Freitag, 20. April 2018

3U Holding mit Immobilienverkauf und Verdopplung der Gewinnprognose

Die 3U Holding (WKN: 516790) ist noch relativ frisch auf meiner Empfehlungsliste, macht aber in dieser kurzen Zeit schon richtig Freude. Und heute gleich wieder.

Die Gesellschaft ist eine auf Telekommunikation und erneuerbare Energien ausgerichtete Beteiligungsholding und mit einer Marktkapitalisierung von gerade einmal 40 Mio. Euro ein klassischer Microcap. Neben den beiden Tätigkeitsschwerpunkten hat man auch einen überschaubaren Immobilienbestand. Und einen Teil davon veräußert man nun. Dabei kann man stille Reserven heben und weil der Verkauf nicht in den bisherigen Planungen enthalten war, muss 3U gleich auch noch die Jahresprognosen anheben. Und das kräftig.


Die heutige Meldung klingt eher unscheinbar: 3U plant den Verkauf einer Gewerbeimmobilie in Hannover. Die beiden Gebäude der Liegenschaft sind derzeit vollständig an verschiedene Parteien vermietet; in einem der Gebäude befindet sich ein rund 550 qm großes Rechenzentrum der 3U Telecom GmbH, das auch weiterhin dort betrieben werden soll.

Interessanter werden die finanziellen Auswirkungen. Denn die Anschaffungskosten vor einigen Jahren betrugen rund 8,4 Mio. Euro und durch die Veräußerung wird ein positiver Ergebnisbeitrag von rund 1,9 Mio. Euro erwartet sowie ein Anstieg der Eigenkapitalquote auf über 50%. Die mit der Liegenschaft verbundene Fremdfinanzierung über 4,0 Mio. Euro wird im Rahmen der Transaktion ohne wesentliche Vorfälligkeitsentschädigung abgelöst.

Für die Finanzierung der Gewerbeimmobilie hat der Käufer heute eine verbindliche Finanzierungszusage erhalten, so dass 3U davon ausgeht, den Deal inkl. der Kaufpreisvereinnahmung gegen Ende des ersten Halbjahres 2018 abgeschlossen zu haben.

Prognoseanhebung
Vor dem Hintergrund der nicht in der Planung vorgesehenen erwarteten Veräußerung erhöht der Vorstand seine bisherige Prognose für das aktuelle Geschäftsjahr wie folgt:

  • Die Umsatzprognose bleibt bei 46-50 Mio.€.
  • Das EBITDA soll auf 8,0 - 9,5 Mio.€ steigen (bisher 6,5 - 8,0 Mio. Euro).
  • Das Ergebnis wird sich auf 2,5 - 3,5 Mio. Euro erhöhen (bisher 1,0 - 2,0 Mio. Euro).

 3U Holding (Quelle: wallstreet-online.de
Meine Einschätzung
Ich habe die Aktien der 3U Holding vor einiger Zeit günstig eingesammelt, weil das Unternehmen aus meiner Sicht weiterhin unterbewertet ist. Der Aktienkurs liegt unter Buchwert - wie sich heute wieder zeigt - und operativ macht 3U große Fortschritte: man ist seit einiger Zeit in der Gewinnzone und schüttet eine Dividende aus. Durch den Verkauf von Windparkprojekten verdient man gutes Geld ; ein Verkauf für 2018 ist bereits vertraglich gesichert. Und gerade hat man einen Bestandspark günstig neu eingekauft; zwar mit begrenzter Restlaufzeit, was die EEG-Förderung angeht, aber er wird bis 2020 mehr einspielen, als an Kosten für den Unterhalt und die Rückbauverpflichtung anfallen wird. Da er ab 2020 vollständig abgeschrieben ist und aus dem Cash-Bestand von 3U bezahlt wurde, wird er perspektivisch einfach den produzierten Strom zum Cashflow und Gewinn von 3U beitragen. Ob und überhaupt ein Repowering ansteht, wird sich erst später entscheiden.

Der heutige Deal zeigt, dass in der 3U-Bilanz einige Reserven versteckt sind, die sich durchaus heben lassen. Und dass der Vorstand inzwischen auch gewillt ist, dies aktiv zu tun. Weil man aber nicht nur alte Assets abverkauft, sondern das Geld auch in neue, aussichtsreiche Projekte investiert, sollte der Buchwert/NAV weiter zulegen können. Hinzu kommt, dass sich durch das Ablösen alter Finanzierungen zusätzlich noch das Finanzergebnis verbessert und 3U trotzdem seinen Cash-Bestand erhöhen konnte. Weiteren Investments steht also nichts im Weg - und einem höheren Aktienkurs folglich auch nichts.

Ich habe die 3U Holding auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot. Der marktenge Microcap bietet ein ausgezeichnetes Chance-Risiko-Verhältnis und notiert weiter unterhalb seines Buchwerts. Für geduldige Langfristanleger mit Vorliebe für Nebenwerteinvestments sollte sich ein Engagement hier weiterhin auszahlen.

Kommentare:

  1. Hallo Michael, was macht es für einen Sinn eine Immobilie zu verkaufen und danach Mieter zu sein?
    Für 2018 erhöht sich der Gewinn, aber ist es auch langfristig sinnvoll?
    Habe auch ein paar 3U-Aktien vor einiger Zeit eingesammelt.
    Ich verkaufe auch nicht meine Villa und miete sie nachher an. Sepp vom Tegernsee

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  2. Ich denke man ist als Mieter immer flexibeler.
    Man kann die Mietkosten nebst Nebenkosten absetzten braucht keine Unterhaltungskosten für eine Immobilie aufzubringen oder Rückzuhalten.
    Bei uns haben die Sparkassen in den letzten Jahren viele Gebäude veräußert (wohl zu guten Preisen) und sie dann wieder angemietet

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    1. Als Eigentümer kann man auch die laufenden Kosten und auch noch eine AfA als BA absetzen. Ausserdem ist meiner Meinung eine Sachanlage sinnvoller als steigende Mieten zu zahlen. VG Paul

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  3. Immobilien Eigentum vs. Miete

    Ich habe kein Immobilieneigentum mehr. Ich habe alles vor einiger Zeit verkauft und wohne wieder zur Miete. Das Geld habe ich investiert - in Aktien. Das bringt mir unterm Strich eine weitaus höhere Rendite als Immobilien. Man muss sich nur mal die Wertentwicklung ansehen - und nicht 2009 starten, sondern z.B. 1990. Man hat mit deutschen Immobilien hier massiv weniger verdient als am Aktienmarkt.

    In den letzten Jahren haben wir aber einen Immobilienboom in Deutschland. Solche Phasen gibt es immer mal wieder, danach folgen viele Jahre der Tristesse mit stagnierenden oder gar fallenden Preisen. Von daher ist es durchaus clever, die hohen Zuwächse der letzten Jahre auch mal mitzunehmen.

    Dass die 3U Holding mit einer Tochter selbst Teilnutzer der Räumlichkeiten ist, ändert doch nichts an der Situation. Die Tochter hat bisher Miete gezahlt und wird das auch künftig tun. Nur dass die 3U Holding nicht mehr Eigentümer der Immobilie ist und die Mieten kassiert. Statt dessen hat man einmalig einen schönen Reibach gemacht. Und kann das Geld in neue, andere Projekte investieren. 3U Holding agiert hier also opportunistisch und nimmt die Chancen am Markt wahr. Das ist sehr sinnvoll und für mich ja gerade ein Grund, weshalb ich hier eingestiegen bin.

    Des Weiteren ergeben sich für 3U neue Möglichkeiten. Man hat 4 Mio. Euro an alten Krediten, die man nun ablösen wird. Die Kreditkonditionen dürften erheblich höher liegen als heutzutage. Sollte 3U also woanders investieren, ergäben sich hier wohl signifikant bessere Konditionen. Aktuell spart man die Zinsen erstmal vollständig ein.

    Wie gesagt, ich bin sehr zufrieden mit dem Deal und sehe (auch deshalb) weiteres Kurspotenzial für die Aktie.

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    1. Ich kann das nicht verstehen. Ich habe seit Jahren Immobilien in München. Die steigen ca. 10 % p.a.. Durch den FK Hebel (20% EK / 80 % FK) ist die Rendite phänomenal. Immobilien gehören für einen vermögenden Investor einfach dazu.
      Chris aus München

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    2. In Ballungsgebieten war dies natürlich auch in den letzten Jahren ein Geschenk und mit Sicherheit eine der top Renditebringer und wenn du diese vor der Hintergrund in eine andere Ablagemöglichkeit oder assetklasse zu investieren jetzt verkaufen könntest gewinnbringend und steuerfrei nach der nötigen Haltefrist wäre das doch durchaus auch in deinem Fall plausibel Chris oder nicht

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    3. Ja, die letzten paar Jahre gab es in den Ballungszentren starke Preissteigerungen bei Immobilien. Ansonsten war das auf lange Sicht ein Trauerspiel. Einfach mal diese Grafik ansehen zu der Preisentwicklung seit 1980. Und dann den Verlauf von DOW oder DAX ansehen in dem Zeitraum...

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  4. Also meine Immobilien sind in den letzten 10 Jahre kaum im Wert gestiegen. Wir liegen in einer Mittelstadt und glaube ohne die niedrigen Zinsen hätte es Preisrückgänge gegeben und nun ehr ein gleichbleibender Preis. Also es ist keinesfalls sicher, dass alle Immobilien und überall ansteigen!

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    1. Völlig richtig. Der Speckgürtel um die Städte mit viel Industrie (z.B. Köln, Stuttgart) profitiert sicher von dem Boom und der Nachfrage, allerdings kann man das keineswegs auf alle Regionen Deutschlands adaptieren.

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