Montag, 11. April 2022

Kissigs Aktien Report: Mit Funkwerk und SBF auf Schnäppchenjagd bei deutschen Nebenwerten

Im Rahmen meiner Kooperation mit dem "Aktien Report" von Armin Brack nehme ich mir in unregelmäßigen Abständen interessante Unternehmen vor. Die Ausgaben des "Aktien Reports" und/oder "Geld Anlage Reports" erreichen ihre Leser samstags kostenlos und "druckfrisch" im Email-Postfach und man kann sich ▶ hier beim "Geld Anlage Report" anmelden. Bonbon für die Leser meines Blogs: einige Tage später darf ich die Analysen dann auch hier veröffentlichen.

Aktien Report Nr. 82 vom 01.04.2022

Funkwerk und SBF: Auf Schnäppchenjagd bei deutschen Nebenwerten

Gerade die jüngeren Anleger kennen fast nur ein Börsenmuster: Auf einen starken Kurseinbruch folgt eine V-förmige Kurserholung, die die Aktienkurse anschließend auf ein noch höheres Niveau hebt. Genau so funktioniert Börse! Aber leider nicht immer.

Diese Erholungsmuster wurden durch einige Faktoren angetrieben, die es in dieser Art bald nicht mehr geben wird. Das eine ist die massive Liquiditätsschwemme, mit der die Notenbanken weltweit das Finanzsystem geflutet hatten. Und das im Grunde schon seit dem Platzen der Internetblase und den Terroranschlägen 2000/01. Der andere Faktor ist das historisch niedrige Zinsniveau, das (fast) alle anderen Anlageklassen unattraktiv macht.

Nun explodieren die Preise und treiben die Inflationsraten in den USA und in Europa in Sphären, die man seit 40 Jahren nicht mehr gekannt hat. Und die Notenbanken reagieren entsprechend, wenn auch bedacht. Sie reduzieren ihre Anleihekaufprogramme und sie beginnen damit, die Notenbankzinssätze anzuheben. Beide Maßnahmen machen Kredite teurer und sie entziehen dem Markt Liquidität. Liquidität, die bisher in Assets floss und dabei vor allem in Aktien und Immobilien. Daher sprach man in den letzten Jahren trotz niedriger Inflationsraten von einer "Assetpreis-Inflation". Aktienanleger und Immobilieneigentümer waren die großen Gewinner.

Nun steigen die Preise und die Zinsen und der Ukrainekrieg belastet mit jedem weiteren Tag die Wirtschaft und trübt die Aussichten ein. Die Meldungen von der Konjunkturseite sind dabei ebenso ernüchternd wie der Ausblick, den viele Unternehmen geben – wenn sie sich denn überhaupt Prognosen für 2022 zutrauen.

Die Börsenkurse haben dieses Szenario seit Monaten zunehmend eingepreist. Starke Geschäftszahlen für 2021, eher Tristesse für 2022. Und seit sechs Wochen lasten die Kriegsbilder auf den Kursen. Und doch… konnten sich die Börsenkurse in den letzten Tagen kräftig erholen.

Wieder einmal zeigt sich, dass die Wirtschaft und die Börsenkurse zwar grundsätzlich in die gleiche Richtung laufen, aber eben nicht zur gleichen Zeit. Die Börsen handeln die Zukunft, also die erwartete Lage der Unternehmen in 12 oder 18 Monaten.

Auch während der großen Finanzkrise 2008/09 war es so. Die Börsenkurse drehten im März 2009 zu einem Zeitpunkt, als die wirklich üblen Meldungen aus der Wirtschaft und aus den Unternehmen gerade ihren Höhepunkt erreichten. Und genauso verhielten sich die Börsen, als die Wirtschaft im Corona-Crash im Frühjahr 2020 in den Keller rauschte. Die Börsen übertrieben nach unten und dann setzte eine massive Kurserholung ein – lange, bevor die Erholung auch die Wirtschaft erreichte.

Und im Frühjahr 2022? Die Kurse fallen, die Wirtschaft strauchelt, viele Unternehmen schrauben die Erwartungen für 2022 zurück. Die Börse feiert, könnte man meinen. Nicht, weil sie schlechte Nachrichten liebt, sondern weil diese Nachrichten schon seit Wochen und Monaten erwartet werden und daher die Kurse schon seit längerer Zeit belastet. Nun trudeln die Meldungen ein, aber sie bestätigen nur noch, was längst schon von allen erwartet (und damit "gewusst") wurde. Insofern spielen die Börsen längst ein anderes Lied: Das Lied von einem Abflauen der Coronabelastungen, von einem Ende des Ukrainekriegs, einem Abebben der Lieferkettenstörungen und der krisengetriebenen Preisschocks.

Die Aktienkurse steigen also. Sollten sich die Hoffnungen und Erwartungen an die positivere Entwicklung in den nächsten Monaten aber nicht erfüllen, dann baut sich hier zum Herbst hin weiteres Abwärtspotenzial auf. Aber bis dahin wird erstmal weitergefeiert.

Aber nicht jede Aktie ist auch kaufenswert. Viele Geschäftsmodelle, die durch Corona kräftig Rückenwind bekamen, holpern ohne diesen nun mehr schlecht als recht über die Piste. Und die sich ändernden Rahmenbedingungen aus höheren Zinsen und verknappter Liquiditätsversorgung durch die Notenbanken dreht das Karussell der Branchenfavoriten weg von unprofitablen High-Growth-Werten hin zu Value-Aktien.

Doch auch hier gibt es Besonderheiten zu beachten. Energiewerte verzeichnen eine Sonderkonjunktur, Öl, Gas, Kohle stehen auf Rekordwerten. Gleichzeitig verbuchen Energiehändler in Europa massive Verluste, weil sie (viel zu) stark auf Russland als Energielieferant gesetzt haben und sich nun andere Quellen suchen müssen. Und das kostet. Darüber hinaus lässt nicht nur der sich verschärfende Klimawandel das Pendel in Richtung "grüner" Energieunternehmen ausschlagen, sondern auch die gewünschte und erforderliche schnelle Abkehr von russischen Energiequellen. „Grüne“ Unternehmen und ihre Aktien haben daher Sonderkonjunktur, während die hohen Energiepreise alle anderen Unternehmen massiv belasten.

Diese Entwicklungen sind nicht mehr ganz neu und die Kurse vieler Aktien haben bereits entsprechend reagiert – in beide Richtungen. An Informationen mangelt es nicht, jedenfalls nicht bei den großen und angesagten Werten. Hier haben Privatanleger kaum jemals einen Wissens- oder Informationsvorsprung gegenüber den Profis.

Bei Nebenwerten kann das anders aussehen. Es gibt nur wenige Analysten, die die Werte covern. Und sie weisen oftmals auch zu geringe Börsenkapitalisierungen auf, als dass sich institutionelle Anleger überhaupt mit ihnen beschäftigen würden. Das kann für Kleinanleger eine Chance sein. Denn auch Microsoft oder Siemens haben mal als ganz kleine Firmengründungen angefangen und stiegen mit der Zeit zu Weltkonzernen auf.

Es lohnt sich also durchaus, sich auch bei den Nebenwerten nach interessanten Unternehmen umzuschauen, die das Potenzial haben, zu großen Unternehmen heranzuwachsen.

"Geschäftsmodelle, nicht Industrien, sind das, was wirklich zählt."
(Mariko Gordon, hawaiianische Nebenwerteinvestorin)

Daher richten wir heute den Blick auf zwei deutsche Nebenwerte, die bisher unter dem Radar der meisten Anleger fliegen. Beide haben schwierige Zeiten hinter sich, aber ihren Turnaround im Jahr 2016 vollzogen und befinden sich seitdem wieder auf Erfolgskurs. Bezogen auf ihren Tiefstkurs sind beide Tenbagger; ihre Aktienkurse haben sich vom Tiefpunkt aus betrachtet also mehr als verzehnfacht. Aber, und nun nerve ich wieder mit dem berüchtigten Ankereffekt, wen interessieren schon die früheren Aktienkurse? Das, was wirklich zählt, ist die Verfassung der Unternehmen heute, ihre Positionierung im Markt und ihre künftigen Geschäftsaussichten. Und natürlich ihr aktueller Aktienkurs, weil er uns anzeigt, ob die Unternehmen von der Börse zu teuer bewertet werden oder sich gar als Schnäppchen entpuppen.

Funkwerk

Funkwerk ist ein technologisch führender Anbieter für innovative Kommunikationssysteme im Bereich der LTE-, GSM-R- oder analogen Funknetze. Darüber hinaus ist man ein anerkannter Hersteller von Fahrgastinformations- und Sicherheitslösungen. Unter dem Dach der Funkwerk AG sind heute mehrere Tochterunternehmen vereint, die gemeinsam maßgeschneiderte Systemlösungen für Bahnbetriebe, Fahrzeughersteller, Industrieunternehmen und Institutionen auf der ganzen Welt entwickeln und realisieren. Der Schwerpunkt liegt dabei auf professionellen Funkausrüstungen für Bahnbetriebe, den öffentlichen Personennahverkehr, die Binnenschifffahrt und Flughäfen, aber auch auf intelligenten elektronischen Informations- und Sicherheitssystemen zum Schutz von Gebäuden, Plätzen, Industrieobjekten, Anlagen und Personen.

Durch das Coronajahr 2020 kam Funkwerk weitgehend unbeschadet. Der Konzernumsatz stieg um 4,1 % und das Betriebsergebnis um 25,3 %. Auch bei der Auftragslage hatte Funkwerk keine größeren Einbußen zu verkraften, da die Projekte im Investitionsgütermarkt von langen Vorlauf- und Umsetzungsphasen geprägt sind und konjunkturelle Strömungen in der Regel nachgelagert abgebildet werden.

Und 2021 lief noch sehr viel besser. Deutschland und die EU setzen auf die Schiene als Alternative zu PKWs und LKWs. Nicht nur die Deutsche Bahn hat eine große Investitionsoffensive gestartet, um neue und mehr Züge auf die Gleise zu bringen. Darüber hinaus soll die Digitalisierung vorangetrieben und dabei vor allem die noch immer bestehenden Funklöcher entlang der Bahntrassen geschlossen werden. Und auch die Bahnhöfe sollen attraktiver werden in Bezug auf Gestaltung, aber auch technische Ausstattung, wie die Ansagesysteme, Anzeigen und Terminals. In allen Bereichen ist Funkwerk stark positioniert und kann sich über eine wahre Auftragsflut freuen.

Gerade legte Funkwerk vorläufige Zahlen für das Geschäftsjahr 2021 vor und die hauen einen wirklich aus den Socken: Trotz der weiterhin spürbaren Auswirkungen der Covid-19-Pandemie und zunehmender Versorgungsengpässe auf den Beschaffungsmärkten lief 2021 extrem erfolgreich. Der Umsatz stieg konzernweit um mehr als 23 % auf 122 Mio. Euro (Vorjahr: 98,8 Mio. Euro) und das Betriebsergebnis (EBIT) um mehr als 70 % von 20,4 Mio. Euro auf rund 35 Mio. Euro. Damit wurde die Prognose, die von einem Umsatz zwischen 115 Mio. Euro und 120 Mio. Euro und einem Ergebnisanstieg bei mindestens stabiler Marge ausgegangen war, übertroffen.

Dabei hatte Funkwerk, wie schon üblich, unterjährig seine Prognosen nach oben angepasst. Und doch… Ende Oktober erst hatte CEO Kerstin Schreiber auf einer Investorenkonferenz eine Steigerung des EBIT von 20 auf 25 Mio. Euro in Aussicht gestellt. Aber dann wurden es 35 Mio. Euro! Die EBIT-Marge ist damit von 20,6 % auf nun 29 % hochgeschnellt.

Funkwerk verdient sich seit Jahren den Titel „Tiefstapler des Jahres“, weil die Prognosen immer sehr konservativ gesetzt und dann deutlich übererfüllt werden. Und auch jetzt verkündet Frau Schreiber, die Erfolge seien auf Sondereinflüsse und die Sonderkonjunktur durch ein einmaliges Investitionsprogramm der Bahn zurückzuführen. Pustekuchen!

Anleger sollten sich hiervon nichts hinters Licht führen lassen. Zwar versorgt Funkwerk den Kapitalmarkt nur mit den allernötigsten Informationen, aber man hat mit Hörmann Industries einen Großaktionär, der knapp 80 % der Anteile hält. Und dieser gibt durchaus interessante Einblicke in seinen Geschäftsverlauf – das Segment Kommunikation ist dabei beinahe ausnahmslos von Funkwerk geprägt, so dass die hierzu getätigten Aussagen quasi 1:1 auf Funkwerk übertragen werden können.

Und Hörmann berichtete in seinem Halbjahresbericht 2021 von einer Reihe positiver Einflussfaktoren auf sein Geschäft. Da spielt vor allem der beschleunigte Ausbau der europäischen Leit- und Sicherungstechnik für die Bahn (ETCS) eine Rolle, aber auch die Digitalisierung im Schienenverkehr (Digitale Schiene Deutschland). Hier stehen bis 2030 erhebliche Milliardeninvestitionen der Bahn und der Bahnindustrie an. Und das steht im Widerspruch zu Funkwerks eigenen Aussagen, man profitiere von Einmaleffekten und Sonderfaktoren.

Schaut man sich nun die Bewertung an, tut sich folgendes Szenario auf. Wir haben mit Funkwerk einen Konzern, der eine Nettoliquidität von knapp 90 Mio. Euro aufweist und das bei einer Marktkapitalisierung von lediglich weniger als 300 Mio. Euro. Auch beim Eigenkapital ist Funkwerk mit rund 70 Mio. Euro sehr gut aufgestellt.

Das Ergebnis je Aktie dürfte für 2021 bei 2,90 Euro liegen und damit ergäbe sich ein KGV von 12,5. Zur Erinnerung: das operative Ergebnis ist gerade um 70 % gewachsen! Das sieht nach einer krassen Unterbewertung aus.

Aber natürlich gehört zur Wahrheit auch dazu, dass Funkwerk in 2022 kaum nochmals beim EBIT um 70 % zulegen können wird. Die 10 Mio. Euro, die sich im 2021er Schlussquartal „unerwartet“ zusätzlich aufgetan haben, haben auch die Basis für 2022 viel höher gelegt. Der Zuwachs dürfte also eher niedrig(er) ausfallen. Doch das ist nicht negativ zu sehen. Denn man sollte die stichtagsbezogene Betrachtung ablegen und sich lieber die Unternehmensentwicklung über einen längeren Zeitraum als von Jahr zu Jahr ansehen. Es wird immer mal Ausreißer beim Ergebnis geben; bei Funkwerk meistens nach oben. Über die Jahre kann Funkwerk immer stärker beim Umsatz und beim Ergebnis zulegen und auch die Margen wachsen mit. Auch weitet man das Angebotsspektrum durch strategische Übernahmen aus und das vor allem im höhermargigen Spektrum. Zudem spielen Funkwerk einige sich verstärkende Zukunftstrends in die Karten und das alles für eine absolut und vergleichsweise niedrige Bewertung.

So werden die zumindest halbwegs vergleichbaren Wettbewerber IVU Traffic oder Init in Bezug auf ihr EBIT etwa doppelt so hoch bepreist wie die Funkwerk-Aktie.

Das bedeutet nicht, dass die Funkwerk-Aktie eigentlich 70 statt 35 Euro wert ist, aber Kurse unterhalb von 50 Euro sind kaum angemessen. Es könnte sich also lohnen, sich die Aktie mal genauer anzusehen – jedenfalls wenn man bereit ist, Geduld mitzubringen und sich das Unternehmen und die Aktie einfach in Ruhe entwickeln zu lassen.

SBF

Die SBF AG ist eine Holdinggesellschaft, deren Beteiligungen im Mobilitätssektor und der Beleuchtungsindustrie aktiv sind. Das operative Kerngeschäft ist in der Beteiligung SBF Spezialleuchten GmbH gebündelt, die als Anbieter von Decken- und Beleuchtungssystemen für Schienenfahrzeuge agiert, sowie in der Ende 2020 erworbenen Lunux Lightning GmbH.

Das Unternehmen hat sich dabei auf LED-Systeme für den Außen- und Innenbereich von Zügen jeglicher Bauart im Nah- und Fernverkehr spezialisiert und ist dank jahrelanger Branchenerfahrung als europäischer Marktführer in dieser Nische fest etabliert. SBF bietet seinen Kunden, hauptsächlich führende Zughersteller in Europa, innovative und kundenspezifische Komplettlösungen aus einer Hand und deckt dabei die gesamte Wertschöpfungskette von der Entwicklung über die Konstruktion von Komponenten bis hin zur Fertigung von komplexen Systemen ab. Zwischen 2016 und 2018 durchlief der Konzern eine umfassende Restrukturierung und strategische Neuausrichtung und nimmt nun auch die internationale Expansion nach Großbritannien und in die USA ins Visier.

SBF firmierte früher als Corona Equity Partners (kein Scherz!) und war als Beteiligungsgesellschaft nur mäßig erfolgreich. Schließlich trennte man sich von allen Töchtern, außer der SBF Spezialleuchten GmbH. Im Zuge der Sanierung benannte man sich selbst in SBF AG um und im Rahmen des Turnarounds erfolgten einige Kapitalmaßnahmen. Hierbei stützte der größte Anteilseigner, die Elber GmbH, finanziell. Elber ist selbst in Restrukturierungsgefilden unterwegs und mit 10 % auch beim Sanierungsexperten Mutares Ankeraktionär.

Im letzten Jahr erfolgte eine große Kapitalerhöhung, bei der sich die Elber GmbH bewusst verwässern ließ. Ihr Anteil sank auf 56,1 % und weitere signifikante Beteiligungen entfallen auf das Management um CEO Rudolf Witt und CTO Robert Stöcklinger mit 5,6 % sowie auf die Baader Beteiligungs GmbH mit 5,5 %. Die übrigen 32,8 % befinden sich im Streubesitz.

Die SBF stellt sich nach der finanziellen Gesundung breiter auf. Die Transformation von einem reinen Leuchtenhersteller zu einem Systemanbieter für Deckenkonstruktionen mit einer konsequenten Optimierung der Produktionsprozesse und Kostenstrukturen brachte das Unternehmen zurück auf den Wachstumspfad. Die damit wiedererlangte gute Positionierung innerhalb der Wertschöpfungskette der Schienenfahrzeughersteller ist nicht zuletzt auf die hohe Innovationsfähigkeit und Technologiekompetenz des Unternehmens zurückzuführen.

In einem wachstumsstarken Marktumfeld festigen mittlerweile enge Partnerschaften mit den europaweit führenden Zugherstellern die nachhaltige Entwicklung von SBF, die in den kommenden Jahren neben dem avisierten weiteren Ausbau des Leistungsangebots auch durch die Erhöhung der Wertschöpfungstiefe gekennzeichnet sein dürfte.

Dank des hohen und weiter steigenden Eigenproduktionsanteils des Unternehmens können Aufträge flexibel und nach individuellen Kundenanforderungen konfiguriert und sowohl in Kleinstserie als auch in hoher Stückzahl produziert werden.

Im Jahr 2020 wurde das Know-how des Konzerns im Beleuchtungsbereich durch die Übernahme des Geschäftsbetriebs der Lunux GmbH um eine branchenübergreifende Ebene erweitert. Als Spezialist für Innen- und Außenbeleuchtungen mit Fokus auf LED-Technologien bietet das nun als Lunux Lighting GmbH firmierende Unternehmen eine breite Produktpalette für zahlreiche Sektoren. Relevante Kunden kommen etwa aus den Bereichen Industrie, Logistik, Architektur, Einzelhandel und Energieversorgung, wie zum Beispiel Tankstellen. Auch Betreiber von Parkhäusern und Kommunen mit ihrer Straßen- und Stadtbeleuchtung zählen zu den Auftraggebern, ebenso wie die Deutsche Bahn, für die u.a. Lösungen für Bahnsteige und -übergänge, Gleisfelder und unterirdische Verkehrsanlagen geliefert werden.

SBF hat somit den Schritt "aus dem Zug" gewagt und sich ein zweites Standbein eröffnet, ohne dabei seine Kernkompetenz zu verlassen: die Beleuchtungstechnik. Beide Säulen ergänzen sich vielmehr und bieten viele Synergiepotenziale, sowohl beim Einkauf, aber auch im Bereich Forschung, Entwicklung und Fertigung.

Des Weiteren ist man in Verhandlungen mit zwei Unternehmen über eine mögliche Übernahme; hier laufen die Due Diligence-Prüfungen.

Zugeschlagen hat man indes kürzlich woanders: Das Segment "Industrielle Beleuchtung" wurde mit dem Erwerb von modernsten Produktionsanlagen insbesondere für LED-Lichtbänder gestärkt. Die industrielle Beleuchtung ist ein wichtiger Markt für SBF und mit den neuen Produktionsanlagen können kosteneffizient bestehende und bewährte Produkte der Firmengruppe auf höchstem Niveau produziert und neue Anwendungsbereiche erschlossen werden. Dies soll sich unmittelbar positiv auf das Umsatz- und Ergebniswachstum auswirken.

Die Übernahme erfolgte durch die SBF-Tochtergesellschaft Lunux Lighting GmbH mit Mitteln aus der im Jahr 2021 durchgeführten Kapitalerhöhung der SBF AG. Der Kaufpreis liegt im niedrigen einstelligen Millionenbereich.

Für das Geschäftsjahr 2022 wird sich der Umsatz im Geschäftsbereich "Industrielle Beleuchtung" auf bis zu 22 Mio. Euro verdoppeln. Im Geschäftsbereich "Schienenfahrzeuge" geht SBF ebenfalls von einer positiven Entwicklung aus.

Konkrete Zahlen für 2021 und einen Ausblick auf 2022 veröffentlicht SBF im Verlauf des April.

Die Prognosen lassen bisher für das Geschäftsjahr 2021 einen Umsatz von mehr als 33 Mio. Euro erwarten (Vorjahr: 21,4 Mio.) und beim EBITDA einen deutlichen Anstieg auf 5,6 Mio. Euro (Vorjahr: 3,3 Mio.). Die EBITDA-Prognose ist bereinigt um einmalige Sondereffekte in Höhe von 0,6 Mio Euro für Aufwendungen im Rahmen der Kapitalerhöhung sowie Rechts- und Beratungskosten für den Erwerb der Lunux Lighting GmbH.

Der Auftragsbestand war per Ende Juni 2021 auf ein Rekordniveau von über 37,0 Mio. Euro (Vorjahr: 31,0 Mio.) angestiegen, wovon mehr als die Hälfte bereits in 2021 und 2022 umsatzwirksam werden sollte. Darüber hinaus erklärte der Vorstand, per Ende Oktober im Rahmen von Ausschreibungen konkrete Angebote von über 130 Mio. Euro platziert zu haben. SBF hat hier in der Vergangenheit eine Zuschlagsquote von etwa 50 % vorzuweisen, die sich aufgrund der limitierten Anzahl von Wettbewerbern wohl nicht signifikant verschlechtert haben dürfte.

SBF profitiert also – ähnlich wie Funkwerk - stark von der Investitionsoffensive der Deutschen Bahn. Diese hat eine Reihe neuer ICE-Züge geordert, auch bei Siemens. Und Siemens ist, wie fast alle maßgeblichen Zughersteller Westeuropas, einer der Großkunden von SBF. So hat auch SBF-Kunde Stadler von einer ungebrochen hohen Nachfrage in 2022 und darüber hinaus berichtet.

2021 war für die SBF durch die Integration der Übernahme von Lunux und die große Kapitalerhöhung ein Übergangsjahr. Für 2022 sind weitere Zukäufe aus "Bordmitteln" geplant und die in der Corona-Phase zurückgestellten Expansionspläne Richtung USA und UK dürften wieder in Angriff genommen werden.

Die Analysten von Montega erwarten, dass sich der Umsatz in 2021 von 21,4 auf 33,4 Mio. Euro erhöht haben dürfte und rechnen für 2022 mit 44,1 Mio. Euro sowie für 2023 mit 54,9 Mio. Beim Jahresüberschuss sollen nach verhaltenen 2,1 Mio. in 2020 in 2021 3,3 Mio. Euro übrig bleiben und in 2022 dann 5,9 Mio. sowie in 2023 6,6 Mio. Euro. Das entspräche gegenüber 2020 mehr als einer Verdreifachung und gegenüber 2019 immerhin noch mehr als einer Verdopplung. Die EBIT-Marge soll von 11,5 % auf 17,2 % steigen, was die hohe Profitabilität des Lunux-Zukaufs unterstreicht. Dieser Erfolg lässt auch bzgl. der beiden weiteren in Verhandlung befindlichen Übernahmen positive Effekte erwarten.

Das spiegelt sich auch im KGV wider: 2021 liegt es bei 25,5, für 2022 dann nur noch bei 14,9. Angesichts des weitgehend resilienten Geschäftsmodells und der ausgezeichneten Marktstellung in einem politisch stark gepushten Umfeld bietet sich hier eine gute Einstiegschance für langfristig orientierte Anleger.

Mein Fazit

Die Blicke der Börse richten sich am liebsten auf die gehypten Unternehmen, über die jeder spricht. Die sind aber auch entsprechend teuer. Es lohnt sich, bei den unbeachteten Werten zu suchen und wenn man das passende Unternehmen gefunden hat, sich dessen Aktien ins Depot zu legen. Denn die anhaltenden Erfolge machen aus dem Mauerblümchen ein Dornröschen und dieses wird irgendwann vom Börsenprinzen wachgeküsst. Dann steht es im Scheinwerferlicht und jeder will diese Aktie unbedingt haben. Mit den entsprechenden Folgen für den Aktienkurs.

"Erfolgreiches Investieren bedeutet, dass alle Deiner Meinung sind... später."
(James Grant)

Natürlich gibt es keine Garantie, dass Funkwerk und SBF dauerhaft erfolgreich bleiben und zu Börsenstars. Aber die Wahrscheinlichkeit ist durchaus gegeben, denn viele Argumente sprechen dafür.

Interessierte Anleger müssen aber nicht in Kaufpanik verfallen, die Börse wird wohl nicht schon morgen mit dem Wachküssen beginnen. Es handelt sich um Nebenwerte und beim Ordern sollte man sich disziplinieren. Also nicht zu jedem Kurs kaufen und sich den Einstiegspreis selbst kaputt machen. Lieber langsam und bedacht agieren, mit Kauflimits und gegebenenfalls mit mehreren Ordertranchen. Und dann kann die Börsenreise beginnen…

Disclaimer: Habe Funkwerk, SBF auf meiner Beobachtungsliste und/oder in meinem Depot/Wiki.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen