Freitag, 21. Juli 2017

McCormick und der scharfe Ritt: Kurseinbruch nach Übernahme als Chance?

Der Gewürzhersteller McCormick & Company ist ein ziemlich unbekannter Riese, jedenfalls hierzulande. Das ist insofern verständlich, als dass Otto Normalverbraucher mit seinen Produkten (bisher) eher selten direkt in Kontakt kommt. Denn der 1889 in Baltimore gegründete Konzern stellt Gewürze oder Gewürzmischungen her und vertreibt sie an die Lebensmittelindustrie. Dabei ist es fast unmöglich als Konsument, nicht täglich etwas zu Essen oder zu Trinken, was nicht mit Zutaten von McCormick gewürzt wurde, zumindest in deren Hauptmarkt, den USA. Und in den letzten drei Jahren hatten die Aktionäre auch viel Freude mit ihrem Investment, denn McCormick zählt zu den gesuchten defensiven Werten, die auch in einer Rezession gute Geschäfte machen.

Neben den Gewürzen ist McCormick allerdings inzwischen auch selbst als Hersteller von Lebensmitteln aktiv und diese ist vor allem in den USA momentan im Umbruch. Denn die Verbraucher wenden sich vom Zucker ab und schauen verstärkt danach, Produkte aus regionalem und ökologischem Anbau zu bevorzugen. Das stellt einige der Platzhirsche der Branche vor große Herausforderungen, wie Campbell Soup oder General Mills. Und zumindest teilweise nun auch McCormick.

Während also das Gewürzbusiness weiter attraktive Renditen abwirft, sich auch McCormick mit seinen Produkten zunehmendem Gegenwind ausgesetzt. Und begegnet diesen auch durch Übernahmen. So hat man den Tubenkräuterspezialisten Gourmet Garden und den Saucenprofis Cajun Injector gekauft und ganz aktuell das Lebensmittelbusiness von Reckitt Benckiser für 4,2 Mrd. Dollar. Dieser letzte Zukauf kommt an der Börse nicht gut an und wird als zu teuer eingestuft. Immerhin hatte sich McCormick in einem Bieterverfahren gegen andere Größen der Branche durchgesetzt und am Ende einiges mehr bezahlt, als Analysten als Wert für RBs Lebensmittelbusiness angesetzt hatten. Der Kauf soll überwiegend über Kredite finanziert werden, was prompt die Ratingagentur Moody's auf den Plan rief, die eine Bonitätsabstufung für McCormick in Aussicht stellt. Also alles schlecht und der Kurseinbruch nur allzu gerechtfertigt. Oder?


»Es ist besser, ein hervorragendes Unternehmen zu einem guten Preis zu kaufen, als ein gutes Unternehmen zu einem hervorragenden Preis.«

(Warren Buffett)

 McCormick (Quelle: finanzen.net
An dieser Stelle erinnern wir uns an Value Investor Warren Buffett. Denn der Altmeister sagte uns einmal, er kaufe lieber ein hervorragendes Business zu einem guten Preis, als ein gutes Business zu einem hervorragendem Preis. Und McCormick folgt mit dem Zukauf genau dieser Maxime. Mit French’s and Frank’s RedHot Brands kauft man zwei starke Marken, die gleich zur zweit- und drittgrößten von McCormick avancieren. Beide weisen starke Margen auf, Wachstum und sind in den USA in ihrem Segment auf den vordersten Plätzen zu finden. Insgesamt weist das das RB Food-Business eine operative Marge von 28,7% auf, verglichen mit der bisherigen von McCormick, die bei 14,2% liegt. Auch deshalb war McCormick bereit, einen höheren Preis zu bezahlen. Die 4,2 Mrd. Dollar kommen zu der bisherigen überschaubaren Verschuldung von 1,447 Mrd. Dollar hinzu, McCormick liefert aber aber nach dem Zukauf einen Free Cashflow von 633 Mio. Dollar p.a ab, so dass diese zu stemmen sein wird. Man nimmt die Verschlechterung der Bilanzrelationen in Kauf und ist sicher, auf längere Sicht wieder zur alten Bilanzstärke zurückzukehren. Sprich: die Verschuldung wird künftig verstärkt abgebaut werden und zwar durch ein Verringern der Aktienrückkäufe und das Nutzen der höheren Cashflows. Die Dividende hingegen will McCormick nicht beschneiden und das ist verständlich, denn McCormick ist einer der Dividendenaristokraten der Wall Street; hat also seit mindestens 25 Jahren seine Dividende gesteigert. Diesen Nimbus gibt man nicht leichtfertig aus der Hand.

»Ihr Ziel als Investor sollte es einfach sein, zu einem vernünftigen Preis einen Teil eines leicht verständlichen Geschäfts zu kaufen, dessen Gewinne in fünf, zehn und zwanzig Jahren nahezu sicher erheblich höher ausfallen werden, als heute.«
(Warren Buffett)

Nach eher durchwachsenen Q1-Resultaten geht der Markt davon aus, dass McCormick auch keine berauschenden Zahlen für das Halbjahr präsentieren wird. Der Aktienkurs hatte daher im Vorfeld schon nachgegeben und die vermeintlich teure Akquisition hat den Kurs nochmals gedrückt. Zusätzlich hat der Kurs aus Sicht deutscher Anleger unter der Dollarstärke gelitten, so dass der Aktienkurs bei knapp unter 80 Euro rund 10% Potenzial bietet, nur um wieder sein Jahreshoch bei 96 Euro zu erreichen.


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Meine Einschätzung
Aktuelle Einflüsse belasten den Aktienkurs von McCormick, doch der Zukauf ist eine sinnvolle Ergänzung für das Unternehmen und wird sich auf mittlere und lange Sicht auszahlen. Das Geschäftsmodell ist solide aufgestellt und die Margen werden sich verbessern. Hinzu kommt ein Schuss Übernahmephantasie, denn die Branche ist im Konsolidierungsmodus. Insbesondere Warren Buffetts Kraft Heinz, die selbst an RBs Food Business interessiert und zuletzt auch mit einer Übernahmeofferte für Unilever gescheitert war, scheint auf der Suche nach attraktiven Zukäufen zu sein. Aber dies ist nur ein zusätzlicher Reiz, den man nicht alleine zur Grundlage einer Investitionsentscheidung machen sollte.

Ich denke, dass die aktuelle Kursschwäche für Langfristanleger eine gute Gelegenheit bietet, sich an diesem Dividendenaristokraten zu beteiligen und setze McCormick daher auf meine Empfehlungsliste.

Kommentare:

  1. Hallo Micheal,

    freue mich schon auf deinen Artikel, den Du über Rocket Internet schreiben wirst :)

    Möchte dich fragen, wie Du Fraport einschätzt (investiere zwar nicht, aber man kann sich ja dennoch hier schlau machen)?

    Denke mir, bin aber wenig in der Materie drin, ist das Geschäft von Fraport ein Gutes. In Frankfurt oder Antalya müssen die Flugzeuge landen (einfach ausgedrückt). Fraport verdient gutes Geld, es werden viele neue Flughäfen dazu gekauft (siehe Griechenland). Langfristig eine gute Aktie?

    Was mich an Fraport schon immer gereizt hat, ist, dass ihnen egal sein kann, wer den Wettbewerb in der Luft gewinnt - ob sie jetzt Lufthansa, Emirates oder Turkish Airlines heißen... Abgerechnet wird immer :)

    Einen wunderschönen, sonnigen Tag wünsche ich Dir und allen hier!

    DD

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    1. Ich kann ehrlich gesagt Fraport nicht wirklich greifen, kann das Geschäft nicht wirklich einschätzen. Daher kann ich auch keine fundierte Einschätzung dazu abgeben, Sorry.

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  2. Hallo Michael mich wundert auch schon warum du Rocket Internet auf der Liste hast, wäre schon ein Interessantes Thema an sich und Opera vielleicht auch, beide im IT Bereich unterwegs aber unprofitabel und versprechen und versprechen, nur geliefert haben diese bis dato jetzt nix.

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  3. Interessanter Beitrag zu McCormick! Die sehe ich auch als sehr gute Einstiegsgelegenheit; und vom jetzigen Niveau bei 80 Euro sind es nach meiner Rechnung sogar 20 Prozent Potenzial bis zum alten Hoch bei 96.

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