Montag, 21. Mai 2018

Liegt Elon Musk richtig mit seiner Kritik an Warren Buffett und dem Burggraben-Konzept?

Warren Buffett ist der dritt reichste Mensch der Welt und ein großer Verfechter des Konzepts vom ökonomischen Burggraben ("Moat"). Seine Investmentholding Berkshire Hathaway (WKN: A0YJQ2) ist die teuerste Aktie der Welt und er gründet seinen Erfolg auf der konsequenten Auswahl seiner Investments nach den Prinzipien des Quality Investings, zu denen eben jener Moat gehört. Damit sind nachhaltige Wettbewerbsvorteile gemeint, die es Wettbewerbern äußerst schwer machen, in den Markt der Burggraben-Unternehmen einzudringen und es kann sich um Netzwerkeffekte oder starke Marken handeln, die einem Unternehmen erlauben, höhere Preise als die Konkurrenz zu verlangen und trotzdem kaum Kunden zu verlieren.

Elon Musk, früherer Gründer von PayPal (WKN: A14R7U) und aktuell Innovator und Treiber hinter Tesla (WKN: A1CX3T), wurde auf einer Investorenkonferenz zu seiner Meinung zum Moat gefragt und er wischte es mit einer einzigen Bemerkung vom Tisch, als er sagte:

»Burggräben sind unzureichend. Sie sind nett und entzückend, aber wenn deine einzige Verteidigung gegen eine eindringende Armee ein Burggraben ist, dann wirst du nicht lange überleben. Worauf es ankommt ist das Innovationstempo. Das ist der fundamentale Bestimmungsfaktor für Wettbewerbsfähigkeit.«
(Elon Musk)

Wer hat nun Recht? Der innovative Entwickler Musk oder der fast 90-jährige Star Investor? Ich habe da so meine Meinung...


Elon Musks Aussage zeigt vor allem, dass er das Konzept des ökonomischen Burggrabens nicht verstanden hat und eher mit einer platten Replik auftrumpfen wollte. Buffett hat nie behauptet, dass es nur eines Burggrabens bedarf und dann wäre ein Unternehmen für alle Zeit unangreifbar. Aber genau das suggeriert Musk. Dabei hat Warren Buffett das Konzept des Moats einmal so beschrieben:

»Der Schlüssel zum erfolgreichen Investieren liegt nicht in der Frage, wie sehr eine Industrie die Gesellschaft beeinflusst oder ob sie wachsen wird, sondern darin, herauszufinden ob ein bestimmtes Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil hat, und wenn ja, wie lange dieser anhalten wird.«
(Warren Buffett)

Nach Warren Buffett kommt es also darauf an, dass der Burggraben stets auf Tiefe gehalten wird, dass er immer gut mit Wasser gefüllt ist und dass jederzeit hungrige Krokodile und Piranhas darin herum schwimmen. Übersetzt heißt das, dass Unternehmen sich stets ihrer starken Wettbewerbsvorteile bewusst sein und stetig daran arbeiten müssen, diese zu erhalten oder sogar zu vergrößern.

Buffett selbst räumt ein, dass die immer schnelleren technologischen Veränderungen der (Wirtschafts-)Welt immer schnellere und stärkere Auswirkungen auf die Wettbewerbsvorteile von Unternehmen haben.

»Es gibt heute immer mehr Burggräben, die anfällig für Invasionen geworden sind, als es früher der Fall gewesen zu sein scheint.«
(Warren Buffett)

Der Fall Walmart(s)
Das können wir uns an einem konkreten Beispiel ansehen: an Walmart (WKN: 860853). Der größte Einzelhändler der Welt, das Unternehmen schien jahrzehntelang kaum aufzuhalten, hat massiv expandiert und seine Gewinne Jahr um Jahr gesteigert. Ich übersehe jetzt mal die gescheiterte Expansion nach Deutschland und die unzureichende Verteidigungsstrategie gegen die in die USA einfallenden Horden aus Deutschland von Aldi und Lidl. Ich zeige nur auf Amazon (WKN: 906866). Das Einkaufsverhalten der Menschen ändert sich und was ist der Burggraben von Walmart noch wert? Wenig! Sie kommen kaum klar gegen Aldi und Lidl, aber im Onlinebereich versuchen sie sich nun endlich gegen Amazon zu wehren. Durchaus mit beachtlichen Erfolgen. Walmart hat (noch) die Kunden und wenn sie ihr Angebot an deren neue Einkaufsvorlieben anpassen, können sie bestehen. Sie müssen ihren Burggraben anpassen und das schnell. Bevor die Kunden gewechselt sind...

Im Übrigen ist Amazon ja inzwischen Dominator im Onlinehandel und in den USA Deutschland hat das Unternehmen inzwischen einen Marktanteil am Onlinehandel von mehr als 50%. Unbestritten ist, dass Amazon einen enormen Burggraben hat - und viele Wettbewerber versuchen in den Markt von Amazon einzudringen. Es gelingt ihnen nicht oder nur sehr schwer, nicht weil Amazon nicht zu schlagen wäre, sondern weil Amazon zwar der Verteidiger ist und sich mit einem Burggraben schützt, aber Amazon ist eben auch weiterhin Innovationstreiber und vermutlich das disruptivste Unternehmen der Welt. Also genau das, was Elon Musk als Tod des Burggrabens ins Feld geführt hat. Doch wie Amazon belegt, muss dies kein Widerspruch sein. Moat und Innovationskraft können Hand in Hand gehen - und wirken für die Wettbewerber umso erschreckender. Die Konkurrenz von Amazon kann ein Lied davon singen.

Mein Fazit
Das Konzept der ökonomischen Burggrabens funktioniert: wenn man ihn in Schuss hält und ihn stets für die neuen Herausforderungen anpasst. Warren Buffett liegt richtig und Elon Musk sollte lieber weiter an seinen Visionen arbeiten...

Amazon, Berkshire Hatahway und PayPal befinden sich auf meiner Empfehlungsliste.

Kommentare:

  1. Alexander aus Buxtehude21. Mai 2018 um 13:30

    Hallo Michael! Wieder einmal ein interessanter Artikel; vielen Dank dafür. Ich bin allerding nicht voll Deiner Meinung. Interessant ist für mich z.B. die Frage, in welchem Zusammenhang E. Musk die Frage nach dem Moat gestellt bekommen hatte. Musk hat aus der Sicht eines Unternehmers geantwortet, welcher sich in zukunftsorientierten Branchen bewegt und laufend innovative bzw. disruptive Technologien/Geschäftsideen entwickelt.
    Buffett´s berühmtes Zitat stammt aus der Sicht eines Aktionärs. Gerade Buffett hatte -wie er selbst erwähnte- seine Probleme mit innovativen Geschäftsideen (einige Beispiele: Microsoft, Intel, Amazon, Apple, SAP, Google, Cisco, Amgen, Starbucks)und investierte dort nicht bzw. erst, wenn die Unternehmen bereits im Markt etaibliert waren. Das er erst jetzt in Apple investiert wurde oder auch seine Fehleinschätzung bei IBM sprechen Bände. Ich glaube, dass die Anlagestrategie von Buffett im jetzt begonnen Zeitalter der Digitalisierung an ihre Grenze stoßen wird; die Welt braucht Freigeister wie Musk, Bezos & Co., damit sich neue Technolgien und Geschäftsmodelle entwickeln können. Hier sind u.a. hohe Innovationsgeschwindigkeiten gefragt und damit hat auch Musks Standpunkt absolut seine Berechtigung. Zu unterstellen, er verstünde die Zusammenhänge rund um den "Moat" nicht in Gänze, finde ich unfair. Im Gegenteil: "Langsame" Geschäftsmodelle (z.B. die Finanzbranche) werden tendenziell sterben und durch neue Modelle (wie Blockchain) ersetzt; Nahrungsmittelkonzerne wie Kraft Heinz und Coca Cola haben den Trend zu gesünderer Ernährung weitgehend verpasst, deren Marken laufen in Gefahr zu erodierten. Der Wasserstand in den Burgräben sinkt aktuell gewaltig und das Portfolio von Berkshire ist aus meiner Sicht nicht mehr zeitgemäß. Der hohe Anteil an Finanz- und Konsumgüterwerten lässt wird sich langfristig negativ auf die Wertentwicklung auswirken.
    Das Beispiel Amazon zeigt, wie zukünftig Unternehmen erfolgreich agieren werden (und müssen); wer sich nicht schnell genug anpassen kann bzw. wer nicht in der Lage ist neue Geschäftsideen umzusetzen, wird schnell vom Markt wieder verschwinden. Geschwindigkeit und Disruption ist der neue "Moat". Liebe Grüße Alexander

    AntwortenLöschen
  2. Eventuell muss man auch zwischen Moat-Formen differenzieren. Unterscheiden würde ich hier zwischen:

    1.Marke (Apple, Coca Cola, Tesla)
    2.Kundenbindung (SAP, Facebook)
    3.(Staatl. garantierte)Monopolstellung/Exklusivzugriff auf Ressource (früher Eon/Rwe/Post)
    4.Niedrigpreisanbieter (Amazon, Aldi, Hornbach)

    Wahrscheinlich wollte E. Musk ausdrücken, dass die Moats gerade derjenigen Unternehmen in Gefahr sind, die nicht augenscheinlich gezwungen sind ihr Produkt stetig zu verbessern und günstiger anbieten zu können.
    Also Unternehmen der Kategorie 1,2 und 3. Wobei es da sicher unter 1. einen unterschiedlichen "Innovationsdruck" gibt (vgl. Tesla zu Coca Cola)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Eine Unterteilung des Moats kann man versuchen, aber Deine gewählten Beispiele zeigen gleich, dass es nicht so einfach ist. So würde ich Apple nicht nur unter "Marke" verorten, sondern vor allem bei "Kundenbindung", weil sie ein eigenes Ökosystem der Abhängigkeiten geschaffen haben, aus dem man kaum mehr raus
      kommt, hat man sich erst einmal darauf eingelassen. Und genau hierauf zielt ja Buffett mit seinem Investment in Apple.

      Und auch bei Amazon sehe ich den Moat nicht zuvorderst bei "Niedrigpreisanbieter", sondern vor allem im Bereich "Kundenbindung". Durch Prime und Alexa werden die Kunden bei Amazon gehalten und kaufen nur noch dort ein - oder zumindest überwiegend. Amazon liegt in den USA bei Produktsuchanfragen bereits deutlich vor Google. Die Einkaufswilligen steuern also für ihren Einkauf öfter die Seite von Amazon an und starten ihre Suche, als dass sie dies über Google machen. Auch deshalb hat Amazon jetzt das Produkt-Anzeigen-Placing bei Google eingestellt. Und Prime-Mitglieder kaufen deutlich mehr bei Amazon als "normale" Amazon-Kunden.

      Bei Coke ist es doch so, die stellen die beste Zuckerbrause der Welt her, ein mächtiger Burggraben, auch dank der Marke. Allerdings fällt Zuckerbrause zunehmend in Ungnade und wenn der Markt implodiert, nützt es auch nichts, wenn man der beste ist. Man denke nur an Kutscherpeitschen. Es gab bestimmt den einen Top-Anbieter, dem kein Konkurrent das Wasser reichen konnte, der einen Moat in seinem Markt hatte. Aber der Markt implodierte, dank des Automobils.

      Und auch der Burggraben selbst wurde ja irgendwann überflüssig. Gegen anstürmende Horden, die mit Leitern über die Mauer steigen mussten, war er sehr hilfreich. gegen moderne Kanonen, die aus sicherer Entfernung die Mauer in Schutt und Asche geschossen haben, brachte er (so wie auch die Burgmauer) am Ende nichts mehr.

      Auch ein Moat ist nicht endlos wirksam, er muss an die neuen Herausforderungen angepasst werden, sonst verliert er irgendwann seine Wirkung. Wie ich schrieb, Innovationsdruck und Moat sind Kehrseite der selben Medaille. Innovationsdruck kann den Moat zerstören oder aber ihn verbessern/verändern und damit seine Lebenszeit und seine Wirkung verlängern.

      Das gilt übrigens auch für Konsumgüterhersteller. Die haben die Marken, die die Kunden schätzen. Sie müssen "nur" ihre Produkte an die neuen Vorlieben und Trends anpassen...

      Löschen
  3. Klar, man muss erst mal eine Burg haben, um sie mit einem Graben (also mit objektiven Fakten) schützen zu können. Diejenigen, die erst eine Burg erobern wollen, fallen bei Buffet unter den Tisch. Und ob man mit Burgen heute noch viel Geld (i.S. von Kursgewinn) verdienen kann? Man wird ja sehen, ob Apple wirklich so ein guter Griff war ...

    Im Grunde gibt der Chef ja selbst zu, dass er so wenig wie Musk vom Burggraben hält, wenn er lieber Blue Cap kauft, das ja auch keinen Burggraben, wohl aber "Innovationstempo" oder Managementdynamik hat, kauft (nebst Amazon) - und Apple und Walmart und all die schönen walled gardens links liegen lässt ...

    AntwortenLöschen
  4. Funktionierende Burggräben - egal welcher Herkunft bzw. Art - funktionieren. Allein, weil sie den entsprechenden Unternehmen auf gewisse Zeit ein Alleinstellungsmerkmal und einen Wettbewerbs- und Preisvorteil bieten. Diese Vorteile sind auch etwas wert, denn sie sichern CashFlow und Ertrag. Trotzdem kann sich kein Unternehmen dauerhaft mehr auf seinem Burggraben ausruhen. Dafür sind die Märkte zu veränderungsaktiv. Im Ergebnis sehe ich es mithin auch so, dass bestehende Burggräben einen temporären werthaltiven Vorteil bieten. Dieser Vorteil muss aber von einem fähigen Management immer wieder verteidigt und ausgebaut werden.
    Viele Grüße
    DerFinanzstratege.

    AntwortenLöschen