Mittwoch, 19. Juni 2019

Adobe Systems hat es schon wieder getan - doch dieses Mal spielt der Kurs nicht richtig mit...

Adobe Systems ist ein Wachstumsunternehmen und entsprechend hoch bepreist. Gestern Abend nach Börsenschluss legte das Unternehmen Zahlen für sein zweites Geschäftsquartal 2019 vor und hat - wie üblich - seine eigenen Prognosen und die Erwartungen des Marktes übertroffen. Und der Kurs hat mit einem Freudensprung reagiert, was so gar nicht üblich ist. Denn bisher lief es eigentlich immer so, dass der Kurs nachgab nach hervorragenden Zahlen, weil man sich an dem verhaltenen Ausblick des Managements störte. Nach dem kurzen Absacker machte sich die Aktie dann in der Folgezeit immer wieder auf, neue Höhen zu erklimmen, denn Adobe übererfüllt seine Prognosen regelmäßig und üppig. Doch dieses Mal scheint es anders zu laufen...


Adobes Quartalszahlen

Der bereinigte Nettogewinn auf 900,6 Mio. Dollar bzw. 1,83 Dollar je Aktie, nachdem im entsprechenden Vorjahreszeitraum 825,4 Mio. Dollar bzw. 1,66 Dollar je Aktie verdient worden waren. Adobes eigene Prognose aus dem März hatte bei 1,77 Dollar je Aktie gelegen und zeigt das bekannte Muster aus konservativer Prognose und Übererfüllung im Vollzug.

Adobe erzielte einen operativen Cashflow von 1,11 Mrd. Dollar und kaufte in letzten Quartal 2,5 Mio. Aktien für 659 Mio. Dollar zurück. Somit verbleiben 6,6 Mrd. Dollar des im letzten Jahr genehmigten Rückkaufprogramm von 8 Milliarden Dollar, das noch bis 2021 läuft.

Im Segment Digitale Medien stieg der Umsatz ggü. dem Vorjahreszeitraum um 22% auf 1,89 Mrd. Dollar und toppte die Prognosen von 20% deutlich. Der Umsatz im Segment Digital Experience stieg sogar um 34% auf 784 Mio. Dollar und lag damit ebenfalls um 2% über den Prognosen von 32%. Wie schon im ersten Quartal waren 91% von Adobes Umsätzen wiederkehrender Natur, stammen also aus Abonnements und Servicegebühren und nicht aus einmaligen Verkäufen (Lizenzen). Dieser hohe Anteil ist herausragend, selbst für die Softwarebranche, und unterstreicht Adobes hervorragend skalierbares Geschäftsmodell, was sich in einer sehr hohen Marge niederschlägt. Und er macht die Erlöse und Gewinne gut planbar, was die Börse gerne mit einem Aufpreis goutiert.

Obwohl Adobe also die Planzahlen mal wieder übertroffen hat, erhöhte das Management die Prognosen für das Gesamtjahr nicht. CEO Shantanu Narayen sieht Adobe "mit seiner innovativen Technologieplattform, einer aufregenden Produkt-Roadmap und einem starken Partner-Ökosystem" allerdings für die zweite Jahreshälfte und darüber hinaus als gut aufgestellt. Dabei verweist er auf die übliche Saisonalität in Adobes Business mit einem verhalteneren dritten Geschäftsquartal und einem dann deutlich wachstumsstärkeren Jahresendquartal.


Meine Einschätzung

Adobe ist hervorragend aufgestellt und liefert seit Jahren stabile, stetig wachsende Umsätze und Gewinne ab. Der ebenfalls stetig steigende Free Cashflow wird zum Rückkauf eigener Aktien genutzt, was den Aktionären zugute kommt - eine Dividenden schüttet Adobe nicht aus, was ich für richtig halte.

Neben den eigenen Softwareprodukten aus der Sparte "Digital Media", mit denen man jeweils führend ist (wie z.B. Photoshop, Lightroom, Dreamweaver oder Acrobat Reader), wächst Adobe auch rasant in der Sparte "Digital Experience", wo man seine Marketing Cloud, Analytics Cloud und die Advertising Cloud anbietet. Damit richtet sich das Unternehmen an werbetreibende Kunden und stellt diesen die dafür notwendigen Systeme und Auswertungstools zur Verfügung. Hier wächst Adobe auch über Zukäufe und ergänzt sein Angebotsspektrum sinnvoll. Darüber hinaus geht Adobe auch gezielt Partnerschaften ein, wie z.B. mit Amazon, wo man Amazons Angebot für "Third-Party-Seller" attraktiver macht, oder mit Microsoft, wo zuletzt über deren Karrierenetzwerk-Tochter LinkedIn verstärkt die neuen Adobe-Tools zum Einsatz kommen werden.

Adobe (Quelle: wallstreet-online.de)
Die beiden größeren Übernahmen aus dem letzten Jahr in der Sparte „Digital Experience“ befeuern Adobes Wachstum ebenfalls. Marketo, Marktführer im Bereich Business-to-Business-Marketing (B2B), und das E-Commerce-Unternehmen Magento brachten nicht nur neue Commerce-Funktionen für Adobes B2B- als auch B2C-Bereich (Business-to-Consumer) mit sich, sondern Adobe kann nun deren Produkte bei seinem eigenen Kundenstamm vermarkten und den Kunden von Magento und Marketo Kunden nun die gesamte Palette der Adobe-Produkte anbieten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich Adobe in diesem Bereich nach weiteren Zukäufen umsieht.

Und dann bleibt noch die Übernahmephantasie. Denn Adobe ist zwar teuer, aber eben auch überaus erfolgreich. Und da sich viele der großen Unternehmen der Cloud-Sphäre durch Übernahmen besser zu positionieren suchen, wie zuletzt Salesforce mit der Übernahme von Tableau-Software für 15,7 Mrd. Dollar oder Alphabets Übernahme der Analyseplattform Looker für 2,6 Mrd. Dollar, dürfte auch Adobe zunehmend auf dem Radar auftauchen. Ob bei Amazon oder Microsoft und noch vielen anderen.

Wenngleich diese latente Übernahmephantasie "ganz nett" ist und eine satte Prämie versprechen dürfte, ist sie jedoch nur das Sahnehäubchen oben drauf und nicht Teil meines Investmentcases. Der basiert darauf, dass Adobe einen sehr breiten ökonomischen Burggraben (Moat) hat mit seinen Produkten und gefestigten Kundenbeziehungen und ein sehr gut skalierbares Geschäftsmodell als eines der führenden Unternehmen im SaaS-Business (Software-as-a-Service). Damit kann Adobe schon seit Jahren seine Umsätze und Gewinne mit Wachstumsraten von mehr als 20% steigern und seine sich entsprechend positiv entwickelnder Free Cashflow wird für Aktienrückkäufe aufgewendet, so dass der Aktienkurs fast keine andere Chance hat, als immer weiter anzusteigen. Bisher war jeder Kursrücksetzer immer eine neue Nachkaufgelegenheit und es spricht wenig dagegen, dass sich dies auch weiterhin so fortsetzen wird. Buy & Hold funktioniert - bei Adobe Systems, einem echten Quality Investment.


Disclaimer
Adobe Systems befindet sich auf meiner Beobachtungsliste und in meinem Depot.

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