Freitag, 4. November 2016

Zahlen & Mehr: GBK Beteiligungen, MBB, Softing

▸ GBK Beteiligungen
Die Beteiligungsgesellschaft habe ich hier im Blog noch nicht vorgestellt, obwohl ich die Aktien schon länger in meinem Depot liegen habe. Wer sich den Kursverlauf anschaut erkennt, dass er ziemlich unspektakulär vor sich hindümpelt, allerdings mit leicht steigender Tendenz. Und dann gibt es vor der Hauptversammlung regelmäßig anziehende Notierungen, dank der Dividenenjäger, und dann einen heftigen Einbruch - verursacht durch die Dividendenausschüttung. Denn die fällt bei GBK öfter mal recht üppig aus, da neben einer Basisdividende von €0,10 je Aktie auch häufiger Sonderdividenden ausgekehrt werden. Für das Geschäftsjahr 2014 gab es so €0,20 obendrauf und für 2015 sogar €0,60 je Aktie.

GBK Beteiligungen ist ein marktenger Small-Cap, also bevor jetzt alle losrennen, um sich einzudecken, bitte erst einmal in Ruhe weiterlesen! Es gehen nur wenige Stücke um und zwar im Freiverkehr, am meisten in Hamburg (ja, in meiner geliebten Hansestadt gibt es auch noch eine Börse!). Des Weiteren kann man auch in Stuttgart oder München ordern. Das war's. Also Vorsicht.

Das Unternehmen investiert seit seiner Gründung im Jahr 1969 in nicht-börsennotierte kleine und mittelgroße Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Zum GBK-Portfolio zählen aktuell rund 30 mittelständische Beteiligungen, an denen man sich vielfach als Co-Investor offen und/oder mit mezzaninen Finanzierungsmitteln beteiligt hat. Hierzu gehören Unternehmen der Automobilindustrie, der Elektrotechnik, der Chemie, des Transports und der Logistik, des Maschinen- und Anlagenbaus, des Handels und E-Commerce und des Dienstleistungssektors.

 GBK Beteiligungen (Quelle: finanzen.net) 
Das Eigenkapital je Aktie wird von GBK per Ende 2015 mit €9,75 ausgewiesen, während der Aktienkurs so um die €10 notiert. Klingt jetzt nicht nach großer Unterbewertung, allerdings wurde zwischenzeitlich ja auch die Dividenden von €0,70 ausgekehrt und der Aktienkurs hat diesen Abschlag nicht nur aufgeholt, sondern liegt auf Jahressicht rund 10% im Plus. Dividende und Kurszuwächse zusammen haben GBK Beteiligungen über die letzten Jahre zu einem leisen, langweiligen, aber eben auch einträglichen Investment werden lassen. Darüber hinaus bietet die Bilanzierung nach HGB eben auch reichlich Platz für stille Reserven, die erst bei Veräußerung der Beteiligung so richtig ans Licht kommen.

Und GBK hat durchaus interessante Pfeile im Köcher. Während man zwar über die hohen Bewertungen im Einkauf stöhnt und hier eher zurückhaltend agiert, gelingen eben in dieser Phase gewinnträchtige Exits. So wurden im zweiten Quartal die Beteiligungen an der IS Inkasso GmbH und der Mackprang/Schlemmer Gruppe veräußert, die zusammen gut €7 Mio. an Gewinnrealisierung einbringen. Und gerade wurde die Veräußerung der Anteile an Raith GmbH bekanntgegeben, die noch unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Genehmigung steht, welche noch im vierten Quartal 2016 erwartet wird. An dem Entwickler und Hersteller von Nanolithografiesystemen hatte sich  GBK im Jahr 2003  mit 17,6% beteiligt und wird einen positiven Ergebnisbeitrag für das Geschäftsjahr 2016 einstreichen. Der Veräußerungserlös überschreitet nach Abzug von Nebenkosten den Zeitwert, der der Beteiligung im Jahresabschluss zum 31.12.2015 beigemessen wurde, um rund €1,4 Mio. und es wird ein Veräußerungsgewinn nach KAGB in Höhe von rund €6,9 Mio. realisiert. Zum Vergleich: in 2015 lag der gesamte Jahresüberschuss der GBK AG bei €1,2 Mio.

Die hohen Sonderdividenden erklären sich daraus, dass GBK nicht immer alle Sondergewinne sofort ausschüttet, sondern Teile hiervon auf das/die nächsten/n Jahr/e vorträgt, um eine gewisse Glättung der Dividenden zu erreichen.

Sehr lesenswert sind die kurz und knackig gehaltenen Aktionärsbriefe, die ich jedem zur Lektüre empfehle, der sich ggf. die Aktien von GBK mal näher anschauen möchte. Der jüngste Aktionärsbrief betrifft das dritte Quartal 2016 und gibt eine Übersicht über einige Entwicklungen im Portfolio. Des Weiteren sollte man sich die Website des Unternehmens anschauen, dort findet man nicht viele Informationen, aber dafür um so wissenswertere.

Aufgrund der heutigen schönen Erfolgsnachrichten habe ich mir ein paar weitere Aktien zu €10 ins Depot gelegt. Nachdem ich lange mit mir gerungen habe, ob ich einen so marktengen Spezialwert auf meine Empfehlungsliste nehmen soll, werde ich es heute zu diesem Kurs tun.


▸ MBB
Das Beteiligungsunternehmen MBB erzielte im dritten Quartal ein Umsatz von €83,4 Mio. und damit 34,2 % mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Das EBITDA lag bei €8,1 Mio. (+ 44,9%), das EBIT bei €6,2 Mio. (+ 58,0%) und unterm Strich ergab sich ein Ergebnis je Aktie von €0,60 (+ 30,4%). Erfreulich ist, dass dieses Wachstum mit einer deutlichen Margenverbesserung einhergeht, denn im dritten Quartal stieg die EBITDA-Marge von 9,0% auf 9,7% und die EBIT-Marge von 6,3% auf 7,5%. Auch das Eigenkapital stieg  zum 30. September 2016, trotz Zahlung einer erneut erhöhten Dividende in Höhe von €3,9 Mio. auf €97,2 Mio. an verglichen mit €87,7 Mio. zum Jahresende 2015. Dabei blieb die Eigenkapitalquote zum Ende des dritten Quartals 2016 nahezu unverändert bei sehr soliden €39,5%, während die Konzernliquidität gegenüber auf €58,4 Mio. gestiegen ist (Ende 2015 €54,0 Mio.).

Nach den vorläufigen Zahlen zum dritten Quartal erzielte MBB für den 9-Monatszeitraum einen Rekordumsatz von €242,7 Mio. gegenüber €186,6 Mio. im Vorjahreszeitraum. Das entspricht einem Umsatzwachstum von 30,1% und auch ohne die seit November 2015 konsolidierte Aumann-Gruppe betrug das organische Umsatzwachstum 12,6%. Das EBITDA stieg in den ersten 9 Monaten um 36,0% auf €23,7 Mio. (17,4 Mio.) und das EBIT um 47,7% auf €18,1 Mio. (€12,2 Mio.). Das Konzernergebnis in Höhe von €8,9 Mio. im Vorjahreszeitraum wurde mit nun €11,1 Mio. ebenfalls deutlich um 24,2%. Nach 9 Monaten liegt das Ergebnis je Aktie bei €1,69 EUR (€1,36).

Meine Einschätzung
Der Geschäftsverlauf nach neun Monaten und die weiterhin sehr hohen Auftragseingänge untermauern die zum Halbjahr erhöhte Jahresprognose. MBB prognostiziert einem Umsatz von über €310 Mio. bei einem Ergebnis je Aktie in Höhe von mindestens €2,10. Und das Management sieht bereits heute positive Voraussetzungen für einen guten Start in das kommende Geschäftsjahr 2017, wobei die positive Entwicklung der Unternehmensgruppe vom Wachstum in allen Tochterfirmen getragen wird. Gerade die im Sondermaschinenbau tätigen MBB Unternehmen (MBB Fertigungstechnik, Delignit, Aumann) profitieren zunehmend vom Megatrend Elektromobilität. Mit einer Nettoliquidität von €5,9 Mio. (€8,1 Mio.) verfügt MBB somit weiterhin über hinreichenden finanziellen Spielraum für umfangreiche Investitionen in das organische Wachstum und weiterer Unternehmenszukäufe.


▸ Softing
Beim Anbieter von Messtechnikgeräten Softing müssen Anlegern noch weitere Geduld aufbringen, so viel lässt sich mit Sicherheit sagen. Denn Unternehmenslenker Trier hat die avisierten Unternehmenszukäufe erst einmal verschoben. Bisher sollte hier bis zum Jahresende Vollzug gemeldet werden, nun seien "interessantere Targets" aufgetaucht und würden geprüft, so dass eher mit dem ersten Quartal 2017 zu rechnen sei. Mit dem vorgelegten Zwischenbericht zu den ersten 9 Monaten liegt Softing in etwa auf der Höhe der eigenen verkündeten Erwartungen. Einen sehr launigen Bericht zur semantischen Wortklauberei seitens des CEOs Trier und eine gute Zusammenfassung des Zahlenwerks hat Gereon Kruse auf boersengefluester.de abgegeben. Den lege ich euch ans Herz und spare mir an dieser Stelle eigene Ausführungen zum Zahlen Werk. Quintessenz: es dauert noch und eine 2016er Überraschung dürfte es wohl auch nicht mehr geben. Insbesondere das US-Geschäft steht zur Zeit auf der Bremse.

GBK Beteiligungen, MBB und Softing befinden sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.

Kommentare:

  1. Bei GBK gefällt mir auch die Aktionärsstruktur. Bin begeistert von Roßmann und bin Anfang 2014 eingestiegen. Vier Jahre vorher hatte ich die Deutsche Beteiligung gekauft und auch da mischt die Roßmann Familie mit.

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    1. Ja, die Rossmänner sind langfristig orientierte Investoren, ein Family Business mit Weitblick. Es dürfte auf jeden Fall kein Nachteil sein, dass sie hier, wie auch bei der DBAG, beteiligt sind.

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  2. Hallo Michael, zu dem Kauf von GBK: Ich finde wirklich beeindruckend, dass Du scheinbar in jeder Marktsituation Cash hast, um Aktien zu kaufen. Wie machst Du das? Ich selbst halte immer so ca. 10 Titel, von denen ich überzeugt bin, mehr schaffe ich zeitlich einfach nicht aktiv zu verfolgen. Und da ich ja von den Titeln sehr überzeugt bin und ihre Geschäftsentwicklung verfolge, bin ich eigentlich fast immer annähernd voll investiert. Wenn ich dann mal etwas aussichtsreicheres entdecke, schichte ich schonmal um, aber auch dann bin ich wieder fast voll investiert.

    Da mein Depot inzwischen relativ zu meinem Gehalt recht groß ist, lohnt es aber auch kaum, von dem, was monatlich vom Gehalt über ist, mal ein neues Unternehmen zu kaufen oder eine Position aufzustocken - das fällt einfach nicht ins Gewicht. Daher muss ich immer recht lange sparen, bis es überhaupt lohnt, eine neue Position zu kaufen. Wie schaffst Du es, immer wieder was zu kaufen - sind das teilweise Testpositionen oder kaufst Du auch Positionen, die relativ zum Portfolio unwesentlich sind? Das fände ich wirklich mal spannend - denn das ist für mich noch ein wirklich ungelöstes Rätsel.

    Ich musste lernen, dass ich den Markt nicht "timen" kann, und daher versuche ich das auch nicht über die Cash-Quote. Kennst Du vielleicht ein gutes Buch, das darauf eingeht, wie man am Besten seine Cash-Quote steuert?

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    1. Moin Andi,

      zuletzt hatte ich ja Novo Nordisk verkauft da wurde wieder Cash frei. Und ich habe meinen DAX-Put erfolgreich hin- und hergetradet, was auch einiges an Geld auf dem Konto übrig ließ. Die letzten Tage waren ja, bezogen auf den Put, recht einträglich, der ist von €2 an die €3 rangelaufen.

      Allerdings ist das natürlich nur die halbe Wahrheit. Ein gewisses Maß an Cash halte ich ja immer vor, um bei Gelegenheit zugreifen zu können. Und wenn es nicht anders geht, reduziere ich auch schon mal Positionen in einem Depot, um eine weitere Position eingehen zu können. Auch Aktien haben "ihre zeit", gerade Nebenwerte laufen mal schnell hoch, um danach länger zu konsolidieren. Hier reduziere ich gelegentlich meine Position, falls ich gerade woanders für Geld benötige.

      Als Kritik hieran könnte man gelten lassen, dass dies im weiteren Sinne irgendwie auch Market-Timing ist. Die Alternative, und vermutlich besser, wäre eine latent höhere Cashposition. Das fällt mir aber schwer, weil ich immer so viele (gute?) Ideen habe, wo ich Geld investieren könnte. Und wenn ich kaufe, dann soll die Position ja auch so gewichtig/groß sein, dass sie im Erfolgsfall auch positiven Einfluss auf das Gesamtdepot nimmt. Haben alle Positionen einen Anteil von 1% bringt die beste Idee nix, weil sich eine Kursverdreifachung auch nur mit 2% Zuwachs auf das Gesamtdepot auswirkt.

      Ein Teufelskreis, ich brauche einfach mehr Geld... ;-)

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    2. Moin Michael, tschuldigung für die lange Funkstille - der Beruf war recht intensiv in der letzten Zeit. Jedenfalls ist das Cash Management etwas, das ich noch lernen muss - ich habe ja aus Deinem Blog den Eindruck, dass Du das wirklich gut machst. Gratuliere auch zum Erfolg mit dem Put - der Erfolg dürfte ja stark auch aus der gestiegenen Vola resultiert sein.

      Tief kaufen liegt mir, das klappt bisher sehr gut. Nur das hoch verkaufen muss ich lernen - denn solange das Unternehmen sehr gute Arbeit macht, bleibe ich eben meist dabei, egal was der Preis macht. Das hat einerseits mit den Steuern auf die Kursgewinne zu tun, andererseits aber auch damit, dass ich in meine Unternehmen nicht nur Geld, sondern auch Zeit investiert habe, und beim Umschichten ist diese Zeit verloren. Insofern bin ich fast immer voll investiert und meist sogar zu mehr als 100% auf Margin (das ist bei Interactive Broker sehr einfach und preiswert, nur leider für Nebenwerte nicht möglich). Ich verkaufe dann i.d.R. nur, wenn ein Unternehmen viel bessere Aussichten pro Preis bietet als eines meiner Unternehmen.

      Ansonsten kann ich der letzten Zeile voll zustimmen: denn das ist ja das Tolle am Investieren in Aktien - es ist skalierbar, und man hat daher eigentlich immer Verwendung für noch mehr Geld :-) Und das schönste daran ist, dass Erfolg hier mit Zeiteinsatz UND Kapital skaliert, ganz anders als im Berufsleben als Angestellter.

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    3. Moin Andi,
      voll investiert und zusätzlich auf Kredit ist ein hohes Risiko. Wenn es zu einem schnellen Kurseinbruch kommt, kann man ganz schnell derart in die Miesen kommen, dass man eine Margin Call der Bank erhält, also Kapital nachschießen muss für den Kredit - oder eben Wertpapiere verkaufen muss. Was bei einem starken Absturz ja gerade das Letzte ist, was man dann tun will/sollte. Wenn es ganz dumm läuft, ist man am Ende sein gesamtes Kapital los. Oder sogar noch darüber hinaus. Ich kann davor nur warnen, ich habe Anfang des 2000er Absturzes auch auf Kredit spekuliert und habe da sehr viel Lehrgeld zahlen müssen...

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