
Bill Ackman ist ein aktivistischer Investor, der sich (immer noch) gerne in börsennotierte Unternehmen einkauft, um dann deren Management öffentlichkeitswirksam zu Änderungen zu drängen, damit die unterbewerteten Qualitäten des Unternehmens gehoben werden können.
Vor einigen Jahren erweiterte Bill Ackman seinen Investorenwerkzeugkasten um neue Strategien und kauft sich inzwischen überwiegend in großartige Unternehmen ein, die über solide Cashflows und einen enormen ökonomischen Burggraben verfügen. Dabei ist sein Portfolio extrem fokussiert auf nur die aussichtsreichsten Qualitätsunternehmen, auf die er dann große Summen setzt. Und wenn er sich irrt, schmeißt er diese Aktien schnell und konsequent wieder aus dem Depot seines Hedgefonds Pershing Square.
Und auch wenn Ackmann nicht immer richtig liegt mit seinen Investments, fährt er doch insgesamt überzeugende Renditen ein. Daher lohnt ein Blick auf seine Positionsveränderungen und seine dahintersteckenden Motive allemal...
Mit einigen der "Magnificent 7" hat Ackman in den letzten Jahren schon so seine Erfahrungen gemacht. So kaufte er sich groß bei Netflix ein, nur um die Aktie dann nach einem Kursabsturz überstürzt zu verkaufen - der nächste Anstieg und baldige neue Allzeithochs folgten bald. Zudem steig er im Frühjahr 2024 beim krisengeplagten Sportartikelhersteller Nike ein und tauschte kurze Zeit später sein Aktienpaket sogar in Call-Optionen, doch anhand des weiteren Absturzes der ikonischen Labels zog er kurze Zeit später die Reißleine und realisierte lieber seine Verluste.
Viel besser liefe es für ihn mit der Google-Mutter Alphabet, die er im Frühjahr 2023 zu Schnäppchenpreisen einsammelte und die sich seitdem mehr als verdreifacht habe, sowie bei Amazon, die er im Frühjahr 2025 nach einem 30-prozentigen Kursrutsch kaufte, den der Kurs inzwischen wieder aufgeholt hat. Zudem er sich Ende 2025 für knapp 2 Milliarden Dollar bei der Facebook-Mutter Meta Platforms eingekauft, aber das Teil hat seitdem noch nicht viel gerissen.
Und nun hat Ackman seine neue große Liebe für Microsoft entdeckt, wie seine Meldung an die US-Börsenaufsicht SEC offenlegt. Darin bezeichnet er den Technologieriesen bei der aktuellen Bewertungen als "äußerst attraktiv" und erklärte dazu auf der Social Media Plattform X, er glaube "dass der jüngste Kursrückgang der Microsoft-Aktie hauptsächlich auf die Bedenken der Anleger hinsichtlich zweier zentraler Themen zurückzuführen ist: erstens die Wettbewerbsposition von M365 gegenüber immer leistungsfähigeren AI-Lab-Angeboten (insbesondere Anthropics Claude Cowork) und zweitens die Nachhaltigkeit des Wachstums von Azure, insbesondere angesichts der sich entwickelnden Beziehung von Microsoft zu OpenAI".
Seiner "Ansicht nach unterschätzen Investoren die Widerstandsfähigkeit des M365-Franchise angesichts seiner tief in Unternehmen verankerten Rolle und seines äußerst attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnisses", erklärte Ackman weiter. Im Gegensatz zu sitzbasierten Software-Lösungen, die "anfällig für Disintermediation durch leistungsstärkere KI-Alternativen sein könnten", sei M365 eng in den täglichen Arbeitsablauf fast jedes großen Unternehmens integriert und werde durch Microsofts Infrastruktur für Identität, Sicherheit, Compliance und Daten-Governance unterstützt, die kaum zu replizieren sei, fügte er hinzu.
Im Hinblick auf Microsofts auf rund 190 Milliarden Dollar erhöhtes Investitionsbudget für 2026 erklärte Ackman, diese Ausgaben sollten als wachstumsorientierte Investitionen betrachtet werden, die mit der künftigen Umsatzgenerierung verbunden seien – ähnlich wie die Investitionstrends bei den Hyperscaler-Konkurrenten Amazon und Alphabet, da die Nachfrage nach KI und Cloud-Infrastruktur weiter zunehme.
Und dann brachte er Ackman es auf den Punkt: "Wie bei unseren Käufen von Alphabet, Amazon und Meta sind wir der Ansicht, dass Microsoft bei der aktuellen Bewertung einen vergleichbaren und überzeugenden langfristigen Wert bietet".
Meine Einschätzung
Einzeln betrachtet liegt Ackman mit seinen Wetten auf die Magnificent 7-Werte wohl richtig. In Summe gleich sein Engagement aber zunehmend einem Ritt auf der KI-Euphoriewelle und hat wenig(er) mit erfolgreichem Stockpicking zu tun als mit einer breit angelegten Marktwette. Damit muss er nicht falsch liegen, aber ein bisschen enttäuschend ist das schon für einen Investor mit dem Ruf, ein ausgewiesenes Trüffelschwein zu sein und auch mal gerne als "Contrarian" groß aufzutrumpfen.
Apropos auftrumpfen... seinen Hedgefonds Pershing Square hat er nun auch für Privatanleger geöffnet und an die Börse gebracht. Am 29. April 2026 gelang das IPO von Pershing Square USA Ltd. [PSUS], der bei bei einem Ausgabepreis von 50 Dollar 5 Milliarden Dollar einnahm. Gleichzeitig brachte er Pershing Square Inc. [PS] an die Börse und damit das Asset Management Business seines Hedgefonds.
PSUS eröffnete mit einem Abschlag auf den Ausgabekurs von rund 15% und notiert aktuell mit rund 42 Dollar noch immer auf diesem Niveau. Für PS läuft es besser: Anleger erhielten je 100 erworbenen PSUS-Aktien kostenlos 20 Aktien von Pershing Square Inc. Die erste Börsennotiz der PS-Aktie lag bei 22,50 Dollar, aktuell werden bereits 42,50 Dollar aufgerufen. Ackmans Asset Management ist also gefragter als seine Qualitäten als Investor - so sieht zumindest die Momentaufnahme nach den ersten Tagen aus.
Ende 2025 wies Ackmans stark fokussiertes Depot überwiegend bekannte Werte als größte Positionen aus:
- Brookfield Corp. (18,2%)
- Uber (15,9%)
- Amazon (14,3%)
- Alphabet A+C (13,9%)
- Meta Platforms (11,4%)
Und nun kommt noch Microsoft mit rund 12% neu hinzu. Das alleine ist schon eine interessante Neuigkeit, aber ebenso interessant wird sein, welche Position Ackman dafür gegebenenfalls geopfert hat. Aber das sehen wir uns dann beim nächsten Mal an. Genau(er)...
Disclaimer: Habe Alphabet, Amazon, Brookfield, Meta, Microsoft, Netflix, Uber auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.
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