Dienstag, 4. August 2015

Ist United Electronic Technology ein klassischer Turnaround-Kandidat?

Eine weitere Leserfrage betrifft den Micro-Cap UET United Electronic Technology AG.

Profil

Die UET United Electronic Technology AG ist eine börsennotierte Beteiligungsgesellschaft, die sich seit der Gründung auf den Erwerb von mittelständischen Unternehmen spezialisiert hat. Im Rahmen der im Sommer 2012 begonnenen Neuausrichtung werden in Zukunft Electronic und Technology die Hauptschwerpunkte der Gruppe sein. Die derzeit im Portfolio bestehenden Unternehmen ELCON, LETRON, NEWTAL und SUCONI werden langfristig entwickelt. (Quelle: uet-group.com)

Leserfrage

Sehr geehrter Herr Kissig,
meine Frage bezieht sich auf einen Nebenwert. Die die UET United Electronic Technology AG (vormals CFC) hat im letzten Jahr eine gute Performance hingelegt. Recht unbekannt, aber positives operatives Ergebnis, jedoch noch eine relativ hohe Verschuldung, die aber bis 2017 finanziert ist. Halten Sie UET für einen klassischen Return-Kandidaten oder sehen Sie die Verschuldung als zu hoch an und die bisherige Entwicklung ist nur ein Strohfeuer?
Danke für Ihre Einschätzung.
Mit freundlichen Grüßen
W.Z.

 UET (Quelle: comdirect.de)
Meine Einschätzung

Moin Herr Z.,
die UET ist seit Ende 2006 an der Börse notiert, damals noch als CFC Industriebeteiligungen GmbH & Co. KGaA mit Sitz in Dortmund und diese Geschichte ist für das Unternehmen und die Aktionäre überwiegend ein Trauerspiel gewesen. Nachdem man groß ins Textil- und Bekleidungsgeschäft eingestiegen ist, musste man wenige Jahre später hier fast Totalausfälle verbuchen und konnte froh sein, wenigstens noch Teile der investierten Gelder zurückzuerhalten. 2009 erfolgte dann ein erster Restrukturierungsversuch, man firmierte um in die CFC Industriebeteiligungen AG und wollte sich auf die Kernbereiche Electronics und Home & Living konzentrieren. Auch wegen der Wirtschaftskrise war man bestrebt, Kosten einzusparen und ließ die Börsennotierung in den Entry Standard zurückstufen, nachdem man gerade mal 2 Jahre im General Standard notiert hatte. Womit die "lästige" Pflicht von Ad-hoc Veröffentlichungen und über Halbjahres- und Jahresberichte hinausgehende Finanzberichte der Vergangenheit angehörten.

Diese Neuausrichtung war nicht unbedingt von Erfolg gekrönt, denn Tochtergesellschaften mussten Insolvenz anmelden oder wurden mit hohen Abschlägen verkauft. Das Kursmaximum von 19 EUR aus dem Jahr 2007 sah die Aktie nie wieder, im Gegenteil, sie fiel sogar zwischenzeitlich unter die Marke von 1 EUR und wurde zum Penny-Stock. Anfang 2013 war dann der bisherige Tiefpunkt erreicht und der Vorstandsvorsitzende Werner Neubauer hat über zwei Beteiligungsfirmen inzwischen die Mehrheit der Aktien übernommen und den Bereich Home & Living eingedampft. Der neue Fokus richtet sich nun auf Telekommunikation und Elektronik und die Gruppe bedient die drei Geschäftsbereiche Telekommunikationssysteme (Systems), Manufacturing und Service. Darüber hinaus hat das Unternehmen seinen Sitz nach Eschborn verlegt.

Die Geschäftszahlen zeigen diesen Absturz deutlich. Der Umsatz je Aktie fiel von 21,48 EUR (2008) auf 5,37 EUR (2013), das Ergebnis je Aktie von 1,73 EUR (2008) auf 0,05 EUR (2013). Und dazwischen lagen Jahre mit extrem hohen Jahresverlusten! Erstmals können allerdings die 2014er Zahlen etwas Anlass zu Hoffnung geben, denn der Umsatz erhöhte sich leicht auf 5,73 EUR (5,37) und das Ergebnis je Aktie auf 0,10 EUR (0,05).

Anfang des Jahres wurde dann der Verkauf einer nicht zum betriebsnotwendigen Vermögen zählenden Immobilie in Arnsberg vermeldet, woraus der UET Gruppe ein einmaliger Ertrag in Höhe von 0,594 Mio. EUR in 2015 erwächst. Dieser soll zur Rückführung der der Verbindlichkeiten aus dem Erwerb dienen und wird den Schuldenstand um 3,707 Mio. EUR reduzieren. Allerdings entfallen künftig auch die Mieteinnahmen aus der Liegenschaft.

Im März übernahm UET die ALBIS Technologies mit Sitz in Zürich, um ihre Systems-Sparte zu stärken. Die Transaktion erfolgte über einen Barkaufspreis in Höhe von 1,0 Mio. EUR und durch Einbringung von Anteilen im Rahmen einer Sachkapitalerhöhung der UET AG in Höhe von 1 Mio. neu auszugebender Aktien mit einem Nennwert von je EUR 1,00, so dass die Altaktionäre der ALBIS Gruppe insgesamt rund 11% an der UET AG halten werden. Mit dieser Verwässerung einher geht auch die Reduzierung der Anteile von Werner Neubauer unter die 50-Prozent-Schwelle.

In den Mitte Juni veröffentlichten operativen Finanzkennzahlen taucht dann die Neuerwerbung ALBIS auch noch nicht auf. Darin wird vor allem auf die Erfolge in den Bereichen Manufacturing und Service verwiesen, die Umsatzwachstum und Ergebnisverbesserungen erzielen, doch gemeinsam werden beide Sparten weiterhin ein negatives EBITDA und EBIT ausweisen. Die Sparte Systems hingegen ruckelt gewaltig und muss Umsatz- und Ergebnisverschlechterungen hinnehmen.

Es bleibt operativ also alles im roten Bereich, die zarten Erholungstendenzen bringen noch zu wenig Konkretes. Die Reduzierung der Verschuldung und der damit verbundenen Kosten bringt positive Einmal-Effekte, andererseits aber auch dauerhaft sinkende Erträge durch den Wegfall von Mieteinnahmen. Schaut man auf die Bilanzen, so wird dort seit 2011 ein negatives Eigenkapital ausgewiesen! Die Bilanzsumme betrug 2013 22,13 Mio. EUR, die Gesamtverbindlichkeiten 30,85 Mio. EUR.

UET (Quelle: comdirect.de) 
Fazit
Der Aktienkurs hat sich vom Tiefstpunkt erfreulich entwickelt, man hätte seinen Einstandskurs mehr als verdoppeln können. Andererseits verbleiben vom Allzeithoch bei 19 EUR noch mehr als 95 Prozent Kursrückgang, was die Entwicklung und den Zustand des Unternehmens recht gut wiedergibt. Aufgrund operativer Verbesserungen scheinen Erwartungen aufzukeimen, dass UET die Kurve kriegen könnte. Allerdings ist in keinster Weise abzusehen, ob das gelingt und ggf. wann. Das Unternehmen selbst verweist darauf, dass es im 2. Halbjahr von einer Ergebnisverschlechterung ausgeht.

Aktuell ist das Unternehmen eine Dauerbaustelle und in allen drei Sparten stehen die Ampeln auf Rot - wohlwollend könnte man bei Manufacturing und Service vielleicht einen Dunkelgelbschimmer erkennen wollen. Ein absolutes No-Go ist die Verschuldung, das Unternehmen stolpert als latente Insolvenzgefahr vor sich hin, da muss man dringend vom einem Engagement abraten. Wer sehr langes Sitzfleisch besitzt und sich der Risikos eines nicht ganz unwahrscheinlichen Totalverlusts bewusst ist, kann hier höchst spekulativ auf einen Turnaround setzen. Die Verkäufer von ALBIS scheinen ja zumindest Perspektiven zu sehen, ansonsten hätten sie kaum einen Teil des Kaufpreises in Aktien akzeptiert und sich mit 11 Prozent zu Miteigentümern an der UET machen lassen.

Für mich ist diese Spekulation in diesem Stadium nichts, ich finde Turnaround-Situationen ja immer dann spannend, wenn eigentlich grundsolide Firmen in vorübergehende Schwierigkeiten kommen und straucheln. Auf dieser Basis kann man aufbauen und ggf. günstig einsteigen. Aber Firmen, die sich seit Jahren knapp über Wasser halten und schon mit Tricks und Kniffen ihr Überleben sichern müssen, von denen lasse ich lieber die Finger.

1 Kommentar:

  1. Die Rückmeldung von W.Z., die mich per Mail erreichte, möchte ich euch nicht vorenthalten:

    Hallo Herr Kissig,

    danke für Ihre Antwort. Ich hätte es nicht ganz so negativ gesehen, angesichts der Zahlen in 2014 (KUV, positives Ebit) und die Verschuldung scheint ja finanziert zu sein. Und es gibt wohl Bestrebungen diese in EK umzuwandeln.

    Ich sehe halt im Vergleich die Bewertung von anderen Unternehmen die negatives Ebit haben und höher bewertet werden, aber eben alles eine Frage der Erwartungshaltung

    Danke für Ihre Meinung.
    Mit freundlichen Grüßen
    W.Z.

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