Dienstag, 5. Januar 2021

Lang & Schwarz und die verdiente Freude über die neue Lust auf Aktien

Börsenhandelsplatzbetreiber Lang & Schwarz kann momentan vor Kraft kaum laufen. So kann und muss man wohl die jüngste Meldung interpretieren, in denen L&S vorläufige Zahlen zum 4. Quartal 2020 vorgelegt hat.

Danach wurde im L&S-Konzern im 2020er Schlussquartal ein Ergebnis aus der Handelstätigkeit (Zinsergebnis zzgl. Provisionsergebnis und Handelsergebnis) in Höhe von €28 Mio. erzielt und damit mehr als fünfmal so viel wie im vierten Quartal 2019, als es €5 Mio. waren. Für das Gesamtjahr 2020 ergibt sich somit ein Ergebnis aus der Handelstätigkeit in Höhe von €82 Mio., das ebenfalls ein Vielfaches der €18 Mio. aus dem Vorjahr darstellt. L&S betonte, man habe alleine im 4. Quartal mehr verdient, als jemals zuvor in einem gesamten Jahr.

Nachdem das letztjährige Auftaktquartal aufgrund der Corona-Unsicherheiten noch vergleichsweise verhalten ausfiel, und ab dem zweiten Quartal ein bisher unbeobachteter Börsenboom einsetzte, setzen die nun vorgelegten Zahlen auch schon mal ein Ausrufezeichen für 2021. Denn die Zahlen zeigen, dass das Wachstum in 2020 mit dem weiteren Jahresverlauf zugelegt hat und auch für 2021 ist kein Abflauen der Handelstätigkeit zu erwarten. Die vielen neuen Börsenbegeisterten werden vielmehr inzwischen auch von Profis als neue (erste) deutsche Börsengeneration betrachtet, die ihre Geldanlage aktiv in die eigenen Hände nimmt. Davon profitiert auch Lang & Schwarz; nicht nur wegen ihrer maßgeblichen Beteiligung an wikifolio. Selbst wenn im 1. Quartal 2021 lediglich die Handelsumsätze aus dem 4. Quartal 2020 erreicht würden, ergäbe sich hieraus bereits eine deutliche Steigerung zum Vorjahr.

L&S hat erklärt, bis zu 50% seines Jahresergebnisses als Dividende ausschütten zu wollen, und dürfte daher im Jahresverlauf zu den Aktien mit der höchsten Dividendenrendite avancieren. Denn je Aktie dürften in 2020 deutlich über €10 verdient worden sein, zu denen sich noch eine anteilige Auflösung von Steuerrückstellungen gesellt.

Disclaimer: Habe Lang & Schwarz auf meiner Beobachtungsliste und/oder in meinem Depot/Wiki.

Kommentare:

  1. Moin,

    hier ein Zitat von dir aus 2018:
    "Lang & Schwarz ist nicht so mein Fokus. Das Brokergeschäft ist mir zu wechselhaft und Wikifolio betrachte ich als enormes Risiko - wenn denn die Kurse mal stärker und länger einbrechen und das zu einem Nadelöhr wird. Das schaue ich mir lieber von der Seitenlinie an und investiere in Branchen, die mir mehr zusagen."

    Zwei jahre später stehen die ii-Wikis und wachsen zusammen mit dem Kurs von LuS. ;)
    Ich bin allerdings nicht mehr dabei, die IR ist furchtbar und die Gewinne vollkommen intransparent.
    Angeblich wird mit Zertifikaten das Geld verdient, Wikifolio ist aber zu vernachlässigen dabei! Aber ist das immer noch so, mit einer teilweisen Neuausrichtung des Unternehmens? Weiß ich nicht. Wie ist der Gewinn aufgeteilt, und aus welchen Quellen? Mir unbekannt. Wo will man strategisch hin? Keine Aussage. Wenn man jetzt wenigstens aus der Marktlage ableiten könnte, ob das Unternehmen theoretisch profitieren könnte, oder nicht - aber nicht mal das kann ich einschätzen. 2018/2019 war viel Volatilität im Markt, aber LUS konnte weder vom Bären- noch vom Bullenmarkt sonderlich profitieren. Jetzt das genaue Gegenteil. Warum? Keine Ahnung und keine Aussage.
    Wie spielt Trade Republic mit in das Geschäft? Ich hatte hier zu viele Fragezeichen für ein weiteres Investment. Freue mich aber für alle Investierten und wünsche dir viel Erfolg mit den Wikis und deinem Investment bei LuS !

    Gruß
    Roland

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    1. Moin Roland,
      Du zitierst meine Aussage aus 2018 zu Lang & Schwarz. Seitdem hat sich einiges ereignet:

      1. Wir haben in 2018 im März und im vierten Quartal massive Kurseinbrüche gesehen, dann 2019 einen kräftigen Kursboom und in 2020 den Corona-Kurzcrash samt Erholungsrallye. Wir haben also die von mir angesprochenen Szenarien "abgearbeitet", sie sind keine Theorie mehr sondern es gibt praktische Erfahrungen.

      2. Die Anlegerschar hat sich verändert, es sind weniger "Halbprofis" am Werk, sondern viele Anfänger. Doch anders als es zu vermuten wäre, sind dies zwar überwiegend junge Anleger, aber keine Hasardeure, die ausschließlich auf den heißesten Zock setzen. Das war Ende der 1990er Jahre anders. Unter den vielen Neuaktionären sind viele, die Aktien als Geldanlage betrachten und nicht als reines Zockerpapier. Und auch der Zugang zu Informationen hat sich stark gewandelt seit 2000; es sind doch überwiegend Online-Medien, Foren, Facebook-Gruppen, in denen die Informationen ausgetauscht und geholt werden (also zweiseitig und teilweise kontrovers diskutiert), nicht wie früher einseitig als Börsenfernsehen, Börsenzeitschrift oder Fax-Abruf.

      Mir erscheint das Business von Lang & Schwarz (und anderen) als weniger schwankungsanfällig, weil sich die Neuanlager meines Erachtens auch bei einem Markteinbruch nicht wieder völlig von der Börse abwenden werden. Damit steigt der adressierbare Markt erheblich.

      Die vordergründig nicht vorhandene Profitabilität bei L&S in 2018 und 2019 ist in Wikifolio begründet und der damals noch ungeklärten Steuersituation. L&S musste enorme Rückstellungen für potenziell anfallende Steuerforderungen bilden, was die Jahresergebnisse belastet hat. Dieser Sachverhalt ist nun geklärt (für wikifolio und L&S zum Vorteil) und so fallen die Rückstellungen/ Belastungen weg und... die zuvor gebildeten Rückstellungen werden ergebniswirksam aufgelöst. Aber nicht alle auf einmal in einem Jahr, sondern über mehrere Jahre verteilt. Warum, weshalb, weswegen bitte ggf. selbst ergoogeln. Im Ergebnis werden aber für ein paar Jahre zusätzliche Ergebnisbeiträge aus der Auflösung der Rückstellungen die Jahresergebnisse zusätzlich "künstlich" erhöhen - der Gegeneffekt zu den in den Vorjahren "künstlich" gesenkten Jahresergebnissen.

      Alles zusammen macht L&S für mich zu einem interessanten und aussichtsreichen Investment.


      Und dass ich nun zwei Wikis betreibe, das liegt daran, dass immer häufiger dies bezügliche Anfragen an mich herangetragen wurden bis hin zum Wunsch, ich solle des Vermögen der jeweiligen Personen verwalten. Ich habe mich schließlich dazu durchgerungen, diese beiden Wikis aufzulegen und betrachte dies als Dienstleistung für meine Blogleser. Im Idealfall haben wir am Ende alle was davon...

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    2. Nur weil sich die neuen Anleger auch nach einem Kurseinbruch nicht von der Börse abwenden, heißt das ja nicht, dass L&G noch an ihnen verdient. Wenn sie nicht traden und nur ihre Aktien im Depot liegen lassen, dann verdient L&S auch nichts.

      L&S habe ich auch im Depot, gekauft schon vor ca. 3 Jahren bei Kursen von um die 18 € wegen der Dividendenrendite. Aber demnächst werde ich wohl aussteigen. Ich hoffe aber vorerst noch auf weitere Kurssteigerungen, vielleicht bis 100 €. Jetzt noch einzusteigen ist in meinen Augen reine Zockerei und FOMO, aber keine Langfristanlage. Ist doch absehbar, dass auch wieder Zeiten kommen, in denen weniger gehandelt wird und das Ergebnis von L&S wieder sinken wird.

      Ich meine, du kannst ja machen was du willst, aber einerseits hier immer Warren Buffett und dem Value-Investment zu huldigen und andererseits ständig sein Depot umzuschichten, finde ich schon ein wenig schizophren.

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    3. Du triffst eine Annahme und darauf bauste Deine Meinung auf. Legitim. Musst aber ja nicht gleich persönlich werden.

      Ich teile Deine Auffassung nicht, dass sich die Trader wieder verabschieden, (nur) wenn es mal länger abwärts geht an den Börsen. 1. Es ist eine neue Generation von Börsenanlegern, die nicht mit Tagesgeldzinsen von 6% und mehr aufgewachsen sind - also Alternativen zur Aktie, so wie in den 1990er und den 2000ern. Auch sind die Anleger heute deutlich informierter, dazu trägt das Internet bei, die Foren usw. Ich habe den Neuen Markt und die Zeiten miterlebt, auch was Informationsbeschaffung und Börsenwissen und -verständnis angeht. Die jungen Leute wechseln doch heute auch ständig die Versicherungen oder den Strom-/ Gasanbieter. Vor 20 undenkbar. Flexibilität, informieren und informiert sein, sind heute "normal", Teil des Alltags. Vor 20 Jahren konnte man mit Handys telefonieren und SMS verschicken. Mehr nicht. Börsenkurse checken? Mal im Fernseher den Teletext bei n-tv suchen und Zahlen eintippen. Oder per Faxabruf die Hotstocks von Markus Frick & Co. erhalten. Ganz andere Zeit.

      2. Des Weiteren weiß man erst im Nachhinein, ob es sich um eine länger Baissephase gehandelt hat. Insofern ist dieses von Dir genannte potenziell abschreckende Szenario ja gar nicht absehbar. Wenn die Kurse fallen, wie 2018 zweimal und in 2020 ebenfalls geschehen, dann kaufen Anleger in die stark fallenden Kurse hinein. Ob sich das auszahlt, merkt man ja erst später. Und auch bei fallenden Kursen gibt es Erholungsphasen - die neuen Anleger sind oft aktiver und handeln öfter. Das alles kommt L&S zugute.

      Ist völlig legitim, L&S für überbewertet zu halten und kein (Kurs-) Potenzial mehr zu sehen. Ich bewerte das anders und finde das ebenso legitim. Und dass ich mein Depot mal "umschichte", liegt doch auf der Hand: ich bin stets vollständig investiert, zu fast 100%. Will ich eine neue Position eingehen, muss ich dafür etwas verkaufen. Wenn man ständig 30% Cash hält, ist das nicht erforderlich, man hat ja genügend Geld für weitere Investments. Ich bin aber nach Jahrzehnten (!) dahinter gekommen, dass sich eine hohe Cashquote nicht auszahlt, sondern dass man unterm Strich Rendite verschenkt - daher bin ich immer voll investiert. Wenn das jemand nicht mag/will, ist das auch okay für mich. Ich kritisiere ihn dafür nicht, mache es aber trotzdem anders.

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  2. Moin,

    bitte nicht falsch verstehen ! Finde toll was du leistest mit Blog und Wikis ! Und EInstellungen ändern sich mit der Zeit oder den umständen. LuS verfolge ich auch weiter gespannt, allerdings von der Seitenlinie - gemäß dem auch von dir gerne re-zitierten Satz: Investiere nur in das, was du verstehst. Sinngemäß. :>
    Bin wohl zu sehr Anfänger, um das zu durchschauen. Die Rückstellungen waren allerdings ja nur ein Bruchteil vom momentanen Gewinn. Auch hier wäre wieder interessant zu wissen, woher genau die Gewinne kommen, um die Besteuerung einordnen zu können. Aber egal. Wie gesagt, viel Erfolg mit dem Invest. Ich beobachte weiter gespannt LuS und Wikifolio !

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    1. Alles gut, ist ja legitim und auch sinnvoll, meine Aktionen und Aussagen kritisch zu hinterfragen. Und wenn ich meine Meinung ändere, gilt das natürlich erst recht. ;-)

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  3. Hallo Michael,

    wann und wo hat L&S erklärt 50% des Gewinns als Dividende auszuschütten und wie siehst du dies im Kontext zu der Meldung vom 27.08.2020 nach welcher L&S prüft ob eine Ausschüttung von 50% angemessen ist ?

    Viele Grüße
    René

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    1. Ich habe die Aussage irgendwo gelesen. Irgendwann mal, ist schon ein bisschen her. Müsste ich jetzt konkret nach googeln, genauso wie Du. Und meine Aussage war "bis zu 50% seines Jahresergebnisses als Dividende ausschütten zu wollen" und das ist ein Unterschied zu Deiner Aussage "50% des Gewinns". Ich habe dies seitens L&S so verstanden, dass 50% des Jahresgewinns die Obergrenze für die Dividende ist. Vor allem in Jahren mit sehr hohen Ergebnissen (und ggf. Sondereffekten wie der Auflösung der Steuerrückstellungen) würde ich eine deutlich niedrigere Ausschüttungsquote erwarten. Von mir aus sollen die lieber Aktien zurückkaufen und/oder sinnvoll investieren...

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  4. Moin Michael,

    na endlich berichtest Du mal wieder über L&S. Das hat ja gedauert obwohl ich dich ab und an darauf angesprochen habe :) - aber Spaß beiseite.

    Woher die Gewinne kommen kann jeder ganz einfach im Geschäftsbericht nachlesen. Das hat erst einmal nichts mit den Rückstellungen zu tun. L&S ist eine Börse (sprich jeder Trade bringt Geld) zudem werden Optionsscheine etc. angeboten.

    Das Ergebnis 2020 beruht alleine auf der Handelsaktivität, da L&S bisher "nur" für die Zukunft die Steuersache erledigt hat. Erst in 2021 entscheidet sich wie es mit den bereits gebildeten Rückstellungen weitergeht. Bekommt auch hier L&S recht (wie es erwartet wird) werden die Rückstellungen ergebniswirksam aufgelöst. Aber das wäre ja nur nochmals ein extra "Sahnehäubchen"...

    Man muss schon ein wenig im Thema sein um die Wandlung "zu verstehen" - und das ist überhaupt nicht böse gemeint. Aber es ist gerade eine kleine "Revolutuion" im Gange was man als normaler Privatanleger ja gar nicht mitbekommt. Wen interessiert es denn schon an welchen Börsenplatz man handelt!? Ob Frankfurt, Düsseldorf oder Hamburg ist ja uns allen wohl vollkommen egal.

    Und genau diese Tatsache haben die neuen Broker entdeckt. Keiner der neuen handelt über die Regionalbörsen bzw. bietet diese gar nicht mehr an. Spart sich also jede Menge Verwaltung etc. Genauso wenig wird beispielsweise xetra angeboten - schlichtweg nicht möglich darüber zu handeln. Hier spielt die Musik nur noch bei Tradegate, Quotrix und eben auch bei L&S.

    Von daher ist das schon eine wahnsinnige Entwicklung welche nach wie vor nirgends beschrieben wird - und vor allem in meinen Augen nachhaltig.

    L&S verdient in 2020 irgendwas zwischen 11 - 12 Euro und der Start in 2021 ist von den Tradezahlen mindestens genauso stark wie der Rekordmonat Dezember - alles nachzuvollziehen auf den Seiten von L&S. Man muss nur die Augen öffnen :).

    Ist ja auch logisch das dies aktuell noch immer sehr stark ansteigt - jeder Kunde von z.B. TradeRepublic handelt über die Börse von L&S (es geht schlichtweg nicht anders). Sprich entwickeln sich diese Broker weiter so stark profitiert davon auch überproportional L&S.

    Der Anstieg der Aktie verwundert dementsprechend überhaupt nicht. Es ist halt das erste Jahr gewesen in dem das so richtig durchschlägt. Es ist ja jetzt schon absehbar das in Q1 auch ordentlich gehandelt wird... umso öfter die Quartalsergebnisse zwischen 3 - 5 Euro liegen (und das ist absolut nicht zu hoch gegriffen) werden sich immer mehr Menschen mit L&S beschäftigen...

    Grüße

    Tobias

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