Montag, 11. August 2014

Jungheinrich: mit diesen Hochstaplern lässt sich gut Geld verdienen!

Die 1953 gegründete Jungheinrich AG aus Hamburg notiert im SDAX und ist in den Bereichen Intralogistik und Maschinenbau unterwegs. Sie ist weltweit die Nummer 3 im Gabelstapler-Markt und in Europa die Nummer zwei. Vor ihr rangiert die ebenfalls deutsche Kion (ehemaliges Linde-Staplersegment) und an der Weltspitze liegt Toyota. Zusammen mit dem US-Hersteller Hyster-Yale machen die 4 Unternehmen rund die Hälfte des Weltmarktes unter sich aus.

Dabei ist der Abstand zur Nummer 2 schon recht deutlich, denn Jungheinrich verzichtet bewusst auf Übernahmen, sondern kauft allenfalls Technologie zu. Man bevorzugt organisches Wachstum und hat hier in den vergangenen Jahren mehr als 100 Mio. EUR investiert. Neben den neuen Produkten, die jetzt an den Markt kommen, setzt Jungheinrich auch ganz bewusst auf die Instandsetzung älterer Geräte. So hat kürzlich das 25.000ste Gebrauchtfahrzeug das Aufarbeitungszentrum in Dresden verlassen und die Kapazitäten sollen hier bis 2018 auf 8.000 Fahrzeuge jährlich annähernd verdoppelt werden. Nach Schätzung der Berenberg Bank fahren die Hersteller jedoch inzwischen rund 85 Prozent ihrer Gewinne mit Serviceleistungen ein und hier sind die beiden deutschen Hersteller Kion und Jungheinrich Spitze, denn bei ihnen macht der Serviceanteil bereits 40 Prozent vom Umsatz aus. Es zahlt sich eben aus, dass rund 40 Prozent der Geräte verleast werden und somit dem Jungheinrich-Service unterstehen.

Angriff auf den Boommarkt China
Den Wachstumsmarkt China, mit seinen rund 250.000 Gabelstaplern pro Jahr, nimmt Jungheinrich nun verstärkt in den Fokus, denn bisher bauten die Hanseaten vor allem Stapler mit Elektroantrieb. Doch die Chinesen ordern vor allem Verbrennungsmotor getriebene Stapler und so hat Jungheinrich reagiert und vor kurzem ein neues Werk in der Nähe von Shanghai in Betrieb genommen. Mehr als 10.000 Stapler können hier pro Jahr vom Band laufen, mit Elektromotor, aber auch mit Verbrennungsmotor. Und so soll sich Jungheinrichs Anteil am gigantischen China-Markt in den nächsten Jahren von wenigen tausend Fahrzeugen vervielfachen. Mit einem zusätzlichen Sortiment günstiger Produkte will man den Anteil der Fahrzeuge mit Dieselantrieb während der nächsten fünf Jahre auf zehn Prozent verdoppeln.

Doch auch Nordamerika und Russland sind lukrative Märkte, die Wachstumsraten jenseits der 5 Prozent versprechen - der Russlandbezug könnte daher auch mitverantwortlich für den Kursrutsch der letzten Wochen gewesen sein, denn hier verkauft Jungheinrich seit 1993 Stapler und ist seit 2003 mit einer Vertriebskooperation vor Ort vertreten.


Solide Geschäftsentwicklung
Nur 8 Prozent des Jahresumsatzes von 2,3 Mrd. EUR macht Jungheinrich außerhalb der EU, Tendenz stark steigend. Und man möchte in diesem Jahr bereits den Absatzrekord von 75.000 Gabelstaplern aus dem Jahr 2011 übertrumpfen. Das dritte Quartal 2013 hatte Jungheinrich noch Probleme bereitet. So musste das Unternehmen seine Prognose nach unten korrigieren und hatte Anlaufprobleme im neuen Werk Degernpoint. Davon war im ersten Quartal 2014 nichts mehr zu spüren; der Markt für Flurförderfahrzeuge wächst mit 10 Prozent in diesem Jahr und nach der starken Geschäftsentwicklung samt gestiegenen Auftragsbestand erhöhte der Lagertechnikspezialist Anfang Mai seine Ziele für das Gesamtjahr und es ist davon auszugehen, dass das Unternehmen seine Prognosen mindestens erfüllen wird. Vorstandschef Hans-Georg Frey hatte kürzlich noch erwähnt, dass es durchaus zu einer weiteren Prognoseanhebung im laufenden Jahr kommen könne.

2013 lag der Umsatz bei 2.289,78 Mio. EUR, in diesem Jahr werden 2.437,88 Mio. EUR angepeilt und 2015 schon 2.562,68 Mio. EUR. Der Gewinn je Aktie soll von 3,15 EUR im Jahr 2013 auf 3,52 EUR auf 2015 dann auf 3,97 EUR steigen, was einem 2015er KGV von knapp unter 11 entspricht. Und die Dividendenrendite für 2014 dürfte bei gut 2,3 Prozent liegen, was auch nicht zu verachten ist.

Aktienkurs ist deutlich zurückgekommen
Der Aktienkurs startete zu Jahresanfang bei rund 50 EUR und erklomm im Frühjahr bei 59 EUR seinen Hochpunkt. Seitdem geht es mit dem Kurs bergab, zuletzt beschleunigt dank der allgemeinen Talfahrt an der Börse. Und am Freitag habe ich zugeschlagen für 42,75 EUR, also fast 25 Prozent unter dem Höchstkurs. Doch schon Peter Lynch wusste: "Nur weil eine Aktie fällt, heißt das nicht, dass sie nicht noch weiter fallen kann". Daher waren für meinen Kauf die fundamentalen Daten und die Perspektiven des Unternehmens ausschlaggebend, nicht der Kursrücksetzer. Dieser bietet lediglich die Chance, die Aktien eines gut positionierten Unternehmens zu einem attraktiven Kaufpreis einzusammeln. Und sollten die vorgelegten Zahlen meine Erwartungen bestätigen (oder gar übertreffen), werde ich auf diesem Niveau noch weiter zukaufen. Denn die fundamentalen Daten berechtigen zu deutlich höheren Aktienkursen, wie auch die Kursziele einiger Analystenhäuser ebenfalls vermuten lassen (Bankhaus Lampe: 58 EUR, Warburg Research: 58 EUR, Commerzbank: 62 EUR, Hauck & Aufhäuser: 62 EUR, LBBW: 62 EUR, DZ Bank: 67 EUR). Das entsprechende Kurszielpotenzial läge also zwischen 36 und 56 Prozent.

Ich nehme Jungheinrich auf meine Empfehlungsliste.

Kommentare:

  1. Warum ist der Kurs von Jungheinrich so stark gefallen, obwohl alle Analysten sie höher bewerten, zum Kauf raten und die Geschäftszahlen positiv waren und sind? Diese Logik verstehe ich nicht.

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    1. Der Kurs (Preis) und der Wert einer Aktie stimmen selten überein, meistens notiert eine Aktie unter ihrem wahren Wert oder darüber und es kann auch längere Zeit zu solchen Fehlbewertungen des Makrtes kommen. Darüber hinaus unterliegen viele Marktteilnehmer auch dem Herdentrieb - was steigt und hoch gehandelt wird, will jeder haben, was am Boden liegt, will keiner anfassen. Value-Investoren agieren genau antizyklisch, weil sich auf längere Sicht derartige Fehlbewertungen wieder ausgleichen.

      Bei Jungheinrich spielt vielleicht noch die Überlegung mit hinein, dass das Unternehmen natürlich konjunktursensibel ist. Läuft die Konjunktur, verkauft Jungheinrich mehr Stapler etc - die inzwischen deutlich ausgebaute Servicesparte soll ja gerade diese Konjunkturabhängigkeit reduzieren, das Geschäft "glätten". Und das scheint zunehmend gut zu funktionieren. Wann aber der Aktienkurs die guten Perspektiven und guten Geschäfte des Unternehmens wieder erkennt und dem entsprechend der Aktienkurs wieder anzieht, das bleibt abzuwarten. Das kann morgen sein, nchsten Monat oder auch später. Da Jungheinrich eine nicht unattraktive Dividendenrendite vorzuweisen hat, kann einem diese Ausschüttung die Zeit etwas versüßen. Und wie sagte Warren Buffet? "Denke in Unternehmensergebnissen, nicht in Aktienkursen". Daher halte ich Jungheinrich für ein gutes Investment.

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  2. Hallo Michael,
    ich habe Deine Jungheinrich Besprechung gerade erst gefunden, bin aber ebenfalls auf die Aktie gestoßen und aus ähnlichen Gründen wie Du Anfang September mit 1/2 der Zielgröße der Position eingestiegen. D.h. einen Nachkauf plane ich ein, z.B. wenn sich die Börsen noch einmal schlechter entwickeln sollten, und ich werde die Aktie auch längerfristig halten.

    Meine Besprechung bzw. Empfehlung habe ich auf Sharewise wie folgt begründet und ich hoffe es ist ok, den Link anzuhängen:
    http://www.de.sharewise.com/aktien/DE0006219934-jungheinrich/analyse/2014090623475201/Kursziel_53_Euro_Tief+stapeln%2C+hoch+heben

    Grüße
    Covacoro
    (Ein Kunstname, der für COncentration, VAlue, COntrarian, ROtation) steht und meine Anlagestrategie beschreiben soll.)

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    1. Moin Covacoro, ich denke auch, dass Jungheinrich die Aktie mit der besten Positinierung und Bewertung im Sektor ist und man sie Kion und den anderen vorziehen sollte. Jungheinrich wird noch immer als sehr zyklisch angesehen, dabei entfällt ja inzwischen ein erheblicher Anteil auf das Segment Wartung und Service, so dass diese Einschätzung meines Erachtens nicht (mehr) zutrifft. Ich habe mich aber gefreut, vor einigen Tagen zu weniger als 40 EUR meine Position aufstocken zu können. Von mir aus muss es also jetzt nicht nochmals runter gehen, sondern die Aktie kann gerne das Potenzial des Unternehmens wiederspiegeln. Was einem ziemlich Auftrieb entsprechen würde...

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