Montag, 8. Dezember 2014

Balda AG: Attraktive Unterbewertung?

Die Balda AG hat einen enormen Absturz und eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Einst ein gefeierter Star am deutschen Börsenhimmel, als man noch die Hartschalen für Nokia-Handys herstellte und vom Erfolg des damaligen Weltmarktführers profitierte, ging es dann konsequent bergab. Hausgemachte Probleme und Querelen haben nicht nur Anleger vergrault, sondern auch das operative Geschäft nachhaltig gestört - und auch die Führungsriege wurde nicht nur einmal gewechselt.

Inzwischen sieht die Welt für Balda wieder etwas anders aus. Ein neuer CEO lenkt die Geschicke, ein neuer 30-Prozent-Großaktionär (und Aufsichtsratschef) zieht im Hintergrund die Fäden und eine Neuausrichtung auf den Bereich Plastik, insbesondere für die Medizintechnik, bringt operativ die Wende. Das EBIT scheint die Pluszone erreicht zu haben, so zeigen es die jüngst veröffentlichten Zahlen zum ersten Geschäftsquartal 2014/15. Die Balda AG erwirtschaftete in den ersten drei Monaten des Geschäftsjahres 2014/15 einen Konzernumsatz von 20,7 Mio. EUR nach 17,5 Mio. EUR im Vorjahreszeitraum und das EBIT liegt bei 0,4 Mio. EUR. Es scheint so, als würde der operative Turnaround greifen und hier wird die Sache nun auch langsam interessant.

"Turnarounds seldom turn."
(Warren Buffett)

Denn Balda sitzt auf Geld, viel Geld, um genau zu sein. Dieser Cash- und Festgeldbestand von fast 200 Mio. EUR stammt aus dem Verkauf der Anteile an dem taiwanesischen Touch-Screen-Unternehmen TPK. Ein Großteil der Erlöse wurde bereits in Form von üppigen Dividenden an die Anteilseigner weitergereicht und hat zu dem schrecklichen Chartbild beigetragen, denn gute 4 EUR an Kursreduzierungen in den letzten vier Jahren sind auf diese Sonderausschüttungen zurückzuführen. Setzt man das Nettoumlaufvermögen von rund 195 Mio. EUR ins Verhältnis zur aktuellen Marktkapitalisierung von 159 Mio. EUR (58,89 Mio. Aktien bei einem Kurs von 2,70 EUR), deutet dies auf eine signifikante Unterbewertung hin. Ausführlich dargelegt hat dies jüngst Daniel Koinegg in seinem Bargain-Magazine. Weitere Ausschüttungen sind aktuell nicht geplant und so stellt sich die Frage, was Balda mit dem Geld anfangen will. Denn Unternehmen, die sinnlos Geld streuen, um Geschäft hinzuzukaufen, sind selten ein gutes Investment.

In einem aktuellen Interview mit Börse Online äußert sich der neue Firmenlenker Oliver Oechsle zu den Plänen des Unternehmens. Man denke über Zukäufe nach, insbesondere für den Bereich Medizintechnik. Hier sehe man die Zukunft für Balda.

"Unser idealer Partner wäre ein Unternehmen, das sich im Markt der Medizintechnik bewährt hat, international gut aufgestellt ist und räumlich zu Balda passt. Eine solche Akquisition würde uns helfen, die Internationalisierung voranzutreiben und die Profitabilität zu steigern".
(Oliver Oechsle, CEO Balda AG)

Man kann also davon ausgehen, dass Balda bereits auf der Suche nach einem entsprechenden Unternehmen ist; abzuwarten bleibt allerdings, ob diese mögliche Akquisition wirklich den Parametern entspräche und zu einem vernünftigen Preis unter Dach und Fach zu bringen wäre. Aktuell hat Balda schon zwei örtliche Standbeine, eines in Deutschland und eines in den USA. Ein Zukauf kann hier die Balance einseitig verschieben und ggf. die gerade erst zusammenwachsenden Unternehmenskulturen negativ beeinträchtigen. Entsprechend kritisch wäre ein Zukauf auch unter diesen Gesichtspunkten zu betrachten - es muss halt vieles passen. Zu oft hat Balda in der Vergangenheit die Selbstbeschäftigung im Fokus gehabt und nicht das Voranbringen des operativen Geschäfts.

Ein weiterer kritischer Aspekt sind die - inzwischen nur verhalten geäußerten - Vermutungen, der neue Großaktionär plane, Balda in Richtung Solarenergie neu aufzustellen. Das wäre der Kursentwicklung wohl kaum zuträglich und würde erhebliche neue Fragen aufwerfen. Momentan deutet allerdings nichts darauf hin, dass es solche Bestrebungen wirklich gäbe. Und auch ein weiterer negativer Aspekt muss mit ins Kalkül gezogen werden: so hat Gereon Kruse auf boersengefluester.de neulich ein mögliches Delisting der Balda AG ins Gespräch gebracht. Man muss nicht gesondert erwähnen, dass dies zumeist mit einschneidenden Kursverlusten für Aktionäre einhergeht, denn das Einstellen der Börsennotierung stellt schon ein erheblichen Einschnitt in die Verfügbarkeit des Vermögens dar. Auch wenn der BGH dies in seinem realitätsverkennenden Delisting-Urteil anders sieht.

Der Abstieg aus dem SDAX hat dem Aktienkurs nicht gut getan und es könnte sein, dass das Unternehmen noch mehr aus dem Fokus institutioneller Anleger verschwindet. Zumindest covern aktuell noch zwei Analysehäuser den Wert und Warburg Research stuft Balda als "Halten" ein mit einem Kursziel von 3,90 EUR, während First Berlin das Votum "Kaufen" vergibt mit einem Kursziel von 4,40 EUR.

Eine Investition in die Balda AG ist kein Selbstgänger, kein "No-Brainer", sondern durchaus mit weiteren Risiken behaftet. Dennoch scheinen die positiven Aspekte zu überwiegen, die aus einer erfolgreichen Konsolidierung des operativen Geschäfts herrühren und der deutlichen Unterbewertung des Aktienkurses. Der hohe Cashbestand bietet hier eine erhebliche Sicherheit, solange er eben nicht unsinnig verpulvert wird. Hier muss man entscheiden, ob man dem neuen Management diesbezüglich das entsprechende Vertrauen entgegenbringt. Bejaht man dies, kann sich eine Turnaround-Spekulation in Aktien der Balda AG mittel- und langfristig als sehr lukrativ herausstellen. Dennoch sollte man den Wert nur als kleine Depotbeimischung verstehen, denn es bestehen nach wie vor unübersehbare Risiken.

Kommentare:

  1. Guten Tag,
    seit der Empfehlung ist mit dem Kurs nicht so wirklich viel passiert. Ist das Papier noch i.S.e. turnarounds zu mepfehlen?
    Vielen Dank!

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    1. Bei der Balda AG gab es operativ Hoffnung erweckende Zahlen, dann aber den Rückschlag, weil ein Großkunde angekündigt hat, ab dem nächsten Jahr selbst zu produzieren. Damit fallen bei der US-Tochter rund 10% der Umsätze weg mit entsprechend negativen Folgen.

      Ansonsten haben sich die Parameter nicht geändert:

      - Balda sitzt auf einem großen Berg Cash und sucht nach Zukaufmöglichkeiten. Man hat sich wohl auch die eine oder andere Firma angesehen, aber sich gegen einen Kauf entschieden. Das kann man auch positiv sehen, weil hier kein Schnellschuss versucht wird, sondern eine gute und nachhaltige Erweiterung.

      - Die gegenseitigen Klagen gegen die Ex-Eigentümer der US-Tochter sind noch nicht wirklich weiter gekommen, ebenso gibt es noch keine Infos bzgl. der Schadensersatzklagen gegen ehemalige Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder im Zusammenhang mit der Veräußerung von TPK-Aktien.

      Unter dem Strich sehe ich bzgl. der diversen Klagverfahren eher Vorteile für Balda, operativ sind die Risiken etwas gestiegen durch den Verlust des Großkunden. Die grundsätzliche Spekulation ist also noch intakt und das Ausgangsniveau fast gleich geblieben. Bisher hat man also "nur" etwas Zeit verloren und ggf. einen Zinsverlust, weil das investierte Geld keinen Ertrag abgeworfen hat...

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  2. Hi Michael,

    könntest du zu Balda noch ein Update deiner momentanen Meinung machen? Es hat sich ja viel getan und die aktuelle Situation um Balda ist sehr ungewiss. Belässt du das Unternehmen, trotz des massiven Kursanstiegs, dennoch auf deiner aktuellen Empfehlungsliste? Ist es 'jetzt' nicht eher zu sehr in Richtung Spekulation gewandelt? Würde mich freuen, wenn du mir meinen Denkfehler erklärst, weil ich würde an deiner Stelle jetzt aussteigen.

    Z.B. berichtet http://boerse.ard.de/aktien/balda-verkauft-sich-selbst100.html

    Der Vorschlag von Vorstand und Aufsichtsrat von Balda lautet: 1,10 Euro je Aktie sollen als Dividende direkt an die Anteilseigner gehen. Weitere 0,90 Euro je Anteilsschein sollen durch eine Herabsetzung und anschließenden Ausschüttung des Grundkapitals entstehen.

    Gem. einer DGAP - Meldung vom 01.10.2015 14:21 wird berichtet:

    Die Unternehmensgruppe Heitkamp & Thumann, Düsseldorf, ("H&T") hat ein notarielles Angebot mit einem Kaufpreis von EUR 70 Mio. übermittelt. Auch bei diesem Angebot würde der Kauf sämtliche operativen Einheiten des Balda-Konzerns, nämlich die Balda Medical GmbH & Co. KG, die Balda C. Brewer, Inc., und die Balda Precision, Inc., beide alifornien, USA, sowie die Balda Medical Systems SRL, Rumänien, und weitere Vermögensgegenstände umfassen. H&T bietet ferner ebenfalls an, sämtliche Mitarbeiter der operativen Einheiten sowie Mitarbeiter der Balda AG zu übernehmen. Ein Erwerb der Marke "Balda" ist hingegen nicht beabsichtigt. Bei Annahme des Angebots von H&T würde der Gesellschaft aus dem Verkauf (einschließlich des auszuschüttenden Gewinns für das abgelaufene Geschäftsjahr) insgesamt ein Bruttobetrag (vor Freistellungen, Steuern und Kosten) von ca. EUR 73,9 Mio.

    Viele Grüße!
    Stefan D.

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    1. Moin Stefan,
      bei Balda hatte ich es mir etwas einfach gemacht und auf den sehr guten Artikel auf "boersengefluester.de" verwiesen, der alle wesentlichen Inhalte und Zusammenhänge dargestellt hatte: "Andere Ansichten: Balda mit Schluss-Strich und Riesen-Dividende". Unter diesem Artikel finden sich auch diverse Kommentare, auch von mir, in denen die Entwicklung diskutiert wird, daher habe ich keinen weiteren separaten Artikel mehr dazu geschrieben.

      Meine Einschätzung zu den beiden Kaufangeboten ist, dass das höhere "Gegenangebot" der Unternehmensgruppe Heitkamp & Thumann auf der anstehenden Hauptversammlung keine Chance hat, auch wenn die gebotenen 70. Mio. EUR verlockend(er) klingen. Denn der zuvor verkündete Deal mit der Beteiligungsgesellschaft Paragon beinhaltet, dass Großaktionär van Aubel für die Annahme dieses Angebots stimmen wird. Die entsprechende Stimmrechtsmitteilung dokumentiert das ja auch so, denn seine rund 30% an Stimmrechten sind bereits auf Paragon übergegangen. Auf der HV benötigen die Angebote jedoch Zustimmungsquoten von mehr als 75% (der anwesenden Stimmen) und daher kann das H&T-Angebot de facto gar nicht angenommen werden. Andererseits bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass das Paragon-Angebot auf über 75% Zustimmung kommt - es könnte also darauf hinauslaufen, dass die HV hierzu kein Ergebnis bringen wird, weil keines der beiden Angebote die nötige Quote bekommt. Die Entscheidung wäre dann erst einmal vertagt.

      Hier wäre dann interessant, die genauen Vertragsdetails des Deals zwischen van Aubel und Paragon zu wissen, denn der Kaufvertrag ist ja bereits notariell beurkundet, steht aber natürlich unter der aufschiebenden Bedingung, dass die HV dem Verkauf zustimmt. Wenn die HV hier zu keinem Beschluss kommt, könnte entweder der Vertrag geplatzt sein, oder aber es könnte ein weiterer Anlauf auf einer neuen HV genommen werden. Je nach Vertragsregelung/Formulierung eben unter den gleichen Bedingungen oder aber ggf. ohne Kaufvertrag und dessen Konditionen. Dann könnte sich ggf. wirklich ein Bietergefecht um das operative Geschäft von Balda entwickeln.

      Ich würde also auf diesem Kursniveau keine Balda-Aktien mehr kaufen. Andererseits muss man jetzt auch nicht hektisch aussteigen, denn es kann durchaus sein, dass für Aktionäre noch mehr dabei herausspringt. Für mich ist die Balda-Aktie in dieser Gemengelage eine Halteposition - zumindest erst einmal bis zum Abschluss der HV. Dann muss man deren Ergebnisse bewerten und ggf. eine neue Einschätzung zu Chancen und Risiken von Balda treffen.

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  3. Hi Michael,

    bei deinem Einstiegs-Preis, wo du wieder mal goldrichtig lagst :), kannst du ja eigentlich nicht viel falsch machen Anteile weiterhin zu halten. Ich hatte ganz verdrängt, dass deine Empfehlungsliste ja auch die Halte-Positionen beinhaltet. Deshalb hab ich mich gewundert, dass Balda noch auftaucht.

    Viele Grüße!
    Stefan D.

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