Samstag, 25. Juli 2020

Value Investor Tom Russo verdient an der Luxus- und Konsumsehnsucht - der anderen

Value Investor Tom Russo gehört quasi zur Enkelgeneration von Benjamin Graham, dem Urvater der Fundamentalanalyse. Bei Graham ging auch Warren Buffett in die Lehre und arbeitete später sogar eine Zeit lang für dessen Investmentfirma.

Während seines Studiums bei Graham an der Columbia Universität lernte Buffett auch William Ruane kennen und schätzen. Dieser machte sich 1969 selbstständig, nachdem er 20 Jahre lang für das Bankhaus Kidder Peabody gearbeitet hatte, und gründete mit Rick Cunniff die Investmentgesellschaft Ruane, Cunniff & Co. Buffett wiederum hatte zu dieser Zeit seine ursprünglichen Investment-Partnerships aufgelöst und konzentrierte sich auf Berkshire Hathaway. Seinen Partnern riet er auf die Frage, wo diese nun ihr Geld investieren sollten: bei Berkshire Hathaway. Oder sie sollten es Bill Ruane anvertrauen. Was für ein Ritterschlag!

Tom Russo verdiente sich seine Sporen als Analyst bei Ruane, Cunniff and Goldfarb, wie das Unternehmen inzwischen hieß. 1989 stieg Russo bei einer erst fünf Jahre zuvor gegründeten Investmentfirma ein und führt seitdem die Geschäfte von Gardner Russo & Gardner. Und das sehr erfolgreich. Denn Russo kann auf eine durchschnittliche Jahresrendite von gut 15 Prozent verweisen, die er in den letzten rund 30 Jahren für seine Investoren erzielen konnte.

Dabei tut er gar nicht viel und verfolgt damit genau die bevorzugte Handlungsempfehlung von Charlie Munger, Warren Buffetts kongenialen Partner.
»Jedes intelligente Investieren ist das Investieren in Werte - mehr bekommen als das, wofür du bezahlst. Investieren ist, wenn du einige großartige Unternehmen findest und dann auf deinem Hintern sitzt.«
(Charlie Munger)
Dieses Herumsitzen zeigt sich bei Russo in einer ungewöhnlich niedrigen Turnoverrate. In einem Quartal wechselt er selten mehr als 3 Prozent seines Portfolios aus; er agiert also sehr zurückhaltend und ist dabei langfristig orientiert. Diese geringe Handelsaktivität ist allerdings nicht auf einen Mangel an Ideen zurückzuführen, sondern auf seine Überzeugung, immer nur die besten Unternehmen auszuwählen und an diesen dann festzuhalten. Hier folgt er den Spuren des legendären Investors Philip A. Fisher, einem großen Befürworter Focus Investing.
»Anleger sollten peinlich genau darauf achten, nicht die meisten, sondern die besten Aktien zu halten.«
(Philip A. Fisher)
Auch in einem anderen Charakterzug folgt er einem legendären Investor, nämlich Philip Carret, dem Gründer des Pioneer Fonds.
»Ich habe nicht genug Gefühl dafür, wann ich Bargeld anlegen soll, deshalb ist unser gesamtes Vermögen immer in Aktien angelegt.«
(Philip Carret)
Diesem Motto folgend ist Tom Russo stets mit 100 Prozent seines Anlagekapitals im Markt investiert. Er unterlässt jeden Versuch, den Markt zu timen und/oder Krisen vorwegzunehmen und setzt stattdessen auf die langfristige Wertschöpfungskraft der Börsen. Mit anderen Worten: er reitet den Zinseszinseffekt wie kaum ein zweiter. Und seine Performance über mehr als drei Jahrzehnte und mehrere Börsencrashs hinweg gibt ihm Recht!

Mir gefällt sein Investmentansatz und ich finde viel von meinen eigenen Überlegungen darin wieder. Auch deshalb ist Tom Russo ein regelmäßiger Gast in meiner Serie "Portfoliocheck", in der ich regelmäßig die Depots der besten Value Investoren unserer Zeit unter die Lupe nehme.

Tom Russos Börsenweisheiten

  • Die beste langfristige Sicherheitsmarge ergibt sich nicht aus dem Preis einer Investition, sondern aus dem Wert eines nachhaltigen Wettbewerbsvorteils eines Unternehmens über einen sehr langen Zeitraum. Nur darum geht es beim Quality Investing.
  • Wenn Ihnen ein Unternehmen vollständig gehört, haben Sie kein Interesse daran, den offiziellen Gewinn zu maximieren; Sie müssten darauf nur mehr Steuern zahlen. Was Sie wirklich interessiert, ist stetiges Wachstum und Wertzuwachs.

1 Kommentar:

  1. Update zu Aurelius wäre sehr interessant, v.a. in Bezug darauf inwiefern der Kursrutsch gerechtfertigt bzw. übertrieben ist, hier ist natürlich die Einschätzung zu Office Depot entscheidend.

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