Samstag, 16. November 2019

Split-Off: Danaher will seine Dental-Tochter Envista ganz loswerden - an seine Aktionäre

Danaher ist ein global tätiges Beteiligungsunternehmen, das weltweit mehr als 20 operativ tätige Tochterfirmen aus den Bereichen Diagnostik, Biowissenschaften, Umwelt- und Anwendungslösungen beherbergt. In seiner langen Unternehmensgeschichte erzielte das Danaher-Business-System überragende Erfolge und trimmte neu zugekaufte Tochterunternehmen schnell auf Erfolg und Rendite. Und mit über 20% Zuwachs p.a. über mehrere Jahrzehnte stellt man selbst Dauerrenner wie Berkshire Hathaway in den Schatten.

Als die Struktur zu komplex wurde, spaltete Danaher einen Teil ab und konzentrierte in der Fortive Corp. sein klassisches Industriegeschäft, wie Tankstellenausrüstung, Telematik, Automation und brachte dies separat an die Börse. Und das Neustrukturieren geht munter weiter, nachdem man für $21,4 Mrd. das Biopharmageschäft von General Electric übernommen hat, möchte man sich nun von der Dentalsparte trennen.


In einem ersten Schritt waren die Töchter Nobel Biocare, Ormco und KaVo Kerr in dem neuen Unternehmen Envista zusammengefasst und an die Börse gebracht worden. Envista erzielte im Jahr 2017 einen Umsatz von annähernd drei Milliarden Dollar und wird beschäftigt weltweit rund 12.000 Mitarbeiter; zurzeit hält Danaher noch 80,6% an Envista und möchte das nun zügig ändern. Doch weder verkauft man die Aktie einfach über die Börse oder gibt sie paketweise an institutionelle Investoren ab, noch bucht man sie den Danaher-Aktionären einfach als Spin-off in die Depots ein. Stattdessen kündigte Danaher nun einen unkonventionellen Weg an: man unterbreitet seinen Aktionären ein Angebot für einen Split-Off.

Der Unterschied zwischen Spin-Off und Split-Off

Bei einem Spin-Off verteilt die Muttergesellschaft die Anteile der ausgegliederten Tochtergesellschaft an ihre bisherigen Aktionäre; diese bekommen die Aktien der neuen Gesellschaft als Sonderdividende in ihre Depots eingebucht. Wem zuvor 1% des Mutterunternehmens gehörte, der bekommt nun auch 1% der Aktien der Tochter ins Depot ("pro rata"). Ein Mittelzufluss für die Mutter findet nicht statt; vielmehr reduziert sich der eigene Aktienkurs um den Wert des abgespaltenen Teils.

Im Gegensatz hierzu erhalten die Aktionäre bei einem Split-Off ein Wahlrecht. Sie können sich entscheiden, ob sie Aktien des abgespaltenen Unternehmens haben möchten und zwar im Tausch gegen Aktien des Mutterunternehmens. Um hier einen Tauschpreis festlegen zu können, wird in der Regel zuvor ein sog. Carve-Out durchgeführt, bei dem die Mutter einen kleinen Teil des abzugebenden Tochterunternehmens an die Börse bringt, wo sich dann ein Marktpreis für die Aktien bestimmt. Wie es Danaher mit Envista vor einigen Wochen getan hat.

Das Danaher-Angebot

Danaher-Aktionäre bekommen nun das Wahlrecht eingeräumt und müssen entscheiden, ob sie

  1. einfach im gleichen Umfang Danaher-Aktionäre bleiben wollen wie bisher, oder
  2. ganz oder anteilig Envista-Aktien gegen Danaher-Aktien tauschen möchten, wobei sie einen 7-prozentigen Umtauschrabatt eingeräumt bekommen (das bedeutet, dass Umtauschwillige für jeweils $100 Stammaktien von Danaher ungefähr 107,53 Stammaktien von Envista erhalten).

Dieses Angebot ist an die Bedingungen geknüpft, dass dieser Split-Off (für US-Aktionäre) steuerfrei über die Bühne gehen kann und dass mindestens 38,38 Mio. Envista-Aktien abgerufen/getauscht werden.

Aktuell hält Danaher noch 127,87 Mio. Envista-Aktien (80,6%) und alle Aktien, die nicht im Wege dieses Split-Offs losgeschlagen werden können, sollen zu einem späteren Zeitpunkt als Spin-Off an die Danaher-Aktionäre übertragen werden.

Danaher Corp. (Quelle: wallstreet-online.de)
Das Ziel ist klar: Danaher will sich komplett von Envista trennen. Der eingeschlagene Weg soll sicherstellen, dass interessierte Aktionäre sich einen größeren Anteil an Envista sichern können, bevor der Rest quotal an die Danaher-Aktionäre ausgegeben wird. Bei einem Anteilspaket von 80,6% würde ein bloßer Spin-off vermutlich zu erheblicher Volatilität bei den Envista-Aktien führen und zu heftigen Kurskapriolen, an denen niemand gelegen sein kann.

Je mehr Aktionäre das Umtauschangebot annehmen, desto besser für den Envista-Kurs. Und für die verbleibenden Danaher-Aktionäre wäre eine hohe Annahmequote auch lukrativ, denn de facto stellt der Split-Off ja einen Aktienrückkauf von Danaher dar - nur dass die eigenen Aktien nicht mit Cash bezahlt werden, sondern mit Envista-Aktien. Und nicht nur Warren Buffett meint, dass keine andere Maßnahme Aktionären so sehr nützt, wie Aktienrückkäufe.

Ich werde jedenfalls das Umtauschangebot nicht annehmen, weil ich an Danaher beteiligt bin und sein will und nicht an der Dentalsparte bzw. Envista. Davon werde ich vermutlich/leider wohl noch genügend ins Depot gelegt bekommen, wenn der Spin-Off erfolgt. Und zu dem wird es unweigerlich kommen, da kaum 100% der Danaher-Aktionäre ihr Wahlrecht komplett ausüben werden.

Schöner Nebeneffekt für Danaher: wenn Envista nicht mehr zum Konzern gehört, muss diese ,argen- und ertragsschwache Sparte/Tochter auch nicht mehr in der eigenen Bilanz konsolidiert werden und damit steigen die eigenen Kennzahlen entsprechend an - was zusätzlichen Raum für Kurssteigerungen bietet. ツ

Ich bin und bleibe bei Danaher an Bord. Seit meinem Einstieg im April 2017 erzielte mein Danaher-Investment eine durchschnittliche Rendite von 23,3% und das liegt in etwa auf dem Niveau, was Danaher über mehrere Jahrzehnte eingespielt hat. Ich bin davon überzeugt, dass das Unternehmen diesen Erfolgsweg auch in der Zukunft so fortsetzen kann.

Disclaimer
Berkshire Hathaway, General Electric und Danaher befinden sich auf meiner Beobachtungsliste und in meinem Depot.


Ergänzung vom 28.11.2019, 21:50 - Aktientauschangebot

Heute erhielt ich das Schreiben meiner Depotbank, dass Danaher mir anbietet, bis zum 13.12.2019 meine Danaher-Aktien in Aktien der Envista Holdings zu tauschen. Ich übersetze das Schreiben mal frei:

1. Wie viele Aktien man ggf. im Tausch erhält und wie viele Danaher-Aktien man dafür "opfern" muss, steht erst dann fest, wenn die Angebotsfrist abgelaufen und alle Angebote ausgewertet worden sind.

2. Sollten mehr als die 127.868.000 Envista-Aktien nachgefragt werden, die Danaher noch im Bestand hat, wird anteilig zugeteilt/umgetauscht ("Pro-Rata-Basis").

3. Das endgültige Umtauschverhältnis wird anhand des volumengewichteten durchschnittlichen Marktpreises der beiden Aktien ermittelt. Vor dem 11.12.2019 steht es nicht fest!

4. Evtl. kann es zu steuerlichen Belastungen kommen durch a.) US-Quellensteuer und b.) durch deutsche Steuern. Muss bitte jeder selbst und vor der Angebotsannahme prüfen!

5. Wer seine Danaher-Aktien nicht tauschen will, muss einfach nur nichts tun, dann bleibt für ihn alles beim Alten!

Kommentare:

  1. Sehr geehrter Herr Kissig,

    vielen Dank für den sehr informativen Artikel, weil ich zwar aus eigener (bitterer) Erfahrung wußte, was ein Spin off ist, nicht aber was ein split off ist. Sie haben mir bei meiner Entscheidungsfindung sehr geholfen!
    Vielen Dank
    H. Schmidt

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  2. Auch von mir einen herzlichen Dank für die informative Entscheidungshilfe. Ich bin Danaher-Shareholder seit 2011 - und bleibe es!

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  3. Danke für den gut zu verstehenden Text. Wusste mit dem Brief/ Angebot erstmal nichts anzufangen bis ich den Text über Google gefunden habe.

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  4. Tausend Dank. Informativ und hilft meine Entscheidung zu treffen. Ich bleib bei Danaher

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  5. Hallo. Auch ich bin schon seit einigen Jahren Danaher Aktionär und mit meinem Depot über 75% im Plus. Ich bin von dieser Firma überzeugt und ich werde auch Danaher treu bleiben.
    Vielen Dank für diesen Text und diesen Blog. Er hat mir sehr weitergeholfen

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  6. Heute erhielt ich das Schreiben meiner Depotbank, dass Danaher mir anbietet, bis zum 13.12.2019 meine Danaher-Aktien in Aktien der Envista Holdings zu tauschen. Ich übersetze das Schreiben mal frei:

    1. Wie viele Aktien man ggf. im Tausch erhält und wie viele Danaher-Aktien man dafür "opfern" muss, steht erst dann fest, wenn die Angebotsfrist abgelaufen und alle Angebote ausgewertet worden sind.

    2. Sollten mehr als die 127.868.000 Envista-Aktien nachgefragt werden, die Danaher noch im Bestand hat, wird anteilig zugeteilt/umgetauscht ("Pro-Rata-Basis").

    3. Das endgültige Umtauschverhältnis wird anhand des volumengewichteten durchschnittlichen Marktpreises der beiden Aktien ermittelt. Vor dem 11.12.2019 steht es nicht fest!

    4. Evtl. kann es zu steuerlichen Belastungen kommen durch a.) US-Quellensteuer und b.) durch deutsche Steuern. Muss bitte jeder selbst und vor der Angebotsannahme prüfen!

    5. Wer seine Danaher-Aktien nicht tauschen will, muss einfach nur nichts tun, dann bleibt für ihn alles beim Alten!

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  7. Besten Dank für Ihre Arbeit!

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  8. Danke für die sehr gute Erklärung

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  9. Hallo Herr Kissig,

    auch von mir herzlichen Dank für Ihren Artikel.
    Ich war schon drauf und dran, das Angebot von Danaher Corp. anzunehmen.
    Nun hatte ich aus einer Laune heraus mal nach "Umtausch Danaher Corp." gegoogelt, und Ihren sehr informativen Artikel gefunden.
    Auch ich werde nun bei Danaher bleiben. Nicht zuletzt, weil ich mit der Wertentwicklung sehr zufrieden bin.
    Mit besten Grüßen
    RM

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  10. Hallo Michael,
    Danaher ist wirklich ein klasse Unternehmen, aber irgendwie immer ein bisschen teuer...
    Hälst du sie momentan für kaufenswert?
    Viele Grüße und danke für den tollen, informativen Blog
    Christian

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    1. Hallo Christian,

      die beiden Kollegen von echtgeld tv haben in ihrem letzten video unter anderem Danaher thematisiert. Das könntest du auch in deine Überlegung einbeziehen.
      Grüße

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    2. Moin Christian,
      wie sich der Kurs von Danaher entwickeln wird und ob jetzt der richtige/beste Zeitpunkt zum Einstieg ist, kann ich nicht sagen. Danaher befindet sich ja seit Längerem im Umbruch. Zuerst hat man Fortive abgespalten nun folgt die Dentalsparte Envista. Zum Geschäftsmodell gehört seit Anfang an, dass man Unternehmen zukauft und diese dann auf Trab bringt. So wird man die Biopharma-Sparte von GE übernehmen für $21,4 Mrd. und dafür wiederum Teile an Sartorius verkaufen (müssen). Ein Vergleich mit den Vorjahren fällt da schwer, weil sich das Unternehmen stark wandelt.

      Nun schaue ich auf die Entwicklungen: die Dentalsparte ist die schwächste und bereitet seit Jahren Probleme; sie ist chronisch unprofitabel. Wenn sie nicht mehr in den Bücher von Danaher steht, dann reduziert sich zwar der Umsatz, aber alle anderen operativen Kennzahlen verbessern sich. Hinzu kommt dann aber ein neuer großer Brocken, der erst einmal verdaut werden muss. Danaher wird die Biopharma-Sparte von GE durch sein Optimierungsprogramm schicken und dort Synergien heben sowie operative Schwachstellen ausmerzen. Die Sparte wird als Danaher-Tochter vermutlich deutlich profitabler werden, denn das ist seit mehr als 40 Jahren das Business von Danaher.

      Natürlich lädt man sich im Gegenzug auch ordentlich neue Schulden auf. Und es gibt keine Garantie, dass die Integration und Optimierung wunschgemäß verläuft. Auch Danaher kann scheitern, wie man an der Dental-Sparte sieht.

      Ich erinnere aber an die große Übernahme von Pall in 2017. Auch damals war der Markt skeptisch und hat den Aktienkurs monatelang niedrig gehalten. Und dann? Einfach mal auf den Chart sehen - irgendwann erkannte der Markt, dass Danaher weiterhin Erfolg hat und dann wurde die zuvor unterlassene Kurssteigerung zügig nachgeholt. Ich war damals übrigens bei Danaher eingestiegen, eben weil ich an den weiteren Erfolg von deren Erfolgsrezept glaubte. Und das tue ich auch heute noch.

      Ich weiß nicht, ob die Übernahme ein Erfolg wird. Aber ich stufe die Wahrscheinlichkeit hierfür als hoch ein. Ich weiß nicht, wann dann der Kurs ggf. wieder Fahrt aufnimmt, aber ich denke, dass er mittel- und langfristig weiter Potenzial hat. Weil er der operativen Entwicklung folgen wird.

      Gut möglich, dass Danaher momentan teuer aussieht. Ohne die Dentalsparte sieht das besser aus. Allerdings kommt die GE-Biopharmasparte hinzu und damit auch die höhere Verschuldung und - zumindest anfangs - hohe Integrationskosten und niedrigere Margen. Ab wann sich hier die Erfolge auch in den Zahlen niederschlagen, bleibt abzuwarten. Das kann zwei, drei Quartale dauern. Und auch die Auswirkungen des US-China-Handelskriegs sowie einer möglichen Abkühlung der US-Konjunktur dürften Auswirkungen auf Danahers Geschäfte haben.

      Man kann nun versuchen, die Aktie zu timen und billiger einzusteigen. Aber ob das klappt? Selbst wenn der Kurs 5% nachgibt, kauft man dann wirklich? Oder wartet man dann auch weitere 5%, die dann evtl. nicht kommen? Und man verpasst den Einstieg und schaut wieder den steigenden Kursen hinterher und sagt sich, dass man beim nächsten Kursrutsch bestimmt einsteigt - was man dann aber auch wieder nicht tut.

      Die Alternative ist, dem Management zu vertrauen und seinem nachweislichen Erfolg für Jahre und Jahrzehnte. Und wenn man glaubt, dass die ihr Business beherrschen und auch künftig annähernd so erfolgreich sind wie bisher, dann sollte man sich über den Einstiegskurs nicht so viele Gedanken machen - wenn man denn wirklich langfristig Aktionär dieses großartigen Unternehmens werden will. Möchte man nur innerhalb weniger Wochen oder Monate Kursgewinne einfahren, dann sollte man sich vielleicht ein anderes Spekulationsobjekt suchen.

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  11. Tauschen wird nur, wer Envista wirklich will, die bekommt er dann 7% günstiger - und könnte mit neuem Geld bei Danaher wieder einsteigen.

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