Donnerstag, 18. März 2021

Kissigs Aktien Report: Value oder Growth? Nutze den goldenen Mittelweg mit Walt Disney und Mastercard

Im Rahmen meiner Kooperation mit dem "Aktien Report" von Armin Brack nehme ich mir in unregelmäßigen Abständen interessante Unternehmen vor. Die Ausgaben des "Aktien Reports" und/oder "Geld Anlage Reports" erreichen ihre Leser samstags kostenlos und "druckfrisch" im Email-Postfach und man kann sich ▶ hier beim "Geld Anlage Report" anmelden. Bonbon für die Leser meines Blogs: einige Tagen später darf ich die Analysen dann auch hier veröffentlichen.

Aktien Report Nr. 34 vom 12.03.2021

Value oder Growth? Nutze den goldenen Mittelweg mit Disney und Mastercard

Der große römische Dichter und Philosoph Horaz erschloss uns das Konzept vom "goldenen Mittelweg", dem Aurea Mediocritas. Es empfiehlt das Maßhalten in allen Dingen, auch in den Untugenden, das Meiden von Einseitigkeiten und Extremen.

An der Börse ist es ein Erfolgsrezept. Peter Lynch rät, sich niemals in eine Aktie zu verlieben. Damit meint er, immer aufgeschlossen und wachsam zu bleiben, gerade bei den Aktien, die uns die beste Performance eingebracht haben. Diese ist kein Naturgesetz, sie kann nicht einfach in die Zukunft fortgeschrieben werden, sondern sie wird nur solange anhalten, wie das Unternehmen seine herausragenden Qualitäten bewahren kann, die es so erfolgreich machen. Gehen diese verloren, enden unweigerlich auch die Kurssteigerungen irgendwann.

Das Pareto-Prinzip lehrt uns, dass wir mit 20 Prozent Aufwand 80 Prozent Ergebnis erzielen, für die letzten 20 Prozent jedoch die restlichen 80 Prozent an Leistung einsetzen müssen. Volksnäher ausgedrückt besagt es, man sollte vor allem die niedrig hängenden Früchte pflücken und die schwer erreichbaren den anderen überlassen. Sollen die sich doch damit abstrampeln, während man selbst zum nächsten Baum weiterzieht.

Dabei sollte man allerdings durchaus alle leicht erreichbaren reifen Früchte einsammeln, bevor man weiterzieht. Für uns Börsianer heißt dies übersetzt, nicht ständig hin und her traden in der Hoffnung, den besten Baum mit den süßesten Früchten zu finden, sondern die süßen Früchte auch alle einzusammeln und zu genießen.

Statt wild umherzuspringen also solange verweilen, wie noch niedrig hängende Früchte zum Pflücken da sind. Niedriger Aufwand, süßes Ergebnis.

Buy and hold. Ganz simpel.

Das funktioniert natürlich nur dann, wenn man den richtigen Baum gefunden hat, den mit den reifen, niedrig hängenden Früchten. Steht man an einer kahlen Weide, verhungert man. Es wäre geradezu dumm, hier weiter rumzulungern und auf Besserung zu hoffen.

An der Börse zählen Wahrscheinlichkeiten, nicht Hoffnungen. Buy and hold bedeutet, sich Unternehmen herauszupicken, bei denen die Wahrscheinlichkeit überdurchschnittlich groß ist, dass sie Erfolg haben werden und ihr Aktienkurs daher steigen sollte. Solange die Wahrscheinlichkeit zu unseren Gunsten ausfällt, bleiben wir an Bord. Auch wenn wir Menschen immer das Gefühl haben, dass die Früchte am Baum der anderen dicker, saftiger und süßer sind. Einfach erkennen, dass die Typen genau dasselbe über unseren Baum denken…

Den goldenen Mittelweg zu nutzen bedeutet, nicht auf die Extreme zu setzen. Abgestürzte Aktien, Turnaround-Spekulationen sollte man besser ebenso meiden, wie heiß gelaufene Aktienwerte aus gehypten Boombranchen. Entspannter und risikoärmer ist es, auf die Qualitätswerte der Mitte zu setzen, auf die Unternehmen mit soliden Bilanzen, attraktivem, aber profitablem Wachstum, hohen und beständigen Cashflows. Diese Unternehmen schaffen Mehrwert und dieser Mehrwert drückt sich in steigenden Aktienkursen aus.

Am einfachsten fällt die Aktienauswahl, wenn man auf Branchen setzt, die gerade Rückenwind haben und in die viel Geld fließt. Wir schauen uns hier konkret zwei Branchen und Werte an: Walt Disney aus der Medienbranche und Mastercard aus dem Bereich der Zahlungsdienstleister.

Walt Disney

Der Medienkonzern Walt Disney Corp. ist bekannt für seine Trickfiguren, für Micky Maus, Donald, Onkel Dagobert. Auf die Comics folgten Zeichentrickfilme und später Freizeitparks. Die Nachfolger des Firmengründers und Namensgebers schufen hieraus ein breit diversifiziertes Franchise, das inzwischen eigene Filmstudios betreibt, Kreuzfahrtlinien und Themenparks. Hierzu kauften sie einige andere Unternehmen zu, wie Pixar, Lucasfilm, Marvel und Teile von 21stCenturyFox.

Disney hat daher genau das, was alle haben wollen: Content. Neben Micky Maus und Donald hat Disney inzwischen auch Darth Vader, die Avengers und viele weitere hoch angesagte Figuren im Angebot und alle haben ihren eigenen, großen Fangemeinden. Das weiß Disney zu nutzen und schreibt die ursprünglichen Ideen und Geschichten fort, entwickelt Prequels, Sequels und Auskopplungen beliebter Charaktere.

Der Corona-Tiefschlag

Corona setzte und setzt dem Branchenprimus mächtig zu. Die einstigen Gewinnmaschinen, die Freizeitparks, mussten geschlossen werden und die bisherigen Versuche, sie mit strikten Hygienekonzepten und Abstandsregeln wieder anlaufen zu lassen, scheiterten. Die Disney Parks stehen für Leichtigkeit, für heile Welt, für Kinderspaß. Corona-Maßnahmen lassen nichts hiervon aufkommen.

Die Folge ist, dass die Besucher ausbleiben und dass Disney große Verluste anhäuft, weil die Kosten für die Parks und das Personal nicht völlig abgeschaltet werden können. Gleiches gilt für die Disney Cruise Line und auch die Filmproduktionen mit den erhofften Blockbuster-Starts blieben auf der Strecke.

Führungs- und Richtungswechsel

In dieser Phase, bei vollem, verstolpertem Galopp, wechselte Disney den Jockey und Bob Chapek übernahm den CEO-Posten von Bob Iger.

Und der neue strukturierte gleich kräftig um: Das Unternehmen untergliedert sich fortan nur noch in zwei Bereiche anstelle der bisherigen vier. Disney Parks, Experiences and Products (DPEP) umfasst das zyklische Business, also Freizeiteinrichtungen (Disney Lands und Resorts) sowie der Betrieb von etlichen Hotels, Reiseorganisationen und Kreuzfahrten.

Das Streaming-, Film- und Fernsehgeschäft wurde im Segment Disney Media and Entertainment Distribution (DMED) zusammengefasst. Hier finden sich nun der Betrieb von Fernseh- und Radiosendern (z.B. ABC Television Network, EPSN Radio Network, Disney Channel), die Filmproduktionen aus dem Hause Disney, darunter die Marvel Studios, Pixar Animation Studios und 20th Century Studios, sowie die Dienste Disney+, Hulu und ESPN, aber auch der globale Verkauf von Werbeartikeln.

Streaming läuft (jetzt)

Der große neue Hoffnungsträger war schon vor dem Corona-Ausbruch der eigene Streamingdienst Disney+. Doch die eigentlichen Cashcows, die „so nebenbei“ den Aufbau des Streamingdienstes mitfinanzieren sollten, wurden zum Groschengrab. Und aus dem gemächlich Anlauf nehmenden Streamingdienst wurde quasi über Nacht der Hoffnungsträger. Disneys große Content-Bibliothek erwies sich als Goldgrube, während Wettbewerbern teilweise die guten Filme auszugehen drohten, da Neuproduktionen pandemiebedingt reihenweise ausfielen.

Zum Erstaunen aller konnte Disney+ die hohen Erwartungen erfüllen. Und sogar übertreffen. Insgesamt konnte Disney im 2020er Schlussquartal sogar einen kleinen Gewinn ausweisen, obwohl der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 22 Prozent eingebrochen war. Dabei überraschten die Freizeitparks, die nur teilweise geöffnet waren, aber allesamt aufgrund erheblicher Kostenreduzierungen operativ positiv abschlossen. Das Segmentergebnis fiel am Ende mit 119 Millionen Dollar dennoch negativ aus – in normalen Zeiten erwirtschaftet der Disney-Konzern hier rund die Hälfte seines Gewinns.

Für Begeisterung sorgte die andere Sparte, denn die Nachfrage nach Disneys Streaming-Angeboten schlägt alle Erwartungen. Disney+, Hulu und ESPN+ zählten am Jahresende 146,4 Millionen Abonnenten. Während der Absatz von Filmen um 56 Prozent eingebrochen ist, auch dank geschlossener Kinosäle, lief das klassische TV-Geschäft konstant und Streaming schoss um 73 Prozent nach oben. Zum Vergleich: das klassische TV-Business spielt 7,7 Milliarden Dollar an Umsatz ein, die Streamingdienste bereits 3,5 Milliarden. Hieran zeigt sich die enorme Bedeutung für den Konzern.

Beschleunigtes Wachstum

Disney wurde vom eigenen Erfolg überrascht. Die beim Start verkündeten Ziele hat man bereits jetzt weit überschritten und legt daher die Messlatte bedeutend höher. So will man bis 2024 nun 350 Millionen Abonnenten überzeugt haben, darunter für Disney+ alleine 260 Millionen. Damit würde man Platzhirsch Netflix überholen und in die Schranken verweisen.

Das absehbare Ende der Coronaeinschränkungen wird Disneys frühere Cashcows wieder zum Laufen bringen und der enorme Erfolg bei Disney+ wird sich mittelfristig auch in positive Cashflows und Gewinne verwandeln. Die vielen neuen Filmedebüts werden hier für anhaltend hohe Kundennachfrage sorgen – auf der Strecke bleiben die Kinos, die bisher immer für Filmpremieren gesetzt waren. Diese Rolle hat in der Coronazeit Disney+ übernommen und dieses starke Vertriebsargument für den Streamingdienst wird man kaum wieder aus der Hand geben.

Disney hat einige Asse im Ärmel und versteht es, sie geschickt auszuspielen. Das kommt auch an der Börse gut an und so stürmte der Aktienkurs auf Allzeithoch. Disney punktet im klassischen Bereich und ist beim Megatrend Streaming noch nicht einmal anderthalb Jahre nach dem Start einer der führenden Anbieter und weiter auf Erfolgskurs. Ein Top-Wert aus beiden Welten, Value und Growth.

Mastercard

Nicht erst seit Corona liegt digitales Bezahlen voll im Trend. Es ist einfach und sicher, weil kontaktlos möglich. Die klassische Variante war jahrzehntelang die Kreditkarte, die in den USA aus dem Alltag kaum wegzudenken ist, während sie hierzulande immer nur eine Ergänzung war zur Girocard, der früheren EC-Karte.

Doch in den USA haben Girokonten nicht einmal annähernd den Funktionsumfang wie bei uns; Lastschriften sind weitgehend unbekannt und Zahlungen wurden am liebsten per Scheck durchgeführt. Und auch Dispokredite kennt man in den USA kaum. Die Kreditkarte übernahm diese Funktion.

Megatrend Digital Payment

Zahlungsdienstleistungen sind ein Megatrend, der Beständigkeit und Wachstum verspricht. Bargeldloses Bezahlen setzt sich seit Jahrzehnten immer mehr durch und nicht erst seit dem Siegeszug des Internets und des Onlineshoppings befinden sich die Kreditkartenanbieter auf der Sonnenseite der Entwicklung. Bargeld verliert immer mehr an Bedeutung, weil es gefälscht werden kann, weil es Bakterien überträgt, langsam ist und umständlich in der Handhabung und natürlich weil es gestohlen werden kann und hohe Kosten bei den Händlern verursacht für seine Zählung, Bewachung und den Transport zur Bank. Darüber hinaus haben die Staaten selbst ein großes Interesse daran, Bargeld aus dem Verkehr zu ziehen, denn es ermöglicht Geldwäsche und Steuerhinterziehung.

Der "War-on-Cash" nimmt also weiter Fahrt auf und die großen Nutznießer dieser Entwicklung sind vor allem die Kreditkartenunternehmen Mastercard und VISA.

Die Zahlungsnetzwerke

Sowohl Mastercard als auch VISA sind aus Kooperationen verschiedener US-Banken hervorgegangen, die Kreditkarten ausgaben. Im späteren Verlauf öffnete man sich immer weiter anderen Banken und heute treten beide als Partner fast aller Banken auf und das weltweit. Die Banken geben Kreditkarten mit dem Logo von VISA oder Mastercard heraus, die Kreditverpflichtungen gehen dabei allerdings die Banken ein.

Mastercard und VISA wickeln nur die Zahlungen ab und erhalten hierfür von den Banken einen Teil der Jahresgebühr und von den Zahlungsstellen eine Umsatzprovision. Diese Zahlungsstellen sind die POS, die Points-of-Sale, also der Laden um die Ecke, der Supermarkt oder wo auch immer der Kunde einkauft.

Über die letzten Jahre sind VISA und die kleinere Mastercard schier unaufhaltsam gewachsen, denn immer mehr Menschen bezahlen ohne Bargeld, immer mehr Geschäfte akzeptieren bargeldloses Bezahlen und insbesondere der Onlinehandel greift immer mehr Anteile am weltweiten Handel ab – das Bezahlen erfolgt hier natürlich bargeldlos und sehr häufig über Kreditkarten. Zusammen haben die beiden Unternehmen mehr als sechs Milliarden Kreditkarten ausgegeben und in jeder Minute werden mehr als 500.000 bargeldlose Transaktionen abgewickelt.

Beim Bezahlen liegt Bargeld trotzdem noch immer auf dem ersten Platz. 2017 wurden weltweit allerdings bereits 23 Billionen Dollar im Bereich von E-Payments abgewickelt, analysierte der Nielsen-Report und sieht das Volumen bis 2023 auf 40 Billionen Dollar anschwellen. Nimmt man hiervon zwischen 1,5 und 2 Prozent als Gebührenaufkommen an, sprechen wir über einen Markt von 600 bis 800 Milliarden Dollar. Pro Jahr!

Coronaeinbruch

Corona hatte hier erhebliche Auswirkungen. Denn in einigen Bereichen, wie Gastronomie, Hotellerie, Touristik, Kreuzfahrten, Flugverkehr, Events sind die Umsätze dramatisch eingebrochen, während der E-Commerce und das E-Gaming boomen.

Rein digitale Zahlungsanbieter wie PayPal profitieren hiervon extrem und es kommen immer neue Anbieter auf den Markt, die eigene Zahlungsdienste anbieten oder sogenannte Wallets (für das Smartphone). Ob nun ApplePay, GooglePay, AmazonPay oder FacebookPay - sie alle wollen sich einen Teil vom Kuchen abschneiden und sie haben den Vorteil, dass sie die Kunden, die Nutzer bereits auf ihren Plattformen und in ihren Ökosystemen haben. Statt aufwändiger Marketingstrategien müssen sie ihre neuen Zahlungsoptionen lediglich zur Verfügung stellen und die werden reißend angenommen.

Doch für Mastercard und VISA ist das ebenfalls Grund zur Freude. Denn all diese Services setzen auf dem Netzwerk der beiden auf; es gibt bisher keine Alternative dazu. Zwar wird immer mal wieder darüber geredet, dass es einer der Großen irgendwann mal selbst in die Hand nehmen und so ein Netzwerk aufbauen könnte, doch das erscheint nicht wirklich plausibel. Denn es geht um ein sehr margenschwaches Business, das von der Masse der Transaktionen lebt. Damit diese zwischen Käufer und Verkäufer stattfinden können, ist dazwischen eine Reihe von unterschiedlichen Dienstleistungen zu erbringen.

Steht man bei Aldi an der Kasse, kommt ein Kaufvertrag zwischen Käufer und Aldi zustande. Nachdem mit Kreditkarte (oder Smartphone) bezahlt wurde, packt der Kunde die Waren ein und verschwindet, während Aldi lediglich ein Zahlungsversprechen von Mastercard erhalten hat. Sollte der Kunde letztlich doch nicht bezahlen, kann Aldi kaum Tage später den Kunden aufspüren und die Waren wieder zurückfordern. Für Aldi muss also beim Bezahlvorgang sichergestellt sein, dass man die Zahlung auch erhält. Die Zahlung wird also garantiert und hierzu wird während des Bezahlvorgangs abgecheckt, ob der Kunde kreditwürdig ist und dann wird dem Verkäufer (Aldi) versprochen, dass die Zahlung auf seinem Konto eingehen wird. Dies erledigt nicht alles Mastercard als Kreditkartenfirma, sondern es sind Acquirer und Garanten zwischengeschaltet, die jeweils einen Teilaspekt des Zahlungsvorgangs vornehmen und dafür einen Anteil an der Provision erhalten.

Der aus Sicht von Mastercard entscheidende Punkt ist, dass dies nur stattfinden kann, wenn zwischen dem Zahlungsdienstleister des Kunden und dem Händler ein Vertrag besteht. Mastercard und Visa haben in den letzten 60 Jahren diese unzähligen Verträge abgeschlossen. Mit Walmart, mit Aldi, aber auch mit Pablos Restaurant in Mexico City, Bibis Klamottenbude in Darmstadt und Ngyuens Haircuts in Hanoi. Wollte jetzt jemand ein eigenes Netzwerk aufbauen, müsste er ebenfalls mit all diesen Händlern einzelne Verträge abschließen. Mastercard bringt es hier inzwischen auf weltweit mehr als 47 Millionen Vertragspartner und Visa als größerer der beiden auf noch mehr.

Dieses Netzwerk an Vertragspartnern und Akzeptanzstellen stellt einen schier unüberwindlichen Burggraben dar. Wie ein landesweites Schienennetz. Will man einen Zug fahren lassen, muss man das Schienennetz nutzen und dafür bezahlen. Oder ein eigenes bauen. Was natürlich völlig unwirtschaftlich ist, da die Investitionskosten wahnsinnig hoch sind und niemals wieder eingespielt werden können. Denn der Wettbewerber, der Platzhirsch, hat diese ja bereits getätigt und kann den Neuen preislich immer unterbieten. Wie Mastercard und Visa. Und deshalb kooperieren die neuen Paymentanbieter mit ihnen. Nicht aus Mildtätigkeit heraus, sondern aus schierer Notwendigkeit.

Ob es nun Facebook ist mit seinen neuem Angebot WhatsappPay in Brasilien, das Visas Netzwerk nutzt, oder Apple mit seiner Applecard, eine Kooperation mit Goldman Sachs und Mastercard, oder die Amazon-Kreditkarte (Visa) oder die neue Venmo-Kreditkarte von PayPal (Mastercard), niemand kommt an den beiden Giganten vorbei.

Mastercard und Visa erfüllen eines der wesentlichen Qualitätsprinzipien Warren Buffets:
"Der Schlüssel zum erfolgreichen Investieren liegt nicht in der Frage, wie sehr eine Industrie die Gesellschaft beeinflusst oder ob sie wachsen wird, sondern darin, herauszufinden ob ein bestimmtes Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil hat, und wenn ja, wie lange dieser anhalten wird."
(Warren Buffett)
Buffett mahnt Anleger, auf die Nachhaltigkeit zu schauen, die Beständigkeit. Die beste Marktstellung nützt nichts, wenn man diese nicht dauerhaft verteidigen kann. Nokia verlor seine Weltmarktdominanz bei Handys an BlackBerry, als diese das Smartphone auf den Markt brachten. Und BlackBerry ließ sich von Apple die Butter vom Brot nehmen, als man lieber an der Tastatur festhielt, während Steve Jobs Touchscreens und Wischgesten salonfähig machte. Auch heute gibt es noch Nokia- und BlackBerry-Smartphones, aber ihr Marktanteil ist kaum noch messbar und sie werden von chinesischen Herstellern produziert, während die westlichen Unternehmen lediglich noch als Namensgeber fungieren.

Bei den Zahlungsdienstleistern Mastercard und Visa stehen die Chancen sehr gut, dass sie ihre dominante Marktstellung nicht nur behalten, sondern sie auch weiter ausbauen können werden.

Zumal sich deutliche Erholungstendenzen bei den Zahlungsvolumina abzeichnen und die Corona-Delle bald ausgebügelt sein dürfte dank Impferfolgen und Rückkehr zum „alten Normal“. Mastercard war besonders stark bei grenzüberschreitenden Transaktionen und im Hotel –und Tourismusbereich. Also genau jenen Branchen, die nun auf die Wiederauferstehung zusteuern. Und das Zahlungsvolumen von Mastercard reist im Gepäck mit.

Mein Fazit

Es lohnt sich, auf „das Beste beider Welten“ zu setzen. Mal laufen Value-Aktien besser, mal Wachstumswerte. Es gelingt selten, den gerade richtigen Swing zu erwischen. Stattdessen kann man entspannt auf Unternehmen setzen, die in beiden Phasen zu den Gewinnern gehören. Und damit ist nicht gemeint, dass sie jeweils immer zu den Top 10 der am besten performenden Aktien gehören, sondern dass ihre Aktien im Durchschnitt zu den besten Werten zählen.

Disney und Mastercard gehören zu diesen Qualitätswerten, sie haben das über Jahrzehnte bewiesen. Und haben zu Recht in den letzten Tagen neue Allzeithoch markiert – mit der Aussicht auf mehr. Viel mehr. Buy and hold - and harvest.

Disclaimer: Habe Mastercrad, VISA, Walt Disney auf meiner Beobachtungsliste und/oder in meinem Depot/Wiki.

Kommentare:

  1. Haben Sie Disney nicht erst gekauft und dann verkauft und wieder gekauft innerhalb von 7-8 Monaten?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das ist korrekt. Ich habe Disney und General Electriczu Beginn der Pandemie verkauft und mich dann nach einiger Zeit wieder umentschieden, nachdem meine für diese Werte sehr negativen Zukunftseinschätzungen sich relativiert hatten. Ich war da zu ängstlich, kann man nicht anders sagen. Andererseits hatte ich auch den Mut/das Glück, diesen Irrtum einzusehen und zu korrigieren. Glück insofern, als dass die Kurse dies durchaus belohnt haben. Bei GE und Disney habe ich trotzdem draufgezahlt im Vergleich dazu, wenn ich nicht gehandelt hätte.

      Bei Square war ich schon einige Wochen vor der Pandemie ausgestiegen und kam hier letztlich ungefähr zu meinem alten Verkaufskurs wieder rein. Auch das war Glück.

      Löschen
  2. Kryptowährungen könnten den Burggraben von Visa und Mastercard wegschwemmen.

    Es wird zwar eine Weile dauern, aber die Gefahr besteht.

    Bin seit dem Börsengang ein sehr glücklicher Visa Aktionär.

    AntwortenLöschen
  3. Bei Disney verstehe ich den hohen Kurs aktuell nicht. Das Kerngeschäft ist von Corona bzw. den Maßnahmen hierzu schwer getroffen. Der Kurs notiert aber deutlich höher, als Vor-Corona, als das Hauptgeschäft noch super gelaufen ist. Disney+ läuft sicherlich sehr gut und auch besser als erwartet...Allerdings hat man hier ja auch viel Konkurrenz und keinen Burggraben im Streaming-Bereich. Amazon Prime, Netflix, (Sky).....da ist mir eine Visa auf dem aktuellen Niveau deutlich lieber als Disney.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Genau, aktuell ist das Kerngeschäft von Disney stark negativ beeinflusst. An der Börse wird aber die Zukunft gehandelt und da winkt ja eine baldige Rückkehr Richtung Normalität - und damit ein Wiedererstarken der Cashcow.

      Beim Streaming hat Disney m.E. durchaus einen starken Burggraben (wenn es denn will). Man hat den Content und das Franchise. Bisher hat man bei Neuerscheinungen immer auf die Kinos gesetzt und später dann auf DVD-Verkauf. Die Exklusivität für die Kinos dürfte bald Geschichte sein; stattdessen erwarte ich, dass Disney Filmneuheiten parallel zu den Kinos auch auf Disney+ anbietet, während alle anderen die Neuerscheinungen erst später angeboten bekommen. Und wir reden hier über alle Marvel- und Avengers-Figuren, über Star Wars und alle Auskopplungen, die ganzen Disney-Zeichentrickfiguren und alle Pixar-Animationsfilme. Wenn Disney diese zuerst nur im Kino und auf Disney+ anbietet und alle anderen sie erst vier oder acht Wochen später bekommen, dann entsteht hier ein enormer Anreiz, sich (zusätzlich) ein Abo von Disney+ anzuschaffen. Content is king und Disney is the king of content.

      Löschen
  4. Interessanter Artikel, Michael, vielen Dank dafuer. Allerdings halte ich den Kurs von Diney als auch den von Mastercard fuer derzeit zu hoch fuer einen Einstieg, gerade wenn man sich auf langfristiges Halten einrichten will. Warten ist angesagt, denke ich.

    AntwortenLöschen
  5. Vielen Dank für den sehr gelungenen Beitrag.

    Wie beurteilst die beiden US-Riesen angesichts der gerade ins Rollen gebrachten Konzeption "European Payment Initiative"? U.a. wollen die EU-Mitgliedsstaaten für eine stärkere Unabhängigkeit von MC & Visa eine "home grown" Lösung gemeinsam entwickeln. Das wird zwar noch länger dauern als man in Brüssel denkt, dennoch eine beachtenswerte Komponente in der Beurteilung des EU-Marktes in puncto Zahlungsverkehr.

    Liebe Grüße
    Clemens

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Die "European Payment Initiative" werte ich eher als zahnlosen Tiger. Leider, aus Sicht eines überzeugten Europäers. Die deutschen Banken haben es nicht hinbekommen (PayDirect), eine Alternative zu PayPal aufzubauen. Zu kompliziert, zu viele Köche, die reingelabert haben, zu langsame Entscheidungswege, zu wenig attraktiv für die Kunden. Wie das eine Lösung auf europäischer Ebene funktionieren soll, bleibt mir schleierhaft. Konkretes Beispiel? Nach der Finanzkrise wurde vollmundig eine Europäische Ratingagentur als Konkurrenz zu Moody's, Standard & Poors und Fitch angekündigt. Mehr als zehn Jahre später hört man davon nichts mehr...

      Der Burggraben von Mastercard und VISA ist nicht die Technik, nicht die Technologie. Es sind die hunderttausenden von Verträgen, die sie mit den Walmarts und EDEKAs dieser Welt abgeschlossen haben. Und eben auch mit Sung Fu Nails in Saigon und Whoppertacoburgerland in Bismarck, Minnesota und Peters Bälleparadies in Unterurselingen und Susis Schreibwarenbutze in Wyk auf Föhr. Wer hierzu ein echtes Konkurrenznetzwerk aufbauen will, muss mit all diesen kleinen Adressen Verträge über die Akzeptanz seiner Kreditkarte abschließen. VISA und Mastercard haben dazu die letzten mehr als 50 Jahre Zeit gehabt, also einen enormen Vorsprung. Und... weshalb sollte Susi auf Föhr nun eine weitere Kreditkarte akzeptieren, die noch keiner benutzt? Doch wohl nur, wenn sie dabei viel günstigere Bedingungen bekommt, als bei Mastercard und/oder VISA. Oder Amex, die spielen ja auch noch mit, wenn auch nur in der dritten Liga verglichen mit den beiden Duopolisten.

      Nein, diese europäische Initiative schreckt mich nicht. Keine Power dahinter, kein Geld, keine Zeit, kein Konzept. Sollte sich das jedoch mal ändern und konkret werden, müsste man sich das genauer ansehen und ggf. die Situation neu bewerten. Solange gilt: Papier ist geduldig.

      Löschen