Freitag, 23. August 2013

H.P.I. Holding: mit frischem Geld auf Kaperfahrt

Gleich mehrere (kurs-)bewegende Neuigkeiten gibt es bei der H.P.I. Holding AG, dem "schön langweiligen Beteiligungsdornröschen", wie ich es vor anderthalb Jahren formulierte.

Hauptversammlung
Zunächst findet heute die Hauptversammlung statt und es dürfte für das Geschäftsjahr 2012 eine Dividende von 0,06 EUR je Aktie geben, die sich dann am Montag als Abschlag im Aktienkurs bemerkbar machen dürfte.

Kapitalerhöhung
Aber nicht nur die Dividende wird kurzfristig auf den Kurs drücken, sondern auch die lang erwartete Kapitalerhöhung, die das Unternehmen soeben ankündigte: "so soll unter Ausnutzung des Genehmigten Kapitals das Grundkapital der Gesellschaft von gegenwärtig EUR 15.600.000 um bis zu EUR 5.200.000 auf bis zu EUR 20.800.000 gegen Bareinlage erhöht werden. Die Aktionäre haben das Recht, für 3 alte Aktien 1 neue auf den Inhaber lautende Stückaktie (Stammaktie) mit einem rechnerischen Anteil am Grundkapital von EUR 1,00 zu einem Bezugspreis von EUR 1,35 je Aktie zu erwerben. Ein börsenmäßiger Bezugsrechtshandel findet nicht statt. Der Mittelzufluss, der bei vollständiger Zeichnung der Kapitalerhöhung gut 7 Mio. EUR in die Kassen des Unternehmens spülen würde, soll für den Ausbau des Beteiligungsportfolios verwendet werden. Die H.P.I. Holding Aktiengesellschaft beabsichtigt, mit dem zufließenden Emissionserlös weitere Unternehmen zu erwerben oder Umfinanzierungen von bereits erworbenen Unternehmen durchzuführen".

Übernahme
Und auch eines dieser Übernahmeziele steht schon fest, wie H.P.I. mitteilte. So soll das Traditionsunternehmen HSM Hans Sauermann GmbH & Co KG erworben werden, "ein Spezialist für Metallbe- und verarbeitung sowie die Herstellung von Anhängerkupplungen. Die HSM entwickelt, konstruiert und fertigt Bauteile, komplette Systeme und Geräte - vorwiegend aus Metall. Das Angebot umfasst diverse Fahrzeugteile, wie z.B. Brems- und Kupplungspedale, Anhängerkupplungen für LKW, Elektrokarren und für Zugmaschinen in der Land- und Forstwirtschaft, Halterungen für Hydraulikkomponenten, Hubmastteile für Flurförderfahrzeuge sowie unterschiedlichste Gussgehäuse und komplexe Schweißbaugruppen. Die Produkte der HSM Hans Sauermann GmbH & Co. KG finden vornehmlich Verwendung in Flurförderfahrzeugen, Maschinen und Geräten für Land- und Forstwirtschaft, Nutzfahrzeugen sowie in der Medizin- und Industrietechnik".

Fazit
Die Kapitalerhöhung um 25 Prozent stellt eine erhebliche Verwässerung des Stammkapitals dar und der Aktienkurs dürfte etwas zu schlucken haben und sich kurzfristig Richtung des Ausgabepreises von 1,35 EUR entwickeln. Andererseits fließt das frische Geld in konkrete Übernahmen, wie der Vorstand ja bereits auf der außerordentlichen Hauptversammlung im April angekündigt hatte. Die neuen Mittel fließen also in den Ausbau der Beteiligungsportfolios und sollen den Unternehmenswert steigern. Und auch wenn über den Kaufpreis für die HSM Stillschweigen vereinbart wurde, so ist doch davon auszugehen, dass die H.P.I. nach der Kapitalerhöhung noch über reichlich Mittel für die weiteren Übernahmepläne verfügt. Daher sollte der Aktienkurs sich in absehbarer Zeit wieder fangen und dem (erwarteten) steigenden Unternehmenswert entsprechend folgen.

Kommentare:

  1. Hallo Michael,
    HPI hatte ich bislang nicht auf dem Zettel, scheint mir aber durchaus interessant zu sein. Zwei Wermutstropfen haben sich nach meiner Recherche ergeben. Erstens die Ertragskraft scheint mir nach Durchsicht des Halbjahresberichts nicht besonders hoch zu sein. Auch der Hinweis im Bericht, dass Preisreduzierungen aufgrund von gesunkenen Stahlpreisen vorgenommen wurden spricht nicht gerade für eine Marktmacht (Anteil soll ja über 70% liegen) / Profitabilität. Ich habe jedenfalls noch nie erlebt, dass Würth deswegen die Schraubenpreise senkt ? Den Vorteil streichen die schön selber ein. Auch was die KPe für die Übernahmen angeht muss mal der nächste Bericht abgewartet werden. In der Vergangenheit wurden doch recht deutliche Firmenwerte aktiviert.
    Zweitens, die Kapitalerhöhung verwässert die Ergebnissituation ziemlich stark, aber das hast Du selbst bereits kommuniziert. Positiv bleibt anzumerken, dass die Organe aus den wichtigsten Ankeraktionären bestehen. Der Titel bleibt bei mir sicher auf der Watchlist, auch wenn sich aktuell noch kein Handeln aufdrängt.
    Beste Grüße
    Knut

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    1. Moin Knut,

      die HPI Holding nutzt die Gunst der Stunde, sich in den schwächelnden Regionen Südeuropas einzukaufen und dort herrscht ja gerade Wirtschaftskrise. Zum einen drückt das die Kaufpreise bei Neuerwerbungen, andererseits habe die Kunden/Abnehmer der HPI-Produkte (bzw. von deren Tochter Berger) aktuell echte wirtschaftliche Schwierigkeiten. Die Entscheidung, Stahlpreissenkungen an diese Kunden weiterzugeben, könnte also damit begründet sein, dass man lieber etwas "großzügiger" zu seinen Kunden ist, als dass diese in die Insolvenz schlittern. Marktanteile vor Rendite - Anheben kann man die Preise dann ja (wieder), wenn die Wirtschaftsflaute nachlässt.

      Was die angedachten Zukäufe angeht, darf man gespannt sein. Nach dem Verkauf der Zimmer&Kreim bestand die HPI Holding ja nur noch aus der Sparte "Spannringe" und hier soll ja ein zweites Standbein ausgebaut werden. Damit das lohnt, müsste es zumindest mittelfristig ja auch signifikante Umsatzanteile zum Konzern beisteuern. Schaun wir mal...

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