Montag, 31. Dezember 2012

Börsenweisheit der Woche 53/2012

"Erfahrung ist eine nützliche Sache. Leider macht man sie immer erst kurz nachdem man sie braucht".
(Johann Wolfgang von Goethe)

Samstag, 29. Dezember 2012

Übernahmeangebot für die Dresdner Factoring AG

Vor einigen Wochen gab es eine Mitteilung, dass der Großaktionär, die Wegold Holding AG von Aufsichtsratsmitglied Jürgen Freisleben, ein Pflichtangebot für die freien Aktien der Dresdner Factoring AG abgeben wird. Dabei liegt der Zeitpunkt der Kontrollerlangung und die damit einhergehende Pflicht zur Abgabe eines Übernahmeangebotes bereits 4 Jahre zurück - und muss somit gem. §38 WpÜG seit diesem Zeitpunkt rückwirkend verzinst werden. Inzwischen liegt das Pflichtangebot aber vor und wurde von der BaFin genehmigt.

Der offerierte Preis von 6,08 EUR liegt nur unwesentlich über dem letzten Börsenkurs von Freitag und errechnet sich wie folgt:
Pflichtangebot, § 4 II d: Einhaltung der gesetzlichen Mindestanforderungen
Die von der Bieterin angebotene Gegenleistung entspricht somit dem von der Ba-Fin ermittelten Drei-Monats-Durchschnittskurs in Höhe von 5,09 EUR zuzüglich der notwendigen Verzinsung in Höhe von 0,99 EUR. Somit entspricht der in der Angebotsunterlage benannte Angebotspreis in Höhe von 6,08 EUR je Dresdner Factoring-Aktie nach Kenntnis von Vorstand und Aufsichtsrat den gesetzlichen Mindestanforderungen gemäß §§ 39, 31 Abs. 1, Abs. 7 WpÜG i.V.m. §§ 4, 5 WpÜG-AngebVO sowie der Verzinsungspflicht nach § 38 WpÜG.
Vorstand und Aufsichtsrat der Dresdner Factoring AG befürworten das Angebot und halten es für angemessen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass der Aufsichtsratsvorsitzende der Dresdner Factoring AG, Dr. Norbert Hörmann, ebenfalls AR-Vorsitzender der Wegold Holding AG ist und dem sechsköpfigen AR der Dresdner Factoring AG auch noch Jürgen Freisleben (Alleineigentümer und Vorstand der Wegold) und Thomas Agerholm angehören. Agerholm hat in den vergangenen Jahren seinen Anteil an der Dresdner Factoring AG über seine Firma  HW Leasing GmbH sukzessive ausgebaut und zeichnet wesentlich für den Anstieg des Aktienkures in den letzten Monaten verantwortlich.

Die aktuelle Aktionärsstruktur der Dresdner Factoring AG:
  • WEGOLD Holding AG: 29,861%
    (Zurechnung Anteilsbesitz an Herrn Jürgen Freisleben)
  • HW Leasing GmbH: 15,939%
    (Zurechnung Anteilsbesitz an Herrn Thomas Agerholm)
  • SGB Sachsen-Anhalt mbH: 5,252%
  • Dresdner Factoring AG: 9,955%
    (279.957 eigene Aktien)
  • Free Float: 38,992%
Damit kontrolliert Freisleben/Wegold de facto die Mehrheit der Aktien und die Übernahme kann als erfolgreich angesehen werden, egal, wie sich die übrigen Aktionäre verhalten.

Für Agerholm hat sich das Engagement auf jeden Fall gelohnt, denn er ist zu deutlich niedrigeren Kursen eingestiegen. Reine Spekulation ist, ob er von dem versäumten Pflichtangebot des Jürgen Freisleben wusste und deshalb bei seinen Ankäufen quasi ohne Risiko agierte. Fakt ist jedenfalls, dass sich die Geschäfte der Dresdner Factoring AG in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt haben und der steigende Aktienkurs daher auch fundamental gerechtfertigt war.

Auf meiner Empfehlungsliste befindet sich die Dresdner Factoring AG seit dem 10 Februar 2012, aufgenommen zu einem Kurs von damals 3,80 EUR. Zwischenzeitlich wurde eine Bruttodividende von 0,20 EUR ausgeschüttet, so dass sich bezogen auf den Angebotspreis von 6,08 EUR eine Gesamtrendite von 65,26% ergibt - für rund zehneinhalb Monate.

Es stellt sich nun die Frage, ob Aktionäre das Angebot, das bis zum Ablauf des 22.01.2013 gilt, annehmen sollten. Eine Pflicht zur Annahme besteht nämlich nicht. Fundamental ist das Unternehmen, das zuletzt seine Prognosen nochmals erhöht hatte, attraktiv bewertet. Auf Basis eines geschätzten Gewinns je Aktie von 0,73 EUR für 2013 errechnet sich ein KGV von knapp 8,3 und Ausschüttung einer geschätzten Dividende von 0,30 EUR je Aktie ergäbe dies eine Dividendenrendite von 4,9%. Je nachdem, wie viele freie Aktionäre das Pflichtangebot annehmen, kommt auf Freisleben/Wegold eine erhebliche Summe zu, die es zu stemmen gilt. Man kann - auch unter Berücksichtigung des positiven Verlaufs des operativen Geschäfts der Dresdner Factoring AG - darauf spekulieren, dass die Dividende signifikant angehoben werden dürfte. Alleine schon aus Refinanzierungsgründen seitens der Wegold AG. Perspektivisch würde also die Dividendenrendite eher steigen als fallen, so dass die Bewertung auf dem aktuellen Kursniveau nicht unbedingt den Ausstieg nahe legt.

Auf der anderen Seite steht die Tatsache, dass der erhebliche Kursanstieg der letzten Monate bei diesem marktengen Wert ganz erheblich auf die Käufe durch Angerholm/DW Leasing zurückzuführen war. Diese werden künftig unterbleiben, so dass die Nachfrage merklich zurückgehen dürfte. Andererseits verknappt sich das Angebot (der Free Float) an Aktien durch die Mehrheitsübernahme vermutlich ebenfalls deutlich, so dass nicht von einem erhöhten Abgabedruck auf die  Dresdner Factoring-Aktien zu rechnen ist.

Fazit: man kann das Übernahmeangebot annehmen, muss aber nicht. Wer ohnehin überlegt, auf dem aktuellen Kursniveau auszusteigen, sollte es wohl annehmen, weil sein Ausstieg dann nicht den Kurs drückt. Wer von den Perspektiven der Dresdner Factoring AG weiterhin überzeugt ist, kann dabei bleiben. Je nach Annahmequote ergibt sich ggf. sogar eine weitere heiße Spekulation, nämlich auf ein Squeeze-Out. Allerdings muss Freisleben/Wegold erst einmal die Mehrheitsübernahme an der Dresdner Factoring AG verdauen und die dafür benötigten Mittel stemmen, so dass hier eher mittel- bis langfristig zu spekulieren ist. Dennoch könnte dies ein interessanter Ansatz sein, da die attraktive Bewertung der Dresdner Factoring AG das Kursrisiko begrenzt und gleichzeitig die guten Perspektiven des Unternehmens auch weiterhin steigende Umsätze, Gewinne und Kurse vermuten lässt.

Dienstag, 25. Dezember 2012

Beteiligungsgesellschaften bergen Potenziale

Hans Heinrich Driftmann, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) warnt vor Erhöhungen bei Erbschafts- und Vermögenssteuern, denn bereits heute stünden viele Mittelständler vor dem Problem, keinen Nachfolger mehr für ihr Unternehmen zu finden - Tendenz steigend. Der DIHK hat vor Kurzem einen Report zur Unternehmensnachfolge vorgelegt, wonach 56 Prozent der Existenzgründer Schwierigkeiten haben, die Finanzierung einer Betriebsübernahme zu stemmen. Hinzu komme, dass viele Interessenten nicht hinreichend qualifiziert seien und die Herausforderungen bei der Übernahme eines Betriebes unterschätzten. 2011 hätten rund 39 Prozent der Senior-Unternehmer keinen passenden Nachfolger gefunden, während es 2008 noch 35 Prozent waren.

Dass es viele Selbständige gibt, die keine Nachfolger für ihr Ladengeschäft finden, ist nicht neu. Und es liegt nicht selten auch an der Branche, in der sie tätig sind: Kioske, Bäcker, Schuster, kleine Handwerker und Ladenbesitzer eben, die längst Opfer großer Ketten oder Kaufhäuser geworden sind und wo die eigene nachfolgende Generation kein Interesse an der Übernahme des elterlichen Geschäfts hat. Volkswirtschaftlich relevanter sind da die Mittelständler, die ohne Nachfolger schließen müssen und dabei viele (qualifizierte) Arbeitsplätze und viel Knowhow vernichten. Doch gerade hier gibt es zunehmend Hoffnung, denn neben Einzelpersonen, die das Unternehmen übernehmen und sich als Chef versuchen, gibt es auch die Möglichkeit von Management-Buy-Outs, also der Übernahme durch die bisherigen Geschäftsführer oder aber auch die Veräußerung an ein Beteiligungsunternehmen.

Was in anderen Ländern längst zum Normalfall geworden ist, erfreut sich in Deutschland nun auch zunehmender Beliebtheit. Sicher, es gibt auch die "bösen Heuschrecken", zumeist anglo-amerikanische Fonds, die Firmen aufkaufen, diese ausbluten, und die Reste dann teu(r)er weiterverkaufen. Aber es gibt eben auch eine Menge Unternehmen, die sich mittel- und langfristig an anderen Unternehmen beteiligen und deren Fokus nicht auf dem schnellen Geld liegt, sondern die die übernommenen Firmen stärken. Teilweise mit dem Ziel, sich dauerhaft zu beteiligen, teilweise in der Absicht, den Firmenwert des Übernahmeobjektes deutlich anzuheben, zum Beispiel durch eine Sanierung oder das heben stiller Reserven, um dann einige Jahre später ein prosperierendes Unternehmen am Markt platzieren zu können.

Das Problem der Einen, nämlich Schwierigkeiten bei der Unternehmensnachfolge zu haben, ist die Chance der Anderen - sie können sich aus einem immer größeren Teich die interessantesten Fische heraussuchen. Für Anleger wiederum bieten sich hier ebenfalls Chancen, denn auch in Deutschland gibt es eine Vielzahl von börsennotierten Beteiligungsgesellschaften mit teilweise deutlich unterschiedlichen Geschäftsmodellen.

Da gibt es Firmen, die sich auf Sanierungsfälle spezialisiert haben (z.B. Bavaria Industriekapital AG), und dem entsprechend Firmen kaufen, die kurz vor dem Kollaps stehen. Die Ausfallquote ist hier relativ hoch, aber wenn ein oder zwei Übernahmeobjekte die Kurve kriegen und wieder Tritt fassen, sind die Renditen in diesen Fällen sehr hoch - analog zu den niedrigen Einstiegskursen bei Pleitenkandidaten.

Oder Unternehmen, die sich auf Frühphasenfinanzierungen (sog. Venture Capital) spezialisiert haben (wie z.B. die mic AG), also relativ junge Unternehmen finanzieren, die noch keine großen Umsätze oder gar Gewinne vorweisen können. Schlägt das Geschäftsmodell allerdings ein, winken hohe Renditen, allerdings sind auch hier Pleiten nicht selten.

Dann gibt es Beteiligungsfirmen, die strauchelnde Unternehmen kaufen oder Randaktivitäten von großen Konzernen, die diese nicht weiter betreiben wollen. Hier hat sich z.B. die Aurelius AG einen hervorragenden Ruf erworben, niedrig bewertete Aktiva zu finden und nach einigen Jahren mit großen Gewinnen wieder zu veräußern.

Die ältesten und bekanntesten Beteiligungsunternehmen, die an deutschen Börsen notieren, sind wohl die Gesco AG und die Indus Holding AG, die sich zu Unternehmenskonglomeraten mit Fokus auf bestimmte Branchen entwickelt haben, und sich als langfristig Finanziers und Partner ihrer Beteiligungen verstehen. Sie verfolgen einen ähnlichen Ansatz wie die Beteiligungsholding Berkshire Hathaway von Investment-Legende Warren Buffett und seinem Partner Charlie Munger. Denn neben den bekannten großen Beteiligungen in Coca Cola, Wells Fargo & Co, American Express usw. finden sich im Portfolio viele Mittelständler, wie Möbelproduzenten, Süßigkeitenfabrikanten, Schuhhersteller, Teppichbodenhersteller, Regionalzeitungen usw., die allesamt solide und nachhaltige Renditen abwerfen. Verkäufe dieser oftmals 100-Prozent-Beteiligungen erfolgen nur selten und sind nicht Kerngeschäft der Beteiligungsholdings. Ein ähnliches Geschäftsmodell verfolgt auch die bisher noch recht unbekannte, aber dennoch sehr erfolgreiche MBB Industries, die in diesem Jahr ihren Umsatz verdoppeln und den Gewinn fast verdreifachen wird und trotz eines rasanten Kursanstiegs noch immer mit niedrigem einstelligem KGV und sehr attraktiver Dividendenrendite - mit deutlichem Steigerungspotenzial - aufwartet. Dank dieser "Goldgräberstimmung" ist MBB Industries nach wie vor einer meiner Top-Favoriten und in meinem Depot deutlich übergewichtet.

Eher kleine Beteiligungsgesellschaften finden sich ebenfalls auf deutschen Kurszetteln, wie die H.P.I. Holding AG und die Greiffenberger AG. Beide Unternehmen haben nur wenige Beteiligungen im Portfolio und sind stark auf ein oder zwei Geschäftsfelder spezialisert, wo ihre Beteiligungen in Nischenmärkten als (Welt-) Marktführer tätig sind.

Zuletzt gibt es noch Aktienbeteiligungsunternehmen, die sich ganz überwiegend auf börsennotierte Unternehmen spezialisiert haben, wie die Shareholder Value Beteiligungen AG oder die Scherzer & Co. AG. Sie investieren ihr Kapital in unterbewerte Börsengesellschaften und in Unternehmen in Spezialsituationen, also z.B. Übernahmekandidaten oder Squeeze-Out-Spekulationen. So zahlen Unternehmen, die ein börsennotiertes anderes übernehmen wollen, in der Regel deutliche Kursaufschläge, um deren Papiere von den übrigen Aktionären angedient zu bekommen. 40 Prozent und mehr sind hier keine Seltenheit und wer früh genug investiert ist, kann von der hohen Übernahmeprämie profitieren. Doch auch danach bieten die betreffenden Aktien durchaus noch Phantasie, weil meistens nicht alle Aktionäre das Angebot annehmen und so noch einige Stücke an der Börse bleiben. Hat der Übernehmende mehr als 97% der Aktien eingesammelt, kann er die restlichen Aktionäre aus dem Unternehmen drängen (Squeeze-out) und zwar zu einem gesetzlich festgelegten Durchschnittskurs. Allerdings werden zumeist Spruchverfahren eingeleitet, bei denen häufig noch deutliche Nachbesserungen auf die ursprüngliche Abfindung festgelegt werden, so dass man bei Squeeze-Outs mit langem Atem sicher Geld verdienen kann.

Wie bei jedem Investment gilt auch hier, dass man sich vor dem Investieren gründlich Gedanken machen sollte. Insbesondere gilt es, die Chancen und Risiken bei den jeweiligen Geschäftsmodellen der Beteiligungsgesellschaften abzuschätzen und sich diejenigen herauszusuchen, die am besten zum eigenen Anlegerprofil passen. Und auch dann darf man die Unternehmen nicht blind kaufen, sondern muss sich mit ihnen genau beschäftigen. Also die Bilanzen ansehen, den Geschäftsbericht studieren und ein Gefühl dafür bekommen, ob das Management einen guten Job gemacht hat und wohl auch in absehbarer Zeit machen wird. Im Anschluss sind die üblichen Kennzahlen zu ermitteln, also die Gewinne je Aktie der letzten Jahre und der Ausblick für die nächsten ein, zwei Jahre samt dazu gehörigem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) oder die Dividendenrendite.

In den vergangenen Jahren, fast Jahrzenten, notierten Beteiligungsgesellschaften fast immer deutlich unterhalb ihres Buchwertes. Das lag daran, dass es schwierig war (ist!), die jeweiligen Beteiligungen zu bewerten und so den Buchwert zu überprüfen. Folglich nahm die Börse Abschläge als Risikopuffer vor. Doch zuletzt haben sich die Unterbewertungen deutlich abgebaut und Aurelius, Berkshire Hathaway, Gesco, Indus und andere notieren inzwischen an oder sogar über ihren Buchwerten. Dabei haben sich die Rahmenparameter nicht geändert, allerdings kommt es immer häufiger vor, dass durch Veräußerungen von Beteiligungen teilweise enorme stille Reserven gehoben werden, so dass die Börse inzwischen bereit ist, für die Möglichkeit solcher stiller Reserven Aufschläge auf den bisher ermittelten Buchwert zu bezahlen. Denn die Buchwerte werden zum Einstiegskurs berechnet, während bei einer Veräußerung ja überwiegend Marktpreise gezahlt werden, die zumeist deutlich höher notieren. So führt die Veräußerung alleine der Beteiligung an der Schabmüller AG bei der Aurelius AG zu einer Sonderdividenden von zwischen 1,70 und 2,00 EUR für das Geschäftsjahr 2012. Also fast 5% Dividendenrendite zusätzlich zur regulären Dividende.

In Beteiligungsgesellschaften steckt also viel Potenzial - wenn man denn auf die richtigen setzt. Höhere Risiken und stärkere Schwankungen bei den Jahresergebnissen weisen sicherlich die Frühphasen- und Problem-Investoren auf, während die Konglomerate die stetigste Entwicklung aufweisen. Wer auf häufigere Umschichtungen und einen stetigeren News-Flow setzen möchte, dürfte mit der Aurelius richtig liegen, während die MBB Industries erst kürzlich in den Fokus gerückt ist aufgrund ihrer unaufgeregten, aber äußerst erfolgreichen Akquise-Politik und den daraus resultierenden weit überdurchschnittlichen Ergebnissen. Daneben stellen Gesco und Indus Kerninvestments dar, die man beruhigt seinem Portfolio beimischen kann.

Montag, 24. Dezember 2012

Börsenweisheit der Woche 52/2012

"Der Gelassene nutzt seine Chance besser als der Getriebene".
(Thornton Wilder)

Montag, 17. Dezember 2012

Börsenweisheit der Woche 51/2012

"Die erste Regel im Geschäft lautet: unterdrücke deine Emotionen. Sonst verlierst du den Kopf".
(Zitat aus Oliver Stones Film „Wallstreet“)

Donnerstag, 13. Dezember 2012

First Quotation Board: rien ne vas plus!

Deutschland ist eher Entwicklungsland, was börsennotierte Unternehmen angeht, denn in den USA und anderen Ländern sind viel mehr Unternehmen, insbesondere auch kleiner und mittlerer Größe, an der Börse notiert und bieten so die Möglichkeit, sich an ihnen zu beteiligen. Von daher ist es schon bedauerlich, dass das First Quotation Board (FQB) der Frankfurter Börse zum 15. Dezember geschlossen und alle dortigen Listings eingestellt werden. Daher wird für gut 700 Unternehmen des wenig regulierten Open Markets am 14. Dezember der letzte Handelstag sein, ebenso für viele gelistete Bonds.

Mit höheren Anforderungen an die Unternehmen für eine Notierung in dem Segment Open Market soll dessen Qualität verbessert werden. Und das ist auch dringend nötig, denn die eigentlich gute Idee, ein Segment mit möglichst geringen Anforderungen zu etablieren, wurde sträflich missbraucht von Betrügern und dubiosen Geschäftemachern. Und die Frankfurter Börse hat zu lange tatenlos zugesehen, wie das Ansehen börsennotierter Gesellschaften durch immer perfidere Trickbetrügereien ramponiert wurde.

Damit soll nun Schluss sein und die betroffenen Unternehmen müssen entweder die verschärften Bedingungen für den neu regulierten Open Market erfüllen oder aber an andere Börsen wechseln. Einige zieht es nach Stuttgart, Düsseldorf oder nach München ins Einsteigersegment m:access. So wie u.a. die Studio Babelsberg AG. Für die Unternehmen bedeutet der Wechsel mehr Aufwand und mehr Kosten, für die Anleger hat er insofern Vorteile, als dass sie qualitativ bessere und häufigere Informationen über ihr Unternehmen erhalten. Und dass die Aktien handelbar bleiben. Und das ist keine Kleinigkeit, denn die Aktien (und Anleihen), die weder die neuen Standards in Frankfurt erfüllen noch sich eine andere Börse gesucht haben, werden ihr Börsenlisting verlieren. Das bedeutet, das die Aktien nicht mehr über die Börse ge- und verkauft werden können, was besonders für die Anleger ein erhebliches Problem darstellt, wenn sie mal an ihr Geld herankommen wollen. Für sie stellt sich ihr Investment zukünftig so dar, als wären sie an einer GmbH beteiligt. Verkauf nur möglich, wenn man einen Käufer findet oder die Gesellschaft selbst die Anteile zurücknimmt. Vermutlich kann sich jeder ausmalen, was das für den zu erzielenden Kurs bedeutet, wenn es fast keine Käufer mehr gibt.

Die Frankfurter Börse hat eine Sonderseite zur "Neusegmentierung der Aktienmärkte" eingerichtet, wo sich viele wichtige Informationen finden.

Es gibt keine Patentlösung für die Eigentümer betroffener Anteile. Auf jeden Fall sollten Sie sich informieren, ob ihre Gesellschaft an einer anderen Börse gelistet wird oder ob sie das Listing einstellt, wie z.B. Trading-House.net und Babylon Capital. Hier sollte man ggf. die Anteile noch verkaufen - allerdings ist mit erheblichen Abschlägen zu rechnen, da nur noch am 14.12. gehandelt werden kann.

Mittwoch, 12. Dezember 2012

Geldanlage leicht gemacht?

Wichtiger noch als die Rendite ist der Kapitalerhalt, wie man aktuell an den Staatsanleihen Griechenlands sehen kann. Ein Schuldenschnitt um 50% bedeutet nichts anderes, als dass die Hälfte des eingesetzten Kapitals verloren ist und selbst eine Verzinsung von 8 oder 9 Prozent wiegt dieses Risiko nicht auf. Und Risiken bestehen selbstverständlich auch bei Investments in Aktien, denn man geht eine Unternehmensbeteiligung ein und das Unternehmen kann scheitern. Spektakuläre Pleiten, wie die der Pfleiderer AG, der Solar Millennium AG oder der Q-Cells AG zeigen auf, wie wichtig die richtige Auswahl der Unternehmen ist und dass man diese Entscheidung auch ab und zu überdenken muss. Buy & Hold bedeutet eben nicht, einmal zu kaufen und sich nie mehr darum zu kümmern, sondern es bedeutet solange dabei zu bleiben, wie die ursprünglichen Parameter, die einst zum Kauf führten, noch gelten.

Die Auswahl einzelner Unternehmen ist anspruchsvoll und es ist die entscheidende Disziplin bei der Geldanlage. Die Tatsache, dass man Aktien schnell über die Börse wieder verkaufen kann, darf nicht dazu führen, dass die Sorgfalt bei der Auswahl der Unternehmen vernachlässigt wird. Denn nur wer die richtigen Unternehmen zu einem attraktiven Kurs kauft, verdient an der Börse langfristig Geld.

Nun ist es nicht jedermanns Sache, Bilanzen zu studieren und Kennzahlen zu bewerten. Dann sollte man auch keine Aktien direkt kaufen, sondern sich eher auf Fonds oder ETFs verlegen. Aktienfonds werden von Profis gemanagt und nehmen dem Anleger die Arbeit ab, selbst Anlageobjekte zu suchen. Allerdings hat die Sache doch ein paar Haken. Denn einerseits kosten Fonds nicht wenig Geld, das für Ausgabeaufschläge und/oder Managementgebühren aufgewendet werden muss - und die können durchaus 5 Prozent und mehr pro Jahr ausmachen. Um diese Kosten liegt der Anleger also per se im Minus und der Fondsmanager muss durch seine Arbeit nicht nur eine gute Performance des Fonds hinlegen, sondern eine herausragende, um neben diesen Kosten auch noch die Inflationsrate und eine zusätzliche Rendite zu erwirtschaften. Da nun Fonds zumeist mit dem Strom schwimmen, kann es nicht verwundern, dass rund 90% der Fonds schlechter abschneiden als der Durchschnitt bzw. vergleichbare Indizes. Und darüber hinaus gibt es inzwischen beinahe mehr Fonds als Aktien, so dass die Auswahl des richtigen Fonds mindestens so schwierig ist, wie die eines guten Unternehmens. Eher noch schwieriger, weil man keine Bilanz hat, sondern ein Sammelsurium von verschiedenen Unternehmen und Branchen, das sich ständig verändert.

Letzteres Problem stellt sich auch bei ETFs, die was die Kosten angehen, Fonds eindeutig vorzuziehen sind. Doch auch bei ETFs muss man erst einmal die richtigen herausfiltern und steht vor demselben Problem, wie Aktien oder Fonds.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, jemand anderem sein Geld anzuvertrauen, der dieses dann betreut und anlegt. Für Wohlhabende gibt es seit jeher Vermögensberater, die nur allzu gern diese Aufgabe übernehmen, auch und gerade die Privatbanken tummeln sich in diesem Segment. Für Ottonormalverbraucher mit seinem Ersparten, der seine Altersversorgung sichern möchte, ist in diesen Kreisen eher kein Platz. Doch abseits der Privatbanken gibt es auch Vermögensberater, die sich genau auf diese Zielgruppe spezialisiert haben und nicht nur darauf aus sind, kostspielige Versicherungen zu verkaufen.

Seit Kurzem findet man zum Beispiel das VZ VermögensZentrum auf Google+.  Das schweizerische Unternehmen wurde von der Zeitschrift Euro am Sonntag in die TOP 10 der besten Finanzberater des Jahres 2012 gewählt und ist inzwischen auch an mehreren Standorten in Deutschland aktiv. Es richtet sich mit seinem Angebot an angehende Ruheständler oder Menschen, die frühzeitig in Rente gehen oder ihren Nachlass regeln wollen. Derartige Vermögensverwalter führen keine eigenen Finanzprodukte, sondern finanzieren sich aus Beratungshonoraren und Vermögensverwaltungsgebühren. Der Vorteil für den Kunden ist, dass er so wenig(er) Gefahr läuft, Produkte angedreht zu bekommen, die nicht für ihn das Beste sind, sondern vor allem für die Geldbörse des Vermittlers, weil dieser vielleicht zuvorderst auf seine eigene Vermittlungsgebühr schielt.

Beratungshonorare und Vermögensverwaltungsgebühren sind allerdings ebenfalls Kostenpositionen, die der Verwalter erst einmal wieder verdienen muss, bevor der Anleger eine Rendite erwirtschaftet. Andererseits bezahlt er auch bei Fonds für das Management und hat weitaus weniger Kontrolle, was mit seinem Geld passiert. Der Kontakt zum Vermögensberater ist direkter und schneller; Transparenz ist wichtig und wie bei allen Geldanlagen ist auch bei der Auswahl des Vermögensberaters Sorgfalt entscheidend. Man sollte sich vor einem Vertragsabschluss über das Unternehmen informieren, sich im Internet umsehen, ob es Kommentare oder Bewertungen gibt und wenn möglich den persönlichen Kontakt suchen. Denn die Bindung zu einem Vermögensberater muss auf Vertrauen gründen und sie ist auf eine lange Zeit ausgelegt. Daher ist es unerlässlich, dass man bei der Sache ein gutes Gefühl hat. Ansonsten sollte man sich nicht darauf einlassen.

Fazit: egal, wofür man sich entscheidet, man muss sich vorher ausgiebig kundig machen. Und die weisen Worte des Börsenaltmeisters André Kostolany beherzigen: "Manchmal ist es besser, eine Stunde über sein Geld nachzudenken, als eine Woche dafür zu arbeiten".

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Dieser Beitrag wurde gesponsort von  VZ VermögensZentrum

Dienstag, 11. Dezember 2012

Hohe Dividendenrenditen als Warnsignal?

E.on, Deutsche Telekom und nun ThyssenKrupp - sie alle haben massive wirtschaftliche Probleme und ihre Aktienkurse befinden sich seit längerem im Sinkflug. Dadurch sinken die KGVs und die Dividendenrenditen steigen, zumindest theoretisch. Denn diese basieren ja auf den Schätzungen der Gewinne und Dividendenausschüttungen des nächsten und ggf. übernächsten Jahres und die Prognosen werden nicht stündlich angepasst. Sie laufen der wirtschaftlichen Entwicklung und den Aktienkursen hinterher. Und wenn also aufgrund eines deutlichen Kursrückgangs das KGV sinkt und die Dividendenrendite steigt, die Aktie also attraktiver erscheint, gilt das natürlich nur, wenn Gewinn- und Dividendenprognose nicht nach unten angepasst werden (müssen). Denn sobald dies geschieht, kehrt sich der Effekt um und das KGV schnellt hoch und die Dividendenrendite sinkt - ohne dass sich der Aktienkurs bewegt hätte.

Dass dieses Szenario nicht ganz so unwahrscheinlich ist und man mit optisch attraktiven Dividendenperlen auf die Nase fallen kann, sieht man der Telekom, die ab 2013 ihre Dividende je Aktie von 70 Cents auf 50 Cents senken will, oder an Daimler (Dividendenkürzung um 10%) und ThyssenKrupp, die die Dividende ganz streichen. Laufen die Geschäfte schlecht, wirkt sich das immer negativ für die Aktionäre aus. Bei der Dividende und/oder beim Aktienkurs. Denn selbst wenn ein Unternehmen, wie die Telekom, hohe Dividenden ausschüttet, muss es dies zuvor verdient haben, weil Dividendenausschüttungen aus der Substanz die Aktionäre schädigen, da sie das Unternehmen auszehren. Das kann mal für ein Jahr angebracht sein, als die Munich Re wegen des Fukushima-Katastrophe einen herben Gewinneinbruch hatte und trotzdem eine konstante Dividende zahlte, aber auch nur, weil im Folgejahr die Gewinne wieder auf das normale Niveau anstiegen und somit der Substanzverlust wieder kompensiert werden konnte.

Fazit: eine hohe Dividendenrendite kann, muss aber nicht, ein schlechtes Zeichen sein. Keinesfalls sollte sie alleine den Ausschlag für ein Investment geben! Vielmehr ist das Unternehmen zu prüfen, seine Bilanz, seine Umsatz- und Gewinnentwicklung der Vorjahre und die Prognosen für die Zukunft und natürlich kursbeeinflussende Sonderfaktoren. Denn wenn Auftragsverschiebungen ein Quartalsergebnis verhageln, die Jahresprognosen aber nicht in Gefahr geraten, der Kurs gleichwohl um mehrere Prozente einbricht, dann bieten sich hier interessante Einstiegsgelegenheiten. Aber eben nur in grundsolide Unternehmen, an denen man sich langfristig beteiligen möchte.

Montag, 10. Dezember 2012

Börsenweisheit der Woche 50/2012

"Und manchen stürzte schon die Hoffnung auf Gewinn in sein Verderben".
(Sophokles)

Dienstag, 4. Dezember 2012

Letzte Chance Unternehmensanleihe?

Erst gestern habe ich mich über den "unheimlichen Boom bei Unternehmensanleihen" ausgelassen und bereits heute wird es wirklich gruselig. Denn die Metro AG will 500 Mio. EUR mit Hilfe einer Unternehmensanleihe einsammeln, die dann im Mai 2018 zurückgezahlt werden soll.

Metro? Kennt man doch, und dazu gehören noch Real, Media Markt und Saturn. Sollte also doch eine lohnende Sache sein, oder?

Eher oder! Denn im Konzern läuft es schon länger nicht mehr rund, der Umsatz stagniert bestenfalls, die Margen erodieren, der Aktienkurs folgt den Gewinnen in den Keller. Kurz: wirtschaftlich steht die Metro mit dem Rücken zur Wand, muss Sparten abstoßen und Märkte aufgeben. Nachdem kürzlich die Gewinnprognosen gekappt wurden und der Dauerkonflikt mit Media-Saturn-Mitinhaber Erich Kellerhals die dringend nötige Neuausrichtung der Elektroniksparte lähmt, kam auch noch die Meldung hinzu, dass der Metro-Großaktionär, die Franz Haniel & Cie. GmbH, seinen Anteil auf 30,01% abbauen will, um seine eigene horrende Verschuldung zu reduzieren. Das belastet den Aktienkurs zusätzlich und auch das öffentliche Fabulieren über hohe Dividendenrenditen von Vorstandschef Koch sind eher als das berühmte Pfeifen im Wald zu werten, denn Dividendenausschüttungen, die zuvor nicht als Gewinne verdient wurden, sind immer ein schlechtes Zeichen!

In dieser prekären Lage will sich Metro nun den Boom bei Unternehmensanleihen zunutze machen und kräftig zulangen. Denn man erhofft sich eine rege Nachfrage, da Bundesanleihen momentan historisch niedrige Zinsen abwerfen und Anleger wenig(er) Alternativen haben. Und da andere Mittelstandsanleihen kürzlich weggegangen sind, wie geschnitten Brot, will Metro sich so am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen. Doch auch und gerade bei einem schlingernden Riesen wie der Metro gilt, dass die Bonität des Emittenten im Vordergrund stehen muss. Und die beiden Ratingagenturen Moody's und Standard & Poors stufen die Metro nur knapp höher als Ramsch-Niveau ein, nämlich mit "Baa3" bzw. mit "BBB-". Bei solch negativen Einstufungen sollten die Alarmglocken schrillen und ein dermaßen hohes Risiko müsste man sich schon extrem gut bezahlen, also verzinsen, lassen. Allerdings wird die Metro-Anleihe kaum zweistellige Renditen aufweisen, die vielleicht eine gewisse Verhältnismäßigkeit mit dem erheblichen Ausfallrisiko herstellen könnten.

Das Ausfallrisiko bei Unternehmensanleihen ist kein kleines, wie Anleger z.B. bei der Solar Millennium AG und anderen Unternehmen erst in den letzten Monaten erfahren mussten. Und das beste Renditeversprechen ist nichts wert, wenn die Anleihe notleidend wird und nicht zurückgezahlt wird. Denn Insolvenzquoten von 20% bedeuten, dass man einen Verlust von 80% auf das eingesetzte Kapital zu verzeichnen hat. Und dazu kommen noch die entgangenen Zinsen.

Fazit: nicht jede Unternehmensanleihe ist eine gute Anlage und es gibt solidere und überzeugendere Emittenten als gerade die wankende Metro AG.

Montag, 3. Dezember 2012

Börsenweisheit der Woche 49/2012

"Für augenblicklichen Gewinn verkaufe ich die Zukunft nicht".
(Werner von Siemens)

Der unheimliche Boom bei Unternehmensanleihen

Unternehmensanleihen ("Corporate Bonds") sind "in", sie werden den Emittenten geradezu aus den Händen gerissen und sind zumeist mehrfach überzeichnet, wie die letzten Emissionen von Berentzen, SAF Holland oder Techem gezeigt haben. Und für die hohe Nachfrage gibt es handfeste Gründe.

Zunächst einmal stellen Anleihen für den Emittenten Fremdkapital dar, das er für eine bestimmte Laufzeit nutzen darf und im Gegenzug verzinsen und am Ende der Laufzeit zurückzahlen muss. Emittenten sind Staaten, Kommunen oder eben auch Unternehmen. Und diese Anleihen können, müssen aber nicht, zum Börsenhandel zugelassen werden, dann kann man sie über die Börse jederzeit handeln und ihre Börsennotierung weist Kursschwankungen auf, die aus dem Verhältnis der Nominalverzinsung der Anleihe zum aktuellen Zinsniveau resultiert. Liegt das allgemeine Zinsniveau über dem Nominalzins der Anleihe, sinkt deren Kurs - und umgekehrt. Am Ende der Laufzeit wird die Anleihe vom Emittenten dann aber zum Nominalwert, also zu 100%, zurückgezahlt.

Eine Anleihe zu begeben ist eine nicht ganz preiswerte Angelegenheit und schon gar nicht, wenn sie zum Börsenhandel zugelassen wird. Die Banken verdienen dabei ordentlich mit und die formalen Hürden sind schon nicht ganz ohne und der bürokratische Aufwand muss auch bezahlt werden - und diese hohen Kosten sind auch der Grund, weshalb Anleihen als Finanzierungsinstrument nur von den größeren Unternehmen mit entsprechend hohem Finanzierungsbedarf aufgelegt werden und nicht von den Kleinunternehmen. Jedenfalls hier in Deutschland, in den angelsächsischen Ländern sind Unternehmensanleihen Usus.

Dabei konkurrieren Unternehmensanleihen mit anderen Arten, Fremdkapital aufzunehmen, zum Beispiel einem "normalen" Bankkredit. Der ist weit weniger bürokratisch zu haben und der zu zahlende Zinssatz hängt ebenso wie bei einer Anleihe von der Bonität des Schuldners ab. Je besser die Bonität, desto niedriger der Zinssatz. Es stellt sich also die Frage, weshalb Unternehmen überhaupt auf Anleihen als Finanzierungsinstrument zurückgreifen. Das liegt an den über die gesamte Laufzeit fest vereinbarten Konditionen, die für das Unternehmen ein hohes Maß an Planungssicherheit bedeuten, und an der Aussicht, nicht alleine von den Banken abhängig zu sein. Denn da diese selbst in finanzielle Probleme kommen können, wie die Bankenkrise 2008 gezeigt hat und bis heute zeigt, können auch die von ihnen finanzierten Unternehmen unter den Bankenproblemen leiden. Deshalb "emanzipieren" sich Unternehmen gerne und stellen ihre finanzielle Basis breiter auf. Der zweite Grund liegt darin, dass die Nachfrage aktuell zu groß ist. Und das liegt nicht etwa daran, dass Unternehmen per se risikolos wären oder sie stets Top-Bonitäten aufweisen würden, sondern es liegt an dem momentanen Niedrigstzinsniveau, das Geldanleger vor erhebliche Probleme stellt. Denn wer sein Geld nicht für 1 Prozent aufs Tagesgeldkonto legen will oder für weitaus weniger Bundesanleihen kaufen möchte und so durch die Geldentwertung und die Steuern am Ende sogar weniger Vermögen hat als vorher, dem bieten sich nur noch wenige Alternativen. Und neben Investitionen in Aktien oder Immobilien bleiben dann als mittelfristige und rentierliche Geldanlage Unternehmensanleihen übrig. Denn diese bringen ansehnliche Renditen von mehr als 5% bei Laufzeiten von um die 5 Jahre.

Allerdings weisen Unternehmensanleihen auch Risiken auf. Denn als Anleihegläubiger ist man nicht besser gestellt, als andere Gläubiger, sollte das Unternehmen in eine wirtschaftliche Schieflage geraten und vielleicht sogar Insolvenz anmelden müssen. Daher ist es wichtig, nicht alleine auf den Nominalzins oder die Rendite der Anleihe zu schauen, sondern sich als erstes um die Bonität des Unternehmens zu kümmern. Vermögenserhalt geht vor Vermögensmehrung! Und um sich ein Bild vom Emittenten zu machen, sollte man einen Blick in die letzte Bilanz werfen, sich die Höhe des Eigenkapitals ansehen und die Eigenkapitalrendite, den Verschuldungsgrad und die Umsatz- und Ergebnisentwicklung. Nicht der Name des Unternehmens ist entscheidend für die Frage, ob es sich um ein sicheres und einträgliches Investment handelt, sondern seine finanzielle Leistungsfähigkeit und  wirtschaftliche Entwicklung. Wenn diese Bewertung positiv ausfällt, dann - und nur dann - kommt das Unternehmen infrage.

Der nächste Schritt ist dann, ob man sich an dem Unternehmen beteiligt, also dessen Aktien kauft, oder ob man ihm Fremdkapital überlasst, indem man seine Anleihen erwirbt. Dieser Frage bin ich bereits in dem Artikel "Sind Unternehmensanleihen besser als Aktien?" nachgegangen.

Fazit
Dass deutsche Unternehmen zurzeit ihre Finanzierung verstärkt über Anleihen sicherstellen, ist einerseits ein Anpassungsprozess an die Gepflogenheiten in anderen Ländern und auf der anderen Seite eine Reaktion auf das große Bedürfnis der Anleger, attraktive Renditen bei überschaubarem Risiko zu erzielen. Ein Selbstgänger sind Unternehmensanleihen deshalb allerdings nicht, sondern erfordern ebenso wie Aktieninvestments eine gründliche Recherche über das Unternehmen, dem man sein Geld anvertraut. Denn oberstes Prinzip der Geldanlage ist und bleibt Sicherheit. Sicherheit und Kapitalerhalt. Beherzigt man diese einfachen Grundregeln, kann man unter den Unternehmensanleihen attraktive Investments für seinen langfristigen Vermögensaufbau oder seine Altersvorsorge finden.

Donnerstag, 29. November 2012

Was ist... ein Squeeze-out?

Als Squeeze-out bezeichnet man das zwangsweise herausdrängen der Minderheitseigentümer aus einer Aktiengesellschaft. Diese muss nicht zwangsläufig börsennotiert sein.

Wenn der Haupteigentümer mehr als 95 Prozent der Anteile an einer Gesellschaft hält, darf er jederzeit die übrigen Mitgesellschafter gegen Zahlung einer angemessenen Abfindung aus dem Unternehmen drängen.

Eine Besonderheit ergibt sich, wenn das Unternehmen auf ein anderes verschmolzen werden soll (sog. verschmelzungsspezifischer Squeeze-out). Hierbei reicht dem betreibenden Mehrheitsaktionär dann bereits ein Anteilsbesitz von mehr als 90 Prozent.

Die Abfindung darf ausschließlich als Barabfindung gezahlt werden, nicht z.B. in Form von eigenen Aktien des Haupteigentümers, falls dieser eine Aktiengesellschaft sein sollte. Die Höhe der Barabfindung hat sich an den wirtschaftlichen Verhältnissen des Unternehmens im Zeitpunkt der Beschlussfassung durch die Hauptversammlung zu orientieren und  der Verlust der Minderheitsaktionäre muss aufgrund der Eigentumsgarantie des Art. 14 Grundgesetz vollständig kompensiert werden. Zur Ermittlung der Höhe der Abfindung werden üblicherweise das Ertragswertverfahren oder neuerdings auch die Discounted-Cash-Flow-Methode. Als Untergrenze für eine angemessene Abfindung gilt der Durchschnittskurs der letzten drei Monate vor dem Squeeze-out-Beschluss.

Die Angemessenheit der Barabfindung kann, nachdem der Squeeze-out durchgeführt ist (Eintragung des Übertragungsbeschlusses in das Handelsregister) allerdings im Rahmen eines durch einen ehemaligen Aktionär zu beantragenden Spruchverfahrens gerichtlich überprüft werden. Und nicht selten kommt es hierbei zu Nachbesserungen der Barabfindung.


Ein sehr lebenswerter Artikel zum Squeeze-out findet sich bei der ARD Börse.

Mittwoch, 28. November 2012

Haniel senkt seinen Anteil an Celesio auf 50,01%

Gestern vermeldete die Franz Haniel & Cie. GmbH, sie würde ihre Anteile an der Celesio AG im Rahmen eines beschleunigten Bookbuildingverfahrens auf 50,01% senken und bei der Metro AG auf 30,01%. Dies sei nötig, um die enorme Verschuldung der Haniel AG zu reduzieren, die bei immerhin 2,4 Mrd. EUR liegt.

Und bereits heute vermeldet Haniel Vollzug: die Beteiligung an dem Pharmahändler wurde durch den Verkauf von rund 7,9 Mio. Aktien von 54,64 auf 50,01 Prozent reduziert. Die Papiere wurden zu einem Preis von 12,60 EUR plaziert, also nur knapp unterhalb des aktuellen Börsenkurses. Die Nachfrage sei fünfmal größer gewesen als das Angebot, hieß es, und der Erlös betrug rund 100 Mio. EUR.

Darüber hinaus habe sich Haniel zu einer Lock-up-Frist verpflichtet und wird mindestens in den nächsten sehcs Monaten keine weiteren Celesio-Aktien abgeben. Und weiter erklärte Haniel, man sie vom Potenzial der Celesio AG überzeugt und das Unternehmen bleibe ein langfristiges Investment im Haniel-Portfolio.

Meine grundsätzlich positive Einschätzung zu Celesio hat sich nicht geändert; ich sehe erhebliches Potenzial für das Unternehmen, wieder zur alten Stärke zurückzufinden. Und der Aktienkurs dürfte dann folgen.

Montag, 26. November 2012

Börsenweisheit der Woche 48/2012

"Das beste Geschäft ist immer das Geld der Anderen."
(Alexandre Dumas)

Freitag, 23. November 2012

Die H.P.I. Holding AG liebäugelt mit drei Übernahmen

Nachdem die mittelständische Beteiligungsgesellschaft H.P.I. Holding AG kürzlich ihre Beteiligung an der Zimmer & Kreim GmbH veräußert hat, liegt der Fokus nun wieder auf Akquisitionen und Wachstum im Kerngeschäft Metallverarbeitung.

Derzeit werden Verhandlungen mit einem nichteuropäischen Spannringhersteller geführt, dessen Jahresumsatz bei rund 25 Mio. EUR liegt, und der in seinem Absatzland eine ähnlich marktbeherrschende Rolle wie Berger in Deutschland spielt.

Parallel dazu verhandelt die H.P.I. Holding AG mit einem weiteren Spannringproduzenten in Südeuropa, dessen Umsatzvolumen derzeit rund 12 Mio. EUR beträgt. Diese Unternehmensübernahme kann im positiven Fall bis Ende März 2013 realisiert werden. Bei beiden Unternehmen handelt es sich um ertragsstarke Traditionsunternehmen, die sich bereits viele Jahre in ihren Märkten etabliert haben.

Für weiteren Zuwachs in der Berger-Gruppe (H.P.I.-Tochter) soll ein deutsches Unternehmen der Metallverarbeitung sorgen. Mit diesem Unternehmen werden bereits seit geraumer Zeit Übernahmeverhandlungen geführt, die möglicherweise im März 2013 erfolgreich abgeschlossen werden können. Dieses Unternehmen generiert derzeit einen Umsatz von rund 16 Mio. EUR.

Ganz wichtig für die Aktionäre ist der Hinweis, man würde alle drei Übernahmen "mit Hilfe von Banken" bewerkstelligen können, so dass eine Kapitalerhöhung "zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht geplant" sei. Folglich würde die Verschuldung steigen und entsprechend die Eigenkapitalquote sinken, aber es würde kein Verwässerungseffekt bzgl. der Gewinne je Aktie (EPS) eintreten.

Mittwoch, 21. November 2012

Jubiläum: seit einem Jahr wird hier intelligent investiert

Auf den Tag genau ist dieses Blog nun ein Jahr alt und ich möchte den Anlass nutzen, eine kurze Bilanz zu ziehen. Nachdem am 21. November 2011 der Startschuss mit diesem Beitrag gelegt wurde, haben sich inzwischen mehr als 40.000 Besucher auf diese Seite verirrt und es freut mich, dass sie so viel Anklang findet, manchmal Kommentare verfasst werden und sich bisweilen sogar mal eine Diskussion entfaltet. Gerade dieses Feedback ist ein wesentlicher Motivationsfaktor für mich, auch weiterhin Artikel zu verfassen.

Und da sind wir schon an dem Punkt, wo sich die entscheidende Frage stellt: wozu das Ganze? Da ich mit dem Blog kein Geld verdiene (die spärlichen Einnahmen durch die unattraktiv und  zurückhaltend platzierte Werbung mal ausgenommen), bleibt nur der Idealismus, der Wunsch, Wissen zu verbreiten. Und Weisheit. Aber natürlich nicht meine eigene, ich schreibe hier nur über Leute, die viel wissender und weiser sind als ich und die große Erfolge an der Börse vorweisen können.

Wissen ist Macht...
Es ist genau dieses Wissen, diese wenigen elementaren Grundprinzipien, die aus einem durchschnittlichen Anleger einen erfolgreichen Investor machen. Und gerade in Deutschland verzichtet der größte Teil der Bevölkerung auf die Teilhabe am Reichtum unserer Volkswirtschaft, spart zu mickrigen Zinsen auf Sparkonten, die nicht einmal die Inflation ausgleichen, und setzt voll auf die staatliche Rente für die Alterssicherung.

...aber man muss das Wissen auch umsetzen
Vom einem geplanten und erfolgreichen Vermögensaufbau sind die meisten Deutschen weit entfernt. Und immer wieder wird der Neid entfacht auf diejenigen, denen es so viel besser geht, die Vermögenden, die Reichen. Doch selten wird die Frage gestellt, weshalb die Reichen eigentlich reich sind. Es sind viele Erben darunter, natürlich, denn anders als in der Vergangenheit üblich hat Deutschland nicht alle 30 Jahre einen verheerenden Krieg geführt, der große Teile des Landes - und des Volksvermögens - vernichtet hat. Es gibt also eine Menge zu erben. Und in den letzten Jahren erfreuten sich besonders Substanzwerte eines großen Wertzuwachses: Immobilien und Unternehmensbeteiligungen. Doch in beiden Bereichen liegen die Deutschen weit hinten. Weil sie daran nicht teilnehmen, profitieren sie auch nicht von den Wertsteigerungen und daher verteilt sich das Gesamtvermögen immer ungerechter, klafft die Schere zwischen vermögend und unvermögend (den Begriff verwende ich hier bewusst) immer stärker auseinander.

"Was tun?", sprach Zeus
Nun ist die Frage, ob man mehr Gerechtigkeit dadurch herstellt, dass man den Erfolgreichen und Vermögenden mehr wegnimmt, oder ob man die anderen dazu bringt, endlich auch auf den Erfolgszug aufzuspringen. Die Lösung liegt vermutlich in einer Kombination von beidem, aber da ich nicht unter die Räuber gehen und als Robin Hood danach das geraubte Geld den Armen schenken möchte, setze ich lieber auf den zweiten Weg: die Leute dazu zu bringen, am Wohlstand teilzuhaben. Oder wie Ludwig Erhard sein Wirtschaftswunder-Buch titulierte: "Wohlstand für alle". Doch heute erzielen nur noch rund 40% der Deutschen Arbeitseinkünfte, die übrigen leben von sozialer Unterstützung, Mieteinnahmen und Kapitalerträgen (zunehmend aus Erbschaften). Und deshalb funktioniert das Prinzip "Wohlstand für alle" nur noch, wenn möglichst viele Menschen am Produktivvermögen beteiligt sind und so am wirtschaftlichen Erfolg teilhaben können.

Und der einfachste Weg zu diesem Ziel führt über die Aktie. Sie ist ein Anteil an einem Unternehmen und kann über die Börse ganz leicht ge- und verkauft werden. Das Wissen über Aktienanlagen, die Auswahl der richtigen Unternehmen und das hierzu nötige Rüstzeug, das möchte ich vermitteln und verbreiten helfen. Das ist mein Anspruch an dieses Blog und mein Antrieb, auch weiterhin Artikel rund um das Thema Value-Investing und das wertorientierte Investieren in Aktien zu verfassen.

Und deshalb, ganz zum Schluss und an exponiertester Stelle, möchte ich mich bei euch allen für eure Treue und euer Interesse bedanken. Und wenn ihr auch künftig hier mitlest und ab und zu mal einen Kommentar hinterlasst, dann weiß ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin und es sich lohnt, weiterzumachen.

Dienstag, 20. November 2012

Finger weg von offenen Immobilienfonds!

Unter dem Titel "Offene Immobilienfonds wagen Neustart" berichtete Börse Online gestern, dass die Fondsgesellschaft Kanam im nächsten Jahr einen neuen offenen Immobilienfonds an den Markt bringen will. Das ist möglich, weil Finanzminister Schäuble sich mit seinem Vorschlag, diese Anlageklasse abzuschaffen, leider an den Lobbyistenverbänden der Investmentfonds-Industrie gescheitert ist.

Offene Immobilienfonds sind eine Mogelpackung, denn sie halten nicht, was sie vollmundig versprechen: sie suggerieren dem Anleger, dass er jederzeit seine Anteile zu Geld machen kann, aber spätestens die Immobilien- und Finanzkrise hat gezeigt, dass dies nicht der Fall ist. Denn als alle gleichzeitig aus ihren Fonds aussteigen wollten, war deren Liquiditätsreserve für Ankäufe der eigenen Fondsanteile schnell verbraucht und der überwiegende Teil des Geldes steckt natürlich in Immobilienwerten. Und die lassen sich nun mal nicht von heute auf morgen verkaufen. Die Folge war, dass die "offenen" Fonds zwangsgeschlossen wurden und zwar für zwei Jahre. In der Zwischenzeit sollten die alles versilbern, was sie nur irgendwie losschlagen konnten - teilweise mit horrenden Verlusten. Und erst am Ende der zwei Jahre zeigt sich, ob man überhaupt genug Geld zusammenbekommen hat, um die Anleger auszuzahlen. Ansonsten behalten die ihre Anteile an dem Fonds, der nun auf zusätzlichen Verlusten sitzt und entsprechend noch weniger Wert ist.

Geschlossene Immobilienfonds sind die ehrliche Variante
Weitaus ehrlicher sind geschlossene Immobilienfonds. Hier beteiligt man sich fest und für eine bestimmte (Mindest-)Zeit an einer oder mehrerer Immobilien und kann sein Geld nur streng vereinbarten Regeln zurückbekommen. Für beide Seiten ist damit eine hohe Planungssicherheit gegeben, wenn auch für den Anleger wenig(er) Flexibilität. Eine Lösung bietet sich hier, wenn die Fondsanteile an der Börse notiert sind. Denn dann kann man seine Anteile jederzeit zu Geld machen, auch wenn nicht unbedingt zum Pari-Kurs von 100%. Wenn alle gleichzeitig verkaufen wollen, sinkt der Kurs der Anteile - das übliche Zusammenwirken von Angebot und Nachfrage. Für den Fonds bietet sich durch eine Börsennotierung die Möglichkeit, nicht an sein Investmentkapital heranzumüssen, wenn Kunden Gelder abziehen wollen. Denn der Kurs der Anteile hat keinen Einfluss auf die Liquiditätslage des Fonds selbst. Dessen eingezahltes (und investiertes) Kapital bleibt vom Verkauf der Fondsanteile über die Börse unberührt.

Börsennotierte Immobilien-AGs sind die bessere Wahl
Doch an der Börse bieten sich noch andere Möglichkeiten, in Immobilien zu investieren. Zum einen gibt es die börsennotierten Immobilienunternehmen und zum anderen die REITs, die Real Estate Investment Trusts. Bei beiden kommen die Vorteile der Börsennotierung voll zum Tragen, allerdings unterliegen sie deutlich strikteren Transparenz- und Informationspflichten, als börsennotierte geschlossene Immobilienfonds. Daher sind AGs und REITs aus Anlegersicht eindeutig vorzuziehen, denn die bieten in der Regel hohe Dividendenrenditen und nicht selten bekommt man Immobilienaktien mit einem teilweise erheblichen Abschlag auf den NAV, den Net-Asset-Value (Nettoinventarwert), mit dem das Anlagevermögen bewertet wird.

Es stellt sich die Frage, weshalb es Immobilienfonds überhaupt noch gibt. Und die Antwort ist: die Fondsbranche verdient prächtig an ihnen durch offene und versteckte Provisionen und Gebühren und durch die Management-Vergütungen. Anleger haben bessere Alternativen und sollten daher die Immobilienfonds meiden, denn den mit ihnen verbundenen Nachteilen stehen keine wirklichen Vorteile gegenüber.


Einige börsennotierte Wohn- und Gewerbe-Immobilien-AGs und REITs:
Adler Real Estate, Alstria Office REITColonia Real Estate, Deutsche Euroshop, Deutsche Wohnen, DIC Asset, Fair Value REITGAG Immobilien, Gagfah S.A., GSW Immobilien, Hamborner REITIVG Immobilien, KWG Kommunale Wohnen, Patrizia Immobilien, Prime Office REITTAG Immobilien, VIB Vermögen, YOUNIQ

Egal, ob Fondsanteile oder Aktien: es gilt die alte Kaufmannsweisheit, dass der Gewinn im Einkauf liegt. Also nicht jedem heißen Tipp hinterherhecheln, sondern gerne mal in die Prospekte und Geschäftsberichte schauen und sich im Internet oder der Tagespresse informieren, bevor (!) man sein Geld investiert. Und auf die Bewertungen schauen, auf günstige Werte bzgl. NAV, KGV, FFO oder KBV achten.

Montag, 19. November 2012

Börsenweisheit der Woche 47/2012

"Die Sanftmütigen werden die Erde beherrschen - aber nicht die Schürfrechte".
(Jean Paul Getty)

Freitag, 16. November 2012

Leifheit: solides Investment mit Übernahmephantasie

Den Haushaltsgerätehersteller Leifheit habe ich schon länger auf meiner Watchlist und nun habe ich zugeschlagen, nachdem der Kurs zuletzt schon angezogen war. Doch bei Leifheit kommen mehrere Faktoren zusammen, die das Unternehmen attraktiv und die Perspektiven interessant machen.

Gestern kam die Meldung über die Ticker, die beiden Großaktionäre, die HOME Beteiligungen GmbH und die MKV Verwaltungs GmbH, die 49% und 10% an Leifheit halten, sich von ihren Anteilen trennen möchten. Hinter den beiden Gesellschaften verbergen sich die Gründerfamilien Schuler-Voith und Knapp-Voith, deren Kinder andere Interessen hätten. So war man kürzlich bereits bei der Schuler AG ausgestiegen.

Die Leifheit AG wird also "ins Schaufenster" gestellt und ein Erwerber könnte auf einen Schlag mit 59% die Mehrheit an dem Unternehmen erlangen. Die Anteile sollen außerbörslich verkauft werden und ein Erwerber müsste dann den freien Aktionären ein Angebot für ihre Aktien machen. Und solche Angebote liegen üblicherweise im zweistelligen Bereich über den aktuellen Börsenkursen, weil man es den Aktionären ja schmackhaft machen muss, sich von ihren Anteilen an einem gut laufenden Unternehmen zu trennen. Wer also heute die Aktien der Leifheit AG kauft, setzt mittelfristig (auch) auf eine Übernahme. Und Übernahmen in Deutschland kommen gerade wieder in Mode, denn einerseits sind die deutschen Unternehmen wirtschaftlich hervorragend aufgestellt, andererseits aber stärker fremdfinanziert, was bei der sich abzeichnenden künftigen Zurückhaltung der Banken in der Mittelstandsfinanzierung (Stichwort Basel III und Eigenkapitalverschärfungen) nach neuen Finanzierungsmodellen schreit.

Übernahmephantasie alleine ist aber kein Grund, eine Aktie zu kaufen. Denn es ist nicht sicher, ob ein neuer Mehrheitsaktionär seinen Anteilsbestand dann signifikant ausbauen möchte und davon hängt ja ab, wie attraktiv sein Angebot an die anderen Aktionären sein wird, oder ob er nur dem Mindestpreis für das Pflichtangebot nachkommt. Ein Einstieg lohnt sich also nur, wenn das Unternehmen auch ohne Übernahmephantasie eine gute Investition wäre und man mittel- und langfristig an dem Unternehmen seine Freude haben wird.

Wer oder was ist Leifheit?
Leifheit stellt Haushaltsgeräte her und zwar unter den eigenen Marken Leifheit und Soehnle. Bis Ende des Jahres stammen auch noch die Dr. Oetker Backgeräte aus dem Hause Leifheit, doch hat man gerade eben den Lizenzvertrag zum Jahresende beendet, um sich stärker auf die beiden Kernmarken zu fokussieren und das breite Produktportfolio zu konzentrieren. "Ziel der Strategie ist es, die Marke Leifheit mit ihren Kategorien 'Reinigen', 'Wäschepflege' und 'Küche' stärker herauszustellen sowie die Marke Soehnle als attraktive, moderne Wellnessmarke zu positionieren". Die Produktsparte Dr. Oetker Backgeräte erzielte im Geschäftsjahr 2011 einen Umsatz von EUR 6,3 Mio. EUR, davon knapp 50 Prozent in Deutschland. Dieser Umsatzanteil - und die daraus resultierenden Gewinne - werden also künftig fehlen.

Und wie laufen die Geschäfte?
Die Marktkapitalisierung der Leifheit AG liegt bei etwas über 130 Mio. EUR und damit zählt das Unternehmen zu den kleineren Nebenwerten in Deutschland. Der 9-Monatsumsatz betrug 164 Mio. EUR (inkl. Dr. Oetker), wobei das Markengeschäft gute Zuwächse verzeichnete, während das Volumengeschäft (Herby, Birambeau) um 10% auf 32 Mio. EUR nachgab. Trotz leicht rückläufiger Umsätze steigerte Leifheit das operative Ergebnis um fast 10% auf 7,7 Mio. EUR. Das liegt vor allem an der neuen Strategie „Leifheit Go!“, einem Mix aus Preiserhöhungen, Innovationen und einer Sortimentsüberarbeitung mit Verzicht auf das margenschwache Geschäft, wodurch sich konzernweit die Brutto-Marge in den ersten neun Monaten um 1,5 Prozentpunkte auf 44 Prozent erhöhte. Positiv stimmt zudem die Entwicklung im dritten Quartal, denn das Margengeschäft entwickelte sich stärker als noch in den ersten sechs Monaten und wesentliche Kennzahlen wie die Bruttomarge und EBIT legten weiter zu. Konsequent hält Leifheit daher an seinen Prognosen für das Gesamtjahr fest und rechnet mit Erlöszuwächsen gegenüber dem Vorjahr, als 222 Mio. EUR umgesetzt wurden.

Gegenüber der Krise in Südeuropa stellt sich das Management nicht taub, sondern reagiert: man konzentriert sich nun verstärkt auf die Wachstumsmärkte in der Region Osteuropa und in ausgewählten Ländern Asiens und im Vertrieb soll künftig der Absatzkanal E-Commerce eine stärkere Rolle spielen. So sollen künftig die Produkte noch wesentlich stärker über den Internethandel verkauft werden, wobei Partnerschaften mit internationalen Kooperationspartnern forciert werden sollen.

Abgesehen vom Krisenjahr 2009 schreibt Leifheit Gewinne und wenn auch die Konsumzurückhaltung nicht spurlos an dem Unternehmen vorüber geht, hat das Management doch richtig reagiert und seine Strategie angepasst. Für 2012 gehen die Analysten vom Bankhaus Lampe von einem Gewinn je Aktie (EPS) von 1,82 EUR aus und für 2013 von 2,16 EUR. Allerdings noch inkl. der Sparte Dr. Oetker Backgeräte. Das 2013er KGV liegt somit bei rund 12,4 und die Dividendenrendite soll von 5,30% in 2012 sogar auf 6,15% in 2013 steigen.

Fazit
Leifheit betreibt kein spektakuläres Geschäft, sondern verdient grundsolide sein Geld. Die Produkte tauchen in vielen Haushalten auf und sind von hoher und langlebiger Qualität. Die Strategie wird angepasst, um auch in Krisenzeiten weiterhin gute Geschäfte machen und die Margen steigern zu können und die sich abzeichnende neue Eigentümerstruktur bietet zusätzliche Chancen für geduldige Aktionäre. Die Wartezeit wird einem mit einem risikoreduzierten Geschäftsmodell und einer hohen Dividendenrendite versüßt, so dass sich eine Übernahmespekulation bei Leifheit lohnen sollte.

Ich nehme Leifheit auf meine Empfehlungsliste.

Donnerstag, 15. November 2012

Und was tat sich in Warren Buffetts Depot im 3. Quartal 2012?

Im dritten Quartal 2012 hat Warren Buffetts Beteiligungsholding Berkshire Hathaway einige Änderungen an ihrem Portfolio vorgenommen, wie aus einer Pflichtmitteilung an die amerikanische Börsenaufsicht SEC hervorgeht.
Warren Buffett

Aufgestockt hat Buffett bei seiner Lieblingsbank Wells Fargo & Co, an der er nun 422,5 Mio. Aktien (+11 Mio.) hält, bei IBM (+ 872.500) und bei Deere & Co (+ 4 Mio.).

Weiter abgebaut hat Buffett seine Beteiligungen an ConocoPhillips, Johnson & Johnson (-95%), Kraft Food Group, U.S. Bancorp, General Motors (-88%) und Procter & Gamble.

Damit reduziert Warren Buffett insbesondere den in der Krise hervorragend gelaufenen defensiven Konsumgütersektor und zeigt auch durch sein weiter wachsendes Engagement bei Wells Fargo & Co., dass er von einer Konjunkturbelebung in den USA und einem Wiedererstarken des US-Immobilienmarktes überzeugt ist.

Berkshire Hathaway befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.

Mittwoch, 14. November 2012

Bei der H.P.I. Holding AG tut sich was

Das inhabergeführte Beteiligungsunternehmen H.P.I. Holding AG hat sich wie angekündigt von seiner kleineren Beteiligung, der Zimmer & Kreim GmbH getrennt. Käufer ist der schweizer Elektronik- und Softwareproduzent INDEL AG, der neuer Mehrheitseigner wird, während bei der H.P.I. Holding ein kleiner Anteil verbleibt. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Interessant ist der Verkauf für die H.P.I. Holding, weil bei Z&K zuletzt Verluste anfielen und weil der Verkauf die nötigen Mittel generieren sollte, um aus Privatbesitz ein schuldenfreies deutsches metallverarbeitendes Unternehmen zu erwerben mit einem Umsatzvolumen von 15,0 bis 16,0 Mio. EUR und einem Vorsteuerergebnis von rund 1,7 Mio. bis 2,0 Mio EUR. Nachdem der Verkauf nun unter Dach und Fach ist, könnte es mit der bis Ende des Jahres geplanten Übernahme noch klappen.

Montag, 12. November 2012

Die MBB Industries AG im Bewertungs-Check

Der Aktienkurs der mittelständischen Beteiligungsgesellschaft MBB Industries AG ist nach Bekanntgabe der 9-Monatszahlen um 25% auf rund 17 EUR angezogen und nach einem solchen rasanten Anstieg wäre eine Konsolidierungsphase nicht ungewöhnlich und auch gesund.

Ist die MBB-Aktie nun teuer?
Optisch hat sich der Kurs in wenigen Monaten mehr als verdoppelt, daher kann man auf den ersten Blick zu dem Schluss kommen, dass die Aktie nun teuer ist. Der zweite Blick gilt dann den fundamentalen Daten und hier gab es signifikante Änderungen. Denn der Erwerb der Claas Feinmechanik GmbH und dessen Konsolidierung in den Konzernzahlen der MBB ab dem zweiten Quartal 2012 hat den Konzernumsatz nahezu verdoppelt und die Gewinne überproportional in die Höhe katapultiert. Das senkt die Bewertungskennzahlen und die Analystenhäuser beginnen gerade erst, ihre aktuellen Zahlen anzupassen. So hat Börse Online seine Gewinnprognosen angehoben und erwartet für 2012 nun 2,00 EUR (bisher 1,40) und für 2013 2,10 EUR (bisher 1,50). Die Analysten von Close Brothers Seydler haben ebenfalls ihre Schätzungen angehoben, wenn sie auch nicht ganz so optimistisch ausfallen, wie die von Börse Online. Nach einer EBIT-Marge von 8,5 Prozent im dritten Quartal rechnen die Experten für das Gesamtjahr mit einer Marge von 8,9 Prozent und erhöhen ihre Gewinnprognose je Aktie von 1,45 EUR auf 1,84 Euro und für 2013 von 1,71 EUR auf 1,89 EUR. Sie bestätigen die Kaufempfehlung für die Aktien von MBB Industries und geben ein erhöhtes Kursziel von 21,50 EUR aus (zuvor 17,20 EUR).

Nehmen wir einfach mal den Durchschnittswert beider Prognosen, dann kommen wir auf einen Gewinn je Aktie für 2012 von 1,92 EUR und für 2013 von 2,00 EUR. Bei einem aktuelle Kurs von 17 EUR ergäbe sich auf dieser Basis ein 2012er KGV von 8,85 und ein 2013er KGV von 8,5.

Vergleichen wir das mit anderen börsennotierten deutschen Beteiligungsgesellschaften:

Aurelius (Marktkap. 384 Mio. EUR), 2013er KGV: 30,5
Dt. Beteiligungen (Marktkap. 255 Mio EUR), 2013er KGV: 24,9
Gesco (Marktkap. 217 Mio. EUR), 2013er KGV: 9,9
Indus (Marktkap. 1.104 Mio EUR), 2013er KGV: 8,7
MBB Industries (Marktkap. 112 Mio. EUR), 2013er KGV: 8,5

Das zeigt, dass das Unternehmen MBB Industries trotz des starken Kursanstiegs im Peer Group-Vergleich weiterhin attraktiv bewertet ist und keinesfalls zu teuer. Im Gegenteil: die Mitbewerber verzeichnen teilweise bereits Bremsspuren beim Wachstum (Gesco, Indus), während MBB Umsatz und Ergebnis deutlich ausbaut.

Und neben den hervorragenden Zahlen wird noch ein Ereignis den Blick stärker auf MBB Industries lenken, denn vom 12. bis 14. November findet in Frankfurt das "Deutsche Eigenkapitalforum" statt und dort wird sich auch die MBB Industries AG präsentieren und eine Analystenkonferenz abhalten.

Darüber hinaus dürfte es in absehbarer Zeit zu heißen Spekulationen über die zukünftige Dividendenhöhe kommen, denn 2009 und 2011 hat MBB beinahe den gesamten Jahresgewinn von jeweils rund 0,50 EUR je Aktie als Dividenden ausgekehrt, in 2012 immerhin 0,44 EUR. Würde das Unternehmen dieser Strategie weiterhin folgen, wäre eine Dividende für 2012 von mindestens 1,50 EUR, wenn nicht gar 1,80 EUR drin. Und dann reden wir bei einem Kurs von 17,00 EUR von einer Dividendenrendite von 8,8 bis 10,6 Prozent - und das nach den starken Kursanstiegen der letzten Wochen.

Mein Fazit
Nach dem starken Kursanstieg der letzten Tage täte dem Aktienkurs der MBB Industries AG zunächst einmal eine Verschnaufpause ganz gut, bevor er weiter an Höhe gewinnt. Aufgrund der starken fundamentalen Daten und der weiterhin attraktiven Bewertung des Unternehmens dürfte es sich nicht lohnen, auf deutlich tiefere Kurse zu warten. Langfristig orientierte Anleger sollten an der inhabergeführten MBB Industries auch weiterhin ihre Freude haben.

Börsenweisheit der Woche 46/2012

"Spekulieren ist kein Spiel mehr; es ist eine Maßnahme zum Schutz des Vermögens".
(André Kostolany)

Samstag, 10. November 2012

Greiffenberger AG bestätigt Planungen für 2012

Die Beteiligungsholding Greiffenberger AG, die ich vor einiger Zeit als "kleine Mittelstandsholding mit großem Potenzial" vorgestellt hatte, konnte ihren Umsatz in den ersten 9 Monaten des Geschäftsjahres auf 122,4 Mio. EUR (116,7 Mio. EUR) steigern. Der Jahresumsatz soll zwischen 158 und 166 Mio. EUR liegen, der Gewinn vor Zinsen und Steuern eine Summe zwischen 8 und 10,5 Mio. EUR erreichen.

Wermutstropfen in den ansonsten robusten 9-Monatszahlen ist der deutlich zurück gegangene Auftragseingang, der von 130,8 auf 109,6 Mio. EUR sank, was einer Book-to-bill-Ratio von 0,84 entspricht. „Ein Grund für den Rückgang beim Auftragsbestand ist die merklich dynamisierte Prozesskette in allen Teilbereichen des Konzerns. Die von den Kunden abgerufenen Aufträge kommen so inzwischen wesentlich schneller zur Auslieferung. Im Zusammenspiel mit der aktuell vorsichtigen Grundstimmung der Unternehmen sehen wir aber auch eine temporär zurückhaltendere Ordertätigkeit“, kommentiert Konzernchef Stefan Greiffenberger die Entwicklung.

Greiffenberger bleibt also vom globalen Konjunktureinbruch nicht verschont, bleibt aber solide auf Kurs. Aufgrund der noch immer relativ niedrigen Eigenkapitalquote wird das Unternehmen jedoch keine großen Sprünge machen, was die Übernahme attraktiver Investments im südeuropäischen Raum angeht, wo sich größere Konkurrenten, wie z.B. die Aurelius AG ja aktuell zu Schnäppchenpreisen eindecken. Und Aurelius weist trotz ambitionierter Bewertung für 2012 eine Dividendenrendite im zweistelligen Bereich auf. Doch das momentan beste Chance-Risiko-Verhältnis mit fast unschlagbar attraktiven Bewertungskennzahlen bietet bei den deutschen Beteiligungsgesellschaften die MBB Industries AG, die soeben wieder einmal überragende Zahlen präsentiert hat, so dass man von "Goldgräberstimmung bei MBB Industries" sprechen kann.

Die Greiffenger AG hat langfristig Potenzial, auch wenn die kraftstrotzende Konkurrenz aktuell besser punkten kann.

Donnerstag, 8. November 2012

Dividendenwerte schlagen Lebensversicherungen!

Es dürfte niemanden überraschen, dass die Lebensversicherer zunehmend Probleme bekommen, denn die aktuelle Niedrigzinsphase dauert ja nun schon einige Zeit an. Und was schön ist für Häuslebauer und Leute, die gerne auf Pump kaufen, aber auch den Staat, der sich zu Rekord-Tiefstzinsen finanzieren kann, ist für Sparer ein Albtraum. Und nicht nur Sparbuch, Tagesgeld und Bundesanleihe bringen kaum noch Zinsen, auch Bausparkassen und Lebensversicherungen geraten in arge Bedrängnis. Denn sie garantieren ihren Kunden einen festen Zinssatz und müssen diesen bis zum Ende des Vertrages durchhalten. Bei Bausparkassen dauert die Sparphase in der Regel zwischen 7 und 9 Jahren, Lebensversicherungs- und Rentenverträge laufen 30, 40 Jahre oder noch länger. Und die Garantiezinsen liegen schon seit einiger Zeit deutlich über dem Zinsniveau, das die Anbieter selbst noch am Markt erzielen können mit der Folge, dass sie ihre Reserven anzapfen müssen, um die Garantiezinsen aufbringen zu können. Doch Reserven aufzulösen kann immer nur eine kurzfristige Maßnahme sein, denn die Rücklagen sind ja nur begrenzt vorhanden und entstammen den hohen Überschüssen der Vergangenheit.

Gerade Kapital-Lebensversicherungen wurden viele Jahrzehnte lang von den Deutschen als private Altersversorgung bevorzugt und diese Einseitigkeit beginnt nun, sich zu rächen. So mancher hat sogar seine Immobilie über eine Lebensversicherung finanziert und die schüttet nun bei Ablauf viel weniger aus, als erwartet. Es bleibt statt einer abgezahlten Immobilie eine Finanzierungslücke im fünf- oder sechsstelligen Euro-Bereich und so muss aus den teilweise mageren Altersbezügen auch noch eine Anschlussfinanzierung bedient werden.

Ein Problem der Versicherungen ist, dass sie nur sehr geringe Aktienquoten aufweisen bei ihren eigenen Geldanlagen. Das ist auch den staatlichen Kontrolleuren geschuldet, die quasi zum Tiefststand nach dem Platzen der Dotcom-Blase die Versicherer gezwungen haben, ihre Aktienquoten runterzufahren und ihre Aktien zu Tiefstkursen zu verschleudern. So wurden die Versicherten um Milliarden gebracht, denn an der danach einsetzenden Markterholung nahmen sie natürlich nicht mehr teil. Stattdessen wurden sie staatsseitig quasi gezwungen, nur noch in öffentliche Rentenpapiere zu investieren, also Staatsanleihen.

Und nun schweben die Konzerne in einer weiteren Gefahr, denn das Finanzministerium fürchtet laut einem Bericht des Handelsblattes, dass Versicherer in ernste Schieflagen geraten könnten, insbesondere "das untere Fünftel der Anbieter". Zitiert wird aus einem Papier des Bundesfinanzministeriums, in dem es heißt: "Für diese Unternehmen reichen die vorhandenen Kapitalanlagen in dem zugrunde gelegten Szenario ab 2018 nicht mehr aus, um neben den versicherungstechnischen Rücklagen auch die Eigenmittelanforderungen zu decken".

Dieses Horrorszenario erfordert ein Umdenken bei den Versicherungen. Sie müssen sich anderen Anlagen zuwenden, die bessere Renditen abwerfen, aber vergleichsweise risikoarm sind. Daher investieren einige bereits in Stromnetze, andere in Krankenhauskonzerne, wieder andere in Wind- und Solarparks oder Einkaufscenter oder Hotels. Allerdings stehen derartige Alternativinvestments nur den kapitalstarken Versicherungen offen, denn die von der EU-Kommission geplanten neuen Eigenkapitalanforderungen ("Solvency II") würden für derartige Investitionen eine noch höheres Maß an Eigenkapital als Sicherheit verlangen, was klamme Versicherer keinesfalls stemmen könnten.

Es stellt sich also die Frage, wie Anleger und Versicherte auf die sich anbahnende Krise reagieren können und sollten. Zuvorderst muss man sich daher Gedanken über Alternativen zur Lebensversicherung machen, denn wenn es keine bessere Anlageform gibt, dann ist eine schlechte Anlage zumeist dennoch besser, als keine. Denn Tagesgeldkonten werfen ja noch weniger Rendite ab. Und in der Tat, es bieten sich Alternativen an. Ich habe bereits mehrere vorgestellt, nämlich solide und ertragsstarke Aktiengesellschaften mit attraktiven Dividendenrenditen. Lesen Sie hierzu nach unter "Dividendenstrategie: langfristig erfolgreich, auch bei Inflation", "Euro-Angst treibt Deutsche in Aktien", "Auf solide Dividendenwerte setzen!" und "Kaufkraftverlust: für Rentner alternativlos?".

Nachdem solide Alternativen zur Lebensversicherung zur Verfügung stehen, muss der zweite Schritt erfolgen: Sie müssen dort ihr Geld investieren, sonst haben Sie nichts davon. Und ich rate davon ab, langfristig besparte Lebensversicherungsverträge zu kündigen! Wenn Sie es sich leisten können, sparen sie neben Ihren Beiträgen in Aktien oder ETFs an, können Sie nicht beide Sparraten bestreiten, dann können Sie Ihre Lebensversicherung auch beitragsfrei stellen. Dann behalten Sie die bisher erworbenen Ansprüche und das bisher angesparte Kapital samt bereits erzielter Zinsen bleibt erhalten und wird weiter verzinst. Ihre früher einmal prognostizierte Ablaufleistung (Einmalzahlung oder monatliche Leistungsrate) wird sich natürlich verringern, wenn sie nicht mehr zusätzlich einzahlen. Aber das fangen Sie dadurch auf, dass Sie ab sofort mindestens den gleichen Betrag monatlich in einen Dividendensparplan investieren. Sammeln sie das Geld auf einem Tagesgeldkonto und investieren sie alle paar Monate in Einzalaktien oder suchen Sie sich einen (oder mehrere) attraktiven ETF, der auf große Unternehmen mit hoher Dividendenrendite setzt. So profitieren sie von den Gewinnausschüttungen und von möglichen Kursgewinnen der Unternehmen bei vergleichsweise geringem Risiko. Anregungen und Tipps hierzu finden Sie in diesem Blog unter den Labels "Altersvorsorge", "Dividende" oder "Stock-Picking".

Dienstag, 6. November 2012

Goldgräberstimmung bei MBB Industries

Die mittelständische Beteiligungsgesellschaft MBB Industries AG hat heute ihre 9-Monatszahlen bekannt gegeben und die sind fulminant ausgefallen: das Ergebnis steigt nach 9 Monaten um 272 Prozent auf 9,1 Mio. EUR oder 1,41 EUR pro Aktie, der  Umsatzzuwachs beträgt 90 Prozent auf 151 Mio. EUR, das EBITDA legte um 190 Prozent auf 17,3 Mio. EUR (Vorjahr 6,0 Mio. EUR) zu. Bei einem EBIT von 13,6 Mio. EUR betrug der Zuwachs 348 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 3,0 Mio. EUR.

Die sehr positive Geschäftsentwicklung wurde von sämtlichen Beteiligungen getragen, zudem ist in den Zahlen die Ende des 1. Quartals 2012 erworbene MBB Fertigungstechnik anteilsmäßig enthalten. Für das Gesamtjahr 2012 geht die MBB Industries von einer Fortsetzung der positiven Geschäftsentwicklung aus und erwartet unverändert einen Umsatz von mehr als 200 Mio. EUR. Der erfreuliche Geschäftsverlauf führte zu einer weiteren Erhöhung des Nettofinanzmittelbestandes per Ende September 2012 auf 28,3 Mio. EUR. Diese Erhöhung im Jahresverlauf 2012 konnte trotz der zwischenzeitlich erfolgten Übernahme der MBB Fertigungstechnik sowie der geleisteten Dividendenzahlung von rd. 2,8 Mio. EUR (0,44 EUR je Aktie), erzielt werden. Mit liquiden Mitteln von 51,5 Mio. EUR verfügt die MBB Industries über die Möglichkeit, neben dem internen Ausbau des Geschäfts auch durch weitere Akquisitionen zu wachsen.

Erst kürzlich im September hatte ich Ihnen die familiengeführte MBB Industries AG ans Herz gelegt und auf die rasant steigende Substanz- und Ertragskraft hingewiesen. Der Kurs lag damals bei 11,25 EUR, nachdem er bereits von 6 EUR um gute 50% zugelegt hatte, also rund 3 EUR niedriger als heute und es stellt sich die Frage, ob man auf diesem Kursniveau immer noch in das Unternehmen einsteigen sollte.

Anfang September lagen die Gewinnschätzungen für das Gesamtjahr 2012 bei 1,45 EUR je Aktie und das ergab beim damaligen Kurs ein 2012er KGV von unter 8. Doch heute gab MBB Industries bekannt, dass man in 2012 bereits nach 9 Monaten 1,41 EUR je Aktie Gewinn erzielt habe - und es stehen noch 3 gewinnträchtige Monate aus. Der Umsatz- und Gewinnbringer ist zweifelsohne die neue Tochter MBB Feinmechanik, die jedoch erst seit dem zweiten Quartal in der MBB-Konzernbilanz konsolidiert wird - die Analysten werden also ihre Ergebnis- und Gewinnprognosen für 2012 und die Folgejahre deutlich nach oben anpassen müssen. Was dazu führt, dass trotz des Kursanstiegs von gut 25% seit meiner Empfehlung im September die Aktie, was das die Gewinnbewertung angeht, (wieder) auf demselben Niveau notiert. Und geht man von einer gleich hohen Ausschüttungsquote bei der Dividende aus, wird auch diese auf dem aktuellen Kursniveau bei über 45% bleiben.

Fazit
Einstelliges Kurs-Gewinn-Verhältnis, sehr attraktive Dividendenrendite, starkes Umsatz- und Gewinnwachstum und hoher Liquiditätsbestand für weitere Übernahmen - Anlegerherz, was willst Du mehr? Ich erneuere meine Einschätzung vom September: "Das Unternehmen hat noch erhebliches Potenzial hinsichtlich seiner Beteiligungen und dem möglichen Ausbau des Portfolios und bietet auf dem derzeitigen Kursniveau mit niedrigem KGV und attraktiver Dividendenrendite eine günstige Einstiegschance für ein langfristiges Investment".

Montag, 5. November 2012

Börsenweisheit der Woche 45/2012

"Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Liquidität".
(Zitat aus Oliver Stones Film „Wall Street“)

Freitag, 2. November 2012

Deutsche Telekom: Dividendenkürzung ante portas?

Der Wettbewerb in der Telekom-Branche wird immer härter und das drückt die gewinne. Denn einerseits müssen Milliarden in neue Technik investiert werden (LTE, VDSL) und andererseits kommen immer mehr junge und freche Anbieter auf den Markt, die ohne eigenes Netz nur große Minutenkontingente bei den Netzbetreibern einkaufen und so günstige Tarife für die Verbraucher bieten. In Deutschland ist zudem durch die Regulierungsbehörde der Preis, den die Deutsche Telekom als Ex-Monopolist für die Nutzung ihrer Netze von den Wettbewerbern verlangen darf, gedeckelt.

Bisher hat die Deutsche Telekom eine hohe Dividende "garantiert", aber das Versprechen, 3,4 Mrd. EUR auszuschütten, endet 2013. Dass sich die Telekom diese hohe Dividende schon heute längst nicht mehr leisten kann, weil die deutlich weniger verdient, als sie ausschüttet, habe ich kürzlich hier dargelegt: "Deutsche Telekom: Raubbau an der Substanz durch zu hohe Dividende". Und dem Handesblatt zufolge, denkt man in den (Aufsichtsrats-)Kreisen der Telekom inzwischen auch so.

Blickt man auf die Konkurrenz, legt das ebenfalls den Schluss nahe, dass die Telekom vor einer massiven Dividendenkürzung steht: die niederländische E-Plus-Mutter KPN hat ihre Ausschüttung gekürzt, France Telekom hat die Dividende um zwei Fünftel gesenkt, Telekom Austria reduzierte sie von 38 Cents auf 5 Cents und die spanische Telefonica hat sie gar ganz gestrichen und auch das Aktienrückkaufprogramm gestoppt.

Die Zeit der (zu) hohen Dividenden bei der Deutschen Telekom neigt sich dem Ende zu und das ist auch gut so. Eine derartige substanzverzehrende Dividendenpolitik schädigt das Unternehmen nachhaltig und muss enden! Die Telekom sollte ihr Geld für die dringend benötigten Infrastrukturinvestitionen nutzen, um wieder wettbewerbsfähig(er) zu werden und als Dividende sollten die üblichen 40 bis 60 Prozent des Gewinns ausgeschüttet werden, mehr nicht. Unsolides Finanzgebaren macht sich auch an der Börse auf Dauer nicht bezahlt. Im Gegenteil. Und die Anleger sollten sich von einer optisch hohen Dividendenrendite nicht blenden lassen, wenn diese nicht durch Gewinne verdient wird.

Montag, 29. Oktober 2012

Börsenweisheit der Woche 44/2012

"Wir müssen wohl den Preis für unsere Fehler zahlen".
(Josef Ackermann)

Freitag, 26. Oktober 2012

Celesio: nach Rosskur eröffnen sich neue Perspektiven

Die im deutschen MidCap-Index MDAX notierte Celesio AG ist wieder ein reinrassiger Pharmahändler. "Wieder", weil nach Jahren des starken Wachstums außerhalb des Kerngeschäfts - und noch dazu äußert unerfolgreich - vom seit gut einem Jahr amtierenden Chef Markus Pinger eine Rückbesinnung des Unternehmens auf seine Kernbereiche und Kernkompetenzen erfolgt. Und die ist auch dringend nötig, denn war Celesio bis 2007 ein Wachstumswert und eine Kursrakete, folgten der Irrstrategie schmerzhafte 70 Prozent Kursverlust. Weil nach 20 Jahren des Umsatz- und Ergebniswachstums innerhalb weniger Jahre die Ergebnisse auf nur noch knapp die Hälfte abgeschmolzen wurden und sich bisher nicht wieder erholten.

Neben teuren Akquisitionen erwies sich insbesondere der Kauf der niederländischen Internetversand-Apotheke Doc Morris als Wertvernichter. Nicht nur, weil der Europäische Gerichtshof die deutsche Rechtspraxis im Kern bestätigte und so Doc Morris in Deutschland die Geschäftsgrundlage weitgehend entzogen war, sondern weil Celesio sich klar als Konkurrent zu den von ihm belieferten Apotheken positioniert hatte. Und die verprellten Apotheken wanden sich reihenweise der Konkurrenz von Celsio zu.

Mit dem Verkauf von Doc Morris beendet Celesio das unrühmliche Kapitel und schreibt ein weiteres - und letztes - Mal 30 Mio. EUR ab. Das wird das Ergebnis des dritten Quartals rückwirkend entsprechend belasten. Des Weiteren wurden inzwischen Beteiligungen wie die am Marketing- und Vertriebsdienstleister Pharmexx und der Pharmalogistiker Movianto verkauft und aus einigen kleineren Ländern Europas zieht sich der Pharmagroßhändler zurück.

Der zweitgrößte deutsche Pharmagroßhändler bestätigte nach den Verkäufen seine Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) soll sich mindestens auf dem Niveau des Geschäftsjahres 2011 belaufen und nicht unter 550 Millionen Euro liegen.

Zum aktuellen Kurs von 15 EUR notiert Celesio in etwa zum Buchwert und mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 11,5. Die Chancen von Celesio stehen gut, wieder deutlich Marktanteile zurückzugewinnen und die Margen auszubauen - viele Jahre lang lag die EK-Rendite bei über 20%, während sie seit 2007 dramatisch auf zuletzt 4% eingebrochen war. Eine lesenswerte Analyse des Unternehmens mit einer Darstellung der Ergebnisse, Renditen und Dividenden der letzten 20 Jahre hat Till Schwalm in seinem Blog SFG Value Investing erst im Juli vorgenommen, und ich empfehle Ihnen diese Lektüre!

Ganz einfach wird es für Celesio nicht, zu alter Stärke zurückzukehren. Verlorenes Vertrauen muss zurückgewonnen und neue Märkte erschlossen werden und es gilt, die alte Renditestärke zurückzuerlangen. Gerade erst wurde die zweite Unternehmensanleihe über 350 Mio. EUR platziert und war sechsfach überzeichnet.

Auf dem aktuellen Kursniveau sollten die Chancen die Risiken deutlich überwiegen und für langfristig orientierte Anleger bietet sich eine attraktive Einstiegschance.

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Aurelius mit weiterem Zukauf und Rekordergebnissen

Die Beteiligungsgesellschaft Aurelius war gleich zweimal in den Medien: zunächst gab man die Übernahme der spanischen Steria Iberica vom französischen Steria-Konzern bekannt, der sich auf seine Kernmärkte fokussieren will.

Die neue Tochtergesellschaft, die als zweites Spanisches IT-Unternehmen ins Aurelius-Portfoio wandert und über deren Kaufpreis Stillschweigen vereinbart wurde, sei „ein renommierter Player auf dem spanischen IT-Service-Markt sowohl für private als auch für öffentliche Kunden und bietet IT-Dienstleistungen wie integrierte Lösungsansätze für Application-Management, Systemintegration, Infrastruktur-Management sowie Testing und Qualitätssicherung“, teilte Aurelius mit. Im vergangenen Jahr setzten die gut 900 Mitarbeiter etwa 42 Mio. EUR um.

Und einen Tag später präsentierte Aurelius Rekordzahlen zum dritten Quartal: der Neunmonatsumsatz stieg um 7,1% auf 1,02 Mrd. EUR und das EBITDA auf 164,7 Mio. EUR (+ 237%). Die Verkaufsgewinne der im Jahr 2012 erfolgreich veräußerten Konzernunternehmen Consinto und Schabmüller betrugen insgesamt 59,7 Mio. EUR. Durch die Veräußerungserlöse stiegen die liquiden Mittel im Konzern auf 195,9 Mio. EUR zum Stichtag 30. September 2012 (31. Dezember 2011: 154,4 Mio. EUR).

Aurelius dürfte angesichts der hervorragenden Zahlen seine reguläre Dividende auf 1,70 EUR (bisher 1,50 EUR) anheben und eine zusätzliche Sonderausschüttung von 2,00 EUR vornehmen werde. Insgesamt könne die Ausschüttung für 2012 bis zu 4,00 EUR betragen, hatte sich Aurelius-Chef Dirk Markus kürzlich geäußert.