Mittwoch, 29. Januar 2020

Ziemlich ausgereizt: McCormick verliert den Biss...

Vor zweieinhalb Jahren habe ich mir den Gewürzspezialisten McCormick [WKN: 858250] ins Depot geholt, nachdem der Kurs aufgrund der $4,2 Mrd schweren Übernahme der Marken French’s and Frank’s RedHot Brands, die auf Schlag zur zweit- und drittgrößten von McCormick avancierten, deutlich unter Druck geraten war. Seitdem habe ich mein Investment keinen Tag lang bereut.

Gestern hat nun McCormick wieder einmal Zahlen vorgelegt und die waren, wie üblich, gut. Allerdings dämpft das Unternehmen die Erwartungen für die nächste Zeit und das passt nicht (mehr) zu der doch recht üppigen Bewertung der Aktie. Und wie heißt es so richtig? Ein gutes Unternehmen, zu teuer bezahlt, ist ein schlechtes Investment. Daher habe ich mich von "meinem scharfen Ritt" verabschiedet, werde McCormick aber weiterhin auf dem Radar behalten und ggf. wieder zuschlagen, wenn Wachstumsaussichten und Bewertung für dieses Qualitätsunternehmen wieder zusammenpassen.

Die Zahlen zum vierten Quartal 2019

McCormicks möchte in den nächsten fünf Jahren um durchschnittlich 5% pro Jahr organisch wachsen. Im vierten Quartal lag das Umsatzwachstum aber nur bei 2%, wie auch schon im dritten Quartal und damit zeichnet sich ab, dass McCormick in seinem Kernmarkt, den USA, zu kämpfen hat. Auf Jahressicht konnte McCormick seinen Gewinn um 3% steigern, was am unteren Ende der prognostizierten Spanne liegt. Hier zeigt sich, dass die Kostensenkungen weiterhin erfolgreich umgesetzt werden und das war im letzten Jahr auch der Treiber für die Unternehmensentwicklung und die Aktie. Weil moderat steigende Umsätze gepaart mit deutlichen Kostensenkungen für ein Qualitätsunternehmen mit breitem ökonomischen Burggraben auch eine höhere Bewertung rechtfertigen.

Allerdings liegt das Wachstum unter Plan und die Kosteneinsparungen sind auch nicht unendlich fortzuführen, wie das negative Beispiel der kaputt gesparten Kraft Heinz Co. zeigt. Ein KGV von 31 ist bei einer Wachstumsrate von 2% nur noch schwer zu vertreten; diese Bewertung bietet jedenfalls keinen kaum Spielraum für weitere Kurssteigerungen und damit ist die Aussicht auf eine zumindest durchschnittliche Rendite nicht mehr gegeben. Zumindest was das organische Wachstum angeht. Sollte McCormick erneut einen aussichtsreichen Zukauf an land ziehen können, könnten sich die Voraussetzungen wieder ändern.

McCormick macht dies bezüglich allerdings keinerlei Andeutungen und insofern kann (und will) ich meinen Investmentcase nicht von vielleicht in der Zukunft mal erfolgender Übernahmen abhängig machen. Und aus diesem Grund schätze ich McCormick auf mittlere Sicht als unterdurchschnittlichen Renditebringer ein und folgerichtig sortiere ich die Aktie aus meinem Depot aus und nehme sie auch von meiner Beobachtungsliste.

Nach zweieinhalb Jahren verbleiben bei einem Kurs von knapp €153 gut 98% Rendite (inkl. der Dividenden), was durchschnittliche 31% Jahresrendite ergibt. Das ist doppelt so hoch wie meine angepeilte langfristige Jahresdurchschnittsrendite von 15% und ich bin mit dem Investment äußerst zufrieden.

Kommentare:

  1. Hallo Michael,
    vielleicht wurde die Frage schon einmal gestellt, aber ich stelle sie trotzdem:
    Warum hast Du dich sofort getrennt von dem Unternehmen und richtest nicht einfach ein dynamisches Stop-Loss ein? Das Momentum zeigt m.E. noch nach oben, davon könntest Du auch profitieren.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Vermutlich weil er jetzt das Geld haben möchte für lukrativere Investitionen.

      Löschen
    2. Das sind wir wieder beim Unterschied zwischen Kurs und Wert. Aus meiner Sicht ist McCormick momentan deutlich überbewertet und die Aussicht darauf, dass sich diese Unterbewertung auf Sicht abbaut aufgrund unternehmerischer Erfolge schwindet zunehmend. Ansonsten kann man bei einem Qualitätsunternehmen eine vorübergehende Überbewertung auch einfach aussitzen. Doch nun sehe ich die Perspektiven bei McCormick eingetrübt und daher die aktuelle Bewertung als (deutlich) unattraktiv an. Ich mache mir keine Gedanken darüber, ob der Kurs vielleicht noch 2 Dollar steigen oder fallen könnte, um ggf. ein paar Euros mehr zu verdienen; das gehört für mich in die Kategorie Market Timing und da bin ich nicht gut drin. Ich fühle mich mit dem Investment (nicht mit dem Unternehmen!) nicht mehr wohl (genug).

      Und dann gibt es noch den zweiten Grund: die Opportunitätskosten. Den Verkaufserlös kann ich entweder auf dem Konto liegen lassen, wo es keine Zinsen bringt und durch die Inflation im Wert fällt. Da ist mir als Alternative die McCormick-Dividenden aber zu wenig attraktiv, da eine Überbewertung ja auch signifikante Kursrisiken beinhaltet. Also stellt sich die Frage nach Alternativen. Und da sehe ich weiterhin attraktive Investments, die man bei Kursschwäche (wie vor zwei Tagen) gut aufstocken kann. Bein meinen 2020er Jahresfavoriten für Quality Investments werde ich da schnell fündig und dann bin ich ja auch noch neu bei VISA auf der Kaufseite als Ergänzung zu MasterCard, meiner größten Position. Konkret habe ich VISA und American Tower aufgestockt, als die Kurse knapp 5% tiefer standen...

      Löschen
  2. Kraft Heinz Company steht bei mir auf der Beobachtungsliste als ein "Turn"-Kandidat.
    Was hältst Du von KHC?

    Viele Grüße
    Hans

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Kraft Heinz ist mir noch zu unsicher. Der neue CEO räumt auf und greift durch - aber kaputtgespart wurde KHC bereits von seinem Vorgänger. KHC muss unbedingt seine Premium-Marken auf Vordermann bringen und ihre Image verbessern. Das kostet Geld für Marketing, Werbung, Design, doch das halte ich für unbedingt nötig. Einfach nur runter gerittene Marken anderer aufzukaufen, um Umsatzwachstum und Erfolg zu simulieren, ist als Strategie jedenfalls kolossal gescheitert. Ich schaue bei KHC mit einem Auge auch immer mal wieder hin, warte aber ab, ob sich wirklich was zum Besseren verändert. Die ersten 20 oder 30 Prozent an Kursaufschwung lasse ich mir für das Mehr an Sicherheit bzgl. des Turnarounds gerne durch die Lappen gehen. Bei Bausch Health bin ich ja auch zwei Jahre zu früh eingestiegen, als es noch abwärts ging, da war danach noch reichlich zeit für den Einstieg, als sich die Trendwende deutlich(er) abzeichnete.

      P.S.: Wells Fargo ist irgendwie auch so ein Kandidat, den man nicht total vernachlässigen sollte. Oder gleich Berkshire Hathaway kaufen, da sind beide Werte ja hoch gewichtet und daher wird/würde Buffett einer der größten Profiteure des/der Turnarounds sein... ;-)

      Löschen