Sonntag, 18. August 2019

Die 33. Börsenwoche im Rückspiegel: Kissigs Klookschieterei mit Cisco, Intuit, Wirecard

Heftige Schwankungen bleiben den Börsen wohl erhalten; die Nerven liegen blank und die Stimmung trübt sich weiter ein. Die Konjunkturdaten stimmen wenig froh und wir Menschen neigen dazu, aktuelle Gegebenheiten in die Zukunft fortzuschreiben.

Donald Trump beherrschte zur Abwechslung mal nicht die Schlagzeilen, auch wenn Ende der Woche die Börsen zu einer Erleichterungsrallye ansetzten, nachdem der Donaldissimo twitterte, er erwarte, dass die Chinesen einen Deal machen wollten. Ansonsten haben wir viel mehr über Greta erfahren, als wir jemals wissen wollten. Aber der Showdown steht bevor, denn Greta ist nun per Segelschiff auf dem Weg zum Don. Das wird bestimmt toll...


Börsentheater, 1. Akt: Die Politik


Greta wird den Gang allen Irdischen gehen und irgendwann wird sie der Hype ausspucken. Momentan kann die Presse viel Geld verdienen mit ihr und Berater und ihrem Thema nahe stehende Organisationen sonnen sich in ihrer Popularität. Doch bekanntlich frisst die Revolution ihre Kinder. Die globale Erderwärmung, die (negativen) Veränderungen unseres Klimas sind nicht mit ein, zwei Entscheidungen zu ändern oder gar zu verhindern. Das wird ein zäher Weg, voller Misserfolge. Und Gretas Anhänger und die Medien werden bald die Lust verlieren, immer wieder das selbe Thema durchzukauen. Der Newswert hat sich dann überholt und ein anderes Thema rückt in den Mittelpunkt. So ist es immer gelaufen und so wird es auch dieses mal wieder laufen.

Damit will ich nicht sagen, dass das Thema ignoriert werden sollte, keinesfalls. im Gegenteil, wir Menschen tun rund um den Globus noch viel zu wenig, um den Klimawandel zu verlangsamen oder die zunehmende Erderwärmung aufzuhalten. Zu wenige Anführer und Lenker erkennen im Umsteuern die Chancen, die sich bieten, sie starren zu sehr auf ihren heutigen Besitzstand, den sie zu verteidigen suchen. Aber es wird - zum Glück - der Hype abebben, die unsinnigen Forderungen nach Verboten und Umerziehungen und Drangsalierungen den Menschen, die von Fanatikern mit der überstrahlenden Wichtigkeit ihres Themas gerechtfertigt werden. Ob Religion oder andersartiger Eifer, er erzeugt immer Gewalt, wenn auch nicht immer körperliche Gewalt. Das ist abzulehnen und hoffentlich bald vorbei. Aber das Thema und der Ernst der Lage, der bleibt. Und wenn Greta und ihre Fridays for Future-Unterstützer am Ende maßgeblich zum Umdenken beigetragen haben sollten, dann haben wir alle einen positiven Nutzen daraus gezogen. Auch wenn jede positive Veränderung zwangsläufig auch negative Begleiterscheinungen mit sich bringt, um die es sich anschließend zu kümmern gilt. So ist unsere Welt erschaffen, es gibt immer zwei Seiten, Jing und Jang sind unzertrennlich. Auch beim Thema Klimawandel.


Börsentheater, 2. Akt: Die Unternehmen


So, nun aber zum Eingemachten und einigen interessanten Meldungen zu aktuellen oder ehemaligen Unternehmen auf meiner Beobachtungsliste.


Cisco Systems

Der Netzwerkspezialist hat Quartalszahlen vorgelegt und man kann und muss feststellen, dass Cisco zu einem weiteren Opfer der Trump'schen Handelskriegspolitik geworden ist - und zunehmend wird. Die weltweit zurückgehende Wirtschaftskraft reduziert auch die Nachfrage bei Cisco, denn die Kunden halten sich mit Investitionen zurück. Im vierten Geschäftsquartal war der Umsatz um 6% auf $13,4 Mrd. gestiegen, der Gewinn fiel unterm Strich allerdings um fast die Hälfte auf $2,2 Mrd. Das ist einem einmaligen negativen Steuereffekt geschuldet, ohne den der Gewinn um 9% zugelegt hätte auf $3,6 Mrd.

Das klingt jetzt nicht nach Dramatik, aber der Ausblick hat es in sich. Denn Cisco berichtet, dass man in China nicht mehr an Ausschreibungen der Behörden teilnehmen und auch chinesische Telekomkonzerne nicht mehr beliefern darf. Und mit denen hat Cisco in den letzten Jahren ordentlich und gut Geschäfte gemacht. Dem entsprechend ging der Umsatz in China um 25% zurück. Dabei liegt der Bann nicht an Cisco oder seinen Produkten, sondern man kann ihn nur als Retourkutsche der Chinesen verstehen, weil Donald Trump Huwaei auf die Sanktionsliste gesetzt hatte und seitdem amerikanische Behörden und Unternehmen keine Produkte des chinesischen Unternehmens und Cisco-Rivalen mehr kaufen dürfen. Trumps Sanktionsliste hatte noch weitreichendere Folgen, denn auch ausländische Firmen, die einen nicht unerheblichen Anteil ihres Endprodukts in den USA produzieren lassen, sind von dem Bann betroffen. Und die Chinesen schlagen zurück und Opfer werden vor allem amerikanische Unternehmen. Wie jetzt Cisco. Und egal, wie der Handelskrieg am Ende ausgeht, die gute Marktposition, die sich amerikanische Unternehmen in China erarbeitet hatten, wird dauerhaft beschädigt oder ganz zerstört sein. Für Trump nur ein Kollateralschaden und er wird die erheblichen negativen Folgen irgendjemand anderem in die Schuhe schieben.

Ich fürchte, die Vorteile, die Cisco aus dem Bann von Huawei bzgl. des Aufbaus der 5G-Netzinfrastruktur in den westlichen Ländern winken, dürften von dem Bann in China mehr als überkompensiert werden. Ein echtes Danaer-Geschenk, was Trump Cisco (und anderen US-Firmen) da gemacht hat. Ciscos Geschäfte erhalten dauerhaft einen Dämpfer und daher glaube ich nicht, dass sich Cisco mal eben so von dem zweistelligen Kurssturz erholen wird. Ich sehe hier keine klassische "Buy-the-Dip"-Chance, wo man eine Marktübertreibung zu seinem Vorteil nutzen kann. Andererseits ist Cisco im Vergleich zu anderen Werten auch nicht überteuert, so dass ich auch keinen Grund sehe, die Flinte ins Korn zu werfen. Es bleibt also abzuwarten, wie Cisco auf die neuen Bedingungen reagiert und ob sie andernorts Kompensation erreichen können.

Des Weiteren wird Cisco seinen bisherigen außergewöhnlich hohen Einsatz seines Free Cashflows für Aktienrückkäufe und Dividenden merklich bremsen. In den letzten Jahren lag die Quote hier bei 130% und wird künftig auf vernünftige 50% zurückgefahren. Dem entsprechend wird es geringere Dividendensteigerungen geben und es werden deutlich weniger Aktien zurückgekauft werden; etwa 3% bis 4% der ausstehenden Aktien pro Jahr. Hintergrund der Reduzierung ist, dass Cisco (wie auch andere US-IT-Konzerne) auf einem hohen Cash-Berg außerhalb der USA saß, den man dank der US-Steuerreform vergleichsweise günstig in die USA holen konnte und der dort u.a. für Dividenden und Aktienrückkäufe zur Verfügung stand. Dieser Cash-Überhang ist nun deutlich abgebaut worden und daher wird künftig wieder der Freie Cashflow die Messlatte für "Aktionärs-Benefits" sein. Nichts Dramatisches also, aber eben eine spürbare Reduktion der zukünftigen  Nachfrage nach Cisco-Aktien. Mit ggf. Kurs bremsenden Auswirkungen.

Aus dieser Gemengelage heraus erwarte ich mir von meinen Cisco-Aktien keine Outperformance gegenüber dem Gesamtmarkt und/oder anderen Technologiewerten in meinem Depot.


Intuit

Das Unternehmen Intuit Inc. ist ein führender Anbieter von Buchführungs- und Steuersoftware. Intuit bietet verschiedene Arten von Finanzsoftware an und seine wichtigsten Produktlinien sind QuickBooks, TurboTax und Quicken, die sowohl von Privatpersonen, aber vor allem von Kleinunternehmen, Buchhaltungs- und prüfungsexperten sowie Finanzdienstleistern genutzt werden. Für Buchhalter werden zusätzlich die Steuerprogramme ProSeries und Lacerte angeboten und allen Produkten ist gemein, dass sie ihre Anwender bei den alltäglichen Anforderungen wie Rechnungen bezahlen, Guthaben überprüfen, Gehaltslisten erstellen und Steuererklärungen und -prüfungen unterstützen.

Im Rahmen meiner Recherchen zu meiner Portfoliocheck-Serie habe ich mir Intuit genauer vorgenommen und habe mich zunehmend für deren Geschäftsmodell erwärmen können. Das Geschäft von Intuit ist zwischen Unternehmensführungs- und Steuersoftware etwa hälftig verteilt, wobei im Bereich der Steuersoftware Intuit allerdings noch einen relativ hohen Anteil an Lizenzverkäufen aufweist. Das ist einerseits eine Schwäche, weil es die Einnahmen stärker schwanken lässt, da der Absatz immer dann hochschnellt, wenn die Privatleute ihre Steuererklärungen abgeben müssen, auf der anderer Seite ist es ein zusätzlicher interner Wachstumsmotor, weil hier noch ein zufriedener Kundenstamm auf den Umstieg auf das SaaS-Modell wartet (Software-as-a-Service). Neben dem Zuwachs an Kunden kann auch die Qualität der bisherigen Kunden weiter verbessert werden.

Daneben hat Intuit gerade im Bereich der Businesskunden, also Buchhaltern und Steuerberatern, einen massiven ökonomischen Burggraben, basierend auf hohen Wechselkosten. Wer viele Mandanten betreut und ihre Daten allesamt über die Intuit-Software verwaltet, muss schon einen sehr gewichtigen Grund haben, wenn er die Software wechselt. Denn es müssten für jeden Kunden nicht nur die Stammdaten, sondern auch alle individuellen Buchungsvorgänge übertragen werden. Was auch auf Seiten der Kunden zu erheblichem Aufwand führen dürfte, was einen Wechsel noch unattraktiver macht.

Das letzte Geschäftsquartal lief so gut, dass Intuit seine Jahresprognosen angehoben hat. Für das Geschäftsjahr 2019 wird nun ein Wachstum von 12% gegenüber dem Vorjahr erwartet, bzw. ein Umsatz von $6,74 bis $6,76 Mrd. Dabei peilt Intuit ein Betriebsergebnis von $1,83 bis $1,84 Mrd. an und somit ein Wachstum von 17% bis 18%. Der Gewinn je Aktie (EPS) sollte somit zwischen $5,72 und $ 5,74 liegen und damit um 12% bis 13% nüber dem Vorjahreswert.

Intuit stellt traditionell im vierten Quartal neue Produkte bzw. Produktverbesserungen für die anstehende neue Steuersaison vor. Interessant dürften vor allem die Fortschritte im Bereich Künstlicher Intelligenz sein, denn hier hatte Intuit Ende Mai das Data Analytics-Start-up Origami Logic übernommen, um sich zusätzlich als Expertenplattform für Steuer- und Kleinunternehmen zu positionieren.

Eines ist sicher: die Steuergesetze werden immer wieder Änderungen unterliegen und erfordern daher ständig Anpassungen. Ich erstelle meine private Einkommensteuererklärung ja selbst und das wird von Jahr zu Jahr komplizierter. Auch weil die Steuererklärung inzwischen online abzugeben ist und ich alte und bewährte eigene Zusammenstellungen nicht mehr verwenden konnte, sondern unter erheblichem Aufwand vieles verändern musste, um die Daten überhaupt ans Finanzamt abliefern zu können. Ohne dass am Ende etwas anderes dabei herauskommt. Einfach nur Zusatzaufwand. Und das wird auch künftig nicht anders und daher wird die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen, die zu günstigen Kosten Abhilfe bzw. Unterstützung bieten, weiterhin hoch bleiben. Und sogar noch zunehmen, denn die Papierform wird weiter zurückgedrängt werden und bald nur noch Onlineerfassung möglich sein. Und da man nur einmal im Jahr mit seiner Steuererklärung zu kämpfen hat, stellt sich auch kaum ein Gewöhnungsfaktor ein. Daher wird man "seine" Steuersoftware nicht unnötig wechseln, wenn man einmal alle Daten erfasst hat und in etwas weiß, wo welche Beträge einzutragen sind und welche Teile der Steuererklärung man weglassen kann. Bequemlichkeit des Nutzers ist auch eine Art von Burggraben - für den Anbieter.

Für mich Gründe genug, um bei Intuit einzusteigen und den Wert auch auf meine Beobachtungsliste zu nehmen.



Wirecard

Der Jetzt ist es also doch passiert: ich habe mir Aktien von Wirecard ins Depot gelegt und den DAX-Konzern auch auf meine Beobachtungsliste genommen. Der Aufstieg des Unternehmens ist eine einzige Erfolgsgeschichte, die jedoch noch nicht einmal das Ende des Anfangs gesehen hat, um es mal mit Winston Churchills Worten auszudrücken. Die wiederholten Attacken von Shortsellern, flankiert von (Redakteuren) der Financial Times, sorgen nach wie vor für Unruhe und es ist das Wesen solcher Short-Attacken, dass die von ihnen gezielt gesäten Zweifel niemals vollständig ausgeräumt werden können. Aus diesem Grund halte ich mich bei solchen Werten zurück, bis die Lage für mich so weit ausgeklärt ist, dass ich sie einordnen und in meinem Investmentcase bewerten kann. So wie bei Aurelius. Bei Wirecard hingegen sind die Vorwürfe nicht restlos geklärt. Aber sie konnten auch nicht belegt werden. Die Struktur des Wirecard-Konzerns macht dies (also beides) fast unmöglich. Der Vorstand hat in einer Reihe von Punkten die Kritik angenommen und Abhilfe bzw. zumindest Besserung versprochen. Daran wird er sich messen lassen müssen. Insbesondere muss dem bisherigen Wachstum Rechnung getragen und für einen DAX-Konzern angemessene Strukturen im Vorstand aber auch im bereich Controlling und Compliance geschaffen werden.

Weshalb ich vor bzw- während dieser Problembehebung bereits einsteige? Nun, Schwächen sind bereits dann keine wirklichen Schwächen mehr, wenn ich sie erkenne und ihre Behebung in Angriff nehme. Und so habe ich mir die Stärken Wirecards vorgenommen und da sehe ich ein sehr gut positioniertes Unternehmen im boomenden Paymentmarkt, das nicht nur Aldi als Kunden gewinnen konnte, sondern durch die Beteiligung seitens der Softbank Group eine Art Ritterschlag erhalten hat. Nicht, dass Wirecard das Geld gebraucht hätte, es ist das Softbank-Netzwerk, das Wirecard ganz neue Möglichkeiten bietet. Nicht nur, weil man jetzt viel einfacher Zugang zu den wichtigsten Märkten in Asien hat, sondern weil man quasi als "natürliche" Option bei den vielen Beteiligungen der Softbank Group und der Beteiligungen ihrer beiden jeweils mehr als 100 Milliarden Dollar schweren Vision Funds ist. Das kann für Wirecard als Turbo wirken.

Auf der anderen Seite ist Wirecard mit 17 Milliarden Euro Börsenbewertung noch immer eine kleine Nummer im internationalen Vergleich. Softbank hatte angekündigt, auch gerne einen größeren Anteil an Wirecard besitzen zu wollen und da dürften sie nicht die einzigen sein. Im Payment-Sektor herrscht gerade Übernahmefieber und hier werden teilweise abstruse Preise bezahlt, um den Fuß in die Tür zu bekommen. Auch Wirecard dürfte hier eher profitieren.

So viel erstmal als kurzer Überblick, weshalb ich Wirecard (auch noch) auf meine Beobachtungsliste und in mein Depot genommen habe. Ich werde in nächster zeit noch ausführlicher meinen Investmentcase vorstellen.


Ergänzung vom 20.08.2019 um 10:56

Manchmal geht es schneller als gedacht: Wirecard und OYO, eine der weltgrößten Hotelketten, werden künftig bzgl. digitaler Finanzdienstleistungen zusammenarbeiten, berichtet "Der Aktionär".

"Im Rahmen der Vereinbarung beabsichtigt Wirecard, OYO eine breite Auswahl von Dienstleistungen rund um den digitalen Zahlungsverkehr zur Verfügung zu stellen. Dazu gehören unter anderem die Zahlungsabwicklung für alle Buchungen von OYO - online, mobil und vor Ort - sowie die Herausgabe von Kartenlösungen und der Zugriff auf Banking-Services von Wirecard einschließlich Kredite und Kundenbindungsmaßnahmen."

OYO ist ein Unternehmen, in das der Softbank Vision Funds 1 investiert hat und dieses damit bereits die zweite Zusammenarbeit von Wirecard mit einem Unternehmen aus dem Softbank-Reich seit dem Einstieg der Softbank Group bei Wirecard via Wandelschuldverschreibung vor einigen Monaten.


Angst und Gier & Ups and Downs


Der Fear & Greed Index von CNN Money ist um weitere 6 Zähler gesunken auf nur noch 20 Punkte: zurück im Extreme-Angst-Territorium. Von Euphorie, der Vorbotin eines Crashs, ist jedenfalls nichts zu spüren...

Mein "operativer Net Worth" hat in dieser Woche nochmals etwas nachgegeben und der Zugewinn in diesem Jahr ging auf 26,25% zurück (YTD). Das ist natürlich deutlich weniger als noch vor vier Wochen, aber weiterhin weit oberhalb meiner Zielgröße von 15% Rendite pro Jahr.

Auf gute bessere Börsengeschäfte. Es bleibt spannend...

Disclaimer
Aurelius, Cisco Systems, Intuit und Wirecard befinden sich auf meiner Beobachtungsliste und in meinem Depot.

Kommentare:

  1. Glückwunsch zum Einstieg bei Wirecard.
    Das Argument, das Geschäftsmodell von Wirecard sei zu undurchsichtig bzw. nicht nachvollziehbar (liest man sehr häufig), ist zwar nachvollziehbar, gilt aber für viele Unternehmen bzw. Geschäftsmodelle.
    Wer glaubt, er könne als Außenstehender eine Bank oder Versicherung durchdringen, der macht sich selbst etwas vor. Das gleiche gilt für andere Zahlungsdienstleister wie MasterCard oder Visa (wer weiß schon, wie diese intern die Zahlungen abwickeln bzw. über welche Gesellschaften verrechnen?), für Versorger oder Technologieunternehmen. Den Algorithmus von Google versteht niemand von uns. In diesem Falle wird es als Vorteil bzw. Burggraben für Alphabet bewertet, warum sollte entsprechendes nicht für Wirecard genauso zutreffen?

    Im Übrigen kooperiert Wirecard mit Mastercard, Visa etc. Die werden ihre Hausaufgaben durchaus gemacht haben und Wirecard entsprechend auf Herz und Nieren geprüft haben. Vor diesem Hintergrund erscheinen die Short-Attacken in einem etwas anderen Licht. Die aufgedeckten Buchungsfehler waren marginal und gibt es in jedem Unternehmen. Wie du hier schon aufgeführt hast, ist man bei Wirecard bereit, die Compliance zu stärken, was sehr für den Vorstand spricht (welcher über seine Beteiligungsgesellschaften übrigens mittlerweile mit 7 % selbst an Wirecard beteiligt ist).

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  2. Hi Michael,
    ich finde schon dass Wirecard das Geld von Softbank dringend braucht:
    https://www.behindtheshares.com/2019/08/19/weird-but-true-wirecard/

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  3. Manchmal geht es schneller als gedacht: Wirecard und OYO, eine der weltgrößten Hotelketten, werden künftig bzgl. digitaler Finanzdienstleistungen zusammenarbeiten, berichtet "Der Aktionär": "Im Rahmen der Vereinbarung beabsichtigt Wirecard, OYO eine breite Auswahl von Dienstleistungen rund um den digitalen Zahlungsverkehr zur Verfügung zu stellen. Dazu gehören unter anderem die Zahlungsabwicklung für alle Buchungen von OYO - online, mobil und vor Ort - sowie die Herausgabe von Kartenlösungen und der Zugriff auf Banking-Services von Wirecard einschließlich Kredite und Kundenbindungsmaßnahmen."

    OYO ist ein Unternehmen, in das der Softbank Vision Funds 1 investiert hat und dieses damit bereits die zweite Zusammenarbeit von Wirecard mit einem Unternehmen aus dem Softbank-Reich seit dem Einstieg der Softbank Group bei Wirecard via Wandelschuldverschreibung vor einigen Monaten.

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  4. Hallo Michael,
    ist für ein Unternehmen wie Intuit, welches jährliche Wachstumsraten von 10-15% aufweist, nicht ein aktuelles 2019er KGV von ca. 45 stark übertrieben?
    Auf mich wirkt das Unternehmensmodell (Buchführungs- und Steuersoftware) zwar konservativ/stabil, aber ich frage mich schon wo das Wachstum bzw. die Phantasie herkommen soll um in diese Bewertung reinzuwachsen...
    Danke für eine kurze Antwort.

    Viele Grüße, Basti

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    1. Du stellst die falsche Frag, Basti. ;-) Denn bei Wachstumsunternehmen ist das KGV die falsche Bewertungsgrundlage. Der Gewinn je Aktie ist seit jeher kritisch zu sehen, weil der Gewinn ziemlich "gestaltet" werden kann vom Management. Und spätesten seit der letzten IFRS-Reform vor zwei Jahren ist der Gewinn noch weniger aussagekräftig. Ken Fisher und andere raten daher seit längerem, andere Kennzahlen zu verwenden. Ich habe dazu gerade eine Kolumne für das aktuelle Aktien Magazin verfasst (Ausgabe 12/13), aber die ist leider nur Abonnenten zugänglich.

      EPS: Sieh Dir mal Apple an. Apple war jahrelang Cash-König mit dreistelligen Milliardenbeträgen auf der hohen Kante. In den letzten 10 Jahren hat Apple $260 Mrd. für Aktienrückkäufe ausgegeben, davon 2018 alleine $74,2 Mrd. Und das aktuelle Aktienrückkaufprogramm beträgt wieder $75 Mrd. (das sind nochmals 8% aller restlichen Apple-Aktien) Die Cash-Reserven schmelzen dramatisch dahin. Ende 2017 hatte Apple noch $163 Mrd., aktuell sind es "nur" noch $102 Mrd. Das zeigt zweierlei: 1. Apple gibt für die Rückkäufe wesentlich mehr Geld aus, als frisch herein kommt. Daher ist bald das Ende der Fahnenstange erreicht. Und 2. der Gewinn je Aktie geht alleine wegen der Aktienrückkäufe heftig nach oben., was das Bild auf die operative Entwicklung ziemlich verzerrt.

      Versteh mich bitte nicht falsch, ich bin ein großer Freund von Aktienrückkaufprogrammen. Aber ich versuche trotzdem, die Risiken/Nachteile/Begleiterscheinungen nicht auszublenden.

      Zu Inuit: Inuit hat noch einen erheblichen Anteil an Einnahmen aus klassischen Software-Lizenzen, daher schwanken die Ergebnisse stärker und sind weniger planbar. Dieser Anteil geht sukzessive zurück, weil immer mehr Kunden auf die Abo-Modelle umswitchen (SaaS-Modell). Je höher der Umsatz- und Gewinnanteil aus den Abo-Einnahmen, desto höher wird das Geschäftsmodell bewertet. Wegen der guten Planbarkeit. Intuits SaaS-Erlöse wachsen also aus dem bestehenden Kudnestamm heraus und durch das Gewinnen weiterer Kunden. Und dabei gewinnt man neue Kunden nicht nur von Wettbewerbern, sondern aufgrund des deutlich wachsenden Marktes (immer mehr menschen machen ihre Steuern/Buchführung online und nicht mehr Papierformular). Zusätzlich bietet man immer wieder neue Services, mit denen man neue Kunden gewinnt (denen man dann auch die übrigen Produkte anbietet) und/oder über die man bestehenden Kunden mehr bietet und daher auch mehr an ihnen verdient. Als Softwareanbieter hat Intuit den Vorteil, dass es ein stark skalierbares Geschäftsmodell hat (die Software muss programmiert werden, ob man einen oder 1 1.000 Kunden hat), also die Kosten mit jedem neuen Kunden prozentual je Stück sinken.

      Da das im Grunde jeder kann, bleibt die Frage, wie Intuit seine Kunden vom Wechseln abhält. Die einfachste Methode ist, der billigste Anbieter zu sein. Aber damit ist auch Praktiker gegen die Wand gefahren. Wo ist also Intuits Burggraben? Es sind die hohen Wechselkosten. Das hatte ich ja im Artikel beschrieben. Wenn Kunden also kaum/selten wechseln, sind die Umsätze und gewinne noch planbarer und sicherer und daher werden sie von Anlegern als noch wertvoller angesehen. Und daher sind sie in Summe bereit, solche Qualitätsunternehmen auch dauerhaft höher zu bepreisen. Und ich finde das nachvollziehbar.

      Akzeptiere ich also, dass solche Unternehmen dauerhaft höher bewertet werden als andere, dann setzt meine Überlegung bzgl. der künftigen Entwicklungspotenziale für das Unternehmen und den Kurs auf einer per se höheren Kursbasis an.

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