Montag, 28. März 2016

Börsenweisheit der Woche 13/2016

"Meide Branchen im Umbruch. Investiere in traditionsreiche Unternehmen aus defensiven Branchen mit Potenzial".
(Warren Buffett)

Dienstag, 22. März 2016

Aurelius steuert unter Volldampf auf höhere Sonderdividende zu

Der Finanzinvestor Aurelius ist hervorragend ins neue Jahr gestartet und konnte im ersten Quartal 2016 bereits zwei erfolgreiche Exits vermelden, die den Puls seiner Aktionäre kräftig beschleunigen dürften.

So wurde nach vielen Jahren der Restrukturierung fast die Hälfte der Beteiligung an Berentzen abgebaut, einem traditionsreichen Spirituosen- und Getränkehersteller, an dem Aurelius nun noch gut 29% hält.

Und kurz darauf wurde die Beteiligung fidelis HR an SD Worx verkauft, einen führenden HR Services Anbieter. Aurelius hatte fidelis HR im Jahr 2013 von der TDS Informationstechnologie AG, einer Tochter des Fujitsu-Konzerns, übernommen und das Unternehmen konsequent operativ neu ausgerichtet und dabei Umsatz, Ergebnis und Mitarbeiterzahl von fidelis HR in den vergangenen Jahren maßgeblich gesteigert werden.

Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart, doch in einem Interview mit Börse Global äußert sich Aurelius-CEO Dr. Dirk Markus zu den Auswirkungen der beiden Exits auf die Aurelius Bilanz. Aurelius werde 2016 wahrscheinlich in der glücklichen Lage sein, sowohl von den steigenden Erträgen bestehender Beteiligungen als auch von einer größeren Anzahl an Exits zu profitieren. Man gehe für dieses Jahr von sechs bis acht Übernahmen aus sowie noch einigen weiteren Exits, da eine ganze Reihe von Portfoliounternehmen den entsprechenden Reifegrad erreicht hätten. Hier sei man aber kein getriebener, sondern würde nur dann verkaufen, wenn dies für Aurelius, den Käufer und die Beteiligungen selbst und ihre Mitarbeiter die beste Entscheidung sei.

 Aurelius SE & Co. KGaA (Quelle: comdirect.de) 
Partizipationsdividende wird 2016 höher ausfallen
Dass dabei der Verkaufspreis auch eine wichtige Rolle spielt, zeigt sich an den Erfolgen des ersten Quartals. Denn bei dem Exit bei Berentzen und der fiedelis HR habe Aurelius bereits mehr Geld eingenommen, als mit den allen Verkäufen im Vorjahr zusammen. Das führe schon heute zu der Aussage, dass die Partizipationsdividende für das Geschäftsjahr 2016 höher ausfallen werde als die für 2015. Für 2015 will Aurelius eine um 10 Cents auf €0,90 erhöhte Basisdividende zahlen und darüber hinaus werden wieder rund die Hälfte der Gewinne aus dem Übernahmegeschäft in Form einer Sonderausschüttung an die Aktionäre ausgekehrt. Für 2015 liegt diese bei €0,65 €0,55, so dass die Gesamtausschüttung bei €1,45 je Aktie liegen wird.

fidelis HR einer der erfolgreichsten Exits der Aurelius-Geschichte
Weiter führt Dr. Markus in dem Interview aus, dass fidelis HR einer der erfolgreichsten Exits sei, die Aurelius jemals verbuchen konnte. Man konnte das eingesetzte Kapital "um einen deutlichen zweistelligen Wert" vervielfachen und damit in diesem Fall das historische Exit-Multiple von über neun signifikant übertreffen. Im Klartext heißt das, dass Aurelius hier sein eingesetztes Kapital innerhalb von 3 Jahren verdreizehn- oder verfünfzehnfachen konnte.

Angesichts dieser großartigen Leistung ist es nicht verwunderlich, dass der Kurs der Aurelius-Aktie wieder kräftig Fahrt aufgenommen hat und gestern ein neues Allzeithoch markierte. Aurelius befindet sich seit vielen Jahren auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot und bestätigt immer wieder, dass das Geschäftsmodell hervorragend funktioniert und immer höhere Gewinne abwirft. Mittelfristig soll der inzwischen auf €3 Mrd. angewachsene Umsatz des Konzerns auf €5 Mrd. gesteigert werden und was für Potenziale in den 25 Beteiligungen im Aurelius-Portfolio schlummern, hat der fidelis-Exit gezeigt. Daher bleibt Aurelius für mich der Top-Pick in der deutschen Beteiligungs- und Finanzinvestorensparte und ziert als langfristiges Basisinvestment in mein Depot.

Montag, 21. März 2016

Börsenweisheit der Woche 12/2016

"Der europäische Durchschnittshaushalt gibt mehr für Bananen aus als für Aktien."
(Robert Halver)

Freitag, 18. März 2016

Investor-Update: Aareal Bank, Hypoport, KKR, Publity, SHW, Triangle Capital

Im Investor-Update notiere ich in unregelmäßigen Abständen aktuelle Einschätzungen zu Unternehmen meiner Empfehlungsliste und wie sich diese ggf. auf mein Investment-Portfolio ausgewirkt haben. Darüber hinaus auch zu Unternehmen, die ich noch nicht hier im Blog vorgestellt habe, die sich jedoch in meinem Depot befinden.

DAX kämpft mit der 10.000, Dow auf Jahreshoch
Die Stimmung an den Börsen ist weiterhin nervös, aber sie ist nicht mehr angespannt. Der Ölpreis hat sich von seinen Tiefs deutlich erholt und notiert wieder jenseits der $40-Marke; er kratzt an seinen Jahreshochs. Das gibt der Börse Auftrieb, denn es entspannt die Lage bei den Ölwerten, bei den ölproduzierenden Ländern, bei den Banken mit ihren Krediten, die sie im Öl-Sektor vergeben haben und auch die Notenbanken dürfen sich freuen, da ihr Ziel einer moderaten Inflation mit weiter sinkenden Energiepreisen kaum erreichbar ist.

 Quelle: CNN Money - Fear and Greed Index 
Fear-and-Greed-Index weiter gestiegen
Der DAX ringt wieder mit der Marke von 10.000 Punkten und liegt in diesem Jahr noch gute 5 Prozent im Minus, während der Dow Jones bei 17.600 Punkten bereits einen neuen Jahreshöchststand markiert.

Im Zuge dieser Entwicklung hat der Angst-und-Gier-Index weiter leicht zugelegt und notiert mit 79 Punkten inzwischen im oberen Viertel. Das ist noch nicht Besorgniserregend, aber es erhöht auch wieder die Gefahr, dass Anleger zu sorglos werden und unerwartete Rückschläge zu heftigeren Korrekturen ausufern können, weil zu viele Marktteilnehmer auf dem falschen Fuß erwischt werden können. Andererseits sind die Cash-Quoten vieler institutioneller Anleger immer noch hoch und die geraten zunehmend unter Druck, weil ihnen die Märkte davon laufen und sie nicht dabei sind. Sie hoffen auf einen Rücksetzer, um wieder einsteigen zu können. Kommt der nicht, wird der Leidensdruck immer größer, auf immer höherem Niveau in den Markt einsteigen zu müssen. Value-Investoren haben es da leichter, die schauen auf die Bewertung, nicht auf den Kurs oder Indexstand.

In der letzten Woche gab es wieder einige Veränderungen in meinem Depot.

- Aareal Bank
Die Aareal Bank hat geliefert, meine Investmentthese hat funktioniert. Es wird eine deutliche Anhebung der Dividende geben und die Geschäfte laufen hervorragend. Okay, ich war zu früh und zu hoch eingestiegen, so dass ich trotz der imposanten Kurserholung noch immer auf einem Verlust sitze. Allerdings...

Ich habe mir gründlich Gedanken gemacht über das Bankwesen und die langfristigen Entwicklungen. Natürlich ist das Filialsterben keine neue Problematik und es war auch schon auf dem Radar, als ich die Aareal Bank erstmals gekauft hatte. Doch inzwischen betrifft dies alle Banken und das Tempo verschärft sich. Die Commerzbank baut seit Jahren Filialen ab, was an noch durch die Doppelversorgung wegen der Dresdner Bank-Übernahme erklären konnte. Doch dann kam die Uni Credit und erklärte, ihre Tochter Hypovereinsbank werde die Hälfte aller Filialen in Deutschland schließen. Die Volksbanken und Sparkassen reduzieren ebenfalls seit Jahren Dependancen und auch die Deutsche Bank setzt jetzt hier massiv den Rotstift an, dem fast ein Drittel der Filialen zum Opfer fallen werden.

Dabei geht es nicht (mehr) nur um Effizienzgewinne, sondern inzwischen ums nackte Überleben. Die überbordende staatliche Regulierung zwingt die Banken dazu, mehr Controller vorzuhalten als Kundenberater. Ich habe regelmäßig Gespräche zum Geschäftsverlauf mit dem Chef unserer örtlichen Stadtsparkasse (die noch eigenständig ist) und was der mir erzählt zum Thema Kontrolle, ist abenteuerlich. Die Sparkassen werden nicht nur von der BaFin geprüft, sondern auch von der EZB und vom Sparkassenverband. Die haben inzwischen die Hälfte des Jahres Revisoren dieser Institutionen im Haus. Und denen müssen hoch qualifizierte Sparkassenmitarbeiter zuarbeiten. Dann kommt noch Basel III mit seinen Eigenkapitalvorschriften und die EZB mit der Null-Zins-Politik hinzu. Die Personalkostenquote steigt auch dank der letzten hohen Tarifabschlüsse steil an, während die Erträge sinken.

Unter dem Strich drängt alles mit zunehmender Geschwindigkeit Richtung Filialausdünnung und Online-Beratung bzw. Online-Abschluss. Hiervon wird mittelfristig auch die Aareal Bank betroffen sein, die ja ein reiner Immobilienfinanzierer ist. Ihr Geschäftsmodell steht auf zunehmend tönernen Füßen und sie muss sich etwas einfallen lassen. Ich denke, dass mittelfristig bereits erhebliche Probleme auf die Banken zukommen und der gesamte Sektor es schwer haben wird, sich zu behaupten. Die Kurse vieler Institute liegen bereits am Boden, allerdings ist hier noch viel Luft nach unten. Nach der Finanzkrise haben sich die europäischen Banken jedenfalls nicht annähernd so berappelt wie die US-Institute, für die die Problematik in ähnlicher Form besteht (daher steht bei mir auch Wells Fargo unter Beobachtung hinsichtlich eines Streichens von der Empfehlungsliste, auch wenn es die wohl beste Bankaktie der Welt ist). Ich fürchte, dass der Banksektor in ein ähnliches Siechtum verfallen könnte wie die deutschen Versorger, allen voran Eon und RWE. Ich steige daher bei der - noch - gut positionierten Aareal Bank aus und setze auf den Gewinner der Entwicklung: Hypoport. Unter dem Strich hat mir das Engagement bei der Aareal Bank knapp 8% an Verlust eingebracht, jedenfalls bezogen auf meinen Erstkauf und die Wertung auf der Empfehlungsliste, denn ich hatte Ende Januar bei €25 ja Aktien nachgekauft.

+ Hypoport
Der Finanzdienstleister Hypoport ist im weiteren Sinne ein Fintech-Unternehmen und bedient mit seinen drei Sparten unterschiedliche Segmente. Der unbedeutendste Bereich ist die Beratung und Finanzierungsabwicklung für institutionelle Kunden beim Sozialen Wohnungsbau, dann ist man hinter Marktführer Interhyp zweitstärkster Anbieter bei der Online-Finanzierungsvermittlung an Privatkunden, die man über die Tochter Dr. Klein bedient, und man hat über die Tochter Europace, wo man für institutionelle Kunden, vor allem Banken, Finanzierungen und Finanzprodukte online abwickelt, de facto eine Monopolstellung in Deutschland.

Im letzten Jahr hat Hypoport den Kursturbo gezündet und die Aktie hat sich um mehrere hundert Prozent in die Höhe geschraubt. Vom Höchstkurs bei rund €80 ist der Wert inzwischen wieder deutlich zurückgekommen und nach der großen Anfangseuphorie bietet sich hier eine interessante langfristige Einstiegsgelegenheit, die ich bei knapp unter €58 wahrgenommen habe.

Die Filialbanken stehen vor dem Umbruch, es werden immer mehr Filialen geschlossen werden, weil beinahe alle Bankprodukte online abgewickelt werden können. Selbst die Beratung wird immer mehr standardisiert und so onlinefähig. Im B2C-Bereich hat Hypoport mit Interhyp und Check24 starke Gegenspieler, aber mein Fokus richtet sich auf das Monopol Europace. Denn die Zahl der Partner steigt weiterhin stark an, immer mehr Banken wickeln ihre Geschäfte auch über Europace ab. Zuletzt kommen verstärkt die Volksbanken und Sparkassen hinzu. Damit reduzieren diese ihre Kosten und können im Wettbewerb gegen Banken mit hohem Kostenapparat durch Filialen besser bestehen. Diese schließen weitere Filialen und so wandern mehr Kunden in die Onlinevermittlung ab und das erhöht nun selbst wieder den Druck auf die Banken. Der Trend ist eindeutig und er läuft stark in Richtung Hypoport.

Dabei ist Hypoport keine klassische Value-Aktie, das Wachstum ist zwar rasant, aber das KGV von knapp 20 zeigt auch keine Unterbewertung an. Ich würde sogar sagen, Hypoport ist bei €65 fair bewertet. Allerdings sollte man an die weisen Worte Warren Buffetts denken, der sagte, man solle nicht auf den Einkaufspreis schauen, sondern darauf, was das Unternehmen (und damit seine Aktien) in ein paar Jahren wert sein werden. Und das tat ich und ich kam zu dem Schluss, dass Hypoport weiter wachsen wird, dass man mit der Technik von Europace ein einzigartiges Produkt hat, das sich hervorragend skalieren und damit die Margen weiter wachsen lässt. Und man hat eine Quasi-Monopolstellung und die Banken müssen sich auf Europace einlassen, um überhaupt noch konkurrenzfähig bleiben zu können. Das nennt man einen ökonomischen Burggraben!

+ KKR & Co. L.P.
Der Finanzinvestor KKR habe ich nun fast anderthalb Jahre auf meiner Empfehlungsliste und nach anfänglichen Kursgewinnen und üppigen Dividendenausschüttungen machte die Aktie ab Mitte letzten Jahres keine große Freude mehr: Kurshalbierung, Dividendenkürzung, große Engagements im Öl- und Gassektor. Ich hatte meinen Bestand auch auf eine kleine Position reduziert und halte nun den Zeitpunkt für gekommen, ihn wieder auszubauen. Einerseits ziehen die Ölpreise wieder an und das nimmt Druck aus zwei großen Beteiligungen von KKR, die in der Restrukturierungs- und Refinanzierungsphase sind. Andererseits ist KKR viel weniger stark im Immobilienbereich tätig als mein Sektorfavorit Blackstone Group, sondern man setzt stärker auf Unternehmensbeteiligungen. Hier hat man diverse Schätzchen im Portfolio, die sich hervorragend zu Geld machen lassen - WMF ist nur eines davon, wo man sich aktuell um einen Verkauf bemüht und mit knapp 30 Interessenten spricht. Dabei sollen Preise zwischen €1,2 Mrd. und €1,8 Mrd. angesteuert werden; Gebote können noch bis Montag abgegeben werden, was KKRs Einsatz verdoppeln bzw. verdreifachen würde.

Der Kurseinbruch bei KKR lag aber auch an deren börsennotierten Beteiligungen. So hatte der weltgrößte Zahlungsabwickler First Data einen holprigen Börsenstart, als KKR ihn letztes Jahr an die Börse schleppte, und zuletzt stand der Kurs mächtig unter Druck. Und dann ist man noch Großaktionär an der Apothekenkette Walgreen Boots Alliance, deren Aktienkurs auch mächtig gelitten hatte im Börsenausverkauf zum Jahresstart. Hier schlummert eine Menge Potenzial und KKR hat noch reichlich Geld in der Hinterhand, um stark im Übernahmegeschäft mitzumischen. So übernimmt man für rund $1,1 Mrd. die Verteidigungselektronik-Sparte von Airbus, wie soeben vermeldet wurde.

Selbst die bei $0,16 eingefrorene Quartalsdividende bietet auf dem aktuellen Niveau eine attraktive Dividendenrendite von 4,25% und zusätzlich kauft KKR eigene Aktien zurück, da man sie für unterbewertet hält - das sieht auch die Investmentbank Oppenheimer so, die KKR einen fairen Wert von $23 zumisst, also rund 70% Kurspotenzial. Bei knapp unter €12 habe ich wieder begonnen, meine Position auszubauen.

Publity
Erst seit kurzem habe ich Publity in meinem Depot und schon eine fette Dividende eingestrichen. Der Kurs ist allerdings viel stärker eingebrochen, als es aufgrund des Dividendenabschlags von €2 gerechtfertigt wäre. Der Grund liegt in der Kapitalerhöhung, die zu €36 durchgezogen wurde und das nur einen Tag, nachdem die Hauptversammlung die Dividendenausschüttung und frisches Kapital genehmigt hatte. Diese Umstände, hohe Ausschüttung als zu versteuernder Mittelabfluss und sofortige Kapitalerhöhung, kommen nicht gut an an der Börse und der Kurs leidet. Für mich ist dies jedoch vor allem eine Chance, weitere Aktien noch günstiger einsammeln zu können. Denn die momentanen Irritationen werden sich legen und es wird wieder das operative Geschäft in den Vordergrund drängen - und das ist letztlich die Triebfeder für den Aktienkurs.

Ich habe daher zu €36 meine große Depotposition verdoppelt, sie ist nun die größte Position in meinem Depot, vor Aurelius und Blackstone. Teilweise als langfristiges Investment und auf der anderen Seite zum Teil auch als Tradingposition, denn die schnelle Durchführung der Kapitalerhöhung legt nahe, dass Publity an vielen neuen Immobilienzukäufen dran ist, für die man das Geld dringend benötigte. Und genau hierauf setzte ich ja mit meinem Investment. Kann Publity in den nächsten Wochen also diverse Zukäufe und Erfolge vermelden, dürfte sich der Aktienkurs schnell wieder über die Marke von €40 erholen. Auch bei Aurelius und WCM hatte vor einigen Wochen die innerhalb eines Tages durchgezogene 10-Prozent-Kapitalerhöhung kurz den Aktienkurs negativ belastet, bevor neue Höchststände erreicht wurden.

- SHW
Den Automobilzulieferer SHW hatte ich auf meine Empfehlungsliste und in mein Depot genommen, weil der Aktienkurs um mehr als 50% abgestürzt war und dies durch die operativen Schwierigkeiten in diesem Ausmaß nicht gerechtfertigt war. Insbesondere die Engpässe bei der Galvanisierung führten zu hohen Kosten, da man die Kundenaufträge nicht selbst abarbeiten konnte, sondern diese von anderen Unternehmen teuer abwickeln lassen musste. Hier hat man gegengesteuert und investiert kräftig.

Doch seit meinem Einstieg ist einiges passiert und das hat Auswirkungen auf SHW, jedenfalls langfristig. VW ist der größte Kunde von SHW und VW hat enorme Probleme wegen des Abgasskandals. Da SHW Benzinpumpen für Verbrennungsmotoren herstellt, hofft man hier kurzfristig profitieren zu können. Allerdings hat VW (völlig verdient!) nun große Absatzprobleme. Und man krempelt die Neuentwicklung seiner Modelle komplett um, will weg von Diesel und Benzin, hin zu reinen E-Autos. Und dieses Ziel verfolgt nicht nur VW alleine, auch BMW ist hier ganz vorne mit dabei. Anders, als viele dachten, steht der Verbrennungsmotor doch auf der Kippe. Sah es einige Zeit so aus, dass sich E-Autos nicht durchsetzen und die Anbieter auf Hybrid-Technik setzen würden (und hier hätte SHW durch eine höhere Anzahl von Pumpen durchaus profitieren können), wird nun sogar die Bundesregierung Förderprogramme für E-Autos auflegen und die Batteriehersteller überschlagen sich geradezu mit Kapazitätsausweitungen. Des Weiteren gibt es von vielen großen Unternehmen massive Ausbauoffensiven für E-Ladestationen.

Das alles wird nicht morgen das Geschäft von SHW betreffen, aber in einigen Jahren bricht ein erheblicher Teil des Geschäfts weg. Es ist nicht auszuschließen, dass sich SHW neu erfindet und hier gegensteuern kann. Oder sich alleine auf die Bremssparte fokussiert, denn akkurat bremsen müssen auch E-Autos. Meine Investmentprämisse jedenfalls geht so nicht mehr auf und ich nehme die Gewinne mit. Da ich bei €20 eingestiegen bin, bleiben nach weniger als sechs Monaten unter dem Strich knapp 22% an Gewinn übrig. Mit dieser Rendite bin ich sehr zufrieden.

- Triangle Capital
Der sehr teure Handschlag, den der TCAP-CEO zum Abschied seitens der Gesellschaft bekommt, drückt mir mächtig auf die Stimmung. Nicht nur, dass (deshalb) die Bonusdividende gestrichen wird, dieses teure und meiner Ansicht nach völlig unnötige Geschenk wird die Ergebnisse von TCAP belasten, mindestens im ersten Quartal. Ich habe daher nach dem 7. März, dem Ex-Dividendendatum, meine Anteile glattgestellt und warte erst einmal die weitere Entwicklung bei TCAP ab. Diese Dividendenausschüttung habe ich jedenfalls noch mitgenommen...


.: Cashquote
Neben den Käufen bei KKR und Hypoport hat insbesondere die Verdopplung meiner Publity-Position viel Geld verschlungen, das ich nicht ganz durch die üppigen Dividendeneinnahmen und die Verkäufe der Aareal Bank, SHW und Triangle Capital decken konnte. Die Käufe gingen auch zulasten meiner Cash-Quote, die nun bei knapp 12% liegt. Das ist für meinen Geschmack zu niedrig und ich gehe hier ein Risiko ein, denn ich spekuliere darauf, dass sich die Publity-Aktien von dem Kursschock wieder erholen werden und ich einen Teil meines Bestands dann wieder höher veräußern werde. Ob das so aufgeht, wird sich zeigen. Ansonsten muss ich mir Gedanken machen, welche Position(en) ich reduziere, um wieder auf ein ausreichendes Cash-Polster von mindestens 15% zu kommen.

Mittwoch, 16. März 2016

Publity überrascht mit Kapitalerhöhung - eine Kaufgelegenheit?

Kleiner Schock am Nachmittag beim Immobilieninvestor Publity, den ich erst kürzlich vorgestellt hatte. Denn nur einen Tag nach der gestrigen Hauptversammlung gibt das Unternehmen bekannt, von der erst gerade beschlossenen Ermächtigung zur Erhöhung des Kapitals Gebrauch zu machen.
"Der Vorstand der publity AG (Entry Standard, ISIN DE0006972508) hat heute mit Zustimmung des Aufsichtsrats eine Erhöhung des Grundkapitals gegen Bareinlage um bis zu zehn Prozent beschlossen. Im Rahmen einer teilweisen Ausnutzung des auf der Hauptversammlung am 14. März 2016 beschlossenen genehmigten Kapitals 2016 sollen bis zu 550.000 neue nennwertlose Namensaktien mit einem anteiligen Betrag am Grundkapital von je 1,00 Euro je Aktie mit voller Gewinnberechtigung ab dem 1. Januar 2016 ausgegeben werden. Das Grundkapital der publity AG wird durch die Transaktion von 5,5 Mio. Euro auf bis zu 6,05 Mio. Euro erhöht. Das Bezugsrecht der Aktionäre ist ausgeschlossen. Die neuen Aktien werden im Wege einer Privatplatzierung über ein beschleunigtes Bookbuilding-Verfahren ausschließlich institutionellen Investoren in Deutschland und im Ausland (mit Ausnahme der Vereinigten Staaten von Amerika, Kanada, Japan und Australien) zu einem Preis angeboten, der den Börsenkurs der Aktie der publity AG nicht wesentlich unterschreiten wird."
>>> zur Meldung
Der Kurs hat daraufhin ein zweites Mal den Rückwärtsgang eingelegt, denn gestern gab es bereits den Dividendenabschlag von €2,00 je Aktie. Eine Kapitalerhöhung bedeutet immer eine Verwässerung des Anteils der Altaktionäre, denn es gibt nun mehr Aktien, auf die der Unternehmensgewinn verteilt werden muss. Daher sorgen Kapitalerhöhungsankündigungen in der Regel für negative Kurzschlussreaktionen. Doch ein zweiter Blick lohnt durchaus auch hier...

Enormes Wachstum ante portas
Denn Publity hat Großes vor, der aktuelle Immobilienbestand von €1,6 Mrd. soll bis Ende 2017 auf €5 Mrd. verdreifacht werden. Da es zum Geschäftsmodell von Publity gehört, sich bei den für die kapitalgebenden Finanzinvestoren erworbenen Gewerbeimmobilien mit bis zu 3% Eigenanteil zu beteiligen, ist für derart rasantes Wachstum auch das nötige Eigenkapital vonnöten. Und hier hapert es anscheinend, denn Publitys freie Mittel beliefen sich Ende 2015 auf  €20 Mio. - bisher war Großaktionär und CEO Thomas Olek davon ausgegangen, dass bis Ende 2016 dieses Cash-Polster für den Wachstumskurs ausreichen wird. Allerdings hat im letzten halben Jahr Gebote für 780 Objekte abgegeben und die heutige Kapitalmaßnahme legt nahe, dass man hier häufiger den Zuschlag erhalten hat bzw. wird, als bisher angenommen.


 Publity (Quelle: comdirect.de) 
Gut oder schlecht?
Und das ist der entscheidende Punkt für die Einordnung der Kapitalerhöhung: Publity benötigt zusätzliches Kapital, weil man schneller wächst, als bisher angenommen. Bei den vorherigen Transaktionen hielt Publity bzw. die von ihr gemanagten Fonds die Liegenschaften im Schnitt für 16 Monate und erzielten mit den bisher veräußerten 526 Immobilien durchschnittlich 27% Gewinn.

Wenn man sich nun kurzfristig zusätzliches Kapital besorgt, weil man es für lukrative Geschäftsabschlüsse benötigt, dann ist die Kapitalmaßnahme als positiv zu bewerten. Denn sie verspricht weiteres Wachstum und zusätzliche Gewinne. Publity verdient nämlich sowohl beim An- und Verkauf der jeweiligen Immobilien und zwischenzeitlich auch bei der Verwaltung und Bewirtschaftung. Und je mehr "Assets under Management" (AUM) man im Portfolio hat, desto höher sind die Einnahmen aus Provisionen und Gebühren.

Erhöhung des Streubesitzes
Vorstand und Großaktionär Thomas Olek hält bisher 64% der 5,5 Mio im Entry Standard notierten Aktien und hat angekündigt, im Rahmen dieser Kapitalmaßnahme 650.000 davon mit anbieten zu wollen. Doch auch hierbei muss Anlegern nicht bange werden, denn zunächst steht diese Umplatzierung unter dem Vorbehalt, dass es genügend Nachfrage nach Publity-Aktien gibt - die Kapitalerhöhung geht also klar vor. Und dann würde eine volle Zeichnung der Kapitalerhöhung und eine vollständige Umplatzierung bedeuten, dass Oleks Anteil auf unter 50% der Anteile absänke. Ich sehe hierin keine Abkehr des Großaktionärs und "Machers", sondern eine Vergrößerung des Streubesitzes. Und das macht die Aktie für Investoren attraktiver, sie wird an der Börse leichter handelbar und auch institutionelle Anleger, wie Fonds, können nun den Einstieg wagen. Unterm Strich erhält Publity durch diese beiden Kapitalmaßnahmen frisches Geld für Investitionen und macht sich insgesamt attraktiver für Anleger.

Ich habe kürzlich Publity gerade wegen der hervorragenden Geschäftsaussichten auf meine Empfehlungsliste und in mein Depot genommen. Und habe in den kleinen Ausverkauf hinein heute weitere Aktien zugekauft. Publity ist nun deutlich die drittgrößte Position in meinem Depot hinter Aurelius und Blackstone, die sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Spitzenposition liefern.



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Ergänzung vom 17.03.2016, 11:20

Soeben meldete Publity, dass die Kapitalerhöhung erfolgreich durchgeführt wurde. Die 550.000 neuen Aktien wurden zu €36,00 bei institutionellen Anlegern platziert. Der Bruttoemissionserlös für beläuft sich somit auf €19,8 Mio. und das Grundkapital der Gesellschaft erhöht sich nach Eintragung der Kapitalerhöhung in das Handelsregister um 10% auf €6,05 Mio. Die neuen Aktien sind ab dem 1. Januar 2016 gewinnberechtigt.

Darüber hinaus wurden weitere 300.000 Aktien der Publity-Mehrheitsaktionärin Consus GmbH, der Vermögensverwaltungsgesellschaft des Vorstandsvorsitzenden Thomas Olek, an institutionelle Investoren platziert. Der Streubesitz konnte durch die Maßnahme von 38 auf 49% deutlich erhöht werden. Allerdings wurden nicht alle hierzu bereitgestellten Aktien nachgefragt, sondern nur knapp die Hälfte der 650.000 Stücke.

Doch damit sind die Kapitalmaßnahmen nicht nicht abgeschlossen. Publity plant weiterhin, unmittelbar nach Eintragung der Kapitalerhöhung ins Handelsregister, ihre im November 2015 und Dezember 2015 ausgegebene Wandelschuldverschreibung mit einer Laufzeit bis zum November 2020 und einem Zinskupon von 3,5% im maximalen Gesamtnennbetrag von €50 Mio., von der derzeit Schuldverschreibungen im Gesamtnennbetrag von 30 Mio. Euro ausgegeben worden sind, weiter auszuplatzieren. Die weiteren Schuldverschreibungen sollen institutionellen Anlegern im Wege einer Privatplatzierung angeboten werden. Das Bezugsrecht der Aktionäre bleibt ausgeschlossen.

Mit den frischen Mitteln dürfte Publity dem großen Ziel eines Immobilienbestands von €5 Mrd. einen großen Schritt näher gekommen sein, denn man benötigt ja lediglich den eigenen 3-prozentigen Anteil an der Gesamtsumme.

>>> zur Meldung

Western Digital: Aktionäre stimmen für SanDisk-Übernahme

Der Festplattengigant Western Digital ist seinem Ziel, den Flash-Speicher-Hersteller SanDisk für $19 Mrd. zu übernehmen, einen entscheidenden Schritt näher gekommen. Mit mehr als 90% Zustimmung votierten die WDC-Aktionäre für die Übernahme, während die SanDisk-Aktionäre sogar mit 98% die Pläne annahmen.

Nachdem bereits mehrere kartellrechtliche Genehmigungen vorliegen (so die der US- und EU-Behörden, aber auch der von Singapur, Japan, Taiwan, Süd Korea, der Türkei und Südafrika; es fehlt allerdings noch China) kann die Fusion nun vollzogen und im Verlauf des zweiten Quartals abgeschlossen werden. Sofern Western Digital die Finanzierung stemmen kann. Hier ist das Unternehmen noch auf der Suche, um die gut $18 Mrd. an neuen Krediten aufzutreiben.

Um die Übernahme stemmen zu können, hatte Western Digital bereits im Vorfeld sein Aktienrückkaufprogramm ausgesetzt und die Quartalsdividende auf absehbare Zeit auf $0,50 je Aktie eingefroren. Die mit der Übernahme verbundenen jährlichen Kosteneinsparungen sollen sich auf $500 Mio. belaufen und bereits innerhalb der nächsten 18 Monaten realisiert werden können.

 Western Digital (Quelle: comdirect.de) 
Western Digital möchte sich mit der SanDisk-Übernahme im Bereich der Flash-Speicher besser positionieren, die die herkömmlichen Festplatten mehr und mehr ablösen. Ob die Übernahme den gewünschten Erfolg bringt, bleibt abzuwarten. Beide Unternehmen standen zuletzt wegen der schwachen PC-Verkäufe und damit einhergehenden geringeren Verkäufen ihrer eigenen Hardwarekomponenten stark unter Druck.

Western Digital befindet sich auf meiner Empfehlungsliste. Bei Kursen von knapp über €41 ist bereits eine Menge an negativen Befürchtungen eingepreist und ich denke, der Aktienkurs birgt eher positives Überraschungspotenzial. Zumal die kürzlich genehmigte vollständige Integration des Festplattengeschäfts von Hitachi ein jährliches Einsparpotenzial von $300 Mio. bergen und das Joint-Venture zwischen SanDisk und Toshiba über die gemeinsame Entwicklung und Fertigung von NAND-Flash-Speicher werde fortgeführt werden soll. Die Dividendenrendite von knapp 4,5% sichert den Kurs zusätzlich nach unten ab.

Dienstag, 15. März 2016

Sixt bleibt weiter auf der Überholspur

Der innovative Autovermieter Sixt lässt es weiterhin mächtig krachen und Anlegerherzen höher schlagen. Die für das Geschäftsjahr 2015 vorgelegten Zahlen sind beeindruckend und erzielen neue Rekordwerte bei Umsatz und Ergebnis.

Die Zahlen
So wuchs der operative Konzernumsatz um 17,9% auf €1,94 Mrd., getrieben durch ein dynamisches Auslandswachstum und weitere Zuwächse im Inland. Wachstumstreiber war hierbei der Geschäftsbereich Autovermietung und hier insbesondere die voranschreitende Expansion in Westeuropa und den USA. Der Auslandsanteil an den Vermietungserlösen erreicht 49%, wobei die USA zum größten Auslandsmarkt aufgestiegen sind.

Das Konzernergebnis vor Steuern (EBT) stieg um 18,0% auf den Spitzenwert von €185,2 Mio. Das Konzernergebnis nach Steuern legte um 16,5% auf €128,2 Mio. zu, wobei hierin die Einmalkosten für den erfolgreichen Börsengang der gerade in den SDAX aufgenommenen Tochter Sixt Leasing AG enthalten sind.

Dividendenanhebung und Sonderdividende
Auch 2015 möchte der Mobilitätsspezialist seine Anleger am Erfolg teilhaben lassen und schlägt eine satte Dividendenerhöhung vor. Je Stammaktie soll eine Dividende von €0,90 Euro (Vorjahr: €0,80) ausgekehrt werden und je Vorzugsaktie von €0,92 (Vorjahr: €0,82). Hinzu kommen zusätzlich jeweils eine ebenfalls erhöhte Sonderdividende von €0,60 (Vorjahr: € 0,40). Damit errechnet sich eine Gesamtausschüttung von €1,50 pro Stammaktie und €1,52 pro Vorzugsaktie. Somit ergibt sich je Stammaktie eine Dividendenrendite von 3,2% und je Vorzugsaktie von 4,2%.

 Sixt SE Vz. (Quelle: comdirect.de) 
Aktienrückkauf rollt an
Neben den tollen Zahlen und der Dividendenanhebung wird Sixt auch eigene Aktien zurückkaufen. So sollen Aktien bis zu einem Gegenwert von bis zu €50 Mio. erworben werden, wobei sich die Aufteilung nach Stamm- und Vorzugsaktien nach der jeweiligen Verfügbarkeit der Aktien an der Börse richten wird. Bei Zugrundelegung des jeweiligen Schlusskurses der Stamm- bzw. Vorzugsaktien im Xetra-Handel vom 14. März 2016 sowie einem unterstellten Rückerwerb von Stamm- und Vorzugsaktien im Verhältnis der durchschnittlichen Handelsvolumina der beiden Aktiengattungen im Xetra-Handel in den vorangegangenen drei Monaten entspräche das geplante Rückkaufvolumen von €50 Mio. einem Rückerwerb von insgesamt rund 1,2 Mio. Aktien, davon rund 700.000 Stammaktien und rund 500.000 Vorzugsaktien. Dies entspräche rund 2,5% des Grundkapitals der Sixt SE.

Fazit
Seit einiger Zeit habe ich die Vorzugsaktien von Sixt auf meiner Empfehlungsliste und den Wert in meinem Depot. Ich halte Sixt für den innovativsten Autovermieter, der sowohl die Kosten im Griff hat als auch die sich bietenden Marktchancen nutzt. Die Expansion in die USA, den größten Autovermietmarkt der Welt, geht Sixt stringent an und setzt sich nicht der Rabattschlacht mit den übrigen Anbietern aus, sondern setzt auf hochpreisige, serviceorientierte Angebote an ausgesuchten hoch frequentierten Standorten, bevorzugt an Flughäfen. Diese Strategie zahlt sich aus und Sixt gehört in jedes langfristig orientierte Investmentportfolio. Auch und wegen der attraktiven Dividendenausschüttungen.

Montag, 14. März 2016

Kann Blackstone den nächsten Milliarden-Deal dingfest machen - mit Hotels?

Der US-amerikanische Finanzinvestor Blackstone Group L.P. ist immer wieder für Überraschungen gut, meistens für positive. Dieses mal geht es um den Hotel-Sektor, wo man sich erst vor wenigen Monaten für $6 Mrd. die Strategic Hotels & Resorts Inc. einverleibt hatte. Und bereits heute trennt man sich wieder von diesem Investment und das für $6,5 Mrd. Käufer ist der chinesische Versicherungskonzern Anbang Insurance Group. Anbang scheint bei Hotels in den USA das große Rad drehen zu wollen, denn auch Starwood Hotels and Resorts Worldwide hat eine unverbindliche Übernahmeofferte über $12,84 Mrd. von Anbang auf dem Tisch. Bisher hatte man eine Fusionsofferte von Marriott-Hotels vorliegen, die nun durch Anbang überboten wurde. Starwood-Aktien machten einen Freudensprung denn es besteht noch Hoffnung, dass Marriott seine Offerte nachbessert.

Bis der Deal abgewickelt und das Geld an Blackstone geflossen ist, gehen also noch mindestens drei Monate ins Land. Doch unter dem Strich hat Blackstone dann innerhalb eines halben Jahres mindestens $500 Mio. verdient oder 8,33 Prozent, was einer Jahresrendite auf das Investment von 16,67 Prozent entspricht. In einem Sektor, den US-REITS, der zuletzt unter Druck standen.

Der Gewinn dürfte also im zweiten Quartal 2016 anfallen und sich hier positiv auf die ausschüttungsfähigen Gewinne auswirken, die die üppigen Quartalsdividenden von Blackstone speisen - dieser Deal dürfte also in der Juli-Dividende an die Aktionäre fließen, denn Blackstone schüttet traditionell fast seine gesamten ausschüttungsfähigen Gewinne aus. Die letzte Ausschüttung erfolgte im Februar und betrug $0,61 je Aktie, was auf das Jahr hochgerechnet bei einem Aktienkurs von €24,50 eine stolze Dividendenrendite von 9 Prozent ergäbe.

 Blackstone Group L.P. (Quelle: comdirect.de) 
Blackstone ist mein Top-Pick im Bereich der Finanzinvestoren und seit längerem auf meiner Empfehlungsliste und als zweitgrößte Position ein Ankerinvestment in meinem Portfolio. Für mich bleibt Blackstone aufgrund seiner enormen Finanzkraft, seiner mehr als $80 Mrd. an "Dry Power" und seiner breiten Diversifikation in Immobilien, Unternehmensbeteiligungen und alternative Assets weiterhin sehr aussichtsreich, insbesondere weil das Unternehmen antizyklisch in die Bereich investieren kann, wo die Preise am Boden liegen. Wie im Öl- und Gassektor, wo man auf $18 Mrd. sitzt, die investiert werden wollen in die zunehmende Pleitewelle des Sektors hinein.

Bei Blackstone ist immer die richtige Zeit zum Säen. Und zum Ernten.

Börsenweisheit der Woche 11/2016

"Denke nicht in Kursbewegungen, denke in Geschäftsergebnissen".
(Warren Buffett)

Mittwoch, 9. März 2016

Was ist... der Zinseszinseffekt?

Der Zinseszinseffekt besteht darin, dass Zinsen, die aufgrund einer verzinslichen Kapitalanlage am Ende eines bestimmten Zeitraums gutgeschrieben werden, ab Beginn der darauffolgenden Periode die Einlage erhöhen und sich somit in der Zukunft selbst verzinsen.

Beim Investieren wirkt das Prinzip des Zinseszinses in einer ähnlichen Art und Weise. Die von einem Investor erworbenen Vermögensgegenstände generieren Gewinne, werden reinvestiert und produzieren zukünftig mehr Gewinn. Und je mehr Zeit man dem Zinseszinseffekt gibt, desto gewaltiger wird seine Kraftentfaltung.


»Der Zinseszinseffekt ist das achte Weltwunder. Wer ihn versteht, verdient daran, alle anderen bezahlen ihn.«
(Albert Einstein)


Dabei bestehen für den Investor zwei Möglichkeiten. Er kann die Barmittel, die ihm aus Zins- oder Dividendenzahlungen zufließen erneut anlegen oder in Unternehmen investieren, die ihre Gewinne einbehalten und profitabel reinvestieren (thesaurieren).

Ausschüttung von Erträgen
Die Ausschüttung z.B. in Form von Dividenden stellt den Anleger vor zwei Probleme. Denn einerseits wird seine Rendite durch Steuern geschmälert und er muss für den ihm verbleibenden Teil eine neue Investitionsmöglichkeit suchen.

Thesaurierung von Gewinnen
Value Investoren suchen daher bevorzugt nach Unternehmen, die einen erheblichen Teil ihrer Gewinne einbehalten und über möglichst lange Zeiträume profitabel reinvestieren können. Auf lange Sicht hat der Zinseszins die Eigenschaft, Kapital exponentiell anwachsen zu lassen.

Warren Buffett hat diesen Effekt wie kein zweiter ausgenutzt, indem er den Buchwert je Berkshire Hathaway Aktie von 19 Dollar im Jahr 1965 auf über 220.000 Dollar im Jahr 2015 mit einer durchschnittlichen jährlichen Rate von knapp 20 Prozent gesteigert hat.

Montag, 7. März 2016

Börsenweisheit der Woche 10/2016

"Ich habe nicht genug Gefühl dafür, wann ich Bargeld anlegen soll, deshalb ist unser gesamtes Vermögen immer in Aktien angelegt."
(Philip Carret)

Sonntag, 6. März 2016

Lies Geschäftsberichte, ignoriere Quartalsergebnisse

Es ist Berichtssaison und die Wall Street wird heftig durchgeschüttelt, weil etliche Unternehmen mit ihren Quartalsergebnissen die Erwartungen des Marktes und/oder der Analysten nicht ganz erreichen bzw. teilweise auch recht deutlich verfehlen. Das muss ein schlechtes Zeichen sein, sollte man meinen, und doch sollten gerade langfristig orientierte Value-Anleger sich der Worte Warren Buffetts erinnern und genauer hinsehen.

»Solange unsere Investments in jedem Jahr 15 Prozent zulegen, mache ich mir um Quartalszahlen keine Sorgen.«
(Warren Buffett)

Damit meint das "Orakel von Omaha", dass Quartale zu enge Zeitspannen sind, um die Entwicklung eines Unternehmens exakt zu planen und zu bewerten. Liegen ein paar Feiertage mehr auf Wochentagen in dem Quartal oder verschiebt sich ein größerer Zahlungseingang um wenige Tage, kann dies das Quartalsergebnis beeinflussen, ohne dass es für das Jahresergebnis wirklich Relevanz hätte. Deshalb liest Warren Buffett keine Quartalsberichte, er schwört auf den Geschäftsbericht und den darin mit enthaltenen Lagebericht des Vorstands. Und er geht sogar noch weiter, indem er Anlegern rät, nicht nur auf ein Jahr zu schauen, sondern sich mindestens vier, fünf Jahre vorzunehmen, um ein Gespür für das Unternehmen und seine Geschäfte zu bekommen.

»Nimm eine Jahresbilanz nicht zu ernst. Schau lieber, was über einen Zeitraum von vier bis fünf Jahre geschieht.«
(Warren Buffett)

Kurseinbrüche nach (schlechten) Quartalsergebnissen sind Kaufgelegenheiten
Die Konsequenz aus diesem Denkansatz ist, dass Kurseinbrüche nach (schlechten) Quartalsergebnissen Kaufgelegenheiten generieren. Denn hat man sich ein Unternehmen ausgesucht, von dessen langfristiger Perspektive man überzeugt ist, dass nachhaltig seine Umsätze und Gewinne steigert und vielleicht noch regelmäßig die Dividende anhebt, dann sollte man genau(er) hinsehen. Ist das schlechte Quartalsergebnis durch ein strukturelles Problem entstanden, sind also große Kunden abgesprungen, die Produkte mangelhaft oder das Management unglaubwürdig geworden, dann kann ein schlechtes Quartalsergebnis der Auftakt zu einer anhaltenden Schwächephase des Unternehmens und des Aktienkurses sein. Wenn aber sich die Kunden "nur" zurückhalten, weil demnächst die Einführung neuer Produkte ansteht, oder weil sich gesetzliche Regelungen sich zu einem bestimmten Zeitpunkt ändern, dann stellt sich ein Kursrutsch oftmals als Übertreibung und folglich als Kaufgelegenheit für beherzte Investoren dar. Allerdings sollte man nicht in jeden Kursrutsch hinein die Aktien kaufen, sondern genau die Unternehmen, die man sowieso auf der Watchlist hatte.

»Große Anlagemöglichkeiten kommen immer dann, wenn hervorragende Unternehmen vorübergehend in schwieriges Fahrwasser geraten und deshalb unterbewertet werden.«
(Waren Buffett)

Freitag, 4. März 2016

Investor-Update: Berentzen, Gladstone Capital, Publity, Wirecard

Im Investor-Update notiere ich in unregelmäßigen Abständen aktuelle Einschätzungen zu Unternehmen meiner Empfehlungsliste und wie sich diese ggf. auf mein Investment-Portfolio ausgewirkt haben. Darüber hinaus auch zu Unternehmen, die ich noch nicht hier im Blog vorgestellt habe, die sich jedoch in meinem Depot befinden.

DAX Richtung 10.000, Dow über 17.000 Punkten
Trotz weiterhin starker Schwankungen der Börsenkurse steigen die Aktienmärkte weiter an. Die ganz große Panik ist ausgeblieben und dass die Börsen nicht mehr ausschließlich auf jedes negative Detail starren, führt dazu, dass viele Leute, die auf hohen Cash-Reserven sitzen, zunehmend nervös werden und zu nun höheren Kursen in den Markt zurückdrängen. Alternativen zu Aktien finden sich nach wie vor nicht und so streben die Kurse wieder gen Norden. Auch wenn die Risiken ja nicht verschwunden sind, sie werden nur halt nicht mehr ganz so einseitig man Markt übergewichtet.

 Quelle: CNN Money - Fear and Greed Index 
Fear-and-Greed-Index deutlich positiv
Das zeigt sich auch Angst-und-Gier-Index, der mit 71 Punkten inzwischen im völlig entspannten Terrain liegt. Die Angst, die noch vor drei Wochen alles bestimmte, scheint hinweggefegt und nachdem sogar Crash-Prophet und Dauer-Pessimist Marc Faber neulich eine Rallye voraussagte, werden wieder andere Faktoren wichtiger: Konjunkturdaten, Unternehmenszahlen.

Die meisten Unternehmen haben inzwischen ihre Zahlen präsentiert und bei vielen ist es nicht so schlimm gekommen, wie inzwischen erwartet wurde. Die Unternehmen passen sich an den stärkeren Dollar und den konjunkturellen Gegenwind an und die Anleger preisen die neuen Erkenntnisse und Erwartungen in die Aktienkurse ein. Es gibt jetzt kaum noch Aktien zu Tiefstkursen, die meisten haben sich schon um einiges erholt. Aber man findet noch immer gute Gelegenheiten - und wenn Aktien noch immer am Boden liegen, dann hat das meistens eine Grund. Wie bei Hugo Boss, die ich nicht kaufen würde, weil die Strategie nicht schlüssig ist. Oder Berentzen, wo der Ausstieg des Großaktionärs den Kurs zweistellig ins Minus geritten hat. Und die ich deshalb gekauft habe.


+ Berentzen
Der Spirituosenhersteller Berentzen war mal in aller Munde, sprichwörtlich. Doch die kleinen Liköre und die Kornverschnitte waren seit den 1980er Jahren out und der Absatz ging immer mehr zurück. Dazu gesellte sich eine zerstrittene Eigentümerfamilie und so stieg 2006 schließlich der Finanzinvestor Aurelius ein und sorgte für klare Verhältnisse. Und es folgte ein echter Dornenweg, Berentzen brauchte lange, um gesund zu schrumpfen und mit neuer Strategie wieder erfolgreich und profitabel zu werden. Noch immer hat man den Apfelkorn im Angebot, für den Berentzen mal so berühmt war (das ist mein Lieblingsschnaps und ich kann nur hoffen, dass meine Freundin das hier nicht liest, sonst verspottet sie mich wieder für meinen "fiesen 80er-Geschmack")... Inzwischen setzt Berentzen verstärkt auf nicht-alkoholische Getränke und ist dabei sehr erfolgreich.

Dass Aurelius seinen Mehrheitsanteil versilbern möchte, war schon einige Zeit ein offenes Geheimnis. Immerhin hatte man zu diesem Zweck die Stamm- und Vorzugsaktien zusammengelegt, so dass Aurelius hiernach auf 51,04 Prozent Anteil kam. Nun hat man diese in einem beschleunigten Bookbuildingverfahren institutionellen Investoren angeboten und auf diese Weise innerhalb weniger Stunden 21,88 Prozent an den Mann gebracht.

Der Aktienkurs stürzte bereits bei der Ankündigung des Verkaufs zweistellig ab und bei knapp €6 habe ich mir eine kleine Position ins Depot gelegt. Denn Berentzen hat sich einem zusätzlichen Geschäftsfeld zugewandt, dem frisch gepressten Orangensaft. Und zwar hat man für rund €17 Mio. den österreichischen Maschinenbauer Technic-Marketing-Products übernommen, der unter der Marke Citrocasa sogenannte Frischsaftsysteme herstellt, also beispielsweise Orangenpressen, die mittlerweile vielfach in den Obst- und Gemüseabteilungen von Supermärkten zu finden sind. Und zunehmend auch in der Gastronomie. Dieser Markt bietet ein enormes Potenzial und ein wachstumsstarkes und profitables zweites Standbein. Und das sind die Gründe, weshalb ich diesen Kurssturz zum Einstieg genutzt habe.

- Gladstone Capital
Der Kursanstieg bei Gladstone Capital freut mich sehr, meine Spekulation geht voll auf. Die Aktienrückkäufe und das besser als erwartet ausgefallene Ergebnis tragen maßgeblich dazu bei, dass der deutliche Abschlag zum NAV um einiges abgebaut wurde. Auf der anderen Seite verringert sich so auch das Chance-Risiko-Verhältnis negativ und ich habe daher einen weiteren Teilverkauf meiner Gladstone-Aktien vorgenommen, die nun die viertgrößte Position in meinem Depot ist. Noch immer verbleibt ein signifikanter Abschlag zu NAV und auch die anhaltenden Aktienrückkäufe bieten eine gute Kursabsicherung nach unten. Die monatliche üppige Dividendenzahlung ist ein weiteres Argument, hier engagiert zu bleiben.

+ Publity
Meine Einstiegsgründe hatte ich ja in dieser Woche darlegt, aber ich möchte mal überschlägig noch ein paar Zahlen in den Raum werfen.

Publity verwaltet inzwischen ein Immobilienportfolio von rund €1,6 Mrd., davon wurden in 2015 alleine €1,1 Mrd. zugekauft. Bis 2018 soll dieses Volumen auf €5 Mrd. anwachsen.

Publity erhält beim Kauf eine "Finders Fee" in Höhe von 1 Prozent der Kaufsumme, bei noch zu erwerbenden €3,4 Mrd. also €34 Mio. Im Anschluss verwaltet Publity das Portfolio und kassiert dafür eine jährliche Verwaltergebühr von 0,5%, also €25 Mio. p.a. Beim Weiterverkauf, der zumeist an Finanzinvestoren erfolgt,übernehmen die oft Publity als Verwalter, so dass die 0,5% auch nach einem Exit ggf. weiterfließen und die Zahlen noch nach oben aufpolstern.

Bisher verkaufte Publity die Liegenschaften nach durchschnittlichen 16 Monaten Haltedauer mit einem durchschnittlichen Gewinn von 27 Prozent. Bei den Objekten ist man jeweils mit rund 3 Prozent Eigeninvestment dabei, partizipiert also auch direkt an Verkaufsgewinnen. Bei einem Komplettverkauf des 5-Milliarden-Portfolios stünden hier also 3 Prozent von €1,35 Mrd. (entspricht 27 Prozent Gewinnzuwachs) im Raum, also weitere €40,5 Mio.

Zum Vergleich: Bei einem Aktienkurs von €39 wird Publity aktuell mit €217 Mio. an der Börse bewertet.

Diese grob vereinfachte Daumenrechnung zeigt überschlägig, welches Potenzial in Publity schlummert. Am 15. März gibt es erst einmal eine satte Dividendenausschüttung von €2 je Aktie und damit knapp über 5 Prozent Dividendenrendite. Und da viele der Deals erst am Jahresende 2015 eingetütet wurden, trudeln die hierfür angefallenen Finders Fees erst in den ersten Monaten dieses Jahres ein und pushen die 2016er GuV und das EPS. Ein Teil des diesjährigen Jahresgewinns ist also bereits verdient!

Ich habe daher bei Publity weiter zugekauft und meine Position deutlich erhöht. Sie macht inzwischen 9 Prozent meines Depots aus und stellt jetzt nach Aurelius und Blackstone die drittgrößte Position dar.

- Wirecard
Bei knapp über €39 habe ich meine restlichen Wirecard-Aktien mit einem prozentual deutlich zweistelligen Gewinn verkauft. Ich hätte die Position auch im Depot behalten können, aber ich habe mich dafür entschieden, dieses Geld lieber in Berentzen zu investieren und die Aufstockung meines Publity-Bestands. Die Wirrungen um die Short-Attacke dürften jedenfalls als Besonderheit in die Börsengeschichte eingehen und ich bin gespannt, ob sich die ganze Sache jemals restlos aufklären lassen wird.


.: Cashquote
Die Käufe haben Geld gekostet, doch der gewinnträchtige Verkaufserlös bei Wirecard hat dafür gesorgt, dass meine Cashquote nicht allzu sehr angegriffen wurde. Sie liegt nun bei knapp unter 15 Prozent und ich möchte sie auch nicht weiter absenken. Die Volatilität an den Börsen dürfte noch einige Zeit anhalten und es gibt immer wieder tolle Kaufgelegenheiten. Auch bei Evonik hat mich der Kursabsturz um knapp 12 Prozent durchaus gereizt...

Andere Ansichten zu Steicos starker Margenverbesserung

Euro am Sonntag hat sich unter dem Titel "Holz vor der Hütt'n" den Weltmarktführer bei Holzfaser-Dämmmaterialien, die deutsche Steico SE, vorgenommen. In den acht Jahren seit dem Börsengang habe sich das Unternehmen zum kompletten Systemanbieter für alle tragenden und dämmenden Gebäudeteile entwickelt und den Umsatz von €97 auf €189 knapp verdoppeln können. Auch der operative Gewinn habe in dieser Zeit Schritt halten können und sei um mehr als 80% auf €12,2 Mio gestiegen. Die sich immer weiter verschärfenden Umweltauflagen würden Steico in die Karten spielen und so plane das Unternehmen mit einem Umsatzplus von 10% und einer deutlichen Margenausweitung

Holzfasern als Dämmstoff würden die Gesamtkosten eines Einfamilienhauses um 10 bis 15% erhöhen, und komme daher seltener zum Einsatz. Doch dank besserer Umweltverträglichkeit und weiterer bautechnischer Vorteile habe die Faser eine lukrative Marktnische erobert und sich inzwischen einen Marktanteil von 5% erobert, einem Umsatzvolumen von etwa €425 Mio. Hier sei Steico der größte Anbieter und müsse den Preiskampf mit Wettbewerbern nicht fürchten, weil man frühzeitig auch auf andere Holzprodukte gesetzt habe, die höheren Margen und weniger Wettbewerbsdruck aufzuweisen hätten.

Insbesondere bei Holz-Stegträgern würde Steico gutes Geld verdienen und habe seine Fertigungstiefe durch die Investition in neue Maschinen noch erhöht. So würden nun de Furnierbeschichtungen nicht mehr teuer zugekauft, sondern in Eigenregie hergestellt. Die Einsparungen können sich sehen lassen, denn sie dürften rund €4 Mio. betragen und fast eins zu eins auf das operative Ergebnis durchschlagen. Und da die Kapazität so nur Hälfte ausgelastet sei, wolle man hier noch zusätzliche Marktsegmente erschließen. Die Stegträger hätten im letzten Jahr ein Absatzplus von 27% erreicht und stünden inzwischen für rund 16% des Umsatzes. Trotz der hohen Investitionen betrüge die Eigenkapitalquote überaus solide 50%, was nicht zuletzt den Gründer und Vorstandsvorsitzenden Udo Schramek freue, knapp 67% der Aktien halte.

Angesichts eines erwarteten zweistelligen Umsatz und Ergebniswachstums für 2016 sei diese grüne Aktie günstig bewertet.

Steico befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.

US-Versicherer Genworth Financial: Bargain oder Value Trap?

Genwort Financial Inc. (NYSE: GNW) ist ein amerikanischer Versicherungskonzern und ich weise seit Jahren auf die verzwickte Lage der Versicherungen hin, die einerseits wegen der Niedrigzinsen kaum noch Erträge erwirtschaften, andererseits aber hohe Garantien an ihre Kunden leisten müssen, insbesondere aus Altverträgen bei der Lebensversicherung. Im August 2013 warnte ich "Niedrigzinsniveau gefährdet Lebensversicherer", im Dezember 2014 "Versicherungsaktien: Renditen runter, Risiko rauf" und im Juni 2015 warf ich die Frage auf "Droht Lebensversicherern schon bald die Pleite?". Und das zunehmend kritischer werdende Umfeld bestätigt mich in meinen Befürchtungen zusehends.

Und nun habe ich US-Unternehmen gekauft, das genau in diesem "Horrorszenario" gefangen ist und massiv darunter leidet. Und eben weil es leidet und bereits extrem gelitten hat, habe ich es gekauft. Klingt schizophren, ist aber eigentlich reine Investment-Logik. Denn alle Anlagen weisen Chancen und Risiken auf und als Investor muss man diese gegeneinander abwäge, um zu einem Chance-Risiko-Verhältnis zu kommen. Und an dieses hängt man ein Preisschild, also den Aktienkurs, den man bereit ist, hierfür zu bezahlen. Das Preisschild vergleicht man mit dem aktuellen Aktienkurs und so weiß man, ob man kaufen, halten oder verkaufen sollte, ob man mit einer Sicherheitsmarge operiert und unter dem Fairen Wert kaufen kann oder ob der Kurs die potenziellen Chancen schon zu stark eingepreist hat und man lieber die Finger von dem Investment lassen sollte.

Über Genworth Financial bin ich gestolpert, als ich mich im Bereich der BDCs (Business Development Companies) umgesehen habe. Mein Interesse wurde durch den Namen geweckt, doch als ich sah, dass es sich um eine Versicherung handelt, wollte ich direkt weiterziehen. Allerdings sah der Chart dermaßen mitgenommen aus, dass ich einen längeren Blick riskiert habe. Und je mehr ich las, desto schlimmer wurde es. Und umso interessanter...

 Genworth Financial Inc. (Quelle: comdirect.de) 
Genworth Financial war früher eine Sparte des Industriegiganten General Electric und dieser besinnt sich seit vielen Jahren auf sein Kerngeschäft Industrie und stößt seine Randbeteiligungen im Bereich der Finanzen und Versicherungen ab. GNW kam 2004 im Zuge dieser Neuausrichtung als Spin-off an die Börse und betreibt eine Vielzahl von Versicherungsaktivitäten, von Immobilienversicherungen in den USA und Kanada, Kranken- und Pflegeversicherungen, Lebensversicherungen und Annuitätendarlehen. Und es war bisher eine wechselvolle Börsengeschichte, denn nach dem Start zu rund $20 ging es bis Mitte 2007 auf $37 hinauf, bevor die Finanzkrise den Aktienkurs auf Talfahrt schickte. 2008 und nochmals 2009 gab es ein Doppeltief bei knapp unter $1, doch schon 2010 gab es einen Angriff auf die Marke von $20, bis der starke Börseneinbruch 2011 erneut für Tränen sorgte. 2011 und 2012 lagen die Tiefstkurse bei $5 und im Sommer 2014 hatte sich der Kurs wieder an die $18 herangekämpft, von wo aus er in mehreren Etappen bis auf $1,60 abstürzte. Natürlich gab es immer Gründe für den Aufstieg und für den Kursverfall, doch eines ist klar: die Aktie  ist sehr volatil, eine Schwankungsbreite von $0,80 bis $37 ist ja nicht der Normalfall. Und dabei muss man berücksichtigen, dass GNW nach US-amerikanischer Definition ein Penny-Stock ist, also eine Aktie, die unter $5 notiert. Dabei ist GNW keine kleine Klitsche, sondern ein Fortune 500-Unternehmen, das auch bei einem Kurs von $2 noch immer eine Börsenkapitalisierung von $1 Mrd. aufweist, also mittleres MDAX-Niveau und auf Augenhöhe mit Jungheinrich. Zum Höchstkurs von $38 läge man mit dann $16 Mrd. Börsenkapitalisierung auf dem Niveau von Henkel.

Aber der Kurs alleine sagt ja nichts darüber aus, ob eine Aktie kaufenswert ist. Wir halten fest, GNW notiert nahe am historischen Tiefststand und wir schauen lieber mal auf die Gründe für den Absturz, denn auch ein "günstiger" Börsenkurs von $2 bietet immer noch ein Abwärtspotenzial von 100%, wenn man seine Hausaufgaben nicht macht, wie Peter Lynch es einmal ausdrückte.


 Genwirth Financial Inc. (Quelle: comdirect.de) 
Die Risiken
Genworth hat ernste Probleme. Insbesondere läuft es im Lebensversicherungsbereich nicht rund, man hat die selben Probleme wie alle anderen Assekuranzen auch. Die Versicherten werden immer älter und das kostet viel mehr, als man einmal kalkuliert hatte. Und auf der anderen Seite steht der Versicherung zwar aufgrund der Beitragszahlungen ein starker Cash-Zufluss zur Verfügung, wegen der niedrigen Zinsen erwirtschaftet sie aber immer weniger mit diesen Mitteln, was die Renditen für die Versicherten schmälert und auch die Einnahmen für die Versicherung selbst. Sie hat also Probleme, in dieser Sparte ihre Kosten einzuspielen. Anfang Februar entschied man sich daher, bis auf weiteres den Vertrieb von Lebensversicherungen auszusetzen und auch langlaufende Annuitätenprodukte mit fester Zinsbindung. Die Aussicht auf wenig(er) Neugeschäft trieb den Aktienkurs deutlich zweistellig ins Minus und das war dann die Basis für meinen Einstieg. Denn diese Entscheidung ist nur konsequent, wenn man mit einem Produkt nichts verdient, sondern sogar noch Verluste macht (Genworth musste die letzten beiden Jahre größere Abschreibungen auf seinen Versicherungsbestand vornehmen bzw. die Erwartungen und Belastungen aus diesen Verpflichtungen, was den Jahresüberschuss ins Minus drückte), dann muss man eben auf Neugeschäft verzichten, bis man wieder eine auskömmliche Marge erwirtschaften kann.


"Wenn man für jeden ausgegebenen Dollar nur 90 Cents einnimmt, ist Wachstum keine Lösung."

Eine weiteres Problem ergibt sich bei den Long-Term-Cares (LTCs), denn Genworth hatte hier schlicht falsch gerechnet und es hat eine ganze Zeit gedauert, bis man den fehlerhaften Kalkulationen auf die Schliche gekommen ist. Eine deutliche Rückstellung für Unterdeckungen war die Folge und nun hat man neue Berechnungen angestellt und macht nur noch auf dieser Basis Neugeschäft. Nicht ganz unkritisch ist die Lage bei bereits bestehenden Verträgen, denn hier versucht Genworth nun deutlich höhere Prämien durchzusetzen, was bei den Versicherten nicht gut ankommt. Dennoch ist auch dies der richtige Schritt, eine Versicherung ist keine Wohlfahrtsveranstaltung, sondern ein Business, das mindestens auskömmlich sein muss.

Die Chancen
Genworth Financial hat seine Kernprobleme erkannt und behebt sie. Und das in einem nach wie vor herausfordernden Umfeld. Was uns zu den Chancen führt. Denn die beiden Verlustjahre resultieren aus Einmaleffekten, aus Rückstellungen und Abschreibungen. Diese sollten nicht zum Dauerzustand werden, denn Genworth hat ja gegengesteuert. Operativ verdient man immer noch Geld und dank der Prämienanhebungen wird das künftig wieder deutlich mehr werden. Die großen Belastungen waren Einmaleffekte und Genworth denkt darüber nach, seine Lebensversicherungssparte abzuspalten und gesondert an die Börse zu bringen. Das dürfte für beide Teile erfolgversprechend sein.

Gesenkte Kreditwürdigkeit
Als Versicherungskonzern hat Genwort Financial mit einer Reihe von Problemen zu kämpfen. Aufgrund der beiden Verlustjahre wurde die Kreditwürdigkeit zuletzt heruntergestuft. Auch dies hat zum Kursabsturz geführt. Da die zugrundeliegenden Probleme jedoch konsequent angegangen wurden und werden und sich hier schnell Besserungen einstellen sollten, betrachte ich die verringerte Bonität eher als Chance. Sicher, die Refinanzierung kostet Genworth zunächst einmal mehr Geld, aber dieser Effekt wirkt bei einer weiter Anhebung der Bonität eben auch andersherum.

Betrachtet man diese Fakten und Annahmen und stellt sie ins Verhältnis zum Aktienkurs, dann liegt einem mit Genworth Financial ein echtes Schnäppchen zu Füßen. Denn der Kursabsturz auf unter $2 ist eine maßlose Übertreibung, Genworth steht nicht wie auf dem Hochpunkt der Finanzkrise vor dem unmittelbaren Zusammenbruch, sondern hat lösbare Probleme vor der Brust. Zusätzlich war der extreme Absturz natürlich auch der Ausverkaufsstimmung an den Börsen geschuldet, die von Januar bis Mitte Februar vorherrschte, hier kamen mehrere Faktoren zusammen.


"Preis ist was du bezahlst, Wert ist, was du bekommst."


Ich hatte mich deshalb Anfang letzter Woche zu €1,72 mit Aktien eingedeckt, weil ich glaube, dass Genworth Financial das Potenzial hat, seinen Aktienkurs zu vervielfachen. Die Probleme werden angegangen und somit werden die operativen Geschäftserfolge wieder mehr in den Fokus drängen, auch gerade bei den Anlegern. Und der ausgebombte Aktienkurs wird sich in der Folge wieder erholen. Die in den letzten Tagen bereits erfolgte starke Kurserholung ist meines Erachtens nur der Anfang auf dem Weg hin zu wieder zweistelligen Kursen. Wie lange Genworth Financial braucht, um wieder dorthin zu kommen, kann ich nicht abschätzen. Das ist für mich auch nicht wichtig. Entscheidend ist, dass ich davon überzeugt bin auf Grundlage der jetzigen Rahmenbedingungen und der Maßnahmen, die das Management in Angriff nimmt. Und unter dieser Prämisse ist es auch nicht wichtig, ob man bei €1,70 oder €2,50 einsteigt, man erhält für diesen Preis signifikant höheren Wert. Auf der anderen Seite ist das Abwärtsrisiko eher gering, denn die Ballung vieler negativer Faktoren hatte ja gerade zu dem massiven Kursabsturz geführt, zu einem wahren Sell-off. Begleitet mit einem stark angestiegenen Anteil an Short-Positionen, die nun bereits um die 40 Prozent im Minus liegen. Der Kursanstieg kann auch mit auf eine kleine Short-Squeeze zurückzuführen sein - das nimmt man als Investierter gerne dankend mit.

Genworth Financial befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.

Mittwoch, 2. März 2016

Aurelius kann es immer noch (besser)

Der Münchener Finanzinvestor Aurelius SE & Co. KGaA hat heute seine vorläufigen Zahlen für das Jahr 2015 vorgelegt und konnte dabei die hochgesteckten Prognosen sogar noch übertreffen. Der Konzernumsatz erhöhte sich um 31% auf €2.013 Mio. und unter Berücksichtigung der bis zum 31.12. noch übernommenen Beteiligungen stieg der annualisierte Konzernumsatz sogar auf €2.960 Mio.

Das Ergebnis vor Abschreibungen, Ertragsteuern und Zinsen (EBITDA) des Gesamtkonzerns lag im Geschäftsjahr 2015 konnte um 65% auf €266,0 Mio. gesteigert werden und übertraf damit deutlich die von Aurelius kommunizierten Prognose von €220 Mio.

Hier lohnt ein zweiter Blick durchaus, denn Aurelius erzielt einen Teil seiner Gewinne aus der Übernahme und dem verkauf von Beteiligungen, aber auch in der Zwischenzeit, wenn diese saniert und/oder weiterentwickelt werden, steuern sie zum Konzernergebnis bei.

Aurelius übernahm im Geschäftsjahr 2015 sechs neue Konzernunternehmen und zwei weitere Unternehmenskäufe wurden mit Closing zum 1. Januar 2016 abgeschlossen. Die Restrukturierungs- und Einmalaufwendungen hieraus beliefen sich im Jahr 2015 €63,3 Mio. und die Erträge aus der Auflösung negativer Unterschiedsbeträge aus der Kapitalkonsolidierung ("Bargain Purchase") lagen durch die sehr rege Transaktionstätigkeit im Geschäftsjahr 2015 sogar bei €176,8 Mio., nachdem sie im Vorjahr noch €76,9 Mio. EUR ausmachten.

Hinzu kommt die Verbesserung des operativen Konzern-EBITDA um 30% auf €123,1 Mio. und dies zeigt, dass die Neuausrichtung der Konzernunternehmen erfolgreich verläuft. Aurelius führt dies darauf zurück, dass die Beteiligungen überdurchschnittlich von der Managementerfahrung und Finanzkraft von Aurelius profitieren.


 Aurelius (Quelle: comdirect.de) 
Eigenkapitalquote und liquide Mittel steigen deutlich an
Anfang Dezember hatte Aurelius eine Wandelanleihe begeben und zu diesen frischen €166 Mio. kamen noch die Veräußerungserlöse für das mit zweistelligem Millionengewinn in 2015 verkaufte Hotelimmobilienportfolio, so dass der Bestand an liquiden Mittel im Aurelius-Konzern zum Stichtag 31. Dezember 2015 mit €549,0 Mio. einen neuen Rekordwert erreichte (2014: €333,3 Mio.). Die Eigenkapitalquote verbesserte sich von 26% auf 28%.

Anhebung der Basisdividende und erneute Sonderdividende
Aurelius schüttet aus den operativen Ergebnissen eine Basisdividende aus und diese soll für 2015 von €0,80 auf €0,90 je Aktie angehoben werden. Darüber hinaus möchte Aurelius seine Aktionäre an seinen Beteiligungserfolgen teilhaben lassen und gibt rund die Hälfte dieser Gewinne in Form einer Partizipationsdividende weiter. Diese soll zusätzliche €0,65 je Aktie betragen, so dass sich die Gesamtausschüttung auf €1,45 je Aktie beläuft. Damit liegt sie sogar noch um €0,05 über meiner Erwartung.

Weitere Deals in Planung
Der Markt für Unternehmenstransaktionen wird sich auch 2016 weiter erfreulich entwickeln, zeigt sich Dr. Dirk Markus, Vorstandsvorsitzender von Aurelius, optimistisch. Man plane fünf bis sieben Neuakquisitionen im laufenden Jahr und das Interesse an den aktuellen Tochterunternehmen des Aurelius-Konzerns sei hoch. Den ersten Exit des Jahres strebt man bei Berentzen an, allerdings nicht über einen klassischen Verkaufs-Deal, sondern über eine Privatplatzierung der Mehrheitsbeteiligung an der Börse an institutionelle Investoren. Und soeben vermeldet man, dass man hierdurch 21,88% der Anteile veräußern konnte und nun noch 29,17% an dem Getränkehersteller hält.

Aurelius befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und ist die mit Abstand größte Position in meinem Depot.

Dienstag, 1. März 2016

Berentzen: Aurelius lässt den Geist aus der Flasche

Der Finanzinvestor Aurelius ist seit vielen Jahren beim Spirituosenhersteller Berentzen Mehrheitsgesellschafter und hat diesen wieder auf profitables Wachstum getrimmt. Bereits seit einiger Zeit gibt es Anzeichen, dass sich Aurelius von seinen restlichen 51,04 Prozent trennen möchte und soeben machte das Unternehmen Nägel mit Köpfen. So will man im Rahmen einer Privatplatzierung über ein beschleunigtes Bookbuildingverfahren alle oder Teile des eigenen Aktienbestandes institutionellen Investoren andienen. Durch diese deutliche Erhöhung des Streubesitzes sollen die Berentzen-Aktien noch attraktiver für institutionelle Investoren in Europa gemacht werden. Und natürlich die Kasse bei Aurelius klingeln lassen.

Aurelius befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und ist die mit Abstand größte Position in meinem Depot.

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