Dienstag, 8. Juli 2014

Steico: groß(artig) in der Nische

Die Steico SE ist ein deutscher Hidden Champion, ein Unternehmen, das ich seit Jahren auf meiner Empfehlungsliste habe und das sich kontinuierlich nach oben arbeitet, sowohl was die Unternehmensentwicklung als auch den Aktienkurs angeht. Das Unternehmen "ist ein Systemanbieter für ökologische Baustoffe in den Bereichen Dämmung und Konstruktion. Zudem liefert die Gesellschaft dem Holzgroßhandel und der Möbelindustrie Teile zu. Zum Kerngeschäft gehören die Produktion und der Vertrieb von Faserprodukten auf Basis nachwachsender Rohstoffe. Zum Sortiment zählen neben dem Kerngeschäft der Holzfaser-Dämmstoffe Stegträger als konstruktive Bauelemente sowie Furnierschichtholz als Handelsware", so die unternehmenseigene Präsentation.

Steico ist weltweit der größte Hersteller von holzfaserbasierten Dämmstoffen mit einem europäischen Marktanteil von 50% und damit in einem absoluten Wachstumsmarkt tätig, denn der Klimawandel zwingt auch Deutschland zu sauberer Energienutzung und Energieeinsparung. Der weitaus größte Effekt kann durch den Ersatz maroder Bausubstanz erreicht werden bzw. durch das Nachrüsten alter Gebäude mit moderner Dämmtechnik. Denn Energieverbräuche zu reduzieren ist immer noch besser, als (viel) saubere Energie produzieren zu müssen. Seitens der Regierung wird denn auch einiges getan, um deutsche Immobilienbesitzer über Fördermittel und -programme zur Wärmedämmung zu ermutigen.

Nun ist Steico nicht ein weiterer Anbieter der typischen Wärmeverbundsysteme, die man am Markt relativ günstig einkaufen kann. Steico setzt auf ökologische Materialien und damit auf ein höherpreisiges Segment. Die Nachfrage der Bauherren ist daher geringer als nach den klassischen Wärmeverbundsystemen. Doch das ändert sich gerade. Denn diese typischen Systeme haben erhebliche Nachteile: sie kommen mit Feuchtigkeit nicht gut klar und schimmeln bzw. werden von Pilzen befallen, was dazu führt, dass sie mit hochgiftigen Stoffen beschichtet werden, die ansonsten nirgndwo mehr eingesetzt werden dürfen. Und obwohl diese Gifte "gebunden" sind, werden sie doch ausgewaschen und gelangen so ins Grundwasser, nachdem sie die Fassade heruntergelaufen sind. Wenig erbauliche Vorstellung, zumal höchst krebserregend. Und ein weiterer Nachteil ist, dass diese Wärmeverbundsysteme ganz überwiegend auf Styropor u.ä. basieren, und es hier vermehrt zu Brandproblemen kommt. Denn wenn das Zeug erst einmal Feuer gefangen hat, ist es kaum mehr zu löschen. Immer mehr Experten raten daher von der Verwendung dieser Systeme ab, die Feuerversicherungen machen ebenfalls Druck. Es ist also abzusehen, dass die bisherigen Standardlösungen in der jetzigen Form keine Zukunftsperspektive haben - Alternativen, und zwar aktuell verfügbare - werden gesucht. Und gefunden. Bei Steico.

Steico selbst investiert kräftig in die Zukunft. Nachdem das neue Werk ans Netz gegangen ist, steigen die Margen, die EBITDA-Marge auf 12,0% (Vorjahr 11,4%) und die EBIT-Marge auf 4,3% (Vorjahr 2,6%). Und da geht noch mehr. So sollen rund 60 Mio. EUR in zwei neue Produktionslinien gesteckt werden, wobei die eine weitere Holzfaser-Dämmplatten produzieren soll, um das weitere Wachstum voranzutreiben, während die zweite Furnierschichtholz erzeugen soll. Dieses bietet Steico bisher als reiner Reseller an und möchte die Herstellung künftig in Eigenregie vornehmen, um seine Fertigungstiefe zu verbessern. CEO Meyer erwartet hierdurch eine "signifikante Erhöhung der Margen". Hilfreich ist hierbei auch, dass die neue Fabrik am Standort Czarna Woda (PL) in einer Sonderwirtschaftszone liegt, wodurch Steico 10 Jahre lang von den polnischen Ertragssteuern befreit ist.

Für die kommenden Jahre rechnet Firmenchef Meyer mit einem durchschnittlichen Wachstum von 10% p.a. aus eigener Kraft. Darüber hinaus seien auch Akquisitionen denkbar. Derzeit produziert Steico mit insgesamt 900 Mitarbeitern an drei Standorten in Polen und in Frankreich, wobei etwa zwei Drittel des Umsatzes auf das Ausland entfallen. Den Startschuss für die Furnierholz-Produktionsanlage wurde jüngst gegeben und auch die Finanzierung für das Projekt ist bereits gesichert.

Im ersten Quartal lief es jedenfalls schon mal mehr als rund für Steico, denn es war das beste Auftaktquartal der Unternehmensgeschichte, sowohl hinsichtlich des Umsatzes als auch des Ergebnisses. Beim aktuellen Börsenkurs von knapp 7 EUR liegt die Marktkapitalisierung bei etwas über 90 Mio. EUR und damit leicht unter dem Buchwert des Unternehmens. Die Eigenkapitalquote betrug stolze 68% - vor Berücksichtigung der neuen Investitionen und der hierfür aufgenommenen Investitionskredite.

Fazit
Mit einem KGV für 2014 von etwa 16 und für 2015 von etwa 13 ist das Unternehmen nicht zu teuer bewertet und die erwartete Verbesserung der Margen dürfte hier noch zusätzlichen Bewertungsspielraum und somit Wertsteigerungspotenzial bieten. Wovon der Aktienkurs auch künftig weiterhin profitieren und den Steico-Aktionären unaufgeregte Steigerungen bieten sollte.

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