Mittwoch, 2. Januar 2019

UeT United Electronic: Aussichtsreicher Nebenwertefavorit für 2019

UeT United Electronic Technology [WKN: A0LBKW] begleitet mich seit zwei Jahren als Turnaround-Spekulation. Das war zunächst etwas zäh, weil die Umsetzung des Restrukturierungs- und Sanierungsplans hinterher hinkte, aber Mitte 2018 konnte man endlich Vollzug melden. Damit verfügt die UET AG nun über ein Grundkapital von rund 12,5 Mio. Euro und hält 100% sämtlicher zum Konzern gehörenden Beteiligungsgesellschaften für die drei Geschäftsbereiche SYSTEMS, SERVICE und ENGINEEERING. Sie weist nun eine deutlich verbesserte Eigenkapitalstruktur auf und muss künftig im Konzern keine Minderheitsanteile an Drittgesellschafter mehr abgeben, wodurch sowohl der Ergebnisbeitrag als auch der Gewinn pro Aktie für die bestehenden Aktionäre steigen. Nach dem erfolgreichen Turnaround richtet sich der Blick nun nach vorne und da wird es interessant...


Denn Deutschland hinkt deutlich hinterher, was die Netzabdeckung und Qualität im Bereich Mobilfunk und schnelles Internet angeht, also dem Glasfaserausbau. Beide offenen Flanken sollen mit Einführung des neuen Mobilfunkstandards 5G abgedeckt werden, so der Plan der Bundesregierung. Zunächst stehen die Lizenzauktionen an, das wird die Netzbetreiber wie Deutsche Telekom, Vodafone und O2 viel Geld kosten; gut möglich, dass sich auch weitere und neue Player hier einklinken.

UeT (Quelle: wallstreet-online.de)
Danach muss das Netz aber auch aufgebaut werden und dazu reicht es nicht aus, einfach die alten Funktürme mit neuen Komponenten einfach neu zu bestücken. Denn 5G wird deutlich kleinteiliger werden, die Funkzellen werden kleiner und damit leistungsfähiger. Was eine viel höhere Dichte an Sender- und Empfängereinheiten bedeutet. 5G wird damit - zumindest vorübergehend - parallel zum 4G-Standard eingeführt werden.

Klar ist, dass von den Investitionen vor allem die großen Netzwerkausrüster profitieren werden, wie Nokia und Ericsson. Aber auch Huawei lag hier ganz vorne mit dabei, zumindest bis vor Kurzem. Denn die Amerikaner haben den chinesischen Anbieter auf dem Kieker wegen angeblicher Spionage. Daher hat sich die Deutsche Telekom in den USA bereits von ihrem Partner Huawei abgewandt, um die Genehmigung für die Übernahme des Wettbewerbers Sprint zu erhalten. Wenig vorstellbar, dass Huawei beim 5G-Ausbau in Deutschland und Europa eine so große Rolle spielen wird, wie das noch vor einem Jahr anzunehmen war. Es drängen sich hier eher alternative Anbieter in den Vordergrund, wie z.B. KT, Südkoreas größter Telekommunikationskonzern. Und der ging vor Kurzem eine Kooperation mit der UeT-Netzwerktochter Albis-Elcon ein. KT hat eine interessante Anwendung entwickelt, Giga Wi-Fi und Giga Wire. Damit werden Haushalte mit Gigabit-Anbindungen versorgt, bei denen eine Überbrückung der letzten Meter nicht mit Glasfaser erfolgen kann. Und das ist bekanntlich der teuerste Teil der Anbindung, an dem es gerade auch in Deutschland immer wieder krankt. Denn selbst wenn man Glasfaserkabel bis ans Gebäude verlegt, weisen nur weniger Häuser die nötigen Kabelkanäle auf, um auch im Inneren Glasfaserkabel verlegen zu können. Und das ist nötig, weil die schnellste Leitung keinen Vorteil bringt, wenn irgendwo zwischen Sender und Empfänger noch die alten herkömmlichen Kupferkabel die Geschwindigkeit bremst. Dann steht man auf der Datenautobahn einfach im Stau wie bei einer Autobahnbaustelle. Anstelle also alle Wände aufzureißen und Glasfaserkabel im ganzen Haus zu verlegen, kommt Giga Wire zum Einsatz und überbrückt dieses Nadelöhr kostengünstig und mit vergleichsweise geringem Aufwand, so dass die Übergangstechnologien Vectoring und VDSL schnell ihre Daseinsberechtigung verlieren werden.

Aber die Kooperation zwischen Albis-Elcon und KT soll sich aber auch auf 5G-Technologien beziehen und die beiden Partner wollen darüber hinaus in diversen ergänzenden Bereichen zusammenarbeiten, wie der Energieversorgung von Telekommunikationsanlagen und der Sicherheit und bei neuen KI-Entwicklungen. Albis-Elcon ist hier KTs "verlängerter Arm" in der DACH-Region. Des Weiteren hat sich Mexiko innerhalb kürzester Zeit zum zweitwichtigsten Markt entwickelt, wo man im laufenden Jahr sein Geschäft auf das Doppelte ausbauen konnte.

Nachdem UeT in 2018 den Turnaround erfolgreich abschließen konnte, dürfte ab 2019 das Geschäft richtig anfangen zu brummen. Mit KT hat man eine Global Player als Partner gewonnen und man bedient die Zukunftsmärkte Energiemanagement bei der Netzwerkintegration, Ausbau der Glasfasernetze und 5G-Netzwerkaufbau. Die jüngste Kapitalerhöhung zeichnete der Großaktionär zu 1 Euro je Aktie und das dürfte sich mittelfristig als Schnäppchenpreis herausstellen.

Disclaimer
UeT United Electronic Technology befindet sich auf meiner Beobachtungsliste und in meinem Depot.

Kommentare:

  1. Damit werden Haushalte mit Gigabit-Anbindungen versorgt, bei denen eine Überbrückung der letzten Meter nicht mit Glasfaser erfolgen kann. Und das ist bekanntlich der teuerste Teil der Anbindung, an dem es gerade auch in Deutschland immer wieder krankt. Denn selbst wenn man Glasfaserkabel bis ans Gebäude verlegt, weisen nur weniger Häuser die nötigen Kabelkanäle auf, um auch im Inneren Glasfaserkabel verlegen zu können. Und das ist nötig, weil die schnellste Leitung keinen Vorteil bringt, wenn irgendwo zwischen Sender und Empfänger noch die alten herkömmlichen Kupferkabel die Geschwindigkeit bremst. [...] Anstelle also alle Wände aufzureißen und Glasfaserkabel im ganzen Haus zu verlegen, kommt Giga Wire zum Einsatz und überbrückt dieses Nadelöhr kostengünstig und mit vergleichsweise geringem Aufwand, so dass die Übergangstechnologien Vectoring und VDSL schnell ihre Daseinsberechtigung verlieren werden.

    Mir kommt es so vor, als ob hier zwei verschiedene Dinge zusammengeschmissen wurden. Wennn Glasfaser bis ans Gebäude geführt wird spricht man von FTTB. Das von dir genannte Giga Wire wäre dann innerhalb des Gebäudes. Hier sehe ich aber keinerlei Relevanz, da hier entweder via Ethernet (bis 100m) oder bei größeren Gebäuden via Glasfaser ins Stockwerk und dann von dort via Ethernet in die Wohnung gefahren werden kann. Bei größeren Gebäuden müssen schon alleine wegen Brandschutzrichtlinien entsprechenden Technikschächte vorhanden sein, dass dies ohne Probleme realisiert werden kann.

    Vectoring und VDSL haben damit wenig zu tun, da diese Technologien hauptsächlich dafür eingesetzt werden, von den Straßenverteilern zu den Gebäuden zu kommen. Also als günstiger Ersatz für FTTB. Davon abgesehen ist auch schon die Nachfolgetechnologie G.fast seit ca. zwei Jahren in der Praxis in Verwendung und XG-fast steht auch schon in den Startlöchern. Aber ganz langfristig muss sowieso FTTH kommen.

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    1. Bei großen Gebäuden mit vielen Mieteinheiten/Abnehmern wird es kein Problem mit der Glasfaserversorgung geben, denn da ist der Invest für das TK-Unternehmen wirtschaftlich; selbst ohne vorhandene Kabelschächte. Viele Menschen leben aber in Einfamilienhäusern, Doppelhäusern, Reihenhäusern oder in kleineren Wohnanlagen. Und diese sind nicht alle erst wenige Jahre alt, sondern der bestand stammt überwiegend noch aus den 1970er und 1980er Jahren - also keine Kabelschächte und bloß Kupferkabel direkt unter Putz verlegt. Drahtlose Kommunikation ist hier nicht selten durch die Bauweise erschwert. Hier entstehen also ggf. hohe bis sehr hohe Kosten, will man diese Gebäude aufrüsten.

      Mein Hinweis auf Vectoring begründet sich alleine darauf, dass hierfür eben auch schon Glasfaserleitungen nötig waren. Und zwar bis zu den (neuen) Verteilerkästen. Wenn von der Glasfaserwüste Deutschland gesprochen wird, gilt dies nur für die letzte Meile, aber eben nicht für die Flächenversorgung. In vielen Städten, auch kleineren, liegen längst die Glasfaserkabel oder zumindest viele Leerrohre, in die die Glasfaserkabel relativ einfach eingeschossen werden können. Wir (Mittelstadt im Hamburger Speckgürtel) waren selbst erstaunt, als wir vor einigen Jahren mit der Telekom verhandelten über einen schnellen Vectoringausbau, wo die überall schon Glasfaserkabel und/oder Leerrohre verlegt hatten entlang der Haupt- und Nebenstraßen. Teilweise bereits seit den 1990er Jahren...

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  2. Hallo Herr Kissig!
    Was sagen Sie zu den Bedenken hinsichtlich der Liquidität und den fehlenden Testaten, die auf WO diskutiert werden?
    MfG
    Meralda

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    1. UeT schwimmt nicht gerade in Liquidität, aber ich halte es für ziemlich unwahrscheinlich, dass die Großaktionäre, die UeT auch in der Beinahepleitezeit finanziell unterstützt haben, hier keine Kreditlinien einräumen würden, sollte es UeT nicht gelingen, solche von Banken oder Lieferanten/Partnern zu bekommen.

      Die Aussage bei WO, dass der Halbjahresbericht nicht testiert wurde, ist korrekt, aber so leider auch irreführend formuliert. Das Testat eines Wirtschaftsprüfers ist erforderlich beim Jahresabschluss; Zwischenberichte, also auch der Halbjahresbericht müssen nicht testiert werden - und keine Firma der Welt macht das. Insofern geht es nicht um ein "fehlendes" Testat (was ja eine Testatsverweigerung impliziert), sondern um ein nicht vorhandenes, da nicht erforderlich und üblich.

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  3. Ich setzte auch voll auf UeT! Habe hier mittlerweile eine Gewichtung von 15% in meinem Portfolio. Mein Portfolio besteht auch nur aus 7 Werten zur Zeit. Werde diese Position auch weiter ausbauen.

    Generell verfahre ich beim investieren als würde ich das ganze Unternehmen kaufen wollen.

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    1. 15% Depotanteil von UeT finde ich schon ziemlich gewagt, denn UeT ist ja ein sehr marktenger Nebenwert im Turnaroundmodus. Wenn da irgendwas schief geht, dürfte es kaum noch möglich sein, aus der Aktie zu halbwegs annehmbaren Kursen rauszukommen. Das erscheint mir schon ein signifikantes Risiko, auch im Verhältnis zu den großen Chancen im Falle des Erfolgs...

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