Montag, 25. Juni 2018

UeT macht jetzt Nägel mit Köpfen: Kapitalerhöhung und Übernahme

Lange Jahre kämpfte die UeT United Electronic Technology AG (WKN: A0LBKW) mit Umsatzschwund, erodierenden Margen und Verlusten und die Zeichen standen auf Exitus. Doch Mitte 2016 wurde der - erste ernsthafte - Versuch unternommen, das Ruder herumzureißen. Forderungsverzicht, Sachkapitalerhöhung durch Einbringung wichtiger Unternehmensteile und Verkauf von schlecht laufenden Beteiligungen standen auf einmal auf der Agenda und ich nahm die UeT als Turnaround-Spekulation auf meine Empfehlungsliste auf. Mit durchwachsenem Erfolg bisher, denn die Sanierung zeigte sich zähleibig.

Seit Kurzem ist das anders: UeT kann innerhalb weniger Tage gleich mehrere Meilensteine im Sanierungsprozess vermelden und dürfte am dem nächsten Jahr wieder ein ganz normales Unternehmen sein, das nach klassischen Bewertungsmaßstäben zu bewerten ist. Und das ist gerade passiert...


Nachdem Ende letzter Woche der Vollzug des Verkaufs der NewTal Elektronik & Systeme GmbH verkündet wurde und damit die geplante und angekündigte Ausgliederung samt Verkauf des Geschäftsbereiches MANUFACTURING abgeschlossen werden konnte, gab UeT heute eine Kapitalerhöhung gegen Sacheinlage bekannt. So wird das Grundkapital um 3,0 Mio. Euro durch die Ausgabe von 3,0 Mio. neuen Aktien zu je 1,00 Euro erhöht. Im Gegenzug wurde heute ebenfalls eine Einbringungsvereinbarung geschlossen, nach der die Palace Park Ltd. diese Kapitalerhöhung vollständig zeichnet und dazu ihren bestehenden 49%-Gesellschafteranteil an der UET Electronic Holding GmbH als Sacheinlage in die UeT AG einlegt.

Die Auswirkungen
Durch diese Kapitalerhöhung verfügt die UET AG künftig über ein Grundkapital von rund 12,5 Mio. Euro und hält ab sofort 100% sämtlicher zum Konzern gehörenden Beteiligungsgesellschaften für die drei Geschäftsbereiche SYSTEMS, SERVICE und ENGINEEERING.

 UeT (Quelle: wallstreet-online.de
Mit dieser und den kürzlich durchgeführten Maßnahmen, wie dem Verkauf der NewTal bzw. der Aufgabe des Geschäftsbereichs MANUFACTORING verfügt die UET Gruppe nun über eine deutlich verbesserte Eigenkapitalstruktur und muss künftig im Konzern keine Minderheitsanteile an Drittgesellschafter mehr abgeben, wodurch sowohl der Ergebnisbeitrag als auch der Gewinn pro Aktie für die bestehenden Aktionäre steigen.

Die neuen Aktien wurden für 1 Euro ausgegeben, was einerseits den Mindestpreis darstellt, andererseits aber signifikant über dem letzten Schlusskurs von 0,86 Euro liegt. Diese Maßnahme stellt somit nicht nur den Abschluss der im September 2016 angekündigten Rahmenvereinbarung zur Verbesserung der Kapitalstruktur der Gruppe dar, sondern zeigt auch das Vertrauen des Großaktionärs in die Zukunft der UeT.

Meine Einschätzung
Der Halbjahresbericht dürfte auf jeden Fall spannend werden. Dank der Entkonsolidierung der NewTal wird es zu einem einmaligen außerordentlichen Ergebnisbeitrag für die UeT Gruppe von rund 2 Mio. Euro kommen. Und der Wegfall der Minderheitenanteile wird sich ebenfalls umgehend in den Geschäftszahlen positiv bemerkbar machen. Hinzu kommt die bessere bilanzielle Lage mit einem deutlich erhöhten Eigenkapital.

Die Sanierungsphase der UeT dürfte nun weitestgehend abgeschlossen sein und sich der Fokus auf die operativen Ergebnisse und Erfolge in den drei verbliebenen Sparten richten. Auch hierzu sollte es auf der anstehenden Hauptversammlung interessante Neuigkeiten geben und einen informativen Ausblick auf das zweite Halbjahr. Mit dem Jahresabschluss 2018 sollte dann Klarheit herrschen, ob UeT den Turnaround erfolgreich hinter sich gebracht hat.

UeT erntet nun endlich die Früchte der massiven Anstrengungen der letzten Jahre und die Sanierungserfolge werden nun erstmals auch in den Geschäftszahlen sichtbar werden. Ich hatte meinen Aktienbestand in den letzten Wochen ja deutlich aufgestockt und gehe davon aus, dass die Geduld der Anleger sich bald auch in Aktienkursen deutlich über 1 Euro auszahlen wird.

UeT befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.

Kommentare:

  1. Danke für die Info. Was bedeutet die KE für die die bisherigen Aktionäre... Bekommen sie ein Bezugsrecht für die neuen Aktien...?

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    1. Nein, bei einer Kapitalerhöhung gegen Sacheinlage gehen alle Aktien an denjenigen, der die Einlage erbringt. Die neuen Aktien sind der Kaufpreis für die Unternehmensanteile - es gibt also am Ende mehr Aktien, aber die alten Aktionäre sind nicht schlechter gestellt, weil sich der Wert des Unternehmens erhöht hat und auch der potenzielle Gewinn. Altaktionäre erhalten künftig also weniger Gewinnanteile von mehr Gewinn.

      Da künftig keine Minderheitseigentümer mehr an den UeT-Konzerntöchtern beteiligt sind, muss UeT (und seine Aktionäre) ab sofort den Jahresgewinn nicht mehr teilen: alles, was im Konzernabschluss als Jahresüberschuss ausgewiesen wird, steht auch den Aktionären zu.

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  2. Hast du ein Kursziel auf Sicht von 12 Monaten? Danke im Voraus

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    1. Nein, ich habe kein Kursziel, auch für UeT nicht. Das Unternehmen befindet sich mitten im Turnaround und die nächsten Geschäftszahlen (und die dann folgenden) werden die operativen Fortschritte zeigen. Daran wird dann auch eine Bewertung festzumachen sein. Setzt man, wie ich, auf einen Erfolg des Turnarounds und an ein sich danach stabiles, steigendes, profitables Business, dürften Kurs unterhalb von 1 Euro Geschichte sein.

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  3. Hallo Sirmike,

    wie schätzt du die aktuelle Entwicklung bei Leoni ein?

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  4. Hallo Michael,

    Gestern habe ich ein paar UET-Papiere erstanden, heute brach der Kurs um über 12 % ein - warum? Sind das jetzt Kaufkurse oder geht's vielleicht noch weiter bergab?

    Viele Grüße,
    Rainer G.

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    1. Moin Rainer,
      das ist ja ein ausgesprochen schlechtes Timing, das tut mir leid. =(

      UeT gab heute die Ergebnisse des Jahres 2017 bekannt und die wiesen einen Konzernverlust aus. Das hat wohl einige Anleger verschreckt - obwohl man davon ausgehen musste. Denn UeT befand sich bis vorgestern noch mitten im Turnaround und stand jahrelang finanziell am Abgrund. Nur durch massive Stützungen/Support der Großaktionäre hat das Unternehmen überlebt und durch mehrere Kapitalmaßnahmen. Der Sanierungsplan wurde im November 2016 beschlossen, hat aber deutlich länger gebraucht, als geplant. Was wohl vor allem am schwierigeren Verkaufsprozess der abzugebenden Töchter der (jetzt) aufgegebenen Sparte Manufactoring lag. Verkauft wurde die letzte dieser Beteiligungen (NewTal) im Februar, und erst vor wenigen Tagen wurde der Vollzug gemeldet. Unmittelbar daran anschließend erfolgte der nächste Schritt aus dem Sanierungsplan, nämlich die Einbringung der restlichen Anteile an der UeT GmbH (49%) gegen Sachkapitalerhöhung. Erst jetzt entfallen die hohen Minderheitenanteile, erst jetzt kann sich UeT voll auf sein verschlanktes, neu strukturiertes operatives Business konzentrieren (bzw. das seiner Tochtergesellschaften, die in den drei Sparten tätig sind). Für 2017 fiel unterm Strich noch ein Verlust an. Bedenkt man, dass der Sanierungsplan rund 1 Jahr der Zeit hinterher hinkt, muss einen das nicht wundern.

      Als nächstes stehen die Zahlen für das erste Halbjahr 2018 an - und hier wird sich die Veräußerung von NewTal positiv bemerkbar machen und zwar mit einem außerordentlichen Ergebnisbeitrag von rund 2 Mio. Euro.

      Aus meiner Sicht bewegt sich der Turnaround bei UeT weiter in der Bandbreite meiner Erwartungen.

      Ob dieser gelingt, zeigt nicht das Ergebnis 2017, sondern das wird erstmals in Ansätzen im zweiten Halbjahr 2018 zu sehen sein, wenn NewTal völlig entkonsolidiert und die Kapitalmaßnahme (Sachkapitalerhöhung gegen Einbringung der 49% an der UeT GmbH) umgesetzt ist. Dies ist ja zum 30.06.2018 erfolgt. Und erst ab jetzt ist der Sanierungsplan abgeschlossen und die "neue UeT" startet.

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