Sonntag, 31. März 2019

Kissigs Klookschieterei: Die Börsenwoche 13/2019 im Rückspiegel mit 1&1 Drillisch, Apple, Lyft, Naspers, Rocket Internet, Jumia, MasterCard, Wirecard

Unterm Strich ist wenig passiert in der letzten Woche; DAX und NASDAQ gingen am Freitag in etwa unverändert aus der Woche, während der Dow Jonex Index sogar 2% zugelegt hatte.

Über das Brexit-Chaos kann man schon nicht einmal mehr lachen. Das britische Parlament hat es doch wohl ernsthaft geschafft, wiederholt nur festzustellen, dass man alle möglichen Wege nicht beschreiten will. Kein neues Referendum, keine Abkehr vom Brexit, kein Brexit ohne Abkommen, aber auch das Abkommen samt einiger "Behelfsbrücken" wurde abgelehnt. Was die Parlamentarier dabei zu vergessen scheinen: die Kündigung ist doch längst erfolgt, wenn sie nichts tun, kommt es zum harten Brexit. Und die EU stuft dieses Szenario ab sofort als das wahrscheinlichste an. Denn die EU wird den Stecker ziehen, weil die Wahlen zum Europäischen Parlament anstehen und die Briten als Mitglied eine Wahl abhalten müssten. Was sie nicht wollen, was die EU nicht will, was auch gar nicht geht, da die Zeit zur Vorbereitung fehlt und wenn die Briten einfach nicht wählen alle Beschlüsse des künftigen EU-Parlaments mindestens anfechtbar wären. Die EU muss sich also selbst schützen und den Brexit exekutieren, so oder so.

Ansonsten herrschte eher Lethargie an den Börsen, denn auch beim größten Thema, dem Handelsstreit zwischen den USA und China, gibt es kaum konkrete Fortschritte. Zumindest werden beide Seiten nicht müde zu betonen, dass man gut vorankomme. Der Börse reicht das - momentan. Insofern könnte man die allgemeine Lage als stabil bezeichnen und den Blick auf die Unternehmen richten, von denen ja momentan so einiges zu hören ist...



Börsentheater, 1. Akt: Die Politik

Es stehen einige Wahlen an und dabei werden teilweise skurrile Töne angeschlagen. Ob Erdogan in der Türkei, bei der seine AKP bei den Kommunalwahlen ein heftiger Rutsch bevorsteht, oder in Israel, wo sich "The Don" eingemischt und die von Israel akquirierten Golan-Höhen mal eben kurzerhand zu israelischem Territorium erklärt hat (per Dekret, also am Kongress vorbei), oder in den Deutschland, wo die anstehenden Landtagswahlen in mehreren Bundesländern auch den Berliner Politikbetrieb lähmt. Und natürlich die Europawahl, wo erstmals seit vielen Jahren wieder "Brisanz" reinkommt, da die EU-Bürger merken, dass Artikel 13 ("Uploadfilter") und Klimaschutz eben auch EU-Themen sind und eine Nichtbeteiligung an den Wahlen eher unschlau ist.


Börsentheater, 2. Akt: Die Unternehmen

Die Zinskurve sendet weiter Rezessionswarnzeichen, weil in den USA die kurz laufenden Zinsen höher liegen als die lang laufenden. Diese "inverse Zinsstrukturkurve" war in der Vergangenheit oft ein verlässlicher Vorbote einer Rezession und dem entsprechend sind die Börsen nervös. Allerdings hat auch dieser Hund ein paar Flöhe. Denn bisher liegen nur die sehr kurz laufenden Zinssätze "zu hoch" und das betrifft noch nicht die gängigen Kurzläufer; insofern könnte man das bisher eher als sporadisches Aufflackern der Warnlampe bezeichnen, aber mehr ist es (noch) nicht. Und dann findet die Wirtschaft in Zyklen statt und es ist ganz normal, dass es alle paar Jahre zu einer Rezession kommt, also zwei Quartalen in Folge mit stagnierender oder sinkender Wirtschaftsleistung (BIP). Und es deuten einige Indikatoren seit längerem darauf hin, dass wir uns auf eine solche Phase zubewegen bzw. teilweise schon mittendrin stecken. Allerdings gibt es natürlich auch Sondereffekte, die sich relativ schnell in Luft auflösen können: so die Schwäche beim (deutschen) Automobilabsatz und die Wirren um den Brexit, die beide gerade in Deutschland deutliche Spuren in der Wirtschaftsbilanz hinterlassen (haben). Auf der anderen Seite steigen die Löhne deutlich, weil es kaum noch Personal gibt und die Wirtschaft bisher solide brummt. Das steigert einerseits die private Nachfrage (was gut ist), andererseits belastet es die Unternehmensgewinne (was schlecht ist). Die Unternehmen werden daher versuchen, weiter umzustrukturieren und mit weniger Personal auszukommen. Das Zauberwort ist Digitalisierung von Arbeitsprozessen. Wie es VW, Amazon und Siemens gerade vormachen, die alle VW-Fabriken in die Cloud bringen wollen. Rezessionsängste betreffen also eher die klassische Industrie und die zyklischen Werte, wie die Chemiebranche, und wenig(er) die Technologiewerte. Die bedienen die Megatrends von heute und morgen und profitieren vom Umbau der Arbeits- und Unternehmenswelt (Industrie 4.0, Internet of Things, 5G). Auch deshalb sind die Technologiewerte ein Stück weit rezessionssicherer als andere Werte, obwohl sie vergleichsweise hoch bewertet sind. Zweistellige Zuwächse bei Umsatz und Gewinn rechtfertigen in Einzelfällen aber auch eine überdurchschnittliche Bewertung. Es kommt eben auf das einzelne Unternehmen und seine Positionierung an...


Doch kommen wir jetzt zu einigen Unternehmen (meiner Beobachtungsliste), bei denen es in den letzten Tagen Bemerkenswertes zu berichten gab.

1&1 / Drillisch

Das sieht man auch selten: ein Unternehmen, das Rekordergebnisse vorlegt und gleichzeitig eine Art "Dividendenwarnung" ausspricht. Und das liegt am anstehenden 5G-Ausbau. Bisher ist 1&1 als Reseller erfolgreich und nutzt dafür die Netzinfrastruktur von Telekom, O2 und Vodafone. Dafür zahlt man inzwischen so hohe Entgelte, dass sich ein eigenes Netz durchaus lohnen könnte. Im Grunde die gleiche Überlegung zwischen Mietzahlung und Darlehensrate für eine eigengenutzte Immobilie. Sofern man also bei 5G zum Zuge kommt, wird die absehbare Zukunft von hohen Investitionen bestimmt werden. Und das wird auch zu Lasten der Dividende gehen, warnt 1&1 Drillisch. Diese sollte im Normalfall auf 1,60 bis 1,80 Euro je Aktie steigen, könnte aber auch auf einen "Merkposten" von 0,05 Euro je Aktie zusammenschrumpfen. Da viele Aktionäre sich dort wegen der üppigen Dividenden eingefunden haben, hat dieses Szenario nicht wenige merklich verschreckt.

Apple

Viel Neues gab es bei Apple. Keine neuen Iphones, aber Apple News, Apple TV Plus, Apple Kreditkarte. Mit einem eigenen Streamingdienst und weiteren Angeboten will Apple seine bestehenden Kunden noch mehr in seine Welt ziehen und sie besser monetarisieren. Denn der Absatz der höchstpreisigen Apple-Hardware, vor allem des Iphones, schwächeln und Apple stellt sich dem Problem. Nachdem die Gewinne beim Iphone-Absatz nicht mehr großartig gesteigert werden können, wird die Service-Sparte massiv ausgebaut. Das kostet natürlich erstmal viel Geld und wird auch dauerhaft die Kosten hoch halten; andererseits kann und will Apple das Feld nicht einfach der Konkurrenz überlassen. Und will dem entsprechend mit seinem höchsten Pfund wuchern: der treuen Apple-Anhängerschar. Und die wächst weiter stetig an, auch wenn dies kaum von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Die konzentriert sich auf die sinkenden Absatzerfolge bei den neuen Iphones, aber für Apple noch relavanter ist die zahl der aktiven Apple-Devices. Also der Iphones (Ipads und Apple Watches etc.), die noch aktiv in der Benutzung sind und Zugriff auf Apple Ökosystem nehmen - wo der neue Content ihnen das Geld aus der Tasche ziehen soll. Und die aktiven Apple-Devices legen weiterhin kräftig zu; sie haben die Marke von 900 Millionen Devices längst überschritten. Heißt im Klartext: ältere Modelle werden heute viel länger genutzt als früher. Auch weil viele Käufer der neusten Geräte-Generation ihre älteren Iphones verkaufen und diese Geräte dann immer noch einen hohen Preis erzielen und reißenden Absatz finden. Klar, dass Apple (noch) stärker von diesen "Zweitkunden" profitieren möchte.

Die Apple Kreditkarte wird in Zusammenarbeit mit MasterCard und Goldman Sachs herausgegeben und ist die Replik auf Amazons Kreditkarte, die der Internetgigant mit VISA auf den Markt gebracht hat. Von dieser Kooperation dürften alle drei Partner profitieren, vor allem aber Goldman Sachs (wegen der üppigen Kreditzinsen).

Apple verringert die Abhängigkeit vom Iphone. Das ist auch dringend nötig, wie ich ja bereits seit mehreren Jahren anmerke. Gut, dass Apple diesen Weg nun endlich beschreitet (wenn auch nicht ganz freiwillig) und so das hierin schlummernde enorme Klumpenrisiko verringert. Der Kurs hat sich zurecht von seinen zwischenzeitlichen Tiefstkursen erholt.

Lyft

Lyft legte ein äußerst erfolgreiches IPO hin, währenddessen man die bereits zuvor schon schwindelerregend hohe Bewertung nochmals höher schrauben konnte, in dem man den IPO-Preis anhob. Trotzdem gingen die Aktien weg wie warme Semmeln und Lyft rauschte mit einem Kursplus von mehr als 25% an die Börse. Der deutlich größere Wettbewerber Uber steht auch schon in den Startlöchern für seinen Börsengang. Beide schreiben noch horrende Verluste, aber das schreckt die Anleger nicht. Beide sind Vorreiter im Bereich der Plattformen und hier wird gerade der Markt verteilt - mit Auswirkungen auf die klassischen Industriezweige. Bestes Beispiel ist der ebenfalls an die Börse strebende Übernachtungsvermittler Airbnb. Der nimmt klassischen Hotels immer mehr Umsatz weg und das nicht nur im Städtereisen- und Tagestrippbereich. Deutschland ist hier, wie auch bei den Fahrdienstvermittlern Lyft und Uber, Bremsklotz. Weil diese neuen digitalen Angebote nichts ins durchregulierte Schema passen und die Gesetzeslage vor allem als Abwehrmechanismus für etablierte Geschäftsmodelle genutzt und sogar zweckentfremdet wird. Das ist aber auch kurzsichtig, weil so die neuen Entwicklungen (wieder einmal) woanders stattfinden und Deutschland später nachgelagert "erschlossen" wird. Eine Rolle mit eigenen Diensten/Angeboten werden wir auch hier nicht spielen. Wie man am kläglich gescheiterten Versuch der Banken/Sparkassen mit ihrem PayDirect-Flop sehen kann. Das Ziel, eine schlagkräftige Alternative zu PayPal aufzubauen hat man jedenfalls grandios verfehlt. Es kam zu spät, zu reguliert, zu kompliziert und ganz ohne Mehrwert für die Kunden/Nutzer. Sowas braucht kein Mensch...

Naspers

Naspers macht weiter ernst mit dem Konzernumbau. Nachdem das Kabelfernseh- und Pay-TV-Geschäft abgespalten wurde "Multichoice), nimmt der südafrikanische Konzern nun sein Internetbeteiligungsgeschäft in Angriff. Das soll in eine eigene Gesellschaft ausgegliedert werden und in Amsterdam an die Börse kommen. Hier würde auf Schlag Europas größter Internetkonzern entstehen, an dem Naspers 75% der Anteile halten würde. So, wie es bisher aussieht, sollen die anderen 25% als Spin-off den Anlegern ins Depot gebucht werden. Diese neue Gesellschaft würde dann die Naspers-Beteiligungen an Tencent, mail.ru, Deliviery Hero etc. halten und damit die Unterbewertung übernehmen, die zwischen Napsers-Aktienkurs und den Kursen der einzelnen Töchter bestehen (vor allem bezogen auf den 31-Prozent-Anteil an Tencent).

Ohne den Malus, in Südafrika beheimatet zu sein und im dortigen Aktienindex eine viel zu große Rolle zu spielen, könnte und sollte sich zumindest ein Teil der bisherigen NAV-Unterbewertung abbauen. Und genau darauf spekulieren wir Naspers-Aktionäre ja... Mal sehen, wie sich die Sache weiter entwickelt.

Rocket Internet / Jumia / MasterCard

Auch bei Rocket Internet tut sich was und zwar ebenfalls in Afrika. Die dortige Tochter Jumia, gerne als Amazon Afrikas bezeichnet, strebt an die Börse. Und Rocket Internet hält rund 28% an dem aufstrebenden Unternehmen. Die IPO-Bewertung beim Gang an die New Yorker Börse strebt Richtung $1,1 Mrd. und Jumia will rund $250 Mio. einsammeln. Als Überraschung kann man bezeichnen, dass sich MasterCard in diesem Zusammengang daran mit $55 Mio. beteiligt. Hier folgt man dem Weg PayPals, die sich kürzlich an MercadoLibre, Mittel- und Südamerikas führendem Onlinehändler, beteiligt hatten. Sowohl für PayPal als auch für MasterCard werden neben den reinen Zahlungsdienstleistungen die Loyalty-Programme immer wichtiger.

Bei Rocket Internet drängt sich immer stärker die Frage in den Mittelpunkt, was Oliver Samwer mit dem vielen Cash anstellen will. Rocket hat die letzten beiden Jahre kräftig Kasse gemacht und viele der älteren Beteiligungen und einstigen Startups zu Geld gemacht, aber eine neue Vision konnte man nicht präsentieren. Erst wurde die Startup-Schmiede weitgehend eingestampft und die Mitarbeiter vor die Tür gesetzt, dann wurde in große börsennotierte US-Internetunternehmen investiert, dann Venture Capital-Fonds aufgelegt und der Bereich Fintech als neue Stoßrichtung vorgegeben; vornehmlich in etablierte Unternehmen, die schon einige Zeit am Markt sind und die erste Startup-Phase hinter sich gelassen haben. Aber so richtig Großes konnte Samwer bisher nicht verkünden. Und dann die Meldung, dass Rocket Internet wieder seine Startup-Klon-Sparte personell aufstockt. Unbefriedigend, dass es keine/wenig Informationen gibt. Andererseits verbrennen die Rocket-Töchter kaum noch Geld und daher liegen sie RI auch nicht mehr so gewaltig auf der Tasche. Ich denke und hoffe, Oliver Samwer folgt hier Warren Buffetts Mantra und überrascht uns alle irgendwann positiv mit dem "next big thing...

»Es ist schmerzlich, auf so viel Geld zu sitzen. Aber noch schmerzlicher wäre es, etwas Dummes damit anzustellen.«
(Warren Buffett)

Wirecard

Das DAX-Unternehmen Wirecard steht unter Dauerbeschuss durch die Financial Times - und eine Reihe von Short-Sellern. Der Kurs spiegelt mit seinen Kapriolen die beiden Extrememotionen Angst und Gier hervorragend wider und selbst Kurssprünge um 25% in die eine oder andere Richtung sind keine Seltenheit mehr. Und das bei einem der 30 größten börsennotierten deutschen Unternehmen! Fast täglich gibt es neue Vorwürfe und vermeintliche Enthüllungen und in ebenso gleichem Rhythmus hält Wirecard dagegen. Es ist kaum absehbar, wo und wie dies alles enden wird. Klar ist jedenfalls, dass der Ruf von Wirecard nachhaltig angekratzt ist und das in einer Welt (der Finanzdienstleistungen), wo der Ruf ein ganz eigenes Asset ist. Ohne Vertrauen ist man ganz schnell raus aus dem Business. Für mich ist nur eines klar: in einer solch unklaren Lage investiere ich keinen Penny. Das gleicht eher einem Roulette-Einsatz, bei dem man ganz groß gewinnen oder eben alles verlieren kann. Wer unter Adrenalin-Hochdruck zocken will, kann das hervorragend mit der Wirecard-Aktie machen, die Day-Trader haben ihre wahre Freude bei der enormen Volatilität. Aber Anleger, Investoren, haben in dieser Aktie nichts (mehr) verloren. Egal wie billig die aussieht (verglichen mit den zuvor erreichten Höchstständen; aber waren die überhaupt gerechtfertigt?).


Angst und Gier

Der Fear & Greed Index von CNN Money letzte Woche deutlich zurück und schloss 16 Punkte niedriger bei 49 Punkten. Damit liegt er nun im neutralen Bereich und von Euphorie ist nichts mehr zu sehen - von Angst aber auch nicht.

Mein "operativer Net Worth" ist hat sich dank der stärkeren Gewichtung der großen US-Werte in der letzten Woche sehr erfreulich entwickelt auf jetzt 19,7% seit Jahresanfang. Die Verluste aus dem vierten Quartal 2018 sind vollständig ausgeglichen und bis auf wenige Euros hat er sich sogar an den bisherigen Höchststand aus dem Herbst letzten Jahres heran gerobbt. Damit bin ich mehr als zufrieden und das wäre als Ergebnis am Jahresende eine herausragende Rendite.

Auf gut Börsengeschäfte. Es bleibt spannend...

Disclaimer
Apple, MasterCard, Naspers und Rocket Internet befinden sich auf meiner Beobachtungsliste und in meinem Depot.

Kommentare:

  1. Überlege bei MasterCard und PayPal einzusteigen. Habe aber das Gefühl, dass ich einen guten Einstieg verpasst habe. Lohnt sich das noch?
    Gruß
    Christian

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    1. Die Frage richtet sich nach der künftigen Kursentwicklung und die kann ich Dir nicht beantworten. Ich kann Dir nur sagen, dass sich PayPal und MasterCard unter meinen drei am höchsten gewichteten Positionen im Depot befinden und dass ich glaube, dass sie noch länger so starke Wachstumsraten hinlegen werden. Schaut man auf VISA, die deutlich höhere Margen und viel mehr Partner als MasterCard aufweisen, dann sieht man, was bei MasterCard noch möglich ist - alleine, wenn sie sich auf das machbare höhere Niveau von VISA verbessern. Auch deshalb setze ich voll auf MasterCard und nicht auf VISA. Und PayPal ist weiterhin der Paymentstandard im Internet, dieser Burggraben ist nicht so einfach zu knacken van anderen. Auch nicht von Apple oder Amazon. Die gehen daher ja auch Partnerschaften mit MasterCard, VISA und/oder PayPal ein. Da der Paymentmarkt weiterhin stark wachsen wird (Bargeld wird zusätzlich immer mehr verdrängt), bieten sich für alle Firmen in diesem Markt hervorragende Wachstumschancen. Und für die besten unter ihnen, wie PayPal und MasterCard eben noch etwas bessere...

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  2. Als Laie frag ich mich das bei so ziemlich allen Aktien aus den USA die zurzeit nahe am Höchststand sind. Oder sollte man wie bei Apple auf einen Kursverfall warten und dann zuschlagen(ich hab natürlich mitte Oktober 2018 gekauft, bei 189...)?

    Gruß
    Sven

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    1. Schau auf den langfristigen Chart von MasterCard und beantworte Dir die Frage, ob es jemals schlau gewesen ist, die Aktie bei Erreichen eines neuen Allzeithochs zu kaufen. oder ob man lieber auf einen deutlichen Rücksetzer hätte warten sollen (bei dem die meisten dann auch nicht kaufen, weil es ja einen - zumindest emotionalen - Grund für den Kursabsturz gibt). Also lieber auf das Unternehmen schauen und fragen, ob man bereit ist, sich an diesem Unternehmen für mindestens 5 Jahre zu beteiligen und das auch, wenn die Börse für 5 Jahre schließen würde und man die Aktien dem entsprechend nicht verkaufen könnte. Und ob man bereit wäre, mindestens 10% seines Vermögens in dieses Unternehmen zu investieren. Wenn Du drei Mal mit "Ja" geantwortet hast, hast Du "Dein" perfektes Unternehmen gefunden... ;-)

      P.S.: Bei Amazon, Microsoft, MasterCard, PayPal, Cisco habe ich mir diese Frage mit "Ja" beantwortet. Sie sind mit die am höchsten gewichteten Werte in meinem Depot. Und anders als in den Börsenchrashs, die ich seit 1989 miterlebt habe, war ich dieses Mal relativ entspannt und, als es Ende 2018 so stark in den Keller ging. Ich war entspannt, obwohl meine Aktien abgeschmiert sind, obwohl mein Depot nicht nur die Jahresgewinne aufgeraucht hat, sondern tief ins Minus gefallen ist. Ich war entspannt, weil ich mir sicher war, dass der Crash "meinen" Unternehmen nichts anhaben würde und dass sie weiterhin gute Geschäfte machen. Dieses Gefühl hatte ich noch nie. Alleine deshalb schon habe ich mich entschlossen, mich noch viel mehr Richtung "Quality Investing" zu konzentrieren und weniger auf die Suche nach den günstigsten Schnäppchen zu machen. Oder wie Warren Buffett sagte: "Value Investing ist der einfachste Weg zum Wohlstand. Nur leider gehen ihn nur wenige, denn niemand will langsam reich werden". Wenn ich aber pro Jahr relativ entspannt 15% machen kann, weshalb sollte ich mir mit riskanteren Spekulationen Stress machen? Die wenigen Male, wo man richtig liegt und viel absahnt, denen stehen die Fehlschläge mit wenig Gewinn und teilweise heftigen Verlusten gegenüber. Unterm Strich bleibt da auch selten mehr übrig. Also lieber die TOP-Unternehmen herauspicken und zu akzeptablen Kursen einkaufen. Und dann entspannt zurücklehnen, während die einem das Geld verdienen... ;-)

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    2. schön gesagt !

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    3. find ich auch, danke für die Antwort.

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    4. Na, das Gleiche denken alle und alle kaufen das Gleiche. Herdentrieb auf hohem Niveau. Der Rücksetzer in 2018 war kein Crash. Ich frage mich, was passieren wird, wenn es richtig kracht und die Herde feststellt, dass die besagten Aktien schon zu teuer geworden sind. Auf einmal wird das Deep Value Investing nach Graham und Margin of safety wieder sehr modern werden. Auf einmal werden harte Fakten, wirtschaftliche Kennzahlen und Bewertungskriterien wieder wichtig. Wenn die Kurse fallen, dann fangen alle an zu rechnen. Die Zeit wird wieder kommen, nur die Frage ist wann...

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    5. Ein tolles Value Investing Wikifolio ist Spezialwerte:

      https://www.wikifolio.com/de/de/w/wf00200775

      Dem Investor sind die Umsetzung der Ideen von Graham, Buffett und Klarman sehr gut gelungen. Das sieht man auch an der Performance. Auch Corestate im Wikifolio zu finden zum richtigen Zeitpunkt gekauft. Super!

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    6. "Der Rücksetzer in 2018 war kein Crash".

      Nach den gängigen Definitionen war das sehr wohl ein Crash. Würde gerne mal Deine Erläuterung haben, weshalb es kein Crash gewesen sein sollte...

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    7. Michael, du hast die Dotcom Blase erlebt und den Crash in 2008-2010 ebenfalls. Warum muss ich Dir das erklären? Es ist auch eine Nebensache, ob Du den kurzfristigen 20% Rücksetzer "Crash" oder "Rücksetzer" oder "Korrektur" nennst. Es geht primär um die fehlende Margin of Safety, die in den Value Ansätzen von Graham, Lynch, Buffett, Klarman etc. so häufig erwähnt wird und so wichtig ist.

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  3. Ich habe mir mal den Spass gemacht und einmal eine Rückbetrachtung aufgestellt. 2007 10.000 EUR angelegt in Mastercard und bis heute nur die Dividende reinvestiert. Heute wären aus den 10.000 EUR nach Abzug von Steuern (bei den Dividenden) ein satter Betrag von 130.000 EUR. Wenn ich mich nicht verrechnet habe. Habe immer die Schlußkurse eines Jahres genommen. Sprich es kann auch je nachdem wann man gekauft hat was mehr oder auch weniger sein.
    2007 war VOR der Krise und die Kurse sind ja bekanntlich 2008-2009 in den Keller gegangen.

    Wohlgemerkt: das ist die Vergangenheit! Es ist nicht das was sein wird!

    Gruß
    Hans

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  4. Dass Apple ausgerechnet jetzt auf den Streaming-Zug aufspringen will, da Disney mit einem eigenen Dienst an den Start gehen wird, finde ich einigermaßen merkwürdig. Beim Streaming zählt der Content, nicht das Ökosystem. Da muss ich mich als Aktionär schon fragen, ob da nicht schon etwas Verzweiflung im Spiel ist - Motto: ersetze Innovationskraft durch das Wildern in fremden Revieren.

    Das dachte ich mir bei der Ankündigung. Und offenbar ist auch der Meister himself nicht begeistert:

    https://boerse.ard.de/aktien/apple-strategie-buffett-kritik100.html

    Gruß
    Jens

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    1. Ja, durchaus eine schwierige Situation für Apple, der Streaming-Dienst wird kein Selbstgänger. Aber solange Apple kein richtiges "next big thing" mehr erfindet, ist das Ziel, die Einnahmebasis zu verbreitern, grundsätzlich richtig. Ob es auf diesem Weg klappt, muss man sehen. Ich denke, Apple ist hier eher der Getriebene und wil leinen Fuß in der Tür haben/behalten, um nicht anderen das Feld komplett zu überlassen, nur um in ein paar Jahren festzustellen, dass man die Entwicklung total verpennt hat. So wie beim Musikstreaming, wo man dann für Milliarden Beats kaufen musste...

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  5. Hallo Michael,

    Mich würde deine Einschätzung zu Corestate Capital noch einmal interessieren,nachdem die Aktie in den letzten Wochen ja besonders gut gelaufen ist und über 30% wieder gut gemacht hat.Kepler hat sie jetzt auch auf die Liste der „German Top Picks“ gesetzt und die Zahlen waren doch durchwegs gut.Würdest du jetzt auch noch verkaufen?

    Vielen Dank für deinen tollen Blog
    Und viele Grüße

    Kanut

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    1. Die Frage ist doch, was sich in den letzten Wochen bei Corestate Capital geändert hat, abgesehen vom Kurs(-anstieg)? Meine Kritikpunkte an/bei Corestate haben sich nicht gelegt, nur weil der Kurs gestiegen ist. Ich gönne jedem Investierten diesen Anstieg, aber ich habe für mich beschlossen, das Kapitel Corestate für mich zu schließen und mich auf andere Werte im Bereich Asset Management und/oder Immobilien zu konzentrieren. Vor gut einem halben Jahr hatte ich mal eine Übersicht über "meine" Immobilienwerte gegeben unter "Immobilienwerte rotieren: Corestate Capital, DIC Asset, Patrizia, TTL Beteiligung". Damals war ich zu dem Schluss gekommen, dass die eine Menge an Überschneidungen mit sich bringen, vor allem Corestate und DIC Asset (wegen des Asset Managements). Erst hatte ich DIC Asset unter Beobachtung gestellt, aber letztlich hat der zusätzliche Aspekt des "Corporate Raidings", also die Beteiligung an Konkurrenten (WCM, TLG) mit der Erzielung hoher Gewinne, den Ausschlag pro DIC Asset gegeben. Später habe ich dann Corestate aussortiert, aber das Spektrum meiner Gewerbeimmobilien-Investments dadurch nicht wirklich eingeengt. Auch deshalb fühle ich mich mit der Entscheidung nach wie vor sehr wohl.

      Ergänzend habe ich später ja noch die Godewind Immobilien als spekulativeren Wert auf meine Beobachtungsliste aufgenommen, um dem Duo Ehlerding/Efremidis eine weitere Chance zu geben. Nun bin ich mit DIC Asset, Godewind, Patrizia und TTL Beteiligung hervorragend aufgestellt, finde ich. Auch wenn Corestate optisch betrachtet das am günstigsten bewertete Unternehmen ist; aber der Hund hat eben auch einige Flöhe, die einem (oder zumindest mir) das Investment verleiden.

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    2. Geduld ist die oberste Tugend - simpel, aber nicht einfach.

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  6. Hallo Michael,
    hast du Dir schon einmal WARIMPEX angeschaut ...
    Danke
    Christian

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    1. Nein, WARIMPEX sagt(e) mir überhaupt nichts. Österreichische Werte habe ich gar nicht auf dem Schirm oder wenn, dann nur zufällig (wie mal Polytec vor zwei, drei Jahren).

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