Montag, 4. September 2017

Projektverschiebungen, Gewinnwarnung: Lloyd Fonds kann nicht (mehr) überzeugen

Die Hamburger Lloyd Fonds AG, einen seit über 20 Jahren auf sachwertbasierte Investitionen und Kapitalanlagen spezialisierter Investment- und Asset-Manager, habe ich seit letztem Jahr als Turnaround-Spekulation auf meiner Empfehlungsliste. Und die Geschäfte liefen gut an, 2016 musste Lloyd Fonds mehrfach die eigenen Prognosen nach oben schrauben und der Turnaround kam spürbar voran, so dass 2016 mit einem Konzernjahresergebnis von 3,2 Mio. Euro abgeschlossen werden konnte. Und dieses war für 2017 die Messlatte, die sich nun allerdings als deutlich zu hoch erwies. Denn mit Vorlage der Halbjahreszahlen für 2017 musste Lloyd Fonds einräumen, die Prognosen für dieses Jahr deutlich zu verfehlen und sogar unterhalb des letztjährigen Konzernergebnisses abschließen zu müssen.


Bei geplanten Projekten im Neugeschäft habe es Verzögerungen und Veränderungen gegeben, die möglicherweise zu einem Umsatzrückgang führen werden. So sei das Projekt "WohnWert" zur Finanzierung öffentlich geförderten und bezahlbaren Wohnraums zunächst als Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) geplant gewesen und nun werde als offener Immobilienfonds strukturiert. Des Weiteren werde es erst zum Jahresende auf den Markt gebracht. Kein Wort mehr davon, dass es ein Börsengang der Sparte in Aussicht gestellt worden war!

 Lloyd Fonds (Quelle: wallstreet-online.de
Daneben konnten allerdings auch noch andere Projekte und Transaktionen in den Bereichen Schifffahrt und Immobilien nicht wie geplant in diesem Jahr umgesetzt werden. Dabei wollte das Unternehmen vor allem im Bereich Schifffahrt und Immobilien richtig durchstarten und Mitbewerber wie Corstate Capital, Ernst Russ oder MPC Capital machen dies erfolgreich vor. Denn Asset Manager profitieren weiterhin extrem von der anhaltenden Niedrigzinsphase.

Positiv ist, dass Lloyd Fonds weiterhin schwarze zahlen schreibt. Aber die Probleme poppen an verschiedenen Stellen hoch und scheinen nicht auf einen Tätigkeitsbereich beschränkt zu sein. Hinzu kommt, dass man die Anleger viel zu lange über wichtige und grundlegende Strategieentscheidungen im Unklaren gelassen hat. Insbesondere das vom Unternehmen als besonders attraktiv herausgehobene Segment Sozialer Wohnungsbau und der avisierte Börsengang der Tochter, hatten für viel Fantasie gesorgt - und die wurde nun bitter enttäuscht. Doch gerade im Bereich der Asset Manager und nach den schlechten Erfahrungen der Anleger mit geschlossenen Investmentfonds für Schiffe, Flugzeuge und Immobilien ist Vertrauen das wichtigste Asset. Und das hat Lloyd Fonds nun mit seiner verzögerten und intransparenten Kapitalmarktkommunikation erst einmal wieder verspielt.

Das Chance-Risiko-Verhältnis hat sich kräftig eingetrübt und in dem Sektor gibt es eine Reihe von Alternativen - einige aussichtsreiche habe ich ja hier im Blog schon vorgestellt. Folgerichtig streiche im Lloyd Fonds von meiner Empfehlungsliste und nehme nach etwas mehr als einem Jahr eine Gesamtrendite von 71% mit - inkl. Bruttodividende.

1 Kommentar:

  1. Nicht schlecht, wenn ein Investment sich mal nicht so entwickelt wie erhofft und man sich dennoch mit 70% Rendite nach nur einem Jahr verabschieden kann. Herzlichen Glückwunsch!
    ;-) stw

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