Dienstag, 6. Juni 2017

Nimmt der Turnaround bei Mutares jetzt richtig Fahrt auf?

Ich bin ein bekennender Fan von Beteiligungsgesellschaften und habe eine ganze Reihe von ihnen bereits in meinem Blog vorgestellt. Um Mutares habe ich lange einen Bogen gemacht und der durch operative Probleme und Fehlentscheidungen des Managements ausgelöste Kursabsturz gab mir Recht. Vor einem halben Jahr mehrten sich dann allerdings die Anzeichen für einen Turnaround, ausgelöst durch eine strategische Neuausrichtung - und ich nahm Mutares als aussichtsreiche Turnaround-Spekulation bei einem Kurs von 11 Euro auf meine Empfehlungsliste auf. Bisher ging die Spekulation prima auf und es mehren sich die Anzeichen, dass dies erst der Anfang einer sich entwickelnden nachhaltigen Erfolgsgeschichte war.

Mutares ist eine international ausgerichtete deutsche Beteiligungsgesellschaft, die sich nach Kapitalerhöhungen, Aktiensplits und Börsensegmentwechsel für Anleger attraktiver gestalten will. Das ist auch nötig, denn Mutares konnte den eigenen Ansprüchen bisher nicht gerecht werden und hat mit einigen Unwägbarkeiten und Problemen zu kämpfen. Der Kursverlauf bis Ende vergangenen Jahres zeichnet dieses Scheitern unschön nach. Doch Mutares scheint die Zeichen der Zeit erkannt zu haben und steuerte inzwischen um. Bereits im ersten Halbjahr 2016 hat man kräftig in den Ausbau des Teams und der Infrastruktur investiert und auch sie Strategie wurde angepasst. Anstatt wie bisher Stand-Alone-Restrukturierungsfälle zu akquirieren, will man künftig Cluster bilden und auch durch Synergien und Formierung größerer Einheiten Werte generieren und heben. Das klingt aussichtsreicher und erfolgversprechender, weil man so beim Exit auch ganz andere Interessenten ansprechen kann, nämlich strategische Investoren, für die das Übernahme-Target dann keine kleine Rand-Ergänzung ist, sondern ggf. ein weiteres Elefanten-Standbein. Geographisch bewegt sich Mutares mit dem Schwerpunkt Frankreich und Italien in einem Bereich, den andere Beteiligungsgesellschaften wie Aurelius oder Bavaria bisher nicht abdecken. Das Ziel, bald 1,8 Mrd. Euro Umsatz in den Beteiligungsunternehmen zu erzielen, ist jedenfalls schon mal eine markige Ansage, doch es müssen auch Taten folgen. Und die folgen...

Zunächst übernahm Mutares mehrere Automobilzulieferer in Frankreich und kommt so bei der Formierung eines globalen Zulieferers mit großen Schritten voran. Aber auch in anderen Bereichen ist Mutares aktiv und hat von der amerikanischen SPX Corporation das internationale Anlagenbauunternehmen Balcke-Dürr übernommen. In 2015 hat das Unternehmen mit 650 Mitarbeitern einen Umsatz von €142 Mio. erzielt und verfügt neben der Firmenzentrale in Düsseldorf über Entwicklungscenter und Produktionsstätten in Deutschland, Italien, Polen, China und Indien. Balcke-Dürr fertigt Komponenten für die Energieeffizienz und die Reduktion von Emissionen für die chemische und energieerzeugende Industrie. und wird Teil von Mutares "Engineering & Technology"-Segment.

Doch Mutares kauft nicht nur zu, sondern vernachlässigt auch nicht das andere Standbein seines Geschäfts, das Verkaufen. So konnte man den Verkauf von EUPEC Deutschland an die Wasco-Gruppe vermelden und im Idealfall kann der Verkaufspreis bis zum Jahr 2019 sogar auf 32 Mio. Euro steigen. Das operative Geschäft der EUPEC Frankreich bleibt Teil der Mutares-Gruppe. Und Ende April folgte der Verkauf der die Fertigungstechnik Weißenfels GmbH an ein deutsches Family Office. FTW entwickelt, produziert und vertreibt hochpräzise und dynamische NC-Rundtischsysteme und Spezialvorrichtungen für die Werkzeugmaschinenindustrie war im Februar 2010 seitens Mutares von der deutschen Römheld-Gruppe erworben worden.

Zahlen drehen ins Positive
Insbesondere der EUPEC-Verkauf hatte maßgeblichen Anteil an den sehr guten Zahlen zum Auftaktquartal 2017. Doch auch für drei Tochtergesellschaften seien hohe Steigerungen des operativen Profits vermeldet worden. So steigerte sich A+F um 60 Prozent, STS um 53 Prozent und Elastomer um 40 Prozent. In Summe ergab sich ein Umsatzwachstum von 36 Prozent auf 208,2 Mio. Euro während das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 4,2 auf 21,5 Mio. Euro gesteigert werden konnte. Der Substanzwert (NAV) des Mutares-Konzerns lag zum Ende des ersten Quartals bei 317,2 Mio. Euro und damit um 9,3 Mio. Euro über dem Wert zum Jahresende. Dies entsprach einem NAV je Aktie von knapp 20,50 Euro, der durch die weiteren nach Abschluss des Quartals gemeldeten Zukäufe auf aktuell etwa 400 Mio. Euro oder 25,80 Euro ansteigen sollte.

 Mutares (Quelle: finanzen.net
Der Vorstand hat große Ziele und möchte bis Ende 2018 den Umsatz auf 1,8 Mrd. Euro steigern. 2016 lag der Wert noch bei 648 Mio. Euro und damit sprechen wir fast von einer Verdreifachung! Um dieses Ziel zu erreichen, will Mutares insbesondere sogenannte „Add-on Akquisitionen“ forcieren, also bestehende Portfoliounternehmen durch Ergänzungsakquisitionen stärken. Auch dies ist Teil der neuen Cluster-Strategie, die nicht mehr auf möglichst viele Stand-Alone-Töchter setzt.

Deal-Pipeline ist prall gefüllt
In einem Interview mit financial.de gab CEO Dr. Axel Greuer Interessantes preis. So sei die Transaktionspipeline noch nie so gut gefüllt gewesen wie aktuell und Mutares geht davon aus, dass dies nachhaltig sein wird, da man in den letzten zwei Jahren signifikant in den Ausbau des M&A-Teams investiert habe. Bis Ende des Jahres 2017 sollen somit noch mindestens vier Akquisitionen und ein Exit realisiert werden. Speziell die Töchter A+F, STS und Elastomer Solutions hätten die Sanierung längst hinter sich und seien auf einem starken Wachstumskurs. Mutares sei mit den erzielten Ergebnissen sehr zufrieden, sehe jedoch noch weiteres Potenzial. Alle Unternehmen reifen zu interessanten Exit-Kandidaten heran.

Meine Einschätzung
Mutares hat dank des Strategiewechsels wieder Rückenwind und dürfte bald zu alter Stärke auflaufen. Die neue Strategie klingt viel versprechend und die Zukäufe sollten für neue Energie sorgen - das Ziel von 1,8 Mrd. Euro Umsatz des Beteiligungs-Portfolios bis Ende 2018 klingt jedenfalls nicht völlig utopisch angesichts der vielen Zukäufe der letzten Zeit und der angekündigten prall gefüllten Deal-Pipeline. Mit dem aktuellen Portfolio hat man das ursprüngliche Milliarden-Umsatz-Ziel jedenfalls bereits um 200 Mio. Euro übertroffen. Und die in den letzten Quartalszahlen noch nicht eingerechneten Zukäufe ergänzen weitere rund 250 Mio. Euro Umsatz.

Das dürfte auch dem Aktienkurs analog zum Voranschreiten des operativen Geschäft wieder Leben einhauchen. Ob der Sonderertrag aus dem EUPEC Deutschland Verkauf als Sonderdividenden ausgeschüttet oder lieber für weitere Zukäufe verwendet wird, bleibt abzuwarten - und betrifft sowieso erst das Geschäftsjahr 2017 und somit die Ausschüttung im Kalenderjahr 2018.

Mehr als 40 Prozent Abschlag auf den NAV
Ich denke, bei Mutares wird gerade der Grundstein gelegt für eine erfolgreiche Investment-Story und für geduldige und risikobereite Anleger bietet sich hier ein attraktives Chance/Risiko-Verhältnis. Daher befindet sich Mutares auf meiner Empfehlungsliste und ich bin Mitte Dezember bei 11 Euro mit einer ersten Position eingestiegen. Seitdem habe ich in den Kursanstieg bis 15 Euro hinein meine Position weiter ausgebaut. Der Kurs scheint nun seine Konsolidierung nach dem schnellen Anstieg abgeschlossen zu haben und setzt zu einem neuen Höhenflug an. Bis zum Erreichen des NAVs von 25,80 Euro ist jedenfalls noch reichlich Spielraum. Genauer gesagt notiert die Mutares-Aktie momentan trotz des jüngsten Kurssprungs noch immer mit einem Abschlag von mehr als 40 Prozent auf den NAV. Und so ein enormer Sicherheitsabschlag ist inzwischen keinesfalls mehr berechtigt, so dass weitere Kursteigerungen eigentlich vorprogrammiert sind. Und kommt Mutares operativ weiter so gut voran, nimmt der Turnaround also weiter richtig Fahrt auf, dann könnte sich das bisherige Allzeithoch aus dem August 2015 bei 22 Euro nur als Zwischenstation auf dem Weg in noch viel höhere Kursregionen darstellen.


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ERGÄNZUNG VOM 22.06.2017, 12:41

▸ mutares-Tochter STS erwirbt brasilianisches Werk von Autoneum

Die STS-Gruppe hat die Produktionsstätte mit 90 Mitarbeitern des Schweizer Autoneum-Konzerns im brasilianischen Betim erworben. Mit der Akquisition setzt STS seine Wachstumsstrategie konsequent fort, sich zu einem führenden globalen Zulieferer zu entwickeln. STS wird den bisherigen Kundenstamm weiter beliefern. Des Weiteren verfügen alle bestehenden Hauptkunden der STS-Gruppe über Produktionsstätten in Brasilien. STS erwartet daher ein starkes Potential für ein Umsatzwachstum im sich erholenden brasilianischen Markt und rechnet mittelfristig mit einem Umsatz von 12 Mio. Euro.

Die STS-Gruppe wird durch ihr organisches Wachstum und die Akquisitionen von Autoneum, Plastic Omnium und Mecaplast zu einem globalen Automobilzulieferer. Die Gruppe entwickelt und produziert Innen-, Außen- und NVH-Teile für leichte bis schwere Nutzfahrzeuge sowie für PKW. Mit 2.700 Mitarbeitern in 16 Werken auf vier Kontinenten wird ein Umsatz von 400 Mio. Euro erwirtschaftet. Das Produktportfolio ergänzt sich ideal und erlaubt eine Vielzahl an Synergien und Cross-Selling-Möglichkeiten.

Der Erwerb des brasilianischen Werks ist bereits die zweite Transaktion der mutares-Gruppe mit Autoneum. Der italienische Teil der STS-Gruppe wurde im Juli 2013 von Autoneum übernommen und hat sich seitdem herausragend entwickelt. Das gegenseitige Vertrauen zwischen Autoneum und mutares hat einen sehr kooperativen und exklusiven Transaktionsprozess ermöglicht.

1 Kommentar:

  1. mutares-Tochter STS erwirbt brasilianisches Werk von Autoneum

    Die STS-Gruppe hat die Produktionsstätte mit 90 Mitarbeitern des Schweizer Autoneum-Konzerns im brasilianischen Betim erworben. Mit der Akquisition setzt STS seine Wachstumsstrategie konsequent fort, sich zu einem führenden globalen Zulieferer zu entwickeln. STS wird den bisherigen Kundenstamm weiter beliefern. Des Weiteren verfügen alle bestehenden Hauptkunden der STS-Gruppe über Produktionsstätten in Brasilien. STS erwartet daher ein starkes Potential für ein Umsatzwachstum im sich erholenden brasilianischen Markt und rechnet mittelfristig mit einem Umsatz von 12 Mio. Euro.

    Die STS-Gruppe wird durch ihr organisches Wachstum und die Akquisitionen von Autoneum, Plastic Omnium und Mecaplast zu einem globalen Automobilzulieferer. Die Gruppe entwickelt und produziert Innen-, Außen- und NVH-Teile für leichte bis schwere Nutzfahrzeuge sowie für PKW. Mit 2.700 Mitarbeitern in 16 Werken auf vier Kontinenten wird ein Umsatz von 400 Mio. Euro erwirtschaftet. Das Produktportfolio ergänzt sich ideal und erlaubt eine Vielzahl an Synergien und Cross-Selling-Möglichkeiten.

    Der Erwerb des brasilianischen Werks ist bereits die zweite Transaktion der mutares-Gruppe mit Autoneum. Der italienische Teil der STS-Gruppe wurde im Juli 2013 von Autoneum übernommen und hat sich seitdem herausragend entwickelt. Das gegenseitige Vertrauen zwischen Autoneum und mutares hat einen sehr kooperativen und exklusiven Transaktionsprozess ermöglicht.

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