Donnerstag, 6. März 2014

Scherzer & Co.: mit Rabatt in deutsche Nebenwerte investieren

Zuletzt im Dezember hatte ich über den Nebenwert Scherzer & Co. berichtet, eine Beteiligungsgesellschaft, die sich auf Engagements in deutschen börsennotierten Unternehmen spezialisiert hat.

Die Eigendarstellung des Unternehmens liest sich so:
"Die Scherzer & Co. AG ist eine in Köln ansässige Beteiligungsgesellschaft, die sich zum Ziel gesetzt hat, durch sowohl sicherheits- als auch chancenorientierte Investments einen langfristig angelegten Vermögensaufbau zu betreiben. Dabei soll die Gesellschaft als eines der führenden notierten Beteiligungsunternehmen im Bereich Sondersituationen und Corporate Action etabliert werden. Unter sicherheitsorientierten Gesichtspunkten werden Beteiligungen in Abfindungswerte und Value-Aktien eingegangen, bei denen der Börsenkurs nach unten abgesichert erscheint. Kursstabilisierende Merkmale können hierbei ein "natürlicher Floor" bei angekündigten bzw. laufenden Strukturmaßnahmen sein oder eine exzellente Bilanz- und Ergebnisqualität im Bereich der Value Aktien. 
Investiert wird ebenso in Unternehmen, die bei kalkulierbarem Risiko ein erhöhtes Chancenpotenzial aufweisen. Fokussiert wird insbesondere auf ausgewählte wachstumsstarke Gesellschaften, die ein nachhaltiges Geschäftsmodell aufweisen. Analysiert wird der Markt aber auch in Bezug auf Sondersituationen, die aus unterschiedlichsten Gründen attraktive Chance/Risikoverhältnisse bieten können. Darüber hinaus nimmt die Gesellschaft gerne an aussichtsreichen Kapitalmaßnahmen oder Umplatzierungen teil."
Als ich im Dezember über Scherzer berichtete, gab es gerade Neuerungen bei einer von deren Beteiligungen, der IBS AG, die eine Dividendenerhöhung um satte 350 Prozent angekündigt hatte, und ich spekulierte darauf, dass dies eine interessante Perspektive für Scherzer ergeben könne, da Großaktionär Siemens auf die noch ausstehenden Anteile schielen dürfte.

Am 23. Januar gab dann Scherz bekannt, man habe den Anteil an IBS auf 15,69 Prozent erhöht und das gesamte Aktienpaket dann mit einem "positiven Ergebnisbeitrag" an eine Siemens-Konzerntochter weiterveräußert. Darüber hinaus hatte der Deal einen positiven Effekt auf den NAV, den Nettoinventarwert oder Net-Asset-Value der Gesellschaft. Lag dieser per 30.11.2013 noch bei 1,69 EUR, vermeldete Scherzer & Co. nun den NAV per Ende Februar mit 1,91 EUR, ein Anstieg von 13 Prozent innerhalb von 3 Monaten.

Die Scherzer & Co. verdient also prächtig mit ihrer Strategie und hat noch viele weitere Asse im Köcher. Die zehn größten Beteiligungspositionen im Scherzer-Portfolio sind aktuell:
  • Generali Deutschland Holding AG,
  • GK Software AG,
  • MAN SE (Stämme),
  • Allerthal-Werke AG,
  • Tipp24 SE,
  • WMF AG (Vorzüge),
  • InVision AG,
  • Biotest AG (Stämme),
  • Highlight Communications AG,
  • MAN SE (Vorzüge)
Und zu den einzelnen Werten gab es zuletzt interessante Neuigkeiten bzw. Spekulationen. So denken die Profis von Börse Online in der aktuellen Printausgabe laut darüber nach, dass der Großaktionär der Highlight Communications AG, die Constantin Medien AG, wohl verstärktes Interesse habe, die beiden Unternehmen zu verschmelzen. Immerhin habe Constantin seinen Anteil auf nunmehr 56 Prozent erhöht. Als besondere Perle gilt die Highlight Tochter Team, die die Fußball Champions League vermarktet und hier zuletzt sehr positive Abschlüsse zu Vertragsrechten in England berichten konnte.

Die Allerthal-Werke AG ist eine kleinere Version der Scherzer & Co. und betreibt das gleiche Geschäftsmodell. Scherzer & Co. halten inzwischen 24,99 Prozent an Allerthal, die kürzlich den Wechsel in ein niedrigeres Börsensegment bekanntgaben. Was Kosten sparen wird. Da Scherzer & Co. ebenfalls 25 Prozent an der RM Rheimer Management AG halten, an der Allerthal wiederum mit 38,35 Prozent beteiligt ist, ist diese Gesellschaft de facto der Scherzer & Co. zuzurechnen. Die RM betreibt ebenfalls ein ganz ähnliches Geschäftsmodell wie die Scherzer & Co. und die Vermutung liegt nahe, dass es hier mittelfristig zu einer Konzentration der Gesellschaften kommen wird. Deutlich: dass sich die Scherzer & Co. AG die anderen Gesellschaften irgendwann einverleiben wird, zumal es bereits heute personelle Überschneidungen gibt.

Bezüglich MAN gibt es noch nichts Neues zu vermelden, nachdem im November über "erhebliches Nachbesserungspotenzial" im Spruchstellenverfahren zum Squeeze-out seitens VW spekuliert wurde.

In der letzten Unternehmensmeldung gab Scherzer & Co. noch folgende Aktivitäten bekannt:
" Im Vorfeld der Hauptversammlung der FORTEC Elektronik AG hat die Scherzer & Co. AG ihren Anteilsbesitz auf unter 3% reduziert. Es konnte erneut ein erfreulicher Veräußerungsgewinn erzielt werden. 
Die Scherzer & Co. AG hat ihren Bestand von Aktien der GBW AG im Nachgang der Squeeze-out-Hauptversammlung deutlich erhöht.
Im Februar wurden auf niedriger Kursbasis weitere Aktien der Puma SE erworben. Der Großaktionär Kering (ehemals PPR) hat seinen Anteil in den letzten Monaten im Schnitt mit etwa 221 Euro um 3% auf nun 86% aufgestockt."
Es bestehen gute Chancen, dass die Scherzer & Co. AG ihren erfolgreichen Kurs weitergehen und den NAV weiter deutlich steigern wird. Über die Rheimer Management AG und die Allerthal-Werke AG wird das Geschäftsmodell quasi noch gehebelt.

Bleibt ein Blick auf die Bewertung: auf Basis eines geschätzten Gewinns je Aktie von 0,14 EUR für 2014 und 0,15 EUR für 2015 erreicht das KGV rund 11,5 bzw. 10,5. Allerdings dürften die Werte eher deutlich zu konservativ sein, denn die ersten Erfolge des laufenden Jahres lassen deutlich bessere Gewinnerwartungen zu. Eine Dividende zahlt Scherzer & Co. seit Jahren nicht und hat auf absehbare Zeit auch nicht vor, dies zu ändern. Vereinnahmte Dividenden aus Beteiligungen werden in der AG deutlich niedriger besteuert als eine Ausschüttung an die Aktionäre, bei der ja die Abgeltungssteuer anfällt.

Das wahre Highlight ist jedoch der Aktienkurs, der aktuell knapp 15 Prozent unter dem NAV notiert - und in dem noch keine Nachbesserungsansprüche aus Spruchstellenverfahren eingerechnet sind. Man kann also die Beteiligungen zu 85 Cents je Euro einkaufen, indem man sich an der Scherzer & Co. beteiligt. Dazu erhält man ein sehr erfolgreiches Management, das es hervorragend versteht, den Wert für die Aktionäre zu steigern und eine interessante Mischung aus perspektivisch lukrativen Investments, die in absehbarer Zeit deutliche Ergebnisbeiträge liefern dürften.

Die Scherzer & Co. AG bleibt für mich eine der interessantesten Depotbeimischungen, wenn man sich im Bereich deutscher Nebenwerte engagieren will. Anstatt selbst nach den schönsten Perlen in diesem Segment zu suchen, kann man dies von den Scherzer-Profis übernehmen lassen und das auch noch mit einem 15-Prozent-Rabatt.

Kommentare:

  1. Dann könnte ich aber auch in einen Aktienfonds oder ein Aktien-ETF investieren, welches sich auf Nebenwerte spezialisiert hat.
    Welchen Vorteil hätte dann die Scherzer AG.
    Es ist die Frage wer besser abschneidet - Scherzer oder der mögliche Fondsmanager...
    Und diese Frage kann keiner beantworten...

    Beste Grüße
    D-S

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    1. Es gibt einen gravierenden Unterschied: bei einem Fonds und/oder einem ETF gibt es keine Kontrolle, sondern nur Vertrauen darin, dass die Macher dies schon nach den eigenen auferlegten Grundsätzen machen werden. Bei einem Engagement in die Aktien des Unternehmens Scherzer & Co. habe ich ein Management, das mir als Aktionär mindestens einmal jährlich auf der Hauptversmmlung Rede und Antwort stehen muss. Dabei veröffentlicht Scherzer monatlich eine Meldung zum NAV und den wichtigsten Veränderungen/Aktionen im Portfolio, so dass hier das Thema Transparenz und Nachvollziehbarkeit ganz groß geschrieben wird. Für mich als Anleger ist dies ein ganz enormer Vorteil und wichtiger Aspekt bei der Auswahl meiner Investments. Darüber hinaus werden Fragen an das Unternehmen/das Management zeitnah und interessiert beantwortet. Ein weiterer entscheidender Pluspunkt.

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  2. Selbiges gilt auch für BRK vs einen Fonds (z.B. auf SP500).

    Aber die Fokusierung auf special situations & der Valueansatz klingen vielversprechend.

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  3. PS: bitte such mal einen Value-Fonds mit 15% Abschlag zum NAV herraus :P

    Leider sehe ich bei Scherzer 100% freefloat bei ariva... ist das tatsächlich so?
    Ich finde immer gut wenn ein großer Besitzer/Lenker mit seinem eigenen Geld "haftet"...

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    1. Scherzer & Co. notieren im Freiverkehr, genauer gesagt im Entry Standard der Frankfurter Wertpapierbörse. Dort gelten eingeschränkte Publizitätsplichten.

      Pflicht ist:
      - Veröffentlichung wesentlicher Unternehmensnachrichten oder Tatsachen, die den Börsenpreis beeinflussen können, auf der Unternehmenswebsite.
      - testierter Konzern-Jahresabschluss samt Konzernlagebericht
      (national GAAP/HGB oder IFRS), spätestens innerhalb von sechs Monaten nach Beendigung des Berichtzeitraums und Erscheinen des Geschäftsberichts auf der Unternehmenswebsite.
      - jährlich aktualisiertes Unternehmensprofil sowie Unternehmenskalender auf Unternehmenswebsite.
      - Zwischenbericht innerhalb von drei Monaten nach dem 1. Halbjahr eines jeden Geschäftsjahres auf der Unternehmenswebsite.

      Ausdrücklich NICHT gelten u.a folgende Vorschriften:
      - Ad-hoc-Publizitätspflicht des § 15 Wertpapierhandelsgesetz (WpHG).
      - Meldung des Erreichens von Schwellenwerten nach § 21 WpHG.
      - Verpflichtung zu Zwischenberichten nach § 40 Börsengesetz (BörsG) in Verbindung mit § 53 Börsenzulassungsverordnung (BörsenZulVO).
      - Pflichtangebot bei Kontrollwechsel gem. Wertpapierübernahmegesetz (WpÜG).


      Die Angabe von 100% Freefloat ist also fehlerhaft bzw. nicht belegt oder belegbar. Tatsache ist, dass es keine offzielle Quele gibt, wieviele Anteile die Macher hinter Scherzer & Co. (Vorstand und Aufsichtsrat) selbst halten oder ggf. Ankerinvestoren. Bei der Comdirekt findet sich zur Aktionärsstruktur daher auch KEINE Angabe, was korrekter ist, als einfach 100% Streubesitz anzusetezn, wenn keine Informationen verfügbar sind.

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  4. Die Allerthal-Werke AG hat heute bekannt gegeben, dass man für 2013 eine Dividende auf Vorjahresniveau von 0,50 EUR je Aktie vorschlagen wird. Die Scherzer AG ist mit 24,99% zweitgrößter Aktionär von Allerthal und profitiert entsprechend der fast 300.000 gehaltenen Aktien.

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  5. Scherzer & Co. hat inzwischen bekanntgegeben, dass der "handelsbilanziellle Verlustvortrag vollständig getilgt werden konnte, so dass die Dividendenfähigkeit der Gesellschaft hergestellt ist. Für 2013 wolle man noch keine Dividende zahlen, könne sich dies aber ggf. ab dem Geschäftsjahr 2014 (also im Jahr 2015) vorstellen.

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