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Artikel aus "Der Nebenwerte Investor" Ausgabe 08/2026 vom 09.04.2026
Aktien in dieser Ausgabe: FRoSTA, Hermle, WashTec
Bei FRoSTA taut nicht nur der Aktienkurs auf
Tiefkühlspezialist FRoSTA gehörte 2025 zu den Börsenüberfliegern mit einem Kursplus von rund 50%. Und auch in 2026 setzt sich der Aufwärtstrend bisher fort mit einem weiteren Zuwachs von knapp 10%. Doch der Kostendruck nimmt zu – da schmeckt die Botschaft, dass die im Vorjahr um satte 20% angehobene Dividende auch von der Hauptversammlung am 9. April beschlossen wurde. Doch FRoSTA hat noch mehr zu bieten.
Das Unternehmen wurde bereits im Jahr 1905 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Bremerhaven. FRoSTA ist auf die Produktion von Tiefkühlkost spezialisiert und hat sich im Laufe der Jahre zu einem der führenden Anbieter in Europa entwickelt.
Das Sortiment umfasst eine breite Palette an Produkten, darunter Fertiggerichte, Gemüse, Obst, Kräuter und Fisch. Ein wesentliches Alleinstellungsmerkmal ist das sogenannte Reinheitsgebot, das den Verzicht auf Zusatzstoffe garantiert. Seit 2020 bietet FRoSTA zudem pflanzliche Alternativen zu Fisch an und reagiert damit auf veränderte Konsumgewohnheiten.
Mit rund 1.750 Beschäftigten in sieben Ländern zählt das Unternehmen zu den bedeutenden Akteuren der Branche und ist in Deutschland Marktführer im Bereich Tiefkühlgerichte.
Geschäftsstruktur und internationale Präsenz
Die Aktivitäten von FRoSTA gliedern sich in zwei zentrale Geschäftsbereiche: das Segment FRoSTA und das Segment COPACK. Ersteres umfasst das Markengeschäft, den Außer-Haus-Verkauf, die Hauszustellung sowie das Industriegeschäft in Europa. Zum Markengeschäft zählen neben der Kernmarke FRoSTA auch die Marken TIKO (Fisch und Mahlzeiten) sowie ELBTAL (Gemüse).
Das Segment COPACK konzentriert sich auf das Handelsmarkengeschäft. Neben eigenen Handelsmarken entwickelt und produziert FRoSTA auch Produkte für den Lebensmitteleinzelhandel und Großhandel in Deutschland und Westeuropa.
Produktionsstandorte befinden sich in Bremerhaven, Lommatzsch, Bobenheim-Roxheim sowie im polnischen Bydgoszcz. Ergänzt wird dies durch Vertriebsniederlassungen in Wien, Prag, Budapest, Bukarest und Rom. Mit einer Exportquote von 38 % im Jahr 2024 bleibt Deutschland dennoch der zentrale Markt.
Marktumfeld und Herausforderungen
Der Lebensmittelmarkt ist stark umkämpft, insbesondere im Bereich der Lieferdienste. Der hohe Wettbewerbsdruck wirkt sich tendenziell negativ auf die Margen aus. Gleichzeitig haben steigende Lebensmittelpreise in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass viele Verbraucher vermehrt zu günstigeren Alternativen greifen.
Auch FRoSTA bleibt von diesen Entwicklungen nicht unberührt. Dem entsprechend standen die Geschäftszahlen für 2025 unter besonderer Beobachtung, da sie Aufschluss über die Widerstandsfähigkeit des Geschäftsmodells geben.
Die frohe Botschaft ist, dass FRoSTA das zweitbeste Ergebnis der Unternehmensgeschichte abliefern konnte und den Umsatz 2025 um knapp 7% auf 682 Mio. Euro steigern konnte. Weniger froh stimmt hingegen das Absacken des Gewinns von 42 auf 37 Mio. Euro, was auch ziemlich um unteren Ende der Prognosespanne von 33 Bis 56 Mio. Euro lag.
Als Gründe nannte der Vorstand neben den Kosten für Zutaten unter anderem Material- und Personalkosten, die auch auf die Initiativen zum Ausbau der Produktions- und Logistikkapazitäten zurückzuführend sind, wozu zusätzliche Produktionsschichten sowie die Wochenendproduktion gehören.
Für 2026 erwartet der Vorstand ein Umsatzwachstum von 4% bis 9% und einen Konzernjahresüberschuss zwischen 4% und 8%. Dabei soll sich die Netto-Umsatzrendite in einer Spanne von 4% bis 8% (2025: 5,4%) bewegen. So lauteten jedenfalls die Planspiele von Mitte Februar. Doch der Nahost-Krieg mit seinen erheblichen Störungen der weltweiten Lieferketten und den immer weiter zunehmenden Energieengpässen, streut gehörig Sand ins Getriebe. Im Jahresverlauf sind daher steigende Kosten zu erwarten, die deutlich über das bisher erwartete Maß hinausgehen dürften.
Vorstand Felix Ahlers hat hierzu explizit erklärt: "Wir hätten viele Möglichkeiten, Kosten zu senken, aber das ginge zu Lasten des Geschmacks. Wir machen das Gegenteil und sparen nicht an der Zutat." Das ist eine gute Nachricht für die Kunden und damit langfristig auch für die Aktionäre, da FRoSTA unbedingt an seinen hohen Qualitätsstandrads festhalten will. Kurz- und mittelfristig baut sich so allerdings zusätzlicher Margendruck auf, weil die höheren Kosten nur bedingt in Form höherer Preise an die Kunden weitergegeben werden können.
Wie sich eine solche Entwicklung auf die Geschäftszahlen und dann auf den Aktienkurs auswirken kann, hat das Jahr 2022 gezeigt, als der Kurs im Jahresverlauf knapp 40% einbüßte.
Auf der Dividendenebene lieferte FRoSTA positive Nachrichten. Für das Geschäftsjahr 2025 ist eine unverändert hohe Ausschüttung von 2,40 Euro je Aktie vorgesehen, was auf eine Dividendenrendite von rund 2,4% hinausläuft. Das ist durchaus attraktiv, kann aber solche Kurseinbußen wie im Jahr 2022 nicht ausgleichen.
Bullcase vs. Bearcase
Das wirtschaftliche Umfeld bleibt von Unsicherheiten geprägt. Geopolitische Spannungen, insbesondere im Zusammenhang mit dem Nahost-Krieg, sowie die anhaltenden handelspolitischen Risiken seitens der Zollpolitik der USA, beeinflussen die Märkte.
Die allgemeine Konsumstimmung ist ein wesentlicher Einflussfaktor für FRoSTA und die trübt sich gerade wieder ein. Perspektivisch vertagen sich steigende Kosten und geringe Preissetzungsmacht nicht besonders gut und dürften auch FRoSTAs Geschäfte unter Druck setzen.
Mein Fazit
FRoSTA präsentiert sich insgesamt in robuster Verfassung. Das Unternehmen hat sich als einer der führenden Anbieter von Tiefkühlprodukten in Europa etabliert und setzt konsequent auf Qualität, Nachhaltigkeit und Innovation.
Die Hoffnung, nach dem Konsolidierungsjahr 2024 ab 2025 wieder auf einen nachhaltigen Wachstumspfad zurückzukehren mit verbesserten Margen und überproportionalen Ergebnissteigerungen hat sich bisher nicht wirklich konkretisiert. Und die Aussichten trüben sich aktuell wieder deutlich ein.
Nach der Kursrallye im letzten Jahr scheint das weitere Aufwärtspotenzial limitiert. Interessierte Anleger sollten sich den Wert auf Beobachtung legen und nach dem zu erwartenden Kursrücksetzer beherzt zugreifen. Auf lange Sicht bleibt FRoSTA ein gut positionierter und attraktiver Spezialwert.
Die 4 wichtigsten Dinge, die man über Frosta wissen muss
- FRoSTA ist Europas Marktführer bei nahrhafter Tiefkühlkost, ist aber vor allem im Heimatmarkt Deutschland stark positioniert.
- 2025 konnte der Umsatz gesteigert werden, aber der Gewinn ging leicht zurück, was insbesondere auf Wachstumsinvestitionen und Produktionsausweitungen zurückging.
- Die im Vorjahr um 20 % auf 2,40 Euro je Aktie erhöhte Dividende soll auch in diesem Jahr wieder ausgeschüttet werden und bietet eine attraktive Dividendenrendite.
- 2026 dürfte angesichts erheblicher Preissteigerungen herausfordernd werden und der Kostendruck dem Management einiges abverlangen – und damit auch den Aktionären.

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