Samstag, 12. November 2016

Zahlen & Mehr: Aurelius, Ernst Russ, GFT, Steico, Vectron, WCM

▸ Aurelius
Die Neun-Monatszahlen von Aurelius können sich sehen lassen, auch wenn sie insbesondere aufgrund mehrere gewinnträchtiger Verkäufe von Portfoliounternehmen etwas unter den Rekordzahlen des Vorjahres liegen. Der Konzernumsatz stieg um 63% auf €1.926,9 Mio. und das operative EBITDA lag bei €83,8 Mio. (€95,4 Mio.), was die gute operative Entwicklung der meisten Konzernunternehmen widerspiegelt, vor allem der Tochtergesellschaften SECOP, Studienkreis und Getronics.

Insgesamt acht Unternehmenskäufe in den ersten neun Monaten sowie drei erfolgreiche Verkäufe führen zu Mittelzuflüssen von über €90 Mio. Der Net Asset Value legte gegenüber dem Geschäftsjahresende 2015 um 8% auf €1.353,3 Mio. zu (€1.252,7 Mio.). Dabei ist der große Zukauf von Home Office Europe mit €2 Mrd. Umsatz noch nicht berücksichtigt, da der Vollzug aufgrund kartellrechtlicher Prüfungen noch nicht vorliegt.

Meine Einschätzung
Aurelius befindet sich als einer der größten Positionen in meinem Depot und ist eine der ältesten und erfolgreichsten Werte auf meiner Empfehlungsliste. Es ist und bleibt einer der Top-Picks im Beteiligungssektor. Langfristig orientierte Anleger bleiben investiert und nutzen Kursrücksetzer konsequent zum Aufstocken ihrer Position. Das jüngst aufgelegte Aktienrückkaufprogramm von bis zu €52 Mio. dürfte den Kurs zusätzlich stützen, während das erfolgreiche operative Geschäft den Kurs weiter beflügeln sollte.


▸ Ernst Russ
Das Hamburger Schifffahrtsunternehmen hat sich auf dem "HANSA-Forum Shipping | Financing" in Hamburg präsentiert und interessante Ein- und Ausblicke gegeben.

In einem Joint Venture mit dem norwegischen Finanzdienstleister Pareto werden Restrukturierungs-Projekte vorangetrieben. So legt Pareto einen Fonds auf, mit dem Bestandsschiffe aus dem Markt aufgekauft werden sollen; ein auf die Eigenkapitalseite fokussiertes Projekt zunächst nicht für den deutschen Markt, sondern vor allem mit Blick auf institutionelle Investoren aus dem Ausland. Dabei wird auch die Ernst Russ AG ins Risiko gehen über Co-Investments.

Mit einem zweiten Projekt will Ernst Russ einen weiteren großen Schritt machen. Es gäbe eine Zusage eines Private-Equity-Fonds, der $500 Mio. zur Verfügung stellen wird, mit denen Ernst Russ an der Konsolidierung des Marktes aktiv teilnehmen will. Hier sollen vorrangig sollen "non-performing loans" gekauft werden, also notleidende Kredite, die mit Schiffen besichert sind.

Darüber hinaus bestätigte CFO Mahnke, dass sein Unternehmen weitere Übernahmen angehen könnte; man sei bereits in konkreten Gesprächen und zwar mit starken Kapitalpartnern im Rücken.

Meine Einschätzung
Die Ernst Russ AG war entstanden, als das Emissionshaus HCI Capital die Ernst Russ Reederei sowie den Wettbewerber König & Cie übernommen und sich schließlich im Juli umbenannt hatte. Die großen Anteilseignern sind die Döhle Gruppe und die HSH Nordbank, eine strauchelnde Landesbank, die neben der Commerzbank über das größte Portfolio an notleidenden Schiffsfinanzierungen verfügt. Ernst Russ hätte hier also den kürzesten Draht, denn die HSH Nordbank muss als Auflagen seitens der EU-Kommission ihre Bestände in diesem Bereich massiv abbauen.

Die beiden neuen Geschäftsfelder zielen in einen Bereich, der seit Jahren großen Verwerfungen ausgesetzt ist und auch vor großen Pleiten nicht Haltmacht, wie der siebtgrößten Reederei der Welt, der südkoreanischen Hanjin. Ernst Russ könnte hier, mit finanzstarken Partnern im Rücken, zu einem der ganz großen Profiteure der Branchenbereinigung und Wiederauferstehung werden. Aus dem Pleitekandidaten ist ein hoffnungsvoller Turnaroundwert geworden und die Neuausrichtung verspricht viel Potenzial. Risikofreudige Anleger mit langfristigem Anlagehorizont können sich hier einige Aktien des marktengen Wertes ins Depot legen.


▸ GFT Technologies
Nach dem Brexit-Schock konnte die im TecDAX gelistete GFT weiter zulegen und für das letzte Quartal auch dank Zukäufen über um 15% auf €106,3 Mio. Erlöse berichten. Aus eigener Kraft belief sich das Wachstum auf 12% und die fortschreitende Digitalisierung im Finanzsektor und regulatorische Anforderungen blieben die wichtigsten Wachstumstreiber.

Das EBITDA wuchs um 8% auf €12,46 Mio, während der Gewinn um 11% auf €5,88 Mio. zurückging. Dies lag vor allem an deutlich höheren Steuern. Besonders gut liefen die Geschäfte mit Banken in Kontinental-Europa und der Geschäftsbereich Americas & UK, in dem vorwiegend Kunden aus dem Investment Banking vertreten sind, konnte im dritten Quartal ein Umsatzplus von 4% vorweisen.

Die im Sommer wegen der Pfundschwäche in der Folge der Brexit-Entscheidung gesenkte Gewinnprognose für 2016 wurde bestätigt. Der Ausblick für den Umsatz, der im Sommer entgegen der Gewinnprognose erhöht wurde, wurde ebenfalls bestätigt.

Meine Einschätzung
GFT befindet sich in einem Wachstumsmarkt, hat mit der starken UK-Ausrichtung und der Pfundschwäche allerdings eine schwache Archillesferse. Deren negativer Impact sollte durch den deutlichen Kursrückgang der letzten Monate allerdings nunmehr eingepreist sein, so das der Anlegerfokus sich wieder verstärkt auf das operative Geschäft legen dürfte. Und hier ist GFT hervorragend positioniert und dürfte vom Umbruch m Bankensektor weiterhin überproportional profitieren.


▸ Steico
Ein sehr aufschlussreiches Interview gab Steico der "Börse Global". Mit Inbetriebnahme der zweiten Furnierschichtanlage sollte ein weiterer großer Wachstumsschub erfolgen. Besonders ausführlich wird die einzigartige Positionierung von Steico im Bereich der Holzfaserdämmstoffe herausgestellt und die Vorteile ggü. den (noch) gängigen Wärmeverbundsystemen mit ihren immer stärker ins Bewusstsein drängenden Nachteilen (Krebsgefahr, Feuergefahr, mangelhafte Dämmeigenschaften). Darüber hinaus werden die Folgen der Brexit-Abstimmung beleuchtet, denn mit 15% Umsatzanteil ist UK der zweitwichtigste Markt für Steico.

Insbesondere die Wettbewerbssituation wird angesprochen, denn im Stammgeschäft steht Steico seit jeher unter starkem Druck. Den Mittbewerber bei Holzfaserdämmstoffen Homatherm hat es Ende Oktober in die Insolvenz getrieben, was für Steico insofern eine positive Nachricht ist, als dass der Druck auf die Margen etwas nachlassen und die Umsätze hier anziehen könnten. Auf die Konsolidierung der Branche angesprochen äußert sich Steico dahingehend, dass man selbst sich als Nischenmarktführer aktuell nicht als Übernahmeziel sehe, dies aber für die Zukunft nicht ausgeschlossen sei.

Meine Einschätzung
Die geplanten Investitionen von weiteren €45 Mio. sind angesichts der Überkapazitäten und des Preisdrucks in der Branche durchaus mit Risiken verbunden, setzen aber im margenstarken neuen Bereich an, so dass sich das Wagnis auszahlen sollte. Durch die Investitionen werden Kosten gespart und die Margen ausgeweitet und man kann gleichzeitig davon profitieren, dass die herkömmlichen Wärmeverbundsysteme aufgrund ihrer Problembehaftung (Krebsrisiko, Umweltschädlichkeit, Brandgefahr) sukzessive vom Markt gedrängt werden und immer häufiger hochwertige ökologische Dämmmaterialien zum Einsatz kommen. Darüber hinaus verbreitert die eigene Stegträger-Produktion die Angebotspalette und sorgt für eine Verbreiterung und Ausweitung der Margenbasis und die Insolvenz eines direkten Wettbewerbers verbessert die Position von Steico spürbar.

Ich habe Steico schon seit Jahren auf meiner Empfehlungsliste und sehe auch für die Zukunft eine solide Entwicklung für das Unternehmen. Der Kurs dürfte den unternehmerischen Erfolgen entsprechend unaufgeregt weiter gen Norden streben und die Aktie dürfte auch weiterhin eine solide Depotbeimischung sein mit Aussicht auf attraktive Kurszuwächse.


▸ Vectron
Der Hersteller von Kassensystemen hat 75% des Kassensoftwarestartups Posmatic GmbH erworben und stellt zusätzliches Wachstumskapital zur Verfügung, sodass insgesamt ein sechsstelliger Betrag investiert wird. Posmatic ist Hersteller einer Kassensoftware, die auf Hardware von Apple, wie z.B. Ipads, Ipods oder Iphones läuft. Die Endkunden kaufen sich diese Hardware in der Regel selbst und zahlen monatliche Nutzungsgebühren für die Software. Dieses Vertriebsmodell ist besonders bei kleineren Betrieben beliebt, die oftmals klassische Kassensysteme nicht finanzieren können. Um diesen Markt ebenfalls abdecken zu können wird Posmatic nun neben Vectron und Duratec als weitere Kassenmarke des Vectron-Konzerns im Markt platziert und rundet das Angebotsspektrum ab. Mit dem umfangreichen Vertriebsnetz und der vollen Unterstützung Vectrons soll Posmatic als führender Anbieter von Ipad-Kassensystemen in Deutschland etabliert werden. Weiterhin soll auch das Posmatic-Kassensystem mit der Online-Marketingplattform Bonvito verbunden werden und hierfür einen kostengünstigen Einstieg bieten. Nachdem schon die app-basierten mobilen Lösungen der Marken Vectron und Duratec im laufenden Geschäftsjahr erhebliche Zuwächse verzeichnet haben, ist Vectron zuversichtlich, mit Posmatic zusätzlich von diesem Trend profitieren zu können.

Meine Einschätzung
Vectron hat zuletzt erfreuliche 9-Monatszahlen präsentiert und dabei seine Erträge erhöhen können, obwohl gleichzeitig der Personalbestand aufgestockt und weiterhin massiv in neue Produkte investiert wurde. Das zeigt, dass Vectron sich auf dem richtigen Weg befindet, dass die heutigen Erfolge sich auch in Zukunft so fortführen dürften und man sich nicht auf den einmal erreichten Ergebnissen ausruht. Vectron bietet reichlich Potenzial für langfristig orientierte Anleger und zeigt durch den jüngsten Zukauf, dass man sich auf allen Ebenen die Marktführerschaft bei automatischen Kassensystemen nicht nehmen lassen will. Die gesetzlich vorgeschriebene Verpflichtung zur Einführung dieser Systeme wird Vectron einen weiteren enormen Schub verschaffen und das Unternehmen positioniert sich frühzeitig und aussichtsreich. Langfristig orientierte Anleger nutzen jeden Kursrücksetzer für Nachkäufe und lehnen sich dann geduldig zurück.


▸ WCM
Der auf Gewerbeimmobilien spezialisierte Konzern hat wieder zugekauft und ein Einzelhandelsportfolio erworben. Die drei Einzelhandelszentren weisen rund 88.000 Quadratmeter Mietfläche auf und kosten WCM €98,2 Mio. Die annualisierten Mieteinnahmen liegen bei €7,6 Mio. und der annualisierte Funds from Operations (FFO) bei etwa €4,2 Mio. Die Leerstandsquote von 7% bietet Verbesserungspotenzial und ein führender Lebensmitteleinzelhändler ist als Ankermieter an allen Standorten an Bord mit Verträgen, die eine Restlaufzeit von 6,1 Jahren aufweisen. Der Proforma-Marktwert des Gesamtportfolios von WCM steigt durch die Zukäufe auf  rund €766 Mio. Euro, der NAV legt pro forma Akquisition auf mindestens €2,85 zu, während der annualisierter FFO I bei circa €25,5 Mio. liegt.

Meine Einschätzung
WCM hat seit seinem Neustart eine rasante Entwicklung hinter sich, der Kurs ist entsprechend schnell gestiegen. Allerdings stockt das Expansionstempo merklich und der Einstieg von DIC Asset mit rund 25% hat noch immer keine Klärung gebracht über die Strategie dieses neuen Großaktionärs und die künftige Zusammenarbeit beider Unternehmen. Das bleibt ein Unsicherheitsfaktor.

Der NAV von WCM und der Kurs haben sich inzwischen wieder angenähert, der zueltzt vorliegende deutliche Aufschlag ist durch den Kursrückgang abgebaut worden. Das könnte wieder Aufwärtspotenzial bieten. Nun sind allerdings alle Aktien von (gewerblichen) Immobilienwerten deutlich unter Druck gewesen die letzten Wochen, auch DIC Asset, Publity und Patrizia. Relativ betrachtet hat sich WCM also nicht in die Pole-Position gebracht, da auch die Peergroup günstiger bewertet wird.

Schaut man auf die Strategie, setzt WCM zuletzt nicht mehr auf Bürogebäude, sondern viel mehr auf Einzelhandelsimmoblien, also Edeka-Märkte und kleinere Einzelhandelszentren. Die bieten aktuell noch ganz interessante Konditionen, allerdings sehe ich die Expansion in diesen Bereich eher skeptisch. Hier scheinen mir doch erhebliche Risiken zu schlummern. Der Einzelhandel wird in den nächsten Jahren noch stärker unter Druck kommen als bisher, auch dank Amazon. Stichwort Disruption. Da Immobilienanlagen auf lange Sicht erfolgen, muss man natürlich auch die mittel- und langfristige Sicht im Auge behalten. Und hier sehe ich wenig(er) Potenzial und höhere Risiken. WCM ist für mich daher auch auf dem ermäßigten Kursniveau eine solide Halteposition mit einem ausgewogenen Chance-Risiko-Verhältnis.

 Aurelius, Ernst Russ, GFT, Steico, Vectron und WCM befinden sich auf meiner Empfehlungsliste.

Kommentare:

  1. Zur WCM muss man sagen, dass ein Portfolioausbau auf ca. 750 Mio für 2016 nun nicht schlecht ist. Die Milliarde hatte wohl keiner bereits dieses Jahr erwartet.
    Aber es ist korrekt, dass man den Eindruck hat, dass der Aufbau etas stockt. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass man sich mit DIC nicht auf einen gemeinsamen Weg einigen kann. Für ein noch schnelleres Wachstum würde WCM auch Kapital benötigen. Evtl. wollte man auch hier eine weitere KE (in welcher Form auch immer) in 2016 vermeiden. Vielleicht hat man aber auch größer geplant und wurde dann vom Kursverfall böse überrascht.
    Dennoch stehen die Chancen nun realistisch, dass man in 2017 die Milliarde überschreitet. Ich würde dann nicht sagen, dass der Aufbau merklich gestockt hat. Aber die 700 Mio Pipeline, die man in 2015 präsentiert hat, die scheint es wohl so nicht zu geben oder nicht mehr zu geben.
    DIC ist die große UNbekannte. Übernimmt DIC nun WCM oder eher doch umgekehrt, man kann nur abwarten.

    Worüber man allerdings streiten kann ist, ob die INvestition in Einzelhandelsimmos nun eher hilft oder eher das Risiko erhöht. Da würden sich für und wider Argumente finden. Persönlich finde ich es gut und halte das Risiko auf Sicht von 5 Jahren für marginal und auch darüber hinaus könnten Einzelhandelsimmos gut laufen. Bei Bürgebäuden braucht man oft mehrere gute Mieter und wenn man nicht gerade den Staat als Mieter hat, kann die Konjunktur auch hier schnell mal einen Mieter "schwächer" werden lassen oder den Leerstand erhöhen.
    Ob es im Sektor eine Disruption geben wird, ich zweifle. Wie soll sie ausschauen...und vor allem würde Sie das Leben erleichtern?
    Selbst wenn keiner mehr selbst ins Auto steigt und die Einzelhaldsgeschäfte besucht sondern alles per PC erledigt, dann braucht es dezentrale Lager vor Ort. Jeder Aldi und Co kann im Ort bleiben und die Leute binnen Stunden mit Frischwaren beliefern.
    Amazon ist zwar ein Gigant, der fernab jeder Ethik und Moral agiert (auch wenn man sich anders darstellt), aber ich sehe ihn in diesem Segment nicht als eine Alternative. Man hat weder Lager vor Ort noch die Geschäftsbeziehungen des Einzelhandels. Klar, kann man das aufbauen, aber zu welchem Preis und mit welcher Chance?
    Auch halte ich es für fraglich, ob das Drohnenprogramm innerhalb von absehbarer Zeit kommt. Damit sind immense Probleem und Risiken verbunden, auch für die Sicherheit.
    Letztlich wird eine soclhe Revolution dann auch zu MIO von Arbeitslosen führen, wodurch die Gesellschaft ohnehin weitere Probleme bekommt und man fragen kann, soll man das wirklich zulassen oder erst einmal gegegnsteuern.
    Kurzum, es gibt für und wider, aber zumindest auf 5-8 Jahre sehe ich hier WCM in relativ guter Position. und in dieser Zeit wird man vermutlich Nettomieteinnahmen von einigen hundert Millionen Euro generieren.
    Die Frage ist dann, ob es irgednwann absehbar wird, dass die Buchwerte der Immobilien nicht mehr zu halten sind und hier Korrekturen vorgenommenen werden müssen.
    Für mich nicht abschätzbar. Vielleicht braucht dann auch ein Amazon diese Filialen in jeder Stadt und man kann sogar mit Gewinn verkaufen.
    Nach wie vor halte ich WCM somit auf absehbare Zeit für ein spannendes Investment mit Kurzziel 4 Euro bis 2018.

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  2. Mich stört an Einzelhandelsimmobilien, dass es eigentlich keine Zweitverwertungsmöglichkeiten gibt - Einzelhandelsimmobilien liefern zwar in der Regel Mietverträge mit einigen Jahren Dauer und gute Mietrenditen in der Vertragslaufzeit, aber wenn der Mieter pleite geht (was ich aber bei Edeka, zugegeben, in den nächsten 5-10 Jahren für äußerst unwahrscheinlich halte), hilft das nicht. Aber was ist nach Ablauf der Mietdauer? Ein ehemaliger Edeka Markt am Rande der Stadt oder gar im ländlichen Umfeld dürfte nach Ablauf der Mietdauer einen sehr geringen Wert haben - veraltet und zu klein ist er nach 10 Jahren sicher, wenn man die Vergangenheit extrapolieren kann. Da kann dann höchstens ein Fitness-Studio einziehen. Daher finde ich Michaels Bedenken valide.

    Und das Risiko Internethandel ist auch valide - ob Amazon nun moralisch ist oder nicht, sei mal dahingestellt - Amazon ist bei Service und Kundenbindung im Fernabsatzgeschäft jedenfalls der Maßstab, und Amazon bietet in Ballungsräumen bereits Sameday Delivery an. Damit ist es meiner Meinung nach kein so großer Schritt mehr zum Aufrollen des Lebensmittelmarktes, zumindest in den Ballungsräumen. Geschäftsbeziehungen werden sich dann schon einstellen - wer will nicht mit dem Platzhirsch ins Geschäft, und viel härter als bei z.B. Aldi werden die Konditionen für die Zulieferer bei Amazon bestimmt auch nicht sein. Und wenn nicht Amazon den Lebensmittelhandel aufrollt, dann eventuell Edeka oder Foodora oder wer weiß?

    Persönlich bin und bleibe ich aber auch bei WCM long - ich glaube, dass das Management einen guten Job macht. Ich hatte schon in diesem Sommer meine Position mit viel Gewinn reduziert, und den Rest halte ich erstmal. Zumindest will ich erstmal abwarten, wieso da gerade in großem Stil Aktien auf den Markt geworfen werden (cool wäre, wenn DIC aussteigen würde, aber wer weiß). Zumindest ist WCM inzwischen die Position in meinem Portfolio, die bei tollen Einstiegsmöglichkeiten woanders als erste rausfliegen wird (und das wäre immer noch ein schöner Gewinn ggü der Kapitalerhöhung 2015).

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  3. Hallo Michael,
    wie schätzt du die aktuelle Situation bei GFT ein?
    Eine Nachkaufgelegenheit?
    VG

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    1. Eher nicht. GFT hat zwar gute Ergebnisse für 2016 präsentiert, der Ausblick auf 2017 ist allerdings schon enttäuschend. Hier muss man abwarten, ob das Management nach der Prognosesenkung in 2016 nun lieber tief stapelt, um am Ende die Prognose übertreffen zu können, oder wirklich von einer so verhaltenen Geschäftsentwicklung ausgeht. Trotz eines weiterhin boomenden Umfelds. Für mich ist GFT trotz des Kurseinbruch auf dem aktuellen Kursniveau nur (noch) eine Halteposition.

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