Mittwoch, 8. August 2012

Euro-Angst treibt Deutsche in Aktien

Zugegeben, eine etwas reißerische Überschrift, aber sie trifft den Kern der Sache. Die Eurokrise verunsichert immer mehr Deutsche und die mickrigen Zinsen auf Spareinlagen können nicht einmal mehr der Inflation Paroli bieten. Als Alternative zu (Bar)Geld bieten sich Sachwerte an, allem voran Immobilien. Doch einerseits kann man die nur schwer veräußern, wenn es schnell gehen soll und die katastrophalen Erfahrungen mit offenen Immobilienfonds, die aufgrund der Immobilienkrise reihenweise in die Knie gingen und Anleger auf ihr Geld warten ließen, lassen die Menschen zurückschrecken.

Gerne wird Gold als Anlageform hochgejubelt und da es einige Jahre stark an Wert gestiegen ist, scheint das eine sichere Bank zu sein. Andererseits sind es zumeist die Kleinanlager, die als letzte immer die Brocken aufsammeln sollen, wenn die Profis sich aus einem bis dahin super gelaufenen Markt rauswollen. Seitdem die BILD-Zeitung letztes Jahr für Gold getrommelt hat, geht's mit dem Kurs auch nicht mehr aufwärts, er bröckelt eher beständig ab. Es sind also Zweifel angebracht, ob Gold der richtige Weg durch die Krise ist. Besonders plastisch hat es der legendäre Investor Warren Buffett, zeitweilig der reichste Mann der Welt, auf den Punkt gebracht (die folgende freie Übersetzung stammt aus dem lesenswerten SFG-Value-Blog):

"Der gesamte weltweite Goldbestand beträgt ungefähr 170.000 Tonnen. Wenn man all dieses Gold einschmelzen würde, könnte man einen Würfel von etwa 20,6 Meter Seitenlänge gießen (oder einmal das Brandenburger Tor). Bei 1.350 Euro pro Unze  ist sein Wert 8 Billionen Euro. Nennen Sie diesen Würfel oder das goldene Brandenburger Tor Stapel A. 
Nun erstellen Sie einen Stapel B der gleich viel kostet. Dafür können Sie die gesamte Ackerfläche der EU zu deutschen Preisen 15.000 EUR/ha (100 Mio. Hektar mit einer Leistung von ca. 40 Milliarden Euro jährlich) plus 4x sämtliche Unternehmen des DAX, SMI und ATX kaufen (mit jeweils jährlichen Einnahmen von ca. 160 Milliarde Euro). Nach diesen Käufen würden wir ungefähr eine halbe Billion Euro als Handgeld übrig haben (kein Grund also sich nach diesem Kaufrausch klamm zu fühlen). 
Können Sie sich einen Investor vorstellen, der Stapel A vor Stapel B wählt?"


Als wirkliche Alternative bieten sich Aktien an. Ja, genau, die bösen Dinger, die 1999 alle haben wollten als die "Volksaktie" der Telekom an die Börse ging und die 2000 niemand mehr haben wollte, als deren Wert nach Kursverdreifachung ins Bodenlose stützte. Fairerweise muss man sagen, dass damals viele Aktien aus dem Telekommunikations- und Internetbereich Bewertungen jenseits von Gut und Böse aufwiesen und das Zusammenbrechen der sog. "New Economy" und des "Neuen Marktes" hat viele Anleger um ihr Erspartes gebracht und die damals zart sprießende Pflänzchen des Deutschen als Aktienanlegers drastisch in den Boden gestampft.

Und doch... Aktien sind Sachwerte, es sind Anteile an Unternehmen, an deutschen Großkonzernen und am deutschen Mittelstand. Man kann sie zumeist schnell verkaufen (über die Börse), wenn man Geld benötigt und sie werfen nicht selten Erträge ab, die sog. Dividenden. Was könnte besser sein, als daran teilzuhaben, an deren Wachstum und deren Unternehmensgewinnen? Wichtig ist, dass man sich an einem Unternehmen beteiligt und nicht einfach irgendwelche Aktien kauft und nur auf den Kurs starrt. Und wie jeder Kaufmann weiß: "der Gewinn liegt im Einkauf". Wer also die aktuellste Modeaktie kaufen will, die nach den Bewertungsmaßstäben viel zu teuer ist (Stichwort: Facebook-Aktie), der hat eben auch weniger Potenzial für steigende Aktienkurse seines Unternehmens. Anders sieht es bei demjenigen aus, der auf solide Unternehmen setzt mit moderaten Bewertungskennzahlen und stetigen Unternehmensgewinnen. Die Aktienkurse dieser Unternehmen schwanken nicht so stark und sie werden auch nicht in der Presse so hochgejubelt, aber sie erzielen anständige Renditen für ihre Anteilseigner. Und auf dem Kurszettel der deutschen Börsen finden sich nicht wenige viel versprechende Aktien, auch und gerade für Kleinanleger. Und wem die Auswahl einzelner Aktien zu schwierig oder kryptisch ist, kann ja auch auf Aktienfonds oder ETFs setzen.

Doch zurück zur Überschrift: das Deutsche Aktieninstitut (DAI) hat ermittelt, dass die Deutschen wieder mehr Aktien kaufen. Im ersten Halbjahr 2012 nahm ihre Zahl um 1,5 Mio. auf insgesamt 10,2 Mio. zu. Verglichen mit anderen Ländern ist Deutschland zwar noch immer Entwicklungsland in Sachen Aktienkultur, aber es ist ein sehr ermutigendes Zeichen, dass wieder mehr Deutsche an der positiven Entwicklung der Wirtschaft teilhaben und das nicht nur über Löhne und Gehälter, sondern eben auch über Aktien und daraus resultierende Dividendenausschüttungen. Ein Trend, der Mut macht, und sich hoffentlich weiter fortsetzt.

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