Montag, 22. Juni 2015

WCM: Kapitalerhöhung wird "richtig fett"

So, nun liegen die Details zur Kapitalerhöhung bei der WCM Beteiligungs- und Grundbesitz AG auf dem Tisch und es wird der erwartete große Schluck aus der Pulle: Die WCM kündigt eine Bezugsrechts-Barkapitalerhöhung über bis zu 155,8 Mio. EUR an.

Zwischen dem 23. Juni und dem 6. Juli soll das Grundkapital der Gesellschaft von 33.782.538 EUR um bis zu 76.010.706 EUR durch Ausgabe von bis zu 76.010.706 neuen auf den Inhaber lautenden Stammaktien ohne Nennbetrag, die jeweils einen anteiligen Betrag am Grundkapital von 1 EUR verbriefen gegen Bareinlage auf bis zu 109.793.244 EUR erhöht werden. Das Bezugsrecht lautet demnach auf 4.), so dass jeder Aktionär für jeweils 4 Aktien in seinem Bestand 9 junge Aktien hinzukaufen kann für den festgelegten Bezugspreis von 2,05 EUR je Stück. Dieser Bezugskurs liegt erheblich unterhalb des letzten Börsenkurses von gut 3 EUR und soll die Kapitalmaßnahme zum Erfolg machen.

Bezugsrechtshandel
Die Bezugsrechte, die den Aktionären eingeräumt werden, weisen einige Besonderheiten auf. Zur Glättung des Bezugsverhältnisses wurde das Bezugsrecht auf die Aktienspitze von zwei Aktien ausgeschlossen, der Bezugsrechtshandel wird jedoch für während der Bezugsfrist an der Frankfurter Börse möglich sein. So soll gewährleistet werden, dass keine Bezugsrechte verfallen und Aktionäre ggf. welche zu- oder verkaufen können, um am Ende die gewünschte Zahl junger Aktien aus der Kapitalerhöhung zu erhalten.

Alt-Aktionäre ziehen bei der Kapitalerhöhung mit
Ein ganz wichtiges Signal, wenngleich es für Eingeweihte nicht überraschend kommt, ist die unwiderrufliche Zusage von Alt-Aktionären, bei der Kapitalerhöhung mitzuziehen: sie werden rund 9,2 Mio. junge Aktien im Gegenwert von insgesamt 18,87 Mio. EUR im Rahmen der Ausübung ihrer aus dem Bezugsangebot zur Verfügung stehenden Bezugsrechte erwerben. Unter ihnen ist auch Alleinvorstand Stavros Efremidis, der junge Aktien im Gegenwert von insgesamt 2,1 Mio. beziehen wird.

Und was passiert mit "nichtbezogenen" jungen Aktien?
Sollten nicht alle Aktien über die angebotenen Bezugsrechte platziert werden können, werden diese nicht bezogenen jungen Aktien im Nachgang im Rahmen einer Privatplatzierung, einem sog. "Rump Placement", qualifizierten Investoren zum Bezugspreis angeboten. Auf diese Weise wird bisher externen Interessenten die Möglichkeit geboten, sich an der WCM zu beteiligen, und gleichzeitig ist diese Maßnahme ein weiterer Baustein im Bestreben der Gesellschaft, die Kapitalerhöhung zu einem Erfolg zu machen. Denn das Bezugsverhältnis ist schon ungewöhnlich, die Maßnahme überdurchschnittlich groß im Verhältnis zum bestehenden Eigenkapital. Andererseits dient sie weitgehend der Finanzierung bereits avisierter Investments in neue Gewerbeimmobilien, so dass konkrete Maßnahmen mit konkreten und berechenbaren Erträgen dahinter stehen.

Zum anderen kommt die Maßnahme keinesfalls überraschend, denn die letzte Hauptversammlung hatte derart umfangreiche Kapitalerhöhungen ja genehmigt, um möglichst schnell dem erklärten Ziel, einem Gewerbeimmobilienbestand von 1 Mrd. EUR, nahezukommen. Sollte die Kapitalerhöhung erfolgreich umgesetzt werden können und alle Verträge rechtsgültig werden, hätte WCM die Hälfte dieses sehr ambitionierten Ziels bereits geschafft. In weniger als einem Jahr. Rekordverdächtig!

Fazit
WCM steht auf meiner Empfehlungsliste und dürfte auf absehbare Zeit "die wohl heißeste Spekulation" im deutschen Immobiliensektor bleiben. Die Kapitalerhöhung ruft ein so großes Volumen auf, dass nicht alle Altaktionäre sie voll mitgehen können werden. Der Aktienkurs dürfte daher noch etwas unter Druck bleiben, weil einige vielleicht versuchen werden, ihren Aktienbestand auf das für sie richtige Maß zu verringern. Andererseits werden die Bezugsrechte über die Börse handelbar sein,so dass man hier mit einem Zusatzerlös rechnen kann, wenn man nicht alle ausüben will. Für mich ist jedenfalls klar, dass ich meinen Bestand an WCM weiter erhöhen und meinen Anteil nicht oder jedenfalls nur zum Teil verwässern lassen möchte. Ob dies über die Bezugsrechte der günstigste Weg ist, hängt auch von der Entwicklung des Börsenkurses ab und wie er auf diese Meldung reagiert.

Kommentare:

  1. Hallo Herr Kissig,
    gute Nachrichten finde ich!
    Ich hätte allerdings noch eine Frage: Sie sagen:"Zur Glättung des Bezugsverhältnisses wurde das Bezugsrecht auf die Aktienspitze von zwei Aktien ausgeschlossen, der Bezugsrechtshandel wird jedoch für während der Bezugsfrist an der Frankfurter Börse möglich sein."
    Wenn ich meine jungen Aktien jetzt in ein paar Wochen ins Depot gebucht bekomme, kann ich Sie doch ganz normal über die Börse jederzeit handeln. Oder gibt es da eine einschränkung?
    Vielen Dank
    Rene Kerkhoff

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    1. Moin Herr Kerkhoff, Sie bekommen morgen Bezugsrechte in Ihr Wertpapierdepot eingebucht und zwar für 4 Aktien, die Sie haben, 9 Bezugsrechte. Entsprechend dem festgelegten Bezugsverhältnis. Diese Bezugsrechte können Sie behalten und ausüben - dann müssen Sie am Ende der Bezugsfrist den entsprechenden Betrag für die neuen Aktien bezahlen. Haben Sie z.B. 4.000 WCM-Aktien und üben alle Bezugsrechte vollständig aus, würden Sie 9.000 neue Aktien hinzubekommen zu einem Preis von 2,05 EUR je Stück.

      Das Ausüben der Bezugsrecht erfolgt nicht automatisch! Sie bekommen hierzu eine Mitteilung Ihrer Depotbank, wo sie ausdrücklich erklären müssen, wie viele Bezugsrechte Sie ausüben möchten. Geben Sie diese Erklärung nicht ab und verkaufen Ihre Bezugsrechte auch nicht in der Bezugsrechtsfrist, werden diese zuletzt bestens verkauft - das lohnt sich nach meiner Erfahrung nicht. Man sollte also schon vorher überlegen, ob man neue Aktien beziehen will und wie viele. Und die ggf. überschüssigen Bezugsrechte dann über die Börse verkaufen (aber Achtung, auch hierfür werden die üblichen Bank- und Börsenspesen fällig!).

      Wollen Sie nicht alle oder keine Bezugsrechte ausüben, können Sie die Bezugsrechte separat über die Börse verkaufen. Die haben ja einen eigenen Wert, der sich am aktuellen Börsenkurs orientiert. Kostet die WCM-Aktie 2,85 EUR, dann wäre das Bezugsrecht 80 Cents wert (2,85 EUR abzgl. 2,05 EUR Bezugspreis). Der Börsenkurs des Bezugsrechts wird also in etwa in dieser Höhe notieren.

      Da das Bezugsverhältnis von 4:9 zu "krummen" Ergebnissen führen kann, wurde die Glättung eingezogen, damit keine Teilbezugsrechte entstehen. Dieses hat auf die Aktien und ihre Handelbarkeit an der Börse keinen Einfluss und auch nicht auf die Bezugsrechte. Sobald die Bezugsfrist abgelaufen ist und feststeht, wer wie viele neue Aktien aus der Kapitalerhöhung bezogen hat, wird dies den jeweiligen Depotbanken mitgeteilt und die neuen Aktien werden in die Depots der Aktionäre eingebucht. Das geht je nach Depotbank unterschiedlich schnell und daher kann es vorkommen, dass nicht jeder gleich zügig über seine neue Aktien verfügen kann. Hierbei handelt es sich in der Regel aber max. um einen oder zwei Tage, die es bei der einen oder anderen Bank länger dauert. Sobald die Aktien von Ihrer Depotbank in Ihr Depot eingebucht sind, können Sie darüber auch frei verfügen.

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    2. Besten Dank!

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  2. Hallo Herr Kissig,

    halten Sie nach wie vor an Ihrer Kaufempfehlung trotz der Korrektur seit Juni fest?

    Vielen Dank vorab!

    Beste Grüße

    Thomas Müller

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    1. Moin Herr Müller,

      ja, ich habe weiterhin meine WCM-Aktien im Depot und gehe davon aus, dass wir demnächst wieder einen erhöhten Newsflow sehen werden. Einerseits Nachrichten zu der Umsetzung bereits avisierter Käufe, dann ggf. neue Zukäufe und natürlich die anstehenden Zahlen, die zunehmend interessant werden dürften, da ja die erworbenen Objekte nach und nach sich auch in der Bilanz und GuV niederschlagen werden.

      Ich denke, man hat sich zuletzt auch deshalb etwas zurückgehalten, weil ja ein neuer Vorstand angeworben wurde. Und Frank Roseen, der von GE Capital Real Estate kommt, wird als CFO künftig den Bereich Finanzen verantworten - und Akquisitionen. Ich halte es für naheliegend, dass man sein Eintreten in die Gesellschaft abgewartet hat, bevor man weitere Zukäufe dingfest macht. Einerseits, um seine Expertise zu nutzen, andererseits auch, weil es schon "komisch" anmuten würde, erst zuzukaufen und dann den für diesen Part zuständigen Vorstand zu präsentieren.

      Mein Investmentcase ist jedenfalls vollständig in Takt und bleibe an Bord, weil ich hier noch erhebliches Potenzial sehe auf mittlere und lange Sicht.

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    2. Vielen Dank für die schnelle und ausführliche Antwort! ;)

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  3. Guten Tag Herr Kissig,

    mit großem Interesse habe ich Ihren Bericht zur WCM gelesen, ich bin vor 8 Wochen mit 3000 Euro eingestiegen und habe schon 450 Euro Verlust, mein Gedanke ist eigentlich ein Ausstieg, wie schätzen Sie die Entwicklng bis zum Jahresende ein.?
    Vielen Dank !

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    1. Moin Herr Werner,
      Sie haben Wert gekauft und dafür einen Preis bezahlt und dieser Preis ist in den letzten Tagen gesunken.Was bedeutet das? Sie könnten heute den gleichen Wert für weniger Geld erwerben. Man kann sich nun darüber ärgern, dass man vor einiger Zeit mehr bezahlt hat, aber die eigentliche Frage ist doch, hat sich der Wert verändert?

      Momentan gehen die Börsen in die Knie, überwiegend wegen des Kursrückgangs in China und der Befürchtung, die Chinesen könnten nun weniger einkaufen in der Welt. Davon wären natürlich viele Unternehmen betroffen, gerade in einem Exportland wie Deutschland und bei unserer automobillastigen Wirtschaft. Und der Maschinenbau wird ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen, würde die chinesische Wirtschaft sich deutlich abkühlen. WCM ist jedoch kein Exportwert, kein Autohersteller, kein Automobilzulieferer. WCM kauft und bewirtschaftet Gewerbeimmobilien in Deutschland. Man muss schon sehr düstere Ansichten über die Zukunft haben, wenn man die gegenwärtige Lage so negativ fortschreiben will, dass der Gewerbeimmobilienmarkt in Deutschland negativ getroffen werden könnte.

      Dies als Fakt akzeptiert, hat sich der Wert des Unternehmens WCM also in den letzten Tagen nicht verringert, also auch nicht der Wert einer einzelnen Aktie. Die Annahmen und Prognosen, die mich zu meiner positiven Einschätzung von WCM gebracht haben, sind alle noch intakt, keine einzige von ihnen ist bisher hinfällig. Und das bedeutet für mich als Investor mit einem mittel- bis langfristigen Anlagehorizont, dass meine Investmentthese bzgl. WCM völlig intakt ist.

      Wo der Kurs von WCM oder anderen Aktien oder des DAX morgen, in einem Monat oder am Jahresende stehen wird, kann ich Ihnen beim besten Willen nicht sagen. Es kann aufgrund der momentanen Marktstimmung sein, dass DAX und WCM noch deutlich fallen werden, es kann auch sein, dass sie in etwa das Niveau halten in der nächsten zeit, oder dass sie wieder deutlich zulegen. Ich weiß es nicht. Und darauf setze ich daher auch nicht. Ich setze auf den Wert eines Unternehmens und ich kaufe seine Aktien, wenn ich sie zu einem Kurs deutlich unterhalb dieses Wertes bekommen kann oder aber wenn ich davon ausgehe, dass der Wert des Unternehmens in den nächsten Jahren deutlich ansteigen wird. Dann bezahle ich auch höhere Preise, wie z.B. bei Starbucks.

      Am 28. August wird der Halbjahresfinanzbericht von WCM veröffentlicht. Ich gehe davon aus, dass spätestens zu diesem Termin eine Reihe von interessanten Neuigkeiten präsentiert werden. Denn viele der Zukäufe aus dem ersten Halbjahr werden ja erst jetzt wirksam umgesetzt und der Bericht dürfte zwar nur die nackten Zahlen des 1. Halbjahres enthalten (die daher noch nicht so spannend ausfallen werden), aber auch Erläuterungen zu den in Umsetzung befindlichen Projekten und ggf. zu weiteren Deals. Diese Informationen werden helfen, den Wert der WCM-Aktien (neu) zu bewerten und sich anzusehen, ob die eigene Investmentthese noch trägt oder einer Überarbeitung bedarf.

      Ich kann Ihnen nicht raten, was sie tun sollen. Wenn Sie sich absolut unwohl mit ihrer WCM-Position fühlen, dann sollten sie verkaufen. Aber überlegen sie bitte vorher, weshalb sie sich unwohl fühlen. Weil sich ihre Einstellung zu WCM geändert hat, weil die letzten Nachrichten zu WCM schlecht waren, weil sie nicht mehr an eine positive Entwicklung des Unternehmens glauben oder "nur" weil der Kurs gefallen ist?

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  4. Hallo Herr Kissig,

    vielen Dank !

    Mit freundlichen Grüßen

    Michael Werner

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  5. Neben der Veröffentlichung des Halbjahresfinanzberichts wird auch Frank Roseen ab dem 01.09.15 die Bereiche Akquisition und Finanzen als Vorstand (CIO/CFO) verantworten.

    Herr Roseen kommt von der GE Capital Real Estate, der Finanztochter von General Electric (GE). GE hat schon im April angekündigt, sich von Immobilien trennen zu wollen, um sich wieder stärker auf das Kerngeschäft zu konzentrieren. Zusätzlich kann GE bei einer (evtl. anstehenden) Leitzinserhöhung in den USA davon ausgehen, dass die mit Kredit finanzierten Immobilien, weniger an Gewinn abwerfen. Es sind zwar schon größere Deals erfolgt, aber ich kann mir trotzdem durchaus vorstellen, dass Herr Roseen in seinem Handgepäck, etwas für sein neues Unternehmen dabei hat.

    Hier ein Bericht zum Verkauf von Immobilien der GE:
    http://www.n-tv.de/wirtschaft/General-Electric-sammelt-24-7-Milliarden-ein-article14877211.html

    Meiner Meinung nach, hat sich in den letzten Wochen der Wert der WCM AG durch die Verpflichtung von Herrn Roseen sogar noch weiter verbessert. Durch seine Person kommt hier ein extrem gutes Kontakt-Netzwerk hinzu.

    Viele Grüße!
    Stefan D.

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