Montag, 26. März 2018

Warren Buffett rät: Ignoriere kurzfristige Unternehmensergebnisse, investiere langfristig!

Es ist Berichtssaison und die Wall Street wird heftig durchgeschüttelt, weil etliche Unternehmen mit ihren Quartalsergebnissen die Erwartungen des Marktes und/oder der Analysten nicht ganz erreichen bzw. teilweise auch recht deutlich verfehlen. Das muss ein schlechtes Zeichen sein, sollte man meinen, und doch sollten gerade langfristig orientierte Value-Anleger sich der Worte Warren Buffetts erinnern und genauer hinsehen.

»Solange unsere Investments in jedem Jahr 15 Prozent zulegen, mache ich mir um Quartalszahlen keine Sorgen.«
(Warren Buffett)

Damit meint das "Orakel von Omaha", dass Quartale zu kurze Zeitspannen sind, um die Entwicklung eines Unternehmens exakt zu planen und zu bewerten. Liegen ein paar Feiertage mehr auf Wochentagen in dem Quartal oder verschiebt sich ein größerer Zahlungseingang um wenige Tage, kann dies das Quartalsergebnis beeinflussen, ohne dass es für das Jahresergebnis wirklich Relevanz hätte. Deshalb liest Warren Buffett keine Quartalsberichte, er schwört auf den jährlichen Geschäftsbericht und den darin mit enthaltenen Lagebericht des Vorstands. Und er geht sogar noch weiter, indem er Anlegern rät, nicht nur auf ein Jahr zu schauen, sondern sich mindestens vier, fünf Jahre vorzunehmen, um ein Gespür für das Unternehmen und seine Geschäfte zu bekommen.

»Nimm eine Jahresbilanz nicht zu ernst. Schau lieber, was über einen Zeitraum von vier bis fünf Jahren geschieht.«
(Warren Buffett)

Kurseinbrüche nach (schlechten) Quartalsergebnissen sind Kaufgelegenheiten
Die Konsequenz aus diesem Denkansatz ist, dass Kurseinbrüche nach (schlechten) Quartalsergebnissen oftmals Kaufgelegenheiten generieren. Denn hat man sich ein Unternehmen ausgesucht, von dessen langfristiger Perspektive man überzeugt ist, dass nachhaltig seine Umsätze und Gewinne steigert und vielleicht noch regelmäßig die Dividende anhebt, dann sollte man genau(er) hinsehen: Ist das schlechte Quartalsergebnis durch ein strukturelles Problem entstanden, sind also große Kunden abgesprungen, die Produkte mangelhaft oder das Management unglaubwürdig geworden, dann kann ein schlechtes Quartalsergebnis der Auftakt zu einer anhaltenden Schwächephase des Unternehmens und des Aktienkurses sein. Dann sollte man sein Investment überdenken. Wenn aber sich die Kunden "nur" zurückhalten, weil demnächst die Einführung neuer Produkte ansteht, oder weil sich gesetzliche Regelungen sich zu einem bestimmten Zeitpunkt ändern, dann stellt sich ein Kursrutsch nicht selten als Übertreibung und folglich als Kaufgelegenheit für beherzte Investoren dar.

»Große Anlagemöglichkeiten kommen immer dann, wenn hervorragende Unternehmen vorübergehend in schwieriges Fahrwasser geraten und deshalb unterbewertet werden.«
(Waren Buffett)

Folglich sollte man nicht in jeden Kursrutsch hinein gefallene Aktien kaufen, denn nur weil die Aktien optisch billiger sind als vorher und einen größeren Abstand zu ihren vorherigen Höchstkursen aufweisen, macht sie das nicht zu guten Investments. Funktioniert aber ihr Geschäftsmodell und scheinen die Ursachen für die schlechten Quartalsergebnisse vorübergehender Natur zu sein, dann sollte man beherzt zugreifen und sich die Gelegenheit nicht entgehen zu lassen. Bei der Einschätzung hilft der Vergleich des Quartalsergebnisses mit dem Plan für das Gesamtjahr oder gar für mehrere Jahre. Ist dieser Pfad weiterhin intakt, ist ein verhageltes Quartalsergebnis kein Beinbruch, sondern eine Kaufgelegenheit.

»Spiele werden von denen gewonnen, die auf das Spielfeld achten und nicht auf die Anzeigetafel.«
(Waren Buffett)

Spekuliere nicht, investiere!

Kommentare:

  1. Michael, ich weiß nicht, ob das hier schon besprochen wurde, aber mir taucht die Frage auf, was eine "gute Rendite" ist. Warren Buffet wird hier zitiert mit "»Solange unsere Investments in jedem Jahr 15 Prozent zulegen, mache ich mir um Quartalszahlen keine Sorgen.«". Ich lese hier heraus, dass Buffet eine Rendite in Höhe von 15 Prozent gut heißt..

    Was ist für dich eine gute Rendite? Für mich sind 15 Prozent zwar gut, aber nicht zufriedenstellend. 30 Prozent - da bin ich zufrieden :) Mal schauen ob ich das auch dieses Jahr schaffen werde mit meinem Ziel..

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    1. Wenn man in einem steigenden Markt ein paar Jahre lang Renditen von 30% einfährt, ist das sehr erfreulich. Es ist aber nur ein Sprint ohne nennenswerte Einbrüche. Auf lange Sicht ist eine solch hohe Performance kaum dauerhaft möglich.

      Buffett erzielte über 50 Jahre eine durchschnittliche Rendite von knapp 20%. Das ist herausragend! Denn in diesen 50 Jahren sind u.a. Börsencrashs enthalten wie 1987, 2000 und 2008/2009, die haben den Durchschnitt natürlich massiv nach unten gedrückt.

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  2. Buffett hat von 1965 bis heute im Schnitt knapp 20% pro Jahr gemacht. Das ist kein gutes Ergebnis, sondern ein sensationelles Ergebnis! Theoretisch kann selbst ein Affe, den man mit Dartpfeilen auf einen Kurszetten werfen lässt, in einem Jahr 30% machen - wird dieses Ergebnis aber nicht oder nur zufällig wiederholen können. Die Renditen von Value-Anlegern, die i.a.R. einen langfristigen Ansatz verfolgen, sollten auf längere Sicht beurteilt werden. Wenn jemand in 10 Jahren auf durchschnittlich 20% p.a. kommt, nötigt mir das entschieden mehr Respekt ab als wenn jemand in einem Jahr auf 30% kommt. Hier kommt das Gesetz der großen Zahlen zum tragen.

    Ein Beispiel: Gewinnt Mannschaft A beim Fußball 1 Spiel gegen Mannschaft B, sagt das sehr wenig über die Qualität der beiden Mannschaften aus. Gewinnt Mannschaft A 8 von 10 Spielen, lässt sich denke ich durchaus sagen, dass Mannschaft A über mehr Qualität verfügt als Mannschaft B. So ist es an der Börse in Sachen Rendite auch...

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  3. Guten Abend Michael,

    laut dieses Post´s möchte ich Dich gern fragen- weshalb Du Deine Facebook-Aktien verkauft hast?
    Genau das Gegenteil wäre doch eigentlich nötig gewesen.-> Aktien behalten und nach dem kleinen "Crash" nachkaufen, da sie immernoch eine der aussichtsreichsten und erfolgsversprechendsten Aktien ist.
    Wie siehst Du die Situtuation?
    Vielen Dank im Voraus für Dein Statement.

    Mit freundlichen Grüßen
    Richard

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    1. Moin Richard,
      wäre ich Deiner Meinung, dass Facebook "immer noch eine der aussichtsreichsten und erfolgversprechendsten Aktien ist", dann wäre nachkaufen genau richtig. Bin ich aber nicht und ich habe Facebook auch nicht wegen eines Quartalsergebnisses von der Empfehlungsliste gestrichen, sondern weil ich von einem grundlegenden Problem für FBs Zukunft ausgehe was deren Business angeht.

      Facebook warnt seit mehreren Quartalen, dass man kaum weitere Möglichkeiten habe, mehr Werbung im Nachrichtenfeed unterzubringen. Daher kann Wachstum bei FB nur noch über höhere Werbepreise kommen. Hinzu kommen Istagram und WhatsApp mit eigenen Wachstumsmöglichkeiten, doch die kanibalisieren auch Facebook selbst. Die Cashcow ist Facebook selbst und das Thema Datenschutz trifft FB schon stark. Die Kosten explodieren für die vielen tausend Stellen, die hier neu geschaffen werden, um Fake News zu bekämpfen und Hassnachrichten auszufiltern. Und der Neewsfeed wurde verändert, was ebenfalls die Margen drücken dürfte. Da immer mehr Promis und Unternehmen Facebook lautstark den Rücken kehren, kann dies zu einem stärkeren Aderlass führen, vielleicht sogar zu einer Abwärtsspirale wie seinerzeit bei MySpace. In Summe haben sich die Aussichten für FB also erheblich eingetrübt und daher würde ich andere Tech-Aktien präferieren - finden sich ja die besten auf meiner Empfehlungsliste.

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    2. Erst kommen die Schmerzen, dann das Geld. Das muss man sich in solchen Zeiten immer wieder bewusst machen, um nicht Panikverkäufe zu tätigen.

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  4. Es könnte aber auch ganz anders sein als wir denken. Konträre aber sicher interessante Ansicht von Mr. Dax:

    https://www.youtube.com/watch?v=CHXqiiCZSbM

    Was wirklich ist sehen wir leider wie immer erst hinterher. Sollte er Recht haben muss man vor den betreffenden Konzernen (rein wirtschaftlich) den Hut ziehen!

    Gruß
    Valueer

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    1. Ha ha, ein typischer Dirk Müller :) Im Ansatz richtig, aber hinten raus etwas über's Ziel hinausgeschossen. Für richtig erachte ich, dass Facebook unter dem wenig überraschenden Skandal nicht besonders leiden wird. Ein Strafe könnte kommen, die aber eher moderat ausfallen wird da US-heimisches Unternehmen. Und die Öffentlichkeit wird das Ganze so schnell vergessen wie den letzten Olympiazweiten.

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