieter Wermuth, Herdentrieb-Blog)

Allen Misserfolgen und Realbetrachtungen zum Trotz wird von vielen Börsenmedien immer wieder zum Einstieg in Gold geblasen, die "wahre Krisenwährung", die "einzige Sicherheit vor Inflation". Die hohe steuerliche Belastung in Indien, dem wohl wichtigsten Goldschmuckmarkt der Welt, aber auch die wachsende Erkenntnis in den Industrienationen, im Ernstfall kaum mit Goldmünzen Waren des täglichen Bedarfs einkaufen zu können, weil die einzelnen Münzen €500 und mehr darstellen, führt zu immer geringerer Nachfrage. Und das, wo die Minenunternehmen in den letzten Jahren auf Teufel komm raus neue Abbaugebiete erschlossen haben und im Anschluss diese Minen entweder schließen oder aber billigst verscherbeln mussten, um ihre immense Verschuldung und die daraus resultierenden erdrückenden Zinslasten zu verringern. Inzwischen haben die meisten Minenbetreiber zumindest ihre Kosten so weit reduziert, dass sie nicht mehr unmittelbar vor der Pleite stehen.

»Gold wird aus dem Boden geholt - in Afrika oder irgendwo sonst. Dann schmelzen wir es ein, graben ein neues Loch, vergraben es wieder und bezahlen Leute, um dieses Loch zu bewachen. Es ergibt keinen Sinn. Jeder, der uns vom Mars aus beobachten würde, würde nur den Kopf schütteln.«
(Warren Buffett)

Privatanleger können hieraus nur eine Lehre ziehen: wenn die Großinvestoren ihnen erzählen, sie hätten etwas gekauft und die Kurse würden kein Halten mehr kennen, dann sind diese Profis längst mit ihrem Einkauf fertig und hoffen auf eine Vielzahl von Nachahmern, die einerseits die Kurse weiter steigen lassen (nur dann verdient der Profi Geld mit seiner Anlage) und andererseits eine genügend große Nachfrage generieren, damit er ggf. seine Position wieder loswerden kann. Denn ob Soros oder Paulson oder Icahn, sie alle kaufen in großem Stil und haben dann das Problem, dass sie sich selbst die Kurse verderben würden, wenn sie auf die Verkäuferseite wechseln. Also trommeln sie für die Assets, die sie (mit Gewinn!) loswerden wollen, um sich überhaupt den Exit zu ermöglichen.

»Eine Goldmine ist ein Loch im Boden, auf dem ein Lügner sitzt.«
(Mark Twain)

Fazit
Diese Großanleger, diese "Börsengurus", sind keine Wohltäter für Kleinanleger, sondern knallharte Geschäftsleute. Und die tun nichts ohne Grund und Hintergedanken, insbesondere verteilen sie keine wertvollen Anlagetipps, ohne selbst daran verdienen zu können. Jeder Anleger, und insbesondere die Privatanleger, sollte sich bei der Geldanlage immer an den weisen Ratschlag Immanuel Kants halten: "Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen". Denn wer dies nicht tut und blind auf Tipps vertraut, bezahlt am Ende immer die Zeche. So oder so.



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Kommentare:

  1. Gold wird als barbarisches Relickt angesehen.Warren Buffett profitiert von diesem Geldsystem am meisten, und warum sollte man es dann ändern. Jede Währung geht mal den Bach runter, und Gold hat eine andere Funktion als nur Rendite p.a.abzuwerfen.

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  2. Gold oder Silber sind ein Sicherheitsnetz, nicht mehr und nicht weniger...man sollte/könnte runde 10 Prozent seines Kapitals darin investiert haben. Welcher Milliardär hat seine Kohle NUR mit Gold/Silber erzielt...Anteile an Firmen mit funktionierenden Geschäftsmodellen...DAS bringt auf die Dauer Wohlstand...welcher Milliardär hat so seine Kohle verdient ?

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  3. Wenn mam Gold mit Aktien vergleicht, dann verliert es ganz klar. Aber wenn man wie ich Gold als liquides Tauschmittel bzw. Geldersatz oder echtes Geld sieht, dann gewinnt es gegen Cash. Gold = Geld und nix anderes. Geld hat mit dem Staat das Emitentenrisiko, Gold hat keinen "Counterpart", d.h. es ist universell. Das mit dem Gold ist wie mit dem Value Investing: entweder es macht sofort klick und man versteht es oder halt nie.. bei mir hat es als Value Investor was Gold angeht "klick" gemacht. Und noch was: Tauscht doch einfach das "e" mit dem "o" im wort Geld... Nur Gold ist Geld – alles andere ist Kredit (J.P. Morgan)

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