Sonntag, 5. April 2020

Value Trap Dividendenrendite: (Ver-) führt die Dividendenstrategie in die Renditefalle?

Die Corona-Pandemie stellt die Gesellschaft, die Wirtschaft und die Börsen vor enorme Herausforderungen und viele der bisher bekannten und als "gesetzt" angesehenen Grundsätze scheinen außer Kraft gesetzt zu sein. Nicht unbedingt dauerhaft, aber auf absehbare Zeit. So wurden z.B. Versammlungs- und Bewegungsfreiheit eingeschränkt, um die Ausbreitung des Virus zu unterbinden, und in den USA gibt es eine noch nie dagewesene Entlassungswelle - während in Deutschland die Arbeitsschutzbedingungen bisweilen zu weit gehen, zeigt sich ihr Vorteil gegenüber dem reinen "Hire and Fire" der Amerikaner momentan deutlich.

Die Dividendenstrategie ist gerade in Zeiten von Niedrigzinsen eine bei Anlegern sehr beliebte Anlagestrategie. Ihre Anleger hatten in den letzten Jahren schon einen schweren Stand, weil seit der Finanzkrise die klassischen Value-Aktien regelmäßig deutlich schlechter abschneiden als die Growth-Aktien und klassische Wachstumsaktien traditionell wenig bis keine Dividenden ausschütten; sie stecken ihren Cashflow halt wieder ins Wachstum und nicht in Dividenden für die Aktionäre. Auch in der Corona-Krise halten sich die Technologiewerte bedeutend besser als die Industriewerte und Social Distancing und Home Office stärken sie noch, während die "Old Economy" stillsteht. Für Dividendenjäger blieben niedrigere Kursgewinne, über die sie sich mit den steigenden Dividendenerträgen hinwegtrösten konnten. Doch Corona schrottet nun auch diese Hoffnungen und damit die Dividendenstrategie als solche...

Ich bin kein Dividendeninvestor, aber ich habe durchaus den Wert von Dividenden für das Erzielen einer langfristigen und überdurchschnittlichen Rendite beleuchtet, wie in diesem Artikel: "Der Erfolg der Dividendenstrategie liegt nicht in den Dividenden!". Gleichzeitig habe ich schon früh auf erhöhte Risiken hingewiesen und dass hohe Dividendenrenditen ein Warnsignal sein können. Und genau dieses Warnsignal leuchtet momentan bei vielen Aktien feuerrot und immer öfter werden die Risiken nun zur traurigen Gewissheit: die Dividenden werden drastisch gekürzt oder ganz gestrichen. Und damit stehen die Anhänger der Dividendenstrategie vor einem Scherbenhaufen.

Ziel der Dividendenstrategie ist, einen wachsenden Dividendenstrom zu erzeugen, der zu einer Art zweitem Einkommen wird. Die Überlegung dahinter ist, nicht auf Kurssteigerungen zu setzen, um Rendite zu erzielen, sondern sich alleine auf die Dividendenrendite zu fokussieren. Wenn also die Kurse fallen und damit die Dividendenrenditen "automatisch" steigen (Bruttodividende/Aktienkurs), kauft man die betreffenden Aktien nach und da man mehr Aktien für das gleiche Geld kaufen kann, bekommt man damit auch mehr Dividende. Soweit die Theorie.

Ein Nachteil dieser Strategie ist, dass das einseitige Fokussieren auf die Dividendenrenditen fast zwangsläufig dazu führt, dass man immer mehr Versageraktien im Depot hat. Das sind Aktien von Unternehmen, die nicht mehr viel reißen und die sich größeren Herausforderungen gegenüber sehen, als sie zu meistern imstande sind. Solange man deren Underperformance bei der Kursentwicklung einfach ausblendet, kann man sich die Sache durch die hohen Dividendenausschüttungen noch schönreden, aber in der Betrachtung der Gesamtrendite aus Kurssteigerungen und Dividendenerträgen zeigt sich oft das katastrophale Abschneiden dieser Loseraktien.

In Hausse-Phasen kommt man damit oftmals dennoch noch auf eine positive Rendite, auch wenn man hinter der allgemeinen Marktentwicklung hinterherhinkt. Und hält man sich das Ziel vor Augen, vor allem ein zweites Einkommen zu erzielen und so der finanziellen Freiheit näher zu kommen, mag man damit auch zufrieden sein. Doch Corona ändert die Spielregeln...

Der Lockdown der Wirtschaft führt dazu, dass diesen Unternehmen die Umsätze und Gewinne wegbrechen und die sind ja die Grundlage der Dividendenausschüttungen. Während der Aktienkurs schnell und heftig abstürzt, können die Analystenschätzungen nicht so schnell angepasst werden und die Screener werfen immer höhere Dividendenrenditen aus. Bis zu dem Tag, an dem das Unternehmen die Dividenden kürzen oder streichen muss. Das kommt in jeder Börsenphase bei einzelnen Unternehmen mal vor, man erinnere sich an den Dividendenaristokraten General Electric, dessen Probleme hausgemacht waren und das Unternehmen bereits lange vor Corona an die Wand drückten. Doch in der jetzigen Wirtschaftskrise nehmen die Dividendenausfälle dramatisch zu und betreffen auch im Kern grundsolide Unternehmen, die alleine wegen der Corona-Krise in Schieflage geraten sind. Oder wegen des Öl-Kriegs zwischen Saudi Arabien und Russland (und den USA im Hintergrund). Die Liste des Grauens wird immer länger: Luftfahrtbranche (Lufthansa, Fraport, Airbus, MTU), Sportartikelhersteller (adidas), Reiseveranstalter (TUI), Autovermieter (Sixt), Finanzinvestoren (Aurelius), Autohersteller (Daimler, BMW, VW), Zulieferer (Conti), Banken (Deutsche Bank, Commerzbank, Aareal Bank), Immobilien (Deutsche Euroshop), um nur einige zu nennen. Und die Dividendenkürzungen- und Streichungen kommen ja nicht aus heiterem Himmel, sondern sie sind in dem wirtschaftlichen Niedergang begründet, der die Unternehmen schlagartig heimsucht. Sie kämpfen ums nackte Überleben, beantragen Staatshilfen, schicken ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit und/oder entlassen sie in die vorgezogene Rente oder auf den sich schnell füllenden Arbeitsmarkt, und mache streichen ihre Mietzahlungen. Ihnen steht das Wasser bis zum Hals und ohne Gewinne können sie natürlich auch keine Dividenden mehr zahlen. Diese Entwicklung wird auch vor US-Werten nicht halt machen, vor REITs, die in Shopping-Malls, Hotel- oder Einzelhandelsimmobilien investieren, Fluggesellschaften, der Luftfahrtbranche (Boeing) oder dem Einzelhandel (TJX Companies).

Selbst wenn mann davon ausgeht, dass die Corona-Pandemie in einigen Wochen abebbt und unser Leben wieder (weitgehend) zur Normalität zurückfindet, so bleiben die wirtschaftlichen Auswirkungen noch lange bestehen. Die Unternehmen werden versuchen, wieder auf die Beine zu kommen, ihren Geschäftsbetrieb wieder aufzunehmen und dann müssen sie die Staats- und Kredithilfen zurückzahlen. Es ist ganz selbstverständlich, dass die Eigentümer (also die Aktionäre) zusammen mit dem Vorstand (Gehälter, Boni) erst ganz am Ende der Kette stehen, die wieder Geld aus dem Unternehmen erhalten. Insofern ist nicht davon auszugehen, dass der Dividendeneinbruch sich nur auf die 2019er Dividenden beschränkt, sondern es dürfte mindestens noch das Geschäftsjahr 2020 betreffen und vermutlich auch 2021, bevor wieder "übliche" Dividenden fließen (können).

Und das bedeutet, das so mancher Dividendeninvestor jetzt nicht alte Versageraktien im Depot hat mit erhöhtem Insolvenzrisiko, sondern auch viele Unternehmen, die gerade besonders gebeutelt werden und auf längere Sicht zu den Underperformern gehören und keine oder nur geringe Dividenden ausschütten dürften.

Ich fürchte, die Dividendenstrategie könnte in den nächsten Jahren die schlechteste aller Strategien sein, um an der Börse überdurchschnittliche Renditen einzufahren...

Kommentare:

  1. Guter Beitrag Michael.

    Daher denke ich, dass Dividenaktien z.T so abgestraft wurden...Öl, Tabak, BDC, REIT etc...allesamt hohe Dividendenrenditen, aber die Nachhaltigkeit ist mehr als zweifelhaft. Tech Werte dagegen sind bisher fast schon Gewinner dagegen...

    LG und danke für deinen Blog
    Djerun

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    1. Reits? American Tower, Digital Reality Trust ?

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    2. Djerun meint wohl eher die klassischen REITs, die auf Ladenlokale, Einzelhandel oder Malls spezialisiert sind und nicht gerade die, die auf Zukunftstechnologien setzen, wie Mobilfunk und Datencenter... ;-)

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    3. Ich glaube nicht, dass wegen der Krise jetzt weniger Tabak konsumiert werden wird.

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    4. Tabakaktien haben sich doch seit Ausbruch der Corona Krise (Ende Februar) noch ziemlich gut gehalten. Besser als der breite Markt.

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  2. Das stimmt, aktuell erwischt es einige Dividendenwerte heftig. Aber ich muss eine kleine Korrektur am Artikel vornehmen:
    Adidas ist m.W.n. nicht betroffen und zahlt weiterhin und General Electric ist seit über einem Jahrzehnt kein Dividendenaristokrat mehr.
    Also sprich die einzige Dividendenenttäuschung aus der Liste ist für mich MTU, denn diese Aktie hat die letzte Finanzkrise ohne Kürzung bewältigt und jetzt streicht sie komplett.

    Es bewahrheitet sich wiedermal die Strategie von Christian W. Röhl: Aktien, die einen entsprechenden Track Record haben über die Sonnenscheinjahre hinaus, die nicht zu viel oder zu wenig ausschütten. Das sind Unternehmen, die in einer Dividendenstrategie am meisten Spaß machen. Ich selbst habe diese Dividendenaktien zum Großteil im Depot und nur wenige "High Yield"-Aktien. Hohe Renditen können Spaß machen, aber nicht in allen Fällen. Eine Münchener Rück wird sehr wahrscheinlich in dieser Krise die Dividende wieder nicht kürzen. Eine Daimler, hat es dagegen schon getan. Die Geschichte wiederholt sich viel zu oft. Als Aktionär lohnt es sich deshalb auch ein "Historiker" zu sein. So umgeht man die offensichtlichsten Value Traps! :)

    Viele Grüße und Danke für den schönen Blogbeitrag!

    Benjamin Franzil

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    1. Momentan werden reihenweise Hauptversammlungen verschoben und damit auch die Termine für die Dividendenzahlungen. Wer immer jetzt Staatshilfe in Anspruch nimmt, wird kaum noch eine Dividenden ausschütten können - da wird ein öffentlicher Shitstorm losbrechen und/oder die Politik sich massiv einmischen. Sofern es nicht regulatorisch nachgesteuert wird, dass sich Staatshilfen und Dividendenausschüttungen ausschließen. Ich bin sicher, dass noch sehr viele Konzerne ihre Dividenden streichen werden müssen, und dazu werden sie ggf. "gerne" das Argument der Staatshilfe verwenden. nach dem Motto, wir hätte ja gerne ausgeschüttet, liebe Aktionäre, aber der Staat lässt uns nicht. Am Ende bleibt aber, dass bei vielen/den meisten "Dividendenperlen" eine Enttäuschung folgen wird; in diesem Jahr für 2019 und im nächsten Jahr nochmals. Richtig ist dabei, dass Qualitätsunternehmen weniger stark betroffen sein werden...

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    2. Es kommt immer darauf an, was für einen eine Dividendenperle ist. Hohe Dividendenrendite? Für mich wohl kaum. Eine Perle ist etwas besonderes, etwas edles. Eine Aktie, die eine hohe Dividende zahlt, weil sie stark gefallen ist, ist für mich keine Dividendenperle und für mich auch ein Negativbeispiel für die Dividendenstrategie.

      Von den oben genannten waren/wären es für mich nur Adidas und MTU gewesen. Dass natürlich deutsche Unternehmen hart getroffen sind durch die Verschiebungen ist ärgerlich, ich denke aber wir werden gerade bei den zuverlässigen Zahlern wenige Kürzungen sehen.
      Aber ich bin von meinem gesamten Portfolio mit bisher nur 2(!) Aktien betroffen - von denen waren beide aber auch noch keine "Dividendenperle", da beide noch nicht lang genug gezahlt haben und beide ein etwas zyklischeres Geschäftsmodell haben. Alle anderen Unternehmen haben sogar ihre Dividende erhöht. Lindt sogar dieses Jahr um 75%.

      Es kommt wie immer auf die Art des Anlegens an. Leute, die nur nach Rendite gehen, dürfen sich auf ein schlechtes Jahr gefasst machen. Leute, denen aber die Rendite nicht immer ganz so wichtig war, sondern die Qualität und Kontinuität der Zahlungen, der wird auch dieses Jahr ein Rekordjahr einfahren - auch wenn man kein neues Kapital anlegen würde. Das zweite ist auch eine Dividendenstrategie.

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    3. Richtig, die Höhe der Dividendenrendite sollte nicht im Vordergrund stehen, sondern 1. die Dividendenfähigkeit (also die Sicherheit der Gewinnerzielung) und 2. das Dividendenwachstum. Ich hatte das mal am Beispiel von American Tower aufgezeigt, einem erstklassigen Dividendenwachstumswert.

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  3. Dividendenstrategien waren m.E. schon immer größtenteils Augenwischerei. Um einen kleinen wahren Kern wurde da ein Brimborium aufgebaut, als ob Dividenden die neuen Zinsen seien. Am Ende wurde mehr dummes Zeug erzählt als der ursprüngliche wahre Kern. Dieser besteht m.E. darin, dass ein Unternehmen schon irgendwie Geld verdienen muss, um Dividenden ausschütten zu können. D.h. durch eine Fokussierung auf Dividendenzahler konnte man sich zumindest die windigen Luftnummern vom Hals halten, die nur Versprechungen machen und keinen Freien Cash Flow erwirtschaften. Aber das ist auch schon alles. Der Rest wurde überbewertet:

    1. Dividenden werden nicht wie Zinsen bei Anleihen zusätzlich zum Rückzahlungsbetrag gezahlt, sondern mindern den Aktienkurs in voller Höhe. Mathematisch ist es also immer ein Nullsummenspiel, egal ob Dividenden gezahlt werden oder nicht.

    2. In Zeiten niedriger Zinsen wurden oft Dividenden gezahlt, die gar nicht verdient wurden, letztlich also nur die Verschuldung erhöht haben. Und das betraf nicht nur windige Anbieter, sondern gerade auch die - von Michael genannten - angeblich so sicheren Großunternehmen der "Alten Wirtschaft".

    3. Steuern auf ausgeschüttete Dividenden werden sofort fällig, Steuern auf Kursgewinne erst beim Verkauf.

    4. Nichts kann die fundamentale Analyse der Geschäftsmodelle ersetzen. Wenn die Autobranche im Umbruch ist, dann ist sie nun mal im Umbruch und man sollte sich gemäß Buffett von ihr fernhalten. Ganz egal, wieviel Dividenden sie ausschüttet. Dividendenstrategien haben das große Problem, dass sie falsche Sicherheit vorgaukeln, und das ist immer das Schlimmste. Man kann ja hohe Risiken eingehen, WENN man sich ihner bewusst ist und entsprechend vorsichtig, also mit entsprechend kleinen Summen, zu Werke geht. Aber zu glauben, eine Daimler sei sicher, weil sie vielleicht ein langjähriger Dividendenzahler war, ist einfach dummes Zeug. Da wurden die grundlegendsten Prinzipien seriösen Investierens missachtet, wie z.B. dass die Vergangenheit für die Zukunft nichts garantiert. Man muss sich schon eine echte Zukunftsvision ausmalen, nicht nur aus der Vergangenheit extrapolieren.

    Insofern würde ich sagen: Dividendenstrategien waren schon länger das vermeintlich unbedenkliche Schwimmen ohne Badehose, aber mit Corona kommt nun die Ebbe...

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    1. Deine Aussage "nichts kann die fundamentale Analyse der Geschäftsmodelle ersetzen" bringt es exakt auf den Punkt!

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  4. Ganz ehrlich, alle Argumente werden durch einen Dividenden ETF gebrochen. Man kauft nur Unternehmen mit max 60% Gewinnausschüttung, grundsoliden Geschäftsmodellen und erhält im Gegensatz zu tesaurierern regelmäßig die Erträge. Gewinne der Unternehmen müssen nämlich nicht immer im Kurs eingepreist

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    1. Der Argumentation kann ich nicht folgen. Weshalb sollte es mit einem ETF besser laufen, als mit einem Aktiendirektinvestment? Wenn beide auf Daimler setzen und dessen Dividenden und die wird gestrichen, wieso würde der ETF davon nicht negativ beeinträchtigt? Fällt der Daimler-Kurs, weshalb leidet dann der ETF -Kurs nicht darunter? Wird die Dividende gekürzt oder gestrichen, weshalb leidet der ETF nicht?

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  5. Dem Beitrag von Lion Folio ist nichts mehr hinzuzufügen.
    Also ein Beispiel einer Firma mit funktionierendem Geschäftsmodell und seit 16 Jahren steigenden Dividenden bringe ich mal Stratec Biomedical ins Spiel. Gekauft 2006 nachdem ich mir die Firma und Produkte sehr genau angesehen habe. Ich schreibe mir immer die Gründe für einen Aktienkauf auf. Damals hab ich mir notiert. Gesundheit wird ein Megatrend. Liegt im Ewigkeitendepot und hat sich mittlerweile verfünffacht. Dividendenrendite auf meine ursprüngliche Investitionssumme >5 %.

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  6. Also es kommt doch einfach drauf an, mit welchen Unternehmen man auf Dividenden setzt. Klassisch Konsumgüter oder Pharmarbranche, da sind keinerlei Dividenden in Gefahr. Die werden sogar ganz normal weiter erhöht und brav ausgezahlt. Auch bei Microsoft oder Apple laufen die Dividenden sicherlich normal weiter. Im Industriesektor wird es bspw. natürlich anders aussehen, aber mei, so ist es halt. Dafür kann man da jetzt Aktien besonders günstig einkaufen/nachkaufen und dementsprechend am größten wird da auch der Erholungsfaktor.

    Wenn man bei der Vorauswahl auf Ausschüttungsquote, Eigenkapital etc. geachtet hat, dann ist das halb so wild.

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  7. Wie sieht es denn mit so einer REIT a la Simon Property aus? Die haben eine richtig - im Verhältnis gesehen - gesunde Bilanz und ein hervorragendes Management (Familienunternehmer).

    Die Aktie wurde auisehr abgestraft. Die Frage derzeit ist für mich aber auch, wie viel kurz- bis mittelfristiges Aufholpotenzial so Unternehmen haben bzw. deren Aktie. Da sehe ich schon, dass mindestens 20-30% drin sind. Zumindest eine kleine Dividende gibt es dann in ein oaa Jahren wieder.. ist dahin nehme ich die Korrektur mit - quasi als dicken Lückenstopfer für die Dividende... Dass die Unternehmen keine fast Grower werden, ist klar. Aber solange sie gesund sind...

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    1. Ja, sehe es ähnlich wie Stefan. Und Unternehmerfamilien wie Sixt haben mittelfristig selbst ein Interesse, Dividenden zu zahlen - im Einklang einer gesunden Bilanz.... Sie sehen es nicht als Übel an. Da hier Sixt genannt ist... Die Menschen werden auch in Zukunft mobil sein (auch wenn das Homeoffice ausgebaut wird). Ob sie dann mit Elektroautos, Wasserstoff etc fahren, ist Sixt' Geschäftsmodell egal.

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    2. Mall-REITs stehen doch schon länger im Feuer, also deutlich vor Corona. Der Trend läuft gegen Malls, das Online-Shopping wird die Malls weiter sterben lassen. Ich wüsste nicht, weshalb ich auf so einen toten Gaul aufsteigen sollte, auch wenn es der hübscheste weit und breit ist...

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    3. Georg Heininger08.04.20, 04:46

      Exakt. Das ist auch einer der Gründe warum ich auch für den Branchenprimus in diesem Bereich, der berühmten Realty Income, mittel- bis langfristig keine Zukunft sehe. Der Trend geht eindeutig in Richtung Netzwerk/Plattformökonomie bzw. "menschenleere" shopping-stores.

      Selbst die Geschäftsbanken geraten hier zunehmend in Bedrängnis wenn man sich ansieht wie eng bereits der Belagerungsring durch die GAFA`s (Google, FB, Apple) und ihre asiatischen Pendants tencent und Alibaba gezogen wurde. Softbank lässt sich hier auch noch einreihen - vor allem im kommenden boomenden Bereich des Personal Data Bankings und der Bereiche Internet of payments/IoT.

      Was die anderen Reits angeht: als ehemaliger Aktionär von ARR (armour residential) sollte man sich nicht von der "Sicherheiten" dieser Unternehmen berauschen lassen - und auch nicht von deren Div.rendite. Ist noch gar nicht so lange her, da wurden massenhaft solche und ähnliche ABS mit tollem Rating gebündelt gehandelt und verkauft wurden(vor allem an deutsche Landesbanken die so blöd waren und diesen toxischen Kram in ihre Bilanzen holten; der Rest ist Geschichte.

      Reits welche sich allerdings primär um Wohnimmobilien und deren Bestandsmanagement kümmern werden auch in Zukunft noch tragfähig sein. Gewohnt wird immer; das ist tatsächlich einer der wenigen Bereiche die sich niemals digitalisieren lassen. Dito Reits welche Gesundheitsimmobilien pflegen - Omega Helthcare fällt zb in diese Kategorie.

      Soviel dazu von mir.

      Mit besten Grüßen

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  8. 2008-09 dachten auch alle an den Untergang des Abeddnlandes, ich mache mir da NULL Sorgen um meine Dividenden, auch wenn es mir eine Tanger Factory um die Ohren haut am Ende oder meine Simon Property 50% im Minus liegt. Auche eine Facebook wird übel Federn lassen, dort wurden die Werbekosten drastisch reduziert, von vielen großen Firmen die Promo engestellt etc. Pepsi, P&G, Unilever, Home Depot , SSE PLC werden alle überleben am Ende und das man mal 1-2 Jahre mit Schwund rechnen muss ist doch klar. Einfach auf Payout, liquide Mittel, Kreditlinien, Ratings, Longerterm Dept to Capita usw achten, dann sollte man hoffentlich am Ende halbwegs durch diese Krise durchkommen und auch wieder Dividenden wie früher sehen. 2008-09 wars genauso, drastische Kürzungen vielerorts und nach spätestesn 2 Jahren war bei den meisten wieder alles wie vorher. Einige werden auf der Strecke bleiben, andere erstarkt hervorgehen. Ich investiere einfach breit, von Reits , über CEFs auf Versorger, Bluechips, mal eine Alphabeth, mal ein Bond ETF auf USD gepreist auf Schwellenländer, UK Dividendenfonds oder Asia-Pacific ETF auf große Dividendenwerte, damit liegt das Depot jetzt zwar auch noch 25% unter Wasser für 2020 , aber ich kann immernoch gut schlafen.

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  9. Ich stehe Dividenden mittlerweile auch mit sehr gemischten Gefühlen gegenüber. In einem Unternehmen mit echtem Potenzial ist das Geld _wo_ am besten investiert? Im Unternehmen selber, würde ich sagen.
    Und was helfen einem eher mickrige jahrelange Dividendenzahlungen grosser "Old Economy"-Unternehmen, wenn deren Aktienkurs zum Zeitpunkt des Verkaufs (der eigene Ruhestand dann) sich kaum oder nur kläglich entwickelt hat? Gar nichts. Die Besitzer von guten Tech- bzw. Growth Aktien können sich dann ins Fäustchen lachen, bzw. die Hände reiben...
    Ich habe das Gefühl, Dividenden bewirken hauptsächlich eines: sie machen eine Aktie auf den ersten Blick attraktiver beim (eher unerfahrenen) Anleger.

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  10. Marc Ellerich21.04.20, 15:46

    Hallo zusammen! Ich empfehle allen, die hier so leidenschaftlich gegen Dividendenstrategien schreiben, wärmstens die Lektüre von Jeremy Siegels „Stocks for the long run“ (Aktien für die Ewigkeit). Er erläutert und beweist die zentrale Bedeutung von (reinvestierten) Dividenden für eine erfolgreiche Aktienanlage und räumt dabei auch mit der auch in diesem Blog offenbar weit verbreiteten Vorstellung auf, die nicht-dividendenzahlenden Growth-Aktien seien der ultimative heiße Scheiß. So weist er z.B. nach, dass viele Anleger für die vermeintlichen Gewinner-Wachstumsaktien viel zu hohe Preise zu zahlen bereit sind und so ihre Rendite gegenüber den verschmähten langweiligen Value-Aktien mit ihren Dividenden signifikant schmälern. Dieses Verhalten trete oft in der Spätphase einer langjährigen Börsen-Hausse auf. Ist wirklich hochinteressant. Ich kann das Buch jedem wirklich sehr empfehlen.
    Lieben Gruß und viel Erfolg mit euren Aktieninvestments! Marc

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    1. Moin Marc,
      "Aktien für die Ewigkeit" von Jeremy Siegel" habe ich kürzlich hier im Blog vorgestellt (zu meiner Buchbesprechung), es dürfte also einigen Lesern dieses Blogs bekannt sein.

      Seit 2009 hinken die klassischen Value-Aktien den Growth-Aktien hinterher und das frühere klassische einfache Unterscheidungsmerkmal funktioniert nicht mehr richtig. Der Gewinn eines Unternehmens ist dank der letzten IFRS-Anpassungen noch weniger aussagekräftig als früher und daher wir der Cashflow (der operative und der free Cashflow) zur wesentlichen Bewertungskennzahl. Und wenn man sich die Tech-Dickschiffe ansieht wie Microsoft, Apple, Amazon, Facebook, Alphabet, dann sind sie es, die die hohen Cashflows generieren und auf hohen Cash-Beständen sitzen, mit denen sie ihr operatives Geschäft befeuern könne, Unternehmen/ Technologien zukaufen oder Aktien zurückkaufen können. Oder "zur Not" eben auch Dividenden ausschütten können. Die klassischen Value-Aktien bekommen schon länger kein Bein mehr an die Erde, weil ihre alten Geschäftsmodelle von der Technologie disruptiert werden und sie sich viel zu langsam darauf einstellen. Firmen wie Amazon dringen in ihren Markt ein - bei den Automobilherstellern ist es ähnlich, da zählten bisher Desgin und Motor - und die Deutschen waren der Maßstab. Bei Elektroautos ist der popelige Elektromotor kein Qualitätsmerkmal mehr, da werden es Desgin und Batterie sein. Und bei Batterien sind die Deutschen gaaaaaanz weit hinten. Value in diesem Sektor? Fehlanzeige!

      Was Du völlig missinterpretierst, Marc, ist dass ich angeblich gegen Dividenden argumentiere. Das ist nicht der Fall. Wenn das Unternehmen keine bessere Verwendung für das Geld hat (sinnvolle Investitionen), kann es von mir aus gerne Dividenden ausschütten. Meine Aussage ist, dass die Dividendenstrategie (!), also das Ausrichten der Kaufentscheidungen von Aktien anhand der Dividendenausschüttung die wohl schlechteste Anlagestrategie sein wird für die nächsten Jahre. Weil Dividenden erstmal verdient werden müssen und viele Unternehmen auf absehbare Zeit kaum fähig sein werden, Gelder auszukehren, die sie eigentlich zum Überleben brauchen werden. Zum Ergebnis gehört aber die Gesamtrendite aus Kursgewinnen und Dividenden. Und wer auf die vermeintlichen Dividendenhits setzt, deren Business aber gerade implodiert, begeht einen Kardinalfehler des Investierens. Und da Corona die Gesellschaft und die Wirtschaft vor ganz neue Herausforderungen stellt, wäre es töricht, sich alleine auf historische Erfahrungen zu stützen und hieraus künftige Erträge und Erfolge abzuleiten!

      Siegel tut aber genau dies. Er betrachtet die Vergangenheit und zieht hieraus seine Schlüsse. Ich finde das klasse und habe sein Buch sehr interessiert gelesen. Aber... die aktuellste Ausgabe ist von 2013 und seine Datenreihen gehen bis 2012! Es fehlen also sieben Jahren Daten, sieben Jahre massiver Outperformance der Growth-Aktien ggü. den Value-Aktien und, natürlich, die Erfahrung mit Negativzinsen und der Corona-Pandemie. Und das ist kein Vorwurf an Siegel. Aber wer einfach seine Schlussfolgerungen von 2013 einfach auf heute projiziert, kann nur falsch liegen. Man muss seine Daten, seine Faktendarstellung und seine Schlussfolgerungen nehmen und diese um die neueren Erkenntnisse fortschreiben, um zu heute gültigen Ergebnissen zu kommen. Und die sind nicht völlig anders als Siegels Standpunkte aus 2013. Nur eben auch nicht in Stein gemeißelt, weil die Entwicklung fortgeschritten ist und zwar anders, als es zu vermuten gewesen wäre (der ewige Wechsel der Phasen der Outperformance zwischen Value und Growth findet schon länger nicht mehr statt).
      1/2

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    2. 2/2

      Und... ich setze hier im Blog nicht auf "den ultimativen heißen Scheiß", sondern vor allem auf Qualitätsunternehmen mit starkem Burggraben. Und das sind inzwischen eben auch Technologieaktien. Zur Erinnerung: 1994 (!) sagte Bill Gates: "Bankgeschäfte sind notwendig, Banken nicht". Seit etwa fünf Jahren erleben wir, dass er Recht hatte, die Fintech-Revolution setzt die Banken massiv unter Druck. Und es stellt sich zunehmend die Frage, ob man noch eine Bank braucht. 2013, als Siegel die fünfte Ausgabe seines Buches veröffentlichte, stellte sich diese Frage noch nicht. Jedenfalls nicht in der Realität. Doch in dieser (neuen) Realität leben und investieren wir.

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  11. @Marc: man kann einmal analysieren über die letzten 10, 15 Jahre, zu welchem Zeitpunkt es sich nicht exorbitant gelohnt hat, grosse Tech/Software/Elektronik/Growth-Aktien zu kaufen, anstatt Old Economy. Die Frage ist, ob (bzw. warum) es immer so weitergehen wird, aber auch die kann man sich mit etwas Nachdenken glaube ich schlüssig beantworten.
    Eine ganz andere Frage ist, ob man es schaffen kann, bei den sehr seltenen großen Siegeraktien der Zukunft von Anfang an mit dabei zu sein. Hätte man vor vielen Jahren seinen Freunden erkärt, dass man sein ganzes Geld in einen unbekannten Online Buchhändler stecken möchte, dann wäre man wohl für verrückt erklärt worden...
    Der weitaus überwiegende Teil der historischen Neuemissionen waren (und sind es wohl heute immer noch) Rohrkrepierer, mit denen man auf lange Sicht nur (viel) Geld verlieren konnte...

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    1. Marc Ellerich22.04.20, 11:33

      Hallo Chris, lies dir vielleicht mal durch, wenn du magst, was Siegel dazu schreibt. Auf dessen Argument, dass viele Anleger für Growth-Aktien gerade in der Spätphase einer Hausse zu viel bezahlen und daher ihre Rendite gegenüber den "Langweilern" signifikant schmälern, ist Michael in seiner Antwort (von der ich viele Aspekte im richtigen Kontext ausdrücklich teile - aber nicht in dieser Pauschalität) gar nicht eingegangen. Siegel vergleicht z. B die Performance von IBM (damals ein Wachstumswert) und Standard Oil (Old Econonmy) zwischen 1950 und 2012. IBM schlägt Standard Oil bei ALLEN Wachstumsdaten (Umsatz, Gewinne, Dividenden, Sektorexpansion) um Längen. Und liegt in der jährlichen Gesamtrendite mit 11,32 zu 12,66% dennoch hinten. Nach 62 Jahren hätte man mit Standard Oil doppelt soviel verdient wie mit IBM. Der Grund: Anleger haben für die IBM-Aktie (deren Gewinne und Dividenden) einfach zu viel bezahlt. Und ich bin mir deshalb auch nicht sicher, ob Michaels Argument, diesmal sei alles anders, weil wir in einer Zeit der Sondersituationen und der Disruption leben, greift. Ein Zeitraum von 7 Jahren halte ich nicht für aussagekräftig genug gegenüber eine Zeitreihe von über 60.
      Zum Thema Neuemissionen und der Suche nach dem nächsten großen Ding gebe ich dir völlig recht.
      Lieben Gruß, viel Erfolg!
      Marc

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    2. IBM ist kein wirklich gutes Beispiel, weil sie gescheitert sind. IBM war der Top-Innovator, aber man glaubte an Riesencomputer/Rechenzentren, nicht an Personal Computer. Deshalb wurde IBM von so vielen anderen völlig abgehängt. Standard Oil (ExxonMobil) verkauft noch immer Drogen (Öl, die Droge der Weltwirtschaft), ihr Markt ist seit hundert Jahren immer weiter gewachsen. Das sind signifikante Unterschiede.

      Interessant wird es z.B. beim Vergleich mit Microsoft (klar, erst kurze Zeitreihe). Die gingen den Weg von IBM mit einem veralteten Geschäftsmodell (Abschottung), haben sich dann aber vor sechs Jahren neue erfunden unter Satya Nadella ("mobile first, cloud first"). Ich behaupte, dass Microsoft nur deshalb heute wieder bzw. noch ganz vorn mitspielt, ansonsten wäre man den Weg einer IBM gegangen mit solide Geschäften, deren Ende aber irgendwie abzusehen ist, weil andere ihnen die Butter vom Brot nehmen und die jungen Unternehmen woanders "einkaufen" und mit ganz anderen Produkten und Lösungen groß und erfolgreich werden und daher nicht mehr auf IBM-Lösungen zurückgreifen. Und deren "Dino-Kunden" gehören zunehmend zur Old Economy und geraten selbst immer mehr unter Druck durch die innovativen Herausforderer in einer sich komplett wandelnden Welt (digital). Bei ExxonMobil (Standard Oil) werden sich die langfristigen Renditen auch ändern, wenn die Entkarbonisierung unserer Gesellschaft weiter voranschreitet. Es sei denn, die erfinden sich neu, abseits vom Öl...

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    3. Hallo Marc, zunächst: Aktien kauft man natürlich nicht auf ihren Höchstständen, sondern dann, wenn sie einen günstigen bis fairen Preis haben ;-) Geduld und eine gewisse Kaltschnäuzigkeit zahlen sich bei Aktien gleich dreifach aus - und das sind auch Eigenschaften, die nicht unbedingt jeder Mensch hat. Ich würde nicht zu viele (alte) Bücher lesen, sondern mir eher sie Kursverläufe und Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit gründlich anschauen. Ich bin jedenfalls so vorgegangen... Wenn ich mir zum Beispiel die Old Economy Werte jetzt nach dem Corona-Schock so anschaue, so habe ich das Gefühl, dass aus manchen ganz gehörig Luft herausgelassen wurde. Nicht die "überteuerten aufgeblasenen Growth-Werte" hat es schwer erwischt, sondern die anderen...
      Und einige Aktien dürften noch längere Zeit von den Kursen vor Corona träumen. Wohlgemerkt, daran ist m.E. nicht ursächlich das Virus schuld, ich sehe es nur als Auslöser. Der Markt ist es, bzw. die aktiven Börsianer, die diese Neubewertung im Zuge des Crashs vorgenommen haben. Für mich sind Growth/Tech Werte alternativlos... es gibt m.E. nur wenig Argumente, nicht auf die "Himmelsstürmer" zu setzen...

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    4. Marc Ellerich23.04.20, 12:02

      Hallo Michael, hallo Chris, zum einen sind das nicht meine Beispiele und Zahlen sondern die von Professor Siegel. Und die stehen nun mal und sind kaum widerlegbar. Zum anderen weiß ich natürlich, dass IBM mittlerweile als abgehängt gilt. Damals waren sie es aber nicht und stehen einfach sinnbildlich/stellvertretend für einen Wachstumswert vs. Old Economy, für die Standard Oil sinnbildlich/stellvertretend steht. Anyway, ich betrachte es als bedenkenswertes Beispiel, das ich einfach in den Raum geworfen haben wollte. Die Schlüsse zieht dann jeder für sich selbst daraus :)
      Abgehalfterte und disruptierte deutsche Dividendenwerte, die schon vor Corona in massiven Schwierigkeiten steckten, diese dann den US-Tech-Highflyern gegenüberzustellen und dann daraus zu schließen, dass eine (kluge) Dividendenstrategie (mit Werten wie z.B. Johnson&Johnson, Texas Instruments, Home Depot, Broadcom, Microsoft, Apple, Nestle o.ä.) nicht funktionieren kann bzw. die schlechteste aller Anlagestrategien sein wird, ist mir eben zu simpel bzw. zu pauschalisierend. Dennoch eine interessante Debatte.
      Liebe Grüße und viel Erfolg beim Investieren! Marc

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    5. Oha, Marc, da haste den Widerspruch gerade selbst aufgezeigt: Du befürwortest die Dividendenstrategie und hältst sie ggü. einer Growth-Strategie für überlegen. Als Beispiele führst Du dann aber gerade die Werte an, die maßgeblich zur massiven und jahrelangen Outperformance der Growth-Aktien geführt haben: Apple, Microsoft. Und auch Texas Instruments und Broadcom sind Technologiewerte, die über viele Jahre zu den Wachstumswerten gehörten. Und das führt wiederum zu meinem Standpunkt: Value und Growth sind kein unauflöslicher Widerspruch, sondern Value kann auch in (überlegenen) Growthaktien gefunden werden. Buffett formulierte es mal in etwa so: Wachstum ist ein elementarer Grundpfeiler des Value Investings. Und... die Dividendenstrategie funktioniert nur, wenn die unternehmen die Dividenden auch verdienen und nicht aus der Substanz auskehren müssen. Das ist bei einer Microsoft und einer Apple klar gegeben, aber bei den bei Dividendeninvestoren so geliebten Daimler oder Shell? Verdienen die im gegenwärtigen (und künftigen) Marktumfeld ihre Dividenden? Oder Versicherungen, wie die Allianz? Verdienen die wirklich viel Geld im operativen Versicherungsgeschäft oder verfrühstücken die nicht eher seit Jahren Gewinne aus den Bewertungsreserven (vor allem aus ihrem Anleiheportolio)?

      Ich habe nichts gegen Dividendenzahlungen; ich verweise lediglich auf die Schwächen und Risiken, wenn man sich bei seiner Anlageentscheidung vor allem oder gar alleine auf Dividenden stützt.

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    6. Marc Ellerich23.04.20, 15:15

      Hallo Michael, ich glaub eh, dass wir letztlich gar nicht so weit auseinander liegen. Das Einzige wogegen ich argumentieren wollte, war die Absolutheit, mit der du dich in dem Ursprungsartikel gegen Dividendenstrategien ausgesprochen hast. So kam es jedenfalls bei mir rüber.
      Ich befürworte übrigens nicht DIE Dividendenstrategie sondern EINE (hoffentlich) kluge Dividendenstrategie (im Mix übrigens mit hochwertigen Growth-Werten). Ich halte sie auch nicht einer Growth-Strategie für überlegen. Ich halte sie aber auch nicht für die schlechteste aller Anlage-Strategien, wie du das ausgedrückt hattest.
      Fehler mit den von dir erwähnten und kritisierten High-Yieldern habe ich zugegebenermaßen auch gemacht, aber das war in einigen Fällen Lehrgeld und letztlich auch nicht das, was ich mittlerweile als klug bezeichnen würde. Als anlegender Mensch lernt man hoffentlich immer wieder Neues dazu und entwickelt sich und seine Strategie weiter. Hab ich als eifriger Leser deines guten Blogs ja auch bei dir mitverfolgen können.

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    7. Ein freundliches Hallo an alle Kombattanten, ;-)
      auch ich finde die diskutierte Thematik äußerst spannend und möchte etwas verspätet noch meinen Senf dazu beitragen, geht es nicht zuletzt um die Zukunft der traditionell eher dividendenstarken deutschen (noch-)Bluechips.
      Essentiell ist dabei die Frage nach der "fairen" Bewertung der Growth-Unternehmen. So scheint es für jeden offensichtlich, dass die Big Techs auch die nächsten Jahre weiterhin den restlichen Markt ausperformen werden, während nicht wenige DAX-Schwergewichte vor größeren Problemen stehen. Dabei bringen alle 30 DAX-Werte zusammen derzeit etwa 1200 Milliarden Euro Börsenwert auf die Waage, weniger als Apple (1410 Mrd. Euro), Microsoft (1400 Mrd.) oder Amazon (1290 Mrd.) alleine.
      Das produzierende Gewerbe der Old Economy liegt am Boden, Corona ist nur der Brandbeschleuniger des ohnehin unausweichlichen Strukturwandels. Ob sich der Trend zu Growth jemals umkehren wird? Ich kann mir nicht vorstellen wodurch...
      Grüße an alle, Jack

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    8. Früher wechselten sich Value und Growth ab, weil Growth einen Innovationsschub bei Value ausgelöst hat. Das ist heute anders. Hintergrund ist, dass die klassischen Valueaktien zum Industriesektor, verarbeitenden Gewerbe, Konsumgüter, Energie gehören während Growthaktien im Dienstleistungssektor zuhause sind: Software, Beratung, Cloud usw. Der Dienstleistungssektor wächst heute viel schneller als früher und der Industriesektor ist stark rückläufig. Des Weiteren verdoppelt sich das Wissen der Welt in immer kürzeren Abständen und anders als früher ist es nicht Wissen, das in Enzyklopädien und Datenbanken verschwindet, wo es fast nur von Spezialisten genutzt wird, sondern es wird auch durch Künstliche Intelligenz viel stärker genutzt, um mehr Wissen und Anwendungen zu schaffen. Das sorgt für den zweiten Powerschub und beschleunigt die Entwicklung noch zusätzlich. Daher müsste der Value-Sektor schon extrem unterbewertet sein, um den Grothwsektor mal wieder zu überflügeln. Das halte ich für schwierig, zumal nicht alles im Valuesektor durch KI und Software ersetzt/verbessert werden kann. Jedenfalls nicht auf die Schnelle.

      Daher dürften Valueaktien grundsätzlich weiterhin schlechter abschneiden als Growthaktien. Allerdings wird es auch in den Valuebranchen einzelne Werte geben, wo eine starke Unterbewertung auf hohe Wachstumschancen trifft. Diese potenziellen Überflieger versprechen dann hohe Renditen.

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  12. Der letzte Kommentar von Marc bringt diese Diskussion meiner Meinung endlich auf den Punkt. Ich bin selber kein Dividendeninvestor, aber was mich auch an dem Ursprungsartikel gestört hat ist, dass an einigen Stellen Dividendenstrategie allgemein mit der hoher Dividendenrendite gleichgesetzt wird und nicht genug differenziert wird. Einem nur durch ein Wort verändertem Titel wie "Value Trap Dividendenrendite: (Ver-) führt DIESE Dividendenstrategie in die Renditefalle?" würden glaub ich alle die sich mit Börse ein bisschen auseinandergesetzt haben sofort zustimmen.

    Dividendenstrategie, heisst für mich erst mal nur, wie auch im Artikel beschrieben, einen "wachsenden Zusfluss aus Dividenden" aufzubauen. Dabei gibt es aber nicht "Die Dividendenstrategie", sondern verschiedene. Und wenn man andere Dividendenkriterien als nur Rendite, sondern auch Payoutratio, Dividendenwachstum sprich Dividendennachhaltigkeit" anwendet landet man eben auch schnell (je nachdem wie man seine Kriterien definiert) bei den 'richtigen' Aktien wie vielleicht Apple, Costco usw. und nicht bei Schrottwerten wie Daimler. Und man hat neben den Kursgewinnen bei diesen 'richtigen' Aktien eben auch einen langsam wachsenden Dividendencashflow.
    Toller Blog Michael!
    Viele Grüsse,
    CH

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    1. Naja, ich behaupte in meinem Artikel ja nicht, dass keine Dividendenstrategie funktioniert und dass sie niemals brauchbare Resultate, auch nicht bei der Aktienauswahl, bringt. In normalen, guten Wirtschaftszeiten scheint sie brauchbar zu sein. Aber in einer Wirtschaftkrise, vor allem einer solch massiven wie jetzt, dürfte sie sehr schlechte Ergebnisse einspielen - nicht nur was den Bestand angeht, wo Dividenden ausfallen, sondern vor allem beim Neuinvestment. Da gibt es ja Strategien, wonach die historische Dividendenrendite als Maßstab für Kaufentscheidungen herangezogen wird, wenn die aktuelle unterhalb diese durchschnittlichen liegt. Nun stürzen die Kurse ab, die Dividenden aber nicht sofort mit. Daher springen die Renditen hoch - vermeintlich. Wer dann "blind" kauft, erlebt ggf. ein böses Erwachen, wenn die Dividende gekürzt oder ganz gestrichen wird. Was in normalen Zeiten eher die Ausnahme ist, momentan aber die neue Normalität.

      Insofern passt der Titel mit "die" Dividendenstrategie ziemlich genau, weil ich mich eben nicht nur mit einer Randstrategie befasse, sondern generell mit dem Thema. Und, anders als das interpretiert wird, eben nicht per se die Dividendenstrategie für schlecht halte und/oder sie auf Dauer für mies. Ich habe sogar in zwei Artikeln zu American Tower und Costco explizit deren Status als Dividendenwachstumswert positiv herausgestellt. Weil die auch die nötigen Cashflows erwirtschaften und relativ krisenresitent sind. Wie z.B. auch Microsoft, da wird auch keine Dividendenkürzung kommen und auch bei Apple nicht. Für Dividendeninvestoren mindestens unter diesem Blickwinkel daher interessant...

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  13. Steigende GEWINNE und nicht DIVIDENDEN sind der Schlüssel zum Erfolg!

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