Freitag, 13. März 2026

Die Technologieschmiede Vincorion bespielt die Megatrends Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung und strebt nun an die Frankfurter Börse

Von IPOs halte ich mich grundsätzlich fern, weil die Aktien seitens des Verkäufers meistens maximal ausgereizt an die Börse gebracht werden. Es hat sich bewährt, dem Unternehmen anschließend erstmal Zeit zu geben, sich in den nächsten Monaten mit seinen Geschäftszahlen zu beweisen.

Vincorion weckt allerdings mein Interesse. Nicht nur, weil das Unternehmen ein stark positionierter Anbieter im boomenden Bereich Rüstung sowie Luft- und Raumfahrt ist, sondern weil es seinen Sitz in meiner Heimatstadt Wedel hat - und sich die Büroräume meiner Firma früher im selben Gebäude befanden. Das alleine reicht natürlich nicht, um ein attraktives Investment zu sein. Aber Vincorion hat wohl noch einiges mehr zu bieten...

Die Vincorion SE ist ein führender Entwickler und Hersteller von Energie- und Mechatroniklösungen für Verteidigungsplattformen und fortschrittliche Luftfahrtsysteme. Konkret produziert man Generatoren und Elektromotoren für unterschiedliche Einsatzgebiete und Komponenten das Patriot-Luftabwehrsystem, das in der Ukraine und im Nahen Osten große Erfolge feiert. Zudem liefert man Stabilisierungssysteme, die in Kampfpanzern dafür sorgen, dass diese während der Fahrt treffsicher feuern können - und zwar u.a. für den Leopard II von KNDS und Rheinmetall.

Insgesamt beschäftigt die Firma rund 900 Mitarbeiter, die sich auf vier Standorte verteilen: neben dem Hauptsitz in Wedel gibt es Produktionsstandorte in Altenstadt bei Schongau, Essen sowie in El Paso (Texas).

Die Wurzeln des Unternehmens liegen in der ehemaligen AEG, die seit 1962 in Wedel produzierte. Der Schwerpunkt lag damals in der Luft- und Raumfahrttechnologie, etwa Rettungswinden für Hubschrauber, Bordnetzgeneratoren für Verkehrsflugzeuge oder Solarzellen für Satelliten.

Nach der AEG-Pleite wurden 1986 die in Wedel ansässigen Geschäftsfelder in die Deutsche Aerospace AG (DASA) eingegliedert, die damals Teil des Daimler-Konzerns war, und 1994 in die ESW-Extel Systems Wedel überführt. 1997 übernahm die Jenoptik AG die ESW, die zu dieser Zeit Elektronik für Panzer produzierte und Lasertechnologie entwickelte.

Funfact: Zwischen 1996 und 2000 hatte meine damals noch junge GmbH ihre ersten Büroräume im selben Gebäude und zwar im fünften Stock; die ESW nutze die unteren Etagen sowie Produktions- und Fertigungsstätten im abgeschirmten Sicherheitsbereich auf demselben Areal.

2009 übernahm die ESW die Firma Lechmotoren, die seit 1947 im oberbayerischen Altenstadt zunächst Wechselstrommotoren und später vor allem größere Generatoren zur Stromversorgung an Flughäfen oder für Diesel-Lokomotiven produzierte.

2018 führte Jenoptik den Namen Vincorion ein (der Kunstname setzt sich aus dem lateinischen Wort "vincere" (siegen) und dem Sternbild Orion zusammen) und suchte ab 2019 nach einem Käufer für den Geschäftsbereich. Rüstung war aber zu dieser Zeit so überhaupt nicht sexy und so wurde erst 2021 eine Einigung mit dem britischen Finanzinvestor Star Capital geschlossen und der Verkauf im Juli 2022 wirksam. Da tobte bereits der russische Angriffskrieg in der Ukraine und das Thema Verteidigung geriet zunehmend in den Fokus. Star Capital erwies hier also ausgezeichnetes Gespür und Timing.

Zwischen 2023 bis 2025 wurde ein jährliches Umsatzwachstum von durchschnittlich 22% erzielt und der Auftragsbestand summiert sich inzwischen auf 1,1 Mrd. Euro.

2026 erfolgt nun der Börsengang der Vincorion SE und zwar an den Regulierten Markt (Prime Standard) an der Frankfurter Wertpapierbörse. Es werden einschließlich Aktien für eine mögliche Mehrzuteilung insgesamt bis zu 20.297.500 Aktien angeboten zu einem Emissionspreis von 17,00 Euro. Diese stammen vollständig aus dem Bestand von Star Capital. Das Gesamtemissionsvolumen beträgt somit bis zu 345 Mio. Euro und impliziert der Angebotspreis eine Marktkapitalisierung von 850 Mio. Euro. Die Angebotsfrist beginnt voraussichtlich am 16. März 2026 und endet voraussichtlich am 19. März 2026, während der erste Handelstag an der Frankfurter Wertpapierbörse für den 20. März 2026 geplant.

Dazu erklärt CEO Kajetan von Mentzingen: "Der Weg an die Kapitalmärkte ist ein entscheidender Meilenstein für Vincorion. Dieser Schritt ermöglicht es uns, weiterhin zuverlässige Energie- und Mechatroniklösungen für führende Verteidigungsplattformen sowie innovative Luftfahrtsysteme zu entwickeln und herzustellen".

Neben Mehrheitseigentümer Star Capital gibt es einige (neue) Cornerstone-Investoren. So haben sich Fidelity International, Invesco Asset Management Limited, sowie einige von T. Rowe Price Associates betreute Investmentfonds vorab verpflichtet, Aktien im Rahmen des Angebots im Gegenwert von insgesamt etwa 105 Mio. Euro zu erwerben und erhalten dafür garantierte Zuteilungen. Das ist positiv und ein starker Vertrauensbeweis in das Unternehmen. Weniger schön ist, dass Vincorion aus dem Börsengang keine frischen Mittel zufließen, sondern sämtliche Emissionserlöse von Star Capital abgegriffen werden.

Folgt man dem Playbook, das KKR bei Hensoldt an den Tag gelegt hat, dürften in den nächsten Jahren weitere Aktienplatzierungen stattfinden und auch die eine oder andere Kapitalerhöhung zur Finanzierung des weiteren Wachstums - entweder gegen Bareinlage oder durch Ausgabe junger Aktien im Rahmen von Zukäufen.

Meine Einschätzung

Vincorion ist ein erfolgreiches Technologieunternehmen, das die Megatrends Rüstung sowie Luft- und Raumfahrt bespielt. Der Verteidigungsmarkt befindet sich in einem strukturellen Superzyklus. Dabei erhöhen vier Megatrends den Energiebedarf: Elektrifizierung, Digitalisierung, sichere Kommunikation sowie unbemannte Luft- und Bodenfahrzeuge (UAVs & UGVs). Vincorion produziert hier essenzielle Komponenten und nimmt damit eine Schlüsselrolle ein. Als börsennotiertes Unternehmen erschließt man sich zusätzliche Finanzierungsquellen für das weitere Wachstum. 

Ob sich die Aktie auch als Investment lohnt, bleibt abzuwarten. Der Realitätscheck erfolgt in den ersten Quartalen nach dem Börsengang, wenn die (vom Verkäufer geschürten) Erwartungen auf den Prüfstand gestellt werden. Ich werde daher wohl keine Aktien zeichnen und somit auch der "Home Bias" keine Chance geben. Aber mit Sicherheit werde ich die Entwicklung des Unternehmens verfolgen und schließe einen Einstieg zu einem späteren Zeitpunkt nicht aus.

Not so Funfact am Rande: Da sich das Angebot auch nur an Privatanleger richtet, kann ich für das Depot meiner vermögensverwaltenden GmbH ohnehin nicht zeichnen, teilte mir meine Depotbank Commerzbank mit. Ich müsste also Geld aus der GmbH entnehmen (und versteuern), um anschließend über mein Privatdepot bei der comdirect zu zeichnen. Danke, aber nein danke.

Nachtrag vom 18.02.2026 | 12:00
Die Nachfrage scheint enorm zu sein; das Handelsblatt berichte heute morgen von einer zehnfachen Überzeichnung der Emission. Aufgrund der Marktenge dürften also in den ersten Tagen und vielleicht Wochen signifikante Kursschwankungen auf die Anleger warten. Es wird spannend...

Disclaimer: Habe Hensoldt, KKR, Rheinmetall auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

2 Kommentare:

  1. Ich hatte mal Va-Q-tec, die aus meiner Heimatstadt Würzburg stammen. Und habe viel Geld damit verloren. Seitdem meide ich alles, was aus Würzburg kommt, auch Koenig & Bauer. Das ist sicher irrational, aber ich bleibe dabei. Deine Einschätzung, dass bei IPOs das Maximale rausgeholt wird, teile ich. Daher werde ich auch hier erst abwarten, der Rüstungsmarkt ist mir schlicht zu heiß gelaufen. Ich habe ja den Ratschlag von Peter Lynch befolgt, mal zu sehen, was um mich herum sich gut verkauft. Und bin dann bei Tonies gelandet, wo ich jetzt mit 32 % im Plus bin. Das macht mich zufrieden. Herzlich grüßt Georg!

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  2. Die Nachfrage nach Vincorion-Aktien scheint enorm zu sein; das Handelsblatt berichte heute morgen von einer zehnfachen Überzeichnung der Emission. Aufgrund der Marktenge dürften also in den ersten Tagen und vielleicht Wochen signifikante Kursschwankungen auf die Anleger warten. Es wird spannend...

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