Donnerstag, 23. Mai 2019

Altersarmut dank Immobilienfinanzierung über Lebensversicherung. Wirklich? Wirklich!

Dass ich nicht viel vom Produkt Kapitallebensversicherung halte und dass es für die Versicherten eine Entreicherungsanlageform ist, habe ich in den letzten Jahren wiederholt geschrieben. Die Niedrigzinsphase hat den Assekuranzen kräftig zugesetzt, weil sie selbst keine auskömmlichen Geldanlagen mehr finden und inzwischen müssen sie sogar eine Zinszusatzreserve aufbauen, um die üppigen Garantieverzinsungen aus der Vergangenheit gewährleisten zu können. Doch die Zinszusatzreserve geht zulasten der Rendite der Versicherten und senkt deren heutigen Ablaufleistungen weiter. Des Weiteren mussten die Assekuranzen ihre Garantieverzinsung immer mehr absenken und der Staat strich die Beteiligung der Versicherten an den Bewertungsreserven oder Schlussüberschüssen der Versicherungen, was die Rendite weiter abschmolz. Die Folge dieser Gemengelage ist, dass inzwischen die Überschussbeteiligungen fast komplett ausfallen. Dabei waren doch gerade sie in der Vergangenheit das ziehende Verkaufsargument für "der Deutschen liebste Anlageform".

Nun ja, wird mancher sagen, da bekommen nun Leute nach 25 Jahren eben weniger Zinsen ausgezahlt und dem entsprechend fällt die Ablaufleistung geringer aus. Pech gehabt. passiert eben. Und so oberflächlich betrachtet, kann man das fast so stehen lassen. Jeder ist für sein Geld und auch seine Absicherung im Alter selbst verantwortlich. Und doch...


In den 1980er und 1990er Jahren waren Kapitallebensversicherungen das bevorzugte vermittelte Produkt der Versicherungen, insbesondere der Strukturvertriebe von Bonnfinanz, AWD, OVB, HMI, MLP und wie sie alle hießen - und heißen. Nicht nur zur reinen Kapitalanlage, sondern sie wurden reihenweise zur Finanzierung von Eigenheimen verkauft. Ups...

Genau. Die deutlich gesunkenen Ablaufleistungen der Lebensversicherungen haben katastrophale Folgen für eine ganze Generation von Eigenheimbesitzern. Denn diesen ahnungslosen Kunden (aus heutiger Sicht muss man wohl sagen Opfern) wurden damals Kapitallebensversicherungen angedreht, die sofort die benötigte Gesamtsumme für den Kauf des Einfamilienhauses oder der Eigentumswohnung bereitstellten, und zwar in Form eines Darlehens. Dieses wurde nur verzinst, nicht aber getilgt. Anstelle der Tilgungsrate zahlt der Kunde die Beiträge an die Kapitallebensversicherung. Die Tilgung der Darlehens erfolgt dann endfällig, wenn die Lebensversicherung ausgezahlt wird.

Guter Grundgedanke ist, dass im Falle des Ablebens die Lebensversicherung einspringt und das Eigenheim bezahlt. Ob für den Ehepartner oder die Erben, ist ja egal. Allerdings wurden früher schier utopische Überschussberechnungen angestellt. Nicht nur, dass Garantieverzinsungen von mehr als 5 Prozent versprochen wurden, sondern es wurden darüber hinaus fiktive Fortschreibungen aus der Vergangenheit in die Zukunft projiziert und so Überschussrendite bis in den zweistelligen Bereich vorgegaukelt. Die nichts mit der harten Realität zu tun haben, wo die Ablaufleistungen mitunter nur noch die Hälfte der ursprünglich versprochenen Beträge erreichen.

Die Folgen sind verheerend! Wer die Kapitallebensversicherung als Rentenversicherung gewählt hat, bekommt nun eine deutlich geringere monatliche Auszahlung. Wer also mit 500 Euro im Monat kalkuliert hat, bekommt nun als Rentner 250 Euro. Die Differenz dürfte für die meisten schmerzhaft sein.


Schuldendienst statt mietfrei wohnen im Alter

Noch schlimmer steht es um die Eigenheimbesitzer. Denn wer vor 20 oder 30 Jahren die Verträge unterschrieb, ging davon aus, im Ruhestand schuldenfrei in seinem Häuschen leben zu können. Dieses Ziel war das meistgenannte der Kunden der Strukturvertriebe und genau hierauf waren die Konstrukte ausgerichtet. Nun hat Max Minus 1994 seine Finanzierung über die Kapitallebensversicherung abgeschlossen und sollte heute im Jahr 2019 sein für 200.000 Euro erworbenes Haus schuldenfrei abbezahlt haben. Doch die Ablaufleistung seiner Lebensversicherung liegt nicht bei den versprochenen 200.000 Euro, sondern nur bei 100.000 Euro. Das Darlehen für die Hausfinanzierung, das er bei der Versicherung aufgenommen hatte, beträgt aber 200.000 Euro. Aus der LV wird nun getilgt, es verbleibt ein offener Rest von 100.000 Euro. Statt schuldenfrei im Alter steht man als Rentner nun mit hohen Schulden da!

Nun muss man also nicht nur die offenen 100.000 Euro aufbringen und dafür andere Vermögensgegenstände verkaufen oder seinen Notgroschen abräumen, oder aber man muss die 100.000 Euro in Raten abstottern, was die monatliche Rente/Pension arg drückt. Hinzu kommt, dass das Haus natürlich auch schon 25 Jahre alt ist und immer häufiger Reparaturen und Instandhaltungen anfallen, die ebenfalls ins Geld gehen. Anstelle des sorgenfreien Ruhestands hat man ein erheblich verringertes Einkommen und dazu noch sechsstellige Schulden am Hals, die man wohl bis ans Lebensende wird abstottern müssen.

Was viele Ruheständler nicht können werden. Sie haben nicht große Summen an Vermögen aufgebaut zusätzlich zu ihrer Immobilie, denn die sollte ja die Hauptabsicherung für den Lebensabend sein. Nicht viele haben ein Wertpapierdepot, das sie mal eben auflösen können, um ihre Schulden zu begleichen. Oder eine so üppige Rente/Pension, dass sie die monatlichen Raten für das Darlehen dauerhaft zusätzlich zu ihrem Lebensunterhalt bestreiten können. Die Konsequenz ist, dass diese Menschen ihre Häuser verkaufen müssen, um ihre Schulden zu begleichen. Anstatt sorgen- und schuldenfrei den Lebensabend im Eigenheim genießen zu können, verlieren sie ihr Zuhause, um die Schulden abzahlen zu können. Und müssen im Anschluss auch noch Miete zahlen, anstatt mietfrei im Eigenheim zu wohnen.

Eine ungeheuerliche Ungerechtigkeit, die leider durch die Politik auch noch unterstützt wurde. Denn als es den Versicherungen schlecht(er) ging, änderte der Bundestag einfach die Spielregeln. Die Versicherungen konnten die Garantiezinsen und die Ablaufleistungen einfach herunter drehen zulasten ihrer Kunden. Nutznießer sind die Vorstände in den Versicherungen, die weiter fette Boni kassieren. Ebenso profitieren die Aktionäre, denn das Abwälzen der Risiken und drohenden Verluste auf die Kunden führt zu Gewinnen bei den Assekuranzen und somit zu fetten Dividenden für die Aktionäre.

Und dass immer mehr Versicherungen ihre Altbestände an Kapitallebensversicherungen an Abwicklungsgesellschaften verkaufen, macht die Sache nicht besser. Im Gegenteil. Die werden nämlich ganz sicher nicht mehr auszahlen, als das gesetzlich vorgeschriebene und/oder vertraglich fixierte Minimum an Rendite. Der früher übliche "Bonus" auf die Garantieverzinsung, den kann sich der Kunde abschminken. Und damit den wesentlichen Teil des Zugewinns und der Ablaufleistung!


Auch Sparer sind nicht (viel) besser dran!

Immer wieder wird über die armen Sparar berichtet, die von der EZB und den niedrigen Zinsen enteignet würden. Das halte ich für übertrieben, denn es gibt ja durchaus Alternativen zu Sparbüchern oder Festgeldkonten. Auch wenn das jüngste Urteil des BGH schon ernüchternd ist: denn dieser erklärte die Kündigung einer Sparkasse für rechtes, die einen Sparvertrag ohne Laufzeitbegrenzung unter Hinweis auf das anhaltende Niedrigzinsumfeld einseitig beendete.

Sparer können sich dennoch wehren! Sie können andere Anlageformen wählen, wie Aktien, um Rendite zu erwirtschaften. Durchschnittlich bringen Aktien 7% Rendite ein - pro Jahr. Und nach einer Anlagedauer von mehr als 10 Jahren ist das Risiko dabei rechnerisch gleich Null. Wer sich nicht so gut auskennt mit Aktien und Unternehmensbewertungen, muss ja nicht auf Stock-Picking setzen, sondern kann ganz einfach einen Indexfonds kaufen.

Doch die geprellten Kunden der Lebensversicherungen stehen vor einem Scherbenhaufen. Und wer berichtet darüber, über diese Schicksale? Niemand. Die vergessene oder besser verdrängte Generation.

Wer sich aus moralischen oder ethischen Gründen heraus scheut, in Ölwerte, Tabakkonzerne oder Rüstungsfirmen zu investieren, sollte sich mal Gedanken über seinen Wertekompass machen, wenn die nächste fette Dividende von der Allianz eintrudelt. Moralisch unbelastet sind deren Gewinne nämliche ebenso wenig.

Ich habe schon vor Jahren meine Lebensversicherungen gekündigt und lege ja bekanntermaßen mein Geld ausschließlich in Aktien an. Allerdings halte ich weiterhin nichts von Investments in die Versicherungsbranche! Auch wenn ich natürlich weiß, dass Warren Buffetts Berkshire Hathaway diverse Versicherungen im Portfolio hat und ich so indirekt auch Anteile an diesen halte. Ein Kompromiss, den ich notgedrungen eingehen muss, der mir aber dennoch nicht gerade zusagt...



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Kommentare:

  1. Demgegenüber steht aber ein umso größerer Zuwachs des Immobilienwertes. Für Menschen die sich die unerwartete zu leistende Tilgung nicht leisten können ein kompensierender Faktor.
    Wer nach 20/30 Jahren noch einen Betrag von 100.000 oder 200.000 offen hat, hat außerdem entweder über seine Verhältnisse gekauft, zu wenig getilgt oder war blauäugig bei der Tilgungsstrategie. Damals waren der Zins noch erheblich höher, und Tilgung hat sich noch echt gelohnt, auch mit 5% LV Zins.

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    1. Vielleicht liest du einfach nochmal den Artikel durch und änderst dann deinen Kommentar - das Konstrukt der LV bestand gerade darin *nicht* zu tilgen das war das zentrale Argument für das Produkt.... Und wenn die Hütte nicht in einer Attraktiven Gegend sondern im Odenwald steht ist wars das auch mit dem Wertzuwachs...

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    2. Genau: es erfolgte bei dem Konstrukt eben keine Tilgung, sondern lediglich die Beitragszahlung für die Kapitallebensversicherung. Deren Ablaufleistung (also am Ende der Laufzeit!) sollte auf einen Schlag den Kreditbetrag tilgen sowie die im Hintergrund aufgelaufenen Zinsen - und bei den meisten Rechenbeispielen der Versicherungen/Versicherungsvertreter bleibt dann sogar noch ein Sümmchen über zur freien Verfügung. Ein Rundum-sorglos-Paket - nur dass in der Realität wegen der viel niedrigeren Realrendite die Ablaufleistung nicht einmal zur Tilgung ausreicht und daher noch ein riesiger Betrag offen ist.

      Der Hinweis vom Dividend_Dude, dem stehe ja ein Wertzuwachs beim Haus gegenüber, der greift auch nicht: erstens sind Wertsteigerungen hauptsächlich in den Metropolen zu verzeichnen gewesen, während in der Fläche (vor allem im Osten) keine Wertsteigerungen oder sogar Wertverluste zu verzeichnen sind über die letzten Jahrzehnte. Und zweitens war der Plan der Kunden ja gerade, im Alter mietfrei in den eigenen vier Wänden zu wohnen. Das Haus zu verkaufen, um damit einen Teil des Darlehens und die Zinsen zu bezahlen, um dann in eine Mietwohnung einzuziehen, klingt da doch wie Hohn! Und entspricht nicht den Versprechungen der Vermittler/Versicherungen. Eines dieser Konstrukte der OVB hieß sogar "Mietfrei Wohnen" und es war mit einer Kapitallebensversicherung des Deutschen Rings oder der Hanse Merkur unterlegt. Ich weiß das so genau, weil ich vor meiner Banklehre (also noch während meiner Oberstufenzeit auf dem Gymnasium) Seminare bei der OVB besucht habe, wo genau diese Produkte (aber vor allem das Verkaufen!) gelehrt wurden. Zum Glück habe ich keines dieser Produkte an den Mann gebracht, das würde mich heute emotional stark belasten.

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  2. Danke für diese informative - auch "historische" - Zusammenfassung. Man muss wirklich immer wieder betonen, dass die Politik die Plünderung der Versicherungsnehmer gesetzgeberisch begleitet hat.

    Ich gebe zu, dass wir keine Bedenken bei Investments in Versicherungen haben. Unsere Allianz-Lebensversicherungen haben wir vor Jahren bewusst verkauft, auch um endlich von der Opfer- auf die Gewinnerseite zu wechseln. Eine Dividendenrendite von mittlerweile über 7% auf unseren Einstandspreis gibt uns nachträglich Recht und JEDER hätte es auch so machen können.

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    1. Ich stimme Dir zu, dass Versicherungen ein politisch gutierter Raubzug gegen die Versicherten sind. Man nehme nur mal folgendes Beispiel: Versicherung ist eine AG. Die nimmt Prmien für ihre Lebensversicherung ein - eigentlich sollten die Überschüsse den Versicherten zustehen. Aber da sind ja noch die Aktionäre, die bekommen - selbstverständlich und zur recht - einen Teil des Kuchens ab. Soweit so gut/fair. Aber dann kommt der Raub: wenn die Versicherung mit dem Geld der versicherten, also ihren Prämien, ein neues Verwaltungsgebäude baut und dieses nach z.B. 20 Jahren wieder verkauft, wem fließt dann wohl der Verkaufserlös zu? Richtig, der AG. Das geht nicht in die Kasse der Versicherten, die das Gebäude bezahlt haben, sondern in die Kasse der Aktionäre. Und das ist Betrug am Versicherten meiner Meinung nach - auch wenn der Staat dies durch seine Buchführungs- und Bilanzierungsvorschriften unterstützt und überhaupt erst möglich macht. Für mich ist und bleibt das ein Unding! Und ich bin, wo es geht, mit meinen Versicherungen bei Versicherungsvereinen auf Gegenseitigkeit (VVaG, wie z.B. der Debeka). Da fließen die Überschüsse nämlich den Versicherten zu, da es keine Aktionäre gibt, sondern man eine Art Mitglied/Genosse ist. Der "Beschiss" hält sich also deutlich in Grenzen...

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  3. Mal ein politischer Beitrag von dir, finde ich gut. Hätte Rezo noch gut in seinem Video "Die Zerstörung der CDU" unterbringen können - hast du sicherlich schon über die Medien mitbekommen.
    Mal eine persönliche Frage an dich: Du bist ja nach eigener Auskunft langjähriger CDU-Wähler - schreibst aber durchaus alle paar Monate auch mal einen kritischen (bisher immer korrekten) Beitrag über die Politik dieser Partei. Wie geht das zusammen? Ist die CDU das aus deiner Sicht "kleinste Übel"? Nicht perfekt, aber dennoch wählbar?
    Wie gehst du mit deiner Verantwortung bei diesem konkreten, von dir beschriebenen Fall um? Immerhin hast du der ausführenden Politik ja den Wahlauftrag erteilt - UND danach noch wiederholt dieses Handeln bestätigt...
    Soll kein Angriff sein, jeder darf wählen, was er möchte, und das ja eigentlich auch per GG geheim - interessiert mich einfach nur in deinem konkreten Fall. Die meisten CDU-Wähler haben im Grunde nach meiner Erfahrung gar keine Ahnung vom politischen Tagesgeschehen und der jeweiligen Agenda, bei dir sehe ich zumindest im wirtschaftlichen Bereich schon einen sehr klaren Blick. Deshalb meine Neugierde, wie das zusammengeht.
    Gruß und einen schönen Tag wünsche ich dir !

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    1. Dazu fällt mir ein Zitat von einem älteren Nachbarn ein der sagte: "Machen wir uns nix vor die CDU ist eine schlechte Partei. Aber man muss bedenken es gibt keine bessere!"
      Er selber war nie Mitglied hat sich aber ausführlich mit den Parteien immer auseinander gesetzt und ist immer zum Schluss gekommen sein Kreuz bei der CDU zu setzen.

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    2. Ich möchte dieses Blog eigentlich nicht für politische Diskussionen zweckentfremden; natürlich greife ich auch mal Themen auf, die einen politischen Hintergrund oder Auslöser haben, da bleibt eine politisch motivierte Diskussion natürlich nicht aus, klar. Mir wäre es allerdings lieber, wir würden über das Thema/die Sache diskutieren. Doch ich antworte Dir natürlich auch...

      Ronny, ich bin nicht nur CDU-Dauerwähler (seit 1998), sondern seit 1999 Mitglied dieser Partei und seit 20 Jahren aktiver CDU-Kommunalpolitiker. =)

      Die CDU ist eine Volkspartei und hat daher den Anspruch, ein sehr breites Spektrum an Meinungen zu vertreten, die dann immer mal etwas stärker oder schwächer bedient werden. Ich bin grundsätzlich eher liberal eingestellt und gehöre dem Wirtschaftsflügel an, dennoch vertrete ich partiell auch konservative Positionen und bisweilen auch linksliberale (meine Ideen zu Soli/Aktien/Umsatzsteuer/Erbschaftssteuer sind kaum Mainstream in der CDU, jedenfalls momentan nicht). Das bedeutet, dass ich nicht immer alles teile, was führende Köpfe dieser Partei äußern. Und dass ich bisweilen auch nur den Kopf schütteln kann.

      Für mich ist die CDU nicht das kleinste Übel, sondern ich stehe zu den Grundwerten dieser Partei. Ich habe allerdings schon vor etwa 15 Jahren für mich entschieden, dass ich dort keine "Karriere" machen will, sondern mich dort einbringen möchte, wo ich etwas bewirken kann: in meinem unmittelbaren Lebensumfeld, dort wo ich lebe. Daher bin ich im Stadtrat aktiv. Das könnte ich natürlich auch in einer Wählergemeinschaft tun, dann müsste ich nicht in jedem Jahr einen Wahlkampf führen und mich auch nicht öfter mal für "die da oben" schämen. Wie aktuell gerade für Manfred Weber, Spitzenkandidat der EVP (zu der CDU und CSU gehören) bei der Europawahl, der Nord Stream 2 killen will, falls er EU-Kommissionpräsident wird. Aber nachdem Macron hier ein klares "Non" ausgesprochen hat, wird es Weber wohl nicht - und ich konnte beruhigt meine Stimme für die CDU/EVP abgeben. ;-)

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