Mittwoch, 5. Juli 2017

Altersarmut dank Immobilienfinanzierung über Lebensversicherung

Dass ich nicht viel vom Produkt Kapitallebensversicherung halte und dass es für die Versicherten eine Entreicherungsanlageform ist, habe ich in den letzten Jahren wiederholt geschrieben. Die Niedrigzinsphase hat den Assekuranzen kräftig zugesetzt, weil sie selbst keine auskömmlichen Geldanlagen mehr finden und inzwischen müssen sie sogar eine Zinszusatzreserve aufbauen, um die üppigen Garantieverzinsungen aus der Vergangenheit gewährleisten zu können. Doch die Zinszusatzreserve geht zulasten der Rendite der Versicherten und senkt deren heutigen Ablaufleistungen weiter. Des Weiteren mussten die Assekuranzen ihre Garantieverzinsung immer mehr absenken und der Staat strich die Beteiligung der Versicherten an den Bewertungsreserven oder Schlussüberschüssen der Versicherungen, was die Rendite weiter abschmolz. Die Folge dieser Gemengelage ist, dass inzwischen die Überschussbeteiligungen fast komplett ausfallen. Dabei waren doch gerade sie in der Vergangenheit das ziehende Verkaufsargument für "der Deutschen liebste Anlageform".

Nun ja, wird mancher sagen, da bekommen nun Leute nach 25 Jahren eben weniger Rendite ausgezahlt, Pech gehabt. Passiert eben. Und so kurz betrachtet, kann man das fast so stehen lassen. jeder ist für sein Geld, seine Anlagen und seine Altersabsicherung selbst verantwortlich. Aber...

In den 1980er und 1990er Jahren waren Kapitallebensversicherungen das bevorzugte vermittelte Produkt der Versicherungen, insbesondere der Strukturvertriebe von Bonnfinanz, AWD, OVB, HMI, MLP und wie sie alle hießen - und heißen. Nicht nur zur reinen Kapitalanlage, sondern sie wurden reihenweise zur Finanzierung von Eigenheimen verkauft. Ups...

Genau. Die deutlich gesunkenen Ablaufleistungen der Lebensversicherungen haben katastrophale Folgen für eine ganze Generation von Eigenheimbesitzern. Denn diesen ahnungslosen Kunden (aus heutiger Sicht muss man wohl sagen Opfern) wurden damals Kapitallebensversicherungen angedreht, die sofort die benötigte Gesamtsumme für den Kauf des Einfamilienhauses oder der Eigentumswohnung bereitstellten, und zwar in Form eines Darlehens. Dieses wurde nur verzinst, nicht aber getilgt. Anstelle der Tilgungsrate zahlt der Kunde die Beiträge an die Kapitallebensversicherung. Die Tilgung der Darlehens erfolgt dann endfällig, wenn die Lebensversicherung ausgezahlt wird.

Guter Grundgedanke ist, dass im Falle des Ablebens die Lebensversicherung einspringt und das Eigenheim bezahlt. Ob für den Ehepartner oder die Erben, ist ja egal. Allerdings wurden früher schier utopische Überschussberechnungen angestellt. Nicht nur, dass Garantieverzinsungen von mehr als 5 Prozent versprochen wurden, sondern es wurden darüber hinaus fiktive Fortschreibungen aus der Vergangenheit in die Zukunft projiziert und so Überschussrendite bis in den zweistelligen Bereich vorgegaukelt. Die nichts mit der harten Realität zu tun haben, wo die Ablaufleistungen mitunter nur noch die Hälfte der ursprünglich versprochenen Beträge erreichen.

Die Folgen sind verheerend! Wer die Kapitallebensversicherung als Rentenversicherung gewählt hat, bekommt nun eine deutlich geringere monatliche Auszahlung. Wer also mit 500 Euro im Monat kalkuliert hat, bekommt nun als Rentner 250 Euro. Die Differenz dürfte für die meisten schmerzhaft sein.

Schuldendienst statt mietfrei wohnen im Alter
Noch schlimmer steht es um die Eigenheimbesitzer. Denn wer vor 20 oder 30 Jahren die Verträge unterschrieb, ging davon aus, im Ruhestand schuldenfrei in seinem Häuschen leben zu können. Dieses Ziel war das meistgenannte der Kunden der Strukturvertriebe und genau hierauf waren die Konstrukte ausgerichtet. Nun hat Max Michel 1992 seine Finanzierung über die Kapitallebensversicherung abgeschlossen und sollte heute im Jahr 2017 sein für 200.000 Euro erworbenes Haus schuldenfrei abbezahlt haben. Doch die Ablaufleistung seiner Lebensversicherung liegt nicht bei den versprochenen 200.000 Euro, sondern nur bei 100.000 Euro. Das Darlehen für die Hausfinanzierung, das er bei der Versicherung aufgenommen hatte, beträgt aber 200.000 Euro. Aus der LV wird nun getilgt, es verbleibt ein offener Rest von 100.000 Euro. Statt schuldenfrei im Alter steht man als Rentner nun mit hohen Schulden da!

Nun muss man also nicht nur die offenen 100.000 Euro aufbringen und dafür andere Vermögensgegenstände verkaufen oder seinen Notgroschen abräumen, oder aber man muss die 100.000 Euro in Raten abstottern, was die monatliche Rente/Pension arg drückt. Hinzu kommt, dass das Haus natürlich auch schon 25 Jahre alt ist und immer häufiger Reparaturen und Instandhaltungen anfallen, die ebenfalls ins Geld gehen. Anstelle des sorgenfreien Ruhestands hat man ein erheblich verringertes Einkommen und dazu noch sechsstellige Schulden am Hals, die man wohl bis ans Lebensende wird abstottern müssen.

Was viele Ruheständler nicht können werden. Sie haben nicht große Summen an Vermögen aufgebaut zusätzlich zu ihrer Immobilie, denn die sollte ja die Hauptabsicherung für den Lebensabend sein. Nicht viele haben ein Wertpapierdepot, das sie mal eben auflösen können, um ihre Schulden zu begleichen. Oder eine so üppige Rente/Pension, dass sie die monatlichen Raten für das Darlehen dauerhaft zusätzlich zu ihrem Lebensunterhalt bestreiten können. Die Konsequenz ist, dass diese Menschen ihre Häuser verkaufen müssen, um ihre Schulden zu begleichen. Anstatt sorgen- und schuldenfrei den Lebensabend im Eigenheim genießen zu können, verlieren sie ihr Zuhause, um die Schulden abzahlen zu können. Und müssen im Anschluss auch noch Miete zahlen, anstatt mietfrei im Eigenheim zu wohnen.

Eine ungeheuerliche Ungerechtigkeit, die leider durch die Politik auch noch unterstützt wurde. Denn als es den Versicherungen schlecht(er) ging, änderte der Bundestag einfach die Spielregeln. Die Versicherungen konnten die Garantiezinsen und die Ablaufleistungen einfach herunterdrehen zulasten ihrer Kunden. Nutznießer sind die Vorstände in den Versicherungen, die weiter fette Boni kassieren. Ebenso profitieren die Aktionäre, denn das Abwälzen der Risiken und drohenden Verluste auf die Kunden führt zu Gewinnen bei den Assekuranzen und somit zu fetten Dividenden für die Aktionäre.

Immer wieder wird über die armen Sparar berichtet, die von der EZB und den niedrigen Zinsen enteignet würden. Doch die können sich wehren, die können andere Anlageformen, wie Aktien, wählen, um Rendite zu erwirtschaften. Doch die geprellten Kunden der Lebensversicherungen stehen vor einem Scherbenhaufen. Und wer berichtet darüber, über diese Schicksale? Niemand. Die vergessene oder besser verdrängte Generation.

Wer sich aus moralischen oder ethischen Gründen heraus scheut, in Ölwerte oder Rüstungsfirmen zu investieren, sollte sich mal Gedanken über seine Wertekompass machen, wenn die nächste fette Dividende von der Allianz eintrudelt. Nun ist die moralische Messlatte in Hinsicht auf Versicherungen eh nicht allzu hoch zu legen, aber selbst ein sehr niedriges Niveau kann noch unterboten werden.

Ich habe schon vor Jahren meine Lebensversicherungen gekündigt und habe und halte weiterhin nichts von Investments in die Versicherungsbranche. Auch wenn ich natürlich weiß, dass Warren Buffetts Berkshire Hathaway diverse Versicherungen im Portfolio hat und ich so indirekt auch Anteile an diesen halte. Ein Kompromiss, den ich notgedrungen eingehen muss, mir aber dennoch nicht sehr zusagt.



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Kommentare:

  1. Man stelle sich nur vor was passieren würde, wenn die Zinsen wieder steigen,
    und die Anschlussfinanzierung diese Menschen in die Privatinsolvenz treibt!!
    Bei steigenden Zinsen sinkt ja auch die Nachfrage nach Immos...

    lg Alex

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    1. Richtig, steigende Zinssätze würden die monatliche Ratenbelastung natürlich noch in die Höhe treiben.

      Zu bedenken ist allerdings auch noch, dass im ländlichen Raum (weite teile Ostdeutschlands oder die Gegend um Bremerhaven) Immobilien kaum mehr zu verkaufen sind, trotz Immobilienboom, und ja nicht nur Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen in Citylage München gekauft/finanziert wurden. Und wenn dann ggf. der Verkaufserlös des Hauses nicht einmal mehr dazu ausreicht, den offenen Restkreditbetrag zu tilgen, dann kann das auch zur Insolvenz führen, so dass dann Teile der Rente/Pension auch noch gepfändet werden.

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  2. Herr Kissig, welche Parteien waren es denn, die Selbiges unterstützt haben? Doch nicht etwa die CDU? Sie haben aber keine Probleme damit, CDU-Mitglied zu sein?

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    1. Nein, warum sollte ich? Ich muss/kann ja nicht jede Position der CDU gut finden, nur weil ich dieser Volkspartei Mitglied bin.

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    2. Gut. Dann darf aber mit derselben Argumentation auch jeder guten Gewissens in Versicherungsaktien investieren.

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    3. Was schönes aus der Anstalt zu diesem Thema:

      https://m.youtube.com/watch?v=4vQZZqvoaKY

      https://www.zdf.de/comedy/die-anstalt/die-anstalt-rente-100.html

      Grüße Andreas

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  3. Die Grundaussage ist natürlich nicht falsch. Diese Aussage heute zu treffen ist allerdings auch ein Kinderspiel.
    Es zeugt nicht von gutem Stil, etliche Jahre oder Jahrzehnte später ein Sparprodukt zu verteufeln. Vor allem dann, wenn man ja selbst ein solches bespart hatte.

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    1. Naja, ich kritisiere das Produkt Kapitallebensversicherung ja schon viele Jahre (siehe unten im Artikel die Linkliste) und warne mindestens ebenso lange vor Investments in die Aktien der Assekuranzen - trotz der hohen Dividendenausschüttungen. Dass die Regierung die selbst eingebrockten Risiken der Versicherungen diese durch gesetzliche Regelungen auf die Kunden abwälzen lässt, war bis zu diesem Zeitpunkt vorher kaum absehbar. Und ich kann überhaupt nicht nachvollziehen, wie sich alle Welt über die Rettung der Banken und die "bösen Banker" aufregen kann, aber über die Versicherungen und deren Manager und deren fette Gehälter und Boni keine Silbe verliert. Auch die wurden vom Staat gerettet, nur eben nicht direkt mit Steuergeld, sondern mit dem Vermögen der Kunden. "Selbst Schuld" ist mir hier echt zu kurz gesprungen, vor allem trifft es die Opfer direkt und existenzbedrohend, während ein paar Steuermilliarden für die Banken "nur" die Staatsverschuldung in die Höhe treiben, die wir alle irgendwie durch Steuerzahlungen irgendwann mal abtragen müssen. Die Betroffenheitswirkung für den Einzelnen ist dabei gleich Null. Wenn einem das eigene Haus weggenommen wird, weil man die Raten für den Kredit nicht mehr zahlen kann, den es nach den Versprechungen der Lebensversicherungen überhaupt nicht mehr geben dürfte, dann ist das ein einschneidendes Erlebnis! Und da soll sich mal niemand einbilden, ein Rentner bekäme mal eben so irgendwo anders eine Immobilienfinanzierung, wenn er nicht eh gestopft ist...

      Und dass ich selbst bis 2005 eine Kapitallebensversicherung bespart habe, dürfte kaum K.O.-Kriterium für meine Kritik sein. Denn bis dahin gab es noch eine Garantieverzinsung von deutlich über 4% und auch die Überschussanteile stellten sich (dank des völlig anderen Zinsniveaus!) ganz anders dar. 2005 wurden diese Kapitallebensversicherungen übrigens noch wie warme Semmeln angeboten. Und selbst als ich 2010 meine damalige Immobilie (Wohn- und Geschäftshaus) umfinanzieren wollte, wurde mir vonseiten der Versicherungen (und Bausparkassen) eine Finanzierung über KLV angeboten. 2010 noch!

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  4. Wann lohnt es sich denn die Lebensversicherung zu kündigen? Wer kann sagen wie sich die Zinsen in den nächsten 20 Jahren entwickeln? Ich habe einen Altvertrag aus 2004 (Garantiezins noch relativ hoch im Vergleich zu heute) und zahle meinen Betrag jährlich ein. Ab uns zu nehme ich die Dynamik in Anspruch. Die Auszahlung beginnt in 2040 (mit dem 60. Lebensjahr). Wer kann denn hierzu unabhängig und gut beraten? Verbraucherzentrale?

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    1. Man muss natürlich beachten, dass man bei einer Kündigung einer Lebensversicherung Geld verliert - ein nicht unerheblicher Teil der Beiträge wurde ja zur Deckung der Vermittlungsprovisionen und Kosten der Versicherung aufgewendet und nicht zum Ansparen. Ende der 1990er Jahre galt als Faustformel, dass die erste zwei Jahresbeiträge hierzu "flöten" gingen. Wenn man also kündigt,bekommt man vermutlich weniger zurück, als man eingezahlt hat (müsste man prüfen, ob man diesen Verlust steuerlich geltend machen kann!). Diesem Verlust und den ansonsten vermutlich anfallenden Zinsen/Überschüssen müsste man die alternative Rendite gegenüberstellen, wenn man die Gesamtsumme für die gleiche Laufzeit z.B. in Dividenden-ETFs und/oder Aktienfonds steckt.

      Eine "Alternative" zur Kündigung der LV ist natürlich auch, die beitragsfrei zu stellen und dann die künftigen Beiträge in ETFs/Aktienfonds zu stecken. Vorteil ist, dass der Lebensversicherungsschutz der Police weiterhin in Kraft bleibt (auf dem bis dahin angesparten Niveau), während man bei der Kündigung sich natürlich ggf. Gedanken über eine Risikoabsicherung für die Familie/Partnerin machen müsste/sollte.

      Hierzu muss man sich Gedanken mache, lieber keine Schnellschüsse. Verbraucherzentrale könnte eine gute Idee sein. Des Weiteren wäre überlegenswert, ob man sich an einen Finanzberater/Versicherungsmakler wendet auf Honorarbasis. Das ist ja neu, dass diese Makler nicht von Provisionen leben, sondern von einem vorher vereinbarten Festhonorar und dann eine Beratung zum Thema Versicherungen/Kapitalanlagen bieten. Bei einem solchen Thema könnte das gut angelegtes Geld sein, so ein Honorar. Denn auch wenn das ein dreistelliger Betrag sein könnte, so geht es doch bei der KLV insgesamt um weitaus höhere Beträge. Und Risiken, wenn man sich falsch entscheidet...

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  5. "Wer kann sagen wie sich die Zinsen in den nächsten 20 Jahren entwickeln?"
    Schau' einfach nach Japan, die sind uns 10-15 Jahre voraus ;-)
    LG
    Joerg

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  6. Interessanter Aspekt eines seit langem bekanntermassen unsinnigen Produkts.

    Schon als Lehrling 1984 (!!) wusste ich nach kurzer Buchrecherche, dass eine KLV nichts taugt. Ein AWD-Strukki wollte mir eine solche andrehen, ich habe sie nicht abgeschlossen. Stattdessen später eine Risiko-LV und einen Aktienfondssparplan. Die oben beschriebenen Fälle sind natürlich der Horror, aber man hätte sich ja auch (woanders als bei dem "Berater") informieren können. Unser System bietet eben keinen staatlich garantierten Schutz vor der eigenen Dummheit oder auch Gier. Das Ganze lief ja auch unter dem Ziel der "Steueroptmierung" oder? Tja, die einen setzen mit Containern ihr Geld in den Sand, die anderen mit Ostimmobilien oder eben KLV-Finanzierung.

    Dass der Staat dann die Spielregeln ändert ist natürlich eine Sauerei, aber das ist nur das Tüpfelchen auf dem i.

    LG,
    MichaelB

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    1. Das war eine hervorragende Lösung: zur Absicherung eine kostengünstige Risiko-Lebensversicherung und ansonsten einen Fonds- oder ETF-Sparplan. Damit spart man sich die hohen Abschlusskosten der Kapitallebensversicherung und die hohen Verwaltungskosten. Die Kapitallebensversicherung war ein "Rundumsorglospaket" und dem entsprechend teuer. Und eben doch nicht sorgenunbehaftet, wie sich inzwischen herausgestellt hat.

      Und guter Hinweis, der Staat förderte die KLV sogar noch, weil ja ihre Erträge bei einer Mindestlaufzeit von 12 Jahren steuerfrei waren. Und da man bis 1989 sogar noch den Vertrag zwei Jahre rückwirkend (durch entsprechende Einmalzahlung zweier Jahresraten) abschließen konnte, waren es de facto sogar nur 10 Jahre. Unfassbarer Nepp!

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  7. Sehr guter Artikel, vielen Dank. Mir zeigt das die grundlegende Problematik, dass, als es in den frühen 90ern hieß, die Altersvorsorge sei nicht mehr sicher, von normalen Menschen auf einmal betriebswirtschaftliche Kenntnisse erwartet wurden, um sich im Alter abzusichern, und dabei sind einfach sehr viele Rattenfänger aufgetreten, die die Menschen reihenweise über den Tisch gezogen haben. Ich erinnere mich an ein anderes solches Konzept: man wurde mit gefakten Umfrage-Anrufen geködert ("Würden Sie gern Steuern sparen?"), um einem dann rennovierte vermietete Eigentumswohnungen aufzuschwatzen, deren Kaufpreis über Steuererlasse und Miete abbezahlt werden sollte, ohne das eigene Konto zu belasten: der Haken: die Wohnungen waren nicht zu den angegebenen Preisen zu vermieten (wenn überhaupt!) - daran sind auch Leute pleite gegangen.
    Vielleicht noch eine Anmerkung zur Bankenrettung: dass das Privatmenschen nicht unmittelbar berührt hat, mag für D zutreffen, aber gar keinesfalls für Länder wie Spanien oder Irland. Da haben die geretteten Banken die Menschen aus den Häusern geworfen.
    Und was Versicherungsaktien angeht, über eines sollte man sich im klaren sein: die Frage der Moral von Aktien ist ein Minenfeld. Ich bin mal auf eine Aktie einer Gesellschaft gestoßen, die Gefängnisse in den USA managt. Zigaretten, Coca-Cola, BHP Billiton, Vale, Nestle... Man muss wissen, dass man da mit dem Teufel Menuett tanzt. Das kann ja durchaus anturnen...

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  8. Benjamin Radermacher5. Juli 2017 um 15:30

    Hallo Michael,

    Danke für diesen Beitrag, den ich einfach mal als zugespitzte Polemik einsortiere. Das ist sicherlich hilfreich, denn das Grundproblem der Finanzierung über eine Lebensversicherung kann bestehen, wenn von falschen Annahmen ausgegangen wird. Da ich selbst in der Assekuranz im Lebensversicherungsbereich arbeite, habe ich etwas Hintergrundwissen. Ich muss hier daher zwei Dinge geradestellen.
    1. Es sollte jedem klar sein, dass es einen Unterschied zwischen Garantiezins und Überschussbeteiligung gibt. Was Du im Artikel ansprichst, sind Kunden, die glaubten, die garantierten Werte plus nicht gearantierten Zuschläge aus der Überschussbeteiligung wären als Basis für das Investment heranzuziehen. Das ist natürlich ein Fehler. Die zugeteilten Überschüsse können sich jedes Jahr ändern und vor allem der wichtige Schlußüberschuss geht verloren wenn man den Vertrag vor Ablauf kündigt. Wer seine Immobilie lediglich anhand der ausgewiesenen Garantiewerte der Lebensversicherung finanziert, kann keinen Verlust machen. Ein weiterer Hinweis: Einmal zugeteilte Überschüsse erhöhen die garantierte Ablaufleistung.
    Ein Beispiel:
    Der Vertrag sieht bei Abschluß vor, dass eine Auszahlung von 100.000 € garantiert und meinetwegen 150.000 € inkl. Überschüssen, hochgerechnet zu der zum Vertragszeitpunkt aktuellen Überschußbeteiligung, anfällt. Nach der Hälfte der Zeit sind nun zusätzlich von den garantierten Leistungen bereits Überschüsse angefallen. Folglich erhöht sich die garantierte Ablaufleistung von ehemals 100.000 € auf im Beispiel 120.000 €. Nehmen wir also weiterhin an, dass ab diesem Zeitpunkt keinerlei Überschüsse mehr anfallen, weil der Kapitalmarkt dies nicht hergibt (hauptsächlicher Treiber sind lang laufende Staatsanleihen, denn dort sind LV-Unternehmen vor allem investiert). Dann bekäme der Kunde dennoch 120.000 € ausgezahlt.
    2. Es ist unwahr, dass der Garantiezins abgesenkt wird für bestehende Verträge. Wer in den 1990er Jahren eine Versicherung mit einem Garantiezins von über 4% abgeschlossen hat, der behält diese Garantiezusage. Der Gesetzgeber hat hier vorgesorgt (BilMoG) zusätzliche Reserven vorzuhalten. Die einzigen Kunden, die niedrigere Garantiezinssätze (und damit niedrigere Garantiezusagen) erhalten, sind Neukunden. Und auch hier sind diese Werte von der Deutschen Aktuarsvereinigung als Vorschlag vorgegeben. Altkunden sind davon nicht betroffen.

    Fazit:
    Welche Kunden sind nun in dem Maße betroffen wie von Dir beschrieben? Solche, die den Unterschied zwischen Garantie- und Gesamtverzinsung nicht verstanden haben.

    Noch eine weitere Anmerkung: Deutschland ist weltweit eine absolute Ausnahme, wenn es darum geht, derart langfristige Garantiezusagen zu machen. Fast nirgendwo sonst auf der Welt gibt es eine Firma, die einem Kunden eine garantierte Verzinsung und Absicherung im Todesfall über mehr als 40 Jahre zusichert. Dies ist ein Wert an sich, da er langfristige Enscheidungen planbar macht. Und natürlich kostet diese Sicherheit über einen langen Zeitraum Rendite. Dies sollte jedem Investor klar sein.

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    1. Naja, "die Kunden haben das Produkt nicht verstanden" kann man so nicht stehen lassen, denn jedem ist klar, dass es die Versicherungsvertreter waren und sind, die ein solch kompliziertes Produkt den Kunden erklären. Und kein normaler Mensch kommt von selbst auf die Idee, seine Immobilie über eine Lebensversicherung zu finanzieren. Das Konstrukt wird den Leuten von den Vertretern präsentiert und vorgerechnet. Und dabei sind immer (!) die Ablaufleistungen inkl. Überschussbeteiligungen herangezogen worden, weil ansonsten keine Vergleichsrechnung mit einer normalen Bankfinanzierung hätte mithalten können. Und das weiß ich nicht nur vom Hörensagen, sondern weil ich Ende der 1980er Jahre (noch als Schüler) von der OVB ausgebildet wurde und entsprechende Seminare u.a. mit Leuten von der Hanse Merkur und dem Deutschen Ring besucht habe. Mein früherer Nachbar hat dann sogar eine solche Finanzierung an den Mann gebracht mit genau dieser Vergleichsrechnung.

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    2. Benjamin Radermacher7. Juli 2017 um 12:06

      Das ist doch schon einmal ein wesentlicher Fortschritt zu deiner vorangegangenen Aussage. Wie mir scheint, handelt es sich also um ein Vertriebsproblem und nicht um ein Problem des Produkts an sich. Wenn gierige Vermittler falsch beraten, hat das nichts mit dem Produkt zu tun. In jeder Police steht auf Seite eins der Ablaufleistung, dass die Überschüsse nicht garantiert sind und sich ändern können. Wer es als Vermittler schafft, diese Ralität zu verdrehen, begeht eine Falschberatung.

      Es ist vollkommen klar, dass eine Bankfinanzierung einer Versicherungslösung immer überlegen sein wird, wenn es um den reinen Finanzierungsaspekt geht. Das kann auch gar nicht anders sein, denn die Versicherung enthält ja auch weitere Leistungen, die mit dem Beitrag bezahlt werden. So ist z.B. das Todesfallrisiko mit versichert. Vergleichbar wäre dies nur, wenn ein Bankkredit eine Restschuldversicherung beinhaltet. Ich glaube sogar, dass es sehr sicherheitsorientierte Kunden gibt, denen dieser Schutz wichtig ist und eine Daseinsberechtigung des Produkts erwirkt.
      Du hast Recht, dass diese LV inzwischen nicht mehr verkauft werden zur Immobilienfinanzierung. Der neueste Trend ist Bankfinanzierung plus Restschuldversicherung. Etwa 90% der Prämie für diese Versicherung gehen als Vertriebserlös an die vermittelnde Bank.

      Wie man es auch dreht und wendet: Ich halte es generell für sinnvoll, sich umfassend zu informieren und mehrere verschiedene Finanzierungskonzepte miteinander zu vergleichen, bevor man sich zum Kauf einer Immobilie entscheidet. Dies einseitig auf ein Produkt zu begrenzen, wird der Realität nicht gerecht.

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  9. Ich hatte vor 20 Jahren meiuner Schwester geraten das Haus per Bank zu finanzieren und das Sterberisiko via Risikolebensversicherung zu decken.Antwort Ich hätte keine Ahnung etc.Alleine schon der ausbleibende Zinseszinseffekt durch die fehlende Tilgung wird oft komplett falsch eingeschätzt. Lange Rede kurzer Sinn es war Schuldentilgung +50k versprochen ,es ist eine Restschuld von 50k geworden

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  11. Danke für diesen Artikel. Ich fand ihn sehr interessant. Es muss doch aber jedem klar sein, dass die Versprechen der Versicherer und Banken eh nicht eingehalten werden können. Bevor Kunden wirklichen einen Vorteil erhalten würden...sind Aktionäre und Kerngeschäft finanzielle abzusichern.

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  12. Ich liebe Immobilien, musste jedoch selbst erfahren, dass mit Lebensversicherungen eine sichere Tilgung nicht klappen kann. Auch als Investor bei Lebensversicherungen halte ich mich lieber zurück. Niedrigzinsumfeld, Regulierung, Rückabwicklungen und großer Wasserkopf sprechen nicht gerade für eine Investition. Allerdings haben die Versicherer bis jetzt immer Ihre Eigenkapitalrendite zu schützen gewusst. :-) LG Henning

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