Dienstag, 17. April 2018

Meine jüngsten Käufe: 3U Holding, Arista Networks, Axel Springer, Jefferies Financial

In meinen Investor-Updates notiere ich in unregelmäßigen Abständen aktuelle Einschätzungen zu Unternehmen meiner Empfehlungsliste und wie sich diese ggf. auf mein Investment-Portfolio ausgewirkt haben. Darüber hinaus auch zu Unternehmen, die ich noch nicht hier im Blog vorgestellt habe, die sich jedoch in meinem Depot befinden.

Heute geht es um 3U Holding (WKN: 516790), Arista Networks (WKN: A11099), Axel Springer (WKN: 550135) und Jefferies Financial Group Leucadia National (WKN: 857094).

Politische Börsen haben kurze Beine...
Es macht einfach keinen Spaß (mehr), sich mit Politik zu beschäftigen. Obwohl der Wohlstand der Welt ständig wächst und immer mehr Menschen daran teilhaben, ist von nichts anderem die Rede als von Krieg, Not und Elend. Und davon gibt es reichlich auf der Welt, unwidersprochen. Trotzdem bin ich es leid, mir ständig das Mega-Ego der Trumps, Putins, Erdogans, Mays dieser Welt antun zu müssen und ihre Verdrehung der Fakten. Lügen auf höchsten Niveau. Und damit meine ich nicht Klasse, sondern politische Rangordnung. Diese Leute sind eine ganz eigene Kaste für sich und sie haben fast alle dem Finger am Abzug der Atomraketen. Erschreckend. Die Börse nimmt sie zunehmend weniger zur Kenntnis, weil sie und ihre stereotypen Handlungsweisen sich in immer kürzeren Abständen wiederholen und sich damit auch abnutzen. Gut so...! Besser wäre, die Wähler würden anstelle von Machopoliticlowns lieber wieder langweilige, solide Staatslenker wählen (so man in Ländern wie Russland, der Türkei oder den USA (dank Cambridge Analytica ist das ja inzwischen auch keine selbstverständliche Tatsache mehr) von freien Wahlen sprechen kann). Aber das bleibt wohl nur eine fromme Hoffnung. Daher wende ich mich lieber den jüngsten Neuerscheinungen auf meiner Empfehlungsliste zu...

▶ 3U Holding AG

Die 3U Holding ist eine auf Telekommunikation und erneuerbare Energien ausgerichtete Beteiligungsholding und mit einer Marktkapitalisierung von gerade einmal 40 Mio. Euro ein klassischer Microcap. Bisher hat das Unternehmen sich kaum um seine Aktionäre gekümmert und dem Kapitalmarkt gegenüber "zurückhaltend" kommuniziert, um es mal vorsichtig auszudrücken. Auch deshalb notiert der Aktienkurs seit Jahren deutlich unterhalb des Substanzwerts.

 3U Holding (Quelle: wallstreet-online.de
Doch die Zeiten ändern sich: 3U hat die Aktionäre als Asset erkannt und diese neue Aufmerksamkeit führt neben den sich weiter verbessernden Geschäftszahlen zuletzt zu steigenden Kursen. Auch dank Druck umtriebiger Kleinaktionäre, die den Vorstand durch Bündelung ihrer Stimmrechte unter Druck setzten und so zu Gehaltsverzicht sorgten und einer teilweisen Neubesetzung des Aufsichtsrats. Aus der früheren Selbstbedienungsmentalität wird zunehmend Shareholder Value, wenn auch zunächst notgedrungen.

Meine Einschätzung
Ich habe die Aktien der 3U Holding vor einiger Zeit günstig eingesammelt, weil das Unternehmen aus meiner Sicht weiterhin unterbewertet ist. Der Aktienkurs liegt unter Buchwert und operativ macht 3U große Fortschritte: man ist seit einiger Zeit in der Gewinnzone und schüttet eine Dividenden aus. Durch den Verkauf von Windparkprojekten verdient man gutes Geld und gerade hat man einen Bestandspark günstig neu eingekauft. Daher sollten Buchwert/NAV und dem entsprechend Aktienkurs weiter zulegen können.

▶ Arista Networks Inc.

Arista Networks ist ein Netzwerkausrüster und setzt mit seinen leistungsfähigen Hochgeschwindigkeits-Netzwerk-Switches vor allem auf Cloud-Anwendungen und Echtzeit-Computing. Mit dem auf Linux basierenden offene Betriebssystem EOS zielt Arista auf Kunden, die riesige Datenströme managen müssen, wie zum Beispiel Börsen oder Finanzdienstleister. EOS ist eine individuell anzupassende, flexible und vor allem kostengünstige Technologie, mit der sich Arista in direkte Konkurrent zu Platzhirsch Cisco Systems begibt. Cisco möchte hier stärker Fuß fassen, kann aber Aristas profitablem Wachstum bisher wenig entgegen setzen.

 Arista Networks (Quelle: wallstreet-online.de
Meine Einschätzung
Arista Networks setzt konsequent auf die Cloud und liegt gegen Dominator Cisco deutlich vorn. Arista wächst stark und das profitabel, so dass das Unternehmen aus sich heraus eine attraktive Investmentmöglichkeit darstellt. Hinzu kommt die Übernahmephantasie, denn gerade Cisco Systems kauft ja bekanntlich gerne neue Technologie zu, um seinen Platz zu behaupten. Dann wäre aber ein satter Aufpreis für die Arista-Aktien fällig.

Der Kurseinbruch am Freitag geht übrigens auf einen negativen Analystenkommentar zurück, der bei Arista ein schwächeres Wachstum erwartet als bisher. Das kam am Markt nicht gut an, bot aber meiner Ansicht nach eine klasse Nachkaufgelegenheit, so dass ich bei knapp unter 200 Euro meinen Bestand aufgestockt habe. Arista ist aussichtsreich positioniert und ein großer Profiteur des Trends hin zu Cloud basierten Anwendungen. Die stark wachsenden Datenmengen, man denke nur an Autonomes Fahren, erfordern immer schnellere und flexiblere Lösungen und das spielt Arista voll in die Karten, nicht nur heute und morgen...

▶ Axel Springer SE

Der Medienkonzern Axel Springer wandelt sich rasant von einem Zeitungsverlag hin zu einem digitalen Medienunternehmen. Nach dem Verkauf der meisten Printmedien an die Funke-Gruppe vor einigen Jahren verblieben bei Axel Springer vor allem BILD und Die Welt.

 Axel Springer (Quelle: wallstreet-online.de
Kürzlich hat Axel Springer starke Zahlen für das Geschäftsjahr 2017 präsentiert, der Kurs wurde aber dank eines zurückhaltenden Ausblicks auf 2018 massiv in den Keller geschickt. Hier habe ich zugegriffen, nachdem ich Axel Springer schon länger auf der Watchlist hatte.

Meine Einschätzung
Print-Zeitungen werden weiter Auflage verlieren und Axel Springer hat hier rechtzeitig den Absprung geschafft. Die konsequente Ausrichtung hin zum Digitalen Medienkonzern birgt große Chancen, zumal Axel Springer über viel Geld, starke Marken und damit eine breite Kundenbasis verfügt und somit aus einer Position der Stärke heraus den Wandel angehen konnte und kann.

Die Kombination aus Content und Reichweite macht Axel Springer für Anleger mit mittel- bis langfristigem Anlagehorizont interessant.

▶ Jefferies Financial Group (zuvor Leucadia National Corp.)

Leucadia National ist ja eine Beteiligungsgesellschaft, die sich an den Prinzipien von Warren Buffett orientiert. Bisher notierte der Kurs immer mit einigem Abschlag zum NAV, weil Leucadia ein ziemlicher Gemischtwarenladen ohne wirkliche interne Synergieeffekte war. Doch nun hat man einen Strategieschwenk verkündet und will die größten Beteiligungen verkaufen: den Fleischproduzenten National Beef und Garcadia, einen Autohändler.

 Leucadia National (Quelle: wallstreet-online.de
Bei National Beef wird man nach dem Teilverkauf noch 31% halten, das Unternehmen aber entkonsolidieren und den Rest als Minderheiten ausweisen (und perspektivisch ebenfalls verkaufen, denke ich). Die freien Mittel sollen dann u.a. in ein stark ausgeweitetes Aktienrückkaufprogramm fließen.

2012 hatte man Jefferies Financial übernommen und Leucadia will jetzt aus einer Beteiligungsholding zu einem Finanzserviceunternehmen werden. Dem entsprechend sollen die Aktionäre auch der Namensänderung von Leucadia in Jeffries Financial Group zustimmen.

Meine Einschätzung
Die Neuausrichtung sieht vielversprechend aus und dürfte dazu führen, dass der Kurs sich weiter an den NAV heranschiebt. Aktuell notiert er noch mit deutlichem Abschlag und ich gehe davon aus, dass der Strategieschwenk einerseits weitere stille Reserven heben und andererseits die Gruppe schlagkräftiger machen wird. Dadurch sollte der Wert des Unternehmens anziehen und zusammen mit der Reduzierung des Abschlags auf den NAV signifikantes Kurspotenzial bieten.

▶ Cashquote

Meine Cash-Quote liegt bei knapp 12%. Neben den Verkäufen von Aves One und Facebook habe ich mein Depot die letzten Wochen etwas winterfester aufgestellt - und das im Frühling. Beißt im Klartext, dass ich spekulativere Aktien reduziert habe, während ich ein paar defensivere Titel aufgestockt habe. Dadurch sind die Werte in absoluten Zahlen enger zusammengerückt und wechseln häufiger mal die Position, je nach Kursentwicklung.

▶ Meine 8 größten Depotpositionen

MBB, Aurelius, Deutsche Rohstoff, Corestate Capital, Amazon, Blue Cap, 3U Holding, Arista Networks.

Dividendendepot

Im Dividendendepot hatte ich Prospect Capital (PSEC) aussortiert und dafür bei Ares Capital (ARCC) und Main Street Capital (MAIN) aufgestockt.


3U Holding, Arista Networks, Axel Springer und Leucadia National befinden sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.

Kommentare:

  1. Arista Networks ist das Ziehkind von Andy Bechtolsheim. Er hat schon vorher Cisco massiv geholfen, nun ist er hier von Anfang an dabei. Außerdem ist es ein direkter Cloud play.

    Magnum vectigal est parsimonia.

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  2. Sehr schön, danke für die Analysen! Arista überzeugt mich, habe soeben für knapp 192€ zugeschlagen :)

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  3. Hallo Michael,

    vielen Dank für den Beitrag und deine Arbeit generell. Findest du es nicht ironisch, dass du dich einleitend über die Machopoliticlowns und den Zirkus der Weltpolitik beklagst und dann auf Springer setzt? Einen Laden der massiv zur Verbreitung der Horrormeldungen und Kriegstreiberei beiträgt und genau diese Machopoliticlowns hofiert? Oder spielen solche Überlegungen keine Rolle für dich wenn es ums Geschäft geht?

    Viele Grüße,
    Ben

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    1. Nö, damit habe ich kein Problem. Wenn ich mich über Raser und Drängler ärgere, mache ich dafür ja nicht zuvorderst den Straßenbetreiber verantwortlich, sondern den Verursacher/Täter. Presse/Medien sollen über Fakten, Meinungen und Ereignisse berichten, das aber objektiv oder ggf. gekennzeichnet (als Kolumne oder Kommentar). Wenn Medien versuchen ihre Leser einseitig zu manipulieren, dann habe ich damit ein Problem, dann wäre das Propaganda. Und die hat mit Presse und Pressefreiheit und Meinungsvielfalt nicht viel zu tun. Ist Propaganda klar zu erkennen, dann kann sich jeder selbst schützen. Aber versteckt unter dem Mantel objektiver Berichterstattung, ist es für mich ein No-Go. Über Politclowns zu berichten gehört zur Berichterstattung dazu. Denn die Politiclowns finden ja statt. Man muss/darf sie nur nicht ungefiltert und unhinterfragt in die Wohnzimmer und Gehirne der Menschen lassen...

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    2. Wenn man über längere Zeit bekanntere Publisher verfolgt, wird man früher oder später immer eine gewisse Grundausrichtung feststellen. Ich kenne keinen Verlag, der wirklich neutral berichtet. Mittlerweile ist praktisch alles ein Kommentar, aber nicht als das gekennzeichnet. Selbst wenn es nur durch zugehöriges Bildmaterial ist, das immer in diesem oder jenem Licht editiert oder positioniert sein kann. Um dem zu entgehen, bleibt ja nur über ein und das selbe Theme diverse Artikel verschiedener Anbieter zu lesen und die Wahrheit in der Mitte zu suchen - aber wer hat schon Zeit/Lust dazu?

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  4. Ich finde es sehr spannend, dass Du als Value-Investor jetzt auch Arista Networks ins Portfolio aufnimmst. Ich bin ja als "High-Growth-Investor" unterwegs und habe Arista aus einem ganz anderen Blickwinkel heraus vor einiger Zeit ebenfalls für mich entdeckt (auch wenn mir die Aktie lange Zeit zu teuer war siehe https://www.high-tech-investing.de/single-post/2017/12/17/Arista-Networks-oder-Nutanix ).

    Mir zeigt das wieder einmal, dass modernes Value Investing wie Du es verstehst und High-Tech-Investing doch mehr miteinander zu tun haben als gedacht. Sehr schön solche Parallelen zu entdecken...

    VG Stefan

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    1. Moin Stefan,
      ich finde, das die große Differenz zwischen Value und Growth nicht mehr existiert, jedenfalls nicht mehr in allen Bereichen. Als ich Cisco Systems kaufte, notierte die Aktie mit einem mittleren einstelligen KGV. Ähnlich war es bei Microsoft. Klare Value-Bewertungen damals. Bei High-Tech-Aktien muss man die Bewertung im Verhältnis zum Wachstum sehen. Nur so kann man dort zu halbwegs vernünftigen Investmentansätzen kommen.

      Wie Warren Buffett selbst sagte, in diesem Bereich hat er viele gute Chancen verpasst (wie Amazon und Google), weil er diese Branche komplett ausgeblendet hat. Obwohl er die Qualität erkannt hat hinsichtlich des Geschäftsmodells und des wachsenden Burggrabens.

      Und Peter Lynch hat in seinem Klassiker "Der Börse einen Schritt voraus" betont, man müsse erst einmal erkennen, in welche Kategorie eine Aktie gehört, bevor man eine fundierte Bewertung vornehmen kann:

      - wachstumsschwache Aktien,
      - stetige Aktien,
      - wachstumsstarke Aktien,
      - zyklische Aktien,
      - Turnaround-Aktien,
      - Substanz-Spekulation.

      Weil je nach Kategorie andere Maßstäbe anzulegen sind. Ganz logisch, wie bei Autos: wenn ich mir Sportwagen ansehe, dann sind andere Kriterien wichtig/relevant, als wenn ich mich mit SUVs oder Kleinwagen beschäftige. Innerhalb dieser Kategorie lege ich dann vergleichbare Maßstäbe an und schaue, wer relativ gesehen der beste/richtige für mich ist. Und wenn mich eine Kategorie generell nicht reizt, dann schaue ich gar nicht erst hin.

      Und über Arista bin ich gestolpert, als ich mir Wettbewerber/Piesacker von Cisco Systems angesehen habe. Arista ist genau in dem Bereich tätig, den ich für mit den aussichtsreichsten für Cisco ansehe. Daher habe ich mir Arista mal näher angesehen und da bin ich... ;-)

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  5. Herr Kissig wäre Solution30 vielleicht was für Sie? Eine Holding mit Schwerpunkt Technologie, verfolgt eine ähnliche Strategie wie Corestate und hat seit 1 Jahrzehnte solide 2 Stellige Wachstumsraten, nur scheinbar vollkommen unbekannt.

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    1. Ich habe noch nie von dem Unternehmen gehört und auf die Schnelle auch keine Infos gefunden. Gibt es eine ISIN zu Solution30?

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  6. ALS30 kam bei der letzten Datagroup Besprechung in den Kommentaren vor. So wie ich Ihnen ANET im letzten Facebook/Microsoft posting empfahl. (; ALS30 ist eine Deusch-franz. Erfolgsgeschichte: https://www.bloomberg.com/quote/ALS30:FP

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  7. Hallo Michael,
    wie beurteilst du aktuelle Situation bei deiner Altempfehlung Genworth Inc.Dies insbesondere vor dem Hingergrund der angestrebten Fusion mit Oceanwide. Aktuell muss bei Genworth auch ein Bond refinanziert werden.

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    1. Soweit ich weiß, gibt es nichts Neues. Die Anträge bei der CFIUS laufen, GNW hat einen Bond zur Refinanzierung begeben, der zu einem erheblichen Teil von Oceanwide gezeichnet wurde, und kann den Verpflichtungen aus der Rückzahlung des alten Bonds nachkommen. Im Westen nichts Neues...

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  8. Das Unternehmen SOLUTIONS 30 SE . Die SOLUTIONS 30-Aktie mit der WKN bzw. der ISIN FR0013188844 . Sie weist dabei eine hohe Streubesitzquote von 75% auf.
    Die SOLUTIONS 30 SE Aktie wird unter der ISIN FR0013188844 an den Börsen Frankfurt, München, Stuttgart, XETRA, SETSqx, Tradegate, Lang & Schwarz und XQTX gehandelt. SOLUTIONS 30 SE ist ein Unternehmen aus Luxemburg. Im gleichen Bereich tätige Unternehmen sind z.B. SOLUTIONS 30.
    Die Lösung für Ihr Anlageproblem
    Thomas Bergmann | Redakteur
    25.07.2015 - 10:00 Uhr
    Gianbeppi Fortis ist Italiener, Vorstand eines französischen Unternehmens, dessen Hauptsitz in Luxemburg liegt. Seit November ist Solutions 30 auch in Deutschland gelistet. Hintergrund ist die geplante Expansion auf dem deutschen Markt, die der beeindruckenden Erfolgs­story der Franzosen ein weiteres Kapitel hinzufügen dürfte.

    Europas Branchenführer

    Solutions 30 ist einer der führenden IT-Dienstleister in Europa für die Installation und Fehlerbehebung von IT-Hardware sowie die Schulung und Beratung von Anwendern. Das Unternehmen installiert im Auftrag von Großkonzernen intelligente Energiezähler, schult Mitarbeiter von Sicherheitsfirmen an Anlagen und Systemen oder übernimmt für Computerhersteller wie Hewlett-Packard den Ersatz- und Reparaturservice.

    Täglich wickeln die 1.500 Techniker mehr als 4.000 Aufträge ab – "und das zu attraktiven Konditionen", so Fortis. Auf die Frage, was Solutions 30 sonst noch von der Konkurrenz abhebt, sagt der Konzernchef: "Wir haben ein langjähriges Know-how und eine eingespielte Lo­gistik vor Ort." Darüber hinaus sei das Unternehmen direkt in die IT-Systeme der großen Kunden wie Orange oder Vodafone eingebunden. Der Italiener hat auch keine Angst vor der Konkurrenz: "Hoch­skalierbare Geschäftsmodelle wie unseres lassen sich auch mit viel Geld nicht einfach kopieren."

    Rekordauftrag

    Aus eben genannten Gründen dürfte die Firma den größten Auftrag der Firmengeschichte an Land gezogen haben. Der französische Stromnetzbetreiber ERDF hat Solutions 30 damit beauftragt, 3,1 Millionen neue Smart Meter mit dem Namen "Linky" zu installieren. Die Auftragsvergabe erfolgte im Rahmen des Programms zur flächendeckenden Einführung von intelligenten Stromzählern in Frankreich. Diese umfasst in der ersten Phase 10,1 Millionen Geräte, von denen Solutions 30 einen Marktanteil von 30 Prozent einnimmt.

    Das Unternehmen sollte mit weiteren Großaufträgen rechnen können, denn in Frankreich wurde das politische Ziel ausgegeben, bis 2022 alle bestehenden 35 Millionen Stromzähler durch neue Linky-Meter zu ersetzen. "Und hierbei geht es ausschließlich um Frankreich", sagt Analyst Peter Hasler von Sphene Capital. "Im dritten EU-Energiepaket wurden alle Mitgliedstaaten – auch Deutschland – aufgefordert, intelligente Messsysteme als Voraussetzung für das europäische Smart Grid zu implementieren. Andere Länder werden daher folgen. Das ist ja auch ein Grund für die von Solutions 30 forcierte Internationalisierung", so der Experte.

    Vor allem auf dem deutschen Markt will Fortis Gas geben. "Ich gehe davon aus, dass wir im laufenden Jahr unsere Präsenz in Deutschland nochmals deutlich ausbauen werden." Laut Hasler verfolgt Solutions 30 einen klugen Mix aus organischem und externem Wachstum, wobei das Unternehmen nach einem einheitlichen Schema vorgeht: Übernommen werden ausschließlich kleine, lokal tätige Gesellschaften, die meist nicht die kritische Masse haben, um langfristig eigenständig am Markt zu überleben. Dafür müssen dann auch keine hohen Kaufpreise bezahlt werden. "Die Übernahme von vielen kleinen Unternehmen versetzt Solutions 30 dann letztlich in die Lage, seine Dienstleistungen landesweit anzubieten – und für die führenden IT-Unternehmen zum bevorzugten Partner aufzusteigen", so Hasler.

    Günstige Aktie

    Fortis ist überzeugt, in den sechs Ländern, in denen Solutions 30 aktiv ist, an die Umsatzgröße aus Frankreich heranwachsen zu

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  9. zu können. Mittelfristig rechne er daher mit einem Umsatzanstieg auf 350 bis 450 Millionen Euro. Hasler rechnet im kommenden Jahr mit 180 Millionen Euro Umsatz und 1,25 Euro Gewinn pro Aktie, was einem KGV von 14 entspricht. Dies ist äußerst günstig, wenn man berücksichtigt, dass das Gewinnwachstum zwischen 2014 und 2016 durchschnittlich 76 Prozent beträgt. Fortis erwartet ein überdurchschnittliches Wachstum über viele weitere Jahre.

    Viel Spaß damit!

    Die Bereiche Internet der Dinge, Highspeed-Internet, Smart-Metering und mobiler Zahlungsverkehr bieten Solutions 30 auf Jahre hinaus hohe Wachstumspotenziale. Der Kurs hat folglich noch viel Luft nach oben.

    Dieser Artikel bring es praktisch auf dem Punkt, allerdings bin ich leider auch erst vor kurzem auf das Unternehmen aufmerksam geworden, die seit dem auch schon einiges nach Norden gegangen ist.

    Hoffe hilft dir weiter, das Geschäftsmodell an sich ist skalierbar, wachstumsfeld jetzt ist es nur für mich eine Frage des Preises.

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    1. Vielen Dank für die ausführlichen Erläuterungen/Infos zu Solutions 30. Das klingt wirklich interessant, allerdings sehe ich mich hier ganz gut positioniert. Im Bereich Smart Metering und IoT habe ich die S&T auf der Empfehlungsliste und bzgl. Mobile Payment z.B. PayPal. Was die Strategie im Bereich der Business Software angeht, über Zukäufe kleiner Firmen schnell Integrations- und somit Skalierungserfolge einzufahren, bin ich mit mVise und vor allem Datagroup bestens aufgestellt, denke ich. Des Weiteren Grenke - die habe ich zwar nicht auf meiner Empfehlungsliste, aber hier im Blog schon mal als aussichtsreiches Investment vorgestellt.

      Es bleibt am Ende, dass Solutions 30 eine französische Firma ist und damit steuerliche Probleme/Aufwand auftauchen, vor allem bei der Dividende, während ich eine deutlichen Vorteil ggü. den von mir genannten Unternehmen nicht erkenne. Daher würde ich die Aktie jetzt nicht zusätzlich ins Depot nehmen.

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  10. :-) der Artikel könnte von Michael sein :-)
    Fehlt nur noch: "Meine Einschätzung"

    Was mir nicht so gefällt, dass es eine Französische Firma ist bzgl. Dividenden und Transaktionssteuer. Aber vlt. machen die Aussichten und der Kursanstieg das wett. Stellt sich die Frage nach dem Maß der Über-/Unterbewertung.

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  11. Hallo Michael,
    ist Nestle als solides Langfrist-Unternehmen nicht gerade sehr günstig bewertet?

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    1. Momentan ist bei vielen defensiven Konsumwerten die Luft raus, weil die Unternehmen starke Trend verpennt haben. Die Verbraucher kaufen viel bewusster ein und wollen gesündere Lebensmittel und Zucker wird immer mehr zum NoGo. Manche sprechen bei Zucker schon vom neuen Rauchen.

      Die letzten Monate konnte man mit diesen Werten viel Geld verlieren - die abgestürzten Aktienkurse machen sie aber nicht automatisch preiswert. Ich denke, sie haben eigentlich nur die deutliche Überbewertung abgebaut, die sie in den letzten Jahren angesammelt hatten. Anlege registrieren, dass die Titel nicht so defensiv und nicht so Konjunktur unabhängig sind, wie sie dachten. Und dass das Wachstum ins Stocken geraten ist. Daher sind sie auch nicht mehr bereit, so hohe Aufpreise zu zahlen.

      Bzgl. Nestlé kommt erschwerend hinzu, dass man sich in einem immer mehr ausweitenden Konflikt mit EDEKA befindet - der Nummer 1 im deutschen Einzelhandel. Die sind samt ihrer Einkaufsgemeinschaft nicht mehr bereit, schlechtere Einkaufskonditionen bei Nestlé hinzunehmen ggü. den Wettbewerbern. Und da Nestlé hier nicht nachgibt, sortiert EDEKA gnadenlos die Nestlé-Produkte aus seinem Sortiment aus. Und ersetzt sie. Das wird Nestlé massiv Umsatz und Gewinne kosten. Und je länger der Konflikt dauert, desto größer ist die Gefahr, dass die Verbraucher sich an Konkurrenzprodukte gewöhnt haben und auch jenseits der EDEKA-Filialen dann diese in den Einkaufskorb legen.

      Dazu kommt, dass Nestlé ein Schweizer Unternehmen ist und man hier auch bzgl. der Dividenden Schwierigkeiten hat (Steuer). Das ist immer zusätzlich ärgerlich. Für mich also kein Kauf, auch nicht auf dem ermäßigten Kursniveau.

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    2. Hallo Michael,

      vielen Dank für diese Einschätzung auch von meiner Seite. Sie deckt sich ziemlich genau mit meiner eigenen, weswegen ich auch kürzlich trotz des Kursrückgangs einen ersten Teil meiner Position verkauft habe, die eigentlich eine Art Krisenschutz sein sollte. Die Aktie ist nicht mehr so extrem teuer wie in den letzten 2 bis 3 Jahren, aber eben auch kein Schnäppchen.

      Den von Dir genannten Punkten würde ich vielleicht noch zwei weitere anfügen:

      1. Nestle hat ein gewisses Imageproblem. Vom Wasser-Raubbau in Afrika bis zur Verkaufssperre von Nudel-Fertiggerichten in Indien wegen erhöhten Bleigehalts gerät man immer mal wieder negativ in die Schlagzeilen. Das ist nicht gerade förderlich für den Absatz, den Kurs und das eigene gute Gefühl als Investor. Der immer wieder vorgebrachte Hinweis, dass schließlich jedes Unternehmen irgendwo Dreck am Stecken habe, ist in meinen Augen keine Rechtfertigung für fragwürdiges Geschäftsgebaren.

      2. Möglicherweise positiv könnte sich langfristig auswirken, dass mit Ulf Schneider vor nicht allzu langer Zeit ein Mann die Zügel übernommen hat, der zuvor beim Gesundheitskonzern Fresenius recht erfolgreich war und die Zeichen der Zeit durchaus erkannt hat. Ich fürchte nur, bis der den Riesenladen wieder auf Kurs hat, wird's dauern. Bis dahin sind weitere Kursverluste m.E. nicht unwahrscheinlich.

      Aber es gibt ja noch andere Defensivinvestments als ausgerechnet Nestle...

      Gruß
      Jens


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    3. Martin Kellermann1. Mai 2018 um 11:07

      Die gleiche Überlegung, nämlich einen gewissen Depotanteil in (vermeintlich?) defensivere Werte umzuschichten, stelle ich auch seit einiger Zeit an. Und bei einigen Pharma- (Roche, GlaxoSmithKline, Novo Nordisk) sowie Nahrungs- und Konsumgütertiteln (AnheuserBusch Inbev, Reckitt Benckiser) habe ich auch in die fallenden Kurse hinein erste kleinere Tranchen investiert.
      Auch bei US-Large-Caps wie Kraft Heinz, General Mills, Procter & Gamble, Mondelez, Hershey, Coca-Cola, PepsiCo etc. sind die Kurse stark zurückgekommen. Aber ich bin, im Sinne des Value-Investing, ebenfalls hin- und hergerissen: Einerseits haben all diese Konzerne gegenwärtig Probleme, die möglicherweise auch mittel- und langfristige Effekte haben werden und damit den defensiven Charakter dieser Aktien beeinträchtigen (z.B. Gesundheits-, Umweltbedenken), andererseits haben sie in der Vergangenheit immer wieder unter Beweis gestellt, dass sie auf solche Situationen zu reagieren wissen, nicht zuletzt, weil sie global positioniert sind, und stabile Cashflows und eine hohe Eigenkapitalrendite erwirtschaften.
      Die "Fair Value Estimates" von Morningstar, die ich immer auch zurate ziehe, bevor ich eine Kaufentscheidung treffe, weisen für die Big Player dieser defensiven Sektoren einen "Wide Moat" sowie aktuell recht deutliche Unterbewertungen zwischen 10% und 20% aus.

      Herr Kissig, worin sehen Sie im Konsumgütersektor denn die relativen Vorteile von McCormick, das Sie auf Ihrer Empfehlungsliste haben?

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    4. Buffett rät, Branchen im Umbruch zu meiden. Und genau in einen solchen Umbruch ist die Konsumgüterbranche teilweise geschliddert, zumindest was die Lebensmittelanbieter angeht. Der Umbruch ist, dass es einen neuen Kreuzzug geben wird und zwar gegen Zucker. Und die Fertiggerichte enthalten Unmengen davon, ob es nun Frühstücksflocken sind, oder Wurst, oder... Die etablierten Hersteller haben bisher keine adäquate Antwort darauf und daher stehen sie so unter Druck. Und damit meine ich nicht die Aktienkurse, sondern ihr Geschäftsmodell.

      Wenn nun die Konsumenten wirklich konsequent auf den Zuckergehalt achten und zunehmend auf regionale Anbieter und auf "tierfreundliche" Produktion, ist das nichts, was man mit Marketing und ein einem Imagefilmchen beheben kann. Weil kleine Anbieter schnell in den Markt drängen und die großen Verbrauchermärkte sich diesem Trend schnell anpassen, um die Kunden nicht zu verlieren. Denn die Kunden haben ja Alternativen zum Supermarkt. Wenn der nicht anbietet, was der Kunde kaufen will, kauft er woanders oder gleich im Internet. Es ist ja nicht wie früher, wo man das kaufen musste, was im einzigen Markt vor Ort angeboten wurde.

      Für mich sind daher gegenwärtig viele/alle Unternehmen aus diesem Bereich keine Käufe. Nicht, solange sie keine Antworten auf diese neue Herausforderung gefunden haben. Einsparungen sind jedenfalls keine!

      Trotz vermeintlich verlockender Kurse kaufe ich keine General Mills, keine Kellogs, keine Nestlé, keine Mondelez, keine Kraft Heinz, keine Hormel Foods, keine Unilever. McCormick bleibt weitgehend verschont, weil man Gewürze, Soßen etc. herstellt. Die sind Bestandteil der Nahrungsproduktion und/oder Beiwerk, daher ist vom neuen Trend nicht so negativ betroffen - und kann ggf. den Zuckergehalt relativ einfach senken (in den Soßen).

      Coke und Pepsi leiden auch unter dem Zuckerthema, aber auch darunter, dass es immer kritischer gesehen wird, wie sie z.B. an ihr teuer verkauftes Wasser kommen und welche Schäden das bisweilen in den "Abbaugebieten" verursacht. Das betrifft natürlich auch Nestlé. Würde ich daher momentan ebenso wenig kaufen.

      Bleiben noch die klassischen Konsumgüterhersteller, wie Procter & Gamble, Church & Dwight, Reckit Benckiser oder Colgate-Palmolive. Die finde ich grundsätzlich interessant, auch wenn die Aktien die letzten Jahre massiv überbewertet waren. Diese Überbewertung baut sich nun ab - wirklich als Kauf drängen sich mir diese Aktien auf diesem Niveau auch (noch) nicht auf. Auch Kimberly Clark oder 3M nicht.

      Alle diese Werte haben gemein, dass sie kaum noch wachsen. Das EPS-Wachstum der letzten Jahre ist vor allem auf die massiven Aktienrückkäufe zurückzuführen, die mit billigen Schulden finanziert wurden. Schaut man sich die Bilanzen an, so ist der Verschuldungsgrad massiv in die Höhe geschnellt. Und nun steigen die Zinsen. Das Finanzergebnis wird sich also verschlechtern - und das Schuldenmachen wird teurer. Bedeutet, dass die Unternehmen anfangen werden, mit ihren Cashflows lieber Schulden abzubauen, als weiter Aktien zurückzukaufen. Das senkt das Wachstum beim EPS und damit auch die Rechtfertigung für höhere Bewertungen - und höhere Kurse.

      Fazit: der eine Teil steht vor umwälzenden Herausforderungen und der andere Teil weist zumindest durchwachsende Zukunftsperspektiven auf. Und für beides sind die Kurse noch zu hoch, als dass ich sie zum Einstieg interessant (genug) finden würde. Auch die vermeintlich hohen Dividendenrendite verblassen, wenn man als Alternative BDCs einsammeln kann, die vergleichsweise moderat bewertet sind, durchschnittlich doppelt so hohe Dividendenrenditen abwerfen und die von steigenden Zinsen ganz überwiegend deutlich profitieren werden.

      Daher bleibe ich bei meinem Fokus: Deutsche Nebenwerte, US-Techwerte, BDCs. Und ab und zu eine aussichtsreiche Turnaround-Spekulation.

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    5. Ich glaube als einzigst "altes Schwergewicht" steht Johnson & Johnson noch am Besten da. Finde JNJ z.Z. normal bewertet. Auch reizt mich eine Position in CHD zu öffnen, die ich aber jetzt noch zu hoch bewertet ansehe.

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    6. Ja, J&J habe ich ja auch schon einige Jahre auf meiner Empfehlungsliste. Da bereitet mir eher der Pharmabereich Sorgen, denn Pharma steht ja seit einiger Zeit unter Druck dank der US-Politik (egal, ob Republikaner oder Demokraten, alle schießen gegen die hohen Preise) und Innovationen lassen sich immer schwieriger in bare Münze verwandeln.

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  12. ALS30 schüttet keine Dividenden aus, also erübrigt sich die steuerliche Problematik. Angekündigt sind neue Übernahmen, keine Dividende. Außerdem overperformed es die Datagroup auch dank der deutschen Beteiligungen und regionalen Diversifikation (Niederlande, Belgien, Spanien, ..).

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