Donnerstag, 27. Juli 2017

Ignoriere Quartalsergebnisse. Konzentriere Dich auf das Unternehmen und sein Business!

Es ist Berichtssaison und die Wall Street wird heftig durchgeschüttelt, weil etliche Unternehmen mit ihren Quartalsergebnissen die Erwartungen des Marktes und/oder der Analysten nicht ganz erreichen bzw. teilweise auch recht deutlich verfehlen. Das muss ein schlechtes Zeichen sein, sollte man meinen, und doch sollten gerade langfristig orientierte Value-Anleger sich der Worte Warren Buffetts erinnern und genauer hinsehen.

»Solange unsere Investments in jedem Jahr 15 Prozent zulegen, mache ich mir um Quartalszahlen keine Sorgen.«
(Warren Buffett)

Damit meint das "Orakel von Omaha", dass Quartale zu kurze Zeitspannen sind, um die Entwicklung eines Unternehmens exakt zu planen und zu bewerten. Liegen ein paar Feiertage mehr auf Wochentagen in dem Quartal oder verschiebt sich ein größerer Zahlungseingang um wenige Tage, kann dies das Quartalsergebnis beeinflussen, ohne dass es für das Jahresergebnis wirklich Relevanz hätte. Deshalb liest Warren Buffett keine Quartalsberichte, er schwört auf den jährlichen Geschäftsbericht und den darin mit enthaltenen Lagebericht des Vorstands. Und er geht sogar noch weiter, indem er Anlegern rät, nicht nur auf ein Jahr zu schauen, sondern sich mindestens vier, fünf Jahre vorzunehmen, um ein Gespür für das Unternehmen und seine Geschäfte zu bekommen.

»Nimm eine Jahresbilanz nicht zu ernst. Schau lieber, was über einen Zeitraum von vier bis fünf Jahren geschieht.«
(Warren Buffett)

Kurseinbrüche nach (schlechten) Quartalsergebnissen sind Kaufgelegenheiten
Die Konsequenz aus diesem Denkansatz ist, dass Kurseinbrüche nach (schlechten) Quartalsergebnissen oftmals Kaufgelegenheiten generieren. Denn hat man sich ein Unternehmen ausgesucht, von dessen langfristiger Perspektive man überzeugt ist, dass nachhaltig seine Umsätze und Gewinne steigert und vielleicht noch regelmäßig die Dividende anhebt, dann sollte man genau(er) hinsehen: Ist das schlechte Quartalsergebnis durch ein strukturelles Problem entstanden, sind also große Kunden abgesprungen, die Produkte mangelhaft oder das Management unglaubwürdig geworden, dann kann ein schlechtes Quartalsergebnis der Auftakt zu einer anhaltenden Schwächephase des Unternehmens und des Aktienkurses sein. Dann sollte man sein Investment überdenken. Wenn aber sich die Kunden "nur" zurückhalten, weil demnächst die Einführung neuer Produkte ansteht, oder weil sich gesetzliche Regelungen sich zu einem bestimmten Zeitpunkt ändern, dann stellt sich ein Kursrutsch nicht selten als Übertreibung und folglich als Kaufgelegenheit für beherzte Investoren dar.

»Große Anlagemöglichkeiten kommen immer dann, wenn hervorragende Unternehmen vorübergehend in schwieriges Fahrwasser geraten und deshalb unterbewertet werden.«
(Waren Buffett)

Folglich sollte man nicht in jeden Kursrutsch hinein gefallene Aktien kaufen, denn nur weil die Aktien optisch billiger sind als vorher und einen größeren Abstand zu ihren vorherigen Höchstkursen aufweisen, macht sie das nicht zu guten Investments. Funktioniert aber ihr Geschäftsmodell und scheinen die Ursachen für die schlechten Quartalsergebnisse vorübergehender Natur zu sein, dann sollte man beherzt zugreifen und sich die Gelegenheit nicht entgehen zu lassen. Bei der Einschätzung hilft der Vergleich des Quartalsergebnisses mit dem Plan für das Gesamtjahr oder gar für mehrere Jahre. Ist dieser Pfad weiterhin intakt, ist ein verhageltes Quartalsergebnis kein Beinbruch, sondern eine Kaufgelegenheit.

»Spiele werden von denen gewonnen, die auf das Spielfeld achten und nicht auf die Anzeigetafel.«
(Waren Buffett)

Spekuliere nicht, investiere!

Kommentare:

  1. Guten Tag Herr Kissig,

    in diesem Zusammenhang würde mich Ihre Meinung zu den Gazprom ADRs (ISIN: US3682872078) interessieren.
    Das passt jetzt vielleicht nicht zu 100% zu diesem Artikel, da es sich dabei weniger um die Quartalsergebnisse, als eher um (mittlerweile länger währende) politische Turbulenzen handelt - alle anderen Kernaussagen des Blogeintrags lassen sich jedoch 1:1 übernehmen.

    Mit freundlichen Grüßen,
    ein interessierter Leser

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Russland ist für mich ein No-Go. Kein Rechtsstaat, totalitäres System, Währung- und Wirtschaftsprobleme ohne Ende, unter EU-und US-Sanktionen. Man muss sich nur mal die jüngsten Berichte anschauen über den weiteren Oligarchen, dem jetzt sein Milliardenimperium entrissen wird, weil er nicht mehr nützlich und/oder unbequem geworden ist. So groß kann meine Gier gar nicht werden, als dass ich mich auf Unternehmen aus solchen Ländern einlassen würde. Die Risiken sind nicht zu kalkulieren und noch weniger zu beherrschen, alles Willkür. Und die Chancen? ja, die gibt es. Aber die sind ebenfalls nicht abzuschätzen, sondern eher Lotterie. Ein annehmbares Chance-Risiko-Verhältnis lässt ich nicht erkennen.

      Löschen