Dienstag, 22. Juni 2021

Kissigs Aktien Report: Jungheinrich und KION sind die Stars der „stillen Wachstumsbranche“ Lagerlogistik

Im Rahmen meiner Kooperation mit dem "Aktien Report" von Armin Brack nehme ich mir in unregelmäßigen Abständen interessante Unternehmen vor. Die Ausgaben des "Aktien Reports" und/oder "Geld Anlage Reports" erreichen ihre Leser samstags kostenlos und "druckfrisch" im Email-Postfach und man kann sich ▶ hier beim "Geld Anlage Report" anmelden. Bonbon für die Leser meines Blogs: einige Tagen später darf ich die Analysen dann auch hier veröffentlichen.

Aktien Report Nr. 47 vom 11.06.2021

Jungheinrich und KION sind die Stars der „stillen Wachstumsbranche“ Lagerlogistik

Peter Lynch war der erfolgreichste Fondsmanager der 1980er Jahre. Mit nur 33 Jahren übernahm er den völlig unbekannten Magellan Fonds bei der Fondsgesellschaft Fidelity und baute ihn innerhalb von 10 Jahren zum mehrere Milliarden Dollar schweren Flaggschiff des Unternehmens aus. Mit Mitte 50 zog er sich aus dem Business zurück und verfasste mehrere Bücher über seinen Weg zum erfolgreichen Börseninvestor. Und er investiert weiterhin, nur eben sein eigenes Vermögen und das seiner Familie.

Sein Erstlingswerk "Der Börse einen Schritt voraus" (hier zu meiner Rezension), war eines der ersten Bücher, die ich über die Börse gelesen habe. Es ist inzwischen fast 35 Jahre alt und viele der darin genannten Unternehmen gibt es heute nicht mehr. Sie gingen Pleite, wurden umbenannt und gingen in Fusionen oder Übernahmen auf. Dennoch bleibt sein Buch ein zeitloser Klassiker, den man immer wieder lesen kann – und sollte. Ich habe das vor einigen Wochen auch wieder getan.

Lynch lehrt uns, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und unsere Beobachtungen für unsere Investmententscheidungen heranzuziehen. Wir sehen Entwicklungen und Trends durch das Verhalten der Menschen in unserer Umgebung. Wir haben erlebt, wie immer mehr Bekannte und Freunde iPhones nutzten oder die Apple Watch. Wir erleben, dass immer mehr junge Menschen auf besonders designte Sportschuhe von Adidas oder Nike setzen und dafür hohe Summen ausgeben. Wir haben miterlebt, dass immer mehr McDonald's-Filialen aus dem Boden schossen und später dann Starbucks. Und wir selbst sind Teil des digitalen Wandels, bei dem immer mehr online oder mobil eingekauft wird und bei dem statt des klassischen Kabelfernsehens inzwischen Streamingangebote erste Wahl sind.

Nun kann man diese Veränderungen ausschließlich als Konsument wahrnehmen und versuchen, immer ganz vorne und um jeden Preis hip und angesagt zu sein, weil man jeden Trend mitmacht. Oder man kann die Veränderungen durch die Brille eines Investors betrachten, eines Aktienanlegers. Dann denkt man darüber nach, wer diese neuen Produkte herstellt, wer hinter der überall aus dem Boden schießenden neuen Ladenkette steht oder wer in zweiter Reihe davon profitiert.

Beim iPhone und der Apple Watch ist es leicht zu erkennen, ebenso bei McDonald’s und Starbucks – es steht ja augenfällig drauf. Und auch der große und weiter zunehmende Erfolg von Amazon ist kaum zu übersehen, denn Amazons eigene Lieferfahrzeuge scheinen fast schon so zahlreich zu sein wie die von DHL und auch die Amazon Locker (Packstationen) schießen wie Pilze aus dem Boden.

Second-Level-Thinking

Klar, man könnte Amazon-Aktien kaufen. Oder man wagt den weitergehenden Ansatz, den Star-Investor Howard Marks als "Second-Level-Thinking" bezeichnet. Nicht dem ersten Gedanken nachgeben, sondern gründlicher nachdenken und hinter die Kulissen schauen. Dem ersten Impuls folgt die große Mehrheit, weil wir Menschen uns gut fühlen, wenn wir Zusammenhänge schnell durchschauen. Wir sehen etwas und können es einsortieren, es begreifen. Das gefällt uns, es hat alles seine Richtigkeit, wir fühlen uns gut, weil wir clever sind. Aber nicht clever genug. Einige wenige Menschen denken tiefschürfender nach und auf diesem "zweiten Level" erkennen wir dann die dahinter liegenden Zusammenhänge und Vorgänge. Und für Anleger bedeutet dies, dass wir die größere Chance erkennen können, die die breite Masse, die Herde, nicht sofort erkannt und in Aktientransaktionen umgesetzt hat.

Und an dem großen Erfolg von Amazon und den vielen anderen Onlineshops haben nicht nur Amazon und Alibaba und eBay teil und auch nicht nur DHL und FedEx und UPS, wie man auf den ersten Blick erkennt. Der zweite Gedanke offenbart, dass es für die Ladenlokale, Boutiquen und Shops in den Innenstädten immer schwerer wird. Aber auch, dass die vielen Paketsendungen eine andere, neue Logistik erfordern. Anstatt die Waren in die Läden zu bringen, wo die Menschen sie dann erwerben und mit nachhause nehmen, gehen die Waren heute in Lagerhäuser und werden dort zentral verwaltet, verpackt und versandfertig gemacht. Von hier aus treten sie ihre Reise zu den Käufern an.

"Fulfillment" und "Last-Mile-Logistik" sind stark wachsende Trends. Onlinehändler müssen keine eigenen Lagerhäuser mehr betreiben, sie können dies an Amazon und andere abgeben. Der Händler betreibt nur seinen Onlineshop oder seinen Verkäuferaccount bei Amazon, Etsy, eBay und die ganzen Abläufe im Hintergrund übernimmt der Fulfillmentanbieter, z.B. Amazon. Der lässt sich dafür natürlich bezahlen, aber unterm Strich ist es für den Händler einfacher und billiger, diese Schritte nicht selbst zu organisieren.

Und für Amazon lohnt es sich besonders, weil man die eigenen Lagerhäuser durch „fremde“ Warenbestände noch besser auslasten kann und es für Amazon keinen Unterschied macht, ob die Luftmatratze im Regal zu Amazons Bestand gehört oder zu dem von Händler „Plasticpower123“. Amazon baut zunächst für sich selbst Services auf und weitet dies dann später auf externe Kunden als Angebot aus. Daher werden immer mehr Amazon-Logistikzentren eröffnet und dieses Konzept wird inzwischen auch von anderen kopiert, wie Alibaba, JD.com oder Zalando. Doch es sind nicht nur Branchengrößen, die auf eine eigene Lagerlogistik und Letzte-Meile-Zustellung setzen, sondern auch zunehmend kleinere Anbieter, wie HelloFresh oder Westwing.

Das bedeutet aber auch, dass diese neuen Anbieter es Amazon gleichtun und eigene Logistikkapazitäten aufbauen müssen. Und damit ist nicht nur eine eigene Flotte an Lieferfahrzeugen und Zustellern gemeint, sondern die Logistik im Hintergrund: Waren- und Lagerhäuser, die möglichst günstig und effizient betrieben werden.

Bei unserem "Second-Level-Thinking" stoßen wir auf zwei weitere Nutznießerbranchen: Grundbesitzer, die entsprechende Flächen in der Nähe der Hauptverkehrsadern besitzen und Spezialisten für Lager- und Warenlogistik, die die entsprechenden Lagerhäuser konzipieren, erstellen und später den reibungslosen Betrieb sicherstellen können.

Lagerlogistik und -automation

Die neue, schnelle Lieferwelt braucht ein Rückgrat. Und dieses besteht aus voll automatisierten Lagerhallen. Die Waren müssen so schnell wie möglich in die Lager transportiert werden und dort umgehend abgelegt werden. Sie müssen dabei vom System erfasst und auf Anforderung umgehend gefunden und für den Versand bereitgestellt werden. Früher erfolgte das nach einem Ablagesystem, wo mittels von Menschen bedienten Gabelstaplern die Waren chronologisch abgelegt wurden. Heute erfolgt die Ablage chaotisch und voll automatisiert. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Waren innerhalb kürzester Zeit zur Verfügung stehen.

Das System überwacht dabei auch gleich den Lagerbestand und ordert automatisch Nachschub, schon lange, bevor die Regale leer sind. Während bei einem IKEA-Markt Laden und Lager zusammenhängen, sind beim Online-Shopping Verkauf und Lager räumlich getrennt. Es ist völlig egal, ob die Ware in München, Hamburg oder Brüssel verfügbar ist. Das IT-gestützte System erkennt dieses umgehend und kann den Versand autorisieren. Der Kunde merkt nicht, ob sein Paket aus München oder aus Hamburg kommt. Hauptsache, es ist schnell da.

Diese vollautomatisierten Warenströme funktionieren nur, wenn sie von vorne bis hinten im Detail durchgeplant sind. Und ob nun DHL, Otto oder Amazon das Lager betreiben, oder ob es sich um einen Pharmakonzern handelt, es gibt einen gemeinsamen Nenner: die Experten, die diese automatisierten Lager planen, bauen und betreiben.

Unter den drei großen weltweit führenden Herstellern finden sich gleich zwei deutsche Unternehmen: das Hamburger Familienunternehmen Jungheinrich als Nummer drei der Welt und die Wiesbadener KION Group als erster Herausforderer von Marktführer Toyota Material. Sowohl Jungheinrich als auch KION haben ihr Angebot in den letzten Jahren erheblich ausgeweitet. Sie stellen längst nicht mehr nur Flurförderfahrzeuge her, wie Gabelstapler technisch korrekt bezeichnet werden, sondern sie haben sich zu Lagerlogistikspezialisten weiterentwickelt zu Experten der "Intralogistik".

Jungheinrich

Die Jungheinrich AG ist in der Flurförderzeug-, Lager- und Materialflusstechnik aktiv und belegt in Europa den zweiten Platz und auf globaler Ebene den dritten - jeweils hinter dem Konkurrenten KION Group. Das traditionsreiche Unternehmen wurde 1953 gegründet und befindet sich auch heute noch mehrheitlich in Familienbesitz. An der Börse sind ausschließlich stimmrechtslose Vorzugsaktien gelistet.

Jungheinrichs Produktpalette besteht aus vier Säulen: Das Kerngeschäft sind Flurförderzeuge wie Gabelstapler, Hochregalstapler, Schlepper und inzwischen auch fahrerlose Transportsysteme.

Zum zweiten vertreibt Jungheinrich manuelle, semiautomatische und automatische Lagersysteme, zu denen automatische Hochregal-Lager, automatische Kleinteile-Lager, Paletten-Lager und kombinierte Systeme gehören.

Darüber hinaus umfasst das Portfolio intralogistische Gesamtlösungen; sowohl die Neuplanung als auch die Optimierung bestehender Lager. Die Palette reicht von der Analyse über Planung, Projektierung und Realisierung bis zum After-Sales-Service und ist für alle Automationsgrade möglich. Jungheinrich bietet hierfür sowohl manuelle Lagersysteme mit dem Warehouse Management System, Datenfunkdienstleistungen und Datenfunkequipment als auch vollautomatische Lagersysteme mit Regalbediengeräten an.

Das vierte Segment sind Dienstleistungen rund um die Lagerlogistik. Diese umfassen den Kundendienst, wie Inspektion, Wartung und Reparatur von Geräten, Fahrerschulungen, Vermietung und Absatzfinanzierung der Produkte sowie Aufarbeitung und Verkauf von Gebrauchtgeräten.

Jungheinrichs Unternehmerischer Schwerpunkt liegt in Deutschland, doch nachdem man sich schon vor Jahren nach China gewagt hat, nahm man inzwischen auch Osteuropa als Fertigungsstandort in den Fokus. Der Konzern ist insgesamt in rund 120 Ländern aktiv und dabei weltweit mit 40 konzerneigenen Vertriebs- und Servicegesellschaften vertreten. Darüber hinaus ist man über Händler präsent, insbesondere in den Überseemärkten.

Die Fahrzeuge werden weitgehend unter dem Namen Jungheinrich angeboten und Investitionen erfolgten besonders in den Bereich Wartung und Service. So erzielt Jungheinrich inzwischen einen erheblichen Teil seiner Umsätze mit der Reparatur und der Wartung alter Fahrzeuge, wodurch man sich einen stetigen Einnahmestrom gesichert hat. Und die noch längere Bindung der Kunden.

In wirtschaftlichen Boomzeiten sind vor allem Neugeräte und neue Lagerkomplexe gefragt, aber wenn sich die Konjunktur abschwächt, kann das zweite Standbein seine Stärken so richtig ausspielen: Wartung und Reparatur. Denn wenn Geld für Neues fehlt, muss das Alte eben länger halten. Jungheinrich wartet und repariert dabei nicht nur Fahrzeuge der Kunden, sondern kauft die gebrauchten auch wieder zurück. Dann werden sie auf eigene Rechnung instandgesetzt und anschließend als beinahe neuwertig wieder veräußert. So kann Jungheinrich mehrfach verdienen.

KION Group

Ganz anders verhält sich die KION Group, die ein breites Spektrum von Marken unter ihrem Dach vereint. Das liegt an der wechselhaften Unternehmensgeschichte.

Zum 1. August 2006 gliederte die Linde AG ihre Staplersparte mit Linde Material Handling, Still und OM Carrelli Elevatori aus dem Konzern aus in die KION Group GmbH. Diese wurde im November 2006 für vier Milliarden Euro an den Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR) und die Investmentbank Goldman Sachs verkauft.

2009 wurde das Joint Venture KION Baoli (Jiangsu) Forklift Co., Ltd. unter der Führung von KION gegründet. Die Marke Baoli produziert und vertreibt Gabelstapler.

2011 gründete KION das indische Gemeinschaftsunternehmen Voltas Material Handling, das sich auf den indischen Markt konzentriert.

Ende August 2012 stieg der chinesische Konzern Weichai bei KION ein und übernahm 25 Prozent der Anteile, während KKR und Goldman Sachs den Rest behielten.

Zum 1. Januar 2013 gliederte KION seine Hydrauliksparte aus der Linde Material Handling in die rechtlich eigenständige Gesellschaft Linde Hydraulics aus und verkaufte 70 Prozent dieser Anteile an Weichai Power; zuletzt hielt die KION Group noch 10 Prozent der Anteile an Linde Hydraulics.

Am 28. Juni 2013 ging die KION Group an die Börse und übergab dabei 20 Prozent der Aktien in den Streubesitz. Anfang 2014 stieg nach einem weiteren Aktienverkauf der Streubesitz auf rund 30 Prozent und im zweiten Quartal 2014 dann auf 40 Prozent. Im weiteren Verlauf zogen sich KKR und Goldman Sachs dann ganz zurück, während Weichai seinen Anteil zwischenzeitlich aufgestockt hatte. 2020 befanden sich 54,7 Prozent der Aktien im Streubesitz und Weichai hielt 45,2 Prozent.

Eine große Übernahme leistete sich KION Mitte 2016 mit dem Kauf von Dematic, einem Anbieter für Automatisierung und Lieferketten-Optimierung. Damit verhob man sich allerdings. Dematic musste umstrukturiert und neu aufgestellt werden, ist seitdem aber eine tragende Säule der KION Group.

Heute beschäftigt die KION Group mehr als 36.000 Mitarbeiter und weltweit sind mehr als 1,5 Millionen Gabelstapler und Lagertechnikgeräte sowie über 6.000 installierte Systeme von KION bei Kunden in zahlreichen Industrien auf sechs Kontinenten im Einsatz.

KION setzt bewusst auf Markenvielfalt und spielt deren regionale Stärken gekonnt aus. Und mit der Dematic-Übernahme gelang KION einen Quantensprung. Denn Dematic ist der führende Anbieter von integrierten Automatisierungstechnologien, Software und Services zur Optimierung von Lieferketten. Zum Portfolio gehören fahrerlose Transportsysteme, Lagerungsausrüstung, automatisierte Lagersysteme, Sortieranlagen und Fördersysteme. Dank Dematic bietet der KION-Konzern heute das breiteste One-Stop-Portfolio am Markt an und ist damit Weltspitze bei intelligenten Intralogistik-Lösungen. Der Abstand zu Marktführer Toyota wurde signifikant verringert.

Und wie bei Jungheinrich stammen inzwischen beinahe die Hälfte der Umsätze aus dem Bereich Services, also Wartung- und Instandhaltung.

Mein Fazit

Beide Unternehmen agieren in der gleichen Branche und den gleichen Märkten; sie sind oftmals direkte Wettbewerber. Beide haben einen bestimmenden Großaktionär. Bei KION ist es der chinesische Großkonzern Weichai, wodurch es eine latente Übernahmefantasie gibt. Bei Jungheinrich ist es die Gründerfamilie, die die Stammaktien hält. Außerhalb Deutschlands sind stimmrechtslose Vorzugsaktien wenig bekannt und beliebt, so dass immer mehr börsennotierte Unternehmen dazu übergehen, die beiden Aktiengattungen zusammenzuführen. Hierin läge durchaus ein zusätzlicher Reiz für die Aktionäre der Vorzugsaktien, weil eine solche Maßnahme die Nachfrage nach Jungheinrich-Aktien steigern dürfte.

Sowohl KION als auch Jungheinrich haben eine erfolgreiche Wachstumsphase hinter sich, die 2017/18 jäh endete, als der sich verschärfende USA-China-Handelskrieg Weltkonjunktur und Stimmung einbrechen ließ. Den Tiefpunkt sahen beide Unternehmen dann während der Corona-Lockdowns, als ihre Aufträge einbrachen.

Und genauso haben sich beide Unternehmen auch wieder erholt. Die Auftragsbücher sind voll, die Nachfrage steigt und Umsatz und Gewinn schießen in die Höhe. Doch während KION nach starken Zahlen zum ersten Quartal seine Jahresprognosen – vorerst – nur bestätigte, zeigte sich Jungheinrich optimistischer und hob seine Planungen für das Geschäftsjahr 2021 an.

Auf einem anderen Feld konnte sich KION dafür durchsetzen: Ende Mai kürten die internationale Unternehmensberatung Bain & Company und das Manager Magazin die Vorreiter der deutschen Wirtschaft mit dem "Game Changer Award". Schwerpunkt war in diesem Jahr das Thema "Disruption und Innovation in Krisenzeiten" und in der Kategorie "Operations of the Future", in der das Umsetzen innovativer Produktions- und Backoffice-Lösungen prämiert wird, fiel die Wahl der Jury auf die KION Group.

Nach der Prognoseanhebung erscheint Jungheinrich aktuell etwas günstiger bewertet zu sein. Andererseits kann man davon ausgehen, dass KION nach Vorlage der Zahlen des zweiten Quartals seine Prognosen auf den Prüfstand stellt – und alles andere als eine Anhebung wäre schon eine Überraschung.

Insofern sind bei Unternehmen aus meiner Sicht gleich attraktiv und für ein Investment geeignet. Bei beiden hat der Aktienkurs in den letzten Wochen das vorherige Allzeithoch aus 2017 überwunden und holt nun Luft für den weiteren Anstieg.

Doch auch die Risiken sind bei beiden ähnlich. Denn beide Unternehmen sind zyklisch und hängen von der Konjunktur ab. Sollte die Inflationsrate länger deutlich über zwei Prozent verharren, das Zinsniveau weiter anziehen und die Notenbanken irgendwann selbst an der Zinsschraube drehen, wird sich die bremsende Wirtschaft auch auf das Geschäft von Jungheinrich und KION negativ auswirken. Die Wartungs- und Reparatursparte kann die Einbrüche im Neugeschäft dann nicht vollständig kompensieren.

Andererseits sind es genau diese Sorgen, die den Aktienkurs zuletzt nur mit angezogener Handbremse haben steigen lassen. Meistens klettern die Aktienkurse von Erfolgsunternehmen an der Wand der Sorgen ("Wall of Worries") schier unaufhörlich weiter nach oben. Es sind starke Ergebnisse zu erwarten und die Zukunftssorgen sollten nicht übertrieben werden. Gut möglich, dass die Aktienkurse schon bald wieder durchstarten und so der fundamentalen Entwicklung der Unternehmen folgen.

Disclaimer: Habe Jungheinrich, KION, KKR auf meiner Beobachtungsliste und/oder in meinem Depot/Wiki.

12 Kommentare:

  1. Es geht beim erfolgreichen Investieren mit Überrendite insbesondere um die Gedanken die nächsten 3 bis 6 Jahre hinaus.
    Mit Zahlen und Datengeschiebe kommt man da kaum weit hinaus. Intelligent Investieren also, nicht Excel-Spielereien 👌

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    1. Eine Traumkombination aus "Gedanken über das Heute hinaus" und "Excel-Zahlenschiebereien" ist Softbank Group. Spottbillig, da kann man den Dollar für weniger als 50 Cent kaufen.

      = €100 Mrd. Börsenkapitalisierung Softbank Group (Kurs €58,5)

      Fairer Wert
      + €125 Mrd. 26% an Alibaba
      + €65 Mrd. Verkauf von ARM (100%) an Nividia beim aktuellen Nividiakurs nicht mehr $40 Mrd.
      + €13 Mrd. 8,52% an T-Mobile US
      + €30 Mrd. eigener Anteil am SB Vision Funds 1
      + €30 Mrd. eigener Anteil am SB Vision Funds 2
      + €20 Mrd. 40% Anteil an Softbank Corp (Japan. Telekomanbieter)
      + €10 Mrd. 32,65% an Z Holdings (früher Yahoo Japan + Line Corp.)
      ------------
      = €293 Mrd.
      ============

      Hinzu kommen direkt gehaltene Anteile an diversen Unternehmen, wie Coupang, Didi, Grab, Uber, WeWork und seit einigen Monaten investiert Softbank Group verstärkt in Ventures und Startups, die bald an die Börse gehen. Fast jede Woche erfolgt ein IPO, an dem Softbank beteiligt ist und sein eingesetztes Kapital vervielfacht (bzw. meistens ist es das eines der beiden Vision Funds).

      Die Börse beißt sich lieber an den Fehlschlägen fest, wie WeWork oder Grensill Bank. Die ganzen Erfolge sind zuletzt wieder völlig aus dem Fokus verschwunden, so dass sich hier eine enorme Chance auftut. Man kann sagen, dass bei fast allen IPOs, bei denen Cathie Wood Aktien neu einsammelt, Softbank schon pre-IPO beteiligt war und (teilweise) Kasse macht. Die Frage ist, weshalb Cathie Wood und ihre ARK Invest so gehypt werden und Masayoshi Son und Softbank Group nicht.

      Ich kenne die Antwort nicht, aber ich erkenne, wo es ein echtes Schnäppchen zu holen gibt. Wann sich dies auszahlt, wie schon vor einiger Zeit mit starken Kursgewinnen, weiß ich nicht. Ich habe jedenfalls nach dem Kurseinbruch meinen Bestand an Softbank Group wieder deutlich ausgebaut.

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    2. Karlheinz Venter19.07.21, 17:14

      Guten Tag Herr Kissig,
      vorab herzlichen Glückwunsch zu Ihrem tollen Blog und zu den durchweg sehr interessanten Beiträgen! Ihr Blog ist für mich Pflichtlektüre, vor allem, weil ich mich nach langer Abstinenz – meine ETFs, gut diversifiziert über div. Assetklassen, haben sich ohne mein Zutun in den letzten Jahren „marktkonform“ entwickelt – wieder intensiver mit meinem Geld beschäftige und mich dabei nicht (mehr) mit Durchschnitt zufriedengebe werde. Eigentlich wollte ich nach der Lektüre einiger Bücher zum Thema „Investieren“ selbst einen Blog aufbauen, den braucht es aber nicht mehr, da es Ihren schon gibt. Und nicht nur Ihren, es gibt ja jede Menge interessante und fundierte Webseiten etc. zum Thema Value Investing. Value Investing mit der Suche nach Unternehmen u.a. mit dauerhaften Wettbewerbsvorteilen liegt ganz auf meiner Linie. Ich habe u.a. eine Strategiemethode (weiter-)entwickelt mit der man sich über ganzheitliche Spezialisierung dauerhaft differenziert und langfristige Wettbewerbsvorteile erlangt. Das dazugehörige Buch ist bei Vahlen erschienen.
      Aber jetzt zu meinem eigentlichen Anliegen bzw. meinen Fragen: Sie haben den fairen Wert der Softbank Aktien auf 293 Mrd. Euro abgeschätzt, indem Sie die Werte der Beteiligungen aufsummiert haben. Müsste man hiervon aber nicht, wie es Softbank auf seiner Homepage bei der Berechnung des Net Asset Value (Stand 1.4.21) pro Share macht, die Netto-Verschuldung abziehen? Rechnet man mit den Zahlen, die Softbank nennt, und multipliziert die Anzahl der Aktien mit dem NAV pro Share kommt man auf rund 200 Mrd. Euro. Der Wert der Beteiligungen zum Stand 1.4.2021 ist dabei mit 17.149 Yen/Share angegeben, was in Summe rund 225 Mrd. Euro ergibt. Wo kommt der Unterschied zu ihren 293 Mrd. Euro her? Ist er allein den unterschiedlichen Betrachtungszeitpunkten (1.4.21 zu 22.6.21) geschuldet?
      Steigt man bei den Zahlen zum Thema NAV auf der Softbank Homepage tiefer ein, entstehen neue Fragen. Das die asset-backed Verbindlichkeiten sowohl bei dem Wert der Beteiligungen als auch bei den Verbindlichkeiten abgezogen werden, ist logisch und nachvollziehbar. Aber warum wird der net debt nur auf die interest-bearing debts bezogen, nur einen Bruchteil der Verbindlichkeiten? Darüber hinaus kann ich die Bilanzierung der Beteiligungen nicht wirklich nachvollziehen, aber ganz tief bin ich hier auch noch nicht eingestiegen … Unabhängig davon müsste man nach meinem Verständnis doch einfach von der Bilanzsumme (Vermögen) die Verbindlichkeiten abziehen und ggf. vorhandene stille Reserven dazu addieren, um zum NAV zu kommen … wobei sich die Wertsteigerungen der Beteiligungen im Jahresüberschuss widerspiegeln müssten. Long story short, den NAV kann ich weder von der Logik her noch von den veröffentlichen Zahlen nachvollziehen. Wo liegt mein Fehler? Grundsätzlich finde ich Softbank eine sehr spannende Aktie, in die ich ggf. investieren würde, aber nur, wenn neben dem Geschäftsmodell auch die Zahlen wirklich verstehe. Dazu kommt, dass es Aussagen gibt, dass Holdinggesellschaften in der Regel immer unter ihren Buchwerten gehandelt, weil für Investoren Holdings oft zu undurchsichtig sind. Haben Sie eine Einschätzung, wie hoch dieser Abschlag durchschnittlich ist?
      Falls mir die Leser meines Kommentars den ein oder anderen Hinweise geben könnten, wo ggf. mein Denkfehler liegt, wäre ich sehr dankbar!
      Vielen Dank und mit besten Grüße, Karlheinz Venter

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    3. Vielen Dank für das freundliche Lob! =)

      Ich habe weiter oben keine Abschließende SOTP-Berechnung zur Softbank Group durchgeführt, sondern nur eine Handvoll Assets addiert. Es ist natürlich so, dass man alle Assets addieren und dann die Schulden abziehen musss, um den NAV genau zu bestimmen. Softbank Group übernimmt das in seinen Quartalsberichten jeweils sehr anschaulich und nachvollziehbar. Zuletzt per 31.3. aber da dürften ja bald eine Aktualisierung anstehen.

      Bzgl. der Schulden muss man immer etwas aufpassen, um diese nicht doppelt anzusetzen. Beispielsweise bei der Tochter Softbank KK, also der japanischen Telekomgesellschaft, an der die Softbank Group 40% hält. Deren Schulden tauchen bei der Softbank KK in der Bilanz auf und auch bei der Softbank Group. Wenn man also die Schulden bei der SOTP-Berechnung richtigerweise vom Wert der Softbank KK abzieht, dann muss man sie bei der Mutter Softbank Group eliminieren. Softbank Group gibt dazu immer ausführliche Erläuterungen (also zu den Schuldenberechnungen).

      Ich bin gespannt auf die Zahlen per 30.6. mit den dann aktuellen Bewertungen. Auch weil ja diverse IPOs stattgefunden haben und Softbank da eine Tabelle mit den Gains fortschreibt. Also nicht erst seit IPO sondern in Bezug auf das eingesetzte Kapital.

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  2. Ich habe 2008 Jungheinrich gekauft und halte sie auch weiterhin. Eigentlich passen sie als Zykliker nicht in mein Beuteschema, aber man muss auch mal fünf gerade sein lassen. Das hat sich in diesem Fall gelohnt. Meine Überlegung beim Kauf orientierte sich damals an der Regel: Suche nicht nach Gold, investiere in den Schaufelverkäufer. Das hat leider nicht immer funktioniert, aber Jungheinrich ist ein Treffer. Ein anderes Beispiel aus meinen damaligen Käufen ist DGR, die machen gerade auch Spaß.

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  3. Hallo Michael,

    sollte nicht das Net Debt von Softbank hier abgezogen werden vom fairen Wert um das Resultat mit der Market Cap zu vergleichen? Meines Wissens hat Softbank fast 100 Mrd. € Schulden...

    VG
    Bernd

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    1. Moin Bernd,
      die Schulden müssen selbstverständlich gegengerechnet werden. Ich hab die genaue Höhe (per Ende März) jetzt nicht auf dem Schirm, aber ein Großteil davon ist aus der Softbank Bilanz verschwunden, da sie 1. Sprint nicht mehr konsolidieren (jetzt Teil von T-Mobile US) und 2. Yahoo Japan ebenso wenig (jetzt Teil der Z Holdings).

      Ich meine, es sind deutlich weniger als €100 Mrd. Schulden, aber selbst wenn man diesen Wert als korrekt annimmt, bleibt unterm Strich ein Aktienkurs, der nur 50% des NAV abdeckt (meine Ursprungsaussage).

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  4. €75 Mrd. Schulden sind es noch immer. Schon keine Kleinigkeit, auch mit Blick auf die getroffene Aussage.

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    1. Marc Ellerich24.06.21, 11:19

      Hallo zusammen, gestern war ja HV bei Softbank. Masayoshi Son sieht den Abschlag auf den NAV ebenfalls bei 50 Prozent. Ich halte Softbank für eines der spannendsten und spektakulärsten Unternehmen unserer Zeit und bin und bleibe sehr gerne beteiligt. Die derzeitige (kurzfristige) Kursentwicklung ist mir zwar grundsätzlich nicht sonderlich wichtig, dennoch rätsle ich über den Verfall seit den spektakulären Zahlen im Mai. Woran könnte das liegen? Sind es die Inflationsängste in Verbindung mit den hohen Schulden von Softbank? Sektoren-Rotation hin zu Value? Shorts? Sind es die Äußerungen von Son (bzw. die Spekulationen) das Unternehmen zu privatisieren?
      Wie siehst du das Michael? Deine Meinung und natürlich auch die anderer Blogleser/innen würde mich wirklich interessieren.
      Einen schönen Tag euch allen! Marc

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    2. Moin Marc,
      über den Kursverlauf und -verfall bei der Softbank Group kann man nur spekulieren. Ein paar Aspekte hast Du genannt.

      Das mögliche "Going Private" halte ich für ein Hirngespinst der Medien. Diese Spekulationen kamen auf, als das große Aktienrückkaufprogramm gestartet wurde, weil sich sich auf diese Art natürlich auch Sons Anteil erhöhen würde und (nicht nur) er immer wieder betonte, wie unterbewertet die Aktie doch sei und dass der Markt das Geschäftsmodell nicht richtig verstehe.

      Der Kurseinbruch basiert meiner Meinung nach auf mehreren Faktoren.

      1. Es gibt momentan keine Aktienrückkäufe mehr. Die hatten den Kurs gestützt, aber auch hochgetrieben. Viele Anleger sitzen auf fetten und schnellen Kursgewinnen und mach(t)en Kasse.

      2. Alibaba steht unter Druck und schwächelt, was den Kurs angeht. Da Softbank 26% an Alibaba hält, drückt das auch auf die Stimmung und den Wertansatz bei/von der Softbank Group.

      3. Die Korrektur in China, aber auch in Japan, drückt ebenfalls auf die Softbank Group als Schwergewicht.

      4. Die Korrektur bei Wachstumswerten belastet auch Softbank Group, da man ja in vielen Startups und Ventures investiert ist und deren Chance auf weitere und höherdotierte Finanzierungsrunden sinkt, wenn die Wachstumsaktien schwächeln, während dann auch die IPO-Fantasie abnimmt.

      5. Steigende Inflation und Zinssorgen verstärken den Druck auf Wachstumsunternehmen und damit auf Softbank zusätzlich.

      6. Softbank erlaubt sich auch Fehlinvestments. WeWork ist da ein sehr großer und teurer und bei der Grensill Bank war man auch Finanzier. Das wirft natürlich immer wieder Fragen auf, ob Son bzw. Softbank denn weiß, was er da tut/.

      7. Der Verkauf von ARM an Nvidia stockt weiterhin, weil Genehmigungen ausstehen. Der Deal würde Softbank 40 bis 67 Mrd. Dollar in die Kasse spülen bzw. entsprechend (einen großen Teil) in Nvidia-Aktien.

      Ich denke... es ist eine Mischung aus all diesen Faktoren. Wobei die meisten aus meiner Sicht Fehleinschätzungen sind

      - Anstelle von Aktienrückkäufen investiert Softbank gerade wieder stark, vor allem im KI-getriebene Ventures. Dazu hat Son den SB Vision Funds 2 auf 30 Mrd. Dollar aufgestockt (alleine aus eigenen Mittel von Softbank).

      - Bei vielen aktuellen oder avisierten Tech-IPOs ist Softbank als Finanzier beteiligt und erzielt beim IPO fette Gewinne.

      Auf der HV sagte Son, er sei auch für Aktienrückkäufe offen. Softbank würde das Geld dort investieren, wo es für die Aktionäre am meisten Wert schaffe. Aber er erklärte auch, Softbank sei kein Venture Capitalist, sondern ein Vision Capitalist. Rendite sei nicht der einzige Antrieb, sondern Fortschrittstreben zur Verbesserung der Lebensqualität der Menschen. Und KI sei hierzu die Schlüsseltechnologie, deshalb stattet Softbank so viele Startups aus diesem Bereich mit Geld aus.

      Die deutliche Unterbewertung zusammen mit den vielen aussichtsreichen Investitionen bei gleichzeitig attraktiven Return aus früheren Invests und den damit einhergehenden hohen und steigenden Provisionen aus dem Fonds Management machen die Aktie für mich zu einer klaren Kaufgelegenheit. Sobald bzw. spätestens wenn Alibaba kurstechnisch die Kurve kriegt, gehen auch die Softbank-Aktien wieder in den Steigflug über.

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    3. Marc Ellerich24.06.21, 16:32

      Hallo Michael, vielen Dank für die sehr fundierte und interessante Antwort. Hat mich dann doch noch um ein paar Aspekte/Gründe bereichert. Ich bin mal gespannt, ob und wann der Markt die Unterbewertung abbaut. Hab jedenfalls meine ohnehin nicht kleine Position in die Schwäche hinein immer wieder mal aufgestockt. Habe bei Softbank einen sehr langen Atem aus genannten Gründen.
      Ich wünsch Dir was! Marc

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